Die erste Woche….

BLOG: Abenteuer Geschichte – Archäologie unterm Galgen

Geköpft und mit Steinen beschwert – archäologische Spuren von Hinrichtungen und Abwehrzauber in Mittelalter und Neuzeit
Abenteuer Geschichte – Archäologie unterm Galgen

Nach der ersten Woche mit Schaufel, Pinsel und Kelle können wir sagen, es ist noch ziemlich viel drin. Kurzer Rückblick: 1971 gruben Kollegen auf dem Galgenhügel weit über 50 Skelette aus.

…warten auf Wolken für das erste Foto.

Ihre Lage war insofern sonderbar, als dass die meisten Individuen ihre Hände unter dem Rücken/Becken gekreuzt hatten, was auf eine Fesselung schließen lässt. Diese Tatsache führt weiter zu der Annahme, dass an dieser Stelle gerichtete wurde, wohl vorwiegend durch Strangulation. Folgegrabungen 2009, und 2010 bestätigten diese Theorie durch weitere Funde. Zeitlich kann die Betreibung der Richtstätte relativ gut eingegrenzt werden. Gürtelschnallen datieren den Fundort in das 12. bis 14. Jahrhundert. Hier, direkt an der Alten Nürnberger Geleitstrasse, einer gut ausgebauten Handelsstraße des Mittelalters, war also rege das Strafrecht der Territorialherren vollzogen worden.

Die Delinquenten liegen auf einem heute durch Erosion abgetragenen Hügel, der zu urgeschichtlicher Zeit wohl weitaus größer gewesen sein dürfte. Es handelt sich um eine Grabstätte, die durch Aufschüttung und Steinsetzung zu einem weithin sichtbaren Grabhügel zusammengefügt wurde. Auch hier gibt es zeitlich datierende Funde.

Noch immer befinden sie sich also hier. Verlagerte Skelettfragmente verraten uns das Vorhandensein weiterer Menschen, die vor 800 bis 600 Jahren hier ihr Leben ließen. Es ist nicht mehr feststellbar, wofür sie bestraft wurden, ob sie überhaupt tatsächlich straffällig waren, aber viele weitere Informationen kann man ihren Knochen ablesen. Wo waren sie aufgewachsen? Die Knochenabnutzung zeigt auf, ob sie einer höheren oder niederen gesellschaftlichen Schicht angehörten. Gab es in ihrem Leben Krankleiten, Hungerzeiten? Wir wollen mittels einer Sondage den Hügelaufbau klären und sind dabei auf Skelettfragmente gestoßen, denen wir nun nachgehen, um das gesamte Individuum freizulegen. Petrus hat unseren Schnitt bisher nur einmal zuregnen lassen – dafür hätten wir uns Goddios Ausrüstung gewünscht – aber sonst ist hier oben auf dem Hügel optimales Grabungswetter. Soviel zu unserer ersten Woche. Am Montag geht es weiter, dem Mittelalter entgegen.

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

4 Kommentare

  1. Viel Erfolg!

    Es ist eine spannende Sache, hier auf Ihrem Blog die Grabungen ‘live’ zu verfolgen! Werden Sie auch Bilder einstellen, eine Zeichnung oder Karte vielleicht?

  2. Fotos und Karten

    Danke.
    Wir haben leider in diesem Jahr keinen Internetzugang, daher können wir Texte nur sporadisch veröffentlichen und Bildmaterial erst am Ende (wenn wir wieder zu Hause am Netz sind) hinzufügen.

    Ganz gute Idee, mal eine Zeichnung einzufügen….

  3. Viel Erfolg und Sonnenschein

    Hallo Ihr Lieben,
    bin in Gedanken auch in diesem Jahr dabei und sehr gespannt, was Ihr alles finden werdet.
    Auf die Texte, auch wenn sie nur sporadisch möglich sind, freue ich mich schon.
    Viel Erfolg und tolle Funde wünscht Euch
    Ilse Wohlbür.

  4. Ilse!

    Schade, dass Du in diesem Jahr nicht bei uns bist! Wir hätten sicher ein schönes Plätzchen am Profil für Dich gefunden ;-).

    Liebe Grüße aus dem schönen Thüringen

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