Verlotterung der Tagesschau?

BLOG: Babylonische Türme

Vom Nutzen und Missbrauch des Verständigungsmittels Sprache
Babylonische Türme
Der ehemalige Tagesthemenmoderator Ulrich Wickert hat gestern gegen die sprachliche Verlotterung der Nachrichtensendungen in den öffentlich-rechtlichen Programmen gewettert. Viele Autoren von Stücken für die „Tagesschau", "Tagesthemen", für "heute" oder "heute-journal" beherrschten nicht einmal mehr den korrekten Satzbau, monierte er in einem Artikel für die FAZ. „Warum lassen die Redaktionschefs die sprachliche Verlotterung durchgehen? Bedeutet ihnen die Sprache so wenig, oder merken sie nichts?“, fragt er weiter. Nicht erst seit Bastian Sick ist der nachlässige Gebrauch deutscher Grammatik und Rechtschreibung immer wieder ein beliebtes Thema. Sollte der Sprachverfall jetzt tatsächlich auch die Tagesschau erreicht haben, diese ehrwürdige Bastion deutschsprachiger Nachrichtenvermittlung? Weil Sprache und Verständnis nun einmal Thema meines Blogs ist, reizte es mich, einmal die Probe aufs Exempel zu machen. Ich habe mir kurzerhand zwei zufällig ausgewählte Artikel auf der Internetseite der Tagesschau angeschaut.
Erstes Beispiel: Der Artikel von Nicole Diekmann unter dem Titel Die scheinheilige Ministerin.
Er fängt folgendermaßen an: Der Verlauf der Studentenproteste erinnert an den US-Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", in dem der Protagonist gefangen ist in einer Endlosschleife: Jeder Tag ist gleich, alles wiederholt sich.
Hat die Autorin den Film gesehen? Darin wiederholt sich für den Protagonisten immer der gleiche Tag, er läuft aber jedes Mal anders ab. Es wiederholt sich keineswegs alles. Gerade das macht den Reiz des Films aus. Weitere Fehler:
Frau Schavan habe schon vor Wochen an unterschiedlicher Stelle erklärt …
Entweder hat sie „an unterschiedlichen Stellen“ erklärt, oder sie hat „an anderer Stelle“ erklärt. Wenn es unterschiedliche Stellen sein sollen, müssten es mindestens zwei sein.
Deshalb bleibt Schavan beim Treffen mit der Kultusministerkonferenz (KMK) am 10. Dezember mehr der Appell an die Länderkollegen.
Gemeint ist wohl „nur“, nicht „mehr“.
Doch auch dort hat fühlt man sich nur begrenzt verantwortlich: Im Zuge der aktuellen Protestwelle verweisen die Landesminister gern auf die autonomer gewordenen Universitäten.
Das Wort „hat“ ist offenbar von einer Manuskriptkorrektur übriggeblieben, und steht jetzt verloren und überflüssig da. Der zweite Satz ist zu schwammig für eine Nachricht. Die Autorin hätte sich wenigstens die Mühe machen müssen, einige Beispiele zu recherchieren. Also: Welcher Minister hat auf die größere Autonomie der Hochschulen verwiesen, als er auf die Proteste der Studenten angesprochen wurde?
… auf Einladung der Hausherrin, Kanzlerin Angela Merkel, die Deutschland vergangenes Jahr, noch vor den Studentendemos, Deutschland zur "Bildungsrepublik" erklärte.
Da ist ein „Deutschland“ zu viel (Update 20.11.: das zweite „Deutschland“ ist verschwunden).
Der Termin [Bildungsgipfel 16.12.] stand seit Langem.
Der Termin liegt in der Zukunft und die vorhergehenden Sätze stehen im Präsens, es muss also heißen: Der Termin steht seit Langem.
Eine Initiative, die nach Ansicht von Experten die Schere in Deutschland weiter auseinander driften lässt.
Das ist unzulässige Vermischung von Metaphern. Haben Sie schon einmal eine Schere auseinanderdriften sehen? Ach ja, auseinanderdriften schreibt man zusammen.
Zwischenbilanz
Der erste der beiden Testartikel ist fraglos schlampig geschrieben und unzureichend korrekturgelesen. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: In einem Manuskript dürfen solche Fehler vorkommen, in der Veröffentlichung eines großen Nachrichtenportals aber wirken sie peinlich. Deshalb sehe ich die Nachlässigkeit nicht in erster Linie bei der Autorin, sondern vorwiegend bei der Redaktion.
Zweites Beispiel: Ein Artikel von Peter Heilbrunner unter dem Titel Der Weg für den Lissabon-Vertrag ist frei.
Der Beitrag ist gut lesbar und hat nur wenige Fehler. Der Satzbau ist ordentlich. Der Autor hat der Versuchung widerstanden, jeden Fachausdruck und jeden Vorgang mit einem Relativsatz zu erläutern. Der folgende Satz ist allerdings nicht besonders gelungen:
Damit läuft es auf ein Rennen um den Vorsitz zwischen dem luxemburgischen Regierungschef Jean-Claude Juncker und seinem niederländischen Kollegen Jan Peter Balkenende hianus.
Wenn man die Floskel „Es läuft hinaus“, verwendet, dann sollte man doch definieren, (oder wenigsten andeuten) was mit diesem „Es“ gemeint ist. Irgendwer hätte vielleicht auch den Tippfehler im letzten Wort finden können. Der folgende Satz verfehlt (knapp) seine eigentlich Aussage:
Nun also wird an der Stellenbeschreibung gearbeitet – steht die, dann können sich die 27 für einen der Bewerber entscheiden.
Die 27 (gemeint sind die Staatschefs) können sich selbstverständlich auch vor der Formulierung der Stellenbeschreibung für einen Bewerber entscheiden.
Letzte Schwachstelle:
Spätestens Mitte November könnte es soweit sein.
Das Wort spätestens passt nicht zum Konjunktiv. Entweder muss es heißen: Mitte November könnte es soweit sein, oder: Spätestens Mitte November wird (oder soll) es soweit sein.
Fazit: Der Beitrag ist gut, aber ein aufmerksamer Redakteur hätte vielleicht noch nachbessern können.
Schlussfolgerung
Wie gesagt, ich habe nur zwei zufällige Stichproben genommen. Das Ergebnis ist durchwachsen. Ist die Kritik von Ulrich Wickert also berechtigt? Ich fürchte schon. Bei allem Verständnis für den ständigen Zeitdruck muss ich mich doch fragen: Hat die Tagesschau denn keine Schlussredaktion, die wenigstens die größten Patzer vor der Veröffentlichung ausbügelt?

Martina Grüter ist Medizinerin und befasst sich seit 2001 der angeborenen Prosopagnosie, einem erblichen Defizit in der Gesichtserkennung und Verarbeitung. Das Thema hat ihr gezeigt, wie vielschichtig die Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind und wie wenige Erkenntnisse wirklich gesichert sind. Sie ist affiliert am Lehrstuhl für allgemeine Psychologie und Methodenlehre der Universität Bamberg und arbeitet mit Wissenschaftlern an mehreren deutschen Universitäten an verschiedenen Forschungsprojekten.

19 Kommentare

  1. Präzision

    Ich bemerke leider ähnliches. Ich bin ein Fan der Präzision. Ich mag es, wenn Autoren treffende Worte finden. Umso mehr schmerzt es, wenn beispielsweise im TV, in Zeitschriften und Fachartikeln immer unpräziser und (nach)”lässiger” formuliert wird.

    Der (vorerst) letzte schlag ins Gesicht: “Hat immer auf!” in der Werbung für einen 24 Stunden geöffneten Online-Shop. Hier zucke ich innerlich zusammen.

  2. Verstehen vor Formulieren

    Ich bin der Überzeugung, wenn man etwas korrekt formulieren will, muss man es auch verstanden haben. Es könnte also sein, dass die Tagesschaumacher nichts mehr von ihrer Arbeit verstehen oder wollen oder sich nicht mehr die Zeit nehmen, etwas zu verstehen. Dafür schreiben sie umso mehr. So habe ich beispielsweise bei den Kommentaren in den Online-Medien oftmals den Eindruck, dass der Kommentar vor dem Lesen kommt, mindestens aber vor dem Verstehen.

  3. In Artikeln der Blogs hier kommt es ebenfalls oft zu kleineren Fehlern, auch zu banalen Tippfehlern. Wenn ich auf Anhieb verstehe um was es geht (das war bisher immer der Fall), sehe ich jedoch keinen Grund das zu kritisieren – und Andere offenbar auch nicht. Warum sollte man also bei den “Großen” andere Maßstäbe anlegen? Für mich ist das Herumreiten auf solchen Kleinigkeiten einfach nur albern. Es gibt tausend Dinge die wichtiger sind. Die Qualität der Berichterstattung muss im Vordergrund stehen, nicht die absolut exakte Einhaltung formaler Regeln. Wenn es keine schlimmeren Fehler sind, halte ich sie für verzeihlich.

  4. Tagesschau

    Ich würde mal davon ausgehen, daß aus ARD-Sicht die Online-Seiten der Tagesschau weniger wichtig sind als die Sendung selbst. Das würde erklären, warum die Online-Texte nicht noch einmal Korrektur gelesen werden.
    Interessanter wäre ein Vergleich der gesprochenen Texte in den Sendungen mit denen aus früheren Jahren.

  5. @Thilo

    @Thilo
    Ein Vergleich der gesprochenen Sprache der heutigen Tagesschaumeldungen mit
    der Sprache früherer Jahre und Jahrzehnte ist ein gutes Thema für eine
    germanistische Diplom- oder Doktorarbeit. Das Ergebnis würde mich auch sehr
    interessieren.
    lg
    MG

  6. Sprache

    Es ist mehr als ärgerlich, wenn schlampig formuliert wird, jedenfalls im sogenannten Qualitätsjournalismus. Wenn man als Anbieter von Qualität im online-Bereich keinen Wert auf Qualität legt, soll man es doch einfach lassen.
    Viel schlimmer ist aber m.E. dass insbesondere auch in der Tagesschau immer wieder ‘Bericht’ mit ‘Kommentierung’ vermischt wird. Durch entsprechend konnotierte Begriffe wird eine neutrale Nachricht inhaltlich verändert und wir sind gefährlich nah dran am infotainment, das nicht um 20.00 Uhr in die öffentlich-rechtlichen Sender gehört.
    Nachrichtensendungen haben Fakten neutral zu berichten, nicht zu kommentieren. Das ist Aufgabe anderer Sendeformate.
    Grüße
    Monika

  7. @ M.Schlederer

    Wäre es kleinlich, von den Nachrichtenportalen sprachliche Korrektheit anzumahnen, solange man noch versteht, worum es geht?
    Keineswegs! Für Journalisten ist die Sprache ein Werkzeug. Weil ein Journalist für seine Arbeit bezahlt wird, darf ich erwarten, dass er sein Handwerkszeug beherrscht und seine Arbeit sorgfältig macht. Würden sie einem Handwerker den
    vollen Preis für ein Werkstück bezahlen, wenn es zwar fehlerhaft ist, sie aber noch erkennen können, was es sein soll?

    Außerdem sollte man nicht vergessen, dass ein Artikel durch mehrere Hände geht, bevor er veröffentlicht wird. Ein Nachrichtenportal oder eine Zeitung gibt einen Beitrag ausdrücklich zur Veröffentlichung frei und dokumentiert damit, dass er dem Qualitätsanspruch der Redaktion genügt.

  8. Hallo,

    nicht nur die Sprache läßt zu wünschen übrig, sondern auch die permanente Werbung für deren Internetseite.
    Jeden Tag irgendein Thema, was dann ausführlicher auf der Internetseiten ( angeblich ) behandelt wird.
    Wozu zahlen wir Gebühren, wenn die angeblich wichtigen Nachrichten dann im Internet und nicht in der Tagesschau behandelt werden?

  9. @M. Schlederer

    Ich bin da deutlich anderer Meinung als Sie. Das Einhalten formaler Parameter – korrekte Rechtschreibung und Grammatik – ist für mich Vorraussetzung dafür, eine Nachritensendung ernst zu nehmen. Fehler, die ich Face to Face zu tolerieren bereit bin, kann ich in “Qualitätsmedien” jedoch nicht tolerieren. Das gehört für mich einfach zum Thema “Sorgfalt” dazu. Dass sich der eine oder andere Rechtschreibfehler, oder “Tastendreher” einschleicht – OK, sowas KANN passieren. Aber tagtäglich so ein “dahingerotztes” Konglomerat von Buchstaben von Quellen, die nicht nur ernstgenommen, sondern auch als Autorität anerkannt werden wollen, über sich ergehen lassen zu müssen, empfinde ich als Zumutung. Zumal dafür auch noch Gebühren fällig werden – und Wenn die Öffentlich Rechtlichen genauso schlampig werden, wie die Privaten, dann soll sich die GEZ endlich zum Teufel scheeren.

  10. @ Karsten

    dann kann ich mich ja ohne Fernseher glücklich schätzen, den Ärger erspar ich mir gerne auch weiterhin… mmmh, und GEZ-Gebühren ist ein nettes Thema ;(

    lg
    MG

  11. @ Monika

    Leider wird die Trennung zwischen Fakten und Kommentaren nur sehr selten schön eingehalten und man hat es oft schwer, sich sachlich und fachlich zu informieren.

    Ich versuche auch gerne, die Fakten herauszufinden, und habe oft das Gefühl, dass ich im Trüben fische, besonders bei einem mir unbekannten Thema. Da hilft dann nur Fleißarbeit und viel Recherche.

    Unsere Kind (11 Jahre) hat es oft schwer, für Referate in der Schule die genauen Fakten im Internet zu recherchieren, weil die Berichte fast immer von Kommentaren durchsetzt sind.

  12. Immer fragen!

    @ Martina Grüter:

    “Unsere Kind (11 Jahre) hat es oft schwer, für Referate in der Schule die genauen Fakten im Internet zu recherchieren, weil die Berichte fast immer von Kommentaren durchsetzt sind.”

    Aber gerade in Blogs wie hier gibts ja die Möglichkeit, dass man Fragen stellt, etwas, wozu ich meine Leser auch immer ermahne. Ich will ja nicht nur für Menschen schreiben, die eh wissen, worum es geht^^

    So, das wollte ich nur mal einwerfen.

  13. @ Martina Grüter

    “Würden sie einem Handwerker den vollen Preis für ein Werkstück bezahlen, wenn es zwar fehlerhaft ist, sie aber noch erkennen können, was es sein soll?”

    Der Unterschied ist, dass hier die Qualität des Werkstücks wichtig ist. Bei Nachrichten steht aber (zumindest für mich) die Qualität der Berichterstattung im Vorderund. Die lässt oft genug zu wünschen übrig, und soll deshalb auch kritisiert werden. Bei formalen Kleinigkeiten Haare zu spalten halte ich aber für weniger sinnvoll. Es ist wahrscheinlich einfach Geschmackssache, wie wichtig einem das ist.

  14. @ Bruno Jennrich

    “kann ich in “Qualitätsmedien” jedoch nicht tolerieren. Das gehört für mich einfach zum Thema “Sorgfalt” dazu.”

    Qualität misst sich für mich nicht an größtmöglicher formaler Korrektheit, sondern daran, wie ausgewogen, umfassend und genau berichtet wird. Und ich sehe wie gesagt keinen Grund, bei “Qualitätsmedien” (der Begriff stammt von Ihnen) andere Maßstäbe anzulegen als anderswo. Davon abgesehen halte ich die von Ihnen vorgenommene Trennung in Qualitätsmedien und Nicht-Qualitätsmedien ohnehin nicht für gerechtfertigt.

    “Aber tagtäglich so ein “dahingerotztes” Konglomerat””

    Sie übertreiben stark. Wenn Sie tagesschau.de schon als dahingerotzt bezeichnen, was sagen sie dann erst zu den Blogs hier? Oder gar zu dem Kommentaren? Die müsste man dann konsequenterweise als “dahingerotzt bis katastrophal” beschreiben. Doch dieser Meinung bin ich ganz und gar nicht.

    “Zumal dafür auch noch Gebühren fällig werden”

    Eigentlich ein Argument dafür, nicht auch noch viel Geld für irgendwelche Korrekturleser zu verschwenden. Es gibt genug Wichtigeres, wofür diese Gebühren verwendet werden können.

  15. M.Schlederer

    Hallo Herr Schlederer,

    ihr Kommentar zeigt, dass mir das, was ich selbst stets bemängele, dieses mal selbst unterlaufen ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Pflicht eines jeden Autors (der Verstanden werden WILL!) darin besteht, sich die Arbeit zu machen, sich korrekt (inhaltlich wie formal) und vollständig (naürlich der Sache angemessen, und nicht in epischer Breite) auszudrücken.

    Das findet jedoch in vielen Medien nicht mehr statt. Vielleicht kennen Sie das Phänomen, dass in einem Bericht zu einem Thema, von dem Sie zufälligerweise eine ganze Menge verstehen, Tatsachen falsch oder gar nicht berichtet und merkwürdige Zusammenhänge “erklärt” werden. Und wenn das dann auf Ihrem Fachgebiet der Fall ist, wie vertrauenswürdig sind dann die Berichte zu fachfremden Themen?

    Und ich denke, eine Unterscheidung zwischen Qualitätsmedien und Unterschichtenmedien ist nicht nur gerechtfertigt, sondern längst vollzogen. Nahrichten auf Pro7/Sat1 und zahkreichen anderen Sendern sind einfach nur unterirdisch – hier werden mitunter sogar Szenen aus Fiction-Serien als Nachricht verkauft (z.B. beim Start der Serie “The Fringe”). Das mag manche an “War of The Worlds” erinnern – mich erinnert es an Gewinnmaximierung um jeden Preis.

    Und als ich von “dahingerotzt” sprach, hatte ich weniger die Tagesschau um 20.00Uhr sondern mehr die Tagesschau im ARD/ZDF Morgenmagazin (genaungenommen nahezu jeden Redaktionellen Teil in diesen Sendungen) im Sinn – die an Unseriosität, Kumpanei und Anbiederei an den Zuschauer in Form ungewollter Kommentare, nicht zu überbieten sind.

    Gerne würde ich sehen, dass hier Gebühren gespart werden, um diese für den Kern der Nachrichten (nämlich Fakten, Fakten , Fakten und immer an den Zuschauer denken (ohne ungewollte Kommentare)) auszugeben.

  16. Nachtrag

    In einem Blog erwarte ich auch, dass die Autoren sich zumindest Mühe geben, bzw. die Arbeit machen, verstanden werden zu können. Rechtschreib- und Grammatikfehler passieren, aber auch in einem Blog erwarte ich, dass sich der AUtor zumindest ein paar Gedanken darüber macht, WAS er eigentlich sagen will. Dass das dann wenig objektiv – im Gegenteil sogar subjektiv eingefärbt – st, liegt auf der Hand. Aber ein Blog wird auch nicht als Nachricht verkauft – ausser vielleicht von der einen oder anderen Nachrichtenredaktion, die zu faul ist, die Fakten zu prüfen.

  17. @ Bruno Jennrich

    http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/250617/september-30-2009/richard-dawkins
    http://www.quanten.de/quantengravitation.php
    http://www.brainlogs.de/blogs/blog/wirklichkeit/2008-06-26/fu-ball-und-gott
    http://www.brainlogs.de/blogs/blog/menschen-bilder/2009-10-04/intertranssexualitaet
    D.h. so wie der ´Datensatz´ für ´grün´ eine bestimmte Farbe beschreibt, gibt
    es auch Datensätze für alle Körperfunktionen und Gefühle.
    Im Gehirn werden diese Datensätze mit Hilfe von biochemischen Reaktionen und
    schwachen Strömen verarbeitet. Das Gehirn arbeitet dabei wie eine gute
    Suchmaschine und ordnet jedem aktuellen Sinneseindruck einigermaßen passende
    Datensätze aus seinem Gedächtnis zu. Es wird so ein internes (virtuelles)
    Abbild der Realität geschaffen; welches mit aktuellen Sinneseindrücken und
    Gedächtnisinhalten in einem permanenten Rückkopplungsprozess immer wieder
    aktualisiert wird. Es dient dazu, die Körperreaktionen so zu steuern, dass
    sie zum aktuellen ´Erleben´ passend abgestimmt sind – als Handlungsvorschlag
    für die Zukunft.
    Dieses virtuelle Abbild kann man auch als ICH/Selbst/Selbstbild oder
    Bewusstsein bezeichnen. Erfahrungen werden immer auf/mit Grundlage des
    aktuellen ICH/Selbst im Gedächtnis abgespeichert. Beim Auslesen werden sie
    wiederum mit dem dann aktuellen ICH/Selbst neu bewertet.

    “Vielleicht kennen Sie das Phänomen, dass in einem Bericht zu einem Thema, von dem Sie zufälligerweise eine ganze Menge verstehen, Tatsachen falsch oder gar nicht berichtet und merkwürdige Zusammenhänge “erklärt” werden.”

    Das war aber bei den Beispielen von Frau Grüter weniger der Fall, hier ging es ehere um kleinere formale Fehler. Wenn durch einen Fehler der Inhalt entstellt wird, stimme ich Ihnen natürlich zu.

    “Nahrichten auf Pro7/Sat1 und zahkreichen anderen Sendern sind einfach nur unterirdisch”

    Sie vergleichen bei “Qualitätsmedien versus Unterschichtenmedien” große TV-Sender. Da stimme ich Ihnen zu. Ich dachte aber auch an den Vergleich von Großen (z. B. tagesschau.de) und Kleinen (z.B. Nischen-Websites). Sie haben mit “Qualitätsmedien” nämlich die Großen mit Bekanntheit und Reputation angesprochen – etwa die Tagesschau. Zumindest habe ich Sie so verstanden. Oder hätten Sie auch kleine unbekannte Medien gemeint? Ich finde die könnte man durchaus oft auch als Qualitätsmedien bezeichnen. Es kommt eben auf den jeweiligen Inhalt an, nicht darauf, ob man für seine Seriosität bekannt ist.

    “Dass das dann wenig objektiv – im Gegenteil sogar subjektiv eingefärbt – st, liegt auf der Hand. Aber ein Blog wird auch nicht als Nachricht verkauft – ausser vielleicht von der einen oder anderen Nachrichtenredaktion, die zu faul ist, die Fakten zu prüfen.”

    Da sind sie aber nicht ganz auf dem Laufenden. Die stark subjektive Berichterstattung ist auf dem Vormarsch, besonders im Internet. Sagt Ihnen die Huffington Post etwas? Oder, kleineres deutsches Beispiel: Telepolis.de? Oder Techcrunch.com, Netzpolitik.org usw.? Alle erklärtermaßen subjektiv. Und doch geht es hier eindeutig um Berichterstattung. Arianna Huffington hat den unbedingt auf Neutralität bedachten Journalismus sogar als “antiquitiert” bezeichnet. Die Wahrheit läge nicht immer in der Mitte. Stattdessen solle man seine Standpunkte transparent machen. Wie es etwa Blogger tun, wenn sie z.B. in der ersten Person schreiben.

  18. Korrektur

    Sorry, der Text vor dem ersten Zitat und die Links am Anfang gehören eigentlich nicht ins Posting. Da ist was beim Copy & Paste schief gegangen.

  19. leicht verwirrt 🙂

    “Kleine” Medien können absolut auch Qualitätsmedien sein. Ich bin beispielsweise beeindruckt, von der Tiefe und Mühe die in den Brainlogs zum Vorschein kommt (auch wenn ich nicht allem hier geäusserten zustimme).

    Und es gibt auch andere “Special Interest” Web-Foren, die viel belangloses (und auch müll) aber auch sehr viele “Perlen” beinhalten. (Forentrolle gibt es leider überall).

    Was die Subjektivität anbetrifft, mag es sein, dass ich da nicht mehr aktuell bin. Aber Ihr Hinweis erklärt, warum ich Telepolis seit langer Zeit NICHT mehr lese – spätestens nach dem Lesen der “heimlichen Medienrevolution” von Erik Möller (rin für mich unterträglich dahergefaselter Text). Und Wikipedia benutze ich auch nur mit äußerster Vorsicht und meist nur für einen ersten, schnellen Anlauf.

    Wenn ich etwas genauer nahcdenke, merke ich, dass es mir bei meinen Punkten auch (vielleicht sogar vor allem…) um Vertrauen geht. Vertrauen in die “Berichterstattung” – egal ob subjektiv eingefäbt oder nicht. Mein Vertrauen in die Medien ist stark erschüttert (nicht zuletzt auch wegen der “Klimageschichte” und der Tatsache, dass hier scheinbar nicht sein kann was nicht sein darf (Political Corectness ist ja schliesslich ein Wert an sich!) Auch wenn die kurzfristie Abkühlung des Weltklimas in den letzen drei Jahren statistisch noch nicht unbedingt etwas zu bedeuten hat.)

Schreibe einen Kommentar