Das Mond-Jahr 2021

Wer unter diesem Titel einen von diesen Gärtnern-mit-dem-Mond-Ratgebern, Wann-darf-ich-mir-die-Haare-schneiden-lassen?-Kalendern oder sonstiges Esoterik-Zeug rund um den Mond vermutet hat – falsch gedacht. Das hier ist ein Rückblick auf meine astronomische Hauptbeschäftigung im letzten Jahr: ein Foto vom Mond machen, wann immer er sich gezeigt hat, und zwar immer mit demselben Teleskop und mit derselben Kamera.

Herausgekommen ist das hier:

Kalenderblätter für alle Monate des Jahres 2021 in schwarz, an etwas weniger als der Hälfte der Tage ist ein Bild des Mondes in der jeweiligen Phase eingefügt
Der Mond an jedem Tag des Jahres 2021, an dem er für mich sichtbar war. Kalenderblätter von https://ikalender.org/

In 163 von 365 Nächten des Jahres habe ich ihn erwischt. Das war nicht immer leicht, denn natürlich spielte das Wetter häufig nicht mit. Das eine oder andere Mal mußte ich geduldig darauf warten, bis sich an der richtigen Stelle am Himmel eine Wolkenlücke aufgetan hat, um in diesem Moment auf den Auslöser zu drücken. Hinzu kommt: Für den abnehmenden Mond muß man sich oftmals die frühen Morgenstunden um die Ohren schlagen. Die schmale Mondsichel steht meist nur sehr tief überm Horizont, und in den Sommermonaten bleibt selbst der Vollmond von meinem Garten aus hinter dem Nachbarhaus verborgen.

Während der Tage um Neumond herum ist es normalerweise nicht möglich, den Mond zu fotografieren, da er dann zu nah an der Sonne steht und nicht sichtbar wird. Wobei…

Gelblich eingefärbtes H-alpha-Bild einer partiellen Sonnenfinsternis, bei der am oberen Sonnenrand ca. 10% der Sonnenoberfläche fehlen
Die partielle Sonnenfinsternis am 10. Juni 2021 in H alpha

…einmal ist auch das gelungen, nämlich während der partiellen Sonnenfinsternis am 10. Juni 2021.

Schaut man sich die gesammelten Mondbilder im Detail an, fallen einem unzählige spannende Effekte auf, die über die reinen Mondphasen weit hinausgehen: Weil der Mond auf seiner elliptischen Umlaufbahn mal weiter weg und mal näher dran an der Erde ist, erscheint der Mond auf den Bildern unterschiedlich groß – Stichwort Supermond. Aufgrund der Neigung der Mondbahn gegen die Rotationsachse des Mondes und der unterschiedlichen Bahngeschwindigkeiten kommt es zudem zum Librationseffekt: Obwohl der Mond uns immer dieselbe Seite zuwendet, können wir trotzdem Teile der Rückseite sehen.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

12 Kommentare

  1. Dass sich bestimmte Ereignisse immer wieder wiederholen, haben auch schon unsere Vorfahren bemerkt und zur Einordnung beobachteter Strukturen Kalender entwickelt. Dazu entstanden passende Beschreibungen bzw. Begriffe wie Jahr, Monat, Woche, Tag, Stunde, Minute bzw. Sekunde.
    Wir haben mittlerweile kleine tragbare Kalender – z.B. die Armbanduhr – von deren Anzeige wir als ´Uhrzeit´ daher nur Kalenderdaten ablesen können.

    Dass man von Uhren nur Kalenderdaten als ´Uhrzeit´ ablesen kann, aber keine ´Zeit´ – ist eine interessante Tatsache. Denn dafür was ´ZEIT´ ist, hat die Wissenschaft bis heute keine Definition geliefert – hier haben wir eine Erklärungslücke:
    Da der Begriff ´Zeit´ noch überhaupt nicht definiert ist, darf man mangels Definition weder annehmen noch behaupten, dass man mit Uhren ´Zeit´ messen oder diese davon ablesen kann.

  2. Das Bild der partiellen Sonnenfinsternis finde ich besonders beeindruckend. Eine solch genaue Abbildung war zur Zeit der alten Griechen wohl nicht möglich. Diese waren auf Abschätzung der geometrischen Verhältnisse bei der Sonnenfinsternis angewiesen und konnten keine genauen Beobachtungen machen. Hier ist es das umgekehrte Problem der typischen astronomischen Beobachtung: Nicht zu wenig, sondern zu viel Licht.

  3. wer besonders faul ist, kann den Mond auch tagsüber fotografieren.
    Mit 10x Zoom und aus der Hand ,das Foto war gar nicht schlecht. Der helle Hintergrund wirkt sympathischer als der schwarze Hintergrund.

    • Na klar, Tagbeobachtungen gehen beim Mond durchaus! Der Kontrast ist durch den aufgehellten Himmel aber natürlich schlechter als im Dunkeln – gerade wenn die Sicht durch Smog beeinträchtigt wird

  4. Carolin Liefke
    Noch einen Vorteil bietet die Aufnahme bei Tageslicht, man kann verschiedene Kameras vergleichen. Die mit dem größten Sensor hat auch den besseren Kontrast, wahrscheinlich weil die Pixel einen größeren Abstand haben.
    Auf dem Monitor des Computers sind diese Unterschiede aber geringfügig, deswegen nützt die teuerste Kamera wenig. Wenn das Foto ausgedruckt wird,
    wird die Bildqualität durch den Drucker begrenzt.

    • Neee, den besseren Kontrast liefern die Kameras immer am Nachthimmel. Den Rest regelt das Nyquist-Kriterium, sprich es gilt für ein Teleskop gegebenen Durchmessers (=Auflösungsvermögen) die jeweils passende Pixelgröße zu wählen, um das System optimal auszunutzen. Sensorgröße und Pixelabstand haben damit nichts zu tun

  5. Wenn man Kontrast als Unterschied zwischen Hell und Dunkel bezeichnet, dann ist ihre Meinung natürlich richtig.
    Ich meinte dagegen , dass bei gleicher Grundhelligkeit, also Tageslicht, das Auflösungsvermögen von der Pixelanzahl des Sensors abhängt.
    Und das Auflösungsvermögen beeinflusst den Kontrast. Dieser ist nämlich umso schwächer je höher das Auflösungsvermögen ist. Probieren Sie es bei ihrer Kamera aus. Stellen Sie den Kontrast auf hoch, dann werden alle feinen Abstufungen zwischen hell und dunkel weginterpoliert.
    Stellen Sie den Kontrast auf niedrig sieht man noch die lichtschwächsten Pixel. Das Foto wirkt dann flau , enthält aber noch die meisten Informationen.
    Der Pixelabstand ist bei ungekühlten Sensoren entscheidend. Das Sensorrauschen (Wärmerauschen) des Sensors kann bei langer Belichtungszeit die Qualität des Fotos stark beeinflussen. Deswegen wird bei Astroaufnahmen mit Consumerkameras die Belichtungszeit sehr kurz gewählt, dabei aber die Anzahl der Aufnehmen erhöht. Bei einem Stativ mit Nachführung kein Problem.

    • Nur für Sie – hier ein hübscher Taghimmelmond: https://twitter.com/HdAstro/status/1479114135413542917?s=20

      Dank Vollformat machen sind da auch die Wolken drumherum noch dekorativ mit drauf, die bei einem kleineren Sensor halt nicht mehr im Bildfeld wären, was aber weder im einen noch im anderen Fall einen Einfluß auf das Auflösungsvermögen des Bildes gehabt hätte. Einzig wenn die Pixel des Kamerachips eine andere Größe hätten, könnte man da ein mehr oder weniger an Detail rauskitzeln. Wobei… Das Sampling ist da jetzt schon ideal für das lokale Seeing, wir machen hier ja schließlich kein Lucky Imaging. Aber selbst da wäre es normalerweise irrelevant, wie groß die Lücke zwischen zwei Pixeln ist.

      Auf Langzeitbelichtung hab ich dann doch verzichtet, das überlasse ich bei Mond und Taghimmel gerne Ihnen. Ich würde Sie aber im Gegenzug darum bitten sich nochmal ein wenig in die Bedeutung der Begriffe einzulesen, die Sie hier verwenden, um potentielle Einsteiger*innen in die Astrofotografie nicht weiter in die Irre zu führen

  6. Der Nachmittagsmond inspiriert zu einem Märchen mit dem Titel :” Der verliebte Mond” Sein Gegenspieler, die Sonne hat sich auch in den kleinen Esel verliebt, ………
    mit einem Foto der Sonne kann ich nicht dienen, mit Sonnenfilter wäre das total unromantisch geworden.
    Bei der Bewertung meines Textes möchte ich darauf hinweisen, dass ich weder Astronom noch Fachmann für Astrophotografie bin. Die verwendeten Begriffe samt Erklärung stammen aus einer Fotozeitschrift.

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