AstroGeo Podcast: Von Marskanälen zum Wolkenatlas – dünne Luft auf dem Mars

Düstere Landschaft: Ein Bergrücken, der dunkel, aber leicht rötlich erscheint, darüber ein grauer Himmel mit diffusen Wolkenformationen.

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Am 15. Juli 1965 kommt es in den Räumen des Jet Propulsion Laboratory der NASA in Kalifornien zu einem Showdown: Drei Männer betrachten eine der ersten Aufnahmen der Marsoberfläche, welche die Raumsonde Mariner 4 nur wenige Stunde zuvor beim Vorbeiflieg aus der Nähe gemacht hatte. Ein Foto vom Mars – eigentlich ein großartiger Erfolg für die Wissenschaft! Und doch war jene Aufnahme eine riesige Enttäuschung – denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und jenes Bild der Marsoberfläche sagte den NASA-Vertretern: Der Mars ist ganz anders als gedacht – und vor allem ist er kalt und tot. Das Bild zeigte, dass es wohl kein weit verbreitetes Leben auf dem Mars gibt, was vor allem mit seiner Atmosphäre zusammenhängt.

In dieser Folge erzählt Karl eine kleine Geschichte der Mars-Atmosphäre. Die Astronomen der Antike sahen beim Mars zunächst nicht mehr als einen rötlichen Wandelstern, der in Schleifen übers Firmament läuft. Und während auch die ersten Astronomen der Neuzeit nur wenige Details des Planeten in Erfahrung bringen konnten, so waren sie doch überzeugt: Der Mars ist eine belebte Welt, die der Erde ähneln sollte.

Doch bis ins 20. Jahrhundert hinein wussten Forscherinnen und Forscher lediglich: Die Tage auf dem Mars sind vergleichbar lang wie auf der Erde (24 Stunden und 37 Minuten), der Planet besitzt vermutlich Polkappen und Jahreszeiten. Der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli hatte im 19. Jahrhunderte lange Linien beschrieben, die er canali nannte und die folgende Generationen über die Möglichkeit einer marsianischen Zivilisation spekulieren ließen. Doch die Voraussetzung für solches Leben auf dem Mars wäre, dass diese Außerirdischen Luft zum atmen hätten. Die Aufnahmen der NASA-Sonde Mariner 4 aus dem Jahr 1965 bereitete all diesen Mutmaßungen ein abruptes Ende: Auf ihnen erschien der Rote Planet als tote, kalte und tiefgefrorene Welt mit einer extrem dünnen Atmosphäre.

Dass in der kaum vorhandenen Marsluft dennoch etwas passiert, wurde zwar früh erkannt, war aber nie genauer untersucht worden. Marsianische Wolken bestehen aus Eiskristallen und waren eher ein Störfaktor für Kameras, die eigentlich Krater, Canyons oder Flusstäler der festen Oberfläche fotografieren sollten. Erst 2018 gibt ein spanischer Doktorand Anlass, die Marswolken genauer zu untersuchen. Jorge Hérnandez-Bernal findet am Riesenvulkan Arsia Mons eine extrem lange Wolke, die über die letzten Jahrzehnte immer zu einer bestimmten Jahreszeit wiederkehrt.

Diese Entdeckung von Hérnandez-Bernal motiviert schließlich ein Team um Daniela Tirsch vom Institut für Weltraumforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt genauer nachzusehen. Die europäische Raumsonde Mars Express hatte seit 2003 tausende Bilder gemacht. Und damit gelingt etwas, was sich die NASA-Mitarbeitenden aus dem Jahr 1965 kaum hätten vorstellen können: der allererste Wolkenatlas einer außerirdischen Welt.

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Quellen

Episodenbild: NASA/JPL-Caltech/MSSS/Simeon Schmauß

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Karl Urban wäre gern zu den Sternen geflogen. Stattdessen gründete er 2001 das Weltraumportal Raumfahrer.net und fühlt sich im Netz seitdem sehr wohl. Er studierte Geowissenschaften und schreibt für Online-, Hörfunk- und Print-Publikationen. Nebenbei podcastet und bloggt er.

2 Kommentare

  1. Wenn ich mir Menschen im All vorstelle, stülpe ich sie um – die Sonne samt Ökosystem kommen von Außen nach Innen. Sprich, ich reiße ihnen die Lungen heraus, stecke einen Nuklearreaktor rein plus ein paar Gadgets, die Quasi-Photosynthese und Quasi-Landwirtschaft betreiben, das heißt, aus CO2 und anderen Abfallstoffen wieder Sauerstoff, Zucker usw. machen. So könnte ich massiv an Futter und Windeln sparen, auch wenn’s immer noch nicht ohne gehen würde.

    Sobald sie zurück auf Erden sind, kriegen sie ihre Lungen zurück. Was die Natur von Ihnen hält, zeigt sie Ihnen durch Ihre Bauweise, alles, was ihr wichtig ist, baut sie aus Modulen, mit leicht austauschbaren Ersatzteilen. Meine Zellen werden ausgetauscht, Menschen in der Gesellschaft werden ausgetauscht, doch ich als Individuum bin nur als Ersatzteil geschaffen, nicht als vollwertiges Wesen. Und bevor ich in dem Saftladen den Fußabtreter mache, befördere ich mich lieber selber, mit Plug’n’Play-Anatomie.

    Nach einem ähnlichen Schema könnte sich auch Leben auf Planeten ohne Atmosphäre entwickeln. Es beginnt in unterirdischen Höhlen, wo Wasser auf Geothermie trifft, dort entstehen die ersten Bakterien (oder so was in der Art). Von dort aus frisst sich das Leben ins Gestein, erzeugt eine Art Wurzelwerk, das verschiedene Pfützen verbindet, unterirdische Marskanäle (wie nennt man die Erde des Mars? Marde? Erse? Merde, je le ne sais pas), vielleicht auch eingeschlossene Gasblasen. Sehr viele Höhlen, in denen Geothermie Leben ermöglicht, das vielleicht sogar schon hier und da mit Sauerstoffatmung experimentiert, die aber nur durch improvisierte Klempnerarbeit miteinander vernetzt sind, würden eine weitaus größere Vielfalt von Ökosystemen ermöglichen, als es die Erdoberfläche tut, da es den Petri-Schalen viel schwerer fallen würde, die Konkurrenz aufzufressen. Dafür dürfte es umso mehr Drama und Culture Clash geben, wenn sie sich durch die Trennwände in ihrem Riesen-Wohnblock fressen.

    Falls sich solche Blasen sehr, sehr lange jede für sich entwickeln und dann plötzlich anfangen, einander aktiv anzugreifen, wären sie füreinander biologische Waffen – Raumfahrt per Bergbau, jedes Ökosystem ein neuer Planet, voller neuer Gifte, Krankheiten, Allergene, Raubtiere und Parasiten. Solches Leben hätte schon Raumanzüge, bevor es die Oberfläche erreicht. Da es aber einen gemeinsamen Ursprung hätte, wäre es vermutlich fähig, einander zu verdauen, weswegen sich die Mühe lohnen würde. Das Wettrüsten würde die Evolution boosten, und, anders als auf Erden, wäre man plötzliche, extreme Sprünge gewohnt – Afrika und Kanada sind einander recht ähnlich, weil da keine Mauer dazwischen ist, dagegen kann schon die Grenze zwischen Luft und Wasser ganze Welten trennen, und unter der Erde gibt’s viele noch radikaler getrennte Welten.

    An der Oberfläche ist das größte Problem wohl die Strahlung. Also könnte das Leben erst mal ähnlich wie Korallenriffe wachsen: Winzige Lebensformen quellen als Pfützen aus Ritzen heraus, die oberste Schicht stirbt schneller als die untere, da die untere etwas geschützter ist und die Leichen fressen kann, bevor sie selbst stirbt und wiederum neue Aasfresser anlockt. So entstehen Schindeln, die von unten nach oben gedrückt werden, Tierchen, die unten seitwärts herausgedrückt werden, kriechen über sie hinweg und erzeugen neue, bis der ganze Planet von schützenden Dächern bedeckt ist, die natürliche Raumstationen mit mehreren Etagen erzeugen.

    All die Strahlung, die den Planeten trifft, muss zu Wärme werden können, damit das Geschäft blüht. Falls dann komplexere Lebensformen oder Ökosysteme um die Sonne konkurrieren, könnten sie Stiele entwickeln, um übereinander hinauszuwachsen wie die Bäume, sodass ich mir das Ganze wie einen Mars mit Pilzbefall vorstelle.

    Was dann? Natürliche Raumfahrer. So etwas wie Taucher, die aus der Tiefe auf das Dach kriechen, die Luft oder das Wasser oder was auch immer sie atmen so lange anhalten können wie Delfine, die schnell reisen wollen, statt sich durch den Berufsverkehr im engen Labyrinth zu quetschen, und zu dem Zweck lernen, die Strahlung eine Weile zu ertragen. Vielleicht macht sie ihnen auch gar nichts mehr aus.

    Natürlich würde solches Leben Ausdünstungen erzeugen, was dann doch zu einer Atmosphäre führen würde. Aber es ist gut möglich, dass das Ökosystem Methoden entwickelt, die Dächer zu flicken, um zum Beispiel Wasser zu sparen. Oder dass er so kalt ist, dass alle Gase gefrieren und die Pilze als Sonnenkollektoren aus der Eisschicht herauswachsen, erst mal um Vulkane herum. Es ist auch möglich, dass das Leben sehr, sehr lange unter der Oberfläche evolviert, bevor es einen Weg nach draußen findet, sodass dann recht plötzlich hoch entwickelte Lebensformen auf der Oberfläche spazieren. Wenn ich mir Evolution auf dem Mond vorstelle, wäre ein solches Szenario sogar wahrscheinlicher – da muss man schon viel auf dem Kasten haben, um sich ans Tageslicht zu trauen. Und eine Atmosphäre halten kann der mit seiner mickrigen Gravitation sowieso kaum.

    Natürlich denkt man da als Sci-Fi-Freak vor allem an intelligentes Leben. Wie würde es aussehen? Was wäre, wenn der erste Mondmensch die Mondoberfläche am gleichen Tag betreten hätte wie Armstrong, mit Tauchanzug und Tauchhelm, aus dem hinten ein Schlauch ragte, durch das ihn seine Artgenossen mit Atemwasser versorgten? Ein kleiner Schrtt für einen Mondhöhli, ein großer Schritt für die Mondhöhliheit? Vielleicht hätten sie einander sogar gesehen, wenn da nicht ein riesiger Stein im Wege gewesen wäre?

    Naja. Chance wohl vertan. Aber auf dem Mars gibt’s noch eine. Die Marsianer sollten sich sputen, denn der Musk schläft nicht. Und was soll ein Rassist auf dem Mars, wenn er dort keinen zum Hassen hat? Dann kommt der ja wieder, und wer will das schon? Eine der wichtigsten Triebkräfte, die den Menschen um den Globus und ins All treibt, ist, dass er durch und durch ein Asi ist, es aber verflucht schwer ist, vor sich selbst wegzulaufen.

    Was verbirgt sich eigentlich unter der Erdoberfläche? In all den Höhlen, in die das Leben über Jahrmillionen gesickert sein muss? Vielleicht ist’s eine Frage von Geologie, Masse, Zusammensetzung eines Himmelskörpers, ob ein Szenario wie hier beschrieben möglich ist.

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