Goldene Träume – Das Hügelgrab von Hochdorf

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Dieser Spruch enthält für die Archäologie viel wahres. Anders verhält es sich bei den Funden des keltischen Prunkgrabs bei Hochdorf in Nähe Stuttgarts. Der Grabhügel von Hochdorf ist die letzte Ruhestätte eines etwa vierzigjährigen Mannes der um 540 v.Chr. lebte und starb. In seinem Grab wurden zahlreichen gut erhaltenen Gold-, Bronze- und Eisengegenständen gefunden. Eine Besonderheit: Es wurden auch zahlreiche organische Materialen gefunden.

©Landesmuseum Württemberg, Stuttgart: Goldornat mit Birkenrindenhut, 2016.

© Landesmuseum Württemberg, Stuttgart: Goldornat mit Birkenrindenhut, 2016.

Auf einem Acker bei Hochdorf entdeckte Renate Leibfried 1977 auffällige Steine. Es waren die Reste eines Grabhügels und der Beginn einer mehrjährigen Ausgrabung. 1,5 Meter waren vom ehemals 6 Meter hohen Grabhügel zu dieser Zeit noch übrig. Andere Bereiche waren vollständig eingeebnet und abgetragen. Es ist die letzte Ruhestätte eins etwa vierzigjährigen Mannes der um 540 v.Chr. seine letzte Ruhe fand. Die Größe des Grabes lässt zusätzliche Nachbestattungen vermuten. Die gefundenen Grabbeigaben sind reichhaltig.

Die Schätze von Hochdorf

Die hölzerne Grabkammer (4,7 x 4,7 Meter) zählt zu den besterhaltenen Prunkgräbern dieser Zeit.[1] Neben zahlreichen Gold-, Bronze- und Eisengegenständen wurden auch diverse organische Materialen, beispielsweise Kleidungsreste, gefunden. Der Leichnam des Mannes wurde auf einer Bronzeliege bestattet. Er trug aufwendigen Goldschmuck und Waffen. Einige der goldenen Schmuckstücke scheinen eigens für das Begräbnis hergestellt zu sein.[2] Zusätzlich wurde ihm ein kleines Säckchen mit Angelhaken auf die Brust gelegt. Anthropologen konnten feststellen, dass der Mann eine auffallende Erscheinung war. Mit 1,87 Metern überragte er wahrscheinlich viele Zeitgenossen. Seinen Knochen zeigen ausgebildete Muskelansätze, was auf eine sehr muskulöse Statur hindeutet. Entdecktet wurden außerdem stark abgenutzte Zähne und eine Arthritis-Erkankung. Die eigentliche Todesursache konnte nicht festgestellt werden.

Weitere Grabbeigaben sind ein rundbodiger Bronzekessel mit Löwenfiguren. Es ist eine Importware aus griechischen Werkstätten. Das 500-Liter-Gefäß war im Zeitpunkt der Bestattung mit Met befüllt. Außerdem wurden mehrere Trinkhörner mit verzierten Beschlägen, Trink- und Speisegeschirr sowie ein großer vierrädriger Wagen samt Pferdegeschirr gefunden. Neben einem Hut aus Birkenrinde, vielen kleineren Habseligkeiten, zum Beispiel ein Kamm, Rasiermesser und Schlangenfibeln, sind vor allem die goldenen Schuhbeschläge auffällig. Eine Besonderheit sind sicherlich die Reste der beiden Prunktücher, mit denen der Leichnam umhüllt war und die Reste von kostbaren Wolltüchern, mit denen die Grabbeigaben zum Teil umwickelt waren.[3]

© Landesmuseum Württemberg, Stuttgart: 3D-Rekonstruktion des Prunkgrabes von Hochdorf, 2016.

© Landesmuseum Württemberg, Stuttgart: 3D-Rekonstruktion des Prunkgrabes von Hochdorf, 2016.

Kelten in Süddeutschland

Die Errichtung der Anlage wird auf ca. 540 v.Chr. datiert und ist somit der Hallstattkultur (Ha D), der frühen Eisenzeit, zugeordnet.[4] Das Grab wird mit dieser Einordnung den keltischen Kulturen Süddeutschlands zugeordnet. Archäologisch werden ‚Kelten‘ primär mit der La-Téne-Kultur ab dem 5. Jh. v.Chr. identifiziert. Doch die kulturellen und künstlerischen Wurzeln sind schon in der Hallstattkultur zu finden. Aus diesem Grund wird auch das Grab von Hochdorf als ‚Keltengrab‘ verstanden. Die Übergänge zwischen den beiden Kulturen sind jedoch fließend. Regionale Unterschiede überwiegen sehr oft die vermeintlichen Gemeinsamkeiten. Die Forschung vertritt daher die Auffassung, dass es keine gesamt europäische Kelten-Kultur gegeben habe, sondern eine Vielzahl an Gesellschaften existierte, die gewisse Ähnlichkeiten im sozialen, kulturellen und materiellen Leben aufwiesen.[5]

‚Fürstengrab‘ oder Prunkgrab

Eine wichtige Debatte, die stets bei keltischen Bodendenkmälern in Süddeutschland auftaucht, ist die ‚Fürstensitzdebatte‘. Ausgangspunkt waren die großen Goldfunde in einem Grabhügel nahe der Heuneburg im Jahr 1877. Mit den ausgegrabenen Reichtümern wurde der Begriff ‚Fürstengrab‘ eingeführt. Erst seit den 1970er Jahren wird diese Aussage hinterfragt: Inwieweit lässt der materielle Wert der Grabbeigaben tatsächlich einen Rückschluss auf die soziale Position des Bestatteten zu? War es vielleicht doch ein wohlhabender Kaufmann oder ein angesehener Heiler? Was ist überhaupt unter einem keltischen Fürsten zu verstehen? Gab es überhaupt ‚Fürsten‘ in den keltischen Kulturen? Ist der ‚Fürst‘ nicht vielmehr ein Begriff des Mittelalters?

Da es keine letzte Wahrheit zu diesen Fragen gab, führte Georg Kossak 1974 die neutralere Bezeichnung ‚Prunkgrab‘ ein.[6]

Einen Blick auf die Schätze erhaschen

Wer die Schätze von Hochdorf live bewundern möchte, kann dies zurzeit in der Ausstellung ‚Wahre Schätze‘ des Landesmuseum Württemberg in Stuttgart tun. Neben den Grabbeigaben von Hochdorf werden auch die Funde aus anderen Prunkgräbern ausgestellt. Interessierte finden außerdem einen spannenden Einblick in die keltischen Kulturen und Historie.


 

 

[1] Vgl. Holger Müller: Die Kelten in Süddeutschland. Der archäologische Führer, herausgegeben von Holger Sonnabend / Christian Winkle, Darmstadt / Mainz 2012, S. 54-55.

[2] Vgl. Müller: Die Kelten in Süddeutschland, S.58.

[3] Vgl. Thomas Hoppe / Katrin Ludwig / Christiane Benecke: Wahre Schätze. Kelten, im Auftrag des Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2016, S.36-41.

[4] Vgl. Müller: Die Kelten in Süddeutschland, S.9.

[5] Vgl. Müller: Die Kelten in Süddeutschland, S.10-12.

[6] Vgl. Müller: Die Kelten in Süddeutschland, S.12-14; Vgl. Wolfgang Krimmig: Kriterienkatlaog für keltische Fürstensitze, 1969.

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Eure Jessica Koch

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Weitere Grabbeigaben sind ein rundbodiger Bronzekessel mit Löwenfiguren. Es ist eine Importware aus griechischen Werkstätten.

    Ich war erst kürzlich in der oben genannten Heuneburg. Im zugehörigen Heuneburgmuseum lief gerade eine Ausstellung über den Heidegraben und da hieß es zu den griechischen Fundstücken, dass die wohl damals nicht dem aktuellen Stand der grichischen Keramikkunst entsprochen hätten. In Hellas seien zu der Zeit Kerakmiken mit roter Schrift- und Zeichenfarbe gängig gewesen. Die Heidegraben-Keramiken wären noch in Schwarz gehalten, möglicherweise habe es sich um veraltetes Material gehandelt, das für die Provinzler noch gut genug war.

    Globalisierungsprobleme, wann immer man guckt 🙂

    Eine wichtige Debatte, die stets bei keltischen Bodendenkmälern in Süddeutschland auftaucht, ist die ‚Fürstensitzdebatte‘.
    Auf der Heuneburg wird in den Beschreibungen der Begriff “Großbauer” verwendet.

  2. Laut Boardman wurde die rotfigurige Vasenmalerei um 530 in Athen erfunden. Das Buch ist aber auch schon ein paar Jahrzehnte alt, den aktuellen Forschungsstad kenne ich nicht. Das Grab wird um 540 datiert, aber ich weiß nicht, worauf sie sich gründet, auf die griechische Keramik, die man gefunden hat? Dass ein Keltenfürst nicht ganz auf der Höhe der künstlerischen Avantgarde Griechenlands ist, kann man wohl verzeihen.

    Ich war schon länger nicht mehr im Landesmuseum Stuttgart gewesen, der Keltenfürst wurde dort doch immer schon ausgestellt? Ab und zu muss man wohl ein Plakat “Sonderausstellung” dazu hinkleben oder solche Sprüche wie “Schätze aus dem Depot”, “Vergessene Schätze neu entdeckt” oder ähnliches.
    Neuer Tip: “Games of Thrones – Wie es wirklich war!”

    • Ich habe nicht aufgepasst, es ging bei der Keramik um den Heidengraben, was etwas später ist. Beim Hochdorfer Grab kann ich mich auch nicht an figürlicher Keramik erinnern.

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