Klimawandel: Das allzu ferne Wetterleuchten

Die globale Erwärmung fällt aus, jedenfalls beinahe. Auf dem Pariser Klimagipfel haben die Staaten der Welt beschlossen, dass die Durchschnittstemperatur der Welt um nicht mehr als 1,5° oder maximal 2° Celsius steigen wird. Und nicht nur das. Jeder (naja, fast jeder) Staat hat auch einen detaillierten Plan eingereicht, wie sein Beitrag aussehen soll.

Damit haben die Großen der Welt ein leuchtendes Beispiel internationaler Zusammenarbeit gesetzt – sollte man meinen. Leider hat das schöne Bild einige Flecken. Eine im Juni 2016 in Nature veröffentlichte internationale Studie hat jetzt nachgewiesen, dass die gesammelten Pläne zur CO2-Begrenzung das angestrebte Klimaziel weit verfehlen. Selbst wenn jeder einzelne Staat seine Pläne ohne Abstriche umsetzt, wird sich der Globus um ca. 3° C erwärmen. Es könnte aber auch mehr sein. Einige der CO2-Reduzierungspläne lesen sich so vage wie Silvestervorsätze.

Das sind schlechte Nachrichten, aber irgendwie scheint sich niemand darüber besonders aufzuregen. Und dieser Blogpost möchte fragen, warum solche Meldungen die Menschen so wenig bewegt. Sollte sich nicht jeder einigermaßen gebildete und verantwortungsvolle Mensch Sorgen über die Lebensbedingungen seiner Kinder und Enkel machen? Aber mal ehrlich: muss uns die Erkenntnis der Klimaforscher wirklich überraschen?

Alle Politiker sonnen sich gerne in dem Gefühl, die Rettung der Welt auf den Weg gebracht zu haben, und eine große Konferenz mit vielen Journalisten ist das ideale Forum dafür. Die meisten werden also gerne zum Klimagipfel geflogen sein, und haben eine Tüte mit wohlformulierten Absichtserklärungen als Gastgeschenk abgeliefert. Allerdings: Zu teuer durfte das Geschenk natürlich nicht werden, sonst hätten sie sich zu Hause Ärger eingehandelt. Also blähten sie die Verpackung mit heißer Luft auf, damit sie eindrucksvoller aussah.

Dieses Verhalten ist weder neu noch ist es ungewöhnlich, sondern war eigentlich zu erwarten. Nur leider hilft uns das beim Kampf gegen die globale Erwärmung keinen Schritt weiter. Fragen wir doch mal: Warum haben alle alle Mahnungen von Wissenschaftlern bisher nichts geholfen? Und was kann man dagegen tun?

Problem 1: Langfristiges Denken

Wir sollen heute auf Dinge verzichten, oder mehr Geld ausgeben, damit in einigen Jahrzehnten die globale Temperatur nicht zu sehr ansteigt und der Meeresspiegel ungefähr auf dem heutigen Stand bleibt. Solches Handeln fällt Menschen schwer. Nehmen wir an, ich biete Ihnen an, Sie bekommen von mir 50 Euro in 100 Tagen oder 100 Euro in 105 Tagen. Würden Sie fünf Tage länger warten? Klar, würden Sie. Wenn ich aber sage: „Sie bekommen jetzt 50 Euro, oder Sie warten fünf Tage und bekommen dann 100 Euro“, sieht die Sache anders aus. 50 Euro bar auf die Hand sind mindestens genauso gut wie das Versprechen von 100 Euro später. Wer weiß schon, was in fünf Tagen sein wird? Also – her mit dem Geld und vielen Dank!

Wenn ich heute auf Annehmlichkeiten verzichten soll, damit in fünfzig Jahren der Sommer vielleicht nicht so heiß wird, dann denke ich schon gründlich darüber nach.

Problem 2: Die Allmende

Nehmen wir einmal an, wir Deutsche verhalten uns vorbildlich (wie wir das bekanntlich immer tun). Wir nehmen in Kauf, dass Strom immer teurer wird, bezahlen jedes Jahr 5 Milliarden Euro in den Klimafond und finden uns damit ab, dass Strom auch rationiert werden muss. Wir dämmen unsere Häuser mit Millionen Tonnen Styropor und verzichten aufs Autofahren, wann immer es möglich ist. Wir stecken 2 Billionen Euro in die Anpassung der Infrastruktur und riskieren dabei unsere Stellung als reicher Industriestaat. Wird die Erde dann ganz sicher ein besserer Ort?

Nicht unbedingt. Wenn Sie auf das Rauchen und Trinken verzichten, Ihr Gewicht kontrollieren, nur gesunde Nahrungsmittel essen und regelmäßig Sport treiben, dann werden sie auch nicht sicher 100 Jahre alt. Man kann Ihnen nicht einmal garantieren, dass Sie in den nächsten zwei Jahren gesund bleiben. Sie erhöhen lediglich ihre Chancen und verbessern die Statistik der Lebenserwartung.

Sollen wir uns also zum Affen machen, das Gespött der ganzen Welt auf uns ziehen und schließlich mit ansehen, dass alles vergebens war, weil sonst niemand mitmacht?

Allein die geplanten neuen Kohlekraftwerke in den Schwellenstaaten China, Indien, Indonesien, Südafrika und Türkei reichen aus, um alle Anstrengungen zur Treibhausgas-Reduktion zunichte zu machen. Sollen wir also verzichten, damit andere prassen können? Wenn aber alle so denken, fängt niemand an, CO2 einzusparen, bis es zu spät ist.

In der Wissenschaft spricht man bei einem solchen Dilemma vom Allmende-Problem. Eine Allmende war in früheren Zeiten eine Wiese, die von einer Dorfgemeinschaft gemeinsam genutzt werden durfte. Wenn aber alle Familien ihr Vieh darauf weideten, war die Wiese bald kahlgefressen und nutzte niemandem mehr. Aber wie soll man die Nutzung verteilen, wenn man niemanden zum Verzicht zwingen kann? Bis heute sind zwar Lösungen vorgeschlagen, aber keine davon überzeugt wirklich.

Problem 3: Die Wahrnehmung von nicht-linearen Veränderungen

Nehmen wir an, in einem Gartenteich wächst eine Seerose. Sie hat das Potential, den ganzen Teich zu überwuchern und alle anderen Pflanzen zu verdrängen, wenn man nicht rechtzeitig einschreitet. Sie verdoppelt ihre Größe jeden Tag. Nach einem Tag besteht sie nur aus einem einzigen Blatt, das gerade man ein Tausendstel des Teichs einnimmt. Nach fünf Tagen ist sie auf ein 32stel gewachsen, was immer noch nicht viel ist. Aber nach 10 Tagen hat sie den Teich bereits komplett eingenommen.

Menschen können solches Wachstum nur schwer vorhersagen und unterschätzen regelmäßig die Folgen. Ein Wachstum von 7% im Jahr führt zu einer Verdoppelung in 10 Jahren. Wenn China also ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum von 7% anstrebt, vervierfacht sich die Wirtschaftsleistung nach 20 Jahren. Entsprechend steigen Energieverbrauch und Umweltverschmutzung. Auch in Deutschland streben wir ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum an. Irgendwann führt das aber unweigerlich zur Katastrophe.

Immerhin lassen sich solche Entwicklungen gut berechnen. Ein anderes Problem entzieht sich aber sowohl der Vorstellung als auch der Berechnung: Die sogenannten Kippelemente. An ein Kartenhaus kann man so lange immer mehr Karten anbauen, bis es zusammenfällt. Dieser Kollaps geschieht plötzlich, und niemand kann ihn sicher vorhersagen. Im Weltklima existieren eine ganze Reihe solcher Kartenhäuser. Sie können zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt in einen anderen Zustand übergehen. Z.B. könnte sich der Golfstrom plötzlich abschwächen. Dann wird es zwar auf der Welt wärmer, in Europa aber deutlich kälter. Oder einige Gletscher in Grönland zerfallen plötzlich, weil sie instabil werden. Dann steigt der Meeresspiegel viel schneller als vorher erwartet.

Problem 4: Glaubwürdigkeit

In den Naturwissenschaften gilt die Regel, dass alle Erkenntnisse nachprüfbar sein müssen. Haben Sie Zweifel an den Klimamodellen? Dann rechnen Sie nach! Alle Daten und Formeln liegen auf dem Tisch! Wie, das können Sie nicht? Dann werden Sie es einfach glauben müssen. Schließlich sagen die meisten Klima-Experten ganz ähnliche Entwicklungen voraus. Aber wir leben in einer seltsamen Zeit. Um Michael Gove, den intriganten Anführer der Brexit-Kampagne, zu zitieren: „Das Volk in diesem Land hat genug von Experten!1“.

Donald Trump beispielsweise glaubt nicht daran, dass es einen Klimawandel gibt. Diese Behauptung nutze nur den Chinesen, sagte er. Auch er glaubt nicht den Experten. Die AfD findet einen steigenden CO2-Anteil in der Atmosphäre sogar gut, wie sie selbst erklärt.

Die Zeitschrift New Scientist rät deshalb Wissenschaftlern:

„Trying to change someone’s mind by giving them the facts usually just makes them dig in. For reason to triumph, scientists need to learn to engage with emotion. (Wenn man jemanden mit Fakten überzeugen will, wird er meist noch störrischer. Damit die Vernunft siegen kann, müssen Wissenschaftler lernen, mit Gefühlen umzugehen.)“

Grundsätzlich glauben Menschen nicht den Fakten, sie glauben den Aussagen anderer Menschen. Vertrauen ist wichtiger als jeder Beweis. Und natürlich muss schon jemand sehr gute Argumente vorweisen, um die Menschen zum Verzicht zu bewegen. Die Berichte über den kommenden Klimawandel sind wie ein Wetterleuchten, das auf eine ferne Bedrohung hinweist, die aber niemals näherzukommen scheint.

Was tun?

Inzwischen haben natürlich auch die Klimaforscher gemerkt, dass sie trotz aller objektiver Beweise nicht zu den Menschen durchdringen.2 Was sollte man also tun? Darf man die Menschen zwingen, sich klimagerecht zu verhalten? Muss man es vielleicht sogar? Natürlich funktioniert das nur, wenn alle großen Umweltsünder mitspielen (siehe Allmende-Problem). Auf absehbare Zeit werden sie das aber nicht tun. Wenn ich Umweltaktivist wäre oder Kolumnist, folgte hier die weltrettende Idee. Ich wüsste genau, wie die Menschen zu überzeugen sind, und würde Regierungen und Lobbyisten mit spitzer Feder abkanzeln.

Aber ich bin nur Arzt und Blogger. Meine Erfahrung sagt mir, dass es keinen Sinn macht, Verzicht zu predigen. Dafür wird es auf die Dauer keine Mehrheiten geben. Und die meisten Staaten können es sich auch nicht leisten, elektrische Energie rar und teuer zu machen. Irgendwie sieht das nach einem Dilemma aus.

Ist das menschliche Gehirn vielleicht einfach nicht dafür geeignet, die Ressourcen eines ganzen Planeten zu erfassen und zu schützen?

Anmerkungen

[2] Wenn Wissenschaftler ein Problem erkannt haben, schreiben sie eine Veröffentlichung. z.B:
Sterman, John D. „Communicating climate change risks in a skeptical world.“ Climatic Change 108.4 (2011): 811-826.
Clayton, Susan, et al. „Psychological research and global climate change.“ Nature Climate Change 5.7 (2015): 640-646.

Martina Grüter ist Medizinerin und befasst sich seit 2001 der angeborenen Prosopagnosie, einem erblichen Defizit in der Gesichtserkennung und Verarbeitung. Das Thema hat ihr gezeigt, wie vielschichtig die Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind und wie wenige Erkenntnisse wirklich gesichert sind. Worte und Sprachen haben sie von jeher fasziniert.

48 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist wohl vor allem Punkt 1: Die heutigen Vorteile des Verbrauchs fossiler Ressourcen übersteigen die prognostizierten Nachteile bei weitem. Darum ist so gut wie niemand bereit auf Verzicht. Hinzu kommt ein Teilaspekt von Punkt 4, denn natürlich lassen sich die prognostizierten Entwicklungen eben (noch) nicht nachprüfen.

    Die Debatte war von Anfang an zu biblisch. Niemand läßt sich gern jahrzehntelang vorhalten, daß sein Verhalten schuldhaft ist. Besser wäre gewesen, die Debatte von einer anderen Seite aufzuziehen: Allen ist klar, daß fossile Energien endlich sind und wir in 100 Jahren funktionierende Alternativen brauchen. Das wäre eine positive Botschaft gewesen, und wir sollten zusehen, daß wir die biblische Klimawandel-Debatte endlich in eine technische Vision umwandeln.

    Die Klimawissenschaft hat sich das Elend zu einem Gutteil selbst zuzuschreiben.

    • Die Besserwisser sind unter uns. Die Klimawissenschaftler sind also mal wieder selber schuld. Alle Schlaumeier, die sich so melden, halten sich doch selbst für hinreichend rational und vernünftig und können Botschaft von Verpackung trennen. Oder sind Sie, Tim, dazu nicht fähig? Aber irgendwo da draußen gibt es die Masse, die das angeblich nicht kann, mag sein. Jeder Einzelne würde solch eine Unverständigkeit wahrscheinlich weit von sich weisen.
      Sind die meisten Menschen unfähig, dieses und andere Problem rational zu beurteilen? Schon möglich, darf man aber auch nicht laut sagen. Den praktisch jeder, der sich zu Wort meldet, hält sich ja selbst für einen Ausbund an Vernunft.
      Dieses Argument (falsche Kommunikation) wird oft auch nur wieder als Exculpation verwendet, um die Verantwortung am „Elend“ auf andere abzuwälzen. „Schuld“ ist eine Art von Negativ-Allmende. Außer Acht gelassen wird oft dabei, dass es eine massive Propaganda seitens der Carbon-Industrie gegeben hat, um die Klimawissenschaft in Verruf zu bringen.
      Stefan Rahmstorf hat dazu gerade wieder einen Beitrag gebracht.

      https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/wie-die-bgr-einmal-versuchte-die-waermende-treibhauswirkung-von-co2-zu-widerlegen/

      • @ Paul Stefan

        Ganz im Gegenteil. Die „Masse“ ist keinesfalls „unfähig“ und handelt durchaus rational. Sie hält die prognostizierten Nachteile der fossilen Energieträger nur eben für geringer als die heutigen Vorteile. Das ist auch keinesfalls eine überraschende Prioritätensetzung. Man muß die Menschen schon verstehen, wenn man sie zu einem Umdenken bringen möchte. Mit dem Dampfhammer wie bisher wird es nicht klappen.

        • „Die „Masse“ ist keinesfalls „unfähig“ und handelt durchaus rational.“

          Es ist die „Rationalität“ der Partikularinteressen. Die Rechnung müssen vor allem die späteren Generationen bezahlen.

          „Man muß die Menschen schon verstehen, wenn man sie zu einem Umdenken bringen möchte.“

          Nein, so einfach ist das nicht.
          Wissenschaftler argumentieren rational und haben die Argumente auf ihrer Seite. Aber man will sie nicht hören. Wenn Sie emotional argumentieren würden, machten sie sich aber angreifbar. Das steckt nämlich drin, wenn man von „technischen Visionen“ schwärmt.
          Mit der Endlichkeit der fossilen Energieträger zu argumentieren, ist nicht möglich. Der größte Teil, vor allem Kohle, muss nämlich drin bleiben.

          • @ Paul Stefan

            Die Rechnung müssen vor allem die späteren Generationen bezahlen.

            Wer sagt das denn? Wir wissen doch noch gar nicht, welche Technologien künftige Generationen zur Verfügung haben. Aller Erfahrung nach werden sie aus heutiger Sicht wie Magie wirken. Es ist durchaus nicht rational, eine große Belastung künftiger Generationen zu prognostizieren.

            Der größte Teil, vor allem Kohle, muss nämlich drin bleiben.

            O.K., wenn man von solchen Annahmen ausgeht, ist natürlich klar, woher die Enttäuschung kommt. Das war noch nie ein sehr realistisches Ziel.

          • Sie bestätigen mit Ihrer Antwort ja nur meine Vermutung, dass Sie das „Kommunikationsproblem“ nur vorschieben, um sich von Verantwortung zu befreien, als ob das Problem nur Wissenschaftler und Umweltschützer etwas angehen würde.
            Wir sitzen aber alle im selben Boot, man könnte es auch Titanic nennen.

            Ja, das wussten Sie nicht, dass die Kohle größtenteils in der Erde bleiben muss, wenn man das 2°-Ziel erreichen will. Ja, unrealistisch ist das vielleicht, in diesem Maße ist die Situation eben dramatisch.

          • Die fossilen Energieträger werden denke ich im Boden bleiben. Wenn man alle Kohlenstoffvorkommen, auch die unkonventionellen, komplett ausbeutet, kommt man je nach Annahmen auf ca. 2000 ppm atmosphärisches CO2. Bevor man das erreicht, sind die Auswirkungen derart gravierend, dass die Förderung mE auf jeden Fall gestoppt wird – es sei denn, es gibt dann effektives CCS oder Geoengineering, was bisher in der erforderlichen Größenordnung jedenfalls nicht erwartbar ist – aber unmöglich ist letzteres natürlich auch nicht.

        • Ganz im Gegenteil. Die „Masse“ ist keinesfalls „unfähig“ und handelt durchaus rational.

          Vor allem bestimmt (in aufklärerischen Gesellschaftsystemen) die Menge, was im positiv konnotierten metaphorisch Sinne rational ist.
          Grundsätzlich ist jede Einzelmeinung rational.

          Wenn Sportsfreund Paul Stefan meint elit(ar)istisch werden zu können, auch für zukünftige Generationen sprechen zu können, ist dies sein Bier.

        • Ganz im Gegenteil. Die „Masse“ ist keinesfalls „unfähig“ und handelt durchaus rational.

          Vor allem bestimmt (in aufklärerischen Gesellschaftsystemen) die Menge, was im positiv konnotierten metaphorisch Sinne rational ist.
          Grundsätzlich ist jede Einzelmeinung rational.

          Wenn Sportsfreund Paul Stefan meint elit(ar)istisch werden zu können, auch für zukünftige Generationen sprechen zu können, ist dies sein Bier.

          PS:
          So schaut’s besser aus.

          • Ich fühle mich da wie auf einem Schiff, unter Deck, unterhalb der Wasserlinie, voller Leute, die schrecklich Durst haben und jemand sagt, draußen ist Wasser, wir müssen nur ein Loch in die Bordwand bohren. Jemand warnt, aber die Mehrheit gewinnt (Wir können keine „Experten“ mehr hören!) und sagt: „Du musst dich damit abfinden, hältst Du dich etwa für etwas besseres?“

          • @ Herr Stefan :

            Sie fühlen sich von Doofen und Dummen [1] umgeben, der Webbaer fühlt sich umgeben von denjenigen, die Doofe und Dumme meinen feststellen zu können, selbst aber womöglich doof & dumm sind, so ist es halt.

            MFG
            Dr. Webbaer

            [1]
            Hier darf fein unterschieden werden, in der deutschen Sprache meint die Doofheit die Harthörigkeit, das nicht verstehen Können, die Dumm- oder Tumbheit meint dagegen die Unfähigkeit sich verständlich auszudrücken.
            Doofe müssen nicht dumm sein und Dumme nicht doof.

          • Ich hatte zu viele Diskussionen mit sog. Klimaskeptikern, die Doofheit ist selbstverständlich nur partiell und nicht von grundsätzlicher, mangelnder Denkfähigkeit verursacht. Es ist offenbar Verbohrtheit, Ignoranz, Verweigerung, ja, auch Dummheit im Sinne von nicht erkannter Unwissenheit.

          • Sind wir ein aufklärerisches Gesellschaftssystem? An welchem Maßstab könnte man das feststellen? Ich bestreite das, wenn ich Gesprächen zufälliger Leute, z.B. in der S-Bahn oder in einem Hochhauswohnviertel, lausche. Ich vermute, selbst die meisten Klima- oder auch Einstein-, Evolutions-Skeptiker sind klüger und belesener als der Bevölkerungsdurchschnitt. Jeder von uns hier im Forum lebt mit großer Wahrscheinlichkeit in einem sozialen Umfeld, das wenig mit dem Normalbürger zu tun hat. Vermutlich wird man unsere heutige „westliche Bildung“ in Zukunft genauso als finsteres Mittelalter ansehen, wie wir dies heute im Rückblick tun. Im Jahr 1500 gab es auch schon einzelne gebildete Menschen, heute ist Bildung natürlich verbreiteter, aber dass man uns „aufgeklärte Gesellschaft“ nennen wird? Ich bezweifle es.

  2. Die Welt vertraglich retten wollte man 1992 (Rio), 2016 (Paris) und will es in 25 Jahren vielleicht wieder – dann wohl aber mit einem 3°C-Ziel, das man dann hoch und heilig einzuhalten verspricht
    Tatsache ist, dass kaum eine Regierung, eine Organisation oder selbst die Mehrzahl der Klimaforscher die CO2-Emissionen ohne Bedingungen reduzieren will. Mit ohne Bedingungen meine ich ohne Bedingungen welche Mittel man einsetzt. Wie die Beispiele von Frankreich oder Schweden zeigen hätte man mit dem schnellen Zubau von AKW’s die strombedingten CO2-Emissionen schon in 10 Jahren um zweistellige Prozentsätze reduzieren können. Das aber – den massiven Zubau von Nuklearenergie – lehnen fast alle Klimaforscher deutlich ab (Ich empfehle einigen Klimaforschern auf Twitter zu folgen. Bei nicht wenigen findet man so stark negative Aussagen zur Nuklearenergie, dass man sich fragen muss ob für diese Leute die Klimaerwärmung nicht das kleiner Übel ist).
    Treibhausgasemissionen reduzieren ja – aber bitte mit den richtigen Mitteln. Mit den Mitteln, die uns in eine bessere Welt führen. Für die einen ist das eine Welt in der alle Menschen auf Flugreisen verzichtende Veganer sind, die den Winter gemeinsam in der solarzellenüberdachten Mehrzweckhalle verbringen wo man sich mit der eigenen Körperwärme durch den Winter bringt. Diese Vision entwerfen vor allem die an den Konsumverzicht und dan den „koscheren“ Konsum Glaubenden. Für mich zeigt das eher, dass viele Leute auch heute noch nicht begriffen haben, was zu tun ist. Um die Erdystemerwärmung zu stoppen braucht es nicht den Verzicht im Sinne des Weniger ist Besser und Gesünder („Just Eat Half“-Dät), sondern es braucht den vollkommen Ausstieg. 0 Emissionen sind angesagt. Kein Öl, keine Kohle, kein Erdgas, kein Zement, der CO2 freisetzt, keine Stahlherstellung mit Kohle. Ist das möglich? Ja, es ist möglich und da Kohle, Öl und Erdgas in einigen Jahrzehnten sowieso knapp werden muss die Menschheit sowieso einen Ersatz finden. Wohlgemerkt: Einen Ersatz, denn ohne die Energie und Chemie, die uns Kohle, Öl und Erdgas verschafft haben würden wir in die Steinzeit zurückfallen. Im Prinzip bedeutet das Klimaproblem nur folgendes: Wir müssen den Ersatz für Kohle, Erdöl und Erdgas sehr viel schneller finden, wir dürfen nicht warten bis diese fossilen Brenn- und Treibstoffe von selbst erschöpft sind. Man hätte schon bei Rio die weltweite Forschung in den Ersatz von fossilen Rohstoffen massiv ausbauen (oder überhaupt erst aufbauen ) müssen. Doch schon in Rio wurde implizit beschlossen, dass das Problem jedes einzelnen Vertragsstaates ist und nicht ein Problem, dass alle zusammen angehen. Aus Klimasicht, aus Sicht eines Erwärmungsgegners sind menschengemachte Treibhausgasemissionen Emissionen von Giftstoffen. Wenn CO2 aber Gift ist, dann müsste man diese Emissionen verbieten oder aber den Verursacher teuer bezahlen lassen. Doch diese Bepreisung von Emissionen hat sich ebenfalls nicht durchgesetzt.
    EInig sind sich alle, dass man nur die beste alle Welten und aller Zukünfte will – doch scheinbar begnügen sich immer mehr mit Absichsterklärungen un dem guten Willen. Der Wille ist stark – aber das Fleisch ist schwach.

  3. Ist das menschliche Gehirn vielleicht einfach nicht dafür geeignet, die Ressourcen eines ganzen Planeten zu erfassen und zu schützen?

    Das einzelne Hirn sicherlich nicht, die Menge macht es, zudem ist adaptive Mitigation die Alternative, jedenfalls zu gesellschaftlichem Rückbau, vgl. auch mit diesem Jokus:
    http://www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgutachten/jg2011/wbgu_jg2011_ZfE.pdf

    Ein paar lose Anmerkungen zum dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Artikel:

    Zu ‚Auf dem Pariser Klimagipfel haben die Staaten der Welt beschlossen, dass die Durchschnittstemperatur der Welt um nicht mehr als 1,5° oder maximal 2° Celsius steigen wird.‘:
    Dies ist keine sachdienliche Einschätzung, wenn mal auf die Konfidenzintervalle geschaut wird, auf die 95-prozentigen, dann kann es innerhalb von 100 Jahren 0 K bis 5 K wärmer werden, d.h. das zitierte Ziel ist per se unerreichbar und dient wohl nur der Kommunikation.

    Zu ‚Wenn ich heute auf Annehmlichkeiten verzichten soll, damit in fünfzig Jahren der Sommer vielleicht nicht so heiß wird, dann denke ich schon gründlich darüber nach.‘:
    Dito.
    Erreichbare Ziele müssen mit den Interessen der Stakeholder abgeglichen werden, in diesem Fall: global, in diesem Fall ist unilateral also nichts zu machen und folglich auch global nicht.
    Spieltheoretisch betrachtet.

    Zu ‚Sollen wir uns also zum Affen machen, das Gespött der ganzen Welt auf uns ziehen und schließlich mit ansehen, dass alles vergebens war, weil sonst niemand mitmacht?‘:
    So schaut’s aus, Ladies and Germoneys.

    Zu ‚Haben Sie Zweifel an den Klimamodellen? Dann rechnen Sie nach! Alle Daten und Formeln liegen auf dem Tisch! Wie, das können Sie nicht? Dann werden Sie es einfach glauben müssen.‘:
    Negativ.
    Der gute alte Webbaer hat sich intensiv, kritisch und gutmütig mit der zeitgenössischen und CO2-zentrierten Klimatologie und ihrer Prädiktion beschäftigt, 1.000 Stunden sind sicherlich investiert worden, die Sache ist bei weitem nicht so klar, wie medial-politisch benachrichtigt.
    Es gibt viele oft als verständig eingeschätzte Menschen, die dies ebenso sehen; genau das war übrigens auch der Grund, warum er sich mit dieser Sache intensiv beschäftigt hat.

    Zu ‚Inzwischen haben natürlich auch die Klimaforscher gemerkt, dass sie trotz aller objektiver Beweise nicht zu den Menschen durchdringen ‚:
    In der Naturlehre gibt es keine ‚Beweise‘, die irgendwie wahr wären, sondern es gibt Theoretisierung und empirische Lage, auch die sogenannte Evidenz meinend, die gerne adäquat sein darf, aber keine Wahrheit, vgl. bspw. Mit:
    http://www.pik-potsdam.de/~stefan/mare-interview.html


    Hier natürlich wieder ein Nice1! – ‚Nehmen wir einmal an, wir Deutsche verhalten uns vorbildlich (wie wir das bekanntlich immer tun).‘ -, lol, zu beachten vielleicht abär auch, dass Deutsche stringent denken, sehr stringent, stringent global, immer auch ein wenig übergriffig so wird gesagt. Über ihren Scope hinausgehend womöglich, zudem handeln Deutsche erfahrungsgemäß oft gut gemeint vs. richtig.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Oh ja, Jocelyne Lopez hat bestimmt auch schon 1000 Stunden in ihre „Widerlegung der ART“ gesteckt, sowie Reinhard Junker und Siegfried Scherer in ihre „Widerlegung der Makroevolution“ in „Evolution – Ein kritisches Lehrbuch“. Insofern kommt es vielleicht ein bisschen darauf an, ob Sie diese 1000 Stunden in wohl-etablierte wissenschaftliche oder aber nicht-wissenschaftliche Literatur gesteckt hätten. Und um von ersterer zu sprechen: Können Sie bezüglich Ihrer nebulösen Andeutung „die Sache ist bei weitem nicht so klar, wie medial-politisch benachrichtigt“ (btw.: in den Medien ist es doch gerade umstritten, und eben nicht klar), bitte via Quelle konkreter werden?

  4. Bonuskommentar hierzu:

    Aber ich bin nur Ärztin und Blogger. Meine Erfahrung sagt mir, dass es keinen Sinn macht, Verzicht zu predigen.

    Jeder ist fast überall ’nur‘ etwas, in etwa so, wie fast jeder überall nur Ausländer ist.

    BTW, ‚Arzt und Blogger‘ wie ‚Ärztin und Bloggerin‘ wäre jeweils kohärent, das Genus meint bekanntlich in der deutschen Sprache nicht den Sexus – und wenn anders gemeint wird, muss halt jeweils die Sexus-Markierung, also die Suffix ‚-in‘ ran, ansonsten kann mit den generischen Genera, in diesem Fall mit dem generischen Maskulinum durchaus gelebt werden.

    Zum „protestantischen“ zitierten Predigen vielleicht noch:
    Es liegen für den hier gemeinten Primaten Herausforderungen vor, die nicht Probleme genannt werden müssen, und die Adaption meint immer auch die Chance.

    MFG
    Dr. Webbaer (der streng anrät aus diesen passiv-aggressiven Einstellungen heraus zu kommen, der Psychologe kann hier folgen, der werte Arzt und Blogger sicherlich auch)

  5. Bonuskommentar hierzu:

    Aber ich bin nur Ärztin und Blogger. Meine Erfahrung sagt mir, dass es keinen Sinn macht, Verzicht zu predigen.

    Jeder ist fast überall ’nur‘ etwas, in etwa so, wie fast jeder überall nur Ausländer ist.

    BTW, ‚Arzt und Blogger‘ wie ‚Ärztin und Bloggerin‘ wäre jeweils kohärent, das Genus meint bekanntlich in der deutschen Sprache nicht den Sexus – und wenn anders gemeint wird, muss halt jeweils die Sexus-Markierung, also die Suffix ‚-in‘ ran, ansonsten kann mit den generischen Genera, in diesem Fall mit dem generischen Maskulinum durchaus gelebt werden.

    Zum „protestantischen“ zitierten Predigen vielleicht noch:
    Es liegen für den hier gemeinten Primaten Herausforderungen vor, die nicht Probleme genannt werden müssen, und die Adaption meint immer auch die Chance.

    MFG
    Dr. Webbaer (der streng anrät aus diesen passiv-aggressiven Einstellungen heraus zu kommen, der Psychologe kann hier folgen, der werte Arzt und Blogger sicherlich auch)

  6. „Sollen wir uns also zum Affen machen, …“

    Der Großteil der Bevölkerung wird zum Affen gemacht, da er die Lasten (Umlagen für Solar- & Windkraftanlagen etc.) zu tragen hat. Die treibende Kraft in D. ist nicht die Sorge um die Zukunft, sondern die ganz ordinäre Profitgier, die dieser Staat gerne bedient. Die Energiewende heißt Energiewende, weil die Geldbörsen der „Affen“ gewendet werden.

    Die Entwicklung des Klimas ist nicht zu stoppen. Dazu schaue man sich nur die aktuellen Grafiken an (z. B. http://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/).

  7. Donald J. Trump and three of his children were among the signatories on a Dec. 6, 2009, full-page advertisement in The New York Times calling for President Obama and Congress to act on climate change.“
    Im Dezember 2009 hat Donald Trump, der heute mit dem Twitter-Spruch „The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make U.S. manufacturing non-competitive.“ aufwartet hat im Dezember 2009 zusammen mit seinen Kindern eine Aufforderung an Obama unterzeichnet, mit der Klimapolitik ernst zu machen. Man liest dort

    As buisness leaders we are optimistic that President Obama ist attending Copenhagen with emission targets. ..und so weiter und so fort

    Was sagt uns das? Dass Politiker ihre Meinung ändern können wie ihr Hemd – etwas was nicht nur für Donald Trump, sondern auch für Hillary Clinton gilt. Meinungen und Haltungen sind für Politiker nichts anderes als Bausteine ihrer politischen Karriere. Bei Bedarf werden diese Bausteine ausgetauscht und oft hat man den Eindruck Copy&Paste ist heute im (Politiker-)Gehirn möglich.

    Doch ähnliches – wenn auch nicht so schlimm – gilt auch für Normalbürger. Wenn ein US-Bürger sagt, er zweifle am Klimawandel, dann darf das nicht zu wörtlich genommen werden. Es kann bedeuten, dass der US-Bürger, der das sagt, mit dem Klimawandel nichts anfangen kann, dass er den Zusammenhang mit seinem Leben nicht sieht oder dass er nicht einsieht warum er sein Verhalten ändern soll.

    Was bis heute fehlt in Bezug auf die Klimapolitik, ist ein klarer Fahrplan für klimapolitische Massnahmen über deren Sinn und Kosten breit diskutiert wurde und zu denen sich nun die Mehrheit bekannt hat. Im Prinzip kann fast überall die Stimmung in die eine oder andere Richtung kippen. Bestimmte Leute und Länder könnten zum Schluss kommen, den Klimawandel gebe es, aber man könne mit vertretbaren Massnahmen nichts dagen tun (das sagt ja Trump teilweise), andere könnten für klimapolitische Massnahmen sein nur um ihre Meinung später wieder zu ändern. Die Meinungen welche Massnahmen zu ergreifen sind und wie wirksam diese sind gehen noch weit mehr auseinander als die Meinungen über die Existenz des Kliamwandels überhaupt.

  8. @Grüter: Die ganzen Diskussionen und die Erkenntnisse der Klimaforscher interessieren wirklich niemand – weil die größte Einflussgröße auf die Umwelt die Anzahl der Menschen ist.
    Aber ausgerechnet die Begrenzung der Bevölkerungszahl auf der Erde – ist kein Thema.

    Klimaforscher, für die ausgerechnet der wichtigste Parameter kein Kernthema ist – sind schlicht und einfach nicht ernst zu nehmen.

    • Auch mal wieder so ein typischer Kommentar. Die Klimaforscher sind schuld und auch noch blöd. Warum bieten sie kein Rundum-sorglos-Paket zur Lösung ? Bevölkerungswachstum fällt aber in den Bereich der Gesellschaftspolitik, nicht der Klimatologie.

      Das Bevölkerungswachstum findet vor allem in Afrika statt, den größten Anteil am CO2-Ausstoß trugen die Industrieländer, jetzt China, wenn ich mich nicht irre, was rasend schnell altert. Der Prokopf-Verbrauch ist in den Industrieländern am höchsten. Es ist vor allem unser Luxuslebensstil, der das Problem verursacht, in den nächsten Jahrzehnten, wo das Problem gelöst werden muss, damit es nicht völlig außer Kontrolle gerät, kann man die Bevölkerung der Großemittenten nicht einfach so schnell zurückschrauben.

    • Die historischen kumulierten Emissionen verteilen sich im Wesentlichen auf die USA, Großbritannien, Deutschland und Japan. China ist im Hinblick auf die Lebensdauer des CO2 gerade erst dabei aufzuschließen, gesehen in kumulierten Emissionen (bei gegenwärtigen Emissionen hat China als Land bereits die Spitze angetreten, allerdings bei weitem nicht pro Kopf). Insofern ist „wichtigster Parameter“ nicht richtig. Unabhängig davon stimme ich Ihnen insofern zu, dass ich eine Bevölkerungsbegrenzung ebenfalls befürtworten würde, KRichard. Aber das zahlte sich klimatisch vielleicht weniger aus.

    • KRichard stösst mit seinen wiederholten PopulationBomb-Warnungen zwar immer wieder auf Ablehnung – sogar in Klimaschutzkreisen, wo Professor Hans Joachim Schellnhuber die Klimaenzyklika von Papst Franziskus verteidigte inklusive der Ablehnung des Papstes der sogenannten Überbevölkerung etwas anzulasten, doch völlig falsch liegt KRichard nicht.
      Er hat nämlich dann recht, wenn alle Menschen, die jetzt noch in Armut leben zum Lebensstandard des Westens inklusive den CO2-Emissionen der reichen Nationen aufschliessen. Die reichen Nationen – also die USA, Europa, Japan, Südkorea, Australien, bald schon China reduzieren jetzt zwar ihren CO2-Ausstoss – allerdings von einem sehr hohen Niveau aus. Auch heute noch emittiert ein Bangladeshi mindestens 10 Mal weniger CO2 ein Deutscher. Das deutet daraufhin, dass heute Wohlstand mit hohen CO2-Emissionen verbunden ist. Das müsse nicht so sein, meinen zwar viele Klimawissenschaflter – doch es scheint nicht einfach für Wohlhabende, die Emissionen sehr stark zu reduzieren, denn diese Emissionen entstehen bei vielen verschiedenen Aktivitäten. Wer aber will den Armen verwehren zu unserem Wohlstand aufzuschliessen? Selbst wenn dieser Aufstieg mit wachsenden CO2-Emissionen verbunden ist? Die UNO-Bevölkerungsprognosen gehen jedenfalls von 9 bis 12 Milliarden Menschen im Jahre 2100 aus. Allein Afrikas Bevölkerung könnte bis ins Jahr 2100 auf 4 Milliarden Menschen ansteigen – dabei gab es im Jahr 1975 weltweit überhaupt erst 4 Milliarden Menschen.

      • Hm, da haben Sie und KRichard vielleicht nicht ganz unrecht. Trotzdem ist es fraglich, ob eine Einwirkung auf die Geburtenrate, die nämlich erst nach relativ langer Zeit einen Unterschied macht, nicht sowieso zu spät kommt. Bis dahin könnte Wohlstand und CO2-Emissionen tatsächlich schon stärker gekoppelt sein. Aber da wir dies nicht wissen, wären entsprechende – rein ethische pro-choice, also ohne jeglichen (in-)direkten Zwang, anders als in China, durchgeführte – Programme vielleicht auch klimawirksam. Abgesehen davon dass Ressourcen insgesamt zu schonen mit Sicherheit nicht schlecht wäre.

        • @Wizzy: mir ging es im Beitrag nur darum, die Frage zu beantworten, wieso die ´Klimadiskussion´ kaum jemand interessiert.
          Einige Wissenschaftler haben ja schon das ´Anthropozän´ benannt; um zu verdeutlichen, dass wir die Erde bereits erkennbar verändert haben.
          Ob wir eine Geburtenrate diskutieren oder nicht – ist im Prinzip egal: In dem Augenblick wo wir unsere Lebensgrundlagen ireversibel schädigen, beschleunigt sich diese Schädigung immer schneller, da immer mehr Menschen auf sie zugreifen. Der Erde ist egal wer sich auf ihr herumtreibt.

        • @Wizzy: Der Artikel Afrikas bedrohliche Bevölkerungsexplosion im Juni-Spektrum d.W. warnt sogar vor 6 Milliarden Afrikanern bis ins Jahr 2100. Sie schreiben: “ Trotzdem ist es fraglich, ob eine Einwirkung auf die Geburtenrate, die nämlich erst nach relativ langer Zeit einen Unterschied macht, nicht sowieso zu spät kommt. „. Zu spät kommt eine Senkung der Geburtenrate nicht – genauso wenig wie eine Senkung der CO2-Emissionen zu spät kommt. Es stimmt zwar, dass Änderugen bei beidem (Geburten und Wirkungen von CO2) sich erst verzögert auswirken. Die Verzögerung liegt aber im Bereich von einigen Jarhzehnten und bis zum Jahr 2100 geht es noch 84 Jahre. Afrika kann heute selbst beeinflussen ob es im Jahr 2100 6 Milliarden oder nur 3 Milliarden Bewohner hat, es kann aber die Anzahl der Afrikaner im Jahr 2050 nicht mehr stark beeinflussen. Ähnliches gilt für den atmosphärischen CO2-Spiegel. Für das Jahr 2050 ist das Rennen schon fast gelaufen – nicht aber für das Jahr 2100.

          Ob es im Jahr 2100 3 MIlliarden oder 6 Milliarden Afrikaner hat, macht schon einen Unterschied – und zwar für fast alles, inklusive den CO2-Emissionen, dem Rohstoffbedarf und den Migrationsströmen.

          Der Artikel sieht die Lösung in der Emanzipation der afrikanischen Frau. Wenn die Frau mehr zwischen mehr Lebensentwürfen entscheiden kann, dann geht auch die Geburtenrate zurück. Das scheint mir nachvollziehbar.

  9. Figuren wie Trump sind eher ein gutes als ein schlechtes Zeichen.
    Wenn ein Teil der Gesellschaft nach vorne will , gibt es immer einen anderen Teil , der um fast jeden Preis am Alten festhalten will , dabei geht es sehr stark darum , wer in einer Gesellschaft herrscht , will heißen , welcher Menschentypus das Sagen hat , in den letzten 20 bis 30 Jahren war das zunehmend der bäuerisch geprägte Maulaufreißer-Typus.
    Neben denen , die die Umweltsache sachlich kritisieren , gibt es da viele Leute , die aus Prinzip gegen alles sind , was mit Umwelt zu tun hat , weil sie nicht ganz zu unrecht fürchten , an Einfluß zu verlieren .
    Je trumpeliger diese Leute auftreten , desto wahrscheinlicher ist , daß wir vor einem großen Vorwärtsschub stehen , auch das eine Variante des Kartenhauses , wo es möglich sein kann , daß plötzlich etwas geht , obwohl keiner mehr damit gerechnet hat.

    Vielleicht wird es ein Instrument richten , das im Moment etwas aus der Mode kommt , der Markt.Es wird über kurz oder lang dazu kommen , daß irgendwelche Länder erkennen werden , welche Chancen in einer konsequenten Ökologisierung stecken , und es ist sehr wahrscheinlich , daß die ökologische Frage mitentscheiden wird darüber , wer in Zukunft die Welt beherrscht oder zumindest großen Einfluß hat.
    Diejeingen Länder , die glauben , ewig weitermachen zu können wie bisher , werden ihren Einfluß verlieren und werden sogar aufpassen müssen , daß sie nicht in ein neues Mittelalter zurückfallen.

    • Der Markt könnte sehr ungemütlich werden, weil eine Dekarbonisierung die Lagerstätten an Kohle und Öl finanziell wertlos macht. Das kann langsam beginnen, bekommt aber eventuell unvermittelt rasant Tempo. In kürzester Zeit wären milliardenschwere Unternehmen wertlos, weil die Anleger aus dem Karbonmarkt flüchten.

      • Die Energiewirtschaft ist nur teilweise ein freier Markt. Vieles ist dadurch bestimmt wo es die Rohstoffe gibt und wie stark ein Land rohstoffabhängig wurde (Russland, Venezuela, der mittlere Osten sind stark abhägngig). Es gibt Kohleländer wie China, Indien und Deutschland, die an der Kohle hängen weil bereits viele Leute, ja ganze Landstriche (Laustiz in D mit seiner Braunkohle) davon und damit leben.
        Wenn sich Sigmar Gabriel gegen eine “Masterplan zum Kohleausstieg” stemmt und sagt:

        “Wenn man über die Zukunft der Kohle spreche, “so rate ich jedenfalls dazu, dass man das weniger ideologisch und mehr mit Blick … auf die ökonomischen Konsequenzen tut.” Einem Masterplan Kohleausstieg könne er nichts abgewinnen. Man müsse das Thema unter Berücksichtigung der Klimaziele, aber auch der wirtschaftlichen Konsequenzen bewerten.

        Gabriel betonte jedoch auch, zwischen den Foderungen der Kohlekritiker und denen der Energiekonzerne gebe es gar keinen großen Unterschied. Die Betreiber der Braunkohletagebaue sprechen sich für ein Produktionsende bis 2050 aus. Der ökologische Thinktank “Agora Energiewende” hingegen hatte kürzlich ein Konzept präsentiert, das den Kohleausstieg bis 2040 vorsieht. Gabriel sagte dazu: “Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese zehn Jahre Unterschied ein unüberwindbares Problem darstellen.”

        so entspricht es wohl nur halb der Wahrheit, dass es beim Kohleausstieg vor allem um die ökonomischen Konsequenzen geht. Sigmar Gabriel will damit wohl auch Goodwill bei den entsprechenden Landstrichen einholen, die von der Braunkohle leben,

        Wenn heute von Desinvestition als klimapolitische Massnahme gesprochen wird, so meint man damit vor allem, dass beispielsweise Kohleprojekte keine Kredite mehr erhalten sollen. In Deutschland hat das keine Wirkung, wohl aber in Indien, welches auf Kredite angewiesen ist um neue Kohlekraftwerke zu bauen. Von Desinvestition in Ölförderprojekte hört man dagegen viel weniger. Erstens ist der Personen- und Warentransport immer noch stark auf Öl angewiesen und zweitens investieren dort Grossfirmen wie Shell, BP etc mit ihrem eignen Geld. Eine Desinvestition im Ölbereich müsste bedeuten dass man keine Shell und BP-Aktien mehr kauft. Das passiert teilweise auch.

        In meinen Augen kann Desinvestition nur dann wirken, wenn es Alternativen zu Kohle, Öl und Erdgas gibt. Wenn es billige Alternativen gibt, kann es schnell gehen wie das Beispiel USA zeigt. Dort haben günstige Erdgaspreise die Kohle praktisch unrentabel gemacht. Bis vor kurzem wurde allerdings noch viele US-Kohle exportiert, doch auch das geht jetzt zurück. Allerdings ist auch Erdgas ein fossiler Brennstoff – allerdings ein nur halb so CO2-intensiver wie Kohle. Bis jetzt hat noch niemand von Desinvestition in die Erdgasbranche gesprochen – im Gegenteil. Einige Umweltschützer sprechen von Erdgas als Brückentechnologie und schützen es damit vor „Anfeindungen“.

  10. Weil mir unterstellt wurde, ich würde andere für dumm halten, hier mal eine Blütenlese aus dem aktuellen Kommentarbereich von ZEIT-Online zu einem Artikel über die Energiewende und globale Erwärmung:

    „Ich bin nicht bereit. Denn ich möchte mich und meinen Lebensstil nicht ändern müssen. Das ist keine Frage der Vernunft, das ist eine Frage des Wollens. Denn egal ob wir fossile Energieträger noch nutzen oder nicht, das Klima kann und wird sich in jedem Fall langfristig ändern.“

    „Wollen wir endlich mal die Realität der Natur akzeptieren? Selbst wenn wir CO2 sparen wie die Deutschen – dann kommt irgendwo auf diesem Planeten so ein blöder Vulkan her und macht all unsere Bemühungen zunichte.“

    „Das CO2 mal wieder, das soll ja erdhistorisch schwanken und auch schon mal viel höher gewesen sein, wie man liest.

    http://eike-klima-energie…“

    „Keine noch so dreiste Bevormundung ist den grünen Klima-Apologeten peinlich oder absurd genug, als das sie im Namen des „Klimaschutzes“ den Deutschen nicht aufs Gesicht und in den Geldbeutel gedrückt werden könnte.“

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-07/klimawandel-wwf-regine-guenther-anforderungen-deutschland?page=1#comments

  11. Meines Erachtens sollte man die Diskussion über den Klimawandel nicht mit Schaum vor dem Mund führen, weil sich dadurch die Fronten noch mehr verhärten. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Leute nicht über den Klimawandel sprechen möchten, um nicht in die Nähe von „Alternativen“ oder „spinnerten Grünen“ gerückt zu werden, denen man unterstellt eine „Ökodiktatur“ errichten zu wollen. Schließlich wird ja nicht nur der übermäßige CO2- Ausstoß, sondern auch das Abholzen der Wälder, Massentierhaltung oder das Verschwenden von Ressourcen aller Art mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. In der Psychologie ist dieses Phänomen als „Schweigespirale“ bekannt, d.h. die Menschen scheuen sich davor bei kontroversen Themen der (angenommenen) Mehrheitsmeinung zu wiedersprechen, um sich nicht sozial zu isolieren.

    • Ja, Politische Correctness+Ideologisierung führen zur Angst Abweichendes zu äussern. Es begünstigt auch rechts- und linksabweichende Parteien, weil man dort die eigene abweichende Meinung plötzlich äussern darf.
      Das Land mit der grössten Äusserungsfreiheit war lange Zeit (oder ist es immer noch) Grossbritannien. Allerdings haben die Briten damit auch negative Erfahrungen gemacht, denn auch Hassprediger blieben unbehelligt.

      • Für die Bürger ist es natürlich eine Frage, inwiefern sie den Überbringern einer bestimmten Botschaft vertrauen. Meist richtet es sich danach, ob diese mit den eigenen Wertvorstellungen übereistimmt. Nicht umsonst können sich Grüne oder Alternative in der Regel auch für den Klimaschutz begeistern. Klimawissenschaftler stützen sich meist ausschließlich auf die Vermittlung von Informationen, die viele Menschen nicht überzeugen, weil es dazu meist ebenso viele Gegenmeinungen von Klimaskeptikern gibt. Zudem wiederspricht der Klimaschutz dem Credo der Wirtschaft, da er sich kaum mit ständigem Wachstum vertragen dürfte. Ganz zu schweigen von der rasanten Zunahme der Weltbevölkerung, die ständig weitere Ressourcen verbraucht.

        Selbst die Menschen, die den Klimawandel als Realität begreifen, tun sich schwer ihr Verhalten zu ändern. Unser kulturelles Verhalten ist auf Konsum ausgerichtet und nicht auf verzichtvolles Handeln. Um eine Änderung herbeizuführen müsste vieles neu gedacht und in allen sozialen Gruppen verankert werden. Beispielsweise kann man schon Kinder mit der Problematik des Klimawandels vertraut zu machen, indem man sie Bilder malen lässt oder ihnen entsprechende Malbücher zur Verfügung stellt.

        Siehe hier: http://www.abendblatt.de/hamburg/harburg/article131357433/Kinder-sollen-den-Klimawandel-malen-und-verstehen.html

        • Klimapolitk wird als totaler Konsumverzicht nie ein Erfolg werden – und mit Konsumverzeicht allein erreicht man die Klimaziele nicht einmal.

          In ihrem Kommentar entwerfen sie ein Pro-Klima-Lager, welches von Grünen, Alternativen, Konsumverzichtlern und Klimawissenschaftlern bevölkert wird und ein Anit-Klima-Lager welches von Wirtschaftsvertretern, wachstumswilligen Schwellenländern und Klimaskeptikern bevölkert wird.

          Das entspricht tatsächlich dem Bild das viele haben. In meinen Augen aber ist das eine falsche Lagerbildung. Man kann Pro-Wachstum sein und dennoch an die Aussagen der Klimawissenschaftler glauben und für Klimaschutzmassnahmen eintreten.

          Wer sagt, Konsumverzicht und Verhaltensänderungen seien die wichtigsten Klimaschutzmassnahmen, sagt etwas völlig falsches. Um das Klima zu „retten“ muss man nicht in erster Linie verzichten, sondern man muss in eine neue Welt aufbrechen – eine Welt in der man nicht mehr von der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas lebt. Es gibt heute schon Länder, die all ihren Strom ohne Verbrennung erzeugen. In Zukunft werden das alle Länder der Welt sein. Das wird eine grosse Umstellung erzwingen. Doch es bedeutet nicht, dass nun alle in Sack und Asche gehen müssen.

          • „Wer sagt, Konsumverzicht und Verhaltensänderungen seien die wichtigsten Klimaschutzmassnahmen, sagt etwas völlig falsches. Um das Klima zu „retten“ muss man nicht in erster Linie verzichten, sondern man muss in eine neue Welt aufbrechen – eine Welt in der man nicht mehr von der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas lebt.“

            Diese Welt ist bereits in Planung – nur wird sie leider nicht umsonst zu haben sein:
            http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article156760633/So-teuer-wird-das-Verbot-von-Gas-und-Oelheizungen.html

          • Ja Mona, Deutschlands Energiewende ist teurer als angekündigt. Die Deutschen können sich das noch knapp leisten, in vielen anderen Ländern ist das schlicht zu teuer. Neue Energietechnologien werden zwar mit zunehmender Vebreitung auch günstiger, nur kann es Jahrzehnte dauern bis sich etwas auf breiter Basis durchsetzt. Es ist schon so: Wer daran glaubt, dass im Jahr 2050 weltweit nur noch halb soviel CO2 emittiert wird wie 1990, der glaubt an ein Wunder. Schon für die Industrieländer ist es schwierig, ihre Emissionen zu halbieren, für Schwellenländer ist es praktisch unmöglich.

        • @Mona

          „Diese Welt ist bereits in Planung – nur wird sie leider nicht umsonst zu haben sein:“

          Solange Mensch seine Welt in Symptomatik von „Wer soll das bezahlen?“ und „Arbeit macht frei“ denkt und organisiert, solange werden Ausbeutung und Unterdrückung die Sündenböcke im Tittytainment auf dem blutigen Weg in die Zukunft hauptsächlich bezahlen lassen!

    • @Mona

      Das könnte einer der Hauptgründe sein für das ewige Hängenbleiben. Bizarr , daß sich dabei sogar „Mehrheitsmeinungen „halten können , die eigentlich nur noch Phantome sind. Zumindest der Theorie nach dürfte es mittlerweilen mehrheitsfähig sein , daß ökologisch was passieren muß.
      Vielleicht spielt da nicht nur die angenommene Mehrheitsmeinung eine Rolle , sondern auch die angenommene Meinung der aktuellen Machtinhaber , schließlich war es jahrtausendelang gefährlich , dieser zu widersprechen.

  12. Auch zum Ausbremsen des Klimawandels würde sich die Anti-Globalisierung eignen, die ich zur Organisation der Gesellschaft vorschlage oder andeute: https://vimeo.com/169841129

    Das würde nicht in erster Linie Verzicht bedeuten, sonder Rückgewinnung von Kontrolle. Der Gewinn könnte auch schon kurzfristig überzeugen.

    Gerhard Kugler

    • Ich habe hier zwei Kommentare von Ihnen, einer vom 9.7. 13:04 und der andere vom 9.7. 13:22. Beide sind im Kommentarbereich sichtbar. Wenn einer fehlt, ist er im System nicht angekommen. In jedem Fall habe ich keinen Kommentar gelöscht. Ich werde mal beim Admin nachfragen, was da passiert sein.

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