Proton M startet bei Nebel

BLOG: Astra's Spacelog

Raumfahrt: Informationen – Meinungen – Hintergründe
Astra's Spacelog

Beim bereits 60. Weltraumstart dieses Jahres brachte eine russische Trägerrakete des Typs Proton M Breeze M am späten Samstagabend den schwedischen Kommunikationssatelliten SIRIUS 4 in einen geostationären Transferorbit. Damit war die vierte Mission des Jahres für International Launch Services (ILS), welche die Proton international vermarktet, erfolgreich. Die dritte ILS-Mission, am 6. September mit dem japanischen Kommunikationssatelliten JCAT 11, war dagegen gescheitert. Damals konnte wegen einer fehlerhaften Verkabelung  die Sprengschnur für die Trennung von erster und zweiter Stufe nicht aktiviert werden. Immer wieder sorgen Fertigungs- und Qualitätskontrollprobleme in Russland für Fehlstarts, ein Umstand, den die internationalen Kunden der russischen Raketen heftig kritisieren.


Insgesamt ist es aber schon der fünfte Proton-Einsatz  in diesem Jahr, denn eine Mission, der Transport von drei Glonass-Navigationssatelliten für das russische Militär, lief nicht unter der Ägide von ILS.

Die von Chrunitshev gebaute, beim Start fast 700 Tonnen schwere und fast 60 Meter hohe Proton M Breeze M startete um 23:39 Uhr in der Samstagnacht bei dichtem Nebel von der Startrampe 39 des Kosmodroms in Baikonur. Nach einer Missionsdauer von 9 Stunden und 13 Minuten gab die Breeze M Oberstufe den Satelliten im geostationären Transferorbit frei.
Zählt man alle Versionen dieses Trägertyps zusammen, dann war dies schon der 329. Start einer Proton, deren Einsatzgeschichte bis mitte der sechziger Jahre zurück geht.

Der Träger führte das typische Brennprofil der Proton M Breeze M durch, bei dem die Oberstufe viermal aktiv ist. Zunächst bringen die ersten drei Stufen des Trägers die Breeze und den Satelliten auf die Standard-Trajektorie, eine suborbital Bahn, die nach einer halben Erdumkreisung wieder in die Erdatmosphäre zurückführen würden, wenn nicht die Breeze M mit ihrer ersten Brennperiode zum Einsatz käme und die Kombination in einen kreisförmigen Parkorbit mit einer Bahnhöhe von 173 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 51,5 Grad bringen würde. Bei drei weitere Zündungen brachte die Breeze Sirius 4 schließlich auf eine elliptische Bahn mit einem höchsten Bahnpunkt von 35.786 Kilometern, einem niedrigsten Bahnpunkt von 7.030 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 17,3 Grad.

Nach der Trennung von der Oberstufe wird das Raumfahrzeug mit seinem eigenen Antriebssystem innerhalb einiger Tage die Bahn auf einem geostationären Orbit zirkularisieren. Sirius 4 wird dann Anfang Januar auf einer Position bei 5 Grad östlicher Länge seinen Dienst aufnehmen.

Sirius 4 wurde von Lockheed Martin auf Basis des A2100 AX Satellitenbus gebaut. Die Masse des Raumfahrzeugs betrug beim Start 4.385 Kilogramm.  Es war bereits der 10. Lockheed Martin 2100 Satellit, der mit einer Proton in den Orbit gebracht worden war.

Sirius 4 ist ein Mehrzweck-Kommunikationssatellit, der Telekommunikationsdienste speziell für die baltischen Regionen aber auch für  Nordafrika zur Verfügung stellen soll. Er ist mit 52 aktiven Ku-Band  und 2 aktiven Ka-Band-Transpondern ausgerüstet, und für eine aktive Lebenszeit von 15 Jahren konzipiert.

International Launch Services ist ein russisch-amerikanisches Joint Venture zwischen Space Transport Inc. und Chrunitshev. Das Unternehmen vermarktet die Proton (und künftig auch die Angara) exklusiv und weltweit mit Ausnahme der Anwendungen innerhalb Russlands.

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis ereignete sich 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 2003 erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "Interkontinentalraketen". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, drei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 15-20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

Schreibe einen Kommentar