Das Gehirn ist weiter als der Himmel … – ein Blogpost für Kinder

Bloggewitter_Kinder

Ehrlich gesagt, finde ich den Blick in den Körper des Menschen immer ein wenig ekelig. Faszinierend ist er zwar auch, das stimmt – aber vor allem doch ziemlich ekelig. Das gilt allein schon, wenn man sich Bilder oder Videos von irgendwelchen Organen anschauen muss (und ich möchte mir die dazu gehörigen Gerüche wirklich nicht vorstellen)! Ich war daher auch nie besonders neidisch auf Medizinstudenten, die während ihres Studiums in echt in Körper gucken müssen (natürlich in tote Körper), um zu verstehen, wo welches Organ genau sitzt und wie es mit den anderen verbunden ist.

Ein bestimmtes Organ hat es mir nun aber seit vielen vielen Jahren doch ziemlich angetan, und das ist unser Gehirn. Das Gehirn eines Menschen wiegt so viel wie so eine große 1,5 Liter Flasche Cola. Es besteht vor allem aus ziemlich viel Wasser, dann Eiweiß, Zucker (Kohlenhydrate) und Fett – zusätzlich noch eine Prise Mineralien und so Zeugs. Ich schätze, das kostet im Laden alles zusammen keinen müden Euro. Aber dieses Organ hat es echt in sich!

Schauen wir uns einmal das Sehen an. Wenn man abends das Licht am Schalter ausmacht, ist es dunkel, man sieht im gleichen Augenblick nichts mehr. Das heißt: wir sehen gar nicht die Dinge selbst – die sind ja auch bei Dunkelheit alle noch da –, sondern nur das Licht, das aus der Lampe kommt, dann von diesen Dingen abprallt und schließlich in unsere Augen fällt. Daher entsteht der gleiche Effekt der Dunkelheit, wenn man das Licht anlässt aber seine Augen schließt: Augen zu – Welt weg, Augen auf – Welt wieder da!

— Nur am Rande der Großstadt: Man kann an jeden beliebigen Punkt eines Zimmers gehen und sich dann in alle möglichen Richtungen drehen – von jedem Punkt aus kann man dann den gesamten Raum vor sich sehen. Das heißt: In gewisser Weise befindet sich an jedem einzelnen Punkt des Zimmers ein mögliches Bild des Raumes und zwar in allen möglichen Richtungen – und dieses genaue Bild erscheint, sobald sich Dein Auge dort befindet! —

Nun würde allerdings das Auge allein noch nicht so richtig weiterhelfen. Auch ein Fotoapparat kann nicht wirklich sehen – wir selbst sind es ja, die hinterher das Bild sehen, das er aufgenommen hat; aber der Fotoapparat sieht nichts und schon gar nicht weiß er, dass er Bilder macht. Wir können sehen, weil unsere Augen in einem Kopf stecken und der wiederum auf unserem Körper, wobei die Sache mit dem Sehen deutlich erleichtert wird, wenn dieser Körper lebendig ist – was bei Deinem Körper hoffentlich gerade der Fall ist. (Wenn Du jetzt gerade irgendwie unsicher bist, schaue besser noch einmal nach!)

Okay, wie geht es denn jetzt weiter mit dem Licht, das in die Augen fällt? Nun, es wird durch die Hornhaut, die Linse und den Glaskörper bis zur Netzhaut im Inneren unserer Augen geführt. Diese Netzhaut enthält viele lichtempfindliche Nervenzellen – die produzieren die ganze Zeit irgendwelche Signale. Man soll ja nicht mehr „klick“ sagen, sagen die Experten für Gehirn, aber ich finde es sehr anschaulich, mir vorzustellen, dass die Nervenzellen in der Netzhaut die ganze Zeit „klick klick klick“ machen. (Das machen die natürlich unhörbar leise – sonst würde man ja vor lauter Lärm im Auge gar nichts mehr sehen können, logisch.) Wenn jetzt Licht ankommt und auf so eine Nervenzelle trifft, dann macht diese Nervenzelle nur ein wenig anders „klick klick“ als vorher, zum Beispiel ein bisschen schneller oder ein bisschen langsamer. Die Nervenzelle, nennen wir sie der Einfachheit halber Klaus, nimmt aber nicht das Licht auf, sondern das Leben des Lichtteilchens endet an der Netzhaut, aus die Maus – Klaus frisst das Lichtteilchen sozusagen und weg ist es. Mit dem einzigen Ergebnis, dass Klaus nun für einen sehr kurzen Augenblick minimal anders funkt als vorher. So ein Auge ist also irgendwie eine ziemliche Sackgasse für Lichtteilchen, und es ist gar keine gute Idee in so ein Auge rein zu fliegen, wenn man als Lichtteilchen eigentlich noch etwas anderes vorhatte.

Okay, jetzt ist das Licht also weg und Klaus macht kurz „kliiiiick kliiiiick“ statt „klick klick“. Dieses ganze Geklicker wird nun weiter geleitet. So eine Nervenzelle hat nämlich sogenannte Fortsätze, also eine Art „Arme“. Die können zwar nicht greifen oder so was, aber die sind lang und erreichen andere Nervenzellen in ihrer Nähe oder auch Nervenzellen, die viele Zentimeter entfernt irgendwo anders im Gehirn liegen. So kann Klaus seine „klick klick“-Aktivität an die nach geschalteten Nervenzellen funken. Diese nachgeschalteten Nervenzellen machen auch den lieben langen Tag (und natürlich auch nachts) nichts anderes als „klick klick“. Und wenn jetzt Klaus, die Nervenzelle in der Netzhaut, auf einmal „kliiiiick kliiiiiick“ macht, dann kann es sein, dass die Aktivität der anderen, nachgeschalteten Nervenzellen, die Klaus funken hören, auch ein ganz kleines Bisschen verändert wird. Aber echt nur ganz ganz wenig!

Stellen wir uns vor, wir schauen jetzt mal von außen mit einer Röntgenbrille in den Kopf eines Kindes, das gerade etwas Bestimmtes sieht und das rein zufällig eine Nervenzelle mit Namen Klaus in der Netzhaut seines Auges hat. Sagen wir das Kind heißt Marie. Wir könnten das ganze Licht, das sie am Ende ja irgendwie sehen kann (sie sagt ja wenigstens, dass sie etwas sieht!), nirgendwo im Gehirn von Marie wiederfinden – es wurde ja von Klaus und seinen Kollegen in der Netzhaut schon längst „aufgefressen“. Das Gehirn sitzt im Schädel, einem hohlen fußballförmigen Knochen; deswegen müssen wir uns das Gehirn als einen ziemlich düsteren Ort vorstellen. Außerdem ist es dort glitschig und deutlich wärmer als in dem Zimmer, in dem Du gerade sitzt (das Gehirn ist fast so warm wie die Badewanne, in die Deine Eltern Dich samstagnachmittags immer reinstecken)! Also: dunkel, glitschig, warm, und – wie wir gleich zu Anfang schon festgestellt haben – keinen müden Euro wert, das ist unser Gehirn. Und nun die Eine-Millionen-Dollar-Preisfrage: Wie um Gottes willen soll man bitteschön mit so einem merkwürdigen Teil im Kopf SEHEN können?

Aber es ist so: Nur wenn diese ganzen Nervenzellen in unserem Kopf – es sind Dutzende, Hunderte, Tausende, Millionen, Milliarden von Nervenzellen! -, nur wenn die alle richtig „klicken“ und „ticken“ und „funken“, können wir irgendetwas sehen, sobald wir die Augen aufmachen und das Licht einschalten! Und auch Hören geht nur mit dem Gehirn! Und die Wärme des Badewassers spüren! Und einen Witz verstehen! Und lachen! Und Vokabeln lernen! Und Rechnen! Und Riechen! Und an den ersten Schultag zurück Denken! Und Wissen, wie der amerikanische Präsident heißt! Und und und … Ganz ehrlich? Wir könnten absolut gar nichts, wenn wir nicht dieses eigenartige Organ namens Gehirn in unserem Kopf hätten, nichts, nada, niente, nothing, rien, absolut Null komma Null! Um der oder die zu sein, der oder die Du bist, brauchst Du unbedingt Dein ganz persönliches Gehirn.

Denken wir noch ein wenig weiter: Marie sagt, dass sie mich sehen kann! Ich meine, ich geb ja gerne zu, dass ich die Lichtteilchen, die mich treffen, nicht daran hindere, wieder von mir abzuprallen. Und ich kann auch nicht ausschließen, dass sich das ein oder andere dieser an mir abgeprallten Lichtteilchen in Maries Auge verirrt und dort (unter anderem) von Klaus gefressen wurde – was mir auch ein wenig Leid tut für das arme Lichtteilchen, aber was kann ich denn dafür? Ich glaube den Hirnforschern auch gerne, dass in Maries Gehirn eine Menge los ist und dass die ganze Zeit unzählige „klick klick klick“-Signale hin und her geschickt werden. Aber, sorry guys, dieses Gehirn in seinem dunklen Schädelkasten hat mich noch nie im Leben gesehen – sonst hätte ich es ja auch schon gesehen! – und es hat absolut keine Ahnung, was Licht ist (weil Klaus ja immer alles auffrisst und dann nur die langweiligen immergleichen Klicks durch die Gegend funkt) – wie bitteschön soll das Gehirn da wissen können, wie ich aussehe? Ist es nicht eine völlig verrückte Vorstellung, dass ausgerechnet ein Organ, das gleichsam in ewiger Dunkelheit vor sich hin-„klickt“, etwas „sehen“ können soll??!

Halten wir fest: Marie sieht mich, das lässt sich leicht überprüfen mit einigen wenigen Tests: Ich hebe die Hand. Marie sagt: „Du hebst die Hand.“ Ich kneife meine Augen zu. Marie sagt: „Du kneifst Deine Augen zu.“ Aber ich bin doch nicht in das Gehirn von Marie hinein geklettert! Das Licht, das von mir abgeprallt ist, ist nicht in Maries Gehirn eingedrungen – es hat nur ein ganz klein wenig die „klick klick“-Aktivität beeinflusst, die dort ohnehin die ganze Zeit abläuft. Und das Ergebnis von alldem ist, dass Marie mich sehen kann, dass sie ihre ganze Umgebung sehen, hören, riechen, schmecken, tasten, also: wahrnehmen kann! – Mir läuft echt ein Schauer über den Rücken, wenn mir klar wird, dass das ja auch in diesem Augenblick für mich selbst gilt! Ich spüre ja nichts von meinem Gehirn! Genau an der Stelle meines Körpers, wo ich eigentlich meinen Kopf mit dem Gehirn spüren müsste, erlebe und spüre ich die Welt! Das Gehirn kommt in meinem Erleben überhaupt nicht vor – das müssen mir die Hirnforscher erst mühsam erklären – und doch ist das Gehirn absolut entscheidend, damit es mich gibt und meine Welt.

Irgendwie ist die Welt, die wir um uns herum wahrnehmen und in der wir uns offensichtlich aufhalten und befinden, also auch in unserem Kopf drin – aber natürlich nicht die richtige Welt (die passt da ja gar nicht da rein), sondern irgendetwas von dieser Welt, was unserem Gehirn genügt, um uns damit dann die ganze Welt zu zeigen! Ich bin in der Welt drin, die Welt umgibt und umfasst mich – aber die Welt ist in gewisser Weise umgekehrt auch in mir drin, und ich umfasse die ganze Welt mit meiner Wahrnehmung! Sogar Lichtjahre entfernte Sterne kann ich nachts am sternklaren Himmel sehen – das heißt: auch die kommen irgendwie in meinen Kopf rein, und mein Gehirn kann sie mir dann zeigen!

Die amerikanische Dichterin Emily Dickinson (1830-1886) hat darüber ein sehr schönes Gedicht geschrieben (natürlich auf Amerikanisch), nach dessen Titel ich auch diesen Aufsatz benannt habe: The brain is wider than the sky …. Das Gehirn ist weiter als der Himmel … Hier könnt Ihr das ganze Gedicht lesen. Es müsste Euch jetzt eigentlich klar geworden sein, wie diese merkwürdige Feststellung – das winzige Gehirn sei weiter als das endlose Universum – zu verstehen ist!

Dass die Welt sich uns zeigt und wir dann über sie nachdenken können, obwohl wir selbst doch nur ein klitzekleines Teilchen Sternenstaub in diesem gigantischen Kosmos sind, das ist wirklich erstaunlich. Ich würde mal behaupten, dass das Staunen über diese einerseits ganz und gar alltägliche, andererseits aber auch sehr bemerkenswerte Tatsache der Anfang und die Kernfrage aller Philosophie ist. Es ist The Hard Problem, das echt schwer zu lösende Rätsel, das Rätsel aller Rätsel.

Normalerweise enden Rätsel immer mit ihrer Auflösung; irgendwo am Ende des Rätsels oder des Heftes stehen dann die richtigen Lösungsbuchstaben, meist auf den Kopf gedreht. Bei dem Rätsel, das ich hier beschrieben habe, kennt bisher niemand die Lösung. Niemand. Man muss sogar sagen, dass wir das Rätsel erst seit wenigen Jahrzehnten etwas genauer kennen und beschreiben können; denn unseren Vorfahren war die absolut entscheidende Bedeutung des Gehirns in unserem Kopf nicht annähernd so bewusst wie uns heute (und manche wollen auch heute noch nicht einsehen, dass der menschliche Geist von Hirnvorgängen in unserer Schädelgrube abhängig ist).

In der Hirnforschung – den sogenannten Neurowissenschaften – treffen sich heute weltweit Tausende von Naturwissenschaftlern, Mathematikern, Psychologen und Philosophen, um das Rätsel aller Rätsel, nämlich das Rätsel von Gehirn und Bewusstsein, zu lösen. Die Fortschritte, die wir in der Hirnforschung erzielen, helfen auch bei der Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, von denen leider Menschen in jedem Alter, also auch Kinder betroffen sein können. Ich selbst arbeite hier in Bonn in einer berühmten Spezialklinik, wo wir Patienten mit Epilepsie behandeln, darunter auch viele Kinder. Und wir können heute den meisten Patienten schon richtig gut helfen!

Ich würde mich daher sehr freuen, wenn ich den einen oder die andere von Euch mit meinem kleinen Aufsatz ermutigt hätte, eines Tages – wenn Ihr die Schule hinter Euch gebracht und vielleicht studiert habt – mit uns gemeinsam an diesem super spannenden Thema zu forschen! Wer weiß – vielleicht ist ja einer oder eine von Euch der neue Albert Einstein oder die neue Marie Curie, die The Hard Problem lösen werden!

P.S. Wenn Ihr Fragen habt oder Ihr mir sagen wollt, dass Euch dieser Aufsatz SUPER TOLL gefallen hat, dann schreibt mir und zwar am liebsten SOFORT!

P.P.S. Okay, okay – Ihr dürft mir auch schreiben, wenn Ihr den Aufsatz total doof fandet … ABER nur dann, wenn Ihr mir auch ein oder zwei Ideen schreibt, wie ich es hätte besser machen können!

P.P.P.S. Ich hatte überhaupt keine Lust, Bilder einzubauen, ich war richtig faul! Aber zu allen Dingen, von denen ich hier geschrieben habe und die Euch interessieren, könnt Ihr im Internet innerhalb von Sekunden Abertausende Bilder finden. Da wäre jetzt also Euer eigener Forschergeist und Ehrgeiz gefragt!

Christian Hoppe

Veröffentlicht von

Meine Name ist Christian Hoppe. Ich bin erst während meines Theologiestudiums (Diplom 1993) auf die Neuropsychologie gestoßen (Diplom 1997, Promotion 2004) und hatte gleich das Gefühl, dass die Frage, wie Gehirn und Geist zusammen gehen, sehr viel mit der Frage zu tun hat, wie Gott und Welt zusammengehen. Ich freue mich auf angeregte und anregende Diskussion! Christian Hoppe

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. (Zitat):„der neue Albert Einstein oder die neue Marie Curie, die The Hard Problem lösen werden!“ Frage: Was hat Marie Curie mit Die Hard zu tun

  2. Wenn das Staunen über die Tatsache, dass wir als Teil der Welt über sie nachdenken können, nur der Anfang des großen Rätsels ist, wie genau lautet dann das Rätsel? Also wo finde ich ein umfassende (aber verständliche) Definition des Rätsels?

    Vielen Dank!
    Susann

  3. Ergänzend:
    -> http://en.wikipedia.org/wiki/Hard_problem_of_consciousness (K-Probe: ‚It is widely agreed that experience arises from a physical basis, but we have no good explanation of why and how it so arises.‘)

    Womöglich ließe sich das Problem oder „Problem“, sollte es eines sein, praxisorientiert und zynisch oder praxisorientiert-zynisch mit der Methode des Ausschlusses bearbeiten, in etwa derart:
    1.) Existierte [1] keine Welt, lägen (erst recht) keine Probleme vor.
    2.) Existierten keine erkennenden Subjekte in dieser Welt, lägen keine bearbeitbaren Probleme vor.
    3.) Weil eine Welt und in dieser erkennende Subjekte existieren, liegt kein Problem vor.

    MFG
    Dr. W

    [1] Der Existenzbegriff, also das „Aus-Sich-Heraus-Sein“ von Etwas, sozusagen unabhängig von allem anderen, ist natürlich problematisch; „praxisorientiert-zynisch“ „existiert“ nichts, wenn dies kein erkennendes Subjekt, äh, zu erkennen vermag – auch bspw. der Mond nicht.
    Diese Zirkelschlüssigkeit die Logik („Sprachlichkeit“) betreffend muss aber die hiesige klene Problembearbeitung nicht stören.

    • Christian Hoppe

      Für mich wäre die Möglichkeit des Erkannt werdens eine hinreichende Definition von Existenz. Dass manches faktisch ausgerechnet durch uns Menschen erkannt wird, finde ich zwar sehr schön, begründet aber sicher nicht die Existenz dessen, was wir da entdeckend wahrnehmen.

      • Ganz richtig, Herr Dr. Hoppe, das Erkennen ist ein Prozess und kann im physikalischen Sinne letztlich nicht die Existenz eines Objekts der Natur nachweisen.
        Insofern lag auch weiter oben „nur“ eine logische Methode (die des Ausschlusses) vor.
        Das, was letztlich ist, sofern dies so formuliert werden kann, erschließt sich dem Erkennenden, der Teilnehmer einer Welt ist, die er nicht selbst betreibt, nie. [1]

        MFG
        Dr. W

        [1] Selbst eigens betriebene Welten, die Logik oder Sprachlichkeit ist eine, gedacht werden können sich hier aber auch Systeme der Informationstechnologie, die „Weltcharakter“ haben, haben hier letztlich zu leiden.
        Insofern findet anscheinend im Rahmen der zeitgenössischen skeptizistischen Wissenschaft auch alles seinen geregelten Gang.
        Wobei von bestimmten metaphysischen Fragestellungen Abstand genommen werden darf, wie weiter oben versucht worden ist zu erklären.

      • Von da ist es nur noch ein ganz kleiner Sprung zu Berkeley: „esse est percipi“.
        Willkommen bei den Idealisten!

        • Christian Hoppe

          Das „posse“ – ein kleiner aber wie mir scheint entscheidender Unterschied zu Berkeley …

          • …eben.
            Das „posse“ öffnet der Spekulation Tür und Tor.
            Das ist aber eben KEIN Idealismus, der redet von dem, was in der Erkenntnis IST, und eben durch das Erkanntsein IST.

          • Posse müsste derart abstammen:
            -> http://en.wiktionary.org/wiki/potis#Latin

            … wobei in der Form des Potesse auch das Sein gemeint sein müsste.

            Es gibt wohl auch das Essere als Frequentativum des Seins, schwierig, Pod könnte auch dem Fuß meinen, man weiß halt nie so genau.

            MFG
            Dr. W

        • Christian Hoppe

          Denkt man mit dem Sein die Notwendigkeit des Erkannt werden könnens, dann muss man im Seinsgrund – d.h. der Möglichkeit, dass überhaupt etwas ist, auch wenn noch gar nichts ist – bereits die Möglichkeit des Erkennens mitdenken. Und wer macht das? Genau, die christliche Trinitätsspekulation! 😉

      • „Dass manches faktisch ausgerechnet durch uns Menschen erkannt wird, finde ich zwar sehr schön, begründet aber sicher nicht die Existenz dessen, was wir da entdeckend wahrnehmen.“

        Das Erkennen durch Menschen scheint mir weder hinreichend noch notwendig für Existenz zu sein. So erkennen Menschen auch viele Entitäten, die nicht existieren. Wie im Titel bereits gesagt: „Das Gehirn ist weiter als der Himmel“

        PS.
        Der Link zum Gedicht „Hier“ im Text, funktioniert nicht. Auch er ist etwas weit geworden und beinhaltet ein schädliches, nicht sofort sichtbares, nichtsdestotrotz existierendes Leerzeichen am Ende.

        • Christian Hoppe

          Danke für den Hinweis bzgl. des Links, habe ich korrigiert!

          Tja, wie wollen wir unterscheiden zwischen dem, was wir uns nur ausdenken und dem, was wir erkennen? Ich persönliche stehe ja auf dem Standpunkt, dass der Satz „Harry Potter ist ein Zauberlehrling“ nicht wahr sein kann, weil es Harry Potter gar nicht gab und gibt – aber das könnte man auch anders sehen … Ich würde hier allenfalls von Stimmigkeit oder Konsistenz (innerhalb der Fiktion) sprechen wollen. Für mich ist Wahrheit ganz altmodisch die Übereinstimmung von Denken und Sein.

          • Mit dieser Einstellung drehen Sie sich aber im Kreis, denn woran erkennen Sie das Sein? Das ist doch gerade die Kernfrage der Erkenntnistheorie. Alle Welt spielt sich in unserem Kopf ab, das heißt nicht, dass sich alles >nur< im Kopf abspielt. Man kann eine agnostische Einstellung zur Welt einnehmen, man muss eine Realität oder das Sein nicht leugnen. Selbstverständlich gibt es etwas in der Welt, das unsere Sinne affektiert. Aber was ist es? Jedenfalls ist es nicht das, was wir als phänomenale Inhalte des Bewusstseins empfinden. Die Welt, die wir wahrnehmen, ist eine Transformation und Interpretation im Kopf.

            Dass die Phylogenese und die Ontogenese schon Vorprägungen vorgenommen haben, muss man einem Hirnforscher sicher nicht erzählen; für den Fachmann ist es evident. Man kann umgekehrt argumentieren, dass die Evolution die Sinnesvermögen so gestaltet haben muss, dass sie für das Leben geeignet sind, dass sie also eine gewisse Korrelation zur Welt als Realität gewährleisten müssen. Die Wirklichkeit zeigt sich somit in der Interaktion des Bewusstseins mit der Welt.

          • „Tja, wie wollen wir unterscheiden zwischen dem, was wir uns nur ausdenken und dem, was wir erkennen?“

            Das würde ich mir von den Kindern erklären lassen, mit denen ich mich über das Bindungsproblem unterhalte. Die können da nämlich schon ziemlich gut unterscheiden, zumindest besser als viele Philosophen.

          • Tja, wie wollen wir unterscheiden zwischen dem, was wir uns nur ausdenken und dem, was wir erkennen?

            Meint wohl ein und dasselbe.

            Unterschieden werden könnte in den Naturwissenschaften zwischen der Erfassung von Daten mit Hilfe von geeigneten Geräten, Messgeräten, und der sich in der Regel anschließenden Theoretisierung, es wird wohl auch derart unterschieden.
            Wobei das Messvorhaben selbst eine Theoretisierung benötigt, eine Messtheorie und auf den Einzelfall bezogen geeignete Hypothetisierung, korrekt.

            Es kann in diesem Sinne unterschieden werden.

            MFG
            Dr. W

          • „Meint wohl ein und dasselbe“

            Kinder können zwischen Ausdenken und Erkennen mithin besser unterscheiden als der ein oder andere Kommentator. Eine Fähigkeit, die den Kindern übrigens auch durch das autoritäre Auftreten der Theologen gerne mal genommen wird. Ich meine erkannt zu haben, dass es sich beim Verlust der Unterscheidungsfähigkeit um eine autologische Erkrankung handelt, die durch das Ausdenken selbst hervorgerufen wird.

            Um über Hirnforschung zu reden, benötigt man keine ausgeklügelten Theorien von Wahrheit und Existenz. Über diese streiten sich die Älteren, scheint mir hier also Off-Topic zu sein, sorry Kinder.

          • @ Joker :
            Weiter oben war nicht gemeint, was den Unterschied zwischen Ausdenken und Erkennen betrifft, sondern das, was der hiesige Inhaltegeber zu bedenken oder in Frageform zur Diskussion stellte; wobei der Schreiber dieser Zeilen, assoziativ und seine Pappenheimer kennend, zu ergänzen können glaubte.

            Um über Hirnforschung zu reden, benötigt man keine ausgeklügelten Theorien von Wahrheit und Existenz.

            Leider: ja.

            MFG
            Dr. W

          • PS:
            Der Text, der dem Schreiber dieser Zeilen auch ein wenig ungewohnt vorkam, war also an Kinder gerichtet, im Rahmen einer Serie.
            Sehr gut, schlechter womöglich, dass der alte dicke Dr. Webbaer dies nicht entscheidend bemerkt hat.
            Insofern vielen Dank für diesen ganz hervorragenden Artikel und: gestört werden sollte natürlich nicht.

  4. Ute Gerhardt

    Feedback meiner Tochter, die in 8 Wochen 10 Jahre alt wird:

    – Der Text ist gut zu verstehen. (Anmerkung von mir als Mutter: Textverständnis war tatsächlich gut)
    – Ihren Freunden wäre der Text wahrscheinlich etwas zu lang.
    – Die vielen Sätze in Klammern haben ihr nicht so gut gefallen.
    – Sie findet es lustig, dass die Sachen Menschennamen bekommen haben. („Klaus“)
    – Die Überschrift passt nicht so ganz, weil im Text genausoviel über das Auge steht wie über das Gehirn

    (Mit Hornhaut, Linse, Glaskörper etc. konnte meine Tochter übrigens nicht viel anfangen. Sie musste erst googeln, um sich ein Schema des Auges anzuschauen. Ich könnte mir vorstellen, dass an jener Stelle einige Kinder gar nicht mehr zum Text zurückkehren, weil der Fokus weg ist.)

    • Danke für die Kommentare Deiner Tochter, die ich alle sehr beherzigenswert finde. Ich glaube, Sätze in Klammern kann man besser verstehen, wenn ein Text vorgelesen wird. Ich hatte beim Schreiben vielleicht eher im Sinn, dass ein Erwachsener den Text vorliegt – was bei einem fast 10-jährigen Mädchen natürlich eine unvernünftige Annahme war …. 😉