Leben am Limes: Die Römer in Baden-Württemberg

Römische Provinzen in Baden-Württemberg

Römische Provinzen in Baden-Württemberg [7]

Das Arbeitsgebiet der Provinzialarchäologie in Baden-Württemberg umfasst zwei römische Provinzen: Germania superior im Westen und Raetia im Osten. Obwohl die Provinzen als einheitlicher Verwaltungsbezirk anmuten, trügt der Schein. Weder die römische Verwaltung noch die Geografie oder geschichtliche Entwicklung bildeten eine Einheit. Das Limesgebiet war nicht zeitgleich besetzt. Der Gesamtzeitraum der römischen Okkupation begann ca. 15 v.Chr und endete ca. 260 n.Chr. in unterschiedlichen Entwicklungsstrukturen. Während die Gebiete der Germania superior ca. 500 Jahre römischer Einfluss erlebten, sind es in Raetia lediglich 100 Jahre. Fest steht, die eigentliche römische Okkupation des heutigen Baden-Württembergs begann erst 16 / 15 v.Chr. mit dem Alpen-Feldzug der beiden Schwiegersöhne von Augustus: Tiberius und Drusus.[1] Neben Überresten, beispielsweise Gebäude oder Grabbeigaben, nutzen Archäologen auch die Klimaforschung, Pollenprofile und die Dendrologie bzw. Dendrochronologie:

Aus den Überresten ergeben sich zwei unterschiedliche Siedlungstypen: die zivile und die militärische Siedlung. Während zivile Siedlungen weit verbreitet waren und zwischen Zentralort / Oppidum[2], Mittlerem Zentrum / Vicus und Gehöft / Aedificium privatum zu unterscheiden ist, sind militärische Einrichtungen vor allem in der Nähe des Limes auffindbar und vorwiegend römisch geprägt.[3]

Die Klimaforschung verweist auf ein äußerst ungemütliches bzw. kaltes und trockenes Klima in der Eisenzeit. Einige Forscher sehen das schlechte Klima als Grund für die zahlreichen ‚völkischen‘ Wanderbewegungen dieser Zeit.[4] Pollenprofile werden aus ehemaligen Mooren und Feuchtgebieten gewonnen. Die Ergebnisse aus Pollenprofilen haben maximal für einen Radius von 5km Gültigkeit. Weiter können Pollen im Durchschnitt nicht fliegen. Aus diesem Grund sind Generalisierungen durch Pollenprofile schwierig. Möchte man dennoch Aussagen treffen, können sinkende Gräserwerte festgestellt werden. Diese Werte deuten auf eine Abnahme von agrarisch genutzten Flächen hin zu einer Zunahme von Waldgebieten.[5]

Die Dendrochronologie kann nachweisen, dass ab 50 n.Chr. sehr viele Bäume geschlagen wurden, beispielsweise für den Bau von römischen Siedlungen. Dendrologen können solche Werte anhand der Dicke von Jahresringen und dem gesamten Lebensalter des Baums ablesen.[6]


 

[1] Gerhard Fingerlin: Dangstetten, ein augusteisches Legionslager am Hochrhein. Vorbericht über die Grabungen 1967‐1969, Ber. RGK 51/52, 1970/71, S.197–232.

[2] Franz Fischer: Das Oppidum von Altenburg‐Rheinau, in: Germania 44, 1966, S.286-313; Sabine Rieckhoff: Süddeutschland im Spannungsfeld von Kelten, Germanen und Römern. Studien zur Chronologie der Spätlatènezeit im südlichen Miteleuropa, in: Trierer Zeitschrift Bd. 19, Trier 1995, S.180 f.

[3] Günther Wieland: Zur Frage der Kontinuität von der Spätlatènezeit in die frühe römische Kaiserzeit an der oberen Donau, in: C.‐M. Hüssen / W. Irlinger / W. Zanier (Hgg.): Spätlatènezeit und frühe römische Kaiserzeit zwischen Alpenrand und Donau. Kolloquien zur Vor‐ und Frühgeschichte 8, Bonn 2004, S.113-122.

[4] Hans W. Smettan: Vegetationsgeschichtliche Untersuchung am westlichen Riesrand (Württemberg), in: Rüdiger Krause / Karl‐Heinz Pfeffer (Hgg.): Studien zum Ökosystem einer keltisch‐römischen Siedlungskammer am Nördlinger Ries. Tübinger geographische Studien 130, Tübingen 2004, S.179-242.

[5] Andreas Lechner: Paläoökologische Beiträge zur Rekonstruktion der holozänen Vegetations‐, Moor und Flussauenentwicklung im Oberrheintiefland, http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2517/ (02.12.2014).

[6] Andre Billamboz, Der Stand der Dendrochronologie für die Römerzeit in Baden‐Württemberg. In: J. Biel / J. Heiligmann / D. Krausse (Hgg.): Landesarchäologie. Festschrift für Dieter Planck zum 65. Geburtstag. Forsch. u. Ber. Vor‐ u. Frühgesch. Baden‐Württemberg 100, Stuttgart 2009, S.655–676.

[7] Bild Quelle: Imperium Romanum 2005, 36 Abb. 15.

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Eure Jessica Koch

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