Im Inneren mancher Köpfe (Farbenlehre)

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

Das ist ein negroider Schädel  aus Afrika.  Er ist prognath (die Schneidezähne stehen recht weit vor), die Nasenöffnung ist so breit wie hoch, das Nasenbein ist flach, der Nasenstachel (unten an der Nasenhöhle) ist nicht sehr ausgeprägt, die Augenhöhlen sind deutlich viereckig, der Hirnkasten ist dolichocephal, deutlich länger als breit.


Quelle der Schädelbilder

Das ist ein Schädel aus Asien. Er ist nicht so prognath, das Gesicht ist flach. Der Nasenstachel ist deutlich, die Nasenöffnung viel höher als weit.  Die Öffnungen der Augenhöhlen sind rund, der Schädel ist fast so breit wie lang. Bradchycephal nennt man das. (1)

Die Bilder sind schwarz-weiss. Trotzdem sieht man – inwendig unterscheiden wir uns schon.

Von aussen aber auch.

Das ist der chinesische Bildhauer Lei Yixin vor der Kolossalstatue Martin Luther Kings, die er gemacht hat. Aus strahlend weissem chinesischem Granit.

Das ist die Reklame der Firma "Tecstone Granite" aus den USA  für allerfeinsten  "American Black Granite".  Es ist nämlich nicht so, dass es da keine feinen schwarzen Steine gäbe. Oh nein. Es gibt da sogar schwarzen Granit mit rassenbrüderlichen kleinen weissen Einsprengseln. "Ebony and Ivory", oder so…

 

Manchmal frag’ ich mich schon, wie es im Inneren der Köpfen derer aussieht, die solche Denkmäler konzipieren und ausführen. Vermutlich so ähnlich, wie im "American Black Granite". Eher duster.

Was für ein Agit-Prop-Klotz! Und dann noch in weiss, Martin Luther King, ausgerechnet, als Albino.  Aber naja.  Wenn die Chinesen demnächst die USA übernehmen, dann brauchen sie bloss den Kopf auszuwechseln, und fertig ist eine 1a Mao-Statue.

Da lob’ ich mir doch die Schädel. Innere Werte. Bleibend. Individuell.  Und auch auf schwarz-weiss Bildern leicht auseinander zu halten. Wenn man "typische" Schädel erwischt. Aber was ist schon "typisch" – andere Baustelle. Aber ein Denkmal: das sollte doch typisch sein, oder? Und selbst wenn man es schwarz anstriche – es ist Agit-Prop. Finde ich.

 

(1) Latinum hab’ ich. Graecum nicht. Daher der peinliche Fehler: bradys heisst langsam. Ich meinte aber brachys – kurz. Danke an Herrn Prof. Grube, einen Anatomen der alten (Frankfurter) Schule, der mich darauf hin wies.

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

10 Kommentare

  1. Martin Luther King in Weiß

    das ist die Aufhebung der Rassentrennung, wenn man es mal positiv interpretieren will. Da ich aber finde, dass dieser Mann für sich selbst steht und auch ein Symbol für den Amerikansichen Traum von Freiheit und Menschenrechte ist, wäre eine Statue aus amerikanischem Granit vom Mount Rushmore, aufgestellt in Washington, ehrlicher gewesen.

  2. Farbenlehre

    Was als erstes ins Auge springt (zumindest mir), ist, dass der negroide Schädel gar nicht schwarz, sondern praktisch genauso hell ist wie der asiatische. Beide sind fast so weiß wie dieser chinesische Granit…

    Kaum , dass die äußere Hülle fehlt, schon verschwinden die altvertrauten Unterschiede. Nur der Fachmann kann, wenn er denn typische Exemplare vorliegen hat, Schädel nach negroid, asiatisch oder kaukasisch unterscheiden.

    (Btw, richtig spannend und aufregend wird es ja erst, wenn wir den Schädelinhalt auf sogenannte ″Rassen″unterschiede hin untersuchen – aber das ist ebenfalls eine “andere Baustelle.”)

  3. Die Statue erinnert an die unzaehligen Statuen Kim Il Sung, des weisen Fuehrers und Vaters des glorreichen Volkes von Nordkorea. Das ist schade, denn M.L.K ist doch von ganz anderer Art. Ob es ihm gefallen haette?

  4. @ Balanus – im Schädelinnern

    (Zitat)
    “Btw, richtig spannend und aufregend wird es ja erst, wenn wir den Schädelinhalt auf sogenannte ″Rassenunterschiede” hin untersuchen – aber das ist ebenfalls eine “andere Baustelle.”
    (Zitat Ende)

    Für diese “Baustelle” empfiehlt es sich nach wie vor – obwohl er selbst in die Kritik geraten ist – Stephen Jay Goulds “Der falsch vermessene Mensch” zu lesen.

    Es gibt in der Tat ein paar morphologische Unterschiede an den Hirnen, die aber noch am ehesten mit der Schädelform (ausgeprägte Dolichocephalie bei manchen negroiden) zu tun haben. Die Hirne sind (scheinbar) “hinten länger/spitzer”.

    Da hiess es dann die “Neger hätten mehr Kleinhirn / mehr Hirn hinten”. Das war im späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhundert. Es geisterte damals auch noch von Galls Phrenologie in den Köpfen herum, und weil der die “niederen Triebe” da hinten verortet hatte, war klar, dass damit das anatomische Substrat der Triebhaftigkeit der schwarzen Rassen gefunden war.

    Von da geht’s schnurstracks zu Rudolf Steiner (ich hab’ das Steiner-Zitat in einem Kommentar von Andreas Lichte im “Detritus”-Blog von Martin Ballaschk, nebenan, in den Wissenslogs gefunden, Rudolf Steiner, „Vom Leben des Menschen und der Erde – Über das Wesen des Christentums“, GA 349, Dritter Vortrag, Dornach, 3. März 1923):

    (Zitat)
    “So daß also ein Schwarzer in Afrika ein Mensch ist, der möglichst viel Wärme und Licht vom Weltenraum aufsaugt und in sich ver arbeitet. Dadurch, daß er das tut, wirken über den ganzen Menschen hin die Kräfte des Weltenalls so. (Es wird gezeichnet.) Überall nimmt er Licht und Wärme auf, überall. Das verarbeitet er in sich selber. Da muß etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das, was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammen hängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.”
    (Zitat Ende)

    Alles klar?

  5. Hier geht es nicht um die Hautfarbe. Die Statue bildet zwar King ab. Aber was macht diesen Menschen aus, warum will man ihn in Erinnerung behalten? Wegen seinen Ideen. Die Reinheit dieser Ideen muss durch weißen Granit repräsentiert werden. Den Widerspruch zu erzeugen, der zum Nachdenken verleiht, es ist die Kunst.
    Ich finde schade, dass keiner hier (vielleicht nur Balanus?!) diesen Nachdenken nachgegangen. Sonst kann man aus diesem Foto kein Urteil über dieses Monument bilden. Die Idee aber finde ich großartig. Nicht die Farbe, nicht das Aussehen macht Menschen aus – seine Ideen, seine Taten ist es.

  6. @ Pottel

    “Nicht die Farbe, nicht das Aussehen macht Menschen aus – seine [sic!] Ideen, seine Taten ist [sic!] es.”

    Ohne in s/w-Denken verfallen zu wollen – als Anatom muss ich darauf insistieren, dass die Körperlichkeit in all ihren Variationen SEHR WOHL einen guten Teil des Menschen ausmacht.

    “Vivitur ingenio, caetera mortis erunt”
    (http://tinyurl.com/6hd6jp9) liess Vesal, der Stammvater der Anatomie seinem sinnenden Skelett auf’s Podest meisseln. “Gelebt wird im Geiste, alles übrige ist des Todes.”

    Ist aber nicht wahr. Solange der Mensch lebt, lebt er im Fleische. Auch wenn’ mir selbst anders lieber wäre.

  7. @Wicht

    Was bedeutet sic. Die Fehler? Leider habe ich Deutsch schon in fortgeschrittenem Alter gelernt und bis jetzt hier meine Probleme habe. Und mein Rechtschreibprogram mit mir.
    „Ohne in s/w-Denken verfallen zu wollen – als Anatom muss ich darauf insistieren, dass die Körperlichkeit in all ihren Variationen SEHR WOHL einen guten Teil des Menschen ausmacht.“
    Ich bin kein Anatom und ich denke, hoffe ich mindestens, das Gleiche. Es geht mir hier aber nicht um die Trennung des Geistes und Körpers. Es geht um die Taten, die ein Mensch vollzieht, um die Ideen, die er äußert. Man kann sehr gute Absichten haben, man kann fortschrittliche Ideen entwickeln. Wenn es aber nicht geäußert wird, ist es überhaupt nicht relevant. Wenn es geäußert wird, dann gehört es schon nicht dem Körper, es wird in dem Kommunikationsnetz integriert.
    Aber ja, in sexuellen Beziehungen muss das Fleisch vorhanden sein, es muss die tröstende Hand der Mutter, die ihr Kind beruht, vorhanden sein. Aber meistens haben wir Situationen, wenn es keine Rolle spielt. Ist es relevant in dieser Diskussion welche Haarfarbe ich habe oder andere Merkmale meines Körpers? Sie diskutieren mit den Ansichten, die ich äußere. Die Ansichten, die mit meiner Äußerung – mit dem Tippen dieser Zeilen von meinem Körper „weggelöst“ sind.

  8. Farbenlehre ./. Farbenleere

    Ich komme nicht umhin, Ihre körperlosen Worte und Denkanstöße, Frau Irena, wie auch die des Herrn Wicht als gut und nachdenkenswürdig zu erachten.

    Merci für dieses Blog
    nebst Kommentare.

    A.

    P.S.
    “Bradycephal” ließ mich schmunzeln. Bisweilen mag das auf den ein oder anderen “Kopf” wohl auch zutreffend scheinen. Hindurch. 🙂

  9. Der Neger kocht – jetzt auch im SPIEGEL

    @ Helmut Wicht

    SPIEGEL, “Heute in den Feuilletons”, 25.10.2011

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,793793,00.html

    “Die Angst vor der Gurukratie hat sich gelegt”

    In der “Welt” plädiert Peter Sloterdijk für Rudolf Steiner. Bei den Ruhrbaronen plädiert Rudolf Steiner gegen sich selbst (…)

    Andreas Lichte von den Ruhrbaronen ist nicht so einverstanden mit Peter Sloterdijks Rudolf-Steiner-Exhumierung. Zu Sloterdijks Behauptung, Steiner ermögliche eine Koexistenz der Menschen auf dem Planeten, stellt er Steiners Zitat über Menschen in Afrika: “Sehen wir uns zunächst die Schwarzen in Afrika an. Diese Schwarzen in Afrika haben die Eigentümlichkeit, dass sie alles Licht und alle Wärme vom Weltenraum aufsaugen. Sie nehmen das auf. Und dieses Licht und diese Wärme im Weltenraum, die kann nicht durch den ganzen Körper durchgehen, weil ja der Mensch immer ein Mensch ist, selbst wenn er ein Schwarzer ist… Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.” Und später dann: “Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.”

    zum vom SPIEGEL besprochenen Artikel der Ruhrbarone:

    http://www.ruhrbarone.de/baadische-zeitung-und-rudolf-steiner-bejubeln-ja-zitieren-nein/

    “Badische Zeitung und Rudolf Steiner: Bejubeln ja, Zitieren nein.”

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