Steine, Gruben und viel Sand – Tag 1 der archäologischen Forschungsgrabung auf der Richtstätte von Belzig

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Geköpft und mit Steinen beschwert – archäologische Spuren von Hinrichtungen und Abwehrzauber in Mittelalter und Neuzeit
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Pilze, Ameisen und ein viel zu dicht bewachsener Wald empfing uns heute Morgen, als wir uns mit Grabungswerkzeug dem Ort näherten, der uns die nächsten vier Wochen beschäftigen wird. Leichter Herbstnebel ließ die Konturen verschwimmen, Geräusche waren hier oben kaum noch zu hören und so fiel es nicht schwer, sich eine andere Zeit vor zu stellen. Eine Zeit, in der Richtplätze und der Anblick von Gehenkten und Geräderten darauf zum normalen Alltag gehörten. Die Straße am Hügelfuß, deren Verlauf sich nur unwesentlich verändert haben dürfte, wurde heute wie damals benutzt. Für einige Reisende war sie der letzte Weg. Ein Weg ohne Wiederkehr, der hier oben auf dem Galgenhügel endete.

Die ersten Sondagen, die wir heute gelegt haben, zeigen bereits jetzt schon an, dass hier viel Bewegung geherrscht haben muss. Zeitlich lassen sich die Befunde noch nicht zuordnen. Doch wir sind auch erst am Anfang. Am Anfang einer spannenden Forschungsgrabung, die die erste ihrer Art im Land Brandenburg darstellt. Die nachfolgenden Berichte werden von den teilnehmenden Studenten verfasst. Ihr Blickwinkel und ihr Eindruck von einem bisher noch relativ unbekannten archäologischen Bereich werden in den nächsten Wochen Tag für Tag an dieser Stelle zu lesen sein.

Kurzer Tipp: wenn man auf die Bilder klickt, werden sie deutlicher und größer!

"Wieso passt dass nicht alles auf ein Bild???"
“Wieso passt dass nicht alles auf ein Bild???”

 

Werkzeug putzen - Tag 1 ist zu Ende.
Werkzeug putzen – Tag 1 ist zu Ende.

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

9 Kommentare

  1. Ah, es geht wieder los. Sehr schön. Diesmal in Brandenburg. Das dachte ich mir schon als ich die Bilder sah. Das ist so typisch für Brandenburg.

  2. Hi Marita,

    na denn viel Erfolg und schöne Befunde in der brandenburgischen Kiefernsteppe…(und das ohne thüringer Roster! 😉 )

    Die Mühlenbande

  3. Schön wenn man dort gräbt wo man weiss dass man etwas findet. Man weiss nur nicht, was man alles finden wird. Es bleibt also noch genügend Platz für Überrraschungen.

  4. Steine, Gruben und viel Sand. Die heutige Richtstätte von Belzig als nächster Tatort (gemeint ist die TV-Sendung). Das könnte ich mir vorstellen. Der Clou wäre, dass nicht nur ausgegraben, sondern auch vergraben wird.

  5. @ M.Holzherr – gerade das ist das “Lebendige” an der Archäologie – der Platz für Überraschungen!

  6. Im Focus klang es so, als sei es verwunderlich, daß dieser Ort als Richtstätte genutzt wird. Aber wer sich etwas auskennt mit der Religion der Vorfahren, der weiß, daß Belzig eine schon in heidnischer Zeit bestehende Siedlung war, die dem Gott Bel / Baldr geweiht war. Und der Galgenberg liegt nun genau westlich der Siedlung. Der Westen ist aber die Sonnenuntergangsseite und daher der natürliche Ort, wo man Tote begraben kann. Mich interessiert, ob die Broncezeit-Skelette Spuren von gewaltsam herbeigeführten Tod aufwiesen, ob also der Ort ein allgemeiner Friedhof oder schon damals eine Richtstätte gewesen ist.
    mfG

    • In der Tat ist die Nutzung von Richtplätzen als urgeschichtliche Grabstätte nicht so selten, allerdings gibt es bisher kaum bis keine tradierten Hinweise. Insofern ist Ihr Beleg recht interessant. Gibt es eine schriftliche Quelle dazu?
      Zu den Skeletten: die bronzezeitlichen Urnen enthielten ausschließlich Leichenbrand, eine typische Art der Grablege in dieser Zeit. Es handelt sich demnach um einen regulären Friedhof.

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