Die 5. Astro-Messe AME 2010

Auch in diesem Jahr hatte die Astronomiemesse AME im Baden-Württembergischen Villingen-Schwenningen wieder viel zu bieten: Vorträge, Workshops, Vorstellungen von Neuheiten – und natürlich jede Menge Messeangebote. Machen wir gemeinsam einen kleinen Rundgang über das Messegelände.

Frühmorgens hatten wir uns am Samstag dem 18. September 2010 zu dritt von Heidelberg aus auf den Weg nach Villingen-Schwenningen gemacht, wo zum fünften Mal die Astronomiemesse AME stattfand. Kurz nach 10 trafen wir bei strahlendem Sonnenschein am Messegelände ein und rückten zielstrebig in Richtung Kasse und Eingang vor. Doch wohin nun? Der Blick auf den Hallenplan zeigt, die meisten Stände befanden sich an den gewohnten Plätzen. Auf der rechten Seite hatten wir erstmal den Informationsstand von Siegfried und Walburga Bergthal, dem Organisationsduo der AME, und ihrem Team.

Die meisten Messebesucher werden allerdings zielstrebig einen ganz besonderen Blickfang angesteuert haben: Schräg gegenüber des Eingangs hatte Tassilo Bohm von Meade Instruments Europe zusätzlich zu der altbekannten Teleskopwand und dem astronomiemessetypischen Wäldchen von Bresser-Einsteigergeräten den Prototypen der noch namenlosen, aber dafür umso beeindruckenderen Großmontierung TB 135 plaziert. Hier darf man mit Sicherheit gespannt sein, wie sich das Serienmodell in der Praxis schlagen wird.

Ein neuer Mitbewerber auf dem Markt der Oberklasse-Montierungen

Auf der anderen Seite des Eingangs hatte sich VdS gemeinsam mit der Schweizer Astronomischen Gesellschaft niedergelassen, die ihre in Deutschland leider weitgehend unbekannte Zeitschrift Orion mit im Gepäck hatte. Beim Oculum-Verlag nebenan lohnte sich der Blick in den neuen Fotografischen  Sternatlas, ein Pendant des Mondes des dazu steht kurz vor der Veröffentlichung.

Auf der anderen Seite des Gangs hatte der Astroshop seine Angebote ausgebreitet, von Okular bis zum Komplettteleskop war für jeden etwas dabei. Bei Intercon Spacetec konnte man wieder einmal in Träumen von Takahashi schwelgen – oder eines der frisch auf dem Markt erhältlichen 3.7mm Ethos-Okulare mit dem ultimativen 110°-Weitfeldblick mitnehmen. Zwischen Fernrohrland und APM-Telescopes, wo ein 8-zölliger TEC ED-Apo die Blicke der Besucher auf sich zog, ging es nach draußen zu den Sonnenteleskopen. Den Großteil des Tages hinderten allerdings aufziehende Schleierwolken die versammelten Geräte von Coronado und Lunt daran, ihre Stärken an der H-alpha Sonne richtig auszuspielen.

Winfried Berberich mit dem Probedruck der Uranometria

Weiter ging es zu Teleskop-Service, wo Wolfi Ransburg und seine Mannen wie gewohnt den Schnäppchenjägern zur Seite standen. Zwischen edlen Berlebach-Stativen und Astro-Professional-Okularen und ED-Refraktoren ließen sich auch die günstigen Einsteiger-Dobsons von Kson endlich mal unter die Lupe nehmen – ganz ruckelfrei waren sie nicht. Auch die Kson-Montierung mit ihren eigenwillig designten Gegengewichten war hier zu finden.

Der nächste Gang zieht sich auf der einen Seite erneut an Teleskop-Service, Intercon-Spacetec und Astroshop entlang. Auf der anderen Seite traf man auf die ersten Vereine und spezialisierten kleineren Händler, angefangen von den Reisedobsons von Hofheim Instruments. Am anderen Ende konnte man es sich bei Wittmann-Travel gemütlich machen und als außergewöhnliches Messemitbringsel auch ein Glas von Reiseleiter Joachim Biefangs interstellarem Honig erstehen.

Kindergartenaltertauglich: Das neue Steckplanetarium der Füssener Sternfreunde

Nach einem Blick auf die optische Bank von Wolfgang Grzybowski ging es in die Welt der Bücher. Unweit des regulären Kosmos-Verlagsprogramms präsentierte Mitautor Stefan Seip den gerade erschienenen Bildband von The World At Night. Auch die Besatzung vom Science-Shop hatte allerlei Lesestoff parat. Auch Hanns Ruders Einsteinmobil war zum wiederholten Male zu Gast, und wer wollte, konnte auf dem Fahrrad der Lichtgeschwindigkeit hinterherjagen.

Kurz bevor es, vorbei an den den verlockenden Ständen von Tele-Optic Tecnica und Astro-Systeme Austria, in die zweite Halle ging, traf man bei Astromann auf die einzige ausgestellte Kuppel vor Ort. Bei der Gelegenheit wurde man daran erinnert, daß im Vergleich zur ATT einer der großen Händler fehlt: Baader Planetarium.

Raphael Bugiel von Optikpraxis demonstriert live seine Fähigkeit im Polieren und die Qualität seiner Arbeit

Nebenan dann eine kleine Absonderlichkeit: Unter die Aussteller hatte sich eine kleine Firma verirrt, die Wettervorhersage auf astrologischer Grundlage betreibt. Angesichts der wortgewaltigen Vehemenz, mit der so manch Amateurastronom gegen die Astrologie ins Feld zieht, gab es also reichlich Konfliktpotential. Nach Auskunft des direkten Standnachbarn blieb es aber den ganzen Tag über ruhig. Sehr ruhig sogar, denn nur wenige Messebesucher schienen sich überhaupt für den Stand interessiert zu haben. Es bleibt daher zu hoffen, daß die Astrologen eingesehen haben, daß sie auf einer Astronomiemesse falsch sind und wir sie auf der nächsten AME nicht mehr wiedersehen.

Weiter geht es zu Teleskop Austria, wo man die in den Foren kontrovers diskutierte Astrotrac-Alternative Fornax-10 und den Lacerta MGEN Standalone Autoguider in Augenschein nehmen konnte. Auch die niederländische Firma Mesu Optics war wieder mit ihrer großen Montierung vor Ort.

Ein lichtstarkes Weitfeld-Wunder

Um die Ecke steuerte man nun nahezu automatisch auf den Stand der italienischen Teleskop-Schmiede Officina Stellare zu. Neben einem schmucken Ritchey-Cretien zog einen dort eine ungewöhnliche Fotomaschine in seinen Bann: ein Astrograph mit 8" f/3.

Kurz vor dem Eingang zum Vortragsraum präsentierte Tüftler Alexander Schmidt seine grandiosen Selbstbauten: zum einen den Binohelm, ein verstärkter Motorradhelm mit zwei seitlich angebrachten kleinen Newtonteleskopen, und zum anderen den mobilen Binosessel, ausgestattet mit zwei großen Newtons um einem Großfeldstecher.

Demonstrationsmodell der Astronomischen Vereinigung Rottweil zum Kontrast auf der Mondoberfläche bei verschiedenen Sonnenständen

Zusätzlich zu den Vorträgen konnten die AME-Besucher auch an Workshops teilnehmen, die allerdings schon lange im Voraus ausgebucht waren. Die wachsende Beliebtheit der AME spiegelt sich auch in den kontinuierlich steigenden Besucherzahlen wieder. Nicht nur aus dem südlichen Teil es Landes sondern aus ganz Deutschland reisten die Teilnehmer an, und auch viele Schweizer Sternfreunde blieben bis zur letzten Minute zahlreich vor Ort. Dank des großzügigen Messegeländes hat man aber dennoch nie den Eindruck, daß es überfüllt wäre. Abends ging es dann noch in gemütlicher Runde mit Freunden in der Schwenniger Innenstadt essen, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten.

Im nächsten Jahr plant die VdS, ihre Jahrestagung zusammen mit der AME auszutragen. Wir dürfen dann also nicht nur auf die Messeneuheiten gespannt sein.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

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  1. Hallo Caro
    Eine interessante Zusammenfassung der Messe.
    Ich schätze immer die Atmosphäre an solchen Einlässen.
    Es ist wirklich sehr schöne so viele Leute um sich zu haben, die die Sterne und den Kosmos so lieben wie ich es tue.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz

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