Einsteins Hirn

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

Einsteins Hirn wurde, so entnehme ich einem überaus lesenswerten Buch (s.u.), nach seinem Tode entnommen. Gegen Einsteins ausdrücklichen Willen, von einem räuberischen Pathologen. Das war 1955. Der Pathologe  machte später eine (sehr amerikanische) "inverse Karriere" – er verbrachte seine Tage als automobiler Tramp "on the road" und in diversen "mobile homes". Ein veritables "road-movie" also, und, wer hätte das gedacht: Einstein war mit dabei im "cast".

Denn der Pathologe (sein Name sei hier verschwiegen, von wegen "condemnatio memoriae")  hatte das Gehirn in kleine Würfel geschnitten, etliche Dutzend alte Marmeladengläser mit Konservierungsflüssigkeit gefüllt, und die Hirnwürfelchen dahineingetan. Die Gläser kamen in eine alte Apfelsaftkiste, die wiederum in den Kofferraum eines angejahrten Biuck Skylark, und so bereiste der gewürfelte Einstein die Staaten von Ost nach West und wieder zurück.

Ich stell' mir gerade vor, was wohl passieren würde, wenn man die Würfelchen wieder zusammensetzen könnte und Einstein so wieder zum Reden brächte. Ich weiss genau, was er als erstes sagen würde:

 "Gott würfelt nicht!"

 

Zwei Fussnoten:

Das Buch heisst: "Im Museum der Gehirne", von Brian Burrel, erschienen bei Hoffmann und Campe, 2005

"Gott würfelt nicht" – das hat Einstein wirklich gesagt, weil er der statistischen, "würfelnden" Natur der Welt, wie sie die Quantenmechaniker beschrieben, misstraute.

Helmut Wicht

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

4 Kommentare

  1. Hirn und Würfel

    Das mit Einsteins Hirn ist wirklich eine skurrile Geschichte. Ein weiterer Buchtipp in diesem Zusammenhang: “Unterwegs mit Mr. Einstein” von Michael Paterniti (2001). Das habe ich seinerzeit rezensiert und in guter Erinnerung: http://www.spektrum.de/artikel/574792
    Und noch etwas: Klar hat Einstein den Satz “Gott würfelt nicht” im Munde geführt. Doch stammt der Satz wirklich von ihm? DIe Metapher vom „Würfelspiel der Natur“ geisterte allenthalben durch die Weimarer Republik. So taucht sie etwa in einem Artikel der Deutschen Allgemeinen Zeitung am 12. Januar 1930 auf. In der Sonntagsbeilage, um genauer zu sein. Überschrift des Artikels: “Willensfreiheit im Atom?” Auch ein lustiges Thema …

  2. Hirn und Würfel

    Ihre Rezension hab’ ich gerade gelesen – das Buch schenk’ ich mir zu Weihnachten.

    Entschuldigung, ja, ich hab’ halt eine eigentlich alte Kamelle wieder hervorgeholt, um das (neue?)Bonmot mit den “Würfeln” anbringen zu können. Stellen Sie sich nur mal vor, es würde Goethes Gehirn nach Jahrhunderten in einem dunklen Pathologenkeller wieder zu Tage kommen – was würde es sagen? Na?

    (Antwort ganz unten)

     

     

     

     

    “Mehr Licht!” natürlich.
    Obwohl … Sie kennen den Einwand der Hessen gegen die Interpretation von Goethes, des Hessen, berühmten letzten Worten? Er habe, so sagt man, den Satz nicht zu Ende sprechen können. Eigentlich sei ihm nur die Matratze zu hart gewesen. Er habe sagen wollen: “Mer lischd hier so hadd.”

  3. Würfel im Kopf

    Die Hirnwürfel über die Nahrung zu sich zu nehmen (na, noch ein paar Würfel für den Kaffee, nimm reichlich) würde sicherlich zu keiner Steigerung der Intelligenz führen. Besser legt der Anatom Hand an und tauscht ein paar Würfel grauer Zellen aus. Ist eigentlich ganz quadratisch praktisch diese Würfelform, denn wer will schon eine Kopie von Einstein sein und das komplette Hirn haben? Da bleibt ja nichts mehr von einem selber übrig. Dann lieber portionsweise.
    Der Nachteil der Sache ist, wenn der Anatom nicht ganz bei der Sache ist und aus Versehen in die Schale mit den Goethewürfeln greift. Am Ende spricht man dann in diesem häsischen Dialekt. Das wäre ja grausam.

  4. Häsisch

    (Hessische Reime)

    Dass isch ihm uff’s Aach nedd haach!
    “Häsisch” is’ die Haaseschbrach’!
    “Hessisch” is’, ganz offiziell,
    die Schbrach der Wahrheit! Heern’se, gell!
    Hisdorisch is’ des gut begründet,
    weil mer da Ziddade findet,
    voller Weisheid, wahr im Kern,
    unn’ mer heerd’se immer gern.
    Die Wahrheit, saach ich unverblümt,
    werd’in Hesse’hochgerühmt!
    Es steht sogar in manche Bisscher!
    Zem Beischbiel:
    “Aan’s is’ sischer…
    Die Rende!”
    Ende.

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