Zur Psychopathologie des Weibes, Teil II

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

Zur Psychopathologie des Weibes, Teil II

(Apologese und Prolegomena)
Sommerloch, wir sind mitten im Sommerloch. Das füll’ ich jetzt mit dem zweiten Teil einer Textserie, deren ersten ich hier zu veröffentlichen mich nicht getraue. Ausserdem distanziere ich mich natürlich sofort von dem folgenden Text, den irgendein etwas in mir, das sich "ich" nannte, im Zustand der Traumatisierung schrieb. Der Text ist schon ein wenig älter.

(Prolog)
Im Gegensatz zu dem, was die diversen "Brigitte", "Maxi", "Muschi" und Sonstwie-Magazine, die sich auf unserem Klo in zunehmender Zahl unter die Motorradheftchen mischen, im Gegensatz zu dem, was diese Magazine insinuieren (schickes Wort, nicht?), also, im Gegensatz zu dem, was man meinen könnte, wenn man diese Magazine zwischen den Zeilen liest – dass der Mann nämlich keine Seele habe – im Gegensatz dazu SCHREIE ich es jetzt in die Welt hinaus: jawohl, der Mann HAT eine Psyche, das Weib hingegen eine Psychopathologie.

(Hauptteil)
Ich weiss keine rationalen Gründe anzugeben, aber im Zuge einiger intellektueller Reflexionen über das Phänomen der ästhetischen Wahrnehmung und das "GUTE, SCHÖNE & WAHRE" keimte in mir der Wunsch, einen Backenbart zu besitzen. Etwa so:

 
Die frühe Zuchtphase dieses Kunstwerkes am Manne hatte noch die Form fieser Koteletten. Seither hatte ich jedoch gewaltige Fortschritte gemacht. Die Sache fing an, buschig zu werden und der Kontrast zur kahlgeschorenen Birne (denn ich habe, anders als der Herr Schopenhauer auf dem Bild, eine wohlgepflegte Glatze), der Kontrast ergab den gewünschten ästhetischen Effekt. Vor allem im Gegenlicht, das an der frisch polierten Glatze abperlte, über den Backen aber im rötlichen Gestrüpp der Behaarung sich zu einer Gloriole, einem abwärts verrutschten Heiligenschein sozusagen, brach. Dazu eine winzigkleine Sonnenbrille, Marke Pupillenschoner: Frohsinn füllte meine Seele, wenn ich mich im Spiegel sah. Denn im Herzen bin ich gut und sanft, und dann, so dacht’ ich mir, kann ich ja nach aussen fiese sein.

Hätte es irgendeinen Sinn für Ästhetik, das weibliche Wesen, und wäre es auch nur der Sinn für die Ästhetik der Kritik und der Wortwahl, so hätte es sein Urteil kundtun können, indem es zum Beispiel von "buccaler Barbarei" gesprochen hätte. Das ist wenigstens ein seinerseits ästhetisches Spiel mit Alitteration und Etymologie, "Bucca" heisst übrigens: die Backe. Das tat es aber nicht. Statt dessen: Genöle, täglich, stündlich, wochenlang, die Drohung, ab sofort fremde, glattrasierte Wangen zu küssen.

Gestern abend kam es – pardon: sie – nach Hause, ich war schon da, und ihre ersten Worte waren nicht "Guten Abend", sondern nur (und zwar in bösem Ton): "Schneid’ den Scheiss ab!". Und verschwand in der Küche.

Im Herzen bin ich nämlich, wie ich schon schrieb, gut, zumindest aber verletzlich, denn ich mag sie. Also hab’ ich mir noch in dieser Minute den Backenbart abrasiert und bin, aus einer Schnittwunde leicht, aus der Seele aber heftig blutend, in die Küche gegangen. Sie hat mich kurz schweigend angeguckt und dann gesagt: "Du könntest mal den Abwasch machen."

(Epilog und Conclusion)
Nein, die Seele des Weibes ist nicht rätselhaft, nicht unzugänglich, nicht umdunkelt oder abgründig oder unauslotbar: es hat einfach keine. An der Stelle, an der ein Mann seine Seele spürt, hat es: einen Spüllappen.

Jawohl, das musste mal gesagt werden.
Jetzt ist mir besser…

 

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

22 Kommentare

  1. und sie hat doch ein Herz

    Die Forderung nach der Rasur des Backenbartes, zeigt nur, wieviel Weitsicht und ´Herz´ die herzensgeliebte Frau hat.

    Männern gehen hormonbedingt eher die Haare aus – und Männer mit Backenbart haben noch mehr davon, die ausgehen können. Wenn Haare beim Geschirrspülen in die Spüle fallen, dann könnten sie den Abfluss verstopfen. Und wer muss den Abfluss frei machen? – genau, der Mann. Wo doch alle Frauen wissen, dass Männer technisch ungeschickt sind und oft nicht einmal eine Waschmaschine bedienen können.

    D.h. die Frau hat Mann in weiser Voraussicht erspart, dass er sich heldenhaft mit dem Abfluss blamiert. Da ist ein Blumenstrauß fällig. 🙂

  2. Mein Mitgefühl 😉

    hast Du….und ich freue mich, dass die meisten Frauen von diesem lästigen Haarwuchs in der Regel verschont bleiben.
    Wobei ich die gepeinigte Männerseele verstehen kann, wenn das gottgegebene Element in ein indviduell geprägtes künstlerisches “Backenkunstwerk” verwandelt wird.

    Vielleicht wäre ein “Geschäft” hilfreich gewesen: Frau verzichtet auf individuell geprägte Schuhkaufmanie oder Ähnliches und erst dann sei man bereit auf die eigene individuelle “Note” zugunsten eines gesamtkussfreien Konterfeies zu verzichten….;-))

    Oder “Mann” sehe das Positive….sexy ist einfach “Glatze” pur….Ausdruck eines testosterondominierten potenten männlichen Ideals, womit wiederum das Ganze eine wahrhaftige positive Umdeutung des Eigentlichen erfahren könnte…

    FAZIT: “Frau” darf sich immer wieder bemühen, in die Tiefen der sensiblen Männerseele hinabzusteigen, was möglicherweise einen Backenbart in den Stolz verwandeltn könnte, mit einer besonderen Persönlichkeit liiert zu sein….

    nur mal so meine Gedanken, welche ich hier – wie Du – freiweg niederschreibe….

  3. @ Paula Schramm – Kekse

    Paula Schramm, Paula Schramm – wieso klingelt es bei mir im Kopf, wenn ich diesen Namen höre? Haben wir uns mal in die Haare gekriegt? (Geht ja bei mir gar nicht, noch nicht mal in den Backenbart…*seufz*). Irgendwas sehr Feminines (oder -istisches?) sitzt mir da im Kopfe, aber ich weiss um’s Verplatzen nicht, auf welcher mentalen Karteikarte der Rest des Engrammes zu finden ist.

    Mist.

    Ist der Keks vergiftet?

  4. Frauen

    Helmut, Du kennst wahrscheinlich die falschen Frauen. Die die ich kenne, die achten sehr auf innere Werte und nicht so auf das oberflächliche Äußre. Sagen sie zumindest und ich glaube ihnen das selbstverständlich.

    Ja, wenn es solche Frauen nicht gäbe, dann wäre die Welt schon längst untergegangen. Diese Englein ohne Flügel.

  5. Kompliment

    … und nehmen Sie die Aufforderung Ihrer Frau nach einer Rasur als Kompliment.
    Vielen Männern – so sagt man – steht der Bart nur deshalb gut, weil man dann weniger von ihrem Gesicht sieht.

  6. Ich? Feministisch?

    Nee, also sowas würde mir nie passieren. Und der Keks ist selbstverständlich giftfrei. *unschuldigschau* Engramm musst ich auch erst googlen. So hab ich heute sogar was gelernt.

  7. @ Paula Schramm

    ..na dann.
    Danke für den Keks!

    (Loblied)
    Ein “Hoch!” der Frau, die Kekse buk,
    welche ich mit Wonne schluck…
    (Nee, geht ja gar nicht, dieser Reim. Nochmal.)
    “Hurra!” der Frau, die Kekse baute,
    welche ich mit Wonne kaute…
    (Kann man Kekse “bauen”? Eher nicht. Nochmal.)
    Des Kekses (er war mächtig hart)
    Krümel zier’n den Backenbart…

    Nee, das wird heut’ nichts mit dem Kekslob. Danke dennoch.

  8. @ Monika

    Monika,
    Deine Argumentation ist von jener bestechenden Ambivalenz, um die ich – als Mann – das Damendenken beneide, und die ich dennoch zugleich fürchte. Ich zitiere:

    “…und ich freue mich, dass die meisten Frauen von diesem lästigen Haarwuchs in der Regel verschont bleiben.”

    Was hattse jetzt gesagt? Dass sie froh darüber ist, selber keinen Backenbart zu haben oder darüber einen Mann ohne Backenbart ihr eigen zu nennen?

    Oh, Unfassbarkeit: Dein Name ist Weib!

    Wo is’n jetzt hier der Zwinkersmiley, der eigentlich hierher gehört…ah, da:
    😉

  9. Körperregion

    Also ich hab ja schon einiges gesehen und gelesen, manchmal auch gehört, aber irgendwie erschließt sich mir nicht das Problem mit einem Backenbart. Schließlich sieht man den nur dann, wenn man die Hose runterzieht.
    Ich kann mich natürlich auch irren und Sie meinten eigentlich die Behaarung Ihrer Wangen.

    Fragen über Fragen…

  10. @ Sören

    …Dir wächst ein Backenbart auf dem ARSCH?? (‘schulligung: den Nates/der Regio glutaea)??

    Bilder bitte! Die brauch’ ich für mein Anatomielehrbuch. Und wer einen Backenbart am Hintern hat, der braucht einen V8. Definitiv. Big end — äh: block. Alles unter sieben Litern ist für’n Arsch.

    Haarig, Männer, seid grossvolumig und haarig!

    (Worträtsel, machomässig: “Gynaekomystax”)

  11. Pudel

    Hab´ gerade in Wikipedia nachgeschaut: Schopenhauer war unverheiratet und hatte einen Pudel.
    Das erklärt wieso er so einen Backenbart tragen durfte. Und dann stellt sich die Frage: wollte Schopenhauer wie sein Pudel aussehen?

  12. Des Rätsels Lösung

    “Nein, die Seele des Weibes ist nicht rätselhaft, nicht unzugänglich, nicht umdunkelt oder abgründig oder unauslotbar: es hat einfach keine. An der Stelle, an der ein Mann seine Seele spürt, hat es: einen Spüllappen.”

    Das besagte Weib ist sicher Buddhistin, diese haben zwar einen Geist, aber das Vorhandensein einer Seele wird geleugnet. Wahrscheinlich hängt sie dem Zen-Buddhismus an, hier wurde angeblich vor kurzem eine neue Richtung gefunden. Kein Mann, sondern eine ZEN-Nonne soll sie zufällig entdeckt haben: Put-Zen …

  13. @ Mona

    “Put-Zen”

    Grossartig!

    Könnte die mal bei mir vorbeikommen? Ich hab’ da nämlich gerade ein Problem. Drei Kat-Zen nämlich, die sich untereinander nicht vertragen, und vor lauter Aufregung Kot-Zen. Wohnung voller Katzenkotze…brrr.

    Selbst für Männer wie mich – die durch jahrzehntelange transzendentale Mediationsübungen, eisernen Willen zur Konzentration auf das Wesentliche, durch Übungen in Askese und Weltverneinung es erlernt haben, Dreck und Unordnung einfach nicht wahrzunehmen – selbst für solche in der Technik des “Nie-Put-Zen”-gestählten Männer wie mich ist der momentane Zustand nur schwer erträglich. Mein Seelenfrieden leidet. Ich hab’ versucht, die Flecken auf’m Teppich wegzumeditieren .. ging nicht. Wegwischen aber auch nicht: es bleiben Ränder.

    (Die eine Katze hatten wir schon immer. Die anderen zwei haben uns adoptiert. Womöglich war das mit der Katzenklappe ja ein Fehler. Immer reger Verkehr an der Haustür…was für ein Glück, dass die drei Hunde aus dem Hinterhaus da nicht durchpassen. Irrenhaus, ich lebe in einem Irrenhaus.)

  14. @ Helmut

    “Was hattse jetzt gesagt? Dass sie froh darüber ist, selber keinen Backenbart zu haben oder darüber einen Mann ohne Backenbart ihr eigen zu nennen?

    Ei…bomm..da bin ich doch glatt in das Maskulin-Cerebral-Sommerloch hineingefallen. Dabei wollt ich doch nur sagen, dass ich froh bin, dass ich mich nicht der Wahl bzw. Pflicht stellen muss: Backenbart ja-nein – tägliche Rasur ja-nein – Bart voll-spitz-kurz-lang oder gar nicht. Wildwuchs – Polierwuchs- Schnittwuchs – Teilrasur – Ganzrasur und was es noch so alles gibt….Schnittwunden – 5-Klingen, 3-Klingen, 2-Klingen….scharfe Klingen, stumpfe Klingen, reißende Klingen….

    Ich könnte mich nicht entscheiden und fühlte mich nur geplagt 😉

    Deshalb stellt sich “nur” die Frage ob blond oder braun zur Bedeckung cerebraler Windungen…..das wars.

    Und: keine Ambivalenz, auch wenn ich so verstanden wurde! Tja, wenn die Konnotation fehlt, welche bei uns Dialektsprechern besonders ausgeprägt ist, dann geht die Bedeutung wie hier leider manchmal flöten…na ja aus dem Sommerloch gibts dann wenigstens einen schönen Hall….

    Denn ob mit oder ohne Backenbart, wichtig ist doch wie sich der Träger damit fühlt. Und wenn der Träger mit dem Nein-Sagen ein Problem hat, dann wäre doch der Backenbart ein schöner passiver Protest mit Wohlfühlfaktor 😉

  15. Weg mit dem Wicht!

    Lieber Helmut,

    in einem Artikel meines früheren Kommilitonen Jan Dönges über Zauberei im Mittelalter aus dem feinen Geschichtsmagazin EPOC habe ich jetzt endlich erfahren, was ich tun kann, wenn mir eine Diskussion mit dir zu bunt wird; diesen Bannspruch aufsagen:

    Wola, wiht, taz tu weist,
    taz tu “wiht” heizist,
    Taz tu nuweist noh nechanst
    cheden, chnospinci!

    (Wohl du Wicht, dass du weißt,
    dass du “Wicht” heißt.
    Dass du weder weißt noch kannst
    Zauber sprechen, du Knösperich!)

    So, ist jetzt irgendwas passiert? Spürst du ‘was?

    🙂

    (EPOC 5/2009, S. 17)

  16. @ Schleim

    “Spürst du ‘was?”

    Ja.

    Wohlige Schauer. Ich LIEBE Zaubersprüche. Des Sprachzaubers halber. Und selbst ein Teil eines Zauberspruches zu sein, in dem das Wunderwesen “Knösperich” knospt, das schlägt jeden mukösen Malizismus, den man mit Deinem Nachnamen anstellen könnte.

    Lass’ uns bei Gelegenheit ein Abrakadabra-Symposion hier bei Brainlogs veranstalten. Es wird zauberhaft werden.

    SATOR
    AREPO
    TENET
    OPERA
    ROTAS

    (Steht auf allen meinen Motorrädern. Stimmt und wirkt!)

  17. Haarig

    Möglicherweise war die schopenhauersche Wangenzier ein Fehlgriff (Pics?) und ein lincolnscher Unterkieferschoner geeigneter, um die bei Dir hausende Vertreterin des Weibsvolkes zu erfreuen. Womöglich war es auch eher ihre Intention, Dir trostspendend mitzuteilen: “Nun laß’ Dir wegen Deiner Glatze mal keine roten Haare wachsen!”

    Graue Haare sind der Damenwelt, wie wir erfahren haben, ja weitgehend unbekannt.

    Gruß, Gunther

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