Das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Solidarität in der Corona-Krise – Von der Struktur bestmöglicher politischer Entscheidungsfindung in der offenen Gesellschaft

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Grenzgänge in den heutigen Wissenschaften
Beobachtungen der Wissenschaft

Lange haben es die Menschen in der Welt im Corona-Lockdown ausgehalten, sind den sich bzgl. Härte und Striktheit immer wieder verändernden Anweisungen ihrer Regierungen einigermassen gehorsam gefolgt, haben sich schweigend dem von der Regierung proklamierten „Gebot der Vernunft“ gefügt. Doch nun erleben wir zunehmende Proteste und Demonstrationen, explizit vorgetragene Verletzungen der gesetzlichen Gebote und seit neustem auch scharfe Äusserungen gegen die von den Regierungen verlangten Einschränkungen unseres öffentlichen Verhalten von Seiten der Intellektuellen. So schreibt der Bonner Philosoph Markus Gabriel am 20. März in der Neuen Zürcher Zeitung sich auf die Gedanken Sir Karl Poppers zur offenen Gesellschaft beziehend, dass in Demokratien der Staat zu schwach ist, um der Komplexität dieser globalen Pandemie gerecht zu werden. Der Staat ist überfordert, wenn er dieser Komplexität durch von oben oktroyierte Massnahmen gerecht werden zu können. Vielmehr müsse ihr durch eine vielschichtige und von der Freiheit der einzelnen Bürger getriebenen und lokal organisierte Kooperation begegnet werden. Insbesondere geht es darum, die unvorhergesehenen und oft prinzipiell unvorhersagbaren Folgen zentralstaatlicher Entscheidungen zu erkennen. Dazu müsse, so Gabriel, den verschiedensten, komplex ineinandergreifenden Kräften der bürgerlichen Gesellschaft die Macht zurückgegeben werden soll, die dann dieser Krise aus eigener Kraft und Entscheidungsfähigkeit gerecht zu werden versprechen.

Anders als die „Verschwörungstheorie“ brüllenden Dumpfbacken der Querdenker muss man diese Gedanken sehr ernst nehmen, denn sie sprechen tatsächliche Schwächen unserer liberalen und offenen Gesellschaft in Anbetracht dieser Krise an. Doch liegt der Konflikt noch tiefer: Die Corona-Pandemie reflektiert im Grunde nichts anderes als einen langen Konflikt der Moderne, nämlich den Kampf zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Solidarität. Die Notwendigkeit des Schutzes unserer vom COVID-19-Virus besonders bedrohten Mitbürger steht ausser Frage, aber wie stark darf ein jeder einzelner Bürger von den Massnahmen für diesen Schutz betroffen sein? Hier spiegelt sich nichts anderes als die in einer offenen Gesellschaft zentrale Frage wider: Die unterprivilegierten Menschen in unserer Gesellschaft, die Armen, Kranken und Bedürftigen, brauchen unseren gesamtgesellschaftlichen Schutz, doch wie stark darf dieser Schutz die individuelle Freiheit eines jeden Bürger beeinträchtigen?

Der bedeutendste Ideengeber der liberalen und offenen Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als der totalitäre Faschismus und ideologisch bornierte Sowjetkommunismus die offenen Gesellschaften in Europa existentiell bedrohten, war Karl Popper. Dieser formulierte den für eine offene Gesellschaft bis heute zentralen Gedanken, dass eine jede politische Entscheidung in der potentiellen Falschheit der ihr zugrunde liegenden Annahmen, der Möglichkeit unbeabsichtigter und aufgrund der Komplexität unserer modernen Gesellschaft notwendigerweise unabsehbarer Konsequenzen und zuletzt der möglichen Fatalität der Negativität ihrer Auswirkungen korrigierbar sein muss, spätestens durch die Abwahl der verantwortlichen politischen Entscheidungsträger. Ideologische Theorien und totalitäre Dogmen scheitern notwendigerweise an der Komplexität der sozialen Wirklichkeit unserer Gesellschaften, so Poppers zentrales Argument. Dies gibt Markus Gabriel korrekt wieder und beschreibt daraus folgend die Unmöglichkeit von erfolgreichen zentralen Verschwörungen, wie solche von den politischen Dumpfbacken und bornierten Schreihälsen immer wieder proklamiert werden.

Interessamt wird es aber erst, wenn man die über 75 Jahre alten und heute in universitären Anfängerseminaren der Fächer Philosophie und Politologie behandelten Gedanken Poppers konkret auf die gegenwärtige Corona-Krise überträgt. Hier lautet das Plädoyer vieler rechtsbürgerlicher politischer Denker, dass der Staat, und hier insbesondere die Regierung, der mit dieser Krise verbundenen Komplexität nicht mehr gerecht werden kann mit ihren zentralistischen Anordnungen von Lockdowns und massiven Einschränkungen unserer aller Bewegungs- und Handlungsfreiheit. Man solle daher auf solche verzichten und den Bürger doch wieder ihre Freiheiten zurückgeben. Diese Forderung wird nicht selten dadurch ergänzt, die Bürger seien in ihrer Vernunftbegabung weitaus besser in der Lage, die Krise „von unten“ zu meistern, anstatt dass ihnen entsprechende Maßnahme „von oben“ aufoktroyiert werden. Gabriel geht sogar so weit zu sagen, dass „der Staat allein in einer liberalen Demokratie keine komplexen Probleme löst“. Er sei „selbst nur ein Teil der Gesellschaft, deren Komplexität nicht auf eine monarchistische oder oligarchische Spitze reduziert werden kann“. Die Korrektheit dieser Aussage steht ausser Frage, allerdings kommt sie mit einer Suggestion oder gar Implikation, die weit entfernt von der Realität steht, nämlich, dass in unseren westlichen Demokratien in Zeiten der Corona-Krise die Regierungen in vollständiger Isolation und ohne jede Rückkopplung mit allen anderen Teilen der Gesellschaft agieren. Tatsächlich haben die Regierungen ihre Entscheidungen immer wieder mit sehr vielen verschiedenen Gruppierungen (Wissenschaftler, Wirtschaftsfunktionären, Unternehmensvertretern, Entscheidungsträger auf tieferen politischen Ebenen, Juristen, etc.) abgesprochen und abgestimmt. Zudem haben sie immer wieder neu auf sich einstellende Entwicklungen reagiert und damit eben gerade anders agiert als oligarchische oder monarchistische Regierungsvertreter, die ihre Entscheidungen selbst in Anbetracht sich ändernder Umstände nicht immer wieder im öffentlichen Raum reflektiert sehen müssen.

So hat zum Beispiel die Schweizerische Regierung bis in den November des letzten Jahres, als die Corona-Zahlen in ihrem Land bereits über jede Rekordmarke und internationale Vergleichsmassstäbe hinausschossen waren, immer noch öffentlich die Selbstverantwortung ihrer Bürger herbeibeschworen und sich auf diese stützen wollen – bis es halt nicht mehr ging, wofür sie sich dann aufgrund ihrer zu späten Reaktion hin zu härteren Corona-Massnahmen starker Kritik im In- und Ausland ausgesetzt sah. So ganz zu klappen schien es mit dem alleinigen Bezug auf die Freiheit der Bürger halt nicht. Eine Indikation dafür hatte es im Übrigen bereits in den Wochen und Monaten davor gegeben, als sich trotz der akuten Corona-Gefahr viele Bürger nicht davon abhalten liessen, das Party-Leben in Diskotheken und Strandclubs uneingeschränkt zu geniessen. Derartige Unverantwortlichkeiten bestehen bis heute fort: Man fliegt nach Mallorca, oder falls betuchter nach Dubai oder Madagaskar.

Im Spannungsfeld zwischen Freiheit des Einzelnen mitsamt ihrer oder seiner Selbstverantwortung und der Solidarität mitsamt staatlicher Definition dieser scheint es eben auch nicht ganz unproblematisch zu sein, alle Karten auf erstere zu setzen. Tatsächlich ist, wie Gabriel es behauptet, der Staat bzw. die Regierung in der offenen Gesellschaft allein zu schwach, um die Lösung von oben herab zu definieren und vorzugeben. Aber auch von unten herauf ergibt sich eine solche eben nicht ganz von allein. Besonders gut erkennt man dies in Brasilien, wo die Regierung sich bis heute weigert, in die Freiheitsrechte der Bürger einzugreifen („um die Freiheit des Volkes zu verteidigen“, denn „wertvoller als das Leben sei die Freiheit, so Brasiliens Präsident Bolsonaro) und stattdessen, dieser Einstellung folgend, für das Prinzip „Geschäft vor Gesundheit“ plädiert. Die Ergebnisse sollten auch den grössten Freiheitsapologeten zu denken geben: Das ganze Land ist zum COVID-19-Katastrophengebiet und nach Einschätzung von Gesundheitsexperten zu einem „Freiluftlabor für das Coronavirus“ und damit einem Risiko für die Weltgemeinschaft geworden.

Wir stossen immer wieder auf das zentrale Problem: Wie lässt sich der Komplexität der sozialen Wirklichkeit in unseren heutigen offenen Gesellschaften gerecht werden, insbesondere im Angesicht der COVID-Krise? Hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Philosophie Karl Poppers. Seine Philosophie der offenen Gesellschaft besitzt nämlich ein Fundament, das uns Markus Gabriel vorenthält. „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ von 1945 ist keineswegs das „Opus magnum“ Poppers, wie Gabriel behauptet. Vielmehr beruhen Poppers Gedanken darin auf seiner wissenschaftlicher Erkenntnistheorie, die er bereits 1934 in seinem Werk „Logik der Forschung. Zur Erkenntnistheorie der modernen Naturwissenschaft“ formuliert hat. Die Notwendigkeit, politische Entscheidungen korrigieren und Regierungen gewaltfrei abzuwählen zu können, findet ihre Entsprechung in der Möglichkeit wissenschaftliche Aussagen falsifizieren und immer wieder korrigieren zu können. Dies ist nach Popper der Vorzug des wissenschaftlichen Denkens: Nicht auf einer letzten Wahrheit zu beharren, sondern die Dynamik eines ständigen Befragens des Status quo unserer eigenen intellektuellen Solidität und die nicht endende kritische Reflexion unseres gegenwärtigen Denkens, Wissens und Meinens stehen im Zentrum der wissenschaftlichen Methode. Für feste und auf ewig unverrückbare Wahrheiten ist da wenig Platz. Dies ist für Nicht-Wissenschaftler nicht immer leicht zu verstehen. Was in der Wissenschaft Normalität ist, nämlich, dass jede wissenschaftliche Erkenntnis innerhalb der wissenschaftlichen Community immer auch angezweifelt und kontrovers diskutiert wird, sorgt bei Laien für Verunsicherung – und erlaubt es leider auch Politikern, die Hände in den Schoss zu legen, wenn es um wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse wie beispielweise die Eigenschaften des Corona-Virus oder auch den Klimawandel geht, ganz frei nach dem Motto: „Schaut, die Wissenschaftler sind sich ja selbst nicht einig! Woher sollen wir dann wissen, was zu tun ist?“

Doch erst diese methodische Grundlage des Zweifels und des ständigen Hinterfragens und somit das vorsichtige Vorantasten in der Vieldimensionalität der Wahrheit wird der Komplexität der Strukturen unserer Welt und der menschlichen Erkenntnis dieser gerecht. Diesen so klaren wie brillanten Gedanken übertrug Popper nun auf die Gesellschaft und ihre eigene Komplexität. Wir kommen nicht mit einem Schlag zur optimalen Herrschaft- und Entscheidungsstruktur, sondern tasten uns auch hier immer wieder über die Korrektur falscher Entscheidungen vorwärts. Darauf bezieht sich korrekterweise auch Gabriel. Allerdings findet sich keine Kongruenz mit seiner Beschreibung, wie die westlichen Regierungen vorangegangen sind, um der immensen Komplexität der Aufgabe einer optimalen Pandemiebegegnung gerecht zu werden. Haben die Regierungen selbst ihre einmal getroffenen Entscheidungen nicht immer wieder angepasst, sich mit Taskforces getroffen, die verschiedensten Ebenen der Entscheidungsträger angefragt und einbezogen und die Temporalität ihrer Entscheidungen betont, jederzeit bereit Anpassungen an ihnen vorzunehmen? Erscheint hier nicht die von Gabriel und vielen rechtbürgerlichen politischen Advokaten geforderte Alternative, allein auf die Freiheit der Bürger und ihre Selbstverantwortung zu setzen selbst als eine dogmatische Vereinfachung, die der Komplexität der Situation niemals gerecht werden kann? Ein Blick auf die in Brasilien beobachtbaren Auswirkungen scheint eine klare Antwort auf die letzte Frage zu geben.

Tatsächlich erscheint der zuweilen etwas kontrovers und uneinig und nicht zuletzt erratisch erscheinende Vorgang der politischen Entscheidungsfindung in der offenen Gesellschaft mit ihren vielschichtigen Inputs und zuweilen gar als Schwäche ausgelegten Korrekturen während der Corona-Krise (zuweilen sogar mit öffentlichen Entschuldigungen, wie kürzlich die von Angela Merkel) als die wohl beste Entsprechung des Popper’schen Ideals der offenen Gesellschaft und ihrer strukturellen Stärke im Angesicht der Komplexität heutiger sozialer Strukturen. Die Forderung, dies alles in die Hände selbstverantwortlicher, freier Bürger zu legen, erscheint dagegen eher als das Ergebnis einer dogmatischen Illusion. Nachdem sich Gabriel also korrekter- und wunderbarerweise auf den anti-dogmatische Charakter der Popper’schen Lehre bezieht, verfällt er selbst dem dogmatischen Glauben, dass die Freiheit des Einzelnen und seine Selbstverantwortung die optimale Lösung auf die hyperkomplexen Probleme um die COVID-Krise anbieten. Es ist zu erwarten, dass uns der Staat und die Regierung so schnell wie möglich wieder in die Freiheit der so sehnlichst herbeigesehnten Selbstgestaltung unseres Lebens zurückkehren lassen wird.

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www.larsjaeger.ch

Jahrgang 1969 habe ich in den 1990er Jahren Physik und Philosophie an der Universität Bonn und der École Polytechnique in Paris studiert, bevor ich am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden im Bereich theoretischer Physik promoviert und dort auch im Rahmen von Post-Doc-Studien weiter auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik geforscht habe. Vorher hatte ich auch auf dem Gebiet der Quantenfeldtheorien und Teilchenphysik gearbeitet. Unterdessen lebe ich seit nahezu 20 Jahren in der Schweiz. Seit zahlreichen Jahren beschäftigte ich mich mit Grenzfragen der modernen (sowie historischen) Wissenschaften. In meinen Büchern, Blogs und Artikeln konzentriere ich mich auf die Themen Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität, insbesondere auf die Geschichte der Naturwissenschaft, ihrem Verhältnis zu spirituellen Traditionen und ihrem Einfluss auf die moderne Gesellschaft. In der Vergangenheit habe ich zudem zu Investment-Themen (Alternative Investments) geschrieben. Meine beiden Bücher „Naturwissenschaft: Eine Biographie“ und „Wissenschaft und Spiritualität“ erschienen im Springer Spektrum Verlag 2015 und 2016. Meinen Blog führe ich seit 2014 auch unter www.larsjaeger.ch.

18 Kommentare

  1. Diese Forderung wird nicht selten dadurch ergänzt, die Bürger seien in ihrer Vernunftbegabung weitaus besser in der Lage, die Krise „von unten“ zu meistern, anstatt dass ihnen entsprechende Maßnahmen „von oben“ aufoktroyiert werden.

    Der zweite Teil des Satzes entspricht in etwa der Erkenntnis, dass die Randbedingungen des Lebens durch Geologie und Geophysik vorgegeben werden, innerhalb derer sich jede Art ihre Nische selber suchen muss. Das ist ein seit etwa 3 Milliarden Jahren erfolgreiches Prinzip. In dem Zusammenhang möchte ich gern auf einen aus meiner Sicht kardinalen Fehler der Beschreibung der Evolutionstheorie hinweisen, es überlebt eben nicht nur der “Fitteste” ( was regelmäßig zur Selbstüberschätzung und zur Unterjochung der vorgeblich weniger “Fitten” führt ), sondern nur der im Moment ( geologisch zeitlich, örtlich ) am wenigsten Fitte stirbt aus, indem er ohne Nachkommen stirbt. Der erste Teil des Satzes ist aber in zweifacher Hinsicht fehlerhaft. Zum einen ist bildhaft gesprochen “von unten” selten der Horizont zu sehen und damit wird die Richtungssuche zum Glücksspiel, real, dass man nicht allen “unten” die gleichen Wissensvoraussetzungen ( = Randbedingungen ) zuschreiben kann, die für eine Entscheidung nötig sind. Zum anderen krankt diese Vorstellung einer allgemeinen “Vernunftbegabung” einfach daran, dass diese, wie alle anderen Eigenschaften auch, normalverteilt ist. Das ist aus meiner Sicht auch der Grundfehler aller “staatstragenden” Theorien, dass es nicht nur vernünftige, einsichtige, kooperative und gutwillige Mitmenschen gibt, sondern auch immer mindestens die gleiche Zahl an jeweiligen “Antikörpern” vorhanden ist.
    Ich sehe zwar das Dilemma, aber angesichts der Tatsache, dass es keine “allgemeingültige Wahrheit” gibt, habe ich auch keine Lösung.

  2. Wenn der Philosoph Gabriel die Corona-Problematik eher als Herrschafts-/Staats-Problem betrachtet, dann hat er nicht verstanden um was es dabei geht.

    Covid-19 kann schwere Krankheiten, bis hin zum Tod, bewirken.

    Wenn Regierungen Maßnahmen anordnen, mit deren Hilfe man dieses Risiko minimieren kann – bis Schutzimpfungen wirken können – dann ´gehorchen´ die meisten Bürger nicht deshalb weil sie sich unterdrücken lassen oder vor dem Staat Angst haben, sondern weil sie daran interessiert sind gesund zu bleiben.

    Die Interessen der meisten Bürger sind auf die eigene Gesundheit bzw. das eigene Überleben gerichtet.
    Dieses Verhalten ist eine der Grundlagen von Evolution: Wer in der Lage ist, mit äußeren Einflüssen so umzugehen, dass die eigene Existenz nicht beeinträchtigt wird – gehört zu den Lebewesen, welche evolutionär erfolgreich sind.

    Es ist also nicht blinder Gehorsam, welcher die Bürger ´gehorchen´ lässt, sondern der Überlebenswille – bei möglichst guter Gesundheit

  3. Der Staat und die offene Gesellschaft.
    Die Staatsquote liegt in Deutschland bei 46 %, in Frankreich bei 55 %.
    Da fragen sich die Bürger, was macht der Staat mit unserem Geld ?
    Und die Bürger machen den Staat verantwortlich, wenn staatliche Maßnahmen nicht wirken.
    Die Selbstregulierung der Gesellschaft funktioniert im Krisenfall zu träge.
    Dazu kommt noch das föderalistische Prinzip, jede Entscheidung des Bundes muss nochmal von den Landesparlamenten gebilligt werden.
    Poppers Verdacht , das demokratische Staaten im Falle einer realen Gefahr versagen können, ist also berechtigt.

    • @hwied (Zitat):

      Poppers Verdacht , das demokratische Staaten im Falle einer realen Gefahr versagen können, ist also berechtigt.

      Zu bedenken: von den nicht demokratisch regierten Staaten hat nur China (Demokratindex 151) sich in der Corona-Epidemie besser verhalten als Deutschland (Demokratindex 14) , alle andern Autokratien schneiden schlechter ab, insbesondere
      – Russland (Demokratieindex 135): kaum Lockdown-Massnahmen, viele Infizierte und Tote, nur langsame Durchimpfung,
      – Ungarn (Demokratieindex 55): kaum Lockdown, hohe Durchseuchung,
      – Iran (Demokratieindex 151): 2 Millionen Coronafälle, 64‘000 Coronatote)

      Sehr gut (besser als Deutschland) durch die Corona-Epodemie sind folgende Länder gekommen: Südkorea (Demokratieindex 21), Taiwan (Demokratieindex 31), Japan (Demokratieindex 22).

      Vergleichen wir aber nur europäische Länder, so ist Deutschland besser durch die Corona-Epidemie gekommen als Frankreich obwohl Frankreich eine Zentralregierung hat während Deutschland föderal organisiert ist. Das widerspricht geradewegs ihrer Aussage: Dazu kommt noch das föderalistische Prinzip, jede Entscheidung des Bundes muss nochmal von den Landesparlamenten gebilligt werden.
      In Frankreich entscheidet Macron, doch sein Machtwort hat Corona nicht aufgehalten.

      Meine These: Auch ein föderal organisierter Staat kann mit den Herausforderungen der Zeit fertig werden und die wenigsten autokratisch organisierten und zentral regierten Ländern sind effizient und effektiv im Umgang mit akuten Herausforderungen.

      • Die “Treiber der Infektion” sind nicht die staatlichen oder gesellschaftlichen Strukturen, sondern jeder einzelne Mensch, seine kulturellen Eigenheiten der Nähe oder des Abstands, dazu auch die, wie “man” sich als Mensch der anordnenden Macht gegenüber sieht, ob man dem Buchstaben der Anordnung oder deren Sinn folgt ( wenn denn auch ein Sinn erkennbar ist ) und ob man sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt oder dem individuellen Egoismus.
        Das Loblied auf den “Föderalismus” geht ebenso in die Irre wie das auf den starken Zentralstaat.

        • @Karl Meier: Ja, da stimme ich zu. Die Politik wird von vielen überschätzt. Sie ist nur ein Element. Kultur und Gesellschaft spielen bei der Bewältigung von neuen Herausforderungen eine vielleicht noch grössere Rolle. Dazu kommt noch: eine Gesellschaft, ein Land hat vielleicht letztlich das politische System, das es „verdient“ und wenn die Gesellschaft zerrissen ist kann das ein noch so gutes politisches System nicht ausgleichen, nicht überwinden.

  4. Es ist angesichts der jetzt schon absehbaren Folgen der Corona-Krise starker Tobak immernoch offene Gesellschaft zu propagieren, was tatsächlich eine erpresserisch-kapitulative Hierarchie ist, denn das unternehmerische “Risiko” soll doch auch wieder vom Steuerzahler, Lohnabhängigen und Konsumenten getragen/ausgebadet werden!?

    • Was haben Sie denn gegen eine “offene Gesellschaft”? Das klingt etwas danach, daß Sie Länder wie Iran oder Nordkorea bevorzugen. Momentan sieht das in Nordkorea eine massive Hungersnot herrscht.

      Gruß
      Rudi Knoth

  5. Zitat Lars Jaeger:
    Es ist zu erwarten, dass uns der Staat und die Regierung so schnell wie möglich wieder in die Freiheit der so sehnlichst herbeigesehnten Selbstgestaltung unseres Lebens zurückkehren lassen wird.

    So schnell wie möglich? Ähm… (wie Frau von der Leyen sagen würde…)

    Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel nach der G7-Videokonferenz am 19.Februar 2021:

    „Die Pandemie ist erst besiegt, wenn alle Menschen auf der Welt geimpft sind“

    Wie schätzen Sie denn, Herr Jaeger, wann alle Menschen auf der Welt geimpft sind?

    Ich werde es wohl als 70+ Bürgerin nicht mehr erleben… Ob irgendein Leser dieser Diskussion es erleben wird ist auch mehr als fraglich.

  6. Was sowohl dem Bonner Philosophen Markus Gabriel als teilweise auch dem Autor dieses Beitrags fehlt ist die adäquate Einordnung des Pandemiefalles in die Betriebsabläufe von Gesellschaft und Staat. Meine Behauptung: Der Pandemiefall ist eine Ausnahmesituation. Er ist bis zu einem gewissen Grad mit dem Kriegsfall zu vergleichen und es gelten ähnliche Überlegungen wie im Kriegsfall wo ebenfalls das Selbsbestimmungsrecht des Individuums und der einzelnen gesellschaftlichen Gruppen eingeschränkt ist. Im Kriegsfall sind die Grenzen geschlossen. Im Pandemiefall kann das ebenfalls sinnvoll sein. Im Kriegsfall gilt eine andere Wirtschaftsordnung und beispielsweise die einheimische Waffenfirma darf dem Feind keine Waffen mehr verkaufen, genauso wenig wie Hersteller von Hygienemasken im Pandemiefall die Masken nicht einfach an den Meistbietenden verkaufen können.

    Wie aber verträgt sich eine Ausnahmesituation und wie vertragen sich die daraus sich ergebenden Ausnahmeregelungen mit einer offenen, demokratischen Gesellschaft? Antwort: Durch die zeitliche und situative Begrenzung. Mit andern Worten: wie ein Kriegsfall bekannt gemacht werden muss, muss auch der Pandemiefall bekannt gemacht werden und so wie ein Krieg mit dem Kriegsende endet und mit ihm auch alle Ausnahmeregelungen so müssen auch die Pandemieausnahmeregelungen mit dem Pandemieende aufgehoben werden.

    In vielerlei Hinsicht ist eine Pandemie aber schwerer zu handhaben als ein Krieg, denn anders als beim Krieg geht es bei Pandemien oft nicht um alles oder nichts, anders als beim Krieg geht es nicht nur um Sieg oder Niederlage, sondern darum möglichst gut aus der Pandemie herauszukommen. Und das heisst eben nicht in jedem Fall alle Infektionen zu vermeiden. Wenn Covid-19 beispielsweise nur geringfügig weniger tödlich und krankmachend wäre als es aktuell ist, dann hätte es eventuell besser sein können, die Durchseuchung der Bevölkerung zuzulassen, denn die Pandemiebekämpfung mit Lockdowns und schweren Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit kann bald einmal schlimmere Folgen haben als die Pandemie selbst. In meinen Augen ist Covid-19 ein Grenzfall.

    Letztlich bedeutet aber die erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffes, dass die Lockdowns und alle anderen Massnahmen, die die Verbreitung des Corona-Virus eingeschränkt haben, sich gelohnt haben, denn mit der Impfung wurde eine Möglichkeit gefunden die Pandemie zu beenden.

  7. @Todeszahlen

    „Es ist zu erwarten, dass uns der Staat und die Regierung so schnell wie möglich wieder in die Freiheit der so sehnlichst herbeigesehnten Selbstgestaltung unseres Lebens zurückkehren lassen wird.“

    Das will ich mal hoffen. Die Infektionszahlen steigen wieder, die Belegung der Intensivstationen auch, aber die Todeszahlen gehen weiter rapide zurück. Der Konflikt ist jetzt mehr der zwischen den überlasteten Krankenhäusern und den Menschen, die so langsam ihre Sozialkontakte wieder brauchen.

    Die Angst vor Corona sinkt nicht nur wegen der Gewöhnung, auch die sinkenden Todesraten, die offenbar die Folge der Impfungen unter den Risikogruppen sind, reduzieren die Angst. Entsprechend weniger tut der Bürger freiwillig. Gerade wie genau man jetzt z.B. den Umgang mit Masken und Händewaschen nimmt, ist ein wesentlicher Faktor, der sich durch staatliche Vorschriften gar nicht beeinflussen lässt.

    Und die umsichgreifenden wirtschaftlichen Schäden kumulieren dabei die ganze Zeit. In Südeuropa ist die 2. Saison ohne Tourismuseinnahmen in Sicht, ich bin mir nicht sicher, ob das mit Hilfsgeldern überhaupt noch aufgefangen werden kann. Ich kann sogar Brasilien teilweise verstehen, weil wer da coronabedingt länger arbeitslos ist, für den könnte der Einkommensausfall zum Hungertod führen und damit wesentlich gefährlicher werden, als Corona es je werden kann.

    Die Idee, die Coronazahlen weltweit möglichst niedrig zu halten, um nicht noch gefährlichere Virusmutationen zu riskieren, die halte ich nur bedingt für sinnvoll. Durch Impfungen ja, durch grundlegende Hygienemaßnahmen auch, aber das durch Dauerlockdown zu erzielen, das wäre Murks, meine ich. Ein Lockdown ist meiner Ansicht nach nur zu rechtfertigen, wenn wirklich die Krankenhäuser überlastet sind. Und selbst das kann man eher noch tolerieren, wenn die Todesraten durch den Impffortschritt weiter sinken werden. Dann müssen die Krankenhäuser eben mal durch ein paar harte Wochen oder Monate durch.

    Die Medizinlobby ist sicher einflussreich, hier wünsch ich mir aber, dass die Politik die ganze Gesellschaft im Blick hat, und nicht nur auf die Mediziner hört. Das sind sicherlich hervorragende Experten, die haben aber mutmaßlich ihre Spezialinteressen.

    Ich habe nach 5 Monaten mehr oder weniger Dauerlockdown so langsam keinen Bock mehr. Die Mutationen, die es vielleicht noch geben wird, werden eher in den armen Ländern dieser Welt entstehen, wenn wir es nicht schaffen, dort schnell genug zu impfen. Und selbst wenn eine neue Coronamutante für die die Wirkung der Impfung geringer ist, dann muss man eben nochmal nachimpfen oder die Impfstoffe anpassen. Das müssen wir riskieren, sonst haben wir noch 6 bis 12 Monate weiteren quasi Dauerlockdown, mit wirtschaftlichen und menschlichen Folgen, die die Gefährlichkeit von Corona selbst komplett übersteigen.

    Bei aller Dramatik, Corona tötet hauptsächlich (ungeimpfte) Menschen, die sowieso nicht mehr viel Lebenserwartung hatten. Wenn dem nicht so wäre, und sich die Toten über alle Bevölkerungsgruppen verteilt finden würden, dann wäre das auch bei gleicher Todesrate eine völlig andere, 10 oder 20 mal schlimmere Pandemie.

    • Die Todeszahlen gehen nicht zurück, sie stagnieren und steigen demnächst wieder dramatisch. Zum einen weil die ü80-Patienten nur wenige Tage auf der ICU durchhalten, die Jüngeren aber teils Monate, zum anderen weil in weniger als zwei Wochen triageiert werden muss. Die Todeszahlen werden noch bis zum Sommer hoch bleiben, mit etwas Glück können ab Juni wieder Operationen geplant werden.

  8. Zitat Tobias Jeckenburger:
    Bei aller Dramatik, Corona tötet hauptsächlich (ungeimpfte) Menschen, die sowieso nicht mehr viel Lebenserwartung hatten. Wenn dem nicht so wäre, und sich die Toten über alle Bevölkerungsgruppen verteilt finden würden, dann wäre das auch bei gleicher Todesrate eine völlig andere, 10 oder 20 mal schlimmere Pandemie.

    So ist das. Bei dieser seltsamen Pandemie liegt das mittlere Alter der Verstorbenen (84 Jahre) über der mittleren Lebenserwartung (81,5 Jahre). Dass die Covid-Verstorbene ungeimpft verstorben sind ist dabei überhaupt nicht relevant, denn diese Risikogruppe stirbt naturgemäß auch weiter mit der Impfung – was auch nachvollziehbar ist: eine Impfung kann ja nicht die Lebenserwartung in einer Bevölkerung erhöhen, sie hängt von zu vielen Faktoren ab. Nur das Narrativ der Regierung hat sich dabei vor und nach der Impfung geändert: Vor der Impfung starben die alten, vorerkrankten Menschen an Covid, nach der Impfung sterben die Geimpfte an ihrem hohen Alter und ihren Vorerkrankungen…

    Bei den Menschen unter der mittleren Lebenserwartung hat also die Gefährlichkeit der Krankheit nichts mit einer tödlichen Seuche oder einem gesundheitlichen Notstand zu tun, weit verfehlt, siehe zum Beispiel hier die Sterberate pro Altersgruppen Corona: Wer ist besonders gefährdert?

    Zum Beispiel in meiner Altersgruppe 70-79 Jahre ohne Vorerkrankung beträgt das Risiko an Covid zu sterben 0,66%. Für so ein geringes Risiko brauche ich keine Impfung, vor allem kein unzureichendes geprüftes Impfstoff als noch nie eingesetzte Methode und als Notzulassung bei stark verkürzten Phasen der klinischen Erprobungen. Ich empfinde hier keine Not. Die Not bei jüngeren Generationen ist noch weniger ersichtlich und kaum statistisch relevant: Zum Beispiel bei der Altersgruppe 0-19 Jahre existiert das statistische Risiko praktisch nicht. Wozu sollte diese Altersgruppe ohne Vorerkrankung eine Impfung brauchen? (Impfstoffen werden zur Zeit an Säuglinge und Kinder getestet, eine Alptrauvorstellung). Hier zum Vergleich mit der Grippe (Zahlen vom RKI):

    – An Influenza verstorbene Kinder Grippe-Saison 2017/2018: 187
    – An Covid-19 verstorbene Kinder (0-19 Jahre) seit Januar 2020: 10 (alle mit Vorerkrankungen)

    Corona ist die erste “Pandemie” in der Geschichte der Menschheit, die sich allein durch Tests aufrechterhalten lässt, wobei auch sogar die Zahl der „Infizierte“ statistisch irrelevant ist, es hängt alles davon ab, wie man die Zahlen präsentiert. Zum Beispiel für Marz 2021 könnte man die Zahlen vom RKI wie folgt präsentieren:

    Im März 2021 haben sich 83.002.466 Millionen Menschen nicht infiziert, also 99,979%

    Wer soll Angst vor Corona haben? Wer soll Angst vor den Kollateralschäden haben? Ist die Abwägung der Regierung vernünftig und vertretbar?

  9. Im Bereich der Softwareentwicklung gibt es seit Jahren erprobte und bewährte Methoden, wie man Komplexität und sich schnell verändernden Rahmenbedingungen begegnet. Die Stichworte hier sind Agilität, dezentrale Entscheidungen bei gemeinsamer Ausrichtung auf übergeordnete, Priorität gewichteter, Ziele bei gleichzeitiger hoher Transparenz der “Key-Performance-Indikatoren”.

    Übersetzt auf diese Pandemie könnte das bedeuten, dass die Ziele und die Gewichtung (wie gehen wir mit den Themen Gesundheit, Wirtschaft Bildung als sozial-ökonomische Parameter um) in den Parlamenten diskutiert werden und welche Ziele = “Key-Performance-Indikatoren” setzen wir uns hier dort festgelegt wird, während die Umsetzung in die Länder, Städte und Kreise delegiert wird.

    Dabei hat die übergeordnete Einheit für die Tools und die Transparenz zu sorgen (Durchsetzung der einheitliche Erfassung und Messung). Dazu kommt eine regelmäßige Überprüfung (Cadence) in den Parlamenten der Ziele und der Umsetzung (Inspect – Adapt) und ggfs. Anpassung der Tools.

    Das lässt sich innerhalb demokratischer Strukturen bewältigen …

  10. Dazu müsse, so Gabriel, den verschiedensten, komplex ineinandergreifenden Kräften der bürgerlichen Gesellschaft die Macht zurückgegeben werden soll, die dann dieser Krise aus eigener Kraft und Entscheidungsfähigkeit gerecht zu werden versprechen.

    -> Ach ja, deutsche Schrift(Sprache) schwere Sprache…. was?
    Und sogar dann, wenn man überfordert ist, auch noch verräterisch offenbarend was wirklich der Wunsch des Gedanken sei. Und dann gibt es nur ein “Versprechen” … also eine wage Hoffnung, das sowas funktionieren kann.

    Also, Gabriel spricht da nicht von Eigenverantwortung, sondern von Freiheit und sie dann im Titel von der offenen Gesellschaft und nichts davon ist automatisch individuel von Belang, weil die restlichen Bedingungen der Existenz in überbevölkerten Regionen all die Freiheits und OPffenheitsideologie wieder undo macht.
    Und der Titel dieses Beitrages ist sowieso ein Meisterwerk der ideologischen Schwurbellei.

    Das geht alles sowieso nicht zusammen.

    Es “soll” der bürgerlichen Gesellschaft die Macht zurück gegeben werden. Dann fragt sich, was den vor der Erfüllung dieser Konstatierung der Fall war?
    Und das alles im Zusammenhang mit den Seuchenmaßnahmen, die ein konkreter Fall sind, suggeriert, das es auch um dieses Szenario geht.

    Aber … ganz Verschwöhrungstheoretiker…bei der Freiheit und Offenhbeit der Gesellschaft geht es so gar nicht primär darum, sondern um etwas ganz anders, das in Jeder Generation neu zu einem “Problem” zu werden scheint.

    Das eine Seuche beklagt wird (weil sie da ist oder nicht), ist ja praktisch Beweis dafür, das im Hintergrund Strategien laufen, die Machtfragen und deren Folgen zu Gunsten der eigenen Interessen verfolgt werden. Eine Pandemie ist sicher kein glaubhaftes Eigeninteresse….aber wenn man weiß, was geschehen musste, das eine Seuche ausbricht, dann versteht man, das die Seuche, obwohl ethisch/ideel ungewollt, durchaus Ziel sein musste, weil die Problemlösung ohne die Folge der Pandemie gar nicht möglich zu sein wäre.

    • @ ChrisGo
      12.04.2021, 21:34 Uhr

      Deutsche Sprache auch für mich schwer:
      …weil die Problemlösung ohne die Folge “Pandemie” gar nicht möglich wäre.

      Was meint, das die Problemlösung tausende Tote forderte und darauf folgend eine Pandemie auslösste, weil der Rest der modernen Welt eben weiterläuft, ohne auf die besondere Situation zu achten (was hier Identitätenbildung und Geistformung mit Neuroenhancemend per Metallionen bedeutet, und die unmittelbar mit den Grundlagen des Lebens und seiner Stabilität zusammenhängen). Hätte man nicht gemordet, dann gäbe es auch keine Pandemie. (Oder: Hätte man nicht die moderne Art der Identitäten- und Geistesformung getätigt, dann gäbe es wahrscheinlich auch keine Pandemie. Wobei die Generationenfrage ja trotzdem weiterhin besteht.)

      Man nennt diese Tätigkeiten analog in anderen Zusammenhängen auch sprichwörtlich: “Das Wasser abgraben…”oder die Wurzel kappen.

  11. “Der Staat ist überfordert…”
    Mit dieser Auslegung hätten die Alliierten (die Sowjetunion schließe ich hier mal aus) den Zweiten Weltkrieg gegen Hitler glatt verloren. Die Politiker dieser Staaten, dieser Generation., hatten damals die Gefahr die von Hitler ausging rechtzeitig erkannt und dementsprechend kompromisslos gehandelt in dem sie u.a. das System voll auf Kriegswirtschaft umstellten, also die wirtschaftlichen und geistigen Kapazitäten auf das richteten was diesen Gegner allein besiegen konnte. Hierzu gehören Politiker die über diese Qualität verfügen, diese Zusammenhänge rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln, was wohl damals der Fall gewesen war. Der Staat hatte sich damals also bewusst und gezielt eingebracht in dem er die entsprechende Wirtschaft (Rüstungsindustrie) forderte und förderte . Eine Ursache dieser Pandemie war ja auch diese sogenannte offene Gesellschaft die diesen Virus über die Erde verteilte bzw. ein guter Nährboden für weitere Pandemien ist. Viele gehen ja davon aus dass sie nach dieser Pandemie ihr normales Leben von früher weiterführen können, was ich bezweifele da diese “Offenheit” uns unsere derzeitigen Grenzen aufzeigt….

  12. Es ist zu erwarten, dass uns der Staat und die Regierung so schnell wie möglich wieder in die Freiheit der so sehnlichst herbeigesehnten Selbstgestaltung unseres Lebens zurückkehren lassen wird. [Artikeltext]

    Gut.
    Denn Notstandsgesetzgebung und derartige Umsetzung ist in Liberalen Demokratien nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt,
    bspw. im sog. Spannungsfall oder im Verteidigungsfall.

    Anders als die „Verschwörungstheorie“ brüllenden Dumpfbacken der Querdenker muss man diese Gedanken sehr ernst nehmen, denn sie sprechen tatsächliche Schwächen unserer liberalen und offenen Gesellschaft in Anbetracht dieser Krise an. Doch liegt der Konflikt noch tiefer: Die Corona-Pandemie reflektiert im Grunde nichts anderes als einen langen Konflikt der Moderne, nämlich den Kampf zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Solidarität. [Artikeltext]

    Schlecht, denn diese ‘Querdenker’ sind bei näherer Betrachtung nicht allgemein als ‘Dumpfbacken’ einzuordnen und ‘individuelle Freiheit’ hat per se keine ‘tatsächlichen Schwächen’, sondern nur Schwächen, wenn sie sich kollektivistischerweise ergibt, was nicht selten der Fall ist, es gibt schlicht (“schlecht”) zumindest bundesdeutsch nur wenige Liberale.

    ‘Solidarität’ meint übrigens das Zusammenkommen vieler, um in der Folge auf anderen herumzuhacken, wobei die herumhackende Menge so auftritt, dass sie wie ein “solider Monolith” auftritt, Einzelne unerkennbar werden.

    Genau so ist mit ‘Solidarität’ gemeint.


    Der ‘lange Konflikt der Moderne, nämlich den Kampf zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Solidarität’ findet so statt, dass einige, nämlich : Liberale an das Sapere-Aude glauben, jeden sozusagen mitnehmen möchten, der eigens zu denken gewillt ist, und dem Kollektivismus (dieses Fachwort wäre m.E. unbedingt in diesem Zusammenhang zu nennen), der in Gruppen, Kollektiven denkt, wohl den Urzustand des hier gemeinten Hominiden beschreibt, aber abzulehnen bleibt.

    Wir erinnern uns :
    Das Sapere-Aude, das u.a. auf altgriechischen Denken beruht, auch christlich-jüdisch grundiert ist, irgendwie, auch das alte Latinertum kennt, ist nicht kollektivistisch.

    Zudem ‘brüllen’ diese ‘Dumpfbacken’ nicht ‘Verschwörungstheorie’, sondern stellen Verschwörungen fest.
    Falsch, aber sie brüllen “Verschwörung”!
    Gerne sachnah bleiben.

    MFG
    Wb

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