Marskolonie: Wie gut ist die medizinische Versorgung?

Elon Musk will eine autonome Kolonie auf dem Mars errichten, für den Fall, dass die Erde unbewohnbar wird, oder die Menschen in einem Atomkrieg aussterben. Eine Million Menschen sollen dort wohnen und arbeiten. Ließe sich unter dieser Voraussetzung eine medizinische Versorgung auf dem gewohnten Niveau des 21. Jahrhunderts einrichten? Sehen wir doch mal.

Ein Arzt braucht heute viel mehr als ein Stethoskop und einen Reflexhammer. Ein Krankenhaus ist eine High-Tech-Einrichtung geworden, die ohne Computer nicht mehr auskommt. Röntgengeräte arbeiten digital, in den Laboren summen komplexe Analysegeräte. Ohne Kernspintomografie und CT geht nichts mehr, und in den Operationssälen halten Roboter Einzug. Alle diese Komponenten und natürlich das Verbrauchsmaterial, Medikamente, Medizingeräte, Desinfektionsmittel, Kittel und Skalpelle müssten auf dem Mars produziert werden.

Aber natürlich braucht es immer noch Ärzte. In Deutschland arbeiten pro Million Einwohner etwa 4000 Ärzte. In der Marskolonie würden es wohl eher tausend sein, denn zunächst würden wohl nur gesunde junge Menschen die lange Reise antreten.

Medizin auf dem Mars

Medizin auf dem Mars. Das Marsbild stammt von der NASA, überlagert ist die Flagge der WHO (eigene Arbeit).

Wenn man annimmt, dass die Hälfte der Ärzte noch in der Ausbildung sind, wenn sie auswandern, hätte man ungefähr fünfhundert Fachärzte. Die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer zählt 33 Fachgebiete auf, in denen 50 verschiedene Facharzttitel erworben werden können. 43 Zusatz-Weiterbildungen (z.B. Flugmedizin, Infektiologie oder Notfallmedizin) erlauben eine zusätzliche Spezialisierung.

Die heutige Medizin ist so komplex, dass in einer Marskolonie von einer Million Menschen sicher nicht alle Fachrichtungen vertreten sein werden. KI-Systeme werden die Mängel zum Teil ausgleichen können. Marskolonisten dürfen also darauf vertrauen, bei den meisten (aber nicht allen) Leiden einen kompetenten Arzt zu finden.

Medikamente

Hier werden die Kolonisten wohl auf einiges verzichten müssen. In Europa haben wir heute die Wahl zwischen Tausenden von Wirkstoffen. Sie können nicht alle auf dem Mars produziert werden. Manche wichtigen Arzneimittel, wie zum Beispiel Insulin, machen aber kein Problem. Sie werden heute durch gentechnisch veränderte Bakterien und Hefen erzeugt. Früher brauchten die Pharmafirmen zur Insulingewinnung tonnenweise gefrorene Bauchspeicheldrüsen von Rindern und Schweinen. Heute reicht eine Bakterienkultur. Das gilt auch für viele andere Eiweißstoffe, wie z.B. Erythropoietin oder Interferon. Im Juli 2017 waren in Deutschland 231 Arzneimittel mit 178 Wirkstoffen aus gentechnischer Herstellung zugelassen (Quelle: VfA – Verein forschender Arzneimittelhersteller).

Auch ein vergleichsweise kleines Labor auf dem Mars sollte die meisten davon liefern können. Die volle Palette wird es aber wohl nicht geben, und viele Mittel werden sehr viel teurer sein als auf der Erde, weil sie nur in kleinen Mengen gebraucht werden.

Eine autonome Marskolonie wird viele der wichtigsten Medikamente selbst erstellen können. Eine annähernd vollständige Medikamentenversorgung wird es aber wohl erst nach vielen Jahrzehnten geben können.

Medizinische Geräte

Eigentlich beschreibt das Wort „Gerätemedizin“ eher eine kalte Art der modernen Krankenbehandlung, in der technische Überwachung die menschliche Zuwendung ersetzt. Aber auch bei optimaler Betreuung führt an einem umfangreichen Gerätepark kein Weg vorbei. Ohne Ultraschall, digitale Röntgengeräte, computerunterstützte EKGs und EEGs, Beatmungsgeräte, Kernspintomographen, Laborautomaten usw. geht nichts mehr.

Nur: Es lohnt sich einfach nicht, für den geringen Bedarf von vielleicht vier oder fünf Krankenhäusern eine eigene Produktion aufzuziehen. Die Lieferkette für Bauteile und Verbrauchsmaterialien ist ellenlang.

Die meisten Medizingeräte werden also von der Erde kommen müssen. Wenn die Marskolonisten unbedingt autonom sein wollen, sollten sie in den ersten Jahrzehnten nicht zu sehr auf High-Tech-Medizin setzen.

Infrastruktur

In unserer Welt liefern Pflanzen und Tiere selbstverständlich vieles, was wir zum Leben brauchen. Und Kunststoffe erzeugen wir aus Erdöl, den Resten untergegangener Lebewesen. Auf dem Mars finden die Kolonisten kein Baumaterial, nur Staub und Steine. Die Luft ist zu dünn und besteht aus viel Kohlendioxid und wenig Stickstoff, Sauerstoff fehlt ganz. Wenn die Kolonisten Holz brauchen, müssen sie Bäume hochziehen. Alle Erzlagerstätten müssen noch gefunden und erschlossen werden, bisher sind keine bekannt. Wie baut man also eine Infrastruktur auf, wenn man nur Wasser, CO2, Stickstoff und Steine hernehmen kann?

Hier liegt wohl das Hauptproblem. Selbst auf der Erde existiert in der unwirtlichen Zone nördlich des Polarkreises keine einzige Millionenstadt. Die größte Stadt ist Murmansk auf der russischen Halbinsel Kola mit rund 310000 Einwohnern. Sie ist allerdings in keiner Weise autark. Der südliche Polarkreis umschließt keine einzige größere Siedlung. Wollte man beispielsweise eine Million Menschen in der Antarktis ansiedeln, würde niemand annehmen, dass sie sich binnen 50 Jahren mit allen lebenswichtigen Gütern selbst versorgen können.

Die Ärzte der Kolonie brächten ihr Wissen von der Erde mit und müssten in den ersten Jahrzehnten auch sonst importieren. Labors und chemische Fabriken werden wahrscheinlich die wichtigsten Medikamente produzieren, aber die Anlagen dafür müssen von der Erde kommen, ebenso wie fast alle Ersatzteile. Will man medizinische Geräte oder auch nur einzelne Baugruppen auf dem Mars produzieren, müssten alle wichtigen Metalle und seltene Erden auf dem Mars abgebaut und verarbeitet werden. Das wird dauern. 50 Jahre? Nein, das ist wohl unrealistisch. Eher 100 Jahre oder mehr. Selbst ein Land wie Deutschland oder ein Kontinent wie Europa sind keineswegs autonom. Viele Rohstoffe oder Fertigprodukte müssen wir importieren.

Fazit

Man könnte sicherlich genügend Ärzte auf den Mars bringen, um eine Million Menschen angemessen zu versorgen. Die wichtigsten Medikamente ließen sich auch herstellen, wenn die Anlagen dafür auch von der Erde importiert werden müssten. Medizinische Großgeräte würde es kaum geben, und sie ließen sich erst einmal nicht auf dem Mars bauen. Das größte Problem wäre aber die Bereitstellung der grundlegenden Infrastruktur. Bis dieses Problem nicht gelöst ist, brauchen wir über den Rest eigentlich nicht zu diskutieren.

Martina Grüter ist Medizinerin und befasst sich seit 2001 der angeborenen Prosopagnosie, einem erblichen Defizit in der Gesichtserkennung und Verarbeitung. Das Thema hat ihr gezeigt, wie vielschichtig die Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind und wie wenige Erkenntnisse wirklich gesichert sind. Worte und Sprachen haben sie von jeher fasziniert.

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hmmm, naja. Also es ist Sauerstoff in Form von CO2 vorhanden, mit einem “MOXI” genannten Gerät, das in ähnlicher Form auch auf der Internationalen Raumstation installiert ist kann man aus CO2 tatsächlich Sauerstoff O2 gewinnen. Auch Wasserrückgewinnung aus der Luft und dem Urin ist auf der ISS bereits alltag. Außerdem ist im Marsboden, so glaubt man, mehr als ausreichend Wasser gebunden, welches durch den Abbau des Gesteins und dessen Erhitzung gewonnen werden kann.
    Da die Ernährung vorraussichtlich zunächst Vegan erfolgen wird, werden Zivilisationskrankheiten wie Diabetes Typ 2 und Co vermutlich geringer ausfallen. Allerdings werden strahlenbedingte Erkrankungen wie Krebs deutlich häufiger auftreten, weshalb man ein Habitat unter der Oberfläche in Erwägung zieht. (Siehe auch “The Boring Company”/Elon Musk.
    Naja und Handel zwischen Erde und Mars wäre ja auch nicht verkehrt.

      • Was würde man denn [realistischerweise] vom Mars zur Erde exportieren können, außer Wissen?

        Leben vermutlich, wenn die Erde in einem K-Fall hopp gegangen ist.
        Um sich dann womöglich zurückzukämpfen, die Erde per Terra-Forming (das Fachwort) zurückzugewinnen.
        >:->

        Womöglich meinte Herr Dr. Khan es andersherum, nämlich was wie genau zum Mars zu verfrachten wäre, also Knowhow direkt nicht, sondern Gerät, das (die Verhältnisse vor Ort ausnutzend) Gerät bauen kann.
        Da müsste sehr viel automatisiert und durch unsere kleinen Freunde, die Bots, umgesetzt werden, einem vorab angelegten Plan folgend, einem Masterplan sozusagen.
        Cooler wäre es womöglich die Bots vorzuschicken.
        Aber diesbezüglich müsste u.a. auch Elon Musk gefragt werden, denn der weiß ja ganz anscheinend Bescheid.

        MFG + schönes Wochenende noch,
        Dr. Webbaer

  2. Nun, das gehört zum Leben als Pionier, zum Vorstoss ins Ungewisse, dass man medizinisch auf das Niveau eines auf die Homöopathie vertrauenden Berliners zurückgeworfen wird. Nicht alle überleben das, wenn es ernst wird. Es stimmt aber schon, dass der homöopathiegläubige Berliner im Notfall immer noch zu einem Schulmediziner gehen kann, der letzlich an die ganze moderne Medizin angeschlossen ist während der Marsianer diese Möglichkeit nicht hat und dann eventuell an einer Krankheit stirbt, die auf der Erde behandelbar wäre.
    Im übrigen stimmt es natürlich, dass der Mars sich mit der Antarktis vergleichen lässt und eine grössere autonome Marssiedlung mit heutiger Technologie gar nicht realisierbar wäre. Doch für Leute wie Ray Kurweil, die an die Singularität vor dem Jahr 2045 glauben, ist das kein Problem, denn nach der Singularität ist alles möglich inklusive der Aussiedlung aller Menschen zum Mars angeordnet von robotischen Superintelligenzen, die die Nase voll haben von den äffischen Menschen.

    • Die robotischen Superintelligenzen werden lieber selbst in den Weltraum auswandern, denn dort gibt es wenig störenden Sauerstoff, Wasser, Gravitation, und Lebewesen, aber dafür viel nützliche Solarenergie, Silizium, Aluminium, und Eisen.

  3. Zitat:“Selbst ein Land wie Deutschland oder ein Kontinent wie Europa sind keineswegs autonom.”. Aber viele Ökos+Grüne+Nationale wollen doch Autonome überall mit Ernährungs- und Energiesouveränität und Selbstversorgung auch bei allen Rohstoffen. Und ich denke: Autonomie ist durchaus möglich, sowohl in Europa als sogar in Deutschland und ja, sogar auf dem Mars. Allerdings hat Autonomie seinen Preis. In einem autonom sich versorgenden Deutschland gäbe es keine Bananen mehr, vielleicht sogar kein Netflix und keine US-Serien wie “Game of Thrones”. Für einige wäre solch ein Leben nicht mehr lebenswert selbst wenn es früher einmal Deutsche gab, die ohne all dies auskommen mussten. Ähnliche Überlegungen gelten auch für eine Marskolonie. Ich bin mir sicher: Die wenigsten werden sich als Marskolonisten zur Verfügung stellen, aber es wird auch Menschen geben, die an den Mars als neue Welt glauben. Vielleicht nur wenige, vielleicht aber auch ähnlich viele, wie Amerikaauswanderer im 18. und 19. Jahrhundert.

  4. Wie baut man also eine Infrastruktur auf, wenn man nur Wasser, CO2, Stickstoff und Steine hernehmen kann?

    Man würde bei der Ressourcennutzung andere Wege gehen müssen als auf der Erde. Vermutlich wird jedes gelandete Versorgungsschiff sofort komplett ausgeschlachtet und ihre Komponenten wieder verwertet. Auch der Regolith würde direkt, nach Vermischung mit Bindesubstanzen, in 3D-Druckern verarbeitet, um auch große Komponenten zu erzeugen. Der Regolith oder das Gestein enthalten viele wichtige Metalle. Diese zu extrahieren ist aufwändig und ineffizient. Auf der Erde würde sich das nicht lohnen, auf dem Mars mangels Alternativen schon. Die wichtigste Ressource wäre dort somit elektrischer Strom oder thermische Energie. Mit genug Energie kann man Eisen, Aluminium, Sauerstoff und Silizium sowie Kalium, Kalzium und andere Elemente aus dem Regolith extrahieren.

    Nicht alle Bauteile und Geräte könnte man vor Ort herstellen, zumindest nicht zu Beginn. Komplexe Technik würde von der Erde transportiert werden müssen. Und das ist das Problem. Optimisten ignorieren solche Details gekonnt, aber Tatsache ist und bleibt: Technik fällt gern mal aus. Wenn sie unter harten Randbedingungen eingesetzt wird, geht sie schneller kaputt. Auf der ISS fällt dauernd dies oder das aus und muss ausgetauscht werden. Aber zur ISS kann man auch kurzfristig mal ein Versorgungsschiff schicken. Zum Mars nicht.

    Was die Medizin angeht – die häufigsten Krankheitsbilder, mit denen die Ärzte auf dem Mars zu tun haben würden, wären auf der Erde wahrscheinlich selten, sodass die medizinische Erfahrung erst noch gesammelt werden muss. Juvenile Osteoporose und Muskelatrophie sowie Strahlenschaden vom Transfer, beispielsweise. Oder psychosomatische Störungen, die mit dem unausweichlich notwendigen Leben ähnlich wie Kanalratten in unterirdischen Röhren, ohne Aussicht auf eine Änderung einher gehen.

    Vielen Dank übrigens für die immer wieder originellen und interessanten Diskussionsthemen!

    • Vielen Dank übrigens für die immer wieder originellen und interessanten Diskussionsthemen!

      Bitte, gerne. Mir geht es darum, aktuelle Themen aus anderen Blickwinkeln zu beleuchten. Die Diskussion bekommt dann mehr Tiefe und Schärfe, finde ich.

  5. Ja, eine Marskolonie wäre nur dort autonom, wo es nicht anders ginge. Je mehr Kolonisten es hätte, desto autonomer müsste sie angesichts der Erde-Mars-Transportkosten allerdings sein. Grundsatzentscheidungen wie die, welche Energiequellen man auf dem Mars verwendet ,müssten schon vor Beginn der Kolonisation gefällt werden und ohne genügend elektrische Energie könnte die Marskolonie wohl nicht allzu gross werden. Umgekehrt könnte bei einem grossen Angebot an Strom der Mars wohl schon zügig erschlossen werden. Noch einmal beschleunigt, wenn es dannzumal selbständig operierende Roboter gibt, denn für Roboter kann der Mars ein toller Planet sein während das für Menschen wohl nie ganz zutrifft.

    Erstaunlich ist es schon, dass die Mondlandung 9 Jahre vorher als Ziel ausgegeben wurde und dass dann alles bestens klappte. Von einer bemannten Marslandung spricht man zwar schon lange, doch die Aussichten dies in den nächsten Jahrzehnten zu erreichen sind sehr schlecht, wenn man nur die NASA und ESA-Pläne dazu betrachtet. Erst Ankündigungen von Elon Musk hellen das Bild etwas auf. Allerdings kann auch Elon Musk die Naturgesetze nicht ändern und wohl kaum alles für eine Marslandung und -kolonisation nötige Geld selbst beschaffen.

  6. Liebe Mitmenschen, versucht doch erstmal die Biospäre der Erde nachhaltig zu nutzen…fangt am besten gleich bei Euch selbst an.

    • Bei der heimischen Biosphäre, muss man innerhalb einer Demokratie gegen all die anderen Interessen ankämpfen, wenn es um deren Rettung geht.
      Bestes Beispiel ist die Energiewende in Deutschland.

      Eine Biosphäre auf einem anderen Planeten wäre davon abgekoppelt und hat was homogenes und Autoritäres an sich. Vorher wird ausgewählt wer mit darf. Schwierige Geister können ausgefiltert werden. Auf der Erde geht das nicht. Hier muss man mit Trumps und anderen Leben.
      Auch wäre es ein Unternehmen, dass diese Besiedlung durchführt. Die Menschen wären wohl keine Bürger sondern nur ausführende Mitarbeiter.
      Alle Materialien stammen von einem Konzern. Die Arbeitsverträge werden dann wohl bei der Geburt erworben.

      Auch wenn ich Spaß an futuristischen Ideen habe. Die Marsbesiedlung hat noch einen sehr langen Weg vor sich und viele Fragen sind noch offen.

  7. Es ist schon erstaunlich, dass die meisten Menschen eine Marskolonisierung scheinbar als Abenteuerurlaub mit “all inclusive” ansehen. Die rauhe Wirklichkeit ist / wird aber anders! Wie war das bei der Kolonisierung Nordamerikas in “zivilisierten Zeiten”, Hunger, Durst, keine medizinische Versorgung, sogar Kanibalismus wegen zu geringer Kenntnisse der möglichen Ressurcen usw. Gehen wir zu unwirtlichen Gegenden, Gesellschaften wie die Inuit haben Alte, Kranke und Schwache auf dem Eis zurückgelassen und konnten nur so eine überlebensfähige Kultur aufbauen… Wie sah es auf den Schiffen der Konquistadores aus? Einen Medizintrakt suchte man dort vergebens, Skorbut etc. war dagegen häufig. Trotzdem kamen diese Kolonisten und Eroberer “neuer Welten” zum Ziel, die erheblichen Verluste wurden als gegeben oder gottgewollt hingenommen.
    Kurz gesagt eine Marskolonisierung mit realsitischer /fatalistischer Einstellung der Kolonisten wäre wohl heute schon möglich, wenn auch teuer und opferreich. Kolonisierung mit Rundumservice auch bei Medizin, Unterhaltung etc. wird wohl auch noch in zig bis hunderten von Jahren nicht klappen. Solche Unternehmungen erfordern überzeugte stoische und doch abenteuerlustige Geister, früher hätte man gesagt “Männer” und selbst von diesen scheitern (wie beim Goldrausch) wohl viele. Mit Träumern, Politikern oder Diskussionsrunden jedenfalls wird eine Eroberung des Mars wohl kaum gelingen wenn man die Vergangenheit als Referenz mit einbezieht. Gegenüber vielen Gegenden in Afrika, Indien wäre selbst ein einfacher Hausarzt ohne MRT schon ein Fortschritt, möglicherweise sollte man dort nach den Kolonisten suchen so wie damals im hungebedrohten Irland? Unseren Zivilisationsstandard von heute als Maß für eine Mars/WeltraumKolonie (in der Anfangszeit) anzulegen wird jedenfalls scheitern.

    • Wenn man 6 Ameisen mit etwas Sand und Fressbarem in ein Terrarium steckt, dann sterben sie in kurzer Zeit.
      Nimmt man 8 Ameisen, fangen sie an einen neuen Bau zu graben.
      Wie groß muss eine menschliche Kolonie sein, dass sie sich letztlich aus sich selbst regenerieren kann, ohne Nachschub von der Erde?

  8. Wir lassen die mitverschuldeten Probleme einfach hinter uns, auf dem gewohnten Weg des geringsten Widerstandes und der Sündenböcke, doch: “Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück”! 😎

  9. Ist eine Gesundheitsversorgung auf so hohem Niveau überhaupt nötig? Wer zum Mars geht, der verändert sein gesamtes Leben und geht sowieso Risiken ein. Ein etwas größeres Risiko an Krankheiten zu sterben bzw. eine noch weiter gesenkte Lebenserwartung (ich schätze, die wird durch die geringe Gravitation und so auch bei Medizin auf gleichem Niveau gesenkt) ist in diesem Fall wohl nicht mehr so relevant. Man muss halt einen Preis bezahlen, um auf dem Mars zu leben.

  10. Bevor man sich ins Raumschiff setzt, sollte man vielleicht erstmal weitere Studien zum Thema “Demenz nach Marsreise” durchführen. Eine (zugegebenermaßen kleine) Studie an Ratten hat ja Anhaltspunkte geliefert, dass die Gefahr, während der Reise daran zu erkranken, bei ca. 50% liegen könnte. Auch wenn man daraus noch keine konkreten Rückschlüsse auf das Risiko für Menschen ziehen kann, sollte man gerade deshalb diese Hinweise nicht ignorieren, sondern der Sache erstmal ordentlich auf den Grund gehen. Sonst ist womöglich von den 1.000 Ärzten, die sich auf den Weg machen, ca. die Hälfte bei Ankunft nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Von ihren potenziellen Patienten ganz zu schweigen. Plus obendrein noch die Krankheiten, mit denen man eh schon rechnet. Dann sieht’s für die Rettung der Menschheit aber mal richtig mau aus.

    Ich stehe dem Ganzen aber eh skeptisch gegenüber. Wen genau will Musk denn da schicken? Sie? Mich? Einen der anderen Kommentatoren? Wer entscheidet das? Und wer bezahlt? Die Reisenden selbst? Also werden eh nur die Reichsten mitgenommen? Könnte Ärger geben. ^^
    Oder zahlt die ganze Menschheit, freiwillig, jeder einzelne? Damit einer von jeweils 10.000 eine Chance bekommt und der ganze Rest zurück bleibt? Glaube ich kaum. Womit man dann auch wieder bei der Frage nach dem “wer” wäre. Nur die Qualifiziertesten, also mit überdurchschnittlicher Bildung? Was ist mit Kindern, Familien? Alleine da stünde man schon vor einem massiven ethischen Problem.

    Verdient es die Menschheit überhaupt, von Messias Musk “gerettet” zu werden, wenn sie nicht mal ihren Ursprungsplaneten in Schuss halten kann? Mit welchem Recht tun wir das bitte einem weiteren Planeten an? Das wird schließlich mit dem Mars doch wohl nicht anders laufen. Alleine schon, weil der noch weniger hergibt als die Erde – und somit noch intensiver ausgebeutet werden müsste. Aber OK, das ist wohl noch ein anderes Thema.

    • @Ute Gerhard: der Vergleich mit den Kolonisten und Amerika-Auswanderern ist wohl gar nicht so schlecht. Diese mussten die Reise selber bezahlen oder als Matrosen und Krieger verdienen. Sie konnten sich aber erst auf den Weg machen, als es einigermassen zuverlässige Schiffe gab, dann aber galt: je mehr erfolgreiche Aussiedler es gab desto mehr machten es Ihnen nach. Wenn allein schon die Reise zum Mars krank macht, dann werden es sich schon die Allerersten überlegen und es wird keine Nachahmer geben. Damit also eine Marskolonisation überhaupt in Gang kommt, müssen zuerst die Vorsaussetzungen stimmen, beispielsweise indem die Reisedauer möglichst kurz gehalten wird oder der Mannschaftsraum strahlengeschützt ist. Das kann aber tatsächlich bedeuten, dass noch viele Jahre verstreichen bis es los geht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Musk auch nur schon den Beginn einer Marskolonisation einleiten kann, halte ich wegen den noch nicht erfüllten Vorraussetzungen deshalb für gering.
      Ihre Überlegungen zur Auswahl der Kolonisten spielen dagegen in meinen Augen nur eine untergeordnete Rolle. Es kommen sowieso nur Überzeugte in Frage und diese müssen dann noch einen Gewinn für die Kolonie bringen und dürfen kein Sicherheitsrisiko sein. Und wie gesagt, ausser den Allerersten müssen die späteren Kolonisten das entweder selbst berappen oder aber sie erhalten aufgrund ihrer Qualifikation und ihrem Wert für die Kolonie einen Freischein.

    • @Ute Gerhard: Mit einer Marskoloniekann man die Menschheit nicht (sofort) retten, sondern höchstens der Menscheit ein zweites Standbein geben – und das zudem erst dann, wenn die Kolonie weitgehend autonom ist, was viele Jahrzehnte dauern kann. Dies zu (Zitat):“Verdient es die Menschheit überhaupt, von Messias Musk “gerettet” zu werden, wenn sie nicht mal ihren Ursprungsplaneten in Schuss halten kann?” Und wiederum gilt: die Auswanderungswilligen bestimmen ob sie das tun wollen und “verdienen”. Und auch wenn es die Menschheit nicht verdient zu überleben, gibt es eben doch Einzelne, die überleben wollen, die überleben wollen, selbst wenn sie selbst es nicht verdient hätten.

      • @Martin Holzherr: Die “Rettung der Menschheit” ist aber nun mal der Anspruch, unter dem Musk das Ganze publik gemacht hat und an dem er sich nun messen lassen muss. Darum nehme ich ihn bzw. die Autorin des Postings hier auch beim Wort und argumentiere auf der Linie weiter.

        Dass Musk tatsächlich aber die Menschheit nicht retten wird und höchstwahrscheinlich nicht mal einen Außenposten mit auch nur 10.000 Leuten hinkriegt, da sind wir uns völlig einig. Das ist unter aktuellen Bedingungen nichts als ein nettes Gedankenspiel und eine geschickte Überleitung zur kommerziellen Raumfahrt. Das Musk daran seinen Spaß hat, glaube ich gerne, aber das pathetische Geschwafel von “Menschheit retten” geht mir dabei gewaltig gegen den Strich, das muss ich schon sagen. Völliger Tinnef, das.

        • @ Bonuskommentar @ Frau Dr. Gerhardt :

          Das[s] Musk daran seinen Spaß hat, glaube ich gerne, aber das pathetische Geschwafel von “Menschheit retten” geht mir dabei gewaltig gegen den Strich, das muss ich schon sagen. Völliger Tinnef, das.

          Das müsste Marketing-Geschwafel gewesen sein, von Elon Musk.
          Andererseits hat er einen Punkt.
          Der Schreiber dieser Zeilen will Elon Musk grundsätzliches originäres Denken nicht absprechen, ihm nicht absprechen ein Original Thinker (das Fachwort) zu sein.
          Elon Musk hat ja bereits eine ganze Menge geleistet, er wird womöglich auch partiell megaloman sein und könnte sich jederzeit als Privatier zurückziehen, ohne an (auch : politischer) Wirkung viel zu verlieren.
          Wäre er nur ein “Öko-Guru”, würde Ihnen Dr. Webbaer umfänglich zustimmen, so kann er dies, in Anbetracht der Leistungen des hier Genannten, nur teilweise.

    • @ Frau Dr. Gerhardt :

      Verdient es die Menschheit überhaupt, von Messias Musk “gerettet” zu werden, wenn sie nicht mal ihren Ursprungsplaneten in Schuss halten kann? Mit welchem Recht tun wir das bitte einem weiteren Planeten an?

      “Das Leben findet ein Weg.” (Quelle – wobei sich Dr. Webbaer dem hier zitierten Geschwätz natürlich nicht anschließen will, nur diesen zitierten Satz gut fand)

      Insofern stellen sich derartige Sinnfragen nicht.

      Zudem klingt es auch ein wenig nihilistisch / misanthropisch Planeten als Subjekte zu betrachten, die nicht dem Appetit des hier gemeinten Primaten anfällig werden sollen.
      “Dominium Terrae” sagt Ihnen womöglich etwas.


      Und es geht natürlich auch nicht, wenn diese Sache (halbwegs) ernst genommen werden soll, die persistente Mars-Expedition, um Elon Musk, sondern sozusagenum viele Elon Muske (der Plural ist versucht worden), die sich vielleicht irgendwann tatsächlich einmal um den Mars bemühen werden.
      Dieser Elon Musk darf gerne bei seinen Elektro-Autos und seinen Raketen bleiben, oder bei Web-Anwendungen.

      MFG + schönes Wochenende noch,
      Dr. Webbaer

    • Strahlenschutz während der Marreise ist gemäss Health threat from cosmic rays möglich.
      Die wichtigsten Optionen sind:

      Schutz vor kosmischer Strahlung
      scheint mit einem Wassermantel oder einer dicken Plastikaussenschicht (Plastik mit viel Wasserstoffatomen) um den Mannnschaftsraum möglich zu sein.
      Schutz vor SPE’s (Solarsturm (Solar Proton Event))
      Ein separater “SPE-Schutzraum”

      Schutz mit solchen Materialen würde jedoch die mitzuführende Masse deutlich vergrössern. Potentiell wirkungsvolle, jedoch ungetestete Alternativen sind starke, mit einem supraleitenden Magneten erzeugte Magnetfelder oder strahlenresistent machende Medikamente

  11. Der Mensch ist gar nicht in der Lage auf der Erde schlechtere Verhältnisse zu schaffen als sie auf dem Mars vorliegen. Dazu kommt die Transportproblematik.
    Keine Ahnung, was Elon Musk so schwätzt, die SciFi bereits der Sechziger war besser, weil sachnäher.
    Und ohne Weltraumlift geht hier gar nichts, zudem böte sich im Falle der Bereitstellung eines dementsprechenden Lifts erst einmal die Besiedelung der Umlaufbahn oder die des Mondes an. (Wenn sich nicht in der Erde eingegraben werden soll, auch dies wäre eine Variante.)
    Ansonsten, mit Verlaub, die ärztliche Versorgung von Kolonien im Sonnnensystem muss nicht unbedingt durch ärztliches Personal vor Ort erfolgen.
    Sie wäre sicherlich auf halbwegs solidem Niveau per Ferndiagnostik und Ferntherapie installierbar, bei der Medikation gibt es naturgemäß “Anlaufprobleme” bei der Beschaffung / Herstellung, zur Not wird halt durchschnittlich ein paar Jahre früher gestorben als bei zunehmend steigendem medizinischen Niveau auf diesem Planeten gewohnt, aber -Hey!- Helden nehmen dies sicherlich in Kauf.
    Wichtich hier die Fertilität, also diese in unwirtlichen Bedingungen auf dem Mars gleich von Anfang an bestandserhaltend sicherzustellen…
    Und Depressionen vorzubeugen, allgemein gesellschaftlichen, die auf dem Mars durchaus entstehen könnten – vergleiche auch mit dem Zustand der jetzigen BRD.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Zitat:“Der Mensch ist gar nicht in der Lage auf der Erde schlechtere Verhältnisse zu schaffen als sie auf dem Mars vorliegen. “ Umweltmässig nicht, aber zivilsatorisch schon, wenn man an den Zusammenbruch des römischen Reichs denkt. Ein Nuklearkrieg könnte beispielsweise die Überlebenden in einem staatenlosen Chaos hinterlassen. Thomas Grüter betrachtet einen zivilsatorischen Zerfall sogar als sicher (Offline!: Das unvermeidliche Ende des Internets und der Untergang der Informationsgesellschaft. Elon Musks Idee ist die eines zivilsatorischen Backups. Gab es vor der globalen Gesellschaft hier auf der Erde auch, denn die Chinesen merkten nichts von Roms Untergang. Heute aber gibt es nur noch eine Zivilisation. Wenn die in die Knie geht, kann es eine sehr lange Pause geben, bis wieder etwas ähnliches aufgebaut ist.

      • @ Herr Holzherr :

        Ein Nuklearkrieg könnte beispielsweise die Überlebenden in einem staatenlosen Chaos hinterlassen. Thomas Grüter betrachtet einen zivil[i]satorischen Zerfall sogar als sicher. […] Heute aber gibt es nur noch eine Zivilisation.

        Das ‘staatenlose Chaos’ war für den hier gemeinten Primaten lange Zeit eine Art Normalzustand, zu beachten die Entwicklung der Anzahl der Bevölkerung :

        -> https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbevölkerung#/media/File:World-pop-hist-de-2.png


        Der hier gemeinte Primat könnte auch “Durststrecken” überwinden.

        Es war womöglich Kollege Harald Schmidt, der Jammern auf hohem Niveau feststellen konnte.

        Das Web kann, so zumindest die Einschätzung des Webbaeren, nicht gebrochen werden, nicht nur EMP-Attacken, nicht nur den Zubau sittlicher immigrierter Niedrigkeit.

        In etwa so nicht, wie der hier gemeinte Primat nicht an-alphabetisiert werden kann.

        Zynisch-ursisch formuliert werden aus Angriffen per Massenvernichtungsmittel oder aus Angriffen, die kultureller Art sind, diesen aber nahe kommen, nur resilientere Gesellschaften entstehen.

        Opi Webbaer ist allerdings Optimist und verkauft (noch) keine Bücher.
        Insgesamt, bevor hier Missverständnisse entstehen, Dr. W liebt die hiesige Autorenschaft sozusagen & es gibt mehr als eine wichtige Zivilisation (“Bürgerwerdung”) auf diesem Planeten.

        MFG
        Dr. Webbaer

  12. Musks Plan: “Moskau hofft, 1 Million Menschen auf den roten Planeten als eine Art “Backup-Laufwerk” für die Erde zu Kosten von $ 100.000 bis $ 200.000 pro Person zu fliegen. “ Ein Backup für die Erde also zu Kosten, die sich viele leisten können.

    Ein Langzeitplan, denn: “Die Schaffung einer völlig selbsttragenden Zivilisation von rund einer Million Menschen – das ultimative Ziel – würde nach den Plänen 40-100 Jahre beanspruchen.

    Und so sähe das Leben für die Marsianer aus: “Wenn die Missionskosten auf die Kosten eines durchschnittlichen US-Hauspreises fallen würden, sagt er, würden die Leute sich in genug großer Zahlen darauf einlassen/dafür verpflichten, um den Anstoss für eine multiplanetare Zivilisation zu geben. “Angesichts der Tatsache, dass der Mars lange Zeit einen Arbeitskräftemangel haben würde, würden die Arbeitsplätze nicht knapp sein”, betont er.”

    Über Humanmedizin und viele andere für Marsianer wichtige Details schreibt Musk nichts.

    • Ergänzung. Die Übersetzungen sind von google translate. Der erste Satz müsste richtig heissen: “Mus hofft, 1 Million Menschen auf den roten Planeten als eine Art “Backup-Laufwerk” für die Erde zu Kosten von $ 100.000 bis $ 200.000 pro Person zu fliegen. “

  13. Mit der Dauer einer bemannten Marsreise
    1) steigt das Strahlenrisiko
    2) verschlechtern sich Skelett, Muskelatur, Herz-Kreislauf-System
    3) werden (Teil-)Ausfälle von wichtigen Systemen immer gefährlicher

    Folgerung: Die Reisedauer zum Mars muss so kurz wie möglich sein, was mit einem thermonuklearen Antrieb (Nuclear Thermal Propulsion (NTP)) erreicht werden kann.
    Zitat: “Ein NTP-System kann die Mars-Reisezeit von 6 Monaten auf 4 Monate reduzieren, womit die Strahlenbelastung entsprechend sinkt. Auch die Gesamt-Raketenmasse könnte gesenkt werden, womit Fernmissionen mehr Nutzlast mitführen könnten.”

    Anmerkung: Schon eine Mars-Reisezeit von 6 Monaten ist mit heutiger Raketentechnologie äusserst optimistisch. Eine Senkung auf 4 Monate wäre in der Tat ein Game-Changer, würde also die bisherigen Spielregeln über den Haufen werden. Denn nur 4 Monate Reise bedeuten, dass weniger Nahrung und Wasser mitransportiert werden müssen, dass weniger Raum für körperliches Training an Bord zur Verfügung stehen muss und sich weniger Konflikte entwickeln. Und im Fall von ernsthaften technischen Defekten wäre die Mannschaft schneller zurück.

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