König Davids Palast oder Jebusiterburg?

BLOG: Archäologische Spatenstiche

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Archäologische Spatenstiche

Seit 2005 wird erneut auf dem Kamm der Davidstadt, südlich des Jerusalemer Tempelbergs, gegraben. Dort, mitten im arabischen Dorf Silwan, gräbt die Archäologin Dr. Eilat Mazar von der Hebräischen Universität nach Überresten des verschollenen Palasts des biblischen David. Als Mazar 2005 auf Überreste eines größeren Gebäudes stieß, machte ihre Entdeckung weltweit Schlagzeilen. Der Palast – so wurde erzählt – sei während der Eisenzeit IIA-Periode (traditionell 10. Jh. v. Chr.) entstanden. Als jedoch vor einigen Monaten der erste Grabungsrapport erschien, wurde klar, dass Mazars Datierung Widersprüche aufweist. Wie inzwischen auch mehrere Archäologen wie Jane Cahill und Amihai Mazar betonten, muss das Gebäude unbedingt älter sein. Mazars bisherige Datierung basierte auf Keramikfunden, die in einem Anbau gefunden wurden und also nicht aus der Anfangszeit des Palastes stammen. Mazars Hauptproblem liegt jedoch darin, dass die ursprünglichen Fußböden des Palastes in der hellenistischen Zeit (2. Jh. v. Chr.) abgetragen wurden. Eine Wehranlage am Osthang der Davidstadt – direkt östlich vom Palast – dürfte jedoch eine Lösung bieten. Mazars Team konnte nachweisen, dass die bereits bekannte Wehranlage (vgl. auch Abenteuer Archäologie (EPOC) 1/2004, S. 26-28) zur selben Zeit wie der Palast entstanden war. Diese, dagegen, wurde bereits im 12. Jh. v. Chr. (also ca. 100+ Jahre vor David), in der früheren Eisenzeit gebaut, wie Töpferwaren unter und in der Anlage belegen. Wer könnte in diesem Fall der wirkliche Bauherr der imposanten Denkmäler gewesen sein?

Zwei Lösungen bieten sich an. Entweder bauten hier die ursprünglichen Bewohner Jerusalems (die biblischen ‘Jebusiter’) im 12. Jh. v. Chr. eine Wehrburg oder die Anlage wurde tatsächlich von David (oder Salomo?) erbaut, aber dann muss die frühere Eisenzeit (I) irgendwie noch bis ins 10. Jh. v. Chr. angedauert haben. Dies hält auch Eilat Mazar inzwischen für möglich. Leider ist das Problem nicht ganz so eindeutig zu lösen. Das Alte Testament überliefert nämlich, dass gerade eine solche Anlage (sie wird dort ‚Millo’ oder ‚Aufschüttung’ genannt) erst im 10. Jh. v. Chr. von David und Salomo in der Davidstadt erbaut wurde (2. Samuel 5,9; 1. Könige 9,15; 11,27). Zwar muss die Stadt der Jebusiter bereits vor der Eroberung durch David gut befestigt gewesen sein (2. Samuel 5,6-10), von einer ‚Millo’ ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht die Rede. Könnte es vielleicht sein, dass die archäologischen Schichten aus dem 12. Jh. v. Chr. in Jerusalem bisher ca. 100+ Jahre zu früh datiert wurden? Tatsächlich plädierten bereits Wissenschaftler der Universität Tel Aviv für eine allgemeine Verschiebung der Eisenzeit IIA-Periode vom 10. auf das 9. Jh. v. Chr. Wäre eine ähnliche Verschiebung auch für den Anfang der Eisenzeit denkbar? Es ist zu hoffen, dass die künftigen Ausgrabungen Mazars diese Fragen noch klären werden.

Peter van der Veen

Veröffentlicht von

Peter van der Veen hegt seit seiner Jugend großes Interesse an der Geschichte und Archäologie der Bibel. Er ist Leiter einer deutschen Arbeitsgruppe für Biblische Archäologie und arbeitet seit seiner Promotion über antike Beamtensiegel (Uni Bristol, 2005) an mehreren Forschungsprojekten zur Archäologie des alten Israel.

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