Das Abenteuer Geschichte ist zu Ende

Abenteuer Geschichte – Archäologie unterm Galgen

Nun, inzwischen sind alle wohlbehalten zu Hause angekommen, haben sich erst einmal so richtig ausgeschlafen, werden ihre Handflächen betrachten und bei jeder Blase an den harten Boden dort oben auf dem Galgenhügel denken. Es war tatsächlich nicht leicht, die oberste Schicht abzutragen und dann ein halbwegs ordentliches Planum zu erstellen. Aber ich muss rückblickend sagen, trotz wechselhaftem Wetter und kräftezehrendem Graben haben sich die Teilnehmer wacker geschlagen. Hieß es doch jeden Morgen pünktlich um 8 Uhr zum Frühstück zu erscheinen – egal wie schön und lang das Lagerfeuer in der vergangenen Nacht war – und um 9 Uhr die Schaufel zu schultern und den Galgenberg zu erklimmen.

Schaurige Geschichten um das Handwerk des mit Infamie beladenen Scharfrichters und seiner ihm ausgelieferten Delinquenten ließen alle, auch mich, mit großen Erwartungen in das Erdreich blicken. Hatten wir doch im letzten Jahr ein Skelett ausgegraben, was uns möglicherweise an den Rand der neuzeitlichen Hinrichtungsstätte gebracht haben könnte. Allein, es sollte nicht sein. Aber dies hat unsere Teilnehmer nicht enttäuscht. Sie haben diverse Eisengegenstände im Boden gefunden, was ihnen verdeutlicht hat, dass alles aus der Vergangenheit Spuren hinterlässt. Diese Artefakte selbst dem Schlummer der Zeit entrissen zu haben und sie nun, lange Zeit, nach dem ihr Besitzer sie verloren hat in der Hand zu halten, lässt alles, was sie über Templer, Brandenburger Kurfürsten und den Siebenjährigen Krieg erfahren haben, lebendig werden.  Sie haben in sprachlich gemischten Gruppen gezeichnet, vermessen und gegraben und haben dabei ihre gemeinsame Vergangenheit entdeckt. Ich hoffe, sie nehmen dieses Gespür für das zeitlose Abenteuer Geschichte mit nach Hause und es wird sie bei allem, was sie aus der Vergangenheit berührt, nicht mehr verlassen.

An dieser Stelle Danke allen Teilnehmern und Betreuern für eine schöne erlebnisreiche Woche in der Templerkomturei Chwarszczany. Ich hoffe, wir sehen uns im nächsten Jahr alle wieder, um uns auf ein Neues in die Vergangenheit zu wagen!

Marita Genesis

Marita Genesis

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Dozentin an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

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