Philosophenwitz

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

Tolles Buch gelesen. John R. Searle: "Geist – Eine Einführung" (1).  Nicht alles, was da drin steht, stiess bei mir auf begeisterte Zustimmung, aber fast alles brachte mich zum Nachdenken. Und an einer Stelle – was bei philosophischer Lektüre eher selten vorkommt – hab' ich schallend gelacht.

Der Behaviorismus ist diejenige philosophische und psychologische Denkrichtung, die die Analyse des Seelenlebens auf schiere Reiz-Reaktionsbeziehungen reduzieren will. Denn das subjektive Innenleben des anderen ist uns ja nicht direkt zugänglich, es sei denn über seine Reaktionen oder Äusserungen. In seinen radikalen Formen leugnet der Behaviorismus sogar die Existenz dieser Innenwelten, nur das beobachtbare Verhalten sei "wirklich", nicht aber der interne Zustand, über den man nur Vermutungen auf Basis des Verhaltens anstellen könne. Searle bringt, zum Abschluss seiner Kritik des Behaviorismus, einen herrlichen Witz:

Ein behavioristisches Paar im Bett. Er zu ihr: "Für Dich war's wundervoll. Wie war's für mich?"

Der Witz ist doppelt herrlich. Er nimmt die Behavioristen auf die Schippe, spricht aber zugleich eine tiefere Wahrheit aus: wie sehen uns selbst immer im Spiegel der andern. Von daher ist unsere "Innenwelt" so "innen" gar nicht – sie verweist immer auf etwas, was "aussen" ist. Intentionalität, andere Baustelle…

 

(1)  erschienen bei Suhrkamp, 2006.

Helmut Wicht

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

3 Kommentare

  1. Searle ist schon witzig…

    Ich hatte das Vergnügen, letztes Jahr den letzten Vortrag von ihm zu hören, bei dem er noch keine PowerPoint-Präsentation verwendete, wie er selbst sagte, und es war herrlich.

    Allerdings fand ich es etwas peinlich, dass eine Vaterfigur der US-amerikanischen Philosophie öffentliche Vorträge dazu nutzen muss, vor einer “Rückkehr des Dualismus” zu warnen — diese Position hätten wir doch schon längst hinter uns, meinte er.

    Dabei vertrat er selbst einen Eigenschaftsdualismus, wollte es aber nicht wahr haben.

  2. Es dämmert

    Ich habe mich bisweilen gewundert, warum manche Menschen einen mit den Worten, “Na, wie geht es uns denn heute?”, begrüßen. Nun verstehe ich es langsam. Aber so richtig konsequent ist das nicht. Mal sehen, ob ich demnächst mit, “Na, wie geht es mir denn heute?”, begrüßt werde. 😉

  3. Bonmot zum Thema

    Ein kleines überspitztes Bonmot zum Verhältnis von Psychologie, Psychoanalyse und Behaviourismus über das ich gerade gestolpert bin:

    Was ist Psychologie? Nach einer schwarzen Katze in einem stockdunklen Zimmer suchen.
    Was ist Psychoanalyse? Nach einer schwarzen Katze in einem stockdunklen Zimmer suchen, in dem keine schwarze Katze ist – aber trotzdem eine finden.
    Was ist Behaviourismus? Zu glauben, in einem stockdunklen könne man keine schwarze Katze finden.

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