Den Drachen beim Schwanz gepackt

Heute Nachmittag ist der Drache sicher aus Orbit zurückgehrt. Eine historische Mission fand damit ihr erfolgreiches Ende. Der Dragon ist das erste privat gebaute Raumfahrzeug, das zur internationalen Raumstation startete, dort anlegte und Fracht für die Astronauten an Bord ablieferte. Fünf Tage und 16 Stunden war er mit der ISS verbunden. Neun Tage, sieben Stunden und 58 Minuten dauerte der Flug insgesamt.

Landung im Pazifik vor der mexikanischen Küste. Credit SpaceX

Das Raumfahrzeug landete am 31. Mai um 17:42 Uhr mitteleuropäischer Zeit vor der mexikanischen Pazifikküste, ziemlich genau 900 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem er produziert worden war. Diese Landung war noch einmal richtig spannend. Das Wetter im Zielgebiet war nicht sonderlich, es herrschte eine geschlossene Wolkendecke, und es gab, anders als man es von den NASA-Übertragungen der Shuttle-Flüge gewohnt war, kaum etwas zu sehen. Die einzigen Bilder der an ihren Fallschirmen herabschwebenden Kapsel stammten von einer  Lockheed P3-Orion, welche die NASA zur Unterstützung der Landeoperation auf den Pazifik hinausgeschickt hatte. Es waren Infrarotbilder. Von einer HD-Qualität, wie man sie heutzutage sonst gewohnt ist, Lichtjahre entfernt.

Auch die nur wenige Personen große Bergungscrew von SpaceX hatte zunächst Besseres zu tun, als Bilder und Filme ins Kontrollzentrum nach Hawthorne zu senden. Sie waren erstmal damit beschäftigt, ihre Kapsel bei der nicht sonderlich guten Sicht aufzufinden (obwohl die, laut Elon Musk, “less than a mile” vom Zielpunkt entfernt niederging) und zu sichern.

So sah die Wasserung von den Bergungsschiffen aus. Credit: SpaceX

Gleich danach machte sich die Bergungsflotte auf, den Dragon an Bord zu nehmen. Wobei der Begriff “Bergungsflotte” im Falle von SpaceX ein Euphemismus ist. Anders als im Apollo-Programm wartete hier keine Armada von Flugzeugträgern, Kreuzern und Zerstörern auf das Raumschiff. Es stand auch nicht wie damals eine Luftflotte in Geschwaderstärke zur Verfügung. Die Bergungsflotte von SpaceX besteht aus einer 31 Meter langen Schute (der NS American Islander) mit einer Art beweglichen Baukran drauf, einem 35 Jahre alten Schlepper (der NS American Champion) und zwei etwa sechs Meter langen Motorbooten. Die gesamte “Bergungsflotte” ist von der US-Navy gemietet. Kostenbewusstsein ist eine der obersten Prämissen der privaten Raumfahrt.

Der von der Reibungshitze beim Wiedereintritt etwas angeschmorte Dragon an Bord der Schute “American Islander”. Credit: SpaceX

Trotz dieses Kostenbewusstseins (Rakete und Kapsel kosten laut SpaceX zusammen nicht recht viel mehr als etwa 110 Millionen Dollar) lief der historische  Flug mit verblüffender Präzision ab. Es gab nur geringe Abweichungen von der ursprünglichen Planung und die wenigen Schwierigkeiten wurden von der jungen SpaceX-Crew mit der Ausgebufftheit und Ruhe erfahrener Profis bewältigt. Es nötigte Respekt ab, zu sehen, wie die jungen Leute mit den Schwierigkeiten der Mission umgingen. So wie kurz vor dem Andocken am vergangenen Freitag, als 30 Meter vor der Station ein Problem mit dem Lidar entstand. Dieser Laser-Entfernungsmesser nahm nicht am vorgesehenen Referenzpunkt an der Station Maß, sondern peilte fälschlicherweise einen Reflektor an den japanischen Modulen der ISS an und begann den Dragon dorthin zu lotsen.

Der Dragon im Orbit, fotografiert von der ISS. Credit NASA

Die Missionskontroller in Hawthorne erkannten das Problem augenblicklich und gaben daraufhin ihrem Raumschiff erstmal den „Rückzugsbefehl“. Sie „parkten“ den Dragon 80 Meter von der Station entfernt, analysierten und lösten das Problem und schickten ihn 25 Minuten später wieder los. Es gab keine Aufregung und kein „Mächtigkeitsspringen“, bei dem erst endlose Befehlsketten einer tiefgestaffelten Management-Struktur abgefragt werden mussten, wie man es bei institutionellen Missionen in solch kritischen Phasen kennt.

Respekt sei hier aber auch den „alten Hasen“ von der NASA gezollt, die dieses eher unkonventionelle Vorgehen zuließen. Wer Alan Lindenmoyer von der NASA dieser Tage sah, oder die unerschütterliche Flugdirektorin Holly Ridings, der erkannte den unbedingten Willen der NASA diese Mission zum Erfolg zu machen und zu unterstützen wo immer es irgend möglich war.

Bei der Flugkontrolle sind wir auch beim vielleicht sichtbarsten Unterschied zwischen SpaceX und der NASA. Die vielen schnellen Bildwechsel von NASA-Mission Control zur Einsatzzentrale des Dragon in Hawthorne, Kalifornien drängten den Vergleich geradezu auf. Hier die graubärtigen, altgedienten Ingenieure, durchwegs in ihren Mittfünfzigern oder darüber und dort lässig gekleidete Jungs (und leider hier wie dort viel zu wenige Mädels) zwischen 25 und 30, die statt an technik- und geschichtsschweren Konsolen in T-Shirts und Turnschuhen an einfachen Tischen mit Flachbildschirmen saßen.

Der Dragon wird mit dem Greifarm “eingefangen”. Credit: NASA

Die Wahrscheinlichkeit, die Mission erfolgreich abzuschließen, war vor ihrem Beginn nicht höher als etwa 50 Prozent geschätzt worden. Als “erfolgreich” hätte dabei schon gegolten, wenn der Dragon die Station auch nur in Sichtweite passiert und dieses Manöver danach mit einer erfolgreichen Landung gekrönt hätte (siehe dazu auch diesen Beitrag).  

Dementsprechend war dem Transport von Gütern nur eine untergeordnete Priorität zugewiesen worden. Es waren ausschließlich „Low Priority“ Goods an Bord, alles Dinge, die beim Verlust der Mission oder ihrem vorzeitigem Abbruch verschmerzbar gewesen wären: Einige hundert Essensrationen, Kleidung, ein paar Studentenexperimente, ein paar Laptops, Kabel, Stecker, Batterien. Nichts, was in der ISS derzeit wirklich dringend gebraucht wird.

Kommen wir zum vielleicht wichtigsten Vorzug des Dragon. Er kann etwas, zu dem keines der derzeit im Einsatz befindlichen und geplanten Transportsysteme für die ISS ist: Dinge von der Station zur Erde zurück bringen. Zumindest in nennenswerter Größenordnung. Die russische Progress kann es nicht, das europäische ATV ist nicht dazu in der Lage, das japanische HTV auch nicht, die bemannten Sojus-Kapseln schaffen nur wenige dutzend Kilogramm und der Cygnus von Orbital Sciences, der zukünftige direkte Konkurrent von SpaceX beim Lieferservice zur Raumstation kann es auch nicht. Nebenbei: Orbital Sciences ist mit diesem weniger fähigen Konkurrenzvehikel derzeit etwa ein Jahr gegenüber SpaceX im Rückstand.

Die Bergung der Dragon-Kapsel. Hier nach dem ersten Testflug vom Dezember 2010 (der nur fünf Stunden dauerte und nicht zur ISS führte). Credit: SpaceX

Für die Landung wurde der Dragon ähnlich gepackt wie für den Start: Es wurde nichts an Bord genommen, das richtig teuer oder extrem wichtig gewesen wäre. Ein größerer Teil der Fracht bestand aus persönlichen Besitztümern früherer ISS-Astronauten, die bisher nicht zur Erde zurückgebracht werden konnten: Familienandenken, Musikinstrumente, Elektronik-Geräte und ähnliches. Außerdem Teile von Raumanzügen und eine defekte Wasserpumpe. Gesamtmasse der rückgeführten Güter: 1.455 amerikanische pounds.

Und zu diesen „pounds“ gibt es auch etwas zu sagen. Genauso wie zu den „miles“ und „inches“ und „feet“ und was es noch alles an imperialen Maßeinheiten in der US-Raumfahrt gibt. SpaceX verwendet nämlich ausschließlich das metrische System. Eigentlich sollte das auch die NASA tun und tut es dann häufig eben doch nicht  konsequent (was schon zu extrem teuren Verlusten von Raumfahrzeugen geführt hat). Deswegen war es für den aufmerksamen Beobachter der Mission fast schon befremdlich, mitzuerleben, wie etwa beim Start alle Höhenangaben in Kilometer vorgenommen wurden, alle Geschwindigkeitsangaben im Meter pro Sekunde und Kilometer pro Stunde und alle Gewichtsangaben in Kilogramm.

SpaceX tat dabei eigentlich nichts anderes, als das, was die NASA längst schon hätte machen sollte. Hier hat das Unternehmen bereits die nicht-US- Kundschaft im Blickfeld. Noch während der Mission wurde beispielsweise ein Start-Vertrag mit dem internationalen Satellitenbetreiber Intelsat abgeschlossen.

Zunächst liegt das Geschäft jetzt aber bei den so genannten Resupply-Missionen der ISS für die NASA. Die hat bereits Optionen für 12 solche Flüge bis 2015 an SpaceX vergeben. Der Wert des Auftrags beträgt 1,6 Milliarden Dollar. Die erste „reguläre“ Versorgungsmission soll in diesem Herbst, wahrscheinlich im Zeitraum Oktober bis November auf die Reise gehen.

Mark Sirangelo, Chef von Sierra Nevada Space Systems (und somit eigentlich ein Konkurrent von SpaceX), bemühte in seinen Glückwünschen an Elon Musk ein Ghandi-Zitat. Es ist dasselbe Zitat, das er Elon Musk bereits vor Jahren mitgab, als die ersten Starts der Falcon 1 scheiterten: „Zuerst ignorieren sie Dich. Dann lachen sie Dich aus. Danach versuchen sie Dich zu bekämpfen. Danach gewinnst Du“.

Sind die Umstände weiter günstig, dann kann die Geschichte des Dragon so bedeutend werden, wie die von Apollo oder dem Shuttle. Mit dem Drachen will Elon Musk selbst den Mars erreichen.

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis ereignete sich 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 2003 erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "Interkontinentalraketen". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, drei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 15-20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. kleine korrektur

    Zitat “Die Wahrscheinlichkeit, die Mission erfolgreich abzuschließen, war vor ihrem Beginn nicht höher als etwa 50 Prozent geschätzt worden. “

    Das ist nicht ganz richtig. Die 50% bezogen sich vor dem Start auf die Wahrscheinlichkeit, dass der Countdown der Falcon 9 Rakete problemlos auf Null zählt und die Rakete abhebt, da sie bisher noch nie einen Problemlosen Countdown hatten. Danach sei man sehr zuversichtlich. Quelle dieser “50%” ist die NASA Pressekonferenz einen Tag vor dem ersten Startversuch am 19. Mai

    Ansonsten super Artikel!

    Viele Grüße

    Klaus Donath

  2. Erfolgswahrscheinlichkeit

    Die Frage der “Erfolgswahrscheinlichkeit” ist im Vorfeld vielfach diskutiert worden. Jede Pressekonferenz, jedes Briefing beschäftige sich auch damit. Unmittelbar vor dem Start war ein deutlicher Trend erkennbar, die Erwartungen herunter zu schrauben. Elon Musk hatte vor Wochen noch von etwa 60-70 % Erfolgswahrscheinlichkeit gesprochen (dabei war die Erfüllung des Aufgabenrahmens des gesamten kombinierten COTS 2/3 Szenarios die Grundlage), hatte die Erwartungen dann aber nach unten korrigiert.

    Die NASA wollte sich nicht auf Zahlen festlegen, meinte aber, alles was über den erreichten Ergebnissen der COTS 1-Mission läge, wäre als Erfolg zu bewerten, und Fachjournalisten lagen in ihren Schätzungen zwischen 30 und 70 Prozent. Ich selbst hätte im Vorfeld wohl 40-50 % Wahrscheinlichkeit eingeräumt alle Missionsziele vollständig zu erreichen.

  3. Gandhi-Zitat

    Das Zitat stammt nicht von Gandhi. Google hilft weiter.

    Zudem ist das Zitat gerade in Bezug auf dieses Projekt nicht besonders intelligent. Wer hat SpaceX bekämpft? Und besonders im Hinblick auf die Raumfahrt hat der Satz eine ganz eigene Dynamik.

    http://notes.computernotizen.de/…are-not-gandhi/

  4. Torsten: Gandhi-Zitat

    Vielen Dank für den Hinweis. Ich hab mir die grafische Darstellung des “Nicht-Gandhi-Zitates” gleich mal abgespeichert. Das ist nett. Ich schätze mal, dass es Mark Sirangelo mit der “Stillen Post” bekommen hat, oder sich nicht mehr genau dran erinnern konnte. Gut ist es allemal, weil es die Lebenswirklichkeit wiedergibt.

    Aus dem “Nicht-Ghandhi-Zitat” sind momentan die Punkte eins und zwei abgearbeitet. Ich warte selbst auch schon drauf, in welcher Weise die Aerospace-Giganten nun auf die Herausforderung, die sich immer deutlicher vor ihnen aufbaut, reagieren werden. Für einige der gängigen Strategien (z.B. Aufkaufen und Einstampfen) ist es möglicherweise schon zu spät. Vielleicht aber auch nicht. Elon Musk braucht für die Verwirklichung seiner Pläne über kurz oder lang viel Geld. Richtig viel Geld. Und dafür wird er an die Börse müssen. Da wär ja dann Potential für “feindliche Übernahmen” gegeben.

    Jean-Yves Le Gall meinte allerdings noch vor ein paar Wochen, dass Unternehmen wie SpaceX keine Gefahr für Arianspace darstellen. Ich glaube, er baut hier vor allem auf den kuschligen, geschlossen europäischen institutionellen Markt, wo man verlangen kann, was man will.

  5. Gandhi-Zitat

    Astra: Du versuchst jetzt nicht wirklich ein Narrativ zu finden, das auf ein fiktives Zitat passt?

  6. Gandhi-Zitat die Zweite

    Nein, ich versuch nur zum Thema zurückzukommen. Dass ich und Mark Sirangelo bei Gandhi-Zitaten nicht wirklich gut sind, wissen wir ja nun.

  7. Warm anziehen

    Jean-Yves Le Gall meinte allerdings noch vor ein paar Wochen, dass Unternehmen wie SpaceX keine Gefahr für Arianspace darstellen.

    Das ist das bekannte Pfeifen im Walde. Auch Nokia-Bosse haben sich anfangs über Apple und sein iPhone lustig gemacht.

  8. Auf dem Drachen zum Mars reiten?

    Mit dem Drachen will Elon Musk selbst den Mars erreichen.

    Das wurde vom Orion CEV auch immer behauptet, und zwar mit deutlich mehr Berechtigung als beim Dragon Raumschiff, aber auch da immer noch falsch. Ich kann es wirklich schon fast mitsingen. Es nervt.

    Niemand fliegt mit einem kleinen Raumschiff, das für orbitale Flüge um die Erde entwickelt und gebaut wurde, zum Mars.

    Nicht nur deswegen, weil das Lebenserhaltungssystem eines so kleinen raumschiffs einfach nicht für eine Dreijahresreise ausgelegt werden kann (wo sollten die ganzen Betriebsstoffe denn hin?)

    Nicht nur, weil so ein kleines Raumschiff nicht einmal elementaren Schutz vor Mikrometeoriteneinschlägen und Sonnenstrmen bieten kann.

    Nicht bur, weil eine Mannschaft in so einem engen Raumschiff schon sehr bald an schwerer Muskelatrophie und anderen Folgen der Schwerelosigkeit leiden würde, die sie ja mangels Platz nicht durch Bewegung ausgleichen kann.

    Sondern vor allem erst einmal deswegen, weil eine Mannschaft in so einer engen Möhre schlicht verrückt werden würde.

    Man sollte wirklich mal jeden, der wieder damit anfängt, wo man angeblich mit so einem Schiffchen hinfliegen können wird, zwingen, sich auch nur einen Monat lang in so eine Kapsel zu setzen und da zu bleiben. Wenn er ‘rauskommt, dann beißt er sich lieber die Zunge ab, sstatt noch einmal so einen Unsinn zu behaupten.

    Richtig ist: Zum Mars, zu einem Asteroiden oder sonstwo im Sonnensystem außer zum Mond fliegt man mit einem interplanetaren Raumschiff! Dieses interplanetare Raumschiff wird im erdnahen Orbit zusammengebaut und führt unter anderem auch eine oder mehrere Raumkapseln mit, mit der die Mannschaft nach erfolgreicher Mission zur Erde zurückkehrt.

    Wenn auch SpaceX eine solche Raumkapsel für ein interplanetares Raumschiff bauen wird, dann wird sie vielleicht eine oberflächliche Ähnlichkeit mit dem heutigen Dragon-Raumschiffchen haben.Sie wird sich aber wesentlich von dem heutigen Dragon unterscheiden.

    Beispielsweise allein schon deswegen, weil der Hitzeschild bei der Rückkehr aus dem interplanetaren Transfer eine Eintrittsgeschwindigkeit von 12-13 km/s erreicht, gegenüber 8 bei der Rückkehr aus dem LEO oder 11 bei der Rückkehr vom Mond. Das mag nach gar nicht so viel mehr klingen, macht aber bei der thermischen Belastung einen Faktor von 3-4 aus, dem der Hitzeschild ausgesetzt sein wird. das bedeutet: Ganz andere Materialien und andere Regelungstechnik.

    Es ist also ziemlich unzutreffend, immer wieder davon zu reden, dass mit dem Dragon (oder dem Orion-CEV oder der Sojus oder was auch immer) ein interplanetarer Flug gemacht werden wird.

    Allenfalls wird ein diesem System ähnliches, aber ungleich komplexeres System mitgeführt, das aber wird auch nur einen geringen Prozentsatz der Kosten des interplanetaren Raumschiffs ausmachen. Klar, das klingt gar nicht so gut, wenn man das so sagt. Sieht gedruckt auch nicht so gut aus. Es stimmt aber trotzdem und “auf dem Drachen reiten wir zum Mars” stimmt nicht.

  9. Auf dem Drachen zum Mars

    Vollständig richtig. Was anderes kann man auch gar nicht annehmen. Mit dem heutigen Drachen geht das natürlich nicht. Aber vielleicht mit seiner Inkarnation in vier, fünf Drachen-Generationen und vielleicht zwei Jahrzehnten. Und DER Drachen wird dann mit dem jetzigen grade eben noch ungefähr die äußere Form gemein haben. Und natürlich braucht man bei der monatelangen rumfliegerei auch zusätzlich ein Habitat, in dem man sich ausstrecken und mal aus dem Weg schweben kann. Es wird also nicht viel mehr als der Name sein, der bleibt. Immerhin entwickelt sich das Konzept des “Red Dragon” seit einer Weile und bewegt sich da in etwa auf der Linie von Zubrins “Mars Direkt” – Konzept.

    Jetzt kommt erstmal der “Drachen 2nd Generation”. Der muss ein Rettungssystem bekommen und vielleicht auch schon in diesem Zusammenhang auch das von Elon Musk propagierte “Propulsive Landing System”.

    Nichtsdestotrotz wirken die Träume von Elon Musk auf jeden Fall schon mal recht anregend: http://tinyurl.com/cuyarjb

  10. @ Khan

    Dieses interplanetare Raumschiff wird im erdnahen Orbit zusammengebaut und führt unter anderem auch eine oder mehrere Raumkapseln mit, mit der die Mannschaft nach erfolgreicher Mission zur Erde zurückkehrt.

    Muß man das mit auf die Reise zum Mars nehmen? Kann so eine Raumkapsel nicht wie ein Satellit in Erdnähe bleiben? Oder ein paar Wochen vorher hochgeschossen werden?

  11. @ Astra

    Und natürlich braucht man bei der monatelangen rumfliegerei auch zusätzlich ein Habitat, in dem man sich ausstrecken und mal aus dem Weg schweben kann.

    Wie hieß nochmal dieser Science-Fiction mit den Hippies im Weltraum?

  12. @Martin Huhn

    Ja, die Rückkehrkapsel muss man auf jeden Fall mit zum Mars und wieder zurück schleppen, denn wenn das Schiff – oder was davon übrig ist, denn beim Abflug waren davon 90% Treibstoff und Tanks – zur Erde zurückkehrt, dann wird es sich dfer Erde mit hyperbolischer Geschwindigkeit nähern und keinesfalls in eine Bahn um die Erde eingeschossen werden, wo es ein Rendezvous mit einer wartenden Landefähre machen könnte.

    Was man da machen wird, ist, das Schiff knapp an der Erde vorbei zu zielen, dann das kleine Landeschiff (also den Dragon 2.0 oder 3.0) und dann eine Landekapsel mit den Leuten drin und einem Versorgungsmodul hintendran ein paar Tage vor der Ankunft an der Erde abzutrennen. Das kleine Landeschiff manövriert sich auf die richtige Bahn zum gezielten Wiedereintritt, das Habitat und was sonst noch vom Mars mitkam, rauscht an der Erde vorbei.

    Wesentlich ist aber, dass auch das keine Landeschiff immer noch die Bahnenergie eines interplanetaren Transfers hat und damit mit hoher Geschwindigkeit eintritt, schneller noch, als es damals die Apollo-Kapseln bei der Rückkehr vom Mond taten.

    Der Film mit den Hippies im Weltraum hieß Dark Star.

  13. Ach, ja, die Rückkehrer vom Mars kommen ja mit einer hohen Geschwindigkeit zurück und da kann man nicht so einfach auf die Bremse treten. Das hat man davon, wenn man zu viel Science Fiction sieht, wo sich die Raumschiffe mehr wie Flugzeuge benehmen.

    Ich meinte den Film Lautlos im Weltraum. Er fängt die Stimmung der 1970er Jahre gut ein.

    Dark Star kenne ich, glaube ich, gar nicht. Sollte ich mich vielleicht mal nach umsehen.

  14. Lautlos im Weltall

    Das war ja nun nicht wirklich ein Hippie-Film. Der Hauptdarsteller hat im ganzen Film nicht einmal eine Tüte durchgezogen und ansonsten auch nur schwer gearbeitet – und so gut wie gar nicht herumphilosophiert. Es ging ihm nur um seine Bäme. So kenne ich Hippies aber nicht.

    Die anderen Kerle hatten schon mal gar nichts mit Hippies am Hut – wurden aber auch schon gleich am Anfang umgebracht.

  15. Lautlos im Weltall

    Ein “echter” Hippie-Film war es nicht. Aber gleich nach der Hippiebewegung begannen die Alternativbewegungen, mit ihrem Unbehagen an der fortschreitenden Technisierung und der daraus resultierenden Zerstörung der Umwelt. Von daher gab der Film durchaus den Zeitgeist wieder. Oder wie Herr Huhn es ausdrückte: “Er fängt die Stimmung der 1970er Jahre gut ein.”

  16. @ Khan

    Ok, es war kein richtiger Hippiefilm. Keine Drogen, kein Woodstock, kein Nackttanz, keine Orgien. Aber ziemlich Öko. Und Öko und Hippie hat sich später ziemlich gut vermischt, wie ich finde. Und diese Angst vor der Zukunft, des Verlorenseins und der drohende Weltuntergang, daß es sich nicht mehr lohnt Kinder in die Welt zu setzen, der kommt da ziemlich gut rüber.

    Witzig ist aber, daß ein Roboter, also Technik, sich um den Erhalt der Natur kümmert. Nur was soll der machen, wenn es in der Kapsel nur noch N2 O2 gibt. Ich nehme an, die paar Tiere reichen nicht aus, um den Kreislauf in Gang zu halten.

    Naja, hier geht es um den Drachen …

  17. wie geht das mit dem Laser?

    Wie muss ich mir diesen Laser Entfernungsmesser vorstellen? Funktioniert der gleich wie Geräte aus dem Baumarkt oder wie sie hier getestet werden? Die Baustellen-Messgeräte zeigen doch mit dem roten Punkt wohin man zielt, geht das im All nicht auch?

  18. @Manfred Müller

    Ich habe keine Details zum LIDAR-System auf dem Dragon. Wenn der so funktioniert wie der am europäischen ATV, dann ist das deutlich mehr als ein bloßer Entfernungsmesser, sondern ein autonomes System, dessen Pulse von Laserreflektoren auf dem Ziel reflektiert werden, woraus der Bordcomputer im anfliegenden Raumschiff nicht nur den Abstand, sondern die relative Geometrie bezüglich der ISS berechnet. Mehr zum im ATV verwendeten System hier.

  19. Hallo zusammen,

    soweit ich weiß wollte die NASA sich nicht auf Zahlen festlegen. Bei allen erreichten Ergebnissen der COTS1-Mission wäre als Erfolg zu bewerten. Ich selbst hätte im Vorfeld wohl 40-50 % Wahrscheinlichkeit eingeräumt alle Missionsziele vollständig zu erreichen.

    Mich würde es außerdem auch noch interessieren wie das mit dem Laser Entfernungsmesser funktioniert.

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