Der vertrackte Doktor (Von Titulaturen, Teil II)

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

Etymologisch ist’s einfach: “doctor” ist klassisches Latein, heisst “der Lehrer” und geht nach der konsonantischen Deklination; also lautet der Nominativ Plural “doctores”, weswegen man den “Dr.”, sollte man mehrere davon haben oder brauchen, als “Drs.”, seltener als “Dres.” abkürzt.

Ansonsten ist’s – zumindest im Bereich der Medizin, über den ich hier schreibe – ein Zoo von “Dres.”, ein bestiarium doctorum. Denn “Doktor” ist, nicht nur im Deutschen, die Berufsbezeichnung des Arztes; kaum einer käme wohl auf die Idee, seinen Doktor mit “Herr Arzt” anzureden, wiewohl das auch kein schäbiger Titel ist. (1) Es ist aber freilich auch ein akademischer Grad. Und dieser Grad  ist – als einziger unter allen – “eintragungsfähig”, man kann seinen Personalausweis und seinen Eintrag im Melderegister damit schmücken. Ohne dass der “Dr.” damit zum Namensbestandteil würde, ein Recht auf die Anrede “Herr/Frau Doktor XY” gibt es nicht.

Wie kommt man an so einen Grad?

Vier Wege gibt’s: en passant, labore et patientia, honoris causa, pecunia olente.

Pecunia olente, durch stinkendes Geld. Doktortitel mehr oder weniger dubioser Universitäten kann man kaufen. Davon verstehe ich nichts, ich hab’s nur der Vollständigkeit halber hier aufgenommen.

Labore et patientia, durch Arbeit und Ausdauer. Das ist der Königsweg, die Doktorarbeit, und das macht sie freilich auch: viel Arbeit. Selbst “copy and paste” will erarbeitet sein, in den Natur- und Ingenieurswissenschaften ist viel experimentelle Arbeit dabei, da fällt es schon schwerer, einen Türken zu bauen, aber auch das passiert. Die Regel ist aber, dass die Doktoranden aufrecht, unermüdlich, ehrlich sich durch die Wissensberge graben, die ihr Themengebiet umstellen und endlich selbst einen kleinen Maulwurfshügel aufschütten, der die Topographie des Wissenschaftsgebirges um ein weiteres Detail bereichert. Denn das besagt der Titel “Doktor” – sie oder er hat eine wissenschaftliche Frage eigenständig bearbeitet und beantwortet. Selbst wenn am Ende befunden wurde, dass es keine Antwort gibt, denn auch das ist ein Ergebnis. Die Doktorarbeit ist – selbst wenn sie im Teamwork einer grossen Arbeitsgruppe entstand – eine individuelle Sache, zwar gibt es wissenschaftliche Publikationen mit hunderten von Autoren, aber keine Kollektivpromotionen. Das Individuum wird promoviert, es hat eine eigene Arbeit abzuliefern und es hat in der Disputation Rede und Antwort zu stehen. Und eben weil es so viel Arbeit ist, und weil es die eigene war, hat man alles Recht, stolz auf diese Leistung zu sein und sich seines Doktors zu freuen. (2)

En passant, im Vorbeigehen. In Österreich und im unmittelbaren ehemaligen kaiserlich und königlichen Umfeld (Ungarn, Tschechien, Slowakei), aber auch in den Vereinigten Staaten gibts den Doktor gratis. Nach erfolgreich abgeschlossenem Medizinstudium (also ohne Promotion) kriegt man in den USA den “M.D.” (medicinae doctor), den man sich hinten an den Namen pappen kann, in Österreich den “Dr.med.univ.”, wobei das “univ.” nicht für “Universität”, sondern für “universal” steht: “Doktor der gesamten Medizin”.

Honoris causa, ehrenhalber. Auch den gibt’s käuflich. Ehrlich erworben dauert’s gemeinhin länger und macht auch mehr Arbeit, aber auch mehr Ehre. Disputation muss man keine mehr überstehen, auch keine Doktorarbeit schreiben, aber lange Laudationes muss man über sich ergehen lassen und nicht enden wollende akademische Feierstunden. Ich kenn’ mich da aus, ich hab’ schon geholfen, 15 dieser “h.c.”s in der Medizin zu machen. Die Motive, die hinter diesen “h.c.”-Verleihungen stecken, sind ganz unterschiedlich. Manchmal sind es Mäzene, denen die Universitäten mit diesem Titel zu danken versuchen, manchmal sind es Politiker, die man sich gewogen machen will, und manchmal sind es auch wirklich genuin wissenschaftliche Leistungen, die mit dem honoris causa gewürdigt werden. Auf so einen “h.c.” kann man also auch schon stolz sein. Besonders dann, wenn man nicht nur einen, sondern gleich mehrere hat. Hat man zwei oder mehr, dann schreibt man sich “Drs. h.c. mult.”, wobei anzumerken wäre, dass “multiplex” (also: “vielfach”) eigentlich für “nur” zweie eine arge Übertreibung ist. Andererseits: wo im Zahlenraum beginnt “vielfach”? Ist zwei ein Vielfaches von eins? Oder nur das Zweifache? Wie wäre es mit “Dr.h.c. duplex/triplex/quadruplus”?

Das wären, wenn ich es recht sehe, die Doktoren. Wie gesagt: ein Zoo. Werden wir wertend, werden wir kritisch. Die “echten” unter ihnen sind freilich die unter labor et patientia angeführten. Allerdings kann man sich – es klang oben schon an – die Frage stellen, inwieweit die Individuation der Leistung, die da durch die Promotion gewürdigt wird, vor dem Hintergrund einer immer stärker vernetzten, gruppenorientierten wissenschaftlichen Arbeitsweise, wie sie zumindest in den Naturwissenschaften gang und gäbe ist, überhaupt noch zu ermessen ist. Erneut: man schaue auf die wissenschaftlichen Publikationen. Eine Publikation eines einzelnen Autors – das war vor hundert Jahren noch die Regel. Heute ist es – zumindest in MINT und Medizin – die Ausnahme. Vielleicht ist das Handwerk da ehrlicher. Da gibt es noch das Gesellenstück, das Meisterstück.

Was könnte man sonst noch zur Probe der “Echtheit” des Doktors anführen? Nun – wohl wissend, dass ich damit in die Nähe der “genetischen Fehlschlusses” gerate – das Wort “Doktor” selbst. Das heisst nämlich nicht “Gelehrter” (sonst hiesse es “Doktus”) sondern “Lehrer”. Der Doktor ist gelehrt und lehrt, was er gelernt hat. Das schränkt den Kreis schon ziemlich ein.

Aus der inneruniversitären Sicht wäre zu sagen, dass die Schwärme der Doctores und vor allem auch der Doktoranden das Salz des Campus, der universitären Erde sind. Die Last der praktischen Verrichtung der wissenschaftlichen Arbeit ruht auf beiden, die Last der Lehre und des Prüfens auf den Doktoren. Sie werden dem gerecht, was ihr Titel über sie aussagt.

Und die anderen, die en passant ? Sind das nun keine Doktoren? Und die, die die Universität verlassen haben, und die nicht mehr lehren, auch nicht?

Ich verweise auf die Fussnote (2). Ich denke, dass das, was ich da über ererbte Titel gesagt habe, auch für die Doctores aller Provenienzen (selbst der erkauften) gilt: so ein Titel ist nicht nur Zierrat, er ist auch eine Herausforderung und ein Anspruch. Sich Doktor zu nennen, reicht nicht, man muss es auch sein. Einen Codex müsste man haben, so wie der Adel früher einen Codex hatte.(3)

In Ermangelung solch eines “hippokratischen Eides” für alle Doktoren schlage ich vor, mit Attituden anzufangen, die meiner Ansicht nach verpflichtend sind. Man nennt sich “Lehrer”, also lehre man. Durch das, was man sagt und tut oder unterlässt. Erwartet wird Gelehrtheit. Man sei es – gelehrt.  Man habe seinen Stil. Jede Rockergang hat den ihren. Der Stil der Doktorenbande ist der akademische. Man sei ihm treu, man reflektiere, disputiere, kritisiere, affirmiere und kenne die Grenzen seiner Gelehrsamkeit. Ja, ich denke, man darf, ja man soll den Akademiker “raushängen” lassen. Man hat einen Bildungsauftrag. Man muss ja deswegen nicht zum Schnösel werden. Ich persönlich hab’s einst bis zum Vizepräsidenten einer ziemlich ‘runtergekommenen kalifornischen Motorradfahrervereinigung gebracht. Obwohl ich Doktor war und bin, was die alle wussten.

Und unter diesen Bedingungen, denke ich, darf man den Titel auch getrost führen. Ich jedenfalls führe den meinen, und wie ich anredetechnisch, vor allem im akademischen Unfeld, damit umgehe, davon ein andermal. Als nächstes – das soll der dritte Teil in dieser “Serie” werden – will ich mich mit den nicht minder vielgestaltigen bestiarium professorum beschäftigen.

Postskriptum vom 6.11.2019:

Oh, ich vergass, dass es noch einen Weg zum begehrten Doktor gibt: Den Künstlernamen. Voila:

https://www.youtube.com/watch?v=gUjcjUF-urU

Dr. Hook and the Medicine Show Band. Ein show-off. “And we keep gettin’ richer but we can’t get our picture on the cover of the Rolling Stone”.

Fussnoten:

(1) Hier nochmal die altbekannte, aber schöne Etymologie des “Arztes”. Griechisch “iatros” (wie z.B. in Psychiater, Pädiater) heisst “Arzt”. Aber schon bald wars den “Dres.” nicht mehr genug nur Arzt zu sein, Chefärzte wollten sie heissen, so hingen sie sich ein “archi” (von “archein” – “herrschen”) vorne dran: “archiatros”. Das nun verkürzt und verschliffen zum “Arzt” wurde, weswegen ein “Chefarzt” eigentlich ein “ChefChefiater” ist …

(2) Der “Dr.” ist erarbeitet. Das “von und zu”, der Adelstitel in Namen, ist ererbt. Was übrigens nicht heisst, dass man nicht auch Arbeit damit hat, denn so einem Titel muss man auch erst mal gerecht werden.  Selbst wenn allenthalben von Egalität die Rede ist – irgendwo im Hinterstübchen unseres (zumindest meines) Bewusstseins spukt ein schwer zu exorzierender Hausgeist herum, der mich erwarten lässt, dass “Schackeline Schulz” von anderem Wesen ist als “Charlotte Maxime Freifrau von Fürstenberg”.  Und selbst wenn ich es erlebt habe (und ich habe es erlebt), dass Schackeline von ihrem Wesen geadelt wurde, die Freifrau aber ein Proll war: den Hausgeist ficht das nicht an. Es ist der Geist des Universalienstreites: Realismus vs. Nominalismus. Der meinige ist, ich weiss nicht warum, stark realistisch angehaucht: nomina sunt omina, die Namen sind (Vor-)zeichen, sind realia ante rem, haben eine eigene Wirklichkeit, die auf die Sachen und Personen, die sie bezeichnen, zurückwirkt. Und, wie ich mir nicht verkneifen kann, anzumerken: Ein gutes Stück Begriffsrealismus steckt auch in den aktuellen Debatten über “politisch korrekte Sprache”. Wären die Namen der Dinge und Personengruppen nackte nomina, technische Bezeichnungen, wie es die Nominalisten propagierten, dann hätte kein Mensch Grund, sich über irgendeinen Begriff aufzuregen. Eben weil die Begriffe aber Konnotationen haben, die ihrerseits wirkmächtig sind, kommt die ganze “pc”-Debatte ins Sein. Ich halte das für einen verspäteten Sieg des Begriffsrealismus.

(3) Zu dem so interessante Verhaltensnormen gehörten wie, zum Beispiel, nicht in Lohnverhältnissen arbeiten zu dürfen.

Helmut Wicht

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

14 Kommentare

  1. Helmut Wicht schrieb (04. Nov 2019):
    > […] für alle Doktoren schlage ich vor, mit Attituden anzufangen, die meiner Ansicht nach verpflichtend sind. Man nennt sich “Lehrer”, also lehre man. Durch das, was man sagt und tut oder unterlässt. Erwartet wird Gelehrtheit. Man sei es – gelehrt.
    > […] Der Stil der Doktorenbande ist der akademische. Man sei ihm treu, man reflektiere, disputiere, kritisiere, affirmiere und kenne die Grenzen seiner Gelehrsamkeit.

    Und man ermögliche, erkenne ggf. an und unterstütze, dass das, was man als Doktor/Lehrer zu lehren versucht, akademisch reflektiert, disputiert, affirmiert und womöglich auch kritisiert wird; und dass sich der jeweils vorhandenen begrenzten Gelehrsamkeit womöglich weitere hinzufügen lässt.

    Beispiel:

    Joachim schrieb (29. Okt 2019):
    > Wenn durch einen Bahnhof […] ein Zug […] durchfährt, so dass Zugspitze und Zugende gleichzeitig auf Höhe von Ende und Anfang des Bahnsteigs sind, dann […]

    Gemeint ist damit sicherlich nicht, dass die beiden wesentlichen Passage-Ereignisse insgesamt einander gleichzeitig wären; also nicht, dass das gesamte Treffen/Passieren von Zugspitze und Bahnsteigende einerseits, sowie das gesamte Treffen/Passieren von Zugende und Bahnsteiganfang andererseits, gleichzeitig gewesen wären.

    Gemeint ist sicherlich auch nicht, dass der Ereignisanteil (die Anzeige) der Zugspitze beim Passieren des Bahnsteigendes und der Ereignisanteil (die Anzeige) des Zugendes beim Passieren des Bahnsteiganfangs gleichzeitig gewesen wären.

    Sondern gemeint ist sicherlich stattdessen, dass der Ereignisanteil (die Anzeige) des Bahnsteigendes beim Passieren der Zugspitze und der Ereignisanteil (die Anzeige) des Bahnsteiganfangs beim Passieren des Zugendes gleichzeitig gewesen sind.

  2. Ja, ich denke, man darf, ja man soll den Akademiker “raushängen” lassen. Man hat einen Bildungsauftrag.

    Klingt nicht schlecht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  3. Zitat: „ Ja, ich denke, man darf, ja man soll den Akademiker “raushängen” lassen. Man hat einen Bildungsauftrag.“
    Lanweiliger formuliert: man soll lehren, was man gelernt hat, man soll sein Fachwissen vermitteln.

    Doch wie ich den Autor von seinen Beiträgen hier kenne, wird er sich damit nicht begnügen, sondern auch noch eine ordentliche Show abziehen und seine ganze Sprachmacht einbringen – was ja nicht schlecht ist, bleibt doch bei den Zuschauern und Zuhörern dann mehr hängen.

  4. Wenn man die Wahl hat zwischen einem Prof. Dr. Dr. und einer Arztgehilfin, dann sollte man die Arztgehilfin wählen. Prof. Dr.Dr. Doctores haben oft zwei linke Hände .

  5. @ Herr “Holzherr” (die doppelten Anführungszeichen nur deshalb, weil Sie nicht so heißen und sich einem nicht als solchen erkennbaren Pseudonyms bedürfen, was einigen im Web als unschicklich gilt)

    Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn sozusagen alles vergessen, was gelernt worden ist.

    Herr Wicht ist, wie sich Dr. Webbaer einzuschätzen erlaubt, ein bundesdeutscher Intellektueller, der nun, nach gewisser Anwesenheit im akademischen Wesen, auch mal eine “Show abziehen” könnte, die Versorgtheit im Alter meinend.

    Dr. W wäre hier der Letzte, der die ersten Steine werfen würde.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  6. @ Dr. Webbaer
    Ich verstehe nicht, was Sie sagen wollen.

    Eine “Show abziehen” tun wir im Leben alle, jeder hat eine Schauseite, die er nach aussen hin vorführt und vorführen muss, bei dem einen mag sie deckungsgleich mit der Innenansicht sein, beim anderen nicht … und was das mit der “Versorgtheit im Alter” zu tun haben soll, erschliesst sich mir auch nicht.

    Ferner führen Sie selbst einen Doktortitel, Sie führen ihn sogar in Ihrer email-Adresse, und zwar gleich prominent vornedran, titulieren sich in Ihrem eigenen Text als “Dr.” und reden deshalb von sich selbst in der dritten Person – verweigern mir aber die Anrede mit meinem akademischen Grad.

    Was soll ich denn davon halten? Soll das eine verquere Form der Kritik, der Ironie, oder ein Vanitas-Bild sein?

  7. So war’s nicht gemeint, eigentlich wollte Ihnen einer auf die Schulter klopfen.
    MFG
    Dr. Webbaer (der Herr Dr. Wicht STETS mit akademischem Grad anzureden gewusst hat, weiter oben nur ein wenig kollegial-freundlich werden wollte, Ihre hoffentlich nur zeitweilig vorliegende Agression missbilligt)

    PS:
    Meine Fresse, Webbaeren dürfen dies womöglich so schreiben, wie kann sich nur derart missverstanden werden?
    Dr. W wollte nicht, auch durch Annäherung, wie oben beigebracht, bei Ihnen, Herr Dr. Wicht gesondert punkten sozusagen.

    PPS:

    Diesen Tiefpunkt wird sich Dr. Webbaer merken.

  8. @ webbaer
    Dann war ich in der Tat auf dem Holzweg eines sich anbahnenden gründlichen Missverständnisses, bedanke mich für das Wohlwollen, und gut isses.

  9. Ich bin doch sehr erstaunt, wie einfach das geht. Damit wird die jahrelange harte Arbeit von Doktoranden seher stark diffamiert. Und mal davon abesehn, dass so ein Betrug sehr schnell auffällt beim Bewerbungsgespräch, ist es für mich viel schlimmer, dass ein Mitmensch, der ehrlich seinen Dr. durch harte Arbeit erworben hat, schnell Hohn und Spott von der Gesellschaft bekommen kann bzw. auch umgekehr

  10. Du schreibst: “Der meinige ist, ich weiss nicht warum, stark realistisch angehaucht: nomina sunt omina, die Namen sind (Vor-)zeichen, sind realia ante rem, haben eine eigene Wirklichkeit, die auf die Sachen und Personen, die sie bezeichnen, zurückwirkt.”

    Da habe ich direkt eine Frage zum Namen “Wicht” Trägst du ihn als Bürde, Krone oder Rüstung? 😉

  11. @ Dramiga
    Da ich knapp 1.80 bin, konnte ich mit dem “Wicht” gut leben. Mein Papa hingegen war ein kleiner Mann, ob er litt, weiss ich nicht.
    Seit ich weiss, dass “Wicht” ganz ursprünlich einfach nur “Ding, Sache, Etwas, Wesen” und u.U. auch “Dämon” bedeutet (Grimms Wörterbuch) bin ich mit dem Namen endgültig zufrieden. Vielfach brauchbar.
    Die Assoziation zu “wichtig” ist allzu offensichtlich, wird viel verwendet und stört mich ein wenig.

  12. Kommt halt auch immer etwas auf den Kontext an. Wenn sich jemand “Dr. Müller” nennt, der gar kein Doktor ist, kann man schon den Verdacht hegen, dass sich da jemand etwas anmaßt, das ihm nicht zusteht. Aber wenn sich jemand (in einem Forum, Blog etc.) “Dr. Mabuse”, “Dr. Seltsam” oder eben “Dr. Webbaer” nennt, kann man ruhig gelassen bleiben. Ähnlich ist es im Showbusiness. Einen Dr. John oder Professor Longhair (ich hoffe, dass die Namen geläufig sind, ansonsten bitte googeln) brauchte man auch nicht nach ihrer akademischen Qualifikation fragen.

    Und mit der Anrede des “Hausherrn” hier ist es auch so eine Sache. An sich ist ja in Blogs das “Du” üblich, aber das muss natürlich noch lange nicht in jedem Blog so sein. Jeder Blogger kann selbst entscheiden, wie er angeredet werden will, aber solange es da keine klaren und irgendwo veröffentlichten Regeln gibt, tappt man da als Kommentarschreiber etwas im Dunkeln. Mir etwa war der Name “Helmut Wicht” schon sehr lange aus dem Usenet ein Begriff, und da grenzt es schon an Beleidigung, wenn man als “Herr Dr. Wicht” angesprochen wird. Wie gesagt, es kommt immer auf den Kontext an.

  13. @ Polak

    Das war Gedankenübertragung. Ich habe gerade eben oben im Text ein Postskriptum eingesetzt, und auf “Dr. Hook and the Medicine Showband” verlinkt, “Professor Longhair” macht allerdings auch gute Musik.

    Ja, es kommt auf den Kontext an. Das Titularische reicht vom bierernsten, hochpolitischen (man bedenke das diplomatische/höfische Protokoll) bis zur ironischen Spielerei (z.B. in den Künstlernamen). Aber eben deshalb – und dich greife hier eigentlich dem Argument vor, das ich später machen wollte – aber eben deshalb sollte man darauf nicht verzichten. Es ist ein Werkzeug, ein Spielzeug, eine nützliche Sache in der Konstruktion von Beziehungen von Menschen untereinander.

  14. Nebenbei: In den Niederlanden bezeichnet “drs.” regelmäßig einen “doctorandus”, also Doktoranden. Das kann im internationalen Kontext schon mal zu Verwirrung verführen, zumal in den Niederlanden eine Promotion im fortgeschrittenen Alter nicht unüblich ist: Dann wird aus der Doktorandin schnell die Frau Doktor.

    P.S. Wenn sich jemand über den Inhalt eines Begriffes aufregt, dann belegt das keinen Realismus, sondern vielmehr eine (überflüssige) geistige Identifikation mit dem Inhalt des Begriffs. Solche Vorgänge könnte man also eher in die Grenzbereich zu den psychischen Störungen aufnehmen.

    Es grüßt aus Delhi, Stephan

Schreibe einen Kommentar