Evolution der Sprache

BLOG: Babylonische Türme

Vom Nutzen und Missbrauch des Verständigungsmittels Sprache
Babylonische Türme

Vielleicht erinnern sich noch einige – 1998 berichtete die Presse von einem Durchbruch in der Erforschung der Genetischen Fixierung des menschlichen Sprachvermögens.

1990 beschrieben Londoner Genetiker die als KE bezeichnete Familie, in der die Hälfte der Familienmitglieder in vier Generationen schwere Sprachschwierigkeiten aufwiesen. Sie hatten Probleme, die feinen Muskelbewegungen der Mund- und Gesichtsmuskulatur zu steuern. Deshalb konnten sie die gesprochene Sprache nur schwer artikulieren und erlernten die Sprache nur schwer. Das betraf gleichermaßen die Grammatik, den Satzbau und den Wortschatz.

1998 untersuchte der britische Genetiker Anthony Monacokam die KE-Familie und einen nichtverwandten Jungen (Patient CS) mit den gleichen Symptome. Die Analyse der Chromosomen des Patienten CS ergab eine Deletion (Verlust) auf dem Chromosom 7q31. Das war ein Hinweis auf den Genlocus, der diese Sprachstörungen verursachte. Die von Sprachstörung betroffenen Familienmitgliedern der Familie KE hatten an exakt der gleiche Stelle eine Mutation, die die Funktion des entsprechenden Proteins (genannt FOXP2) zerstörte.

So etwas ist in der Genetik so selten – und so erfreulich wie ein Hauptgewinn im Lotto! Man untersucht nur wenige Patienten und findet dabei die Region, die diese umschriebene Symptomatik erzeugt! Meist sind jahrelange, teure und stumpfsinnige Analysen und Sequenzierungen notwendig und natürlich ganz viele Patienten.

Das FOXP2-Gen kodiert das FOXP2-Protein, das wiederum die Aktivität anderer Gene reguliert.

Die verursachte Störung wird als Developmental Verbal Dyspraxia (verbale Entwicklungsdyspraxie) bezeichnet und umfasst eine Störung der Gesichtsmuskelsteuerung und des Sprachverständnis. Das liegt nicht am Gehör: das ist nämlich völlig unbeeinflusst.

In der Frühkindlichen Entwicklung der Betroffenen ist schon die Anfangsphase der Lautbildung gestört, weshalb sie Wortartikulationsmuster nicht übernehmen können. Die Artikulationsstörung zeigt sich zudem in Fehlern in der Lautbildung und macht die Sprache so fast unverständlich. Wenn zusätzlich die Motorik gestört ist (kennt ja jeder ein bißchen nach der Betäubungsspritze beim Zahnarzt), kommen die verschiedensten Ebenen zusammen und bilden einen für die Betroffenen quälenden Defekt.

Ist FOXP2 aber wirklich das Geheimnis des wichtigsten Faktors der Menschwerdung? Nachdem man einmal wusste wo man suchen musste (vielfach sehen Genetiker den Wald nicht vor lauter Bäumen nicht ), spürten verschiedene Forschergruppen das Gen auch bei anderen Lebewesen auf.

Das Gen, so stellte sich heraus, ist wirklich alt: Auch andere Wirbeltiere besitzen es und offenbar spielt es bei der allgemeinen verbalen Kommunikation eine große Rolle.

Schaltet man das Gen bei der Maus aus (Knockout-Maus) beobachtet man schwerwiegenden Störungen der Motorik, fehlende Verständigung mittels Ultraschall und einen vorzeitigen Tod.

Aber das FOXP2 Gen steuert nicht nur Sprachentwicklung und Kommunikation.

In diesem Jahr haben hat die Leipziger Forschergruppe um Wolfgang Enard Mäusen das menschliche FOXP2 Gen eingepflanzt. Nein, sie lernten nicht sprechen! Aber immerhin piepsten sie anders als ihre Artgenossen mit dem Maus-FOXP2-Gen. Sie weisen außerdem leichte Hirnveränderungen (Änderung in den neuronalen Schaltkreisen der Basalganglien) auf und verhielten sich etwas anders. Bereits bei Mäusen beeinflusst das Gen also das Lernverhalten und die Gedächtnisbildung. Ein wichtiges Puzzelteilchen in der Sprachentwicklungsforschung!

Auch bei noch entfernteren Verwandten des Menschen hat das FOXP2-Gen wichtige Aufgaben,

z.B bei Singvögeln, Reptilien und – Fischen (wie kann man dann noch von stummen Fischen sprechen). Gerade die Vögel sind sehr interessant, weil sie durch Imitation den Gesang erlernen und nicht mit dem kompletten „Repertoire“ schlüpfen.

Auch bei den Vögeln fand man die Expression als Zeichen der Aktivität in den Basalganglien zum Zeitpunkt des Gesangerwerbs.

Wieder ein spannendes Puzzleteilchen!

Aber zurück zu den näheren Verwandten, genauer gesagt zum allernächsten: dem Neandertaler. Seit über hundert Jahren streiten sich die Gelehrten darüber, ob die Neandertaler sprechen konnten. Über gar nicht und nicht richtig kam man endlich zu dem Schluss, dass sie vermutlich recht gut sprechen konnten. Zumindest waren die entsprechenden Gehirnregionen ähnlich (soweit sich aus den Abdrücken im Schädel schließen lässt), das Zungenbein gleicht dem des modernen Menschen und der Rachenraum erlaubt eine flexible Lautformung. Und das FOXP2-Gen?

2007 fand eine Arbeitsgruppe des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig heraus, dass es keine Unterschiede in der DNA-Sequenz des FOXP2-Gens zwischen Neandertaler und modernen Menschen gibt. Wären unsere Vettern nicht ausgestorben, stünde einer angeregten Unterhaltung nichts im Weg.

Sprache gründet sich auf bestimmten anatomischen, psychologischen, soziologischen, neurologischen und sozialen Strukturen. Vermutlich hatte schon ein recht früher Vorfahre des Homo sapiens eine gerade passende Mutation in der Evolutionslinie durchlaufen, und an seine Nachfolger weitergegeben. Ein echtes Glück!

Man liest häufig die Spekulation, dass die Verbreitung des FOXP2-Gens und die mögliche Sprachfähigkeit die Ausbreitung auf der Erde erst ermöglichte. Aktive Forschung findet auch weiterhin in diesem Thema statt.

C.S. Lai et al.: A forkhead-domain gene is mutated in a severe speech and language disorder. Nature, 413/2001, S. 519–23.

Krause et al.: The derived FOXP2 variant of modern humans was shared with Neandertals. Current Biology, 17/2007, S. 1908–12.

Enard W. et al.:A humanized version of FOXP2 affects cortico-basal ganglia circuits in mice. Cell 2009, 137, 961–971.

Haesler S. et al.: FOXP2 Expression in Avian Vocal Learners and Non-Learners. Journal of Neuroscience 2004, 24(13) 3164-3175.

Martina Grüter

Martina Grüter ist Medizinerin und befasst sich seit 2001 der angeborenen Prosopagnosie, einem erblichen Defizit in der Gesichtserkennung und Verarbeitung. Das Thema hat ihr gezeigt, wie vielschichtig die Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind und wie wenige Erkenntnisse wirklich gesichert sind. Worte und Sprachen haben sie von jeher fasziniert.

18 Kommentare

  1. Sprechen ist kein Lauteerzeugen!

    Um mich nicht unnötig zu wiederholen, möchte ich zur Eröffnung der Diskussion nur kurz darauf hinweisen, worauf ich schon in einem (in der Januar-Ausgabe 2009 wiedergegebenen) Leserbrief an G&G aufmerksam zu machen versucht haben; denn das dort gesagte gilt auch hier: irgendwelche “Laute von sich geben” ist etwas anderes als “Sprechen in einer Sprache”!

    Die “geistige Leistung”, die nicht nur aus psychologischer Perspektive für das “Sprechen in einer Sprache” entscheidend ist (zur Vorbeugung gegen übliches Missverstehen: gemeint ist keine Leistung eines “Geistes” in welchem Sinn auch immer, sondern unsere sog. “kognitive” Fähigkeit, eine Beziehung oder Relation “geistig zu erfassen” und “im Auge zu behalten”, also sich merken und weiterhin beachten zu können), gerade diese Leistung zu “unterschlagen” oder noch schlimmer nicht einmal zu “sehen”, d.h. in Betracht zu ziehen und zu berücksichtigen, wird “dem Wesen von Sprache” in keiner Weise gerecht, also dem, worauf es bei “Sprache” überhaupt ankommt.

    Das macht sich in vielem bemerkbar, beispielsweise in “Fragwürdigen Deutungen” experimenteller Untersuchungen. “Es wäre (ja schon) viel gewonnen, wenn im Bereich der Hirnforschung zwischen dem, was Neuronen tatsächlich leisten (s. hier, und dem, wie diese Leistung sprachlich dargestellt wird, beachtet würde. (s. Chr. Wolf’s Beitrag dazu hier.)

    Welche Rolle Gene beim Funktionieren von Neuronen spielen und damit allenfalls höchst indirekt eventuell auch beim realen “Sprechen”, ist dabei wieder eine ganz andere Sache. Ob dazu die Untersuchungen auch nur “irgendwas” beitragen, über die in dem Beitrag berichtet wird, wage ich zu bezweifeln.

  2. Von wegen Sprache…

    KORREKTUR: in meiner vorstehenden Zuschrift fehlt im 2. Satz des vorletzten Absatzes ein Wort; denn es muss dort heissen: es wäre schon viel gewonnen, wenn in den Neurowissenschaften allein schon…

    “der UNTERSCHIED zwischen dem, was Neuronen tatsächlich leisten, und dem, wie diese Leistung sprachlich dargestellt wird, beachtet würde.”

  3. Ingo-Wolf Kittel

    Die Sprache als komplexes Verständigungsmittel hat nur der Mensch, aber die evolutionäre Grundlage dafür ist alt. Die ähigkeit der differenzierten Verständigung über Laute hat sich aus einem genetisch fixierten System entwickelt, das seit Millionen von Jahren sowohl das Verständnis (im Gehirn) als auch die Muskeln zur Lauterzeugung steuert. Sprache ist also nicht aus dem Nichts entstanden, sie hat sich aus einem bereits undifferenzierten System heraus entwickelt. Sobald Menschen mit diesem System nicht nur Gefühle
    sondern Sachverhalten und Ideen weitergeben konnten, wurde es zu einem entscheidenden Überlebensvorteil.

    Das zeigt beispielhaft, wie sich bestimmte, uralte Anlagen durch geringe Veränderungen plötzlich zu einem überlebenswichtigen Faktor entwickeln können.

  4. @ Grüter/Kittel

    Ich bin geneigt, mich auf die Seite von Herrn Kittel zu schlagen. Zumindest auf das, was ich für seine Seite halte.

    NICHT, dass ich meinte, dass irgendwelche falschen Aussagen gemacht wurden, NICHT dass ich nicht auch meinte, dass die Befähigung zur Sprache (die sich natürlich auf weit mehr bezieht als auf einen motorischen Akt) eine evolutionäre/biologische/soziologische Grundlage habe – das sind doch mittlerweile alles Trivia.

    Nein – ich finde alle diese “Puzzle-Teilchen”, die FOX-Gene und die anders piependen Mäuse hochgradig _un_spannend.

    Ich finde auch die Einsicht über die Neanderthaler (“Wären unsere Vettern nicht ausgestorben, stünde einer angeregten Unterhaltung nichts im Weg”) nicht gerade erhellend. Zum einen trägt sie alle Merkmale eines fehlerhaften Syllogismus (“die kontrafaktischen Konditionalsätze sind immer wahr, weil ihre Prämisse falsch ist”).

    Zum anderen aber – und hier schliesst sich der Bogen zu Herrn Kittels Anmerkungen – wenn wir mit Neanderthalern oder Mäusen reden könnten, wäre es weit spannender zu erfahren, WAS sie zu sagen haben, als WIE sie es tun.

    (Wobei ich mich im übrigen lieber zunächst mit der Maus unterhalten würde, der Neugier halber, denn von Neanderthaler würd’ ich das nämliche humanoide Gerede erwarten, das ich auch selber tagtäglich von mir gebe).

  5. @Helmut: counterfactuals

    “die kontrafaktischen Konditionalsätze sind immer wahr, weil ihre Prämisse falsch ist”

    Lieber Helmut, ich denke, das stimmt nicht. Aber trotzdem: Vielen Dank für deine Anregung zu einem neuen Artikel. 😉

  6. @ Elmar

    Hab’ ich verbatim aus einem der Romane (ich glaub’, es war das “Pendel”) von Umberto Eco übernommen.

    Würde es richtiger, wenn man sagte, dass sich der Wahrheitsgehalt der kontrafaktischen Konditionalsätze nicht ermitteln lässt?

  7. @Helmut: Eco

    Na ja: Eco hat insofern recht, als daß counterfactuals definiert sind als Konditionalsätze im Konjunktiv, deren Vordersatz in dieser Welt falsch sind.

    Technisch gesehen, wird eine mögliche Welt bzgl. einer vorgegebenen Aussagenmenge festgelegt durch die
    Zuordnung von Wahrheitswerten zu den einzelnen Aussagen dieser Aussagenmenge.

    Intuitiv könnte man auch eine Situation oder einen Kontext als Welt auffassen.

    Wären counterfactuals Konditionalsätze im Indikativ, dann hättest du recht. Doch es ist inzwischen sicher, daß der Übergang zum Konjunktiv einen entscheidenden Unterschied macht.

    Counterfactuals spielen eine große Rolle z.B. bei Diagnosen: “Lieber Patient, wäre die Leber die Ursache ihrer Beschwerden, daß wären Ihre Blutwerte auffällig.”.

    “Würde es richtiger, wenn man sagte, dass sich der Wahrheitsgehalt der kontrafaktischen Konditionalsätze nicht ermitteln lässt?”

    Das Superspannende ist, daß wir counterfactuals zwar fleißig beim Nachdenken über die aktuale Welt, in der wir leben, benutzen, z.B. um kausale Abhängigkeiten zu checken, aber noch darum gerungen wird, wie die Semantik von counterfactuals tatsächlich aussieht. Insofern hast du recht: Ein zufriedenstellendes Verfahren zur Verifizierung von counterfactuals in endlich vielen Schritten steht noch aus.

    Bis 2006 war der Stand der, daß man typischer eine sog. Mögliche-Welten-Semantik benutzt, um Wahrheitsbedingungen für counterfactuals anzugeben. Was sich inzwischen getan hat, weiß ich nicht.

    Reicht das als erster Hinweis? Ich verspreche, bald mal darüber zu bloggen. 🙂

  8. Neanderthaler

    “wenn wir mit Neanderthalern oder Mäusen reden könnten, wäre es weit spannender zu erfahren, WAS sie zu sagen haben, als WIE sie es tun.”

    Da Neanderthaler ihren Toten mit Grabbeilagen bestatteten und sie sich somit wohl bewußt waren zu leben – wie auch wir – und auch wohl ihres Todes bewußt waren – so wie wir – und damit befähigt waren zu glauben und eine Vorstellung vom Leben danach zu haben, werden sie wohl ganz interessante Dinge gesagt haben. Wahrscheinlich so ähnlich Dinge wie wir. Was soll das alles hier? Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Gibt es einen Gott? Machen viele Frauen glücklich …? 😉

  9. @ Elmar

    ..reicht bei weitem.

    Freue mich auf Deinen Beitrag, denn selbst ICH philosophisch Rückwärtsgewandter habe gemerkt , das in der modernen Philosophie eben jene “mögliche Welten” (“Szenarien”?) eine wichtige Rolle bei der Erkundung der “eigentlichen” Welt spielen.

    Aber die Kontrafaktizität, die ich monierte, war ja nur das “Sahnehäubchen” auf dem eigentlichen Argument. Es ist (mir) zumindest recht egal, WIE und OB der Homo neanderthalensis sprach. Und wenn er keinen Kelhlkopf gehabt hätte (kontrafaktischer Konditionalsatz, er hatte sicherlich einen) und wenn er das, was er zu sagen gehäbt hätte, mit Stöckchen in den Sand geschrieben hätte – so würde mich die Technologie dieser Stöckchen und der Aufbau seines Cortex, der die Feinmotorik der Hand und der Schreibmotorik steuert, immer noch weit weniger als das interessieren, WAS er da aufschrieb.

    Ein nachgelassenes Kompendium der Philosophie des Paläolithikums wäe mir allemal lieber als das komplette Genom des Homo neanderthalensis.

  10. @Martin: uncensored

    “Machen viele Frauen glücklich …? ;-)”

    Auch darüber müßte man mal bloggen …. 😉

  11. @ Huhn/Diederichs/Frauen

    ..längst beantwortet:

    “…when you’re old and grey you will remember what they said,
    that two girls are too many, three’s a crowd, and four you’re dead.”
    (The Kinks, “Dandy”, ca. 1970)

  12. @ Wicht: Pah, neumodischer Kram

    “Ich tat große Dinge: ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge,
    ich machte mir Gärten und Lustgärten und pflanzte allerlei fruchtbare Bäume hinein;
    ich machte mir Teiche, daraus zu bewässern den Wald der grünenden Bäume.
    Ich erwarb mir Knechte und Mägde und hatte auch Gesinde, im Hause geboren; ich hatte eine größere Habe an Rindern und Schafen als alle, die vor mir zu Jerusalem waren.
    Ich sammelte mir auch Silber und Gold und was Könige und Länder besitzen; ich beschaffte mir Sänger und Sängerinnen und die Wonne der Menschen, Frauen in Menge,
    und war größer als alle, die vor mir zu Jerusalem waren. Auch da blieb meine Weisheit bei mir.
    Und alles, was meine Augen wünschten, das gab ich ihnen und verwehrte meinem Herzen keine Freude, so daß es fröhlich war von aller meiner Mühe; und das war mein Teil von aller meiner Mühe.
    Als ich aber ansah alle meine Werke, die meine Hand getan hatte, und die Mühe, die ich gehabt hatte, siehe, da war es alles eitel und Haschen nach Wind und kein Gewinn unter der Sonne.” Prediger (Kohelet) 2,4-11

  13. @ Diederichs – Konditionalsätze

    Moment.
    Ich les’ das eben alles nochmal und merke, dass ich entweder nicht _verstehe_ oder gerade einen herrlichen Witz verpasse. Beides wär mir peinlich. Also frag’ ich nach.

    Du schriebst:
    “Wären counterfactuals Konditionalsätze im Indikativ, dann hättest du recht. Doch es ist inzwischen sicher, daß der Übergang zum Konjunktiv einen entscheidenden Unterschied macht.”

    Äh — hier verlässt mich meine Grammtik. Oder auch nicht. Ein “kontrafaktischer” Konditionalsatz ist doch im Indikativ, gar nicht formulierbar – oder? So gesehen wäre Dein Satz über die kontrafaktischen Konditionalsätze selber einer und damit inhaltlich und formal eine witzige Gemme der (A-)logik, wofür ich Dich lieben würde, wäre ich nur sicher, dass ich recht verstanden habe…

  14. @Helmut: mein Fehler

    “Ein ‘kontrafaktischer’ Konditionalsatz ist doch im Indikativ, gar nicht formulierbar – oder?”

    Du hast natürlich recht: Ich hätte schreiben müssen “ist nicht adäquat analysierbar als indikativischer Konditionalsatz”.

    “eine witzige Gemme der (A-)logik, wofür ich Dich lieben würde”

    Vielleicht schaffe ich es, dir ein anderes Mal einen Grund dafür zu geben. 😉

  15. @ Wicht

    Vielleicht ergibt sich ja der Eindruck von Trivialität nur, weil Frau Grüter in Ihrer allgemeinen Stellungnahme nicht angegeben hat, an welcheevolutionäre Grundlage” für das “komplexe Verständigungsmittel” Sprechen sie denkt. (Laute, Schriftzeichen oder Gesten als diese “Mittel” finde ich im Vergleich zu all dem, was bei ihrem Gebrauch innerlich so alles – als Grundlage für das Verstehen – assoziativ mitlaufen kann, nicht besonders “komplex”; Lautfolgen können denn ja auch schon Säuglinge produzieren und solche in Wortform einjährige Kleinkinder… )

    Frau Grüter behauptet ja nur, allerdings ohne Plausibilität oder Nachweis, diese “Grundlage” bestehe in einem “genetisch fixierten System…, das seit Millionen von Jahren sowohl das Verständnis (im Gehirn) als auch die Muskeln zur Lauterzeugung steuert“! Logisch ist nämlich deswegen nur die Aussage trivial (weil von diesen Voraussetzungen her “von selbst verständlich”), dass Sprache “also nicht aus dem Nichts entstanden” sei, sondern sich wie angegeben “aus einem bereits undifferenzierten System heraus entwickelt” habe.

    Ersichtlich handelt es sich hier nur um eine in sich selbst zurück- und damit leerlaufende Argumentationsfigur.

    Die vielen von ihr zur Sprache gebrachten und m.E. teilweise mehr als fragwürdigen Einzelheiten wären zu diskutieren – zusammen mit den für mich genauso problematischen Angaben: “Sobald Menschen mit diesem System nicht nur Gefühle sondern Sachverhalten und Ideen [Vorstellungen?] weitergeben konnten, wurde es zu einem entscheidenden Überlebensvorteil. Das zeigt beispielhaft, wie sich bestimmte, uralte Anlagen durch geringe Veränderungen plötzlich zu einem überlebenswichtigen Faktor entwickeln können.”

    Um all dies nicht untergehen zu lassen möchte ich daran erinnern.

  16. Evolution der SpracheSehr geehrte Frau G

    Sehr geehrte Frau Grüter,
    wissen Sie ob Menschen mit einem Foxp2-
    Defekt lachen können? Haben sie ein Humorverständnis?
    Mit freundlichen Grüssen.

  17. Evolution der SpracheSehr geehrte Frau G

    Sehr geehrte Frau Grüter,
    wissen Sie ob Menschen mit einem Foxp2-
    Defekt lachen können? Haben sie ein Humorverständnis?
    Mit freundlichen Grüssen.

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