Kick it like Einstein: Oh Eun Sun, Yi So-yeon und der Fall Ko-San

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Ende April ging folgende Meldung durch die Presse: „Oh Eun Sun ist am Ziel ihrer Wünsche. Die südkoreanische Alpinistin hat als erste Frau auf den Gipfeln der 14 höchsten Berge der Erde gestanden. Bei ihrer Ankunft auf dem 8091 Meter hohen Anapurna im Himalaya übertrugen Live-Kameras Bilder des Triumphs. Die Expedition auf den gefürchteten Anapurna wurde zum zentralen Medienereignis in Südkorea. Täglich brachte der öffentliche Fernsehsender KBS einen Lagebericht live aus Ohs Höhenlagern. Als sie auf dem Gipfel stand, riss sie die Arme hoch und bedankte sich bei "allen, die mich unterstützt haben". Sie wolle die Ehre mit allen Koreanern teilen. Die Regierung in Nepal sah sich zunächst zu keiner Reaktion imstande. Man habe noch nicht unabhängig überprüft, ob Oh tatsächlich auf dem Gipfel gewesen ist, hieß es recht verhalten aus Katmandu“.

Wahrscheinlich hat Oh Eun Sun sowohl den Anapurna als auch die 13 übrigen Achttausender auf diesem Planeten tatsächlich bestiegen. Doch ihren Gipfelsiegen haftet ein „G’schmäckle“ an. Nicht jeden Aufstieg hat die Alpinistin eindeutig dokumentiert. Von ihrer Besteigung des Kangchendzönga im letzten Jahr beispielsweise gibt es praktisch kein verwertbares Bild. Dafür hatte sie dieses Mal gleich ein ganzes Filmteam mit dabei, das ihre Tour live übertrug.

Nicht nur das Filmteam, sondern auch die Bergsteigerin selbst waren mit Sauerstoffgeräten ausgerüstet. Frauen wie die Spanierin Edurne Pasaban, die bislang 13 Gipfel zu verzeichnen hat, oder die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, der noch zwei Achttausender fehlen, sind als Verfechterinnen des Alpinstils stets ohne zusätzlichen Sauerstoff, Fixseile und Träger unterwegs.

Halten wir somit fest: Es gibt mindestens zwei Arten, einen Gipfel zu erreichen. Geht es nur darum, oben anzukommen, ist Eh Eun Suns Methode nicht schlechter als die von Pasaban oder Kaltenbrunner. Darüber hinaus ist sie auch noch Effizienter. Nur vielleicht nicht ganz so sportlich.

Und nun zur Raumfahrt.

Am 10. Oktober 1989 wurde die koreanische Raumfahrtagentur gegründet. Sie trägt den Namen KARI (Korean Aerospace Research Institute) und hat das Ziel, Südkorea im Rahmen eines strammen, exakt durchgeplanten Programmes innerhalb kürzest möglicher Zeit auf dem Gebiet der Raumfahrt vom Stand Null ins Weltspitzenfeld zu bringen. KARI begann umgehend mit der generalstabsmäßigen Vorbereitung der zu diesem Zweck zu bestellenden Felder: Erdbeobachtung, Telekommunikation, bemannte Raumfahrt, Missionen zu Mond und Planeten und das alles gedüngt mit  Grundlagenforschung, Komponenten- und Subsystementwicklung.

Die Regierung stattete das KARI mit fürstlichen Budgets aus, und erwartete im Gegenzug schnelle Erfolge. Doch in der geforderten Geschwindigkeit war der Berg nicht zu erklimmen, und so musste den noch nicht entwickelten eigenen Fähigkeiten da und dort mit Mitteln auf die Sprünge geholfen werden, die nicht dem klassischen Alpinstil entsprechen sondern eher einer Seilbahnfahrt.

Als erstes machte sich das KARI an die Technologie-Entwicklung. Dazu wurden zwei Satelliten bei der britischen (heute in Astrium-Besitz befindlichen) Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL) bestellt, einem Unternehmen das für seine Kleinsatelliten bekannt ist. Die Mini-Raumfahrzeuge trugen die Bezeichnung Kitsat 1 und Kitsat 2 und wogen jeweils um die 50 Kilogramm. Im August 1992 und im September 1993 wurden sie als so genannte Piggyback-Nutzlasten bei Ariane-Flügen in den Erdorbit transportiert. Neben einer Datenrelay-Einrichtung für Amateurfunker verfügten sie jeweils über zwei Kamerasysteme zur Erdbeobachtung. Der südkoreanische Beitrag beschränkte sich im Wesentlichen auf die Entwicklung einer der beiden Kameras sowie die Missionskontrolle. Dies genügte, damit man schon kurz nach Gründung der Raumfahrtagentur vermelden konnte, eigene Satelliten, ausgestattet mit eigenen Systemen in den Weltraum gebracht zu haben.

Grundlagenforschung und Technologieentwicklung sind häufig ein wenig Alltagsfern und überzeugen den Steuerzahler nicht immer von der Nützlichkeit der Raumfahrt. Erdbeobachtung dagegen ist gut, nützlich und überdies politisch korrekt. Alle Raumfahrtnationen von Bedeutung machen das. Südkorea etablierte somit umgehend ein Programm, das die Bezeichnung KOMPSAT (Korea Multi-Purpose Satellite) trägt.

KOMPSAT-1 wurde bei Lockheed bestellt und im Dezember 1999 mit einer US-Trägerrakete auf eine polare Umlaufbahn gebracht.  KOMPSAT 2, im Juli 2006 von Russland aus gestartet, wurde zusammen mit Astrium entwickelt. Bei diesem zweiten Satelliten stammte bereits eine beträchtliche Anzahl von Komponenten aus Korea selbst, wie beispielsweise die Lageregelungstriebwerke. KOMPSAT 3, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Astrium entstanden, befindet sich derzeit der Endmontage und soll Ende des kommenden Jahres gestartet werden.

KOMPSAT-2 Künstlerische Darstellung

Diese drei Satelliten arbeiten mit optischer Bildtechnik. Wer aber heutzutage technologisch auf sich hält ergänzt seine Flotte optischer Aufklärer durch Radarsatelliten. Damit bekommt man auch nachts und bei schlechtem Wetter gute Bilder.  Somit gab auch  Südkorea einen solchen Satelliten in Auftrag. Er trägt die Bezeichnung KOMPSAT-5. Projektleitung, Endmontage, Test und Missionsdurchführung liegen hier bereits in Korea, Subsysteme werden aber nach wie vor im Ausland gekauft. Vor allem die komplexe Radarausrüstung. Das Synthetic Aperture Radar (SAR),  wird von Thales Alenia in Frankreich beigesteuert.

Sollte Ihnen jetzt KOMPSAT Nummer 4 fehlen: Den gibt es nicht. Die Südkoreaner sind zwar in hohem Maße technikgläubig, trotzdem pragmatisch genug, um es sich auch mit den Göttern nicht zu verscherzen. Die Zahl 4 bringt in Südkorea Unglück, und wird deshalb einfach übersprungen. Kleiner Zusatzvorteil: Man kommt beim Zählen schneller voran, wenn man nicht bei jeder einzelnen Zahl stehen bleiben muss. Und am Ende sieht es so aus, als hätte man schon mehr vollbracht.

Die dritte Disziplin, in der sich alle Raumfahrtnationen von Bedeutung üben, ist der Betrieb von Telekommunikationssatelliten. KARI legte fest, dass Raumfahrzeuge dieser Art in Korea natürlich KOREASAT zu heißen hätten. Da die technologische Basis für den Bau, Betrieb und Start solcher Raumfahrzeuge in den neunziger Jahren nicht vorhanden war, vergab man den Auftrag für die ersten drei Einheiten an Lockheed in die USA. Südkorea fertigte lediglich einige Komponenten, hauptsächlich im Bereich der Telekommunikationsnutzlast.

KOREASAT-4 wurde aus den oben genannten Gründen wieder übersprungen. Gwang-Ju Seo, Vizepräsident von Korea Telecom erklärte, dass diese Zahl aus „kulturellen Gründen“ vermieden werde. Der vierte südkoreanische Kommunikationssatellit trug deshalb die Bezeichnung KOREASAT-5 und wurde am 21. August 2006 von einer Sea Launch Zenith 3 SL gestartet. Dieser Satellit wurde in Europa bestellt. KOREASAT-6, das bislang letzte Raumfahrzeug in dieser Reihe, wird wieder aus den USA stammen.

Eine Raumfahrtnation, das war KARI klar, muss auch die Raketentechnik beherrschen. Keine leichte Übung für ein Land, dessen Wissen auf diesem Gebiet auf das Handling von US-Militärraketen wie der Honest John oder der Nike Ajax beschränkt war, mit denen Südkoreas Heer und Luftwaffe ausgerüstet waren.

Da schien es für das KARI der vernünftigste Weg zunächst einmal mit einfachen Höhenforschungsraketen anzufangen. Dies geschah im Rahmen des „Korean Sounding Rocket Programs (KSR)“ in dem innerhalb kurzer Zeit drei Typen entwickelt wurden, die KSR-I, KSR-II und KSR-III. Schon der erste Typ war von beachtlicher Größe, fast sieben Meter lang, und in der Lage eine Nutzlast von 150 Kilogramm auf 200 Kilometer Höhe zu bringen. Typ III war eine 13 Tonnen schwere und elf Meter lange einstufige Rakete, die bereits mit flüssigen Treibstoffen (Kerosin und Sauerstoff) arbeitete.

Die KSR-I startete zweimal, die KSR-II ebenfalls zweimal und die KSR-III startete im November 2002 genau ein einziges Mal und dann nie wieder. Das „Projekt Höhenforschungsrakete“ war das Kürzeste in der Geschichte aller Raumfahrtnationen und nach genau fünf Starts erledigt. National und International waren damit keine Meriten zu gewinnen. Für den höheren Ruhm Südkoreas musste ein Orbitalträger her. Das Projekt KSLV (Korean Space Launch Vehicle) wurde ins Leben gerufen.

Die KSR-III flog nur einmal

Zunächst dachte man dabei an eine Weiterentwicklung der KSR-III, bemerkte aber bald, dass man da technologisch erheblich zu kurz greifen würde. Auch mit einer gebündelten Variante der KSR-III wäre man nur auf wenige Kilogramm Nutzlast für den niedrigen Erdorbit beschränkt gewesen. Ein modernes und leistungsfähiges Fluggerät der Weltspitzentechnologie musste her.

Auch erfahrene Raumfahrtnationen müssen für die Entwicklung eines völlig neuen Trägers in der Regel etwa 10 Jahre ansetzen. Für das völlig Know-How-freie Südkorea hätte es aber mindestens doppelt so lange gedauert. Wie sollte da die Zeitvorgabe der Regierung einzuhalten sein? Die Lösung des Problems: erstens viel Geld und zweitens ein erfahrener Partner.

Man rief bei Chrunitschew in Russland an. Dieses Unternehmen baut die gewaltige Proton und entwickelte schon seit Jahren auf finanzieller Sparflamme das so genannten "Universal Rocket Module" (URM) der Angara-Trägerrakete. Für 400 Millionen Dollar, so erfuhren die Südkoreaner, könnte man diese Rakete in wenigen Jahren zur Startreife bringen und ihr ein südkoreanisches Typenschild verpassen. Als eigenen Anteil Südkoreas, so schlugen die Russen vor, sollten die Koreaner die Oberstufe entwickeln. Ein einfaches Aggregat mit festen Treibstoffen, aber immerhin mit einer Dreiachsen-Lageregelung. Außerdem die Flugsteuerung und die Nutzlastverkleidung.

2005 wurde der Plan der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Die Rakete trug neben der Projektbezeichnung KSLV-1 den Namen „Naro“. So wie das koreanische Startzentrum.

Startzentrum, richtig. Das brauchte man ja auch noch. Es wäre schmachvoll gewesen, die Rakete einfach in Plesetzk, Swobodny oder Baikonur zu starten. Jede Raumfahrtnation von Bedeutung braucht ein Startzentrum. Die KARI baute ihre Anlagen am Naro Space Center, die sich auf der Insel Naro, knapp 500 Kilometer südlich von Seoul liegt. Innerhalb kürzester Zeit wurde dort alles errichtet, was man zur Raumfahrt braucht: Startrampe, Kontrollzentrum, Fertigungseinrichtungen, Testanlagen, Kraftwerk, ein High-Tech Visitor-Center, ein Museum und ein Flugplatz.

Am 25. August letzten Jahres erfolgte der Erstflug der Naro 1. Koreanische Medien hatten den Start der zweistufigen Rakete gleich nach dem Abheben überschwänglich als Erfolg gefeiert. Stunden später kam dann die ernüchternde Verlautbarung, dass die Mission gescheitert war. Die Flugsteuerung zwang die Rakete kurz nach dem Abheben zu einigen abenteuerlichen Schwenks, aber die robuste russische Konstruktion hielt die wilden Manöver aus (beachten Sie auch die Stimme der russische Kommentatorin im Hintergrund).  Nach der Zündung der zweiten Stufe löste sich jedoch die Nutzlastverkleidung nicht vollständig. Dadurch war die Kombination aus zweiter Stufe und Satellit zu schwer, und stürzte einige tausend Kilometer vom Startort entfernt ins Meer.

Nun gut, Rückschläge müssen auch andere Raumfahrtnationen in Kauf nehmen und so tat auch dieser dem Programm keinen Abbruch.

Erster kleiner Schwenk zum Fußball: Der zweite Testflug der Naro-1 ist auf den 9. Juni terminiert, drei Tage vor Südkoreas Eröffnungsspiel in der Gruppe B gegen Griechenland.

In der jetzigen Ausführung ist die Rakete wegen der zu leistungsschwachen zweiten Stufe auf 100 Kilogramm Nutzlast beschränkt. In der nächsten Phase, der KSLV-2, soll diese Oberstufe durch ein flüssigkeitsbetriebenes Aggregat ersetzt werden und bei der KSLV-3, einsatzbereit etwa 2017, soll dann eine moderne Drittstufe dazu kommen. Damit wäre der Träger in der Lage, Satelliten mit einem Gewicht von bis zu 1,5 Tonnen auf eine sonnensynchrone Umlaufbahn zu bringen.

Parallel zur Trägerraketenentwicklung nahm Südkorea schon das nächste Programm in Angriff, das da hieß: Bemannte Raumfahrt. Hier beginnt die aufstrebende Raumfahrtnation am besten mit einer Mitfluggelegenheit. Da bot sich Russland an, man hatte ja schon die Verbindungen, und im sich dem Ende zuneigenden Shuttle-Programm waren ohnehin keine Plätze mehr zu erhalten.

Der ausgewählte Kosmonauten-Kandidat für diese Mission war ein Raumfahrtingenieur des „Samsung Advanced Institute of Science and Technology“ namens Ko-San. Er war schon weit fortgeschritten mit seinem Training und nur noch wenige Wochen von seinem Flug entfernt, als er dummerweise dabei erwischt wurde, wie er im „Sternenstädtchen“ bei Moskau Nächtens klassifizierte russische Dokumente kopierte. Diese aufopferungsvolle Maßnahme zur beschleunigten Aneignung südkoreanischen Raumfahrtwissens konnte man auch beim besten Willen nicht anders als Industriespionage bezeichnen. Eigentlich ein Fall für den Staatsanwalt. Die Russen wollten aber nicht zu viel Aufsehen erregen, denn erstens stand der mit viel Publicity angekündigte Start kurz bevor und zweitens hielt Südkorea noch neunstellige Überweisungen aus dem Naro-Programm zurück.

Man dachte also gemeinsam darüber nach, wie alle Seiten das Gesicht wahren konnten und kam schließlich darauf, die Sache als kleinere persönliche Verfehlung des Kosmonauten zu bezeichnen (der sich nur ein paar Handbücher zur Vorbereitung seines Raumflugs kopieren wollte) und benannte im übrigen seine Ersatzfrau für die Mission, eine Ingenieurin namens Yi So-yeon. Die arbeitete  am gleichen Institut wie Ko-San war aber immerhin nicht zur unpassenden Zeit mit vertraulichen Dokumenten am Kopierer gesichtet worden. So wurde eine Frau zur ersten südkoreanischen Kosmonautin, was, wie sich am Ende zeigte, der Publicity ohnehin eher förderlich war.

 Yi So-yeon, Ersatz für Ko-san und mehr als nur ein Subsitut

Als nächster Schritt ist nun ein eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm angesagt. Das liegt jedoch technologisch und kostenmäßig weit außerhalb der Reichweite Südkoreas. Die Lösung des Problems folgt einer Kombination bewährter Pfade: Suborbital anfangen und ausländische Expertise einkaufen.

Und so wurde letzten November die weltweite Raumfahrtgemeinde von der Meldung überrascht, dass die südkoreanische Raumfahrtbehörde sich den kleinen US- Startup XCOR als Partner ausgewählt hat, um vom Yecheon Astro Space Center in Südkorea (240 Kilometer südöstlich von Seoul) aus suborbitale Raumflüge durchzuführen. Es handelt sich dabei um ein so genanntes "wet lease agreement" im Wert von zunächst 30 Millionen Dollar. XCOR stellt Korea unter dieser Vereinbarung die einsatzfähige Lynx Mark II (so bald die fertig entwickelt ist, was etwa 2012 der Fall sein soll) "vollbetankt" zur Verfügung. Südkorea unternimmt damit suborbitale Flüge bis in mehr als 100 Kilometer Höhe. Damit kann es dem Land gelingen, in kürzester Zeit mehr „Astronauten“ zu produzieren als die USA, Russland und China zusammen, denn nach der Definition der Fédération Aéronautique Internationale (FAI) gilt ein Mensch dann als Astronaut, der eine Flughöhe von 100 Kilometern überschritten hat. Wenn XCOR’s Lynx Mark II richtig in Schwung gekommen ist, könnten das ein Dutzend Personen pro Woche sein.

Südkoreas übernächstes Ziel: Der Mond.  Japan, Indien und China haben bereits Raumsonden zu unserem Trabanten geschickt. Somit ist das die Messlatte, wenn man in Asien etwas gelten will.  Südkorea will bis spätestens 2020 eine Raumsonde in eine Mondumlaufbahn entsenden und bis 2025 ein Raumfahrzeug auf der Oberfläche des Mondes landen.

Zu guter letzt der Schwenk zum Fußball.

Talent und gute Spieler alleine nutzen nichts, wenn man innerhalb kürzester Zeit den Durchmarsch von der Kreisklasse in die Bundesliga schaffen will. Dazu braucht es auch gute Trainer, gute Manager, gute Public Relation und sehr viel Geld. Die korrekte Auslegung der Amateurregeln ist da eher weniger sinnvoll. Südkorea ist übrigens seit dem Jahre 1954 insgesamt sieben Mal bei Weltmeisterschaften dabei gewesen. Seit 1986 waren die Südkoreaner bei jeder WM dabei und belegten 2002 im eigenen Land sogar den vierten Platz. In diesem Jahr wurden sie auch zur unterhaltsamsten Mannschaft des Turniers gewählt.

Im internationalen Raumfahrtturnier würde ich Südkorea diesen Titel, hätte ich es zu entscheiden, auch geben.

Südkoreanische Raumfahrtagentur

Kitsat 1 und Kitsat 2

KOMPSAT 1 und KOMPSAT 2

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis ereignete sich 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 2003 erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "Interkontinentalraketen". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, drei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 15-20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

4 Kommentare

  1. und der liebe Nachbar?

    Spannender Beitrag, danke!
    Hat nordkoreanisches Treiben dem südkoreanischen Griff nach den Sternen ebenfalls Flügel wachsen lassen?

  2. Bruder im Norden

    Aber Holla die Waldfee. In der Rivalität der beiden Länder gilt für Südkorea der Song aus “Annie get your gun”: Alles was Du kannst, das kann ich viel besser…

    Was die Trägerraketenentwicklung betrifft, ist der Norden auch ganz gut unterwegs (und borgt sich dazu Technologie in China und Russland) aber es hapert es bei der Nordkoreanischen Raumfahrt in der Breite und vor allem an den Ressourcen. Und auch Trägerraketen würde der Norden kaum entwickeln wenn es dafür nicht eine großzügige Seitenfinanzierung aus Pakistan und dem Iran gäbe. Zu Nordkoreas Raumfahrt gab es im letzten Jahr schon einen Kosmologs-Beitrag: http://www.kosmologs.de/…hysterie-um-taepodong-2

    und auch dieser Beitrag http://www.kosmologs.de/…2-08/persische-hoffnung

    befasst sich mit der Gemengelage.

  3. Ausgezeichneter Artikel!

    Wie immer wieder ein ausgesprochen informativer Artikel, aus dem ich eine Menge mitnehme, was ich vorher nicht gewusst hatte.

    Zu Südkorea und seinem Fußball: Den älteren unter uns wird der südkoreanische Profi Bum-Kun Cha vielleicht noch ein Begriff sein, der 1978 beim SV Darmstadt 98 spielte (Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, aber wahr: Die Lilien waren damals in die erste Bundesliga aufgestiegen). Chas Intermezzo beim SV war kurz, richtig bekannt wurde er mit seinen späteren Engagements bei Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen.

    Sic transit Gloria Mundi: Damals hätte wohl kaum jemand in Deutschland sich vorstellen koennen, dass Südkorea nur eine Generation später bereits technologisch Deutschland in vielen Disziplinen ein- bzw. überholen und auch in der Raumfahrttechnik ernstzunehmenden Ehrgeiz entwickeln würde.

    Es mag damals auch dem einen oder anderen Japaner dunkel geschwant haben, dass ihnen da vor der eigenen Haustür ein gefährlicher Konkurrent erwachsen würde. Ob die Japaner aber damals schon absehen konnten, dass es der südkoreanischen Elektronik- und Maschinenbauindustrie schon so schnell gelingen würde, aufzuschließen?

    Unter anderem sind es solche Erfolgsgeschichten, die mich auch in Bezug auf andere, jetzt noch darniederliegende Regionen, optimistisch machen.

    Das mit dem Aufstieg kann richtig schnell gehen (auch im Fußball, also Kopf hoch, liebe Lilien).

    Das mit dem Abstieg allerdings auch (nicht nur im Fußball). Das sollte jeder bedenken, der meint, man koenne hier die Bildungs- und Forschungsinvestitionen immer weiter herunterschrauben, bloß um ja nicht die Steuern zu erhoehen.

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