12. Bayerisches Teleskopmeeting

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…und auch tagsüber
Astronomers do it at Night

Wie Jan Hattenbach in den Himmelslichtern schon geschrieben hat, mußte sich der Teleskoptreffen-besuchswillige Hobbyastronom in diesem Herbst für eines der inzwischen unzähligen Treffen entscheiden, die am Neumondwochenende im September stattfanden. In meinem Fall ist es das Bayerische Teleskopmeeting oder kurz BTM geworden, das alljährlich auf dem Osterberg oberhalb des Örtchens Pfünz im Altmühltal stattfindet.

Begrüßung durch den Veranstalter höchstpersönlich

Das diesjährige BTM war das zwölfte seiner Art, allerdings mein erstes, und das obwohl ich bereits seit über zehn Jahren auf Teleskoptreffen fahre. Aber aus der norddeutschen Tiefebene ist es dann doch ein weiter Weg bis dorthin. Im vergangenen Jahr hatte ich mich allerdings noch weiter in südliche Gefilde gewagt und ein paar Tage   Ende September und Anfang Oktober in Österreich an der Großglockner-Hochalpenstraße verbracht. Seit der wunderbaren Beobachtungsnacht dort oben auf der Edelweißspitze besitze ich ein Teleskop, das mir bislang ungemein viel Freude gemacht hat, und dieser mein 16"-Dobson sollte endlich mal wieder zu einem Beobachtungsmarathon ausgeführt werden. Mit der Aussicht darauf, nicht nur alte Bekannte wiederzutreffen sondern im Süden auch mal andere Sternfreunde kennenzulernen, machte ich mich also auf den Weg und ließ dabei das Internationale Heide-Teleskoptreffen (IHT), das im Vergleich zum BTM sozusagen direkt vor meiner Haustür stattfand, links liegen. Wie sich herausstellen sollte, wurde ich dafür mit schlechtem Wetter bestraft.

Gemütliches abendliches Beisammensein mit Teleskopen 

Damit sich die Tour auch lohnt, brachen wir bereits am Mittwoch dem 16. September morgens gegen 8:30 auf, das Auto bis unter das Dach bepackt mit zwei Dobsons und Campingausrüstung für uns beide. Erstaunlich flott kamen wir ans Ziel, gegen 15 Uhr waren wir bereits am Ziel. Die Abzweigung zum Osterberg in Pfünz dürfte jeder unerfahrene BTM-Erstling mit einer Hofeinfahrt verwechseln und hilflos in der Gegend umherirren, gut daß mein Begleiter Peter Lukas schonmal hiergewesen ist. Oben angekommen trafen wir auf all diejenigen, die schon vor Ort waren – bestimmt ein gutes Dutzend Leute, dabei hatte das Treffen noch gar nicht offiziell begonnen. Unter der warmen Herbstsonne bauten wir noch unsere Zelte und Teleskope auf, aber gegen Abend zog sich der Himmel dann doch zu, nur vereinzelt waren Sterne zu sehen.

Andrang am Stand von Astrohändler Martin Birkmaier

Freitags trafen weitere Besucher ein, zum Beispiel auch Winfried Berberich, der seinen langen und schweren Wohnwagen erfolgreich die Serpentinenstraße hochbuchsierte. Der Tag selber war ebenso wie die darauffolgende Nacht eher neblig trüb mit einzelnen Regenschauern durchmischt. Vormittags machte ich einen Ausflug zum rekonstruierten Römerkastell auf dem Nachbarhügel. Den Abend ließen wir wie schon am Tag zuvor gemütlich am Lagerfeuer ausklingen. Trotz eher mäßiger Wetteraussichten trafen am nächsten Tag weitere Sternfreunde mit ihren Teleskopen ein und füllten den Platz, eigentlich ein Zeltplatz mit angeschlossenem Aufenthaltsraum und sanitären Anlagen, der hauptsächlich von Pfadfindergruppen genutzt wird. Am Nachmittag und Abend gab es die ersten Vorträge einmal zum Thema Neutronensterne und Sternentwicklung, und dann, von Veranstalter Uli Zehndbauer höchstpersönlich, über Aufnahmen mit der Astrotrac in Namibia. Am selben Abend war außerdem uns Fernsehastronom Prof. Dr. Harald Lesch im benachbarten Eichstätt zu Gast um in Sachen "Gott und die Physiker" zu referieren. Einige BTMler sind hingefahren und berichteten im Anschluß von einem zum Bersten gefüllten Vortragssaal. Leider hat Herr Lesch die Einladung der Organisatoren ausschlagen müssen, das BTM selber zu besuchen.

Blick auf den Osterberg vom Römerkastell aus

Am Samstag gab sich das Wetter ab dem Nachmittag endlich vielversprechender. An mehreren Hα-Teleskopen auf dem Platz konnte man die Entwicklung mehrerer Protuberanzen am Sonnenrand bewundern, gegen Abend machte sich alles für die erste und diesmal einzige BTM-Beobachtungsnacht fertig. Diverse Dobson-Teleskope standen bereit, aber auch einige Deep-Sky-Fotografen hatten ihre Ausrüstung dabei. Erstes Objekt des Abends war natürlich der noch tiefstehende Jupiter. In meinem 16-Zöller brauchte ich schon einen 8x-Graufilter, sonst war er viel zu hell. In ruhigen Momenten wurden so jede Menge Details in den Wolkenbändern sichtbar. Mit zunehmender Dunkelheit ging man zu Standard-Deep-Sky-Objekten über, zunächst Sternhaufen wie M13 oder h und χ Persei zum Beispiel, die auch schön anzusehen sind wenn es noch nicht ganz dunkel ist.

Die Sonnenbeobacher Ingmar und Michael bei der Arbeit

Tiefstehende Galaxien wollten allerdings auch später am Abend nicht so recht Freude machen, der Horizontbereich blieb extrem dunstig. Alte Bekannte wie M51 und M101 hatte ich schon wesentlich besser gesehen, und die Dreiecksgalaxie M33 zeigte erst als sie zu fortgeschrittener Stunde hoch genug gekommen war ihre Spiralarme. Dann zeigte auch die Andromedagalaxie M31 endlich ihre Staubbänder schön deutlich. Hoch oben im Zenit war die  die Sicht dagegen recht gut. Dort fanden sich nach Ende der Dämmerung die Sommersternbilder rund um Schwan, Leier und Adler. Mein OIII-Filter konnte bei den unzähligen Nebelgebieten dort wieder seine Stärken ausspielen, feinste Filamente im Cirrus wurden sichtbar. Der Crescent-Nebel erschien ebenso herrlich strukturiert. Am Nordamerika-Nebel zeigt sich dagegen, daß die Sicht doch nicht perfekt war. Die Umrisse ließen sich zwar abfahren, aber waren teilweise nicht wirklich deutlich zu sehen. Die bekannten planetarischen Nebel wie Ring- und Hantelnebel dagegen kamen gut heraus.

Dämmerungsstimmung am Samstagabend 

Im Gegensatz zu den vorangegangenen milden und trockenen Nächten war es allerdings extrem feucht. Immer wieder mußten wir Fangspiegel, Okulare oder sogar den Hauptspiegel mit dem Fön vom Tau befreien. Die Seiten meines Deep Sky Reiseatlas klebten bald vor Feuchtigkeit zusammen. Plötzlich zog dann auch noch  eine Nebelfront auf, die uns alle mitsamt den Teleskopen in dichten Dunst hüllte. Damit war es an der Zeit die Teleskope abzudecken. Zwar verzog sich der Nebel nach kurzer Zeit wieder und gab den Blick auf die Sterne wieder frei, aber der bald kam eine neue Nebelwand und beendete die Beobachtungsnacht endgültig. Am Abschlußtag, Sonntag dem 20. September, mußten Teleskope und Zelte daher ersteinmal in der warmen Herbstsonne abtrocknen, bevor wir all unsere Ausrüstung wieder zusammenpacken und die Heimreise antreten konnten. Bei der Rückfahrt hatten wir nicht soviel Glück und blieben mehrfach im Stau und in Autobahnbaustellen stecken. Dementsprechend waren wir bei der Ankunft in Hamburg ziemlich erschöpft aber trotz der dürftigen Ausbeute an klaren Nächten auch sehr zufrieden mit unserem kleinen Astrourlaub im Süden.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

2 Kommentare

  1. Solange sich die Kosmologger schön auf die Treffen verteilen, muss ja wenigstens einer Wetterglück haben!

    Auf der Edelweißspitze war ich vor jetzt mittlerweile 3 Jahren das letzte Mal und schwärme noch heute von den 2 1/2 extraterrestrischen Nächten dort. Wird auch mal wieder Zeit. Müsste nur nicht immer so weit wegsein, der dunkle Himmel….

  2. Termin-Häufungen

    Moin Jan,

    gerüchterweise sollen sich die Termine ja im nächsten Jahr wieder etwas entzerren, das ITT soll wohl wieder im Oktober stattfinden. Und Neumond ist im September an einem Mittwoch, da bieten sich dann eigentlich gelich zwei Wochenenden drumrum an. Wer also mehrere Treffen besuchen möchte oder an einem der Termine einfach keine Zeit hat, hat dann hoffentlich bessere Chancen als dieses Jahr.

    Jaja, die Edelweißspitze… Da möchte ich auch gerne wieder hin.

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