Drei neue Glonass zum Jahresende

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Eine Trägerrakete des Typs Proton M Block DM-2 brachte am 27. Dezember drei weitere Navigationssatelliten der Glonass-Serie in den Orbit. Damit ist ein weiterer Schritt getan, um die volle Wiederherstellung der noch aus sowjetischen Zeiten stammenden Konstellation zu erreichen. In den letzten 12 Monaten wurden damit bei drei Starts insgesamt neun neue Glonass-Satelliten in den Orbit gebracht, sechs davon innerhalb von nur zwei Monaten. Der Start erfolgte um 20:32 Uhr mitteleuropäischer Zeit (0:32 Uhr Ortszeit am Mittwoch) von der schneebedeckten Startanlage in Baikonur in Zentral-Kasachstan. Dies war gleichzeitig der 20. Start von Baikonur in diesem Jahr, wodurch dieses russische Startgelände erneut zum meistbenutzten Weltraumbahnhof weltweit wurde.

 

Die drei Basisstufen der Proton M absolvierten ihre Brennmanöver in den ersten neun Minuten der Mission und brachten die Block DM-2 Oberstufe mit den drei Satelliten auf eine niedrige Übergangsbahn. In den folgenden dreieinhalb Stunden feuerte die Oberstufe zweimal um die drei jeweils etwa 1.400 Kilogramm schweren Raumfahrzeuge auf den vorgesehenen Orbit zu transportieren.

Der Glonass-Flug war die letzte Weltraum-Mission des Jahres 2007, das erneut mit einer gestiegenen Anzahl an Starts gegenüber den Vorjahren aufwarten konnte. Für die Proton selbst war es ein gemischtes Jahr. Bei den insgesamt sieben Einsätzen dieses Typs gab es auch eine gescheiterte Mission. Der Fehlstart ereignete sich im September, als wegen einer fehlerhaften Verkabelung die Sprengschnur zwischen erster und zweiter Stufe nicht aktiviert werden konnte, und daraufhin die Stufentrennung nicht erfolgte. Die letzten vier Missionen des Jahres waren dagegen erfolgreich.

  

Die heute in die Umlaufbahn beförderten Raumfahrzeuge gehören der Generation "Glonass M" an, die eine erheblich verbesserte Lebensdauer gegenüber den bisherigen Glonass-Satelliten aufweist.

Glonass (Abkürzung für: Globales Navigations-Satelliten-System) ist das Gegenstück zum amerikanischen Navstar-System. Es wird vom russischen Verteidigungsministerium betrieben und stellt militärische und zivile Navigations- und Höhendatendaten zur Verfügung. Der allererste Glonass-Start erfolgte bereits am 12. Oktober 1982. Offiziell nahm das System am 24. September 1993 seinen Dienst auf.

Nach der heutigen Mission umfasst die Glonass-Konstellation wieder 18 operationelle Satelliten, die in drei Orbitalebenen verteilt sind. Zwei Glonass-Raumfahrzeuge sind allerdings nur noch bedingt funktionsfähig, und drei weitere Satelliten zeigen erste Alterserscheinungen, weisen eine Reihe von Fehlfunktionen auf und sind nicht mehr permanent im Einsatz.

Die Glonass-Konstellation hatte in den letzten Jahren der Sowjetunion schon einmal ihre Sollstärke erreicht, verfiel aber in der Phase des wirtschaftlichen Niedergangs Russlands in den ersten Jahren nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft. Mit dem Wiedererstarken Russlands und dem steilen wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre sind nun aber wieder die Mittel verfügbar, um das System mit technologisch verbesserten Satelliten vollständig zu restaurieren.

Die Konstellation mit 24 voll funktionsfähigen Satelliten soll bis 2009 fertig gestellt sein. Dafür werden auch im nächsten Jahr bei zwei Starts insgesamt sechs Satelliten in den Orbit gebracht.

Die Erneuerung des Glonass-Systems wird aber auch danach mit voller Kraft weiterlaufen. Zunächst werden alle Satelliten des alten Glonass-Typs durch die neueren Modelle mit der Bezeichnung "Glonass M" ersetzt, und diese schließlich durch die völlig überarbeitete Version Glonass K, das sich derzeit auf der Basis des Kommunikationssatelliten-Bus Ekspress 1000 in Entwicklung befindet.  Die ersten Glonass K werden 2009 in den Orbit gehen.

Der russische Präsident Putin stellte Glonass im Mai für zivile Anwender weltweit kostenlos zur Verfügung, und bringt es damit in direkten Wettbewerb zum amerikanischen GPS-System.

In den letzten Dezember-Tagen fanden noch zwei weitere Starts statt. Zum einen wurde am 23. Dezember das ISS-Versorgungsschiff Progress M-62 zur internationalen Raumstation entsandt (ein detaillierter Bericht dazu kann über diesen Link im "Orion" eingesehen werden), und am 21. Dezember startete eine Ariane 5 GS mit den Kommunikationssatelliten Rascom QAF 1 und Horizons 2. Auch hierüber gibt es einen ausführlichen Bericht, den Sie über diesen Link erreichen.

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis ereignete sich 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 2003 erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "Interkontinentalraketen". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, drei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 15-20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

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