HdA-Infotag – Heidelbergs Astronomen werfen einen Blick auf und in das Haus der Astronomie

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…und auch tagsüber
Astronomers do it at Night

Der Winter steht vor der Tür – Zeit den Rohbau des Hauses der Astronomie frostsicher zu machen, damit die Arbeiten an dem Gebäude, das einer Spiralgalaxie nachempfunden ist, auch in der kalten Jahreszeit weitergehen können. Tatsächlich ist der Bau inzwischen so weit fortgeschritten, daß man eine ziemlich gute Vorstellung von dem zukünftigen Zentrum astronomischer Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in Heidelberg bekommt. Die Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Astronomie direkt gegenüber der Baustelle konnten in den vergangenen Monaten tagtäglich verfolgen, wie das ungewöhnliche Gebäude mit seinem zentralen Kuppelbau und den beiden darum herumgewundenen Seitentrakten Stück für Stück aus der Baugrube herauswuchs. Für sie und ihre Kollegen am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg sowie weitere Freunde des Hauses der Astronomie gab es am 12. November 2010 die Gelegenheit, mehr über die Arbeit des HdA zu erfahren und den Rohbau zu besichtigen.

Markus Pössel weist eine Besuchergruppe vor dem Betreten der Baustelle in die Sicherheitsvorkehrungen ein

Mehr als 150 Personen hatten sich zu den insgesamt sechs Führungen durch das Gebäude angemeldet. Helmbewehrterweise ging es zunächst zwischen Paletten und Containern von Baumaterial unter dem großen Kran hindurch in den Eingangsbereich des Gebäudes, wo die künftigen Besuchergruppen von einer Reihe von Ausstellungsgegenständen empfangen werden. Deutlich sichtbar sind die massiven schrägen Säulen, die das gesamte Gebäude tragen, jeweils fünf Stück pro "Spiralarm". Die Kuppel im Inneren steht für sich alleine. Nach außen sind schon die ersten Segmente der durchgehenden Fensterfront eingebaut.

Zum zweiten Spiralarm windet sich eine Rampe um die Kuppel, jeweils ein halbes Stockwerk höher oder tiefer. Auf dem Weg nach unten trifft man zunächst auf den Seminarbereich, in dem später die Workshops für Schul- und Kindergartengruppen stattfinden werden, die im Moment noch an der benachbarten Landessternwarte abgehalten werden. Auf dem Weg in den Kellerbereich trifft man nach Toiletten und Werkstatträumen auf das zukünftige Multimediastudio, in dem Video- und Audioaufnahmen produziert werden sollen, die dann unter anderem in der Kuppel gezeigt werden.

Wieder ohne Helm in den zukünftigen Semiarräumen

Im oberen Stockwerk der beiden Spiralarme entstehen Büroräume, auf der einen Seite für die Mitarbeiter des HdA, auf der anderen Seite für die Redaktion von Sterne und Weltraum und die Grafikabteilung des Max-Planck-Instituts. Von beiden Bürotrakten wird man durch Glaswände im Innenbereich einen direkten Blick auf die Kuppel haben, die allerdings noch eine ineinander verschachtelte Außenverkleidung bekommt.

In die Kuppel selber wird Planetariums-Projektionssystem Zeiss Velvet eingebaut. Die Kuppel ist allerdings keine klassische Planetariumskuppel, sondern nach vorne geneigt. Auch die Anordnung der 100 Sitzplätze ist wie in einem Hörsaal stufenförmig aufgebaut. Ein Vortragender kann daher sowohl Frontalprojektion als auch das Full Dome Format nutzen. Obwohl man in der Kuppel bislang nur auf grobe Betonwände schaut, kann man sich schon gut vorstellen, wie es dort später einmal aussehen wird.

Eine Gruppe in der zukünftigen Redaktion von Sterne und Weltraum

Im derzeitigen Zustand demonstriert der Rohbau nicht nur die ingenieurtechnische Meisterleistung, ein Bauwerk zu entwerfen und zu planen, das so gut wie keine geraden Wände aufweist (von der Tragkonstruktion durch die Säulen mal ganz abgesehen), sondern auch den ungeheuren Materialaufwand. Die massiven Betondecken und -wände – mehr als 5600 Tonnen Beton, verstärkt durch 600 Tonnen Stahl, wurden verbaut – werden bald hinter Verschalungen und einem weißen Anstrich verschwinden, auch die aus einzelnen Segmenten zusammengesetzte Kuppel.

In zwei Vorträgen stellte HdA-Leiter Markus Pössel außerdem die Institution Haus der Astronomie vor, berichtete wie es zu ihrer Gründung gekommen ist, präsentierte Beispiele von aktuellen Projekten und zeigte den Anwesenden auf, wo das HdA sie bei ihrer Arbeit unterstützen kann und wo das HdA wiederum auf die Mithilfe anderer angewiesen ist. Im Anschluß waren die Gäste zu einem kleinen Sekt-Umtrunk eingeladen, natürlich mit Blick auf die Baustelle, auf der während des Infotages fleißig weitergearbeitet wurde.

Interessierte lauschen der Präsentation der HdA-Aktivitäten

Bis zur offiziellen Eröffnung wird allerdings noch fast ein ganzes Jahr vergehen. In den kommenden Monaten gibt es viel zu tun, nicht nur für die Arbeiter auf der Baustelle, die die Fenster und Glaswände einziehen, die Außenverkleidung anbringen, sämtliche Leitungen verlegen und den Innenausbau bewältigen müssen. Das HdA-Team hat bereits begonnen, die Ausstellung im Eingangsbereich zu konzeptionieren und plant, mit welchen Veranstaltungen Vortragskuppel und Seminarräume ab Herbst nächsten Jahres mit Leben gefüllt werden sollen.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

6 Kommentare

  1. Visualisierung als Bezug

    Beides hat mit der engen Verknüpfung von Astronomie und Welt*bilder*n zu tun, mit Ästhetik der Wissenschaft als Ästhetik der durch sie produzierten mentalen Repräsentationen. Die Besonderheit der Architektur ist normalerweise unintendiertes Nebenprodukt deren Funktionalität für das Instrumentarium, Buchlink.

  2. lustig…

    Danke für den lustigen link! Mein Englisch scheint einigen Lesern auch Grausen zu bereiten, einer Ihrer Kollegen mailte mir kürzlich: “But, if you pardon the suggestion, I hope you can get someone to polish your English a bit. If I didn’t know you, your strange abbreviations like “req.”, “descr.” might make me nervous… English speakers just don’t use abbrevations like that. I also had trouble understanding what you wrote, since …” – und dann folgte eine verblüffend lange Liste von Grammatikfehlern…

  3. Es lebe der Kontext

    Hallo Caro,
    danke für die schöne Führung durch den HdA-Rohbau! Ich habe zwar vom MPIA aus verfolgt, wie das HdA immer größer und größer wurde, dann aber mal von innen zu sehen, wie und wo was unterkommen soll, war sehr interessant!
    Ich freue mich schon darauf, das HdA bald fertig zu sehen!
    Ciao,
    Leo

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