Der Kapitalismus im Angesicht der Klimapolitik – Der Zerfall des alten Dogmas, dass der freie Markt alles optimal zu gestalten vermag

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Grenzgänge in den heutigen Wissenschaften
Beobachtungen der Wissenschaft

Der technologische Fortschritt prägt unser Leben, weit mehr als dies vielen bewusst ist. Abhängig ist diese Prägung wesentlich von den mit ihm verbundenen Profitmöglichkeiten, und diese wiederum von den marktwirtschaftlichen Strukturen und der Wettbewerbsdynamik in unserer Gesellschaft. So ist es nicht verwunderlich, dass der Einfluss der Wissenschaften für das menschliche Alltagsleben genau dann einsetze, als im frühen 19. Jahrhundert ein neues Wirtschaftssystem die Vermählung von wissenschaftlicher und technologischer Dynamik mit innovativem Unternehmertum und professionellem Produktionsmanagement ermöglichte. Von England ausgehend entwickelte sich dieses System zu seinem ersten Höhepunkt und ließ dabei eine bisher ungeahnte ökonomische Produktivität und wirtschaftliche Schaffenskraft zur Entfaltung kommen. Die Rede ist vom Kapitalismus. Erst mit ihm erhielt der technologische Fortschritt seine bis heute anhaltende unvergleichlich starke gesellschaftliche Dynamik.

Wir müssen uns in der Diskussion um politische und gesellschaftliche (und nicht zuletzt auch ethische) Fragen des technischen Fortschrittes also auch unausweichlich mit unserem Wirtschaftssystem beschäftigen. Die heftige Diskussion um den Nutzen und Schaden des kapitalistischen Wirtschaftssystems ist heute von derselben Widersprüchlichkeit geprägt wie die Ambivalenz des technischen Fortschrittes selbst: Auf der einen Seite ein massiver Produktivitätsgewinn aufgrund der Schaffung immer neuerer technologischer Ressourcen und darauf aufbauend ein unvergleichbares Wachstum des – durchschnittlichen – gesellschaftlichem Wohlstandes (vor allem in Industrieländern), auf der anderen Seite wieder stark wachsende gesellschaftliche Ungleichheit, menschliche – und ökologische – Ausbeutung, ethische Indifferenz («Profit vor Moral»), und ganz allgemein Maßlosigkeit in der Gier nach Wachstum. Gerade in den letzten Jahren zeigen die negativen Seiten des Kapitalismus wieder verstärkt ihr hässliches Gesicht, gerade und insbesondere im Angesicht der ökologischen Indifferenz so vieler mächtiger Wirtschaftsführer. So ist es kein Wunder, dass es auch jenseits alter linker revolutionärer Romantiken wieder eine stärkere Skepsis gegenüber dem kapitalistischen Wirtschaftssystem gibt und – damit oft einhergehend – auch gegenüber neuen Technologien. Tatsächlich gibt es einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen der polit-ökonomischen Ablehnung unseres westlichen Wirtschaftsmodells und einer ausgeprägten Wissenschafts- und Technologie-Skepsis. Sogar im Kernland des Kapitalismus, in den USA, erkennt man diese Skepsis in der neuen Biden-Regierung, die gerade die Planung einer gewaltigen öffentlichen Geldausgabe für eine aktive Klimapolitik vorantreibt.

Auf der anderen Seite, auf Seiten der politische Rechten, erkennt man dagegen oft einen unfassbar naiven Glauben, dass uns allein die Kombination wissenschaftlicher und ökonomischer Rationalität, d.h. die Kombination aus wissenschaftlich-technologischer Innovationskraft und monetärem Kapitalismus, wie von alleine in neue Paradiese führen wird. Doch bei aller Stärke wettbewerblicher Kreativität und der damit verbundenen Vielfalt neuer Ideen in einer freien Marktwirtschaft, die wir in den letzte 150 Jahren so eindrucksvoll erlebt haben, gibt es in der realen Welt nun einmal keine „unsichtbare Hand“, die schon alles gut werden lässt und uns zu optimalen Lösungen führt, die aus dem Blickwinkel der gesamten Menschheit wünschenswert sind. Eher sind die damit erlangten Lösungen zumeist nur optimal für eine gewisse (oft lokale) Gruppe von Menschen und lässt dabei bedeutende höhere Werte und wichtige gesellschaftliche Gegebenheiten komplett ausser Acht.

Die wichtigste davon ist die Frage nach der ökologischen Balance. Und hier hat der Kapitalismus leider das Klima viel zu lange nahezu komplett ausser Acht gelassen. Tatsächlich sind in unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem fast 150 Jahre lang jegliche Umweltfragen weitestgehend aussen vor gelassen worden. So waren gerade die Firmen, die für die grössten Umweltbelastungen verantwortlich gewesen sind, oft die wertvollsten der Welt. Ökologisch gewissenhaftere Unternehmen hatten dagegen Schwierigkeiten. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass der Zeithorizont des Kapitalismus – basierend auf dem von Kapitalanlegern – maximal drei bis fünf Jahre beträgt (die Höchstwerte gelten heute meist für Private Equity Investoren), während der notwendige Zeithorizont für die Definition geeigneter Massnahmen gegen Klimaveränderungen 30-50 Jahre umfasst, also die zehnfache Zeit.

Doch genau diese Kurzfristigkeit im Denken und Handeln ändert sich gerade – und dies, ohne dass dies bisher eine allzu grosse öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Der Grund dafür liegt nicht in irgendeinem neuen Marktverhalten, sondern in einer neuen politischen Rahmengestaltung der Märkte. So lohnen sich unterdessen tatsächlich auch Investitionen in alternative Energien: Eine im Juni 2020 veröffentlichte Studie des Imperial College London und der Internationalen Energieagentur analysierte Börsendaten der letzten fünf und zehn Jahre in Deutschland, Frankreich, England und in den USA. Das Ergebnis: Die Renditen der Investitionen in erneuerbare Energien waren in den letzten fünf Jahren beträchtlich. In Deutschland und Frankreich ließ diese Geldanlage mit 178,2 Prozent Rendite die Investitionen in fossile Brennstoffe weit hinter sich. Letztere haben mit -20,7 Prozent sogar Geld verloren. Im Vereinigten Königreich lag das Verhältnis bei 75,4 Prozent zu 8,8 Prozent, in den USA bei 200,3 Prozent zu 97,2 Prozent.

Diese Dynamik bildet sich auch im Börsenwert der Energieunternehmen selbst ab. Der von NextEra Energy, dem größten US-Unternehmen für erneuerbare Energien (Wind und Solar), überholte letztes Jahr den des Ölriesen Exxon und wurde zum wertvollsten Energie-Unternehmen an der US-Börse. Noch 2013 war Exxon das wertvollste börsennotierte Unternehmen weltweit gewesen, doch in weniger als sieben Jahren hatte die Firma etwa zwei Drittel ihres Marktwertes verloren (währenddessen NextEra um fast 300% zugelegt hat). Noch dramatischer ist die Situation für die Kohleindustrie. Die sich im Dow Jones U.S. Coal Index widerspiegelnde Marktkapitalisierung von Kohlefirmen in den Vereinigten Staaten ist in 10 Jahren von einem Höchststand von 500 im Jahr 2011 um mehr als 99% (!) eingebrochen, auf weniger als 5 im Jahr 2020. Zu diesem Zeitpunkt (September 2020) wurde der Index still und leise vom Datenanbieter S&P Global eingestampft.

Eine weitere Entwicklung in die gleiche Richtung – und dies kaum mehr beachtet – ist die Preisentwicklung der Erlaubnisse für Unternehmen in Europa, CO2 in die Atmosphäre abzugeben. Nachdem die entsprechenden Zertifikate jahrelang geradezu umsonst verschenkt worden waren, begann man 2013 dafür reelle Preise zu verlangen. Es dauerte aber fünf Jahre, bis die überschüssigen, zuvor umsonst vergebenen Zertifikate von den Unternehmen abgeschöpft waren und ihre Preise wie gewünscht anstiegen. Von 2018 bis 2020 verfünffachte sich dann aber der an der Börse in Leipzig gehandelte Preis für das Recht, eine Tonne CO2 in die Atmosphäre zu emittieren. 2019 und 2020 pendelte er zwischen 25 und 30 Euro, um dann Ende 2020 auf über 32 Euro, im Februar 2021 auf fast 40 Euro und im Mai 2021 auf fast 50 Euro zu steigen.

Man sieht also: Kapitalismus und energetische Nachhaltigkeit lassen sich durchaus miteinander verbinden. Nur braucht es dafür eben eine funktionierende politische Rahmengestaltung. Dies widerspricht der von so manchem Kapitalismus-gläubigen Ökonomen lange gehegten Vermutung, dass es eine generische Beziehung zwischen Wirtschaftswachstum und ökologischer Nachhaltigkeit geben könnte. Analog zur (längst widerlegten) Vermutung eines Zusammenhangs zwischen Wirtschaftswachstum und dem Verschwinden von Einkommensungleichheiten, der sogenannten «Kuzner-Kurve», würden demnach nach Überschreiten einer maximalen Klimabelastung umso weniger klimaschädliche Stoffe in die Atmosphäre geblasen werden, je weiter das Wirtschaftswachstum fortschreitet. Und tatsächlich hat das ökonomische Wachstum einiger Industrienationen begonnen, sich vom Wachstum in der Freisetzung klimaschädlicher Gase abzukoppeln. In Deutschland, Frankreich, England und den meisten anderen europäischen Industrieländern sinkt der Ausstoß von Treibhausgasen sogar, obwohl die Wirtschaft weiter wächst. Auch in den USA ist das so, wenn auch in geringerem Ausmass. Aber mehr als ein sehr schwaches Plateau haben wir global noch nicht geschafft. Und hier wird in Anbetracht der sich bereits abzeichnenden ökologischen Schäden die Zeit dann doch etwas knapp.

Die Erfahrung zeigt, dass es für all dies viel politische Gestaltung von aussen braucht, und genau das hat nun eingesetzt. Im Dezember 2019 beschloss die Europäischen Kommission den «European Green Deal»: Bis 2050 sollen die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null reduziert sein. Damit wäre Europa der erste klimaneutrale Kontinent. Bis 2030 wiederum sollen die CO2-Emissionen im Vergleich zum Basisjahr 1990 um 55 Prozent sinken. Nur wenige Monate nach der ersten Bekanntgabe der Ziele der EU-Kommission folgte China und gab seine eigenen Ziele bekannt. Und der im Januar 2021 ins Amt gekommen US-Präsident Joe Biden will sein Land nun ebenfalls schnell auf diesen Kurs bringen. Aus der europäischen Initiative ist also unlängst eine globale Dynamik geworden. Und das ist nun wirklich sehr ermutigend. Mit Kapitalismus hat dies aber nicht viel zu tun. Es ist eher umgekehrt: Der Kapitalismus wird politisch gesteuert, damit sich die Gesellschaft in die gewünschte Richtung bewegt, in diesem Fall hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft. Und gerade dann lässt sich umgekehrt auch von der immer noch sehr umfassenden und nicht selten vielversprechenden Dynamik des Kapitalismus stark profitieren.

Veröffentlicht von

www.larsjaeger.ch

Jahrgang 1969 habe ich in den 1990er Jahren Physik und Philosophie an der Universität Bonn und der École Polytechnique in Paris studiert, bevor ich am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden im Bereich theoretischer Physik promoviert und dort auch im Rahmen von Post-Doc-Studien weiter auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik geforscht habe. Vorher hatte ich auch auf dem Gebiet der Quantenfeldtheorien und Teilchenphysik gearbeitet. Unterdessen lebe ich seit nahezu 20 Jahren in der Schweiz. Seit zahlreichen Jahren beschäftigte ich mich mit Grenzfragen der modernen (sowie historischen) Wissenschaften. In meinen Büchern, Blogs und Artikeln konzentriere ich mich auf die Themen Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität, insbesondere auf die Geschichte der Naturwissenschaft, ihrem Verhältnis zu spirituellen Traditionen und ihrem Einfluss auf die moderne Gesellschaft. In der Vergangenheit habe ich zudem zu Investment-Themen (Alternative Investments) geschrieben. Meine beiden Bücher „Naturwissenschaft: Eine Biographie“ und „Wissenschaft und Spiritualität“ erschienen im Springer Spektrum Verlag 2015 und 2016. Meinen Blog führe ich seit 2014 auch unter www.larsjaeger.ch.

27 Kommentare

  1. Einen unregulierten Kapitalismus gibt es heute nirgends – das ist nichts als ein Mythos. Es gibt ja auch keinen unregulierten Strassenverkehr.

    In Wirklichkeit müssen sich Wirtschaftsakteure heute an sehr viele Regeln halten und weil sie das wissen, darum gibt es inzwischen ein ganzes Heer von Lobbyisten, die im intimen Kontakt mit den Politikern die Gesetzgebung in ihrem Sinne beeinflussen wollen, indem die Lobbyisten den Politikern weismachen wollen wie wichtig für die Volkswirtschaft ihr Sektor sei. In Deutschland beispielsweise spricht man davon, dass die Erdgaslobby stark mitmischt und die Energiestrategie deutlich beeinflusst.

    Die Aussichten der Lobbyisten die Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen ist umso besser, je stärker sie den volkswirtschaftlichen Wert ihres Sektors hervorheben und umso besser, je mehr Steuereinnahmen sie in Aussicht stellen. Denn – da muss man sich klar darüber sein – auch der Staat braucht Geld und am besten jedes Jahr etwas mehr. Wer also Gold verspricht, der erhält auch Gold, beziehungsweise Geld oder er erhält freie Bahn beim Geldscheffeln für sich und (angeblich) auch für den Staat.

  2. Ich glaube, der Autor unterliegt hier einem massiven Missverständnis. Niemand hat je behauptet, dass der “freie Markt alles optimal zu gestalten vermag”. Aber Märkte sind ein gutes Tool, um unter gegebenen Rahmenbedingungen zu effizienten Ergebnissen zu kommen.

    Jahrzehntelang waren unsere Gesellschaften der Meinung, dass jeder soviel CO2 in die Luft blasen kann, wie er mag. Inzwischen hat sich diese Meinung geändert. Nun ist die Frage, wie man das gesellschaftliche Verhalten am effizientesten verändern kann.

    Deutschland hat zwei Jahrzehnte einen dirigistischen Ansatz versucht, ein erheblicher Teil der Anstrengungen ist kodifiziert im EEG. Dies hat sich als nicht besonders effizient herausgestellt. Kein Land der Welt zahlt vor vermiedener Tonne CO2 mehr als Deutschland bzw. umgekehrt: Pro eingesetztem Euro vermeidet Deutschland besonders wenig CO2.

    Inzwischen hat sich auch in Deutschland herumgesprochen, dass ein marktorientierter Ansatz effizienter ist. Es gibt hier zwei Möglichkeiten: CO2-Handel oder CO2-Bepreisung. Wichtig ist die grundsätzliche Idee, dass CO2 einen Preis bekommt.

    Viele selbsternannte Marktwirtschaftskritiker scheinen zu glauben, dass reine Marktwirtschaft das Paradies verspricht. Das ist aber eine alberne Vorstellung.

    • “Wichtig ist die grundsätzliche Idee, dass CO2 einen Preis bekommt.”

      Die Idee ist ungefähr so alt wie die Diskussion um globale Erwärmung:

      “David Gordon Wilson first proposed a carbon tax in 1973.”

      https://en.wikipedia.org/wiki/Carbon_tax#Background

      Als sie in Deutschland durch CO2-Zertifikate realisiert wurde, wurden sie den Unternehmen praktisch geschenkt.

      Der Kapitalismus funktionierte so wunderbar, weil die Umweltkosten nahezu immer externalisiert, auf die Gesellschaft und die nachfolgenden Generationen abgewälzt wurden.

      • @Paul Stefan

        Der Kapitalismus funktionierte so wunderbar, weil die Umweltkosten nahezu immer externalisiert, auf die Gesellschaft und die nachfolgenden Generationen abgewälzt wurden.

        ____________________________________________________
        Warum Kapitalismus funktioniert, kann schon deswegen Niemand sagen, weil Niemand weiß was Kapitalismus überhaupt sein soll.
        Falls Sie aber damit Freie Marktwirtschaft gemeint haben sollten (?)-die funktioniert natürlich auch dann “wunderbar”, wenn externe Kosten internalisiert werden.
        Weswegen genau das ein hervorragender Ansatz ist. Niemand kann besser mit internen Kosten umgdhen als der Freie Markt.

        Übrigens wurden zukünftige Kosten für die globale Umwelt nicht externalisiert. Das war garnicht nötig, denn sie sind es schon von sich aus.

  3. Nicht nur die Allmacht des freien Marktes muss hinterfragt werden auch der Glaube der Industrieländer an eine Win-Win Situation im Welthandel muss politisch aufgearbeitet werden.
    Wenn es der Politik nicht gelingt, die Ungleichverteilung im Welthandel zu beseitigen, dann wird auch die Klimapolitik scheitern.
    Beispiel Brasilien. Brasilien holzt den Regenwald ab um die Schulden zu bezahlen.
    China baut Kohlekraftwerke um die eigene Industrie mit Strom versorgen zu können.
    Und alle fischen die Ozeane leer.
    Und aus Kostengründen werden die Plastikverpackungen einfach im Meer entsorgt.
    Die Politik ist gefordert !

  4. Der Kapitalismus “gestaltet” nur im Rahmen eines Kosten-/Nutzen-Verhältnis von/zu unternehmerischen Abwägungen, die daraus zynisch-resultierende Chancengleichheit im “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei”, entspricht dem zeitgeistlich-reformistischen Kreislauf der jeweiligen Hierarchie des imperialistisch-faschistischen Erbensystems – Ökologie ist, angesichts dieser konfusionierenden Welt- und “Werteordnung”, mit solch einer “Ökonomie”, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, deshalb gehört der Kapitalismus und alle dazugehörende wettbewerbsbedingte Symptomatik konsequent-kompromisslos abgeschafft, für ein wirklich-wahrhaftig menschenwürdig organisiertes Gemeinschaftseigentum, auf der Basis eines UNKORRUMPIERBAREN Menschenrecht zu KOSTENLOSER Nahrung, MIETFREIES (Sozial-)Wohnen und ebenso KASSEN-/KLASSENLOSER Gesundheit, dann klappt’s auch mit tatsächlich freiheitlich-gerechter Leistungsgesellschaft 👋😎

  5. Leider erfordert eine Kritik am Kapitalismus auch ein Verstehen dessen. Das nur Nacherzählen häufiger Narrative reicht eben nicht aus.
    Was ist denn „der Kapitalismus“? Wo bleibt denn die Marktwirtschaft im Kapitalismus. Was ist mit den „Leitplanken“, die zumindest in Europäischen Ländern üblich sind?
    Wo ist denn die funktionierende Alternative zur Kapitalistischen, sozialen und ökologischen Marktwirtschaft?

    • Danke, für den Feedback. Hier ein Auszug aus meinem “Biographie Wissenschaft” (2015):

      Nicht zuletzt ermöglichte ein neues Wirtschaftssystem die Vermählung von wissenschaftlicher und technologischer Dynamik mit innovativem Unternehmertum und professionellem Produktionsmanagement: Von England ausgehend entwickelte sich der Kapitalismus zu einem ersten Höhepunkt und ließ dabei eine bisher ungeahnte ökonomische Produktivität und wirtschaftliche Schaffenskraft zur Entfaltung kommen. Das neue Wirtschaftssystem und seine Technologien erlaubten im Jahr 1900 die Massenproduktion von Waren in hundertfach schnellerer Anfertigung als noch im Jahr 1800.

      Beste Grüsse
      Lars Jaeger

    • Zerfall des alten Dogmas, dass der freie Markt alles optimal zu gestalten vermag

      _______________________________________________________
      Existiert dieses “Dogma” denn überhaupt?
      Falls nicht, wie ich stark vermute, kann es natürlich auch nicht zerfallen.

  6. Die Renditen waren beträchtlich, weil diesen Firmen Förderungen auf Kosten der Steuerzahler reingeschoben worden ist.

    Wirkliche kapitalistische Innovationen, wie die Dampfmaschine, Eisenbahn, Automobile haben sich ohne solche Subventionen durchgesetzt. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass Krieg und Rüstung (auch auf Kosten der Steuerzahler übrigens) große Innovationsschübe gebracht haben. Aber (!!!) hier waren dann Pragmatiker am Werk, da die Produkte sich unmittelbar bewähren mussten. (Neuzeitlich spricht man von Agilität).

    Aus meiner Sicht kann der Staat gerne Regeln setzen, wie “Wasser, Erde und Luft dürfen nicht vergiftet werden” und ansonsten darf er sich bitte raushalten.

    • @ Graf Cagliostro:

      “Wasser, Erde und Luft dürfen nicht vergiftet werden”

      Auf so einer unspezifischen Ebene kann man das Thema nicht diskutieren. Wenn man das durchsetzen würde, stünde sofort die Wirtschaft still. Zu diskutieren sind konkrete Verfahren: Verbote, Grenzwerte, Preise für Verschmutzungsrechte, Verpflichtung zu Ausgleichsmaßnahmen, Zertifizierungen, Förderprogramme usw. Am Streit darüber wird auch sichtbar, wohin “der Kapitalismus” von sich aus strebt und wohin nicht.

      • Volle Zustimmung – aber mein Ansatz ist Top-Down. Daher würde ich schon sagen, dass man die Prinzipien diskutieren und festlegen sollte.

        Davon sind konkrete Maßnahmen abzuleiten, die sie beschreiben. Diese sind jedoch in bestimmten Zeiträumen gegen die grundlegenden Prinzipien zu prüfen (hilft es oder hilft es nicht), da solche Verfahren sonst ein Eigenleben entwickeln; irgendwer verdient daran, einfach “das Rad zu drehen”, ohne das der ursprünglich angedachte Nutzen eintritt.

  7. Dr. W ergänzt hier gerne, auch letzte Absätze meinend, die nicht selten Fazitäres meinen :

    Der Kapitalismus wird politisch gesteuert, damit sich die Gesellschaft in die gewünschte Richtung bewegt, in diesem Fall hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft. Und gerade dann lässt sich umgekehrt auch von der immer noch sehr umfassenden und nicht selten vielversprechenden Dynamik des Kapitalismus stark profitieren. [Artikeltext]

    Aus liberaler Sicht liegt Marktwirtschaft, mit oder ohne Attribut vor, Václav Klaus, die nicht (im kollektivistischen Sinne) “kapitalistisch” genannt werden muss, die (liberale) Demokratie sieht u.a. auch weit gehend freies Unternehmertum vor, Dr.W mag hier deutlich eher den Begriff der Rahmengebung, im ordoliberalen Sinne.

    Es war korrekt angemerkt, dass auch gesteuerte, politisch überlagerte Marktwirtschaft funktioniert, immerhin besser ist als sozusagen nacktes kollektivistisches Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, wie sich ja auch gezeigt hat und belegbar geworden ist.

    Der Schreiber dieser Zeilen geht davon aus, dass der werte hiesige Inhaltegeber sog. linksliberale Sichten personifiert, sozusagen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  8. Der Kapitalismus gehört abgeschafft, das erinnert an die Forderung, die Krankheiten gehören abgeschafft.

    Hier wurde die Frage gestellt, was denn Kapitalismus sei.
    Der Kapitalismus funktioniert wie der Wochenmarkt. Sind zuviele Kartoffel im Angebot, dann kann der Bauer gerade noch seine Herstellungskosten als Preis erzielen. Ist Kartoffelmangel , dann steigt der Preis.
    Und das ist vernünftig, weil der Verbrauch sich selbst steuert.
    Die Selbststeuerung ist das Merkmal des Kapitalismus.

    Aber, die Menschen sind erfinderisch. Befindet sich auf dem Wochenmarkt ein Monopolist, dann wird der nicht alle Kartoffeln anbieten, er wird das Angebot verknappen. alle denken, “oh, die Kartoffeln sind rar” und sie bezahlen den höheren Preis.
    Das hat den Kapitalismus in Misskredit gebracht, die Spekulation und die Konzentration auf wenige Anbieter. Wenn die dann noch Preisabsprachen machen, wie auf dem Automobilsektor geschehen, dann sind die Verbraucher die Benachteiligten.

  9. Die durchschnittliche Rendite von Exxon Mobil lag in den letzten 50 Jahren inkl. Dividenden bei genau 16.49%. Und dies geschah nicht mit Staatshilfen, sondern im Gegenteil unter immer stärker wachsenden Regulierungen. Mal sehen, wo NextEra Energy in ein paar Jahrzehnten steht. Ich würde ja ein wenig schmunzeln müssen, wenn es bis dahin längst den Weg von Wirecard oder Enron gegangen ist. 😉

    Disclaimer: ich besitze Aktien von Exxon Mobil. (im angelsächsischen Raum sind diese Disclaimer Pflicht, wenn Autoren in Ihren Artikeln Unternehmen preisen)

  10. Beendet endlich das größte Verbrechen der Geschichte (Totschweigen).

    Wenn die Menschheit (Wissenschaftler) erfährt, wie die vier stabile Materieteichen (Materiefelder), woraus die gesamte physikalische Welt besteht, aussehen, funktionieren bzw. miteinander wechselwirken, dann wird es jeden Tag mehr Entdeckungen und Erfindungen geben als in einem Jahrzehnt davor.

    Diese Erfindungen und Entdeckungen werden nicht nur die größte Revolution in der Geschichte in der Wissenschaft herbeiführen, sondern werden die wirtschaftliche Regeln und Beziehungen in der menschlichen Gesellschaft grundlegend ändern (z.B. durch Dezentralisierung der Energieerzeugung).

    Kapitalismus ist die grausamste und unmenschlichste Wirtschaft-und Gesellschaftsordnung, die nur dann überwunden werden kann, wenn die Menschen nicht wie Raubtiere (eigentlich viel grausamer) einander tatsächlich zerfleischen und zerfetzen und verstümmeln (z.B. durch Bomben) , um mehr und besseres Essen bzw. einen angenehmeren Ort (zuhause, Territorium) zu haben.

  11. Herr Graf
    Der Staat ist kein notwendiges Übel, er ist der Ausdruck und das Ergebnis eines Gemeinschaftsgefühls. Ein Volk ohne Staat ist jeglicher Willkür ausgesetzt. Denken sie nur an die Juden.

    • Vom neuen Götzen

      Irgendwo gibt es noch Völker und Herden, doch nicht bei uns, meine Brüder: da gibt es Staaten.

      Staat? Was ist das? Wohlan! Jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.

      Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: »Ich, der Staat, bin das Volk.«

      Lüge ist’s! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.

      Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für viele und heißen sie Staat: sie hängen ein Schwert und hundert Begierden über sie hin.

      Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und haßt ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten.[313]

      Dieses Zeichen gebe ich euch: jedes Volk spricht seine Zunge des Guten und Bösen: die versteht der Nachbar nicht. Seine Sprache erfand es sich in Sitten und Rechten.

      Aber der Staat lügt in allen Zungen der Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt – und was er auch hat, gestohlen hat er’s.

      Falsch ist alles an ihm; mit gestohlenen Zähnen beißt er, der Bissige. Falsch sind selbst seine Eingeweide.

      Sprachverwirrung des Guten und Bösen: dieses Zeichen gebe ich euch als Zeichen des Staates. Wahrlich, den Willen zum Tode deutet dieses Zeichen! Wahrlich, es winkt den Predigern des Todes! …

    • @hwied

      Staat🥴 sowas von (hinterhältigem/ränkespielendes) Hinterwäldlertum, es geht schon längst einzig ums Menschsein, was Dir klar sein müsste, wenn Du und Deine Kirche wirklich-wahrhaftig Christen im Sinne der Schrift wärd, denn da geht es nämlich nur um Vernunft, Verantwortungsbewusstsein und ein Gemeinschaftseigentum “wie im Himmel all so auf Erden”, als Menschen die sich als ein ganzheitliches Wesen ebenbildlich gestaltet organisieren, OHNE Wettbewerb / OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik.

  12. In der Energiepolitik, die wesentliches Feld der Klimapolitik ist, spielte der Markt immer in engen Grenzen. Wichtig waren auch immer politische Steuerung zu z.B. Versorgungssicherheit und Geopolitik (weitere Aspekte?).

    Dies sieht man etwa am Aufbau der Kernenergieflotte Frankreichs oder auch an Erdgaspipeline zu Russland. Mit dem Klimaschutz kommt ein weiterer Faktor hinzu. Dass dieser dann als neuartiger Einfluss auf den Markt erscheint, kommt eher daher, dass die anderen Faktoren bereits vertraut sind,als dass der freie Markt vorher ohne Steuerung war.

    • Graf C.: “Wasser, Erde und Luft dürfen nicht vergiftet werden”

      @Kuhn: “Auf so einer unspezifischen Ebene kann man das Thema nicht diskutieren.”

      Oh doch, wenn keine nach Korrumpierbarkeit stinkenden Kompromisse mehr eingreifen können, weil es um die einzig richtigen Maßnahmen für ein globales Gemeinschaftseigentum geht.

      Deine extrem systemrational-spezifischen Vorschläge sind für den konfusionierenden “Tanz um den heißen Brei”, die eine Garantie für die stinkenden Kompromisse sind, wo ein Zusammenleben OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik, also OHNE Steuern zahlen, usw., aufgrund der besseren globalen Kommunikationsmöglichkeiten schon längst absolut machbar ist.

      Wie tief steckst Du im Sumpf dieser destruktiven und von instinktiver Bewusstseinsschwäche gesteuerten Welt- und “Werteordnung” – Aktien, Immobilien und …, für die Rente und für die Erben???

  13. https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/der-kapitalismus-im-angesicht-der-klimapolitik-der-zerfall-des-alten-dogmas-dass-der-freie-markt-alles-optimal-zu-gestalten-vermag/?unapproved=43896&moderation-hash=464433395c2fd20f68f56518ca712ba3#comment-43896

    Zarathustra
    19.11.2020, 22:19 Uhr
    Schweigen im Walde

    Angst oder Verlegenheit?

    —————————————————————————————–

    Mich beunruhigt nicht, dass sie meine Ideen stehlen. Mich beunruhigt, dass sie keine eigenen haben.

    Wenn wir Öl für unsere Energiegewinnung nutzen, dann leben wir von unserem Kapital. Diese Methode ist barbarisch.

    Die heutigen Wissenschaftler haben die Mathematik für Experimente ersetzt, und sie wandern durch Gleichung nach Gleichung und schließlich bauen sie eine Struktur, die keinen Bezug zur Realität hat.

    Alles Großartige in der Vergangenheit wurde verspottet, verurteilt, bekämpft und unterdrückt – nur damit es kraftvoller und triumphierend aus dem Kampf auftauchen kann.“

    „Wenn der Hass der Menschen in Elektrizität umgewandelt werden könnte, würde die ganze Welt leuchten.“

    Nikola Tesla

  14. Der Kapitalismus

    ______________________________________________________
    Ist was ganz schlechtes und schuld an so ziemlich allem Übel in der Welt.
    Das ist fast schon allgemeiner Konsens.

    Aber was der “Kapitalismus überhaupt sein soll, konnte mir noch kein Kapitalismuskritiker erklären.

  15. Ich glaube, wir denken einfach in den falschen Kategorien.

    Jedes Unternehmen betreibt im Inneren straff organisierte, von einem Zentralkomitee gelenkte Planwirtschaft, die Eigeninitiative und privates Unternehmertum der Apparatschiks und Arbeiter rigoros unterdrückt. Nach Außen hin streifen die Firmen als vagabundierende Hippie-Horde durch die Welt, ernten, wo sie nicht gesät haben, drücken sich vor jeglicher Verantwortung, folgen einer esoterischen Religion aus dem Harvard-Aschram, nach der alles von selbst gut wird, wenn man nur mit Mutter Markt im Einklang lebt, und weil Mutter Markt ständig versucht, sie mit der Bratpfanne zu erschlagen, lungern sie in der Fußgängerzone rum und hauen Vater Staat um Knete an. Der erfolgreichste Unternehmer des letzten Jahrhunderts war Josef Stalin, der einen maroden Betrieb übernahm und durch rigorose Spar- und Umstrukturierungsmaßnahmen auf Vordermann brachte, der danach zu den Marktführern zählte und ein paar erfolgreiche Hostile Takeovers durchführte. Das Ganze scheiterte, weil es dem freien Unternehmensgeist aller Beteiligten im Wege stand, allem voran dem des Zentralkomitees. Andererseits wurde es nur durch freien Unternehmensgeist erträglich gestaltet. Stalin-Kapitalismus jedenfalls kann mir gestohlen bleiben, auch in der privatwirtschaftlichen Variante.

    Kurzum, Menschen machen das, was Menschen immer machen. Unterschiede entstehen durch Situationen, vorhandene Mittel, Möglichkeiten – Rest sind billige Ausreden, Selbstbeweihräucherung und Holzvermessung in zweierlei Augen. Wir haben also einen sehr stabilen, zuverlässig laufenden Lego-Stein, den wir nur noch verschrauben müssen. Systeme, die gescheitert sind, haben sich darauf verlassen, dass die Komponente sich verändern kann: Der christliche Mensch, der humanistische Mensch, der kommunistische Mensch, der demokratische Mensch, der kapitalistische Mensch – alles Rollen, die wir mehr schlecht als recht spielen, solange Peitsche uns zwingt und Zuckerbrot kauft, doch bei jeder Gelegenheit ablegen. Systeme, die lange Zeit überdauern, basieren allesamt auf Gier, Korruption, Egoismus, Grausamkeit, Skrupellosigkeit, Dummheit, Heuchelei – katholische Kirche, China, der Homo Sapiens, das Universum. So erklärt sich auch die Robustheit des Kapitalismus: Er nützt die Zuverlässigkeit menschlicher Niedertracht und versucht, sie in etwas Gutes umzuwandeln. Damit scheitert er zwar, aber es reicht, um ihn zu einem oft totgesagten Stehaufmännchen zu machen. Um an seinem Versagen zu verenden, muss es sich schon himmelhoch türmen. Und genau darin liegt die Gefahr – wenn’s dann doch kracht, dann richtig. Je besser wir darin wurden, vor der Bratpfanne wegzuhüpfen, desto begeisterter haben wir den ganzen Planeten zur Bratpfanne umgebaut. Mit vielen kleinen Zeitbomben und Kettenreaktionen, die alle auf einmal losgehen.

    Erst mal verabschieden wir uns vom totalen Anspruch: Freiheit bedeutet nicht, dass jeder in die eigene Tasche wirtschaftet und auf alle anderen pfeift. Kollektive oder dirigistische Arbeit heißt nicht, dass wir in allen Lebensbereichen zu einer gesichtslosen Masse verschmelzen müssen. Nein, Freiheit will durchgefüttert werden, Armut ist eine Form der Unterdrückung. Ein amerikanischer Plantagensklave arbeitete 15 Stunden am Tag, aber nur in der Erntezeit. Sein Nachfahre im Getto hat drei Jobs und macht das das ganze Jahr über. Alternativ darf er Gangsta werden und der Polizei helfen, die Hood durch Terror ruhig zu halten, andere Optionen gibt’s in homöopathischen Dosen. Amerika ist im Grunde eine Sklaven-Kolchose, bei der die Arbeiterschaft Gemeinschaftsgut ist und rund um die Uhr gepeitscht wird, damit sie sich auf dem Markt selbst verkauft.

    Der Unterschied zur Freiheit ist graduell: Um acht Stunden in Frieden pennen und acht Stunden die Sau rauslassen zu dürfen, vermiete ich mich acht Stunden als Leibeigener an irgendeinen Feudalherrn und hüte die Kühe, als Gegenleistung ans Kollektiv, das mir das alles ermöglicht. Ob der Feudalherr jetzt VW oder Volksrepublik heißt, ist mir egal – ob ich Sklave oder Mitarbeiter bin, entscheidet das Verhältnis von Zuckerbrot zu Peitsche im Verhältnis zum Zuckerbrot: Peitsche ist ja immer in Überfluss vorhanden, doch, damit ich ein Stück vom Kuchen abbekomme, muss die Firma erst Kuchen herbeischaffen. Und wie viel das ist, hängt nicht nur von der Führung ab, sondern auch von Umwelt und Möglichkeiten – wenn ich mit drei Leuten drei Karotten in der Wüste erwirtschafte und eine abbekomme, bin ich frei, solange ich davon satt werde; wenn ich mit tausend Leuten eine Milliarde Karotten erwirtschafte und fünf abbekomme, bin ich ein Sklave, weil ich mehr Karotten auch gegen mehr Freiheit eintauschen könnte. Die richtige Wirtschaft ist die Wirtschaft, die funktioniert, und was dabei kollektivistisch, geplant, durch freie Unternehmer ausgefochten werden muss, ändert sich, abhängig von der Situation.

    Der freie Wettbewerb ist ein hochwirksames Mittel, um die Besten in einer Disziplin herauszufinden, die ganze Evolution hat es sich vom Kapitalismus abgeguckt. Blöderweise findet man nicht heraus, wer am höchsten springen kann, indem man einen Schwimmwettbewerb veranstaltet. Der Kapitalismus betrachtet ein wirtschaftliches Hilfsmittel – das Geld – als Profit, und alles, was die Wirtschaft eigentlich leisten soll – materiellen Wohlstand, Sicherheit, Lebensqualität, sozialen Frieden, Fortschritt – als Kostenfaktor, den es zu reduzieren gilt. Wir sehen den Sinn des Autos in der Fußmatte, und den Rest des Autos als lästigen Ballast. Folgerichtig wetteifern wir darin, möglichst viele Fußmatten auf möglichst winzigen Rollschuhen zu stapeln. Die Rollschuhe müssen trotzdem wachsen, um immer mehr Fußmatten tragen zu können, nur sparen wir inzwischen sogar die Räder ein. Wir verbuchen die Maximierung der Nutzlosigkeit der Wirtschaft als Erfolg und fokussieren alle unsere Kraft, Intelligenz, Kreativität darauf. Es ist das beste System, das die Menschheit je kannte, denn eine Spezies, die einen solchen Schwachsinn tatsächlich durchzieht, verfügt natürlich auch nicht über die intellektuellen Kapazitäten, sich etwas Besseres einfallen zu lassen.

    Wäre trotzdem langsam Zeit. Kollektive, zielgerichtet gelenkte Arbeit ist dem freien Wettbewerb überlegen, wenn Menschen immer wieder Routinearbeiten erledigen müssen, und/oder gemeinsam ein großes Projekt angehen. Ohne die NASA würde der Musk mit einem Heißluftballon rumgurken, nur ein Staat hatte die Mittel, das Startup zu finanzieren und zu organisieren, die Milliardärszwerge leben vom Staatsriesen und profitieren von seinem Erschlaffen. Freier Wettbewerb vieler kleiner, ambitionierter Zwerge, die alle dem Heiligen Gral nachjagen, zum Riesen wachsen zu dürfen, sorgt hingegen für raschen Fortschritt in jede beliebig gewählte Richtung – ob Himmel oder Hölle, ist ihm egal. Den kollektiven Teil haben wir untern Tisch fallen lassen, weil uns Wissenschaft und Technologie einen Bonuslevel unlocked haben – plötzlich wurden so viele Ressourcen nutzbar, dass sich die Welt in einen riesigen Bonbonladen verwandelte, den wir nur noch enthusiastisch zu plündern brauchten, wer am besten die hirnlose Fressmaschine hinlegte, schrieb die schwärzesten Zahlen. Nur ist der Laden inzwischen ziemlich leer und dazu noch ziemlich demoliert, wird Zeit, Bonbonherstellung und Hausmeister zu lernen. Vrrnunft, Vrrrnunft, Vrrrnunft, grunzt irritiert das fette Schwein, wenn es sich nicht schnell genug zum Futtertrog vordrängeln kann, doch blinde Vernunft, die Sorte, die sich stets gierig auf den nächsten Fraß stürzt, ganz egal, ob ein Angelhaken herausragt oder tote Ratten drum herum liegen, bedarf einer ganz besonders liebevollen Umgebung, um sich nicht als bodenlose Dummheit rauszustellen. Und die haben wir putt gemacht. Wir müssen umorganisieren.

    Dann gibt’s noch die Frage des Motors. Der Kapitalismus hat die Sklaverei insofern verbessert, dass der Sklave auch mit dem Maul erntet – er ist vom Ackergaul, der so mager sein darf, wie er will, solange er den Pflug ziehen kann, zur Kuh avanciert, die gepflegt und gemästet wird, um mehr Milch zu geben. Doch auch hier versucht der Massa, ihn zu Extremleistungen zu treiben. Es gibt aber eine Obergrenze dafür, wie viel ein Mensch saufen, fressen, huren kann – unsere Gier ist unendlich, unser Magenvolumen nicht. Bei Menschen, die dem System nützlich sind, wird der Konsumregler bis zum Herzanschlag aufgedreht, Menschen, für die es keine Verwendung hat, im Mittelmeer ersäuft. Der Kapitalismus ist ein Schneeballsystem, er braucht immer neue Konsumenten und Märkte, doch wenn Liechtenstein allein produktiv genug ist, um alle Kettenbriefchen allein zu schreiben, kann der Rest der Pyramide keine mehr verkaufen, bekommt kein Geld und kann sich auch keine Liechtensteiner Kettenbriefchen leisten – Liechtenstein verarmt, der Rest verhungert. Natürlich wird es nie so weit kommen – momentan wetteifern wir alle darum, Liechtenstein zu werden, und lange, bevor einer gewinnt, wird das Problem durch das Universalheilmittel der Natur behoben: Den Tod. Deswegen hassen wir uns neuerdings alle und stimmen uns auf den dritten Teil der Weltkriegs-Trilogie ein.

    Wir müssen erstens, alle Menschen an die Nabelschnur tackern, zweitens brauchen wir einen synthetischen Konsumenten, der unserer Produktivität gerecht wird. Den ganzen Planeten durchzuputzen wäre schon mal ein guter Denkansatz.

    Wir haben einen Haufen Fehler, aus denen wir lernen können, zum Beispiel, dass wir nie aus Fehlern lernen und dafür vorsorgen müssen. Wir haben Ressourcen im Überfluss, Komponenten, exzellente Bauteile aus vielen brennenden Wracks. Nur das Auto fehlt.

  16. “……. die ganze Evolution hat es sich vom Kapitalismus abgeguckt.”

    Genau umgekehrt.

    Evolution (Die Natur) ist grausam und ungerecht. Der Größte Teil der Tiere töten und fressen andere Tiere, um nur einen Tag länger zu leben.

    Auch die, die zur selben Gattung gehören, verletzen, töten und zerfleischen einander, um besseren Ort, besseres Futter und bessere Fortpflanzungsmöglichkeiten zu haben.

    Die Menschheit befindet sich immer noch auf diese Stufe und Kapitalismus ist eine Wirtschaftsordnung, die der Entwicklung der Menschheit auf diese Stufe entspricht.

    Die Menschheit steht jetzt am Abgrund und wird hineinstürzen, wenn die Menschheit bald die nächste Stufe nicht erreicht.

    Dafür muss die Menschheit wissen, wie die vier stabile Materieteilchen (n,p,e,v) aussehen und funktionieren, woraus das gesamte Universum (Galaxien, Sterne, Menschen, Tiere, Pflanzen usw, ) besteht.

    ZUm 1000. Mal

    Beendet endlich das abscheulichste Verbrechen der Geschichte und geht überall hin und berichtet über das wichtigste Ereignis (meine absolut unbestreitbare, Welt bewegende Feststellungen) in der Menschheitsgeschichte.

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