Archäologische Ausgrabung im September 2015: Der Galgenberg Fürstenwalde. Ein Richtplatz inmitten der Stadt.

Abenteuer Geschichte – Archäologie unterm Galgen

Am 31.08.2015 ist es wieder soweit. Gemeinsam mit neuen, wissbegierigen Studenten werden wir nach einem Jahr Theorie wieder der Rechtsgeschichte mit Schaufel und Spaten zu Leibe rücken. Diesmal ist es der Galgenhügel Fürstenwalde, der usprünglich vor den Toren der Stadt auf einem Hügel weithin sichtbar den Galgen trug.Mittlerweile ist der Hügel von Häusern umbaut, so dass er heute zum Zentrum der Stadt gehört. Wie viel von seiner justiziablen Vergangenheit noch im Boden ruht, werden wir im Laufe der nächsten vier Wochen freilegen.Der „Richtstättenkatalog Brandenburg“ wird damit um eine archäologische Dokumentation eines Richtplatzes erweitert.

Bereits im Frühling haben wir eine Voruntersuchung auf dem Galgenhügel in Fürstenwalde  durchgeführt. Im Vorfeld berichtete die örtliche Presse von unseren Ergebnissen unter http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1393590 und http://www.kdg-foto.de/2015/07/richtstaettenarchaeologie-in-fuerstenwalde/ 

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Neben Knochen, Scherben und Steinen fanden wir auch dies. Ist zu erraten, worum es sich handelt?

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Der Blick in den Boden offenbart, dass wohl einige Fürstenwalder ihren Schutt und Hausmüll auf dem Berg entsorgt haben. Das eigentliche Fundgut erwartet uns demzufolge wohl erst nach einer intensiven Reise durch die letzten 100 Jahre Fürstenwalder Alltagsgeschichte.

Auch in diesem Jahr bekommen wir von der Stadt viel Unterstützung. So ist das Museum Fürstenwalde von Anfang an im Projektgeschehen eingebunden und hat uns tatkräftig mit historischen Quellen und viel praktischer Hilfe unterstützt. An dieser Stelle lieben Dank an Herrn Strohfeld. Durch die  Wohnungswirtschaft Fürstenwalde haben wir zwei Räume bekommen, die uns regensicheres Aufarbeiten der Funde und eine trockene Mittagspause  garantieren. Auch an sie geht ein herzliches Dankeschön.

Urteile aus der Stadtgeschichte zeigen das Verbrennen, Enthaupten und Rädern an. Wurden weitaus mehr Strafen vollzogen? Wie hoch ist der Anteil von Männern? Wie alt waren die Delinquenten…und schließlich: wie sah der Galgen aus? Diese und weitere Fragen hoffen wir am Ende der vierwöchigen Grabung beantworten zu können.

Die 1910 am Berg gefundenen Skelette weisen schon jetzt darauf hin, dass weitaus mehr Bestattungen zu erwarten sind, als uns die schriftlichen Quellen bisher verraten.

Wir sind gespannt, was genau wir dort oben auf der ehemaligen Stätte der städtischen Blutgerichtsbarkeit finden werden.

Unsere Studenten führen ab 31.08. jeden Tag an dieser Stelle ein Tagebuch über die Grabung.

Sie sind herzlich eingeladen, dem Grabungsverlauf zu folgen.

 

Marita Genesis

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Dozentin an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

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