Lehrgrabung am Galgenhügel – aus Harzgerode wird Quedlinburg

BLOG: Abenteuer Geschichte – Archäologie unterm Galgen

Geköpft und mit Steinen beschwert – archäologische Spuren von Hinrichtungen und Abwehrzauber in Mittelalter und Neuzeit
Abenteuer Geschichte – Archäologie unterm Galgen

Um 13 Uhr trafen wir uns am 31.07 in praller Sonne vor der Uni in Halle. Nachdem wir die Autos beladen hatten, fuhren wir auf direktem Weg zum Galgenhügel nach Harzgerode. Große Ernüchterung machte sich breit, als wir bemerkten, dass das Rapsfeld, welches den Hügel bedeckte, noch nicht vom Bauern geerntet wurde. Er „versicherte“ uns (…), dass der Raps am Mittwoch nicht mehr stehen würde.

Trotzdem brauchten wir nun einen Plan B. Unsere Ausgrabungsleiterin Marita hatte tatsächlich einen Ausweichplan parat. Der Galgenhügel in Quedlinburg war vorsorglich mit beantragt worden. Wir fuhren also heute nach Quedlinburg.

Der Hügel soll an zwei Stellen genauer untersucht werden. Nur glich die Landschaft einem Urwald. Also hieß es den Boden vom Laub und Efeu zu befreien. Das erste Planum befindet sich auf dem Hügel zwischen drei Linden, welche den ehemaligen Galgen darstellen. Das zweite Planum befindet sich unterhalb des Hügels an der tiefer gelegenen Terrasse. Möglicherweise wurde das Terrain hügelabwärts verlagert. Eventuelle Befunde könnten sich auch in der Hanglage befinden.

Vor allem die zweite Fläche war von Efeu für die Ewigkeit verschlossen. Dies war eine große Herausforderung für unser Dreamteam Müllmäuse. Derweil rauschte im Tal die „Wilde Bode“ wo Marita noch einen Stock am Wegesrand in den Boden rammte und damit eine eventuell zukünftige Grabungsstelle markierte.

Danach brachten wir die Ausrüstung zum Hügel und bekamen Besuch von einem sehr freundlichen Heimatforscher, der uns nützliches Wissen mit auf den Weg gab. Doch bevor der erste Spatenstich getan wurde, mussten die Grabungsabschnitte noch eingemessen werden. Das war gar nicht so einfach, aber die Kollegen von der Uni und die beiden HiWis haben es gerockt. Das Messnetz steht.

Nachdem wir unsere Fläche vermessen hatten, fingen wir an, den garstigen Efeu zu entfernen. Anfangs hoben wir auch noch jedes Artefakt auf. Darunter waren Dinge, die viele wohl als Müll gesehen hätten. Hannes erfreut sich immer noch an der Zahnpasta aus der DDR, weil er seine vergessen hat?

Direkt unter dem Efeu fanden wir Reste eines Weihnachtsschmauses, welcher aus zerteilten Tierknochen bestand. Nach der Mittagspause kam Marita zu uns und meinte, dass das obere Team am Hügel bereits Keramik aus der frühen Neuzeit gefunden hat. Aufgrund der Beschreibung versuchte Hannes panisch seine gelbe Keramikscherbe wiederzufinden, die sich jedoch als Ofenkacheln aus den 60igern herausstellte.

Morgen heißt es Müllmäuse gegen Dreamteam 2 im Schaufelplanum.

Florian Klein

UNFASSBAR!!!!!!!!!!

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

1 Kommentar

  1. Efeu ist mies, der Schreiber dieser Zeilen kennt es von der Gartenarbeit, gebaggert werden darf nicht (bei erst einmal unklarer Fundlage)?

    MFG
    WB

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