John L. Dobson, 1915-2014

Am 15. Januar 2014 hat die Amateurastronomie eine Ikone verloren: John Lowry Dobson ist im hohen Alter von 98 Jahren nach einer schweren Infektion gestorben.

Schon als junger Mann interessierte sich Dobson für Astronomie. Nach seinem Eintritt in ein hinduistisches Kloster in den 40er Jahren beschäftigte er sich mit der Vereinbarkeit der vedantischen Lehre und der Kosmologie. Zeit seines Lebens vertrat er daraufhin ein kosmologisches Weltbild, in dem für Urknall und Dunkle Materie kein Platz ist und in dem stattdessen Kontinuität im Vordergrund steht. In dieser Zeit begann er mit dem Bau von Teleskopen, die für ihn zum einen ein Werkzeug waren, um das Universum zu verstehen, zum anderen aber auch die Möglichkeit boten, Menschen inner- und außerhalb des Klosters für die Wunder des Kosmos zu interessieren.

Den Grundsätzen des Klosters eines Lebens in Armut folgend baute Dobson seine Teleskope mit einfachen Mitteln, ein Kauf kam nicht in Frage. In den 50er und 60er Jahren entwickelte er dann die heute nach ihm benannte Dobson-Montierung, die in ihrer ursprünglichen Forum nicht mehr war als eine grob gezimmerte Holzkiste auf einem Drehteller, die sogenannte Rockerbox, in die ein Newton-Teleskop eingehängt wurde. Dobson selber hat zwar immer betont, daß er doch eigentlich gar keine neue Erfindung gemacht hat, dennoch hat das Prinzip der Dobson-Montierung es Amateurastronomen weltweit erst möglich gemacht, Teleskope großer Öffnung ohne eine kostspielige parallaktische Montierung zu nutzen.

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Vier Dobson-Seriengeräte mit Volltubus und 8″ Durchmesser stehen am Haus der Astronomie in Heidelberg Spalier

Zu den entscheidenden Konzepten der Dobson-Montierung gehört die Ausführung der Achslagerungen mithilfe von Teflonstreifen auf grob strukturiertem Verbundmaterial. Um das Gewicht seiner Teleskope möglichst gering und die Geräte damit transportabel zu halten, schliff Dobson außerdem für die damalige Zeit vergleichsweise dünne Spiegel und setzte anstelle von Metall auf Tuben aus Hartpapier.

Nachdem Dobson 1967 das Kloster verlassen hatte, konnten seine Ideen ihren Siegeszug rund um den Globus antreten. Seit einigen Jahren haben auch kommerzielle Hersteller von Amateurteleskopen das Konzept übernommen. Tatsächlich entsprechen die aus Fernost in Massenproduktion gefertigten Dobson-Teleskope mit geschlossenem Tubus noch am ehesten Dobsons ersten eigenen Geräten.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Dobson-Teleskop basierend auf den Arbeiten weiterer Amateure stetig weiterentwickelt. Neue Ideen wurden auf Teleskoptreffen vorgestellt und verbreiteten sich so in der Amateurszene, das klassische Dobson-Teleskop mit hoher Rockerbox und geschlossenem Tubus wird kaum noch verwendet. Im Vordergrund steht dabei die Gewichtsersparnis: Der Tubus wird meist durch eine offene Stangenkonstruktion ersetzt, die für den Transport zerlegt wird. Um den Drehpunkt der Höhenachse dennoch oberhalb des Spiegels an den Schwerpunkt des Teleskops setzen zu können, wird die Achse in Form großer, sichelförmiger Räder ausgeführt. Weitere Entwicklungen beinhalten die Verwendung von Leichtbaumaterialien wie Faserverbundstoffen oder die zusätzliche Verkürzung des Tubus durch die Ausführung als sogenannter Lowrider. Zusammen mit der Tendenz zu immer schnelleren Öffnungsverhältnissen bei Newtonteleskopen haben all diese Verbesserungen dazu beigetragen, den  Durchmesser des durchschnittlichen Amateurteleskops mehr und mehr anzuheben.


Die Autorin mit einem Teil ihres Teleskop-Fuhrparks. Der blaue 16″-Dobson wurde von Timm Klose gebaut, der dazugehörige Spiegel stammt von Roland Herrmann

Dobson selber sah den Nutzen seiner Konstruktionen in erster Linie darin, kostengünstige Alternativen zum Bau großer Teleskope zu schaffen und mit nicht nur für damalige Verhältnisse riesigen Teleskopen auch ein möglichst großes Publikum in der allgemeinen Öffentlichkeit zu erreichen. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete er 1968 die Sidewalk Astronomers, eine Initiative, deren Mitglieder bei klarem Himmel spontan Teleskope auf öffentlichen Plätzen aufstellen und Passanten den Blick auf den Sternhimmel bieten. Über die USA hinaus bekannt wurde die Vereinigung im Internationalen Jahr der Astronomie 2009, obwohl natürlich auch schon zuvor Amateurastronomen weltweit nach diesem Schema Öffentlichkeitsarbeit betrieben haben.

Es wäre also sicherlich in seinem Sinne, wenn Teleskopbesitzer weltweit ihre Instrumente – egal ob nun in Dobson-Bauweise oder konventionell auf einem Dreibein montiert – demnächst in Gedenken an ihn für allgemeines Publikum an den Himmel richten.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Allgemeines Live-Blog vom 12.-16. Januar 2014 | Skyweek Zwei Punkt Null

    • Freiheit in der Religion, Freiheit im Alltag, John Dobson ist für mich im allerbesten Sinne ein typischer Amerikaner.

  2. Auch heutige grosse Amateuertelesope haben scheinbar ein hohes Gewicht. Das weltweit grösste Amateuerteleskop hat einen 1.7 m grossen Spiegel und wiegt 408 kg.
    Ich kenn mich überhaupt nicht aus auf dem Gebiet bin aber erstaunt über diese 408 Kilogramm. Vom Prinzip her kann der Primär-Spiegel ja ganz dünn sein und der Rest ist sowieso nur Gestänge – bis auf den Sekundärspiegel, aber der ist ja klein.

    • Ich bin da dann schon eher erstaunt, daß es nur so wenig sind. Zwar gibt es mittlerweile Amateure, die in der Lage sind ihre Spiegel fast schon beliebig dünn zu machen (das extremste Beispiel was mir in diesem Zusammenhang bekannt ist, ist der 33″-Spiegel von Kai Kretzschmar mit unter 18kg), aber in diesem Fall war der Spiegel ja vorgegeben und wiegt alleine schon mehrere 100 kg. Den Rest drumherum darf man auch nicht vernachlässigen, denn je größer und schwerer die Spiegel (den Sekundärspiegel mit 29″ darf man nicht vergessen!), desto stabiler müssen Spiegellagerung und Gestänge ausgeführt sein, damit sich nichts durchbiegt oder sonstwie verzieht. Man solle auch immer im Hinterkopf haben, daß ein Profiteleskop mit diesem Durchmesser Tonnen wiegt. Mal zum Vergleich, die 2m-Faulkes-Teleskope auf Hawaii und in Australien kommen auf jeweils 25 Tonnen

  3. Ein erfülltes, langes Leben.

    Ich habe mich aus verschiedenen Gründen bis jetzt immer gegen einen Dob entschieden, war aber immer beeindruckt über den Anblick des Sternhimmels, den man damit hat. Wo man auch spechtelt, mindestens ein anderer Sterngucker hat einen Dob aufgebaut, meistens mit einer gewaltigen Apertur.

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