2018…die Ausgrabung auf dem Galgenberg Bad Belzig ist zu Ende

In der letzten Woche wurden die Gruben wieder verfüllt. Kein Wirbeln mehr auf dem Berg, keine kratzenden oder schürfenden Geräusche, keine Fragen, kein Staunen mehr über den letzten Moment, den die Erde konserviert hat…..die Ausgrabung auf dem Galgenberg ist zu Ende.

Was haben wir gefunden? Hiebverletzungen – deutlich zeigen sie den Schlag des Scharfrichters an. Skelette, deren insitu-Lage uns die Art der Todesstrafe verrät. Vorliegend dürfte es sich um einen enthaupteten erwachsenen Mann handeln, der in der frühen Neuzeit gelebt hat und durch ein gerichtliches Urteil – das Enthaupten – den Tod gefunden hat. Ein weiteres Individuum, das Geschlecht und das Alter müssen erst noch bestimmt werden, war unter einer großen Steinschicht vergraben, die Angst vor seiner Wiederkehr in das Reich der Lebenden scheint groß gewesen zu sein. Ebenso außergewöhnlich erscheint die Sargbestattung eines adulten Individuums, auf Richtstätten wurde äußerst selten mit einer solchen Anteilnahme und Sorgfalt bestattet.

Berührend und aufschlussreich war auch die Grablege aus einer viel älteren Zeit. Die beiden Urnen aus der jüngeren Bronzezeit/späten Eisenzeit waren liebevoll auf einem kleinen Steinpflaster aufgestellt worden, bevor sie von einem großen vasenähnlichen Gefäß überdeckelt wurden. Oben waren zum Schutz oder zur Kennzeichnung noch große Feldsteine gestapelt worden. Einzelne Beigefäße, womöglich mit Speisen gefüllt, waren rund um die Bestattung aufgestellt worden. Die Urnen werden in der nächsten Zeit ausgenommen, der Leichenbrand und der restliche Inhalt dürften möglicherweise einiges zur Persönlichkeit der hier Bestatteten aussagen.

Erstaunlich ist das dichte Beieinander der etwa dreitausend Jahre alten Bestattungen und der mittelalterlichen/neuzeitlichen Pfosten- und Grabgruben. In diesem Jahr ergaben sich die reichhaltigen Befundsituationen auf einer engen Fläche von 3x4m.

Begleitet wurden die Arbeiten vom Fernsehteam des RBB und vom ZDF, in deren Auftrag ein Beitrag zur Richtstättenarchäologie entsteht. Das freut uns Richtstättenarchäologen sehr, steht unsere Arbeit noch immer am Rande der neuzeitlichen archäologischen Arbeitsfelder.

Mark Benecke besuchte uns und war erwartungsgemäß begeistert von dem unmittelbaren Blick in die Vergangenheit. Unsere Diskussion war durch nichts zu bremsen und Marks Beitrag auf youtube https://www.youtube.com/watch?v=Grjsb2P_cnE vermag einen kleinen Vorgeschmack auf die ZDF History Sendung zu werfen.

Mein Grabungsteam in diesem Jahr war ein Traum. An dieser Stelle euch ein liebes starkes Dankeschön. Ohne euren Fleiß, euren Einsatz und vor allem euren Wissensdurst wären diese wunderbaren Ergebnisse in dieser Vollständigkeit nicht zu Tage gekommen. Auch Mario und Steffen – danke! Ersterem auch für seinen Mut……

Ergebnisse kommen demnächst auf dieser Seite.

Marita Genesis

Endlich zusammen am Ort der Taten.

Mitten in der Diskussion…

Sargbestattung, NZ

Verlochungsgrube, MA/NZ

Urne mit kleinem Beigefäß, Bronzezeit/Eisenzeit

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Dozentin an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

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