Vor dem letzten Testat

Ein Gedicht?

Ja, warum denn nicht?

Ausserdem jede Menge Fußnoten dazu. Interna aus der Anatomie, Interna aus dem Inneren des Anatomen. Und die Triggerwarnung gleich vorweg. Wenn Ihnen nämlich die “Morgue”-Gedichte von Gottfried Benn nicht gefallen (hier z.B. die “Kleine Aster”), dann werden Sie das auch nicht mögen:

Fußnoten:

(1) Freilich liegt die lyrische Latte, die Gottfried Benn da nach seinem Praktikum in der Forensik vorgelegt hat, deutlich höher als die, die mein Opusculum zu überspringen vermag. Aber der Präparierkurs der Anatomie ist auch etwas anderes als eine rechtsmedizinische Obduktion, er dauert viel länger (Monate vs. Stunden) (2), und hat ganz andere Ziele, nämlich die Offenlegung der normalen Anatomie des menschlichen Körpers, deren Lehre und – daher der Titel – die Überprüfung des Kenntnisstandes der Lernenden.

(2) (Fußnote zur Fußnote:) Das Gedicht ist viele Jahre alt. Damals hatten wir im Wintersemester einen großen Präparierkurs, in dem die gesamte Anatomie, vom Scheitel bis zur Sohle, gelehrt und präpariert wurde. Es gab zwischendrin immer wieder mündliche Prüfungen zu Teilbereichen, und ganz am Ende eben den “Hammer” – Kopf und Hirn. Denn die sind wirklich verzwickt. Der Präparierkurs ist übrigens keineswegs der “Killerkurs”, in dem die Studierenden gnadenlos “ausselektioniert” werden. Die Durchfallquoten liegen im Bereich von 10%, und es gibt gefühlt (für die Anatomen gefühlt, denn die müssen die Prüfungen machen) endlos viele Wiederholungsmöglichkeiten (de facto sind es, glaub’ ich, drei).

(3) Damals (siehe (2)) hatten wir wirklich noch ein Faktotum, ein Mädchen – nein: einen Mann – für alles in der Anatomie. Das, was nach der Präparation auf dem Kurs übrigbleibt, kommt in Särge  – und es wird nichts weggeworfen, sondern alles, was zu einem Individuum gehört, kommt auch in einen individuellen Sarg. Wobei ich gerade bemerke, dass “Individuum” (also “das Unzerteilbare”) an dieser Stelle wirklich nicht das richtige Wort ist. Die Körper sind sehr wohl zerteilbar, zerstückbar, das ist ja das Wesen der Anatomie. Siehe Fußnote (5).

(4) Prosektor – ich war damals der Prosektor der Anatomie. Ursprünglich oblag es dem Prosektor, die Leichen zu öffnen, derweil der Professor dozierte, es gibt dazu eine herrliche Karikatur von William Hogarth, die man hier finden kann. Der Herr mit Perücke und Brille und Messer ist der Prosektor.

Heute präparieren alle alles, vor allem die Studenten sollen selbst Hand anlegen. Der Prosektor ist der Vorsteher des ganzen Leichenwesens in der Anatomie, seine Aufgaben umfassen die Akquise der Körperspender, die organisatorische Abwicklung der Sterbefälle (Transporte, Papierkrieg), Organisation des Leichenkellers, der Kurse, und, und, und … Es ist ein full-time job, und unserem gegenwärtigen Prosektor, der zugleich auch Anatomiedozent ist (also Vorlesungen und Kurse abzuhalten hat) bleibt kaum noch Zeit für wissenschaftliche Arbeit. Das war zu meiner Zeit noch anders – das Kurswesen ist explodiert, der Verwaltungskram ist viel aufwendiger geworden, der Arbeitsschutz (Formalin! Thymol!) zieht gewaltigen (auch baulichen) Aufwand nach sich.

(5) Auch das ist die Aufgabe des Prosektors – Abwicklung der Kremierung, Beisetzung, Beisetzungsfeierlichkeiten. Denn letztere gibt es, die Aschenurnen werden im Beisein von Studenten, Anatomen und Angehörigen der Körperspender (so die dazukommen wollen) einmal im Jahr in der Grabstätte der Anatomie beigesetzt.

Als ich noch Prosektor war, fand ich das – die Vorbereitung der Übergabe der Särge ans Krematorium, den ganzen Papierkrieg, der da dran hängt – fand ich das den unangenehmsten Teil des Jobs. Nicht wegen des Papierkrieges – sondern wegen der oben angesprochenen “Individuation”. Erlauben Sie mir, das auszuführen:

Ein Körperspender stirbt. Als Individuum, als Person. Der Prosektor hatte mit dieser Person korrespondiert, oft auch telefoniert, jetzt führt er alle möglichen auf diese Person bezogenen Telefonate mit Angehörigen, Ärzten usw., weil er die Übernahme des Leichnams in die Anatomie organisieren muss.

Der Leichnam – nein: das Präparat des Leichnams, denn es ist ein mit Formalin fixierter, haltbar gemachter toter Körper, also keine Leiche, denn die würde verwesen – das Präparat kommt auf den Präparierkurs und wird seiner personalen Identität beraubt. Mit voller Absicht. Kein Name. So wenig Individuation wie möglich. Schon deshalb, weil das Präparat ja zunächst nicht für die Darstellung der persönlichen Anatomie des Sonderfalles, sondern für die Anatomie insgesamt, für den “Regelfall” stehen soll. Mit anderen Worten: die Anatomen hätten gerne gesunde Leichen. Nun ist man allerdings, wenn man tot ist, vorher meist nicht ganz gesund gewesen – es ist, wie ich finde, eine der interessantesten Dichotomien auf dem Präparierkurs, dass die Studierenden sich mit Begeisterung auf die pathologischen Veränderungen stürzen, je krasser, desto besser, derweil es den Anatomen (mich zumindest) graut, so etwas zu sehen. Ich will die Regel, nicht die oft grausige individuelle Ausnahme.

Secundo – betrachtete ich das Präparat, an dem ich arbeite, als Individuum, als Person, als Menschen gar – wie könnte ich das tun, was ich damit tue: es zerstücken? Das ist nämlich, nach bald 30 Jahren in der Anatomie, immer noch mein Standardalptraum: Ich mache einen großen Schnitt, um ein Organ, ein Herz, ein Hirn, eine Lunge herauszuholen, und merke, indem ich ihn mache, dass das Präparat noch lebendig war und ich es durch eben diesen Schnitt gerade getötet habe.

Ich muss das Präparat de-personalisieren, ich muss es ent-individualisieren, ich muss es ent-menschen, sonst könnte ich nicht tun, was ich als Anatom tun will und muss. Was aber nicht heisst, dass die Anatomie ein unmenschliches Handwerk wäre. Es gibt eine “Pietät” des Präpkurses. Nur bezieht sich die nicht auf die Personen, die als Spender hinter den Präparaten standen (die ich ja im übrigen, als Personen, auch gar nicht beleidigen/beschädigen kann, eben weil ich sie namentlich nicht kenne), sondern sie bezieht sich auf die Anatomie. Um die alte “urban legend” noch mal aufzuwärmen: Sollte ich auf die Idee kommen, einem Präparat die Ohren vom Kopfe abzuschneiden und sie anderswo wieder anzunähen, würde ich zu Recht aus meinem Beruf gejagt, so ich es täte. Nicht, weil ich irgendeine Person beleidigt hätte, sondern weil ich die Anatomie selbst verhöhnt hätte.(6)

So.

Nun ist der Präpkurs vorbei, der Prosektor macht den oben erwähnten Kremierungspapierkrieg. Und jetzt werden die de-personalisierten Präparate, die Nummern, auf einmal wieder zu Personen: Namen, Geburts- und Sterbedaten, ehemalige Wohnorte. Und im Gemüt des Prosektors steigen, ohne dass er das verhindern könnte, die Erinnerungen an den individuellen Sterbefall, die Telefonate, die Angehörigen, die Probleme oder die schönen Momente (denn auch die gibt es: wenn man als Prosektor helfen konnte) wieder auf. Aus den Präparaten werden also wirklich “die Toten”, die “mortui” in der vorletzten Zeile, die Personen, über die Gutes zu sagen wäre: Nämlich, dass sie uns halfen, Anatomie zu lehren. So eine Art von personaler Auferstehung im Papierkrieg, nur, damit man sie gleich wieder einäschert.

Das war schwer. Da wurde ich immer sehr traurig. Weswegen ich froh bin, nicht mehr Prosektor sein zu müssen.

(6) (noch eine Fußnote zur Fußnote:) Ich weiß, dass viele Kollegen das (Person/Individuation/Pathologie/Pietät) ganz anders sehen. Ich erhebe auch keinen Anspruch darauf, “recht” zu haben. Ich möchte nur – diesmal aus aktuellem Anlass, denn das Medizinstudium wird gerade wieder reformiert (“Masterplan 2020”) – darauf hinweisen, dass ich die frühzeitige “Pathologisierung” der Anatomie für einen Irrweg halte. Da soll, dem Masterplan und der Kompetenzorientierung zu folgen, die Anatomie immer gleich mit der Pathologie, am besten auch gleich noch zusammen mit der Klinik gelehrt werden. Wenn ich also im ersten Semester “Humerus” sage, kommt gleich der Orthopäd’ und sagt “Humerusschaftfraktur” und klappert mit seiner Büchse von Nägeln und Schrauben. Das nennt sich “vertikale Integration”, hat aber zur Folge, dass der Blick auf den Menschen von vorneherein pathologisch-therapeutisch dominiert wird. Der Wert einer Sache ist ihr Krankheitswert. Ich finde dieses Menschenbild nicht sehr gelungen. Es gäb’ zum Masterplan 2020 noch viel mehr zu sagen, ich werde das andernorts tun.

(7) Das ist, sagt das Internet, aus dem “Corpus hippocraticum”. Schiller (der selber Arzt gelernt hat, aber nur widerwillig) hat es auch verwendet. Und wie soll man denn auch, vor dem Hintergrund all dessen, von dem ich da oben erzählt habe, nicht notwendig ein bisschen schwarzhumorig, nicht melancholisch, nicht aus Notwendigkeit ein wenig thanatophil werden?

Strikte zurückzuweisen ist allerdings der Vorwurf der “Nekrophilie”, der mir jüngst tatsächlich gemacht worden ist. Ich finde Leichen nun wirklich völlig unsexy, und Präparate erst recht. Aus rein technischer, präparatorischer Perspektive möchte ich zudem darauf hinweisen, dass der Vollzug nekrophiler Praktiken an formalinfixierten Präparaten selbst in der allerhärtesten Fällen (sofern es sich um einen männlichen Nekrophiliker und ein weibliches Präparat handeln sollte) an der formalininduzierten Verhärtung aller relevanten Hohlorgane scheitern würde. Um einen ekligen Sachverhalt fachterminologisch zu euphemisieren.

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So viele Fußnoten, aber keine Übersetzung der lateinischen Stellen? Nicht sehr “volksnah” (- auch, wenn der ungebildete Leser das per Google in Erfahrung bringen kann, könnte man ihm diese Mühe abnehmen).

  2. Hallo Herr Wicht,
    wäre es nicht an der Zeit auch ein kleines memento mori von sich zu geben. In jeder katholischen Kirche, besonders in den Barockkirchen wird das Leben als Übergang zwischen Geburt und Tod gesehen und auch so dargestellt. Noch viel drastischer als Gottfried Benn das versucht hat.
    Sie stehen da in langer Tradition !

  3. @ bote19

    … na, wenn dieser Text (ebenso wie etwa ein Drittel der anderen, die ich hier je einstellte) kein “memento mori” enthält, dann hab’ ich das Ziel meiner Schreiberei verfehlt.
    Memento mori!
    Gott sei Dank!

  4. Helmut Wicht
    das ist schon richtig, Ihr Artikel ist ein memento mori.
    Ich bin nur noch am Rätseln, welche Absicht Sie dabei verfolgen.
    Wollen Sie den Menschen den Spiegel vorhalten, sie aus ihrer Selbstgefälligkeit reißen,
    und das Friede, Freude, Eierkuchen Getue mit Stumpf und Stil zertrümmern.
    Oder hat ihr Beruf Nachwuchsmangel und Sie machen ein wenig PR für Ihren Berufsstand.
    Auf jeden Fall finde ich es gut, dass Sie so sachlich über die “dunkle Seite des Menschseins” referieren.

  5. @ bote19

    … oh weh.
    Was will ich sagen?
    Was wollte Gottfried Benn sagen?

    Ich denke, dass Menschsein (auch, nicht nur) heißt, dass man sagen muss, denn nur uns ist die Gabe der Sprache gegeben. DASS man sagt, ist menschenwesentlich. WAS man sage, erstmal nicht.

    Mein Text dort oben läuft auf die letzte Fussnote zu. Mir wurde, vor ein paar Wochen, hier in diesem Blog “Nekrophilie” unterstellt. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen, es war also meine Absicht, auf ein WAS, das gesagt wurde, zu reagieren.

    Aber auch meinem Fach, der Melancholie und der Todesverliebtheit wollte ich eine Lanze brechen. Es bot sich an, das alles auf diese letzte Fussnote hinlaufen zu lassen. Und eigentlich ist alles, was ich hier schreibe, nur eine Paraphrase auf einen Dichter, der grösser war als Gottfried Benn, doch unbekannter ist: https://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1825_platen.html

  6. Erinnerte mich an eine buddhistische Textstelle:

    “Wiederum, ihr Bhikkhus, reflektiert ein Bhikkhu systematisch über diesen seinen Körper, von den Fußsohlen aufwärts und von den Haarspitzen abwärts, wie er, von Haut umhüllt, von vielfältigen unreinen Dingen angefüllt ist: ‘In diesem Körper gibt es Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Muskelfleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge, Dickdarm, Dünndarm, Mageninhalt, Kot, Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Talg, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin [10].’ So als ob es einen Sack gäbe, mit Öffnungen an beiden Seiten, gefüllt mit vielfältigen Körnern, wie zum Beispiel Bergreis, rotem Reis, Bohnen, Erbsen, Hirse und weißem Reis, und ein Mann mit guten Augen würde ihn öffnen und so systematisch darüber reflektieren: ‘Dies ist Bergreis, dies ist roter Reis, dies sind Bohnen, dies sind Erbsen, dies ist Hirse, dies ist weißer Reis;’ genauso reflektiert ein Bhikkhu systematisch über diesen seinen Körper, wie er von vielfältigen unreinen Dingen angefüllt ist: ‘In diesem Körper gibt es Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Muskelfleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge, Dickdarm, Dünndarm, Mageninhalt, Kot, Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Talg, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin.'”

    “Auf diese Weise verweilt er, indem er den Körper innerlich als einen Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er den Körper äußerlich als einen Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er den Körper sowohl innerlich als auch äußerlich als einen Körper betrachtet. Oder er verweilt, indem er die Ursprungsfaktoren im Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er die Auflösungsfaktoren im Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er die Ursprungs- und Auflösungsfaktoren im Körper betrachtet. Oder die Achtsamkeit, daß da ein Körper vorhanden ist, ist einfach in dem Ausmaß in ihm verankert, das für bloße Vergegenwärtigung und Achtsamkeit nötig ist. Und er verweilt unabhängig, haftet an nichts in der Welt an. Auch auf jene Weise verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet.”

    Noch mehr dazu ggfls. unter http://www.palikanon.com/visuddhi/vis06.html.

  7. Helmut Wicht
    bevor ich von meinen eigenen Gedanken verschüttet werde, muss ein Befreiungsschlag her.
    Was in der Fußnote zu lesen ist, dass ist wie ein Sumpf , aus dem man sich nur befreien kann, wenn einem Flügel wachsen.
    Diese Flügel sind entweder der Glaube an Gott und/oder der Glaube an eine neue Liebe.
    Dieser Graf von Platen hatte wahrscheinlich eine unglückliche Liebe hinter sich, von der er sich nie befreien konnte.
    Oder man freundet sich mit dem Sumpf an, was Sie als Todesverliebtheit bezeichnen.
    Jeder, der dem Tode schon sehr nahe war, der findet den Weg zu Gott oder wird zum Fatalisten.
    Ich für meinen Teil bekenne mich seitdem zum Glauben.

  8. @ Axel Krüger

    “So als ob es einen Sack gäbe, mit Öffnungen an beiden Seiten …”

    Den werd’ ich in meine Ausführungen zum Thema “Allgemeine Anatomie des Menschen” einbauen. Danke.

  9. Danke, Herr Wicht, für diese sehr informative und persönliche Schilderung eines wenig bekannten Bereiches der Medizinlehre aus der Sicht des Anatomen bzw. Prosektors! Am ehesten erfährt man ja von einem Studierenden, wie es dort hin und wieder so zugeht.

    Deshalb meine Frage: Würden Sie bei einem nahen Verwandten (m/w) dafür werben, dass er/sie sich als Körperspender/in zur Verfügung stellt? Oder haben Sie das bereits getan?

    Mein medizinisch geschultes Kind jedenfalls will nicht, dass ein Elternteil auf diese Weise zur Ausbildung angehender Mediziner beiträgt. Warum wohl?

  10. Mir ist gerade beim Durchgehen älterer Unterlagen eine (weitere) Textstelle untergekommen, die ebenfalls Aussagen zu, gewissermaßen, einem anatomischen Sachverhalt macht. Aus *Der Ursprung des Bewusstseins* (Rowohlt 1993) v. Julian Jaynes — Originaltitel: *The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind* —

    Und wenn eine Seele in eine so hinfällige Sache, wie das Fleisch es ist, eingehen und sie beleben kann – in einen verwundbaren Madensack, in den zu seiner Erhaltung am einen Ende pflanzliche und tierische Stoffe hineingestopft werden müssen, die dann am anderen Ende unter Entwicklung von üblen Gerüchen wieder ausgeschieden werden; ein von Sinnlichkeit zerfressenes Gefäß der Sünde, das mit den Jahren Runzeln zieht, von Blähungen geplagt und von grausamen Krankheiten heimgesucht wird und mit dem gleichen Akt, der auch eine Zwiebel spaltet, im Handumdrehen von der ihm einwohnenden Seele zu trennen ist […].

    Um nicht gänzlich missverstanden zu werden: Es gibt auch angenehmere Vorstellungen. Z.B. das engelsgleiche goldlockengerahmte Gesicht einer Studentin.

  11. Axel Krüger
    Die Metapher vom “Rauswurf aus dem Paradies” trifft doch die Situation des Menschen recht deutlich.
    Und wenn wir die Säugetiere anschauen, bei denen funktioniert der Verdauungsapparat genau so.
    Das ganze Dilemma rührt daher, dass der Mensch sich für etwas Besonderes hält.

Schreibe einen Kommentar