AstroGeoPlänkel: Luftzerplatzer, ungemütlicher Mars und kosmische Enden

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In dieser Folge widmen sich Franzi und Karl dem Feedback zu den letzten Geschichten im AstroGeo Podcast. Besonders gefallen hat ihnen eine E-Mail von einer österreichischen Alm, mit Milchstraße, Satelliten und kindlichem Staunen über das „Mittendrinsein“ im Weltall.
Franzi und Karl gehen der Frage nach, warum eine Astronautin am Ereignishorizont eines Schwarzen Lochs für weit entfernte Beobachter so wirkt, als sei sie eingefroren. Außerdem geht es um Singularitäten, Gravitation und der Frage, was wir wirklich „sehen“, wenn wir Bilder von Schwarzen Löchern betrachten.
Auch zu unserem Nachbarplaneten Mars gab es Fragen: zu seiner dünnen Atmosphäre und ihrer chemischen Zusammensetzung, zu realen und hypothetischen Fluggeräten, sowie zu historischen Irrtümern. Und dann wäre da auch noch die künftige Besiedlung des Roten Planeten durch Menschen: Karl zweifelt am vermeintlich wirtschaftlichen Geschäftsmodell von SpaceX, das derzeit bereits diverse dramatische Folgen auf das Gemeinwohl auf der Erde hat. Es geht aber nicht nur um die fehlende Nachhaltigkeit von kommerziellen Unternehmen: Karl erzählt vom Buch „A City on Mars“, das von der menschlichen Fortpflanzung jenseits der Erde handelt, die bis heute zahlreiche biologische und damit auch ethische Fragen aufwirft.
Schließlich gibt es Fragen zum Ende – genauer gesagt zu Franzis Folge über das Ende des Universums. Es geht um den Big Rip, den Big Crunch, den Big Freeze oder ob der Urknall eigentlich durch die uns bekannten Naturgesetze ausgelöst wurde. Wir sprechen auch darüber, ob im AstroGeo Podcast abseitige wissenschaftliche Hypothesen vorgestellt werden sollten, wo Franzi und Karl ihre Rolle als Journalisten sehen – und wo nicht.

Karl beantwortet auch eure Fragen zu Sodom und Gomorra und dem vermeintlichen Luftzerplatzer eines Meteoriten in der Bronzezeit: Hörende erzählen vom real existierenden Peer Review oder ihren Erfahrungen mit Bibeltexten.
Weiterhören bei AstroGeo
- Folge 120: Raumzeit-Riss: Wie Karl Schwarzschild auf Schwarze Löcher stieß
- Folge 123: Weiße Zwerge – die Rettung vor dem Schwarzen Loch?
- Folge 124: Cygnus X-1: Wie findet man ein Schwarzes Loch?
- Folge 126: Von Marskanälen zum Wolkenatlas: Dünne Luft auf dem Mars
- Folge 127: Aus und vorbei: Das Universum und sein Ende
- Folge 128: Bröckelnde Beweise: Was hat Sodom und Gomorra zerstört?
Weiterführende Links
- Kommentar Klaus Kassner zu AG124 Wie findet man ein Schwarzes Loch?
- WP: Lettere (Galileo)/VIII/c (italienisch)
- BR: Warum ist das Universum so? Eine physikalische Sinnsuche, von Franzi
- Arte: Geburt des Christentums (YouTube-Link)
- WP: A City on Mars (Buch)
- T3N: Nasa schlägt Alarm: Wie Starlink und Co. die Weltraumforschung sabotieren
Episodenbild: Public Domain: John Martin (1852); ESO; NASA/JPL-Caltech/MSSS/Simeon Schmauß
Oh ihr Ungläubigen… Ihr seid das Weltall.
Wenn ihr euch den Finger vor die Nase haltet, wird er mit der Entfernung deshalb kleiner, weil Einsteins Relativität schon auf diese Entfernungen greift – stellt euch eine Uhr vor, würde sie gleich groß bleiben, wenn ihr sie von euren Augen entfernt, müssten sich ja die Zeiger immer schneller drehen, um gleich schnell zu bleiben, bis sie irgendwann die Größe einer Galaxie hätte, deren Zeiger mit Überlichtgeschwindigkeit rotieren – würden die Zeiger aber immer mit gleicher Geschwindigkeit rotieren, während sie kleiner wird, wäre sie ja irgendwann so klein, dass sie auch überlichtschnell wären. Jemand sollte Einstein mal sagen, dass beide Phänomene existieren, sowohl in echt, wie auch als optische Täuschung, sodass man nie genau weiß, was man sieht.
Das Gleiche passiert ja mit der Astronautin – ihre Geschwindigkeit bleibt gleich, doch für den Beobachter werden ihre Kilometer immer kürzer. Perspektivische Verkürzung wie jede andere auch. Nur wird hier Raumbewegung in Zeitbewegung umgewandelt, die Meter werden kürzer, die Sekunden länger, sodass Sie viel schneller altern als sie und die Slow Motion Ihnen wie ein Standbild scheint. Wirkt so, als würde sie in Raum und Zeit an einer Wand zerquetscht wie ein Auto beim Crash-Test. Andere Verzerrung, aber die gleiche Physik, im Gummiversum aus lauter Blasen verzerren sich die Ballons auf alle möglichen Weisen, und die Ballons, die die Wirkung weiterreichen, tun es auch.
Alle Objekte verschwinden in einem Schwarzen Loch am Horizont und bleiben Ihnen in Erinnerung, wie sie zuletzt waren – das letzte Standbild friert ihre Wirkung auf Sie und Ihre Realitäts-Blase im kosmischen Quantenschaum ein. Es ist nur nicht immer und überall das gleiche Schwarze Loch und ein Loch saugt das andere aus, sodass man durchaus zurückkehren kann, außer die Masse frisst einen, zum Beispiel, weil man von den Zähnen einer Meute Wölfe verschlungen wurde. Und wenn man immer und überall von einem Schwarzen Loch umgeben ist, wo ist man dann?
Ich erkläre mir Schwarze Löcher ganz einfach mit Einsteins Gummituch – die kleineren Billardkugeln machen Dellen, die ganz schweren hängen durch wie Wassertropfen, an einem sehr langen, schmalen Faden/Tunnel, und ganz egal, wie viel Masse hinein rutscht, man sieht nur die wachsende Delle und den winzigen Punkt, wo die Masse unter die Raumzeit rieselt. Wenn man von 2D auf 3D und 4D und wieder zurück extrapoliert, ist das Universum eigentlich recht simpel gestrickt. Ich sehe im Weltall jedenfalls keine Abstraktionen, nur Konkrete. Abstraktionen sind deren Abbilder, die sie modellieren, aber Mathematik ist nicht die einzige Analogie, die man nützen kann – manchmal reicht es, sich mal umzusehen, bis man etwas sieht, das ganz genauso funktioniert aber leichter verständlich ist.
Wenn Sie sich Genaueres anschauen wollen, schauen Sie sich Europa an – was ein Schwarzes Loch für die Physik ist, ist die Schwarze Null für die Wirtschaft. Dass eine simulierte Realität aus Abstraktionen, die VR-Welt der Finanzmärkte, ein Paralleluniversum schafft, das zwar nur in unseren Köpfen existiert, aber über unsere Hände die materielle Welt mitreißt, finde ich interessant, denn ich sehe hier Parallelen zu anderen Verbrennungsvorgängen: Papier, Holz, Kohle, das Leichte infiziert das Schwere. Ich sehe Quantenphänomene, Information wird in die Vergangenheit teleportiert, Autofabriken materialisieren schon in China, bevor sie in Deutschland verschwinden, und und und.
Ich find’s wichtig, das Wissen der Ökonomen mit dem der Physiker abzugleichen. Denn wenn Geld nach oben fällt und sie dann einfach das Bild kippen, hat Geld Gravitation und jedes Brötchen wird sowohl zum Energiequantum, wie auch zum Graviton.
Den Mars werden wohl nicht Menschen kolonisieren, sondern weiße Mäuse mit KI-Upgrades. Mit denen können Sie nämlich experimentieren, ohne sich um Menschenrechte Sorgen zu machen, und wenn die erst mal von Ihnen weg sind und einen eigenen Planeten haben, warum sollten sie für die Quälerei dankbar sein und ihn Ihnen zurückgeben? Ich würde da eher ein paar echt große Mausefallen um die Erde aufstellen. Ob sie unsere Haustiere mitnehmen, die KI-Katzen, -Hunde, -Schweine?
Schweine im Weltall von der Muppet-Show – die realistischste Sci-Fi aller Zeiten! Naja. Das Tamagotchi hat sich einen Job gesucht und heißt jetzt Smartphone, das Kind wird erwachsen und trägt jetzt Zeitungen aus. Vielleicht fliegt ja die KI ohne uns hinaus. Und das Letzte, was die Astronautin sehen wird, sind die langen Gesichter von Miss Piggy und ihrem Chauffeur, die in der Erinnerung des Universums für alle Zeiten zum Foto erstarren, gefangen in dem Loch, aus dem sie gekrochen ist.
Zitat: Warum müssen Menschen dauerhaft auf dem Mars leben? Warum sollten sie? Und ein letzter abschließender und ganz und gar unweihnachtlicher Gedanke, der mir dazu auch neulich gekommen ist, ist ja nicht so, als ob jetzt irgendwie eine Milliarde Hanseln da irgendwie umziehen würden, sondern es wären ja wohl ausgewählte Menschen.
Immer noch träumen viele vom Menschen auf dem Mond oder eben auf dem vielleicht irgendwann gar terraformten Mars. Nur muss man sich bewusst sein, dass nicht nur der Mond, sondern auch der Mars eine denkbar schwierige Umgebung für Menschen ist und dass das Terraforming des Mars – wenn überhaupt möglich -, viele Jahrhunderte in Anspruch nehmen würde.
Kommt noch dazu, dass ja sogar kleine Mondkolonien erst in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu erwarten sind. Die NASA hat ihren Zeitplan für die Rückkehr zum Mond jedenfalls nicht einhalten können. Dauernde Raumstationen auf dem Mars rücken damit ebenfalls in die weitere Zukunft, sind wohl nicht vor Ende des 21. Jahrhunderts zu erwarten. Doch Ende des 21. Jahrhunderts könnten wir bereits in einer völlig anderen wissenschaftlich-technischen Umwelt leben, in einer, in der KI und humanoide Roboter all das übernehmen können, was heute Menschen tun. Und Roboter haben naturgemäss weniger Schwierigkeiten auf dem Mond oder Mars zu agieren. Damit rückt dann die Vision des KI-Pioniers Jürgen Schmidhusers immer in grössere Nähe. Jürgen Schmidhuser glaubt nämlich, dass das natürliche Habitat für KI und Roboter der Weltraum und seine Himmelsköper sind. Damit sind wir dann bei einer ganz andern Zukunftsvision für die zukünftige Raumfahrt und Himmelskörpererkundung und Himnelskörperbevölkerung angelangt, nämlich bei der Vision, dass der Mars und andere Himmelskörper in erster Linie von Robotern bevölkert werden und diese vielleicht in langwieriger Arbeit auch ein paar Habitate für den Menschen einrichten. Menschen wären damit nur Besucher auf Himmelskörpern, die vor allem von Robotern bevölkert sind. Das Energieproblem würde ebenfalls von der Mars-KI und ihren Robotern gelöst werden. Ende des 21. Jahrhunderts werden Fusionskraftwerke verschiedener Technologien (Fusion mit Magneteinschluss, aber auch Laserfusion) verfügbar sein und dem Wasser auf dem Mars kann ja das darin enthaltene Deuterium entnommen werden, genau wie das hier auf der Erde vorgesehen ist. Nur ist das so aufwendig, dass es auf dem Mars wohl nur mit einer grossen Zahl von Arbeitern erledigt werden kann. Und diese Arbeiter werden dann keine Menschen sein, sondern Roboter.
Im Artikel Künstliche Intelligenz wird das All erobern sagt Jürgen Schmidhuber dazu:
Hallo und guten Abend!
Zur Frage wie weit unterlegte Musik das Sprachverständnis stört [23:15]: Ich schaue mit Infotainmentsendungen des ZDF mittlerweile nicht mehr an, weil sie an den spannenden Stellen so mit Musik unterlegt sind, dass ich wichtige Details der Sprache nicht mehr verstehen kann. Ich habe das ZDF angeschrieben und mein Problem dargestellt. Die Antwort war für mich enttäuschend, man mache interessante Sendungen eben so und könne daran nichts ändern. Ich habe später auch einen ARD-Sender (Alpha?) wegen einer anderen Sendung angeschrieben, bei der mich eine Musikunterlegung beim Sprachverständnis gestört hatte. Von dort bekam ich ein Entschuldigungsschreiben. Man sei bemüht, die Technischen Produktionsrichtlinien einzuhalten, was im beschriebenen Fall offenbar nicht gut genug gelungen sei. Man wolle sich bemühen, solche Fehler in Zukunft zu vermeiden.
Und wenn man in die Richtlinien hineinguckt, findet man (Seite 16) folgendes:
[Zitat aus TPRF-HDTV 2016]
“2.2.1 Sprachverständlichkeit
Die Verständlichkeit des gesprochenen Wortes soll in der gesamten Produktionskette stets Vorrang
vor der dramaturgischen Gestaltung mit Musik oder durch hohe Dynamiken eingeräumt werden. [etc.]”
( https://www.ard.de/die-ard/TPRF-HDTV-2016-Technische-Richtlinien-zur-Herstellung-von-Fernsehproduktionen-in-HDTV-100.pdf )
Zur Frage Musikgenuss: Es macht mir Spaß, Musik zu hören. Wenn ich die Texte verstehen will, suche ich mir im Internet die Lyrics heraus. Das liegt aber auch manchmal daran, dass im Slang gesungen wird.
Vielen Dank für Ihren Podcast, es ist mir immer ein Vergnügen, ihn so wie er ist zu hören.
LG. Ludger
Besten Dank für die Bereitstellung des Transkripts für diesen Beitrag. Ich habe alles, was ich hier aufgreife dem Transkript entnommen. Danke auch für die Vielfalt der Themen. Hier konzentriere ich mich auf die Aussagen von Karl Urban zu Starlink und Starship.
Starlink&Starship: Nutzen und Probleme
Zitat 1: Karl zweifelt am vermeintlich wirtschaftlichen Geschäftsmodell von SpaceX, das derzeit bereits diverse dramatische Folgen auf das Gemeinwohl auf der Erde hat.
Zitat 2: Also das ist sozusagen der, oder dieser Konzern funktioniert wirtschaftlich dadurch, dass sie quasi ja ihre eigenen Satelliten starten, diese Starlink-Satelliten, die sie dann verwenden, um weltweit schnelles Internet anzubieten.
Zitat 3: Astronomische Beobachtung, da gab es jetzt kürzlich eine Meldung, dass jetzt nicht nur erdgebundene Teleskope davon betroffen sind, sondern auch so eher niedrig fliegende Teleskope wie Hubble, und da gibt es ja einige Weltraumteleskope, mittlerweile zu viele Satelliten im Blickfeld haben. Also das ist auch sozusagen gar nicht per se damit zu lösen, dass man irgendwie Teleskope ins All startet. Also da gibt es ganz viele Probleme und die werden alle so mit ausgefahrenen Ellenbogen durchgesetzt. Alle auch gegen diverse Bedürfnisse des Gemeinwesens, zum Beispiel von sauberer Luft und einer intakten Ozonschicht.
Der Schwarm von Starlink-Satelliten hat tatsächlich viel geändert und wenn das SpaxeX Projekt Starship (eine vollständig wiederverwendbare Rakete grosser Nutzlast) einmal funktioniert wird sich noch sehr viel mehr ändern, denn dann sinken die Kosten für den Nutzlasttransport in den Weltraum unter 100 Dollar pro Kilogramm.
Karl Urban thematisiert die Probleme für die Astronomie, die die vielen Satelliten mit sich bringen und die Umweltprobleme durch die aufsteigenden Raketen und er bezweifelt die Nachhaltigkeit etwa wegen der kurzen Lebensdauern der Starlink-Satelliten, denn die tiefliegenden Starlink-Satelliten sind nur gerade 5 Jahre im Orbit, anschliessend verglühen sie wieder beim Eintritt in die Atmosphäre.
Hier meine Überlegungen dazu:
– der Nutzen der Starlink-Satelliten für die Telekommunikation ist nicht zu unterschätzen, denn erstmals wird es möglich an beliebigen Punkten der Erde Nachrichten (bis hin zu Internet) zu empfangen und zu senden – und das ohne Netz von Mobilfunktürmen auf der Erdoberfläche. Viele abgelegene ländliche Regionen können damit erstmals Breitbandinternet nutzen. Aber auch Schiffe nutzen jetzt Starlink und Fluggesellschaften wollen mittels Starlink Mobilfunk und Internetanschluss auf ihren Flügen anbieten. Ganz neu sollen über Starlink sogar Standard-Smartphones Nachrichten empfangen und senden können.
– dass Starlink-Satelliten nach 5 Jahren schon herunterkommen und dann ersetzt werden müssen hat nicht nur Nachteile. Ein grosser Vorteil der sehr niedrigen Orbits der Starlink-Satelliten ist es, dass sie damit nicht zum Weltraumschrott beitragen. Je höher nämlich die Satellitenbahn, desto länger bleiben die Satelliten im Orbit und desto schlimmer auch wirken sich Kollisionen von Satelliten mit anderen Objekten im Orbit aus und es könnte sich sogar ein Kessler-Syndrom entwickeln (Kollisionskaskadierung= ein Orbit ist voller Trümmer und zerstört jeden Satelliten).
Einschätzung: die geplanten insgesamt 40‘000 Starlinksatelliten dürfen unter den heutigen Umständen (keine Müllabfuhr im Orbit) nur in niederen Orbits kursieren, denn nur in niederen Orbits sind sie keine langfristige Gefahr für andere Satelliten. Dass Starlink-Satelliten alle 5 Jahre ersetzt werden müssen ist beim heutigen Technikstand zudem nicht allzu schlimm, denn die alten Satelliten werden durch bessere ersetzt, da die Technologie fortschreitet.
– dass Starlink-Satelliten astronomische Himmelsbeobachtungen stören ist sicher ein Problem. Betroffen sind vor allem Instrumente, die einen grossen Himmelsbereich abbilden, denn je weiter der Beobachtungswinkel desto wahrscheinlicher wird es, dass mindestens ein Starlinksatellit das Bild stört. Das Vera-Rubin Teleskop ist besonders betroffen. SpaceX hat als Antwort darauf die Reflektivität der Satelliten vermindert und das Vera-Rubin Teleskop selbst will mittels Algorithmen die Störungen reduzieren.
Einschätzung: der Nutzen für die Telekommunikation steht dem Schaden für die Astronomie entgegen. Eine Güterabwägung.
– ein ernsthafter Schaden für die Atmosphäre durch häufige Raketenstarts, der wird sich wohl erst einstellen, wenn Starship „produktiv“ wird, wenn also Starships im Wochen- oder gar Tagesrhythmus starten.
Einschätzung: Häufige Raketenstarts könnten Einflüsse auf die Atmosphäre haben. Was aber sicher jetzt schon die Atmosphäre stark beeinflusst sind die vielen Flugzeugstarts, denn jede Sekunde hebt ein Verkehrsflugzeug ab (100‘000 Flugzeugstarts pro Tag). Dieses Problem muss sicher noch studiert werden
– Neu schwärmen mehrere grosse KI-Firmen (google, OpenAI, Tesla/XAI) von Datenzentren im Orbit, denn auf sonnensynchronen Orbits könnte eine grosse Photovoltaikfläche ununterbrochen Strom liefern für KI-Chips. Nicht einmal Batterien wären nötig um den Strom zwischenzuspeichern. Es sind bis 5 Kilometer Mal 5 Kilometer grosse PV-Flächen in mittleren Orbits geplant, die den Strom für das KI-Training liefern. Gemäss google muss der Nutzlast-Transportpreis lediglich unter 200 Dollar pro Kilogramm sinken, damit solche orbitalen Rechenzentren möglich werden.
Einschätzung: Datenzentren im All in mittleren bis höheren Orbits könnten nicht nur astronomische Probleme verursachen, sondern auch das Kollisionsrisiko stark erhöhen. Nichts aber ist schlimmer als eine Kollision von Objekten in mittleren und höheren Orbits. Allerdings werden die Besitzer der orbitalen Datenzentren sicher alles unternehmen, damit es nicht zu Kollisionen kommt, denn sie hätten viel zu verlieren. Ein weiteres Problem wären dann die häufigen Raketenstarts für den Materialtransport.
Danke für die Gedanken. Eine Ergänzung: Der Schaden durch wieder eintretende (“verglühende”) Satelliten ist aktuell eine offene wissenschaftliche Frage. Da geht es um das in einem Satelliten häufigste Element Aluminium, das in hohen Atmosphärenschichten bereits messbar und über dem natürlichen Hintergrund angereichert wird und katalytisch den Abbau von Ozon antreiben könnte.
Ich empfehle dazu AstroGeo-Folge 99:
https://astrogeo.de/aluminium-im-himmel-wie-satelliten-die-ozonschicht-gefaehrden/
Der Traum von den Mond-und Marskolonien
Warum thematisiert Karl Urban in diesem und wohl auch anderen Podcasts die Vision von den auf den Mond oder auf den Mars Ausgewanderten, von Menschen gar, die dort geboren wurden und nichts anderes kennen?
Auf diese Frage, die Frage nach dem Warum gewisser Visionen, gewisser Ideen, gibt Yuval Harari in seinem Buch „Nexus“ eine Antwort, die mich immer mehr überzeugt: Gemäss Harari sind des Geschichten, die nacherzählt und immer besser ausgeschmückt werden, welche Ideen und Visionen eine eigene Realität, eine Realität in der Welt der von vielen geteilten Ideen gibt. Jede Religion etwa basiert auf überlieferten und geteilten Geschichten, aber auch ein Staat wie Israel verdankt seine Existenz Ideen, die in immer mehr Köpfen Gestalt annahmen. Yuval Harari sagt dann auch, dass vermeintlich technisch-physikalische Projekte zwar von Technikern und Naturwissenschaftlern realisiert werden, aber den Auftrag das zu tun, bekommen sie fast immer von Politikern und anderen „Geschichten“-Erzählern. Politiker bestimmen ob und wann Atombomben, Staudämme oder Brücken gebaut werden, sie bestimmen wo die Landesgrenzen sind und was noch zum Einflussbereich gehört. Techniker/Wissenschaftler sind nur Beauftragte, die diese Visionen umsetzen.
Angewandt auf die Visionen von Mond- und Marskolonien, so sind diese Visionen in viele Köpfe infiltriert worden, etwa
1) darüber, was Menschen für Auswanderungs- und Kolonisierungsgeschichten parat haben, etwa in der Idee des „Wilden Westens“, des Frontier-Mans, etc.
2) Mond- und vor allem Marskolonien sind Thema vieler Science Fiction-Romane und Science Fiction hat ja sogar technische Produkte beeinflusst und mitgeprägt (iPhone, Cybertruck, Lab-On-a-Chip : Tricorder).
Zu den bekannten Marsromanen gehören etwa „Die Mars-Chroniken“, „Die Mars Trilogie“, „Der lange Mars“, oder „Der Marsianer“, ein verfilmter Roman über einen gestrandeten Marsianer.
Diese Romane und Verfilmungen wirken unbewusst weiter und lassen dann Personen wie Karl Urban glauben, Marskolonien seien etwas, was kommen müsse. Schliesslich hat man es ja sogar im Kino gesehen.
Kurzum: Viele Visionen, die uns umtreiben, wie etwa die Vision von den Marskolonien entstehen über populäre, von vidle geteilten Fiktionen. Ob diese Fiktionen der harten Realität standhalten, diese Frage muss immer irgendwann beantwortet werden. Menschen auf dem Mars etwa sind durchaus denkbar, allerdings mehr in der Form von Astronauten als in der Form von „Mars-Cowboys“.
Brian Cox: Why Going to Mars Is PHYSICALLY IMPOSSIBLE
Der britische Physiker Brian Cox legt im you-tube Video Why Going to Mars Is PHYSICALLY IMPOSSIBLE dar, (Zitat) warum es physisch unmöglich sei, Menschen zum Mars zu schicken – und das wegen der grundlegenden Grenzen von Physik, Entfernung, Strahlung, Schwerkraft und der menschlichen Biologie.
Mein Urteil: Mit heutiger Technologie ist es wegen den grossen Distanzen, langen Reisedauern und vor allem der Biologie des Menschen, tatsächlich unrealistisch von baldigen Marskolonien zu träumen. Allerdings ist es heute schon möglich Roboter zum Mars zu schicken und die Marsrover, die auf dem Mars herumkreisen sind ja Roboter. Allerdings sind es noch Roboter mit sehr wenig Autonomie.Die heutigen Marsrover unternehmen und planen nichts – alles, was sie tun wird ihnen als Auftrag von der Erde zugefunkt. Doch genau das kann sich mit zukünftigen Ronotergenerationen radikal ändern. Es ist absehbar, dass zukünftige Roboter auf dem Mars sich selbstständig Ziele setzen können, dass sie dort etwa Rohstoffe abbauen und Bauten errichten können. Und diese von Robotern errichteten Bauten können dann wohl auch von menschlichen Astronauten genutzt werden, ja es könnte sich mit robotischer Hilfe sogar eine kleine Kolonie von menschlichen Besuchern auf dem Mars etablieren. Doch ohne intelligente, autonome Roboter ist eine nur von Menschen und ein paar von ihnen gesteuerten Maschinen tatsächlich unrealistisch.
Ergänzung: gemäss Brian Cox kann Starship mit den geplanten Treibstoffmengen und der für die Versorgung der Marsastronauten nötigen Nahrung und dem nötigen Trinkwasser keine erfolgreiche Marsmission durchführen und das nicht einmal dann, wenn nur eine Handvoll Marsastronauten versorgt werden müssen.
In Why It’s IMPOSSIBLE for SpaceX Starship to Reach Mars | Brian cox rechnet Brian Cox alle wichtigen Punkte durch vom benötigtem Delta-V bis zu den nötigen Nahrungsmittelmengen und Trinkwassermengen, den Reisezeiten (6-9 Monate Hinreise, 18-24 MonatenAufenthalt auf dem Mars, 6-9 Monaten Rückreise) und er zeigt quantitativ, dass es mit den heutigen Starship-Tanks und der heutigen Nutzlastkapazität unmöglich ist, mit dem Starship eine Hin-und Rückreise zu absolvieren.
Beurteilung: Brian Cox hat unzweifelbar recht, aber SpaceX und auch Elon Musk wissen das schon längst und wenn sie überhaupt eine Marsmission durchführen, dann nicht mit Astronauten sondern mit einem humanoiden Roboter. Dann braucht es weder Trinkwasser noch Nahrung und auch eine Rückreise ist nicht nötig.
@ Martin Holzher und alle und zu
“….Jede Religion etwa basiert auf überlieferten und geteilten Geschichten,….” (Ende Halbzitat)
Woher wissen Sie eigentlich so genau, ob alle Religionen wirklich “nur” darauf basieren ?
“….aber auch ein Staat wie Israel verdankt seine Existenz Ideen, die in immer mehr Köpfen Gestalt annahmen….” (Ende Halbzitat)
Eine wirklich sehr poetische Umschreibung bzw. Beschreibung von meist menschenverachtenden Ideologieen mit völkisch – biologistischem und
national- religiös -kulturellem Hintergrund bzw. Ursprung.
Wie kommt es nur, dass all das in “Köpfen ” einfach (zufällig?) so “Gestalt annahm und immer noch Gestalt annimmt?
@little Louis (Zitat) „Woher wissen Sie eigentlich so genau, ob alle Religionen wirklich “nur” darauf basieren ?“
Da gebe ich ihnen recht: es wäre zu viel behauptet, dass Religionen „nur“ auf überlieferten Geschichten basieren. Was aber Religionen sicher voneinander unterscheidet, sind die überlieferten Geschichten und die Ideen, die dahinter stecken. Im Islam unterscheidet man dann noch explizit zwischen Religionen, die die Überlieferung in „heiligen“ Büchern festhalten und den Religionen, die das nicht tun. Die Islam-Gelehrten sprechen von „Religionen des Buches“ und zählen diese (Judentum, Christentum, Islam) zu den höheren Religionen, zu den Religionen, die ernst genommen werden müssen. Alle Anhänger von anderen Religionen sind für Islam-Anhänger einfach „Heiden“, die nicht ernst genommen werden müssen. Das (ursprüngliche) Christentum denkt da ganz ähnlich. Auch es kennt Heiden und von „Heide“ zu „Barbar“ war es für das ursprüngliche Christentum kein weiter Weg.
@ Martin Holzherr
Nun ja – in die “abrahamitischen Buchreligionen “wurden alle Möglichen (meist älteren) antiken Geistesströmungen bzw mythischen Traditionen integriert. Bis hin zum “persischen” Zoroas -trismus”. Gerade auch in das griechisch geprägte Frühchristentum . Einen Teil des Aspekts zeigt auch ein Buch-Rezensions -Artikel aus dem Portal “Infosperber” mit der headline:
kontertext: Jüdisch-islamische Umarmungen
Felix Schneider © zvg
Felix Schneider / 28.12.2025 Eine Ausstellung in Hohenems widmet sich dem jüdischen Orientalismus und den Gemeinsamkeiten zwischen Judentum und Islam.
Zitat:
“….Wenn man davon eine Aufnahme machen würde, würde man nichts sehen, weil, wie gesagt, das schwarze Loch selber strahlt nichts aus. Das ist auch vielleicht die Hawking-Strahlung, die man nicht beobachten kann, wenn es sie gibt. Und deshalb sind alle Beobachtungen trotzdem nur indirekt. Aber diese Aufnahmen, es ist die Aufnahme von einem schwarzen Loch.” (Zitatende)
Wirklich herzlichen Dank an die beiden Wissenschaftsblogger:
Nach jahrelangem auf Unverständnis beruhendem sketischem Zweifeln hab ich jetzt endlich halbwegs verstanden, um was es geht:
Wenn ich die Täterschaft eines Diebes während seines nachtdunklen Raubzugs beweisen bzw. dokumentieren will, brauch ich also nur seine nähere und weitere Umgebung zu fotografieren. Und schon wird mir der Staatsanwalt und noch viel mehr der Richte ohne Infragestellung meiner Ermittlungsmethoden sofort glauben, dass ein von mir benannter ebenfalls nachtdunkel gekleideter Mensch der alleinge Täter sein muss. Genial !
Megasatelliten-Konstellationen und das Kessler-Syndrom
Zitat Karl Urban: „Aber diese Satelliten sind nicht für Jahrzehnte gebaut, was man bei Satelliten ja durchaus machen kann, sondern für maximal fünf Jahre, viele sogar kürzer.“
Antwort: Die Starlink-Satelliten arbeiten nicht für Jahrzehnte, das stimmt. Aber nicht darum, weil sie so schlecht und kurzlebig gebaut sind, sondern weil sie in sehr tiefen Orbits kreisen, in Umlaufbahnen wo es noch eine Restatmosphäre gibt, die die Satelliten abbremst und schliesslich zum Absturz bringt (Deorbiting). Gemäss google-KI gilt folgendes:
Mit andern Worten: Starlinksatelliten, die in 550 Kilometer Höhe fliegen, schaffen es 5 Jahre im Orbit zu bleiben. Und das ist bereits sehr lange, denn sogar in 550 Kilometer Höhe gibt es noch eine Restatmosphäre. Diese lange Lebensdauer von 5 Jahren in einem 550 Kilometer Orbit ist dem Design der Starlink Satelitten zu verdanken.
Nun zur Gefahr eines Kessler Syndroms durch Satellitenkollisionen. Die mehr als 10‘000 Starlink-Satelliten könnten ein Kessler-Syndrom auslösen, wenn sie miteinander kollidieren und dass das passiert ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn es sind sehr viele Satelliten und diese Satellitten müssen jetzt bereits mehrmals täglich Flugkorrekturen durchführen, damit sie sich nicht mehr als auf einen Kilometer einem bekannten Objekt im selben Orbit annähern.
Gemäss Litter in Orbit: How to clean up Space junk von Jonathan McDowell gilt folgendes:
Kurzum: Je mehr Starlink-Satelliten in einem bestimmten Orbit fliegen desto wahrscheinlicher wird ein Kessler-Syndrom, also eine Vermüllung des Orbits durch Kollissionstrümmer. Doch weil die Starlink-Satelliten sehr niedrig sind, würde sich das Kessler-Syndrom nach einigen Jahren von selbst erledigen, weil nach einigen Jahren alle Trümmer auf die Erde abgestürzt wären. Ganz anders aber sieht es aus, wenn sich ein Kessler-Syndrom in 800 Kilometer Höhe oder noch weiter aussen ereignet. Ein Kessler-Syndrom in 800 Kilometer Höhe oder höher könnte auf viele Jahrzehnte hin es unmöglich machen, dort wieder Satelliten kreisen zu lassen.