Neulich in Rundfunk und Fernsehen

Astronomers do it at Night

Kaum daß uns Andreas Müller in Einsteins Kosmos von einer hellen Feuerkugel über Kanada berichtet hatte, gab es am 13. Oktober über Norddeutschland und den Benelux-Ländern in der Abenddämmerung einen ähnlich spektakulären Boliden zu sehen. Direkt vor unserer Haustür anstatt auf einem anderen Kontinent ist so ein Ereignis natürlich viel spannender, besonders für die Presse. Je nach Sensationsgrad konnte man entweder etwas von einer hellen Leuchterscheinung lesen, die Augenzeugen in ihren Bann gerissen hat, oder von Ufo-Panik. Bei solchen Gelegenheiten werden dann immer Fachleute gesucht, die näheres zu dem beobachteten Phänomen sagen und Hintergrundinformationen liefern können. An der Hamburger Sternwarte landen solche Anfragen häufig bei mir, und ich darf dann den Moderatoren von Radio- und Fernsehsendern oder den Redakteuren verschiedenster Tageszeitungen Rede und Antwort stehen.

Ich selbst habe die Feuerkugel gar nicht gesehen. Schon kurze Zeit nach dem Ereignis meldeten sich aber in den deutschen Astronomieforen Menschen, die das Ganze beobachtet haben. Mehrere Sekunden war die vollmond-helle Sternschnuppe sichtbar, zog dabei entlang des Westhorizonts, hat zeitweise grünlich geleuchtet und sich schließlich in mehrere Teile geteilt. Eine Nachleuchtspur war wie ein langgezogener und von den Luftströmungen zerfaserter Kondensstreifen über mehrere Minuten sichtbar. Besonders aus den Niederlanden kamen auch Meldungen über explosionsartige Geräusche oder ein anschließendes Donnergrollen.

Ich war zur fraglichen Zeit mit einer Schülergruppe im Kuppelgebäude unseres Großen Refraktors, wo wir gerade dabei waren das Teleskop für die Beobachtung Jupiters bereitzumachen. Kurz vor 19 Uhr zogen aber größere Wolkenfelder über den Dämmerungshimmel, weshalb wir auch den Beobachtungsversuch kurze Zeit später abbrachen. Schon kurz nachdem die Schüler dann in Richtung Bushaltestelle entschwunden waren, riß der Himmel aber wieder auf. Als ich von der Sichtung erfuhr, überprüfte ich als allererstes die Daten der All-Sky-Kamera, die sich auf dem Dach unseres Hauptgebäudes befindet und alle fünf Minuten eine einminütige Aufnahme macht, aber leider haben wir den Boliden darauf nicht erwischt.

Aus der Hamburger Innenstadt heraus gab es wie im größten Teil Deutschlands zum entscheidenden Zeitpunkt um 18:58 freie Sicht. So früh am Abend sind viele Menschen auf den Straßen unterwegs und eine entsprechend große Anzahl von Augenzeugen gab es. Die wenigsten konnten das Gesehene richtig zuordnen, Sternschnuppen kennen die meisten Leute eben nur als viel lichtschwächer. Stattdessen gingen bei Polizei und Feuerwehr viele besorgte Meldungen ein, man vermutete ein abstürzendes Flugzeug – oder eben ein Ufo.

Wie erst kürzlich bei meinen Wolkenbetrachtungen festgestellt, unterschätzten die meisten vollkommen die Entfernung des gesehenen Objektes. Was immer es gewesen sei, es müsse direkt hinter dem benachbarten Waldstück heruntergekommen sein. Einen Flugzeugabsturz konnte man ziemlich schnell ausschließen, und anhand der Bilder, die reaktionsschnelle Beobachter mit ihren Handykameras geschossen haben und ins Internet stellten, ließ sich die Natur der Leuchterscheinung ziemlich schnell klären. Jetzt wurde es natürlich spannend: Welcher Flugbahn war der Meteoroid genau gefolgt? Würde man einen oder mehrere Meteoriten finden können?

Die erste Anlaufstelle für versierte Meteorbeobachter und diejenigen Leute, die aus verläßlichen Beobachtungsdaten von Feuerkugeln ihre Raumbewegung rekonstruieren, ist das Forum des Arbeitskreis Meteore e.V. Relativ schnell war geklärt, daß der Meteoroid aus südlicher Richtung kam und über die Beneluxländer gezogen ist. Angesichts der extremen Helligkeit ist mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem Meteoritenfall zu rechnen. Wo genau wird mithilfe neuer Beobachtungsberichte noch weiter eingekreist. In Frage kommt derzeit wohl am ehesten das deutsch-niederländische Grenzgebiet an der Nordseeküste oder die Nordsee selbst. Wenn letzteres zutrifft, erschwert das natürlich die Suche nach möglichen Meteoriten.

Natürlich melden sich bei so einem Ereignis auch Menschen an der Hamburger Sternwarte. Nach Feierabend ist es schwierig noch jemanden zu erreichen, und so fand unsere Sekretärin Birgit Schmidt am nächsten Morgen jede Menge Nachrichten auf dem Anrufbeantworter vor. Bald darauf begann der große Rummel. Tapfer und geduldig beantwortete Frau Schmidt unzählige Telefonanfragen und Emails.

Schließlich gingen die ersten Presseanfragen nach einem Expertenkommentar ein, die Frau Schmidt an mich weiterleitete. Eines der ersten Telefoninterviews gab ich der Presseagentur AFP. Der daraus entstandene Text, in dem auch mein Name erwähnt wird, verbreitete sich in Windeseile auf den Online-Seiten deutscher Tageszeitungen und Nachrichtensender bis hinunter nach Österreich. Der NDR wollte gern ein Radiointerview machen und beließ es nicht bei einer Telefonbefragung, sondern schickte eine Reporterin vorbei. Kurze Zeit später meldete sich eine Redakteurin von RTL Nord, mit der ich ein paar Monate zuvor schon einen Beitrag über die Sternwarte gemacht hatte. Als ich mich aufmachte das Fernsehteam in Empfang zu nehmen, begegnete ich Walter Mardfeld aus unserem Elektroniklabor, der mir berichtete, daß ich soeben im Radio zu hören war. Mit den drei Jungs von RTL ging ich dorthin, wo ich zum Zeitpunkt der Meteorsichtung gewesen war, in den Großen Refraktor. Das imposante Teleskop dient immerwieder gerne als Drehort, war aber hinterher im Beitrag kaum zu sehen. Normalerweise sind solche Fernsehdrehs ziemlich zeitraubend, für wenige Minuten gesendetes Material muß oft stundenlang gedreht werden. Umso erstaunter war ich, daß bereits nach einer guten halben Stunde alles im Kasten war und ich mich neuen Anrufen widmen konnte. Jetzt meldeten sich besonders Journalisten der Tageszeitungen aus der Umgebung, zum Beispiel vom Pinneberger Tageblatt und aus meiner alten Heimat die Lübecker Nachrichten. Bei der Bildzeitung bat man mich nach dem Interview um ein Foto, das Hamburger Abendblatt gab sich mit dem Portrait auf meiner Homepage nicht zufrieden und schickte eigens einen Fotografen.

Nachdem der große Ansturm dann am späten Nachmittag abgeklungen war, begann das für den auskunftsfreudigen Astronomen übliche Hoffen und Bangen. Was würden die Redaktionen aus den Beiträgen machen? Wie werden das Fernsehinterview geschnitten und die geschriebenen Texte ausformuliert? Nach jahrelanger Erfahrung habe ich inzwischen den Dreh eigentlich einigermaßen raus, die Dinge so zu formulieren, daß sie dann schließlich und endlich nur selten mißverständlich oder falsch wiedergegeben werden, aber manchmal gelingt es dann leider doch nicht. Hatte ich vielleicht selbst unwissentlich etwas verkehrtes erzählt?

Erwartungsgemäß blieb von dem RTL-Interview nur ein kurzes Statement, das nicht nur in den Regionalnachrichten sondern deutschlandweit gesendet wurde und sich später auch bei RTL2 und bei einem Nachrichtensender wiederfand. Das Abendblatt brachte mich mit einem Kurzportrait in der Rubrik "Menschlich gesehen" sogar auf die Titelseite, auch das Interview ist recht gut geworden. Tatsächlich hat es mein Foto in die Bild-Zeitung geschafft, wie erwartet hat man das Gesagte dort stark vereinfacht (aus meinem Statement, daß in den letzten Jahrzehnten keine Fälle bekannt sind bei denen ein Mensch durch einen Meteoritenfall zu Schaden gekommen sind, wurde "Menschen wurden nie getroffen") und der eine oder andere Fehler hat sich auch eingeschlichen. Für Bild-Verhältnisse bin ich aber eigentlich ganz zufrieden. Nachdem mein Name nun zusammen mit denen von Meteoritenjäger Thomas Grau und "Ufologe" Werner Walter durch den gesamten deutschsprachigen Raum gegangen ist, bekam ich am nächsten Tag auch noch mehrere Emailanfragen. Und einen seltsamen Anruf eines Zeitgenossen, der mir nicht recht glauben wollte daß es sich dabei wirklich um eine Feuerkugel gehandelt hat und mir stattdessen mehrere Verschwörungstheorien auftischte…

Carolin Liefke

Veröffentlicht von

Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

17 Kommentare

  1. Glückwunsch!

    Wow, sogar RTL und die Bild-Zeitung haben berichtet! Na dann herzlichen Glückwunsch zu den schönen Interviews!
    Es ist schön, wenn aktuelle Himmelereignisse wieder die Aufmerksamkeit auf die Astronomie lenken – besonders im IYA.

    Beste Grüße,
    Andreas

  2. Auf dem Teppich bleiben

    Ach, der Ruhm der Medien ist vergänglich. Um ein neuer Harald Lesch zu werden, bedarf es wohl noch etwas mehr, und das ist auch gut so.

    Aber Andreas hat Recht: Um das Interesse der Leute an astronomischen Themen generell zu wecken, ist soetwas wunderbar.

    So. und nun mach ich mich an die ganze Arbeit, die liegengeblieben ist… 🙂

  3. Oh ja, der Ruhm ist vergänglich

    Wie wahr, wie wahr. Was war das für eine Aufregung am 14.1.2005, als die Huygens-Raumsonde auf dem Saturnmond Titan landete. Das Medieninteresse hatte sich bereits über Monate aufgebaut. Na, wenigstens daran werden sich die Leute bleibend erinnern … so dachte ich.

    Pustekuchen.

    Neulich erwähnte ich das Ereignis einem Bekannten gegenüber.

    Reaktion: “Hä? Heu … was?”

    “Na, Huygens, die europäische Raumsonde. Erste Landung auf einem so weit entfernten Himmelskoerper. Titan – der Mond des Saturn. Der, wo es Methan regnet, und wo die ersten Bilder eine Art Flusslandschaft zeigten.”

    Verstnmdnisloses Kopfschütteln. Kein Zeichen der Wiedererkennung. Nicht das geringste. “Wann sollte das gewesen sein?”

    “Na, am 14. Januar 2005.”

    “Hm … nee, da klingelt nix.”

    OK, letzte Trumpfkarte: “14. Januar 2005! An dem Tag wurde auch der Mooshammer ermordet. Der mit dem Pinscher Daisy.”

    “Ach soooooooooooo, sag’s doch gleich, DER Tag war das, ja, jetzt fällt’s mir wieder ein!”

    So läuft’s eigentlich immer.

  4. Gesetze der Medienlandschaft

    Tja Leute,
    das sind halt die Gesetze des Medienbetriebs! Und zwar international. Mindestens genauso unumstößlich, wie manche Naturgesetze. Aber auch letztere sind ja nicht immer fix (siehe Newton und Dunkle Materie).
    Ich erinnere mich noch an die Buran-Überführung nach Speyer. Das war eine Woche Halli-galli auf den Straßen. Vorteil hierbei: Das Teil steht jetzt im Museum und ist noch vorhanden. Der Bolide vom Dienstag ist vermutlich verdampft, was für die Berichterstattung gar nicht gut ist. Vielleicht findet Thomas Grau ja noch ein Stückchen davon. Auf jeden Fall hat er jetzt bestimmt schlaflose Nächte 😉
    In Holland und Norddeutschland war an diesem Tag jedenfalls der Teufel los. Siehe:
    http://www.redshift-live.com/…-Meteoriten-1.html

    Und der Bolide schaffte es tags darauf sogar ins APOD.

    Beste Grüße,
    Stephan

  5. Meteor und Presse

    Nun schaffe ich es, auch noch etwas dazu zu sagen:
    10 Minuten nach dem Ereignis, das ich selbst leider nicht gesehen habe, bekam ich von einem Amateurastronom die erste Meldung. So konnte ich bereits um 19:30 Uhr in der Planetariumsvorführung (Osnabrück) darüber berichten. Um 21:45 rief ein Radiomitarbeiter bei mir zuhause an, ob er noch für ein Interview vorbei kommen könne. Eine halbe Stunde später standen 2 Reporter von Hit Radio Antennne und FFN vor der Haustür. In 2 Mikros gab ich dann rund 1/2 Stunde bereitwillig Auskunft. Also nicht nur am Tag, auch in der Nacht war der Teufel los!

    Am nächsten Tag stand das Telefon natürlich kaum still: u.a.: “Das Ding ist doch direkt über der Sternwarte explodiert, was habt ihr denn da für Experimente gemacht?”

    Die Neue Osnabrücker Zeitung widmete am Donnerstag dem Thema fast die halbe Titelseite und 2/3 der Seite 3 und selbst am Samstag gab es nochmals Augenzeugenberichte – leider alle kaum für eine sinnvolle Bahnbestimmung brauchbar (“…flog in 80 m Höhe und zerschellte 10 m über dem Feld…”).

  6. @ Khan

    “Verstnmdnisloses Kopfschütteln. Kein Zeichen der Wiedererkennung. Nicht das geringste.”

    Das wundert mich nicht. Wie soll man sich auch den Namen einer Raumsonde merken, den ein gewöhnlicher Mensch wahrscheinlich noch nicht mal richtig aussprechen kann. Hätte die Raumsonde “Pittiplatsch” gehießen könnten sich sicherlich mehr dran erinnern (das war jetzt nicht ganz ernst gemeint). Aber wer soll sich denn an “Huygens” erinnern?

  7. @Martin Huhn

    Das ist natürlich richtig, die Tatsache, dass Christiaan Huygens einer der bekanntesten Wissenschaftler seiner Zeit war, den Saturnmond Titan entdeckte und die Saturnringe als solche identifizierte, entschuldigt natürlich ebensowenig wie seine übrigen Beiträge zur Wissenschaft seinen für Nicht-Niederländer unaussprechlichen Namen.

    Daran hätte man schon denken müssen, als man die Raumsonde benannte. Unverständlicherweise erfolgte die Benennung ganz allein aufgrund der wissenschaftlichen Meriten des so geehrten. Diese Praxis sollte man wirklich überdenken.

    Ich habe mir vorgenommen, wenn ich einmal einen Asteroiden entdecken sollte, der auf Kollisionskurs mit der Erde ist, fÜr diesen den Namen “ParisHilton” zu beantragen.

    (Im Fall des von mir geschilderten Gesprächs hätte allerdings auch ein noch so aussprachefreundlicher Sondenname nicht geholfen, meinem Gesprächspartner war selbst der Mond “Titan” unbekannt, und das kann nun wirklich nicht der Schweierigkeit der Aussprache angelastet werden.)

  8. @ Khan

    Es ist immer die Frage, was man will. Ehrungswürdige Forscher ehren, um sie bekannter zu machen (falls man soviel mediale Macht hat) oder einen eingänglichen Namen, der bei vielen in Erinnerung bleibt. Voyager oder Viking kennen sicherlich noch mehr Menschen als Huygens und das liegt zum Teil auch an den einfachen Namen.

    Jetzt kann man sich drüber beschweren, warum die Leute so desinteressiert oder auch dumm sind oder es als ein Fakt nehmen und ihn bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen.

  9. Namen sind Schall und Rauch

    Also ich glaube nicht, daß die (Un)aussprechbarkeit eines Namenspaten einer Raumsonde zu mehr oder weniger Bekanntheit verhilft. Man nehme zum Beispiel das HST: Grundschulkinder sollen bei uns in einer Rallye eine Aufgabe lösen in der nach Namensgeber Edwin Hubble gefragt wird – und schreiben regelmäßig “Hubbel”. Aus Huygens würde wohl dementsprechend “Heugens” werden. Den Punkt würde ich den Kids dann aber trotzdem geben.

    Am Beispiel Edwin Hubble kann man denke ich aber auch gut sehen, daß man keinen prominenten Namenspaten braucht. Egal ob nun einer der berühmtesten Astronomen des 20. Jahrhunderts, mit Namen wie Einstein oder Galilei kann er nicht konkurrieren, so daß viele Menschen nicht wissen wer Hubble war. Das HST dagegen kennen jede Menge Leute, die sich nicht mal großartig für Astronomie oder Raumfahrt interessieren.

    Alles eine Frage der PR?

  10. Wie viele Jahre hat denn Hubble immer wieder tolle Bilder geliefert? Das wurde so oft wiederholt über eine längere Zeit hinweg, da prägt sich das ein. Wobei Hubble nun auch nicht sonderlich schwer zu merken ist. Hört sich ein bißchen wie HubbaBubba an (oh, das war bestimmt wieder beleidigend).

    Wie sollen sich denn die “normalen” Leute Huygens behalten? Der Name ist schonmal schwierig zu merken und die meisten können sich nichts drunter vorstellen. Damit haben wir abstraktes Wissen, was kaum mit bekanntem verknüpft werden kann und schwups ist die Gefahr groß, daß es in Vergessenheit gerät.

  11. Schall und Rauch nun nicht gerade …

    Ob nun “Voyager” oder “Ulysses” oder “Magellan” oder “Spitzer” oder der von Carolin genannte “Hubble” so viel leichter zu merken sind als “Huygens”, gerade bei der Mehrzahl der Weltbevoelkerung, deren Muttersprache nicht Englisch ist?

    Oder andersherum, wenn beispielsweise ein Deutscher das falsch ausspricht und dann den Namen irgendwo geschrieben sieht, kann er damit wirklich nichts anfangen?

    Ich denke, das Problem liegt dann doch eher woanders.

    Ob es aber wirklich mangelnde PR ist? Ich weiß noch sehr gut, was hier von Juli 2004 bis Januar 2005 los war. Ich kann mich auch sehr gut erinnern, dass die Kantine Ende Januar 2005 nach der Landung auf Titan, foermlich mit Zeitungen aus aller Welt tapeziert war, die über die Mission berichteten – ungeachtet des angeblich schwierigen Namens.

    Martin Huhns Anmerkung trifft im Prinzip den Kern der Sache durchaus. Solche Namen wie Corot (gutm das kann man noch mit dem Maler assoziieren), LDEF, WMAP oder – das absolute Negativbeispiel: LEO!!!! – sollte man nicht verwenden.

    Aber aus meiner Arbeit kann icht nicht nachvollziehen, dass ausgerechnet der Name Huygens nun wirklich so abschreckend wirkte. Zumindest nicht abschreckender als der Name “Mooshammer”.

  12. > Wie viele Jahre hat denn Hubble immer
    > wieder tolle Bilder geliefert? Das
    > wurde so oft wiederholt über eine
    > längere Zeit hinweg, da prägt sich das
    > ein.

    Genau, da sagen Sie es selbst. Das ist namlich dr Punkt, und nicht der Name.

    Hubble kennt jeder, weil es über Jahre hinweg immer wieder in Dokus, in den Nachrichten und in anderen Medien kam, weil Astronautren hinflogen, um es zu reparieren, weil in Astronomiekalendern jedes Jahr immer von 12 Bildern mindestens 4 vom Hubble sind, weil einige, wie die Pillars of Creation …

    http://hubblesite.org/…image/a/format/large_web/

    … oder die Whirlpool-Galaxie M51 …

    http://hubblesite.org/…image/a/format/web_print/

    … so bekannt sind, dass sie zu Ikonen der oeffentlichen Vorstellung von Astronomie geworden sind.

    Da ist eher schon egal, wie das Teleskop heißt. Einfacher als Huygens ist Hubble auch nicht, denn da sieht man auch alle moeglichen Variationen der Schreibweise.

    Und das Hubble-Space Telescope ist noch nicht einmal allen Besuchern selbst astronomischer Vorträge bekannt. Jedenfalls stoße ich immer wieder auf Leute, die das erst noch erklärt haben müssen.

    Andersherum ist dieses Weltraumteleskop bei vielen anderen Leuten fast schon zu mythischen Proportionen herangewachsen. Man traut ihm alle moeglichen Abbildungsleistungen zu. Wie viele Briefe haben wir bekommen, die uns nahegelegt haben, mit dem Hubble Space Telescope auf dem Mars nach der verlorengegangenen Beagle-2-Sonde zu suchen.

    Huygens kannte eine Zeitlang jeder. Wirklich jeder. Der Name hat keinen abgeschreckt. Und auch das bekannteste Huygens-Bild war weltweit bekannt.

    http://upload.wikimedia.org/…_probe_on_Titan.png

    Eine kurze Zeit war dies das bekannteste Astronomiebild der Welt. Es war auf Seite 1 jeder Zeitung. Bloß war es dann eben wieder ‘raus aus der Presse, weil die Mission eben vorbei war. Und damit setzte unvermeidlich der Prozess des Vergessens ein.

    Mit Dummheit oder Bildungsmangel hat das gar nichts zu tun. Bei der Informationsflut heutzutage ist die Nachricht von gestern eben kalter Kaffee. Ist halt so. Ich erinnere mich auch nur an eine Minderheit der Nobelpreisträger, obwohl ich durchaus der Meinung bin, dass man so etwas wissen sollte. (Gut, warum sich Leute an Mooshammer erinnern, kann ich auch nicht beantworten)

    Einen solchen Bekanntheitsgrad wie Hubble wird wohl nie wieder ein Teleskop erreichen. Wer kennt schon Spitzer? Herschel? James Webb? Das muss man schon realistisch sehen. Da hilft der Name am Ende auch wenig.

    Ich stimme Martin Huhn im Wesentlichen schon zu. Ein name muss eingängig sein. Und sowas wie “James Webb” finde ich unmoeglich als Namen für ein wissenschaftliches Instrument. I

    ch bin auch nicht besonders angetan von der Beweihräucherung einzelner Personen. Man sollte sehr keativ bei der namensfindung sein und etwas finden, was mit dem thema zu tun hat, aber auch sofortige Assoziationen weckt.

    “Deep Impact” für eine Mission, bei der es um einen Einschlag auf einem Kometenkern geht, das ist genial. Ein Volltreffer. Ebenso “Don Quijote” für eine Mission, bei der Asteroidenabwehr getestet werden soll, wobei die Mission aus den zwei Sonden “Hidalgo” und “Sancho” geht. Und dann gibt es auch die sehr guten Namen “Chang’E” oder “Kaguya” für eine chinesische bzw. japanische Mondmission oder “Orihime” und “Hikoboushi” für zwei japanische Testsatelliten, die ein Rendezvous-Experiment durchführten.

    Und da haben wir gleich das nächste Problem: Was Leuten aus einem Kulturkreis etwas sagt, das kann (und wird in der Regel) Leuten aus einem anderen Kulturkreis vollkommen fremd sein. Das erschwert die Suche nach wirklich guten Namen ungemein.

  13. MIR

    Ich bin MIR sicher, die Raumstation Mir kennen auch noch viele. Der Name ist sich leicht zu merken und die war ja auch über längere Zeit immer wieder in den Medien. Wie oft sollte die schon aufgegeben werden und dann doch nicht. Es hat so viele Experten überrascht, daß die das alles so lange mitgemacht hat und das ist natürlich auch guter Stoff worüber sich berichten läßt. Das ist ja quasi ein kleines Wunder im Weltraum. So etwas bleibt natürlich hängen.

  14. Neulich in Rundfunk und Fernsehen

    Ich selbst habe die Feuerkugel auch nicht gesehen, deswegen danke für diesen Artikel!

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