Tschakka, Tschakka! Grundlose Begeisterung ist Pflicht!

Die Ungeduld des Managements mit den lahmen unbegeisterten Ingenieuren, die immer nur „in Ruhe arbeiten“ wollen, hat eine ganze Begeisterungsindustrie hervorgebracht, die viel Geld damit verdient, dem Management dabei zu helfen, Mitarbeiter bei Kick-Offs zu begeistern.
Das Management ist fast kindlich glänzend begeistert von den „Jeder-kann-Unmögliches-möglich-machen“-Veranstaltungen. Da kommen Leute, die vom Mount Everest fielen, bis unten runterrollten, dabei die Schuhe verloren  und dann trotzdem den Gipfel doch noch am gleichen Tag barfuß erreichten, weil das der Zeitplan so wollte. Dirigenten erklären Teamplay (das können sie, weil die Musiker nicht opportunistisch gegeneinander spielen können – wie überall sonst). Der zurückgekehrte Robinson Crusoe wäre heute ein gefeierter Keynote Speaker.
Sie trommeln und schreien auf den Veranstaltungen, Abgestürzte stehen auf, Nackte springen durch Feuerreifen und Gladiatoren ringen Elefanten nieder. Die Botschaft ist immer dieselbe: Das kann jeder, besonders auch du!

„Alles ist Motivation, Einstellung und Team! Die Haltung bei der Arbeit ist das Entscheidende, auch und gerade bei Stress, Enttäuschungen und Rückschlägen. Jeder muss nur einmal öfter aufstehen als hinfallen. Scheitern ist normal – das steckt der wirklich Motivierte weg. Es gilt, für die Firma da zu sein, erst dann für die Abteilung, zum Schluss für sich selbst! Die Firma ist alles. Für sie ist keine Extrameile zu wenig und kein ehrgeiziges Ziel zu hoch gesteckt!“
Und dann gibt es für die Manager in den Kickoffs und Sitzungen verschiedene Übungen zum „Teamen“ und scheinbare Mutproben, etwas selbst zu schaffen, was sie selbst nie für möglich gehalten hätten: Sie hangeln sich über eine Schlucht, laufen auf Seilen zwischen Baumkronen oder rennen über glühende Kohlen. Dabei ist es wichtig, vor den Mutproben viele Male „Ich schaffe das!“ laut wie Tarzan mit geballter Faust in den Himmel zu schreien. Das Team stimmt dann ein: „Du schaffst das! Wir schaffen das! Wir alle schaffen das!“ Man heizt sich also wie vor einem Sportwettkampf auf, Selbstmotivationsschreie werden eingeübt. Das Wort „Tschakka“ kennt sogar schon der Duden für „Ich schaffe das“.

„Tschakka, Tschakka! Alles ist Haltung!“

Mit solchen „Motivationsorgien“ versuchen nun die Manager im Verein mit den Personalern, die Mitarbeiter doch noch rauschhaft zu begeistern, damit sie sich noch mehr reinhängen und Extrameilen gehen. Beim Vertrieb wirkt das im Allgemeinen sehr gut, weil Vertriebsmenschen außer der eisernen Zuverlässigkeit in etwa den Charakter des energischen Managers haben und natürlich auch auf laute Begeisterungsmeetings mit anschließendem freiem Zugang zu allen Bars schwören. Sie werden dafür aber nicht talentierter, sie lernen nicht, dem Kunden zuzuhören, sie verstehen jetzt nicht plötzlich die Konkurrenzprodukte wie der moderne Kunde, der vor dem Kauf umfassend surft.
Die Fachexperten oder „die Ingenieure“ leiden beim für sie albernen Tschakka-Tschakka still vor sich hin. Experten haben höhere Werte im Asperger-Autismuspektrum, sie hassen diesen Rummel. Immer werden die gleichen Reden geschwungen, finden sie. Beim Programmieren, beim Bauen von Maschinen und bei Berechnen von Flugplänen hilft keine Begeisterung – man muss Meister sein und Sehnsucht haben, immer besser zu werden.
Das – wie gesagt – versteht das Management nicht. Das Management bestellt jedes Jahr einen neuen Tschakka-Tschakka-Zauberer, der gerade in Mode ist und probiert ihn im Managementteam vorab exklusiv aus. Die Chefs wollen sicher sein, dass der neue Zauberer wirklich elektrisierend motiviert, also muss der vorab eine Sondershow exklusiv für das Top_Management abziehen. Sie finden ihn jedes Mal grandios. „Das ist toll! Hey, großer Guru, wir bestellen Sie jetzt gleich für zehn Standort-Kick-Offs, damit alle unsere Mitarbeiter so trunken vor Begeisterung werden wie wir im Augenblick sind.“

Begeisterung ist aber nicht die eine Monocausa des Erfolges schlechthin – mit Begeisterung allein entstehen keine Produkte. Hilfe! Warum erzeugt man in den Ingenieuren nicht Sehnsucht? Warum lädt man keine Nobelpreisträger ein, die diese Sehnsucht in Vorträgen wecken könnten?

Der Top-Manager redet leider frustrierend oft so: „Wir haben Sie als Experten und Ingenieure heute alle zu dieser Veranstaltung eingeladen, um Ihnen die ehrgeizigen Ziele des nächsten Jahres zu verkünden und um Ihnen gleichzeitig zu sagen, dass die bisherigen Zahlen des Januars vollkommen inakzeptabel sind. So kommen wir nicht weiter. Wir haben daher für den heutigen Tag eine Menge Geld investiert, um Sie jetzt gleich anschließend zu motivieren. Wir haben Sie dazu alle für zwei volle Tage aus der Arbeit herausgenommen, was ja rechnerisch fast ein Prozent der Jahresarbeitszeit und der Jahresleistung entspricht. Diesen verlorenen Prozentpunkt wollen wir natürlich mindestens doppelt und dreifach wieder hereinholen, weil wir nach der Motivierung erheblich gesteigerte Arbeitsleistungen von Ihnen erwarten können und müssen, sonst hätten wir ja falsch investiert, was wir nie tun. Heute zeigt Ihnen ein Wüstentourist, wie er drei Monate im Sand verirrt überlebte, danach spricht eine Mutter von zwanzig Kindern darüber, wie glücklich sie die Vielfalt des Lebens managt und schließlich bringen wir Ihnen in einem Theaterstück des Teams 2020 den neuen Begriff der Kollegenteamemotion bei. Er bezeichnet das betriebliche Pendant zur Nächstenliebe, nicht das, was Sie denken. An diesen drei leuchtenden Beispielen werden Sie erkennen, wie sehr jeder von Ihnen dazu berufen ist, Dinge bewegen zu können, die er vorher für sich selbst nicht für möglich gehalten hätte. Die Menschen, die Sie gleich auf der Bühne sehen, sind beileibe keine Ausnahmemenschen, es sind Menschen wie Sie, die erkannt haben, dass sie alles möglich machen können. Das können auch Sie! Jeder von Ihnen kann alles. Tschakka-Tschakka!
Ich bin vollkommen davon überzeugt, dass Hochleistung und Teamgeist absolut Key für unseren Erfolg sind. Wo diese Grundlagen vorhanden sind, kann man Ziele so unmöglich hoch festsetzen, wie man will, sie sind immer erreichbar. Der feste Glaube daran, alles zu können, wirkt so stark, dass auch alles gelingt. Daher fordere ich Sie zu diesem unbedingten Glauben an jedes beliebige Gelingen auf. Wer nicht mitziehen will, hat hier keinen Platz. Ich werde daher nach den drei Motivationsreden durch renommierte Tschakkaisten, die wir hier zu Ihrer Motivierung gewinnen konnten, noch einmal das Wort ergreifen und dann alle diejenigen bitten, die nicht an unsere Vision des zweistelligen Wachstums glauben, den Saal zu verlassen. Die verbleibenden Mitarbeiter möchte ich auf ein Getränk einladen, für das Sie einen Hotelbar-Gutschein in Ihrer Programmmappe finden. Sie sehen, wir haben keine Mühen gescheut, Ihnen das High-Performen so angenehm wie möglich zu machen. Unser Managementteam hat über den Jahreswechsel hart gearbeitet und lange an unseren Jahreszielen gefeilt. Wir haben unsere Strategie erarbeitet! Sie heißt Fünfzehn! Fünfzehn Prozent! Ich habe ja – das darf ich persönlich anmerken – zwölf Prozent für besser gehalten, weil ich Ihnen nicht so viel zutraue wie Ihre direkten Chefs. Aber die kennen Sie ja besser, das habe ich eingesehen. Ich sehe Sie ja nur einmal im Jahr. Höchstens. Sei es, wie es sei, es gilt die Fünfzehn. Jetzt liegt es an Ihnen, liebe Mitarbeiter! Jetzt sind Sie dran, Ihren Beitrag für ein erfolgreiches Geschäftsjahr zu leisten. It’s up to you! Das ist das Motto für den heutigen Tag. Wir haben das ganze Managementteam gebeten, schwarze T-Shirts mit diesem Motto zu tragen. It’s up to you! Wenn Sie solch ein T-Shirt sehen und das Motto darauf lesen, denken Sie daran: Damit sind Sie ganz persönlich angesprochen! Das zeigt Ihnen heute auf dem Kickoff jeder Manager mit stolzer Brust. Tschakka-Tschakka! Wir schaffen das! Wir schaffen das! Bitte stehen Sie kurz alle auf. Klatschen Sie begeistert in die Hände! Wir schaffen das! Rufen Sie mir laut zu: Sie schaffen das! … Na, etwas lauter müsste es doch gehen, holen sie tief Luft und machen Sie keinen Hehl aus Ihrer Überzeugung. Also! Ich höre! Ganz laut! Jetzt!“ – „SIE SCHAFFEN DAS, CHEF, TSCHAKKA-TSCHAKKA!“ – „Gut, das wird hoffentlich nach den drei folgenden Darbietun-gen von Ihnen noch lauter gebrüllt werden, da bin ich sicher, so wundervoll wird die gleich einsetzende Motivierung für Sie werden. Wir vom Management haben uns den ganzen Zirkus schon einmal zur Probe angeschaut und konnten das hyperaktive Leistungskribbeln dabei kaum ertragen. Sie werden jetzt Menschen erzählen sehen, die das Unmögliche möglich gemacht haben. Es sind Menschen wie Sie und ich. Ich bin daher felsenfest überzeugt: Nach den folgenden drei Mal 45 Minuten sind wir unserem Jahresziel schon zum Greifen nah.“

Solche Reden kann man allein mit SABTA (Sicheres Auftreten bei Totaler Ahnungslosigkeit) halten. SABTA, das ist etwas, was Ingenieure an ihren Chefs am tiefsten hassen. Aber sie sind – wie auch die Leute im Vertrieb – stolz darauf, so zu reden. Vertriebsleute sagen öfter: „Ich weiß von der Sache jetzt genug, um die ersten zehn Minuten beim Kunden zu überstehen. Mehr Wissen über unsere Produkte brauche ich nicht. Nach zehn Minuten weiß ich, welchen Ingenieur ich herholen muss. Ich kenne auch schon genug Ingenieure, die nicht gleich mit zu technischem Gefasel kommen und mir den Kunden versauen.“
Die Technologen und Experten aber stehen nachdenklich und stumm-verzweifelt dabei und üben sich im Fremdschämen.

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www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Seit vielen Jahren arbeitete ich als Ingenieur. Die Führungsstile und die damit verknüpften Kommunikationsmethoden, wie sie Günter Dück beschreibt, wurden mit „business reengineering und culture change“ eingeführt. Ausführlich befasst damit hat sich Wifried Glissmann, siehe: http://www.cogito-institut.de/Pages/Glissmann.aspx.
    Es ist Zeit, dass Ingenieure, Manager und Kunden wieder mehr Vertrauen aufbauen. Im betrieblichen Umfeld könnte das Verfahren der Holakratie (http://de.wikipedia.org/wiki/Holacracy) dazu beitragen. Das Konzept der Gemeinwohlökonomie (https://www.ecogood.org), eine neue Art die Bilanz zu erstellen, kann Vertrauen schaffen zwischen Kunde und Unternehmen.

  2. Wunderbar! Hörte man zuletzt nicht auch etwas weniger Tchakka-tchakka? (Ich schaue aber sehr wenig Fernsehen.)

    Motivation ist nicht die Ursache von Leistung, sondern Können ist die Ursache von Leistung – und Motivation! Können resultiert aber aus Lernen, Üben, Verbessern, Anstrengung, Fehleranalyse usw.

    Wir sind keine einsamen Seelen in einem Körper, Psyche ist vielmehr eine aktiv zu gestaltende Verbindung mit unserer natürlichen und sozialen Umwelt – und die setzt konkrete Fähigkeiten, skills, voraus. Am besten lernt und schnellsten lernt man am Modell (angefangen bei den Eltern) – weil man konkrete „Bilder“ bzw. „roll models“ braucht, die das eigene komplexe Verhalten von innen her fast ohne Anstrengung sinnvoll organisieren. Nachdenken kann auch nicht schaden. Und ohne es zu machen, wenn man immer nur redet und redet, wird man keinen Schritt weiter kommen.

    Die angewandte Psychologie (klinische, ABO, pädagogisch) steht – so scheint mir – unter SABTA-Verdacht; denn welche relevanten Fähigkeiten kann sie einem Klienten/Kunden schon mit großen Erfolgsaussichten und mit höherer Effizienz beibringen als kompetente lebenskluge Nichtpsychologen das könnten?

    Ich habe noch nie verstanden, warum Ingenieure einen eher schlechten Ruf genießen („Autismus-Faktor“): dieser Berufsstand ist es doch, dem wir die ganzen Bequemlichkeiten unserer Zeit und die extrem hohe Sicherheit unseres Lebens letztlich verdanken! Ich mag diese Sachlichkeit und fachliche Kompetenz jedenfalls sehr. Ingenieure sind meine heimlichen Stars.

  3. Haha!

    Sehr amüsiert beim lesen, vor allem, weil ihr Ärger so echt rüberkommt!

    Authentizität und Ehrlichkeit, das hat ihr Artikel, aber gerade daran mangelt es im Management.

    Einfach nur zuzugeben, das man das Unmögliche fordert damit man das Mögliche + 10 Prozent auf Kosten der Gesundheit, Familientauglichkeit, privaten Lebenszeit, unbezahlter Zusatzarbeitszeit, auf Kosten des Schlafs und der inneren Lebensfreude der Mitarbeiter – Pardon – Auf Kosten der Lohnsklaven zusätzlich rauskitzelt.

    Denn nur darum geht es. Man stellt diese unmöglichen Aufgaben nicht, weil man weiß, das diese erreicht werden können, sondern man fordert mehr als geleistet werden kann, damit mehr als 100 Prozent dabei rauskommt und um das funktionieren zu lassen, muss den Mitarbeitern glaubhaft gemacht werden, das es möglich wäre. Das schafft man im Vertrieb durch ein zwei bestochene Mitarbeiter die Lügen das sich die Balken biegen, oder Tricks wie frische Adressen während alle anderen nur Schrottadressen bekommen.
    Andere Möglichkeiten sind diese Seminare und anderer Mist aus den Mindcontrol und Brainwash-Esoseminaren irgendwelcher Gurutainment-Profis.

    Das die Arbeitnehmer daran verkrüppeln, das wird mit einkalkuliert. Mitarbeiter sind heute ein Rohstoff, der keinen Wert mehr zu haben scheint. Endlos in den Reihen der Arbeitslosen vorhanden und samt und sonders hochqualifiziert bis überqualifiziert. Die Ingenieure werden eh ausgebotet – ist doch vor nicht allzu langer Zeit der Migranten-Einstellungspreis kräftig gesunken. Der gemeine Ingenieur kämpft jetzt gegen einen pauschal 32.000 Euro billigen hungrigen Zuzügler aus Neu-Delhi oder Peking. Richtig hungrige Leute, die noch an die Lügen und die Hirnwäsche der Unternehmer – Pardon: Sklaventreiber von Karriere und leistungsgerechter Bezahlung glauben.

    Am Ende ist diese Einstellung das, worum es geht: Eine Hirnwäsche nach bestem Dünkel der Esoteriker. Man will aus dem Individuum einen Gläubigen machen. Die Firma soll der Götze werden, dem alles geopfert wird. Das ist der Sinn dieser Kultisierung der Motivation und dieser Trainings.
    Die Blamage selbst ist ja eingeplante Reaktion, aber weil der Mensch auf Dauer diese Scham nicht ertragen kann, ändert er irgendwann seine Einstellung und feiert selbst mit. Wer dann einmal mitmacht, richtig dabei ist, der macht mehr und mehr und mehr mit. Bis er völlig Brainwashed ist.

    Das ist Konzept hinter diesem Blödelzeug. Genau den Scheiß frisst die Managerkaste selbst auf ihren Seminaren und was für den Manager recht sei, wäre für den Lohnsklaven billig.

    Nur das der Manager eine geldwerte Entschädigung für diesen Unsinn bekommt und sich frühzeitig mit Ersparnissen und einer neu entwickelten Identität zur Ruhe setzen kann – irgendwo am Biohühnerhof und als überzeugter Schweisfurthist (Ex-Herta Manager heute freiberuflicher Bioprophet) – Der Lohnsklave kann das nicht. Für ihn bedeutet das kranke System Stress ohne Ende und am Ende Burnout. Das Ende des beruflichen Wirkens, Krankheit, Therapie, Langzeit-Arbeitslosigkeit – Aufbrauchen des Ersparten verkauf von Haus und KFZ, danach erst Hartz4 und mit Glück ganz am Ende noch eine Rente knapp über 1000 Euro im Monat…

    Gute Besserung und danke für Ihren Artikel

  4. Begeisterung kann eine Folge von Spaß an der Arbeit sein. Aber die Symptome von Begeisterung nachzutanzen in der Hoffnung das sinnentleertes Rumwurschteln plötzlich als wertvoll und motivierend empfunden wird ist, frei nach Otto Waalkes, das Äquivalent von: „Wenn das Reh Aua am Beinchen hat dann pieke ich es ins Auge dann merkt es nicht mehr das es Aua am Beinchen hat.“.

  5. „Du schaffst das! Wir schaffen das! Wir alle schaffen das!“. Dass Unmögliches durch (Selbst-)Beschwörung/Autosuggestion möglich wird ist ein weitverbreiterter Glaube in unserer Kulur, auch wenn er in den USA noch stärker verbreitet und verankert ist (in der Form des positiven Denkens) als in Europa.Doch auch hier wird uns dieser Glaube an diie Abrufbarkeit von magischen Fähigkeiten in Büchern, im TV und im Kino immer wieder aufgetischt. Es ist ein positiv besetzte Illusion der man sich hingibt wie der happy hour. Ein aktuelles Beispiel dazu:; Gerade gestern am 11.02.2015 schaute ich eine Dr.Who-Serie in der die Begleiterin von Dr.Who (eine Grundschullehrerin) kurz in seine Rolle schlüpfte und darin erfolgreich war, praktisch selber zum Doktor wurde. Dabei ist der Doktor ein Ausserirdischer, der nicht nur über hohe Intelligenz verfügt, sondern auch – unter anderem – telepathische Fähigkeiten besitzt. Hier wird also dem Zuschauer vermittelt, mit genügend Wille, Entschlossenheit und Glaube könne man weit über sich hinauswachsen.
    Ich könnte wohl für jeden Tag, an dem ich in einem Buch oder dem Feuilleton einer Zeitung lese oder einen FIlm schaue, Beispiele für diesen Glauben an die magischen Fähigkeiten in jedem finden.
    Schlimm wird es dann, wenn Entscheider diesen Glauben mit der Realität verwechseln und die Erweckung solchen Glauben nicht nur als Motivationsmittel sondern als Lösung von konkreten Problemen zu erkennen glauben.

  6. https://www.psiram.com/ge/index.php/MLM

    Das ist das Eine in diesem Segment des Vertriebs. Seriös ist was anderes.

    Was Sie warscheinlich eher meinen ist die Aufteilung von Distributionsnetzen in verschiedenen Formen als eine Umsatzbezogene Struktur. Da der Umsatz den Aufwand wieder reinholen muss, entsteht hier ein logisches Konzept. Desto höher der Umsatz, desto höher der „sinnvolle“ bzw. tragbare Aufwand für den Kunden oder für einen Auftrag. Darüber hinaus gibt es noch spezielle Maßnahmen, wenn die Zielsetzungen hinter den Verkäufen nicht das sofortige Erzielen von Gewinnen ist sondern Marktanteile. Dann entscheidet das Investitionsvolumen vs. spätere Umsatzerwartungen o.a. marktpolitische Entscheidungen über den Aufwand, der pro abgesetzter Einheit möglich ist.

    Aus dieser Überlegungsstruktur kann man hier und da andere Konzepte ableiten, irgendwelche spezifische Modelle entwickeln, aber am Prinzip das der Umsatz, wie der auch immer rein kommt, auf Dauer reinkommen muss, ändert sich nichts.

    Im Vertrieb heißt das letztlich das erfolgreiche Mitarbeiter mehr Vertrauen verfügen und damit die höchstmöglichen Umsätze von den besten Mitarbeitern betreut werden. Das wird letztlich über eine Umsatzgrenze bestimmt. Wer viel Umsatz macht, kann auch die vielversprechendsten Kunden ansprechen. Wer weniger Umsatz macht, bekommt weniger gute Kunden, die niedrigsten Umsätze würden dann am Ende irgendwo bei Sachbearbeitern oder sogar bei Call-Centern bearbeitet werden und diese haben teilweise direkte Vorgaben und Einsicht in das höchstmögliche Subventionsniveau das ein Neuvertrag / Verkaufsvertrag haben darf. Das wird teilweise in einer Software konkret angezeigt und darunter bleiben ist dabei die Kunst für den Mitarbeiter und dem (Klein-)Kundentrotzdem vermitteln und glaubhaft zu machen, viel bekommen zu haben für sein Geld :o)

    Es gibt für den Vertrieb auf jeden Fall hierarchische Strukturen im weitesten Sinne LVL-Marketing. Hängt einfach immer auch von dem Markt ab in dem sich ein Unternehmen bzw. Verkäufer bewegt und vom Medium über das Kunden geworben werden, vom Produkt selbst, etc etc.

    Der Kundendienst bzw. der in verschiedenen qualitätsleveln aufgeteilte technische Support ist bereits Teil dieser Marketingstrategie.

    Hoffe Ihre Frage beantwortet zu haben.

    MFG

    • Vertrieb ist immer auch Strukturvertrieb, insofern müssten hier auch Kunden-Level etc. bestehen, Ihr Kommentatorenkollege ist hier aber nie so richtig drin gewesen, vielen Dank für Ihre Nachricht,
      MFG
      Dr. W

  7. @Martin: Problematisch ist, dass die Vorstellung teilweise der Wahrheit entspricht: Was wir tragen und wie wir uns fühlen – sogar wie breit unser Stuhl ist – verändert unsere Haltung (und über psychosomatische Effekte unsere Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit) und kann so zum Erfolg beitragen, bzw. Hemmnisse vermeiden. Aber das wichtige Wort hier ist *beitragen*. Alleine helfen neue Kleider nichts, und wenn sie zu Selbstverleugnung führen, machen sie krank.

  8. Schön geschrieben. Und leider Wort für Wort war. Ich habe schon Manager entgeistert angesehen, die im anschliessenden Gespräch meinten, nach dem Kick-Off würden die Mitarbeiter besser motiviert sein.
    Manchmal scheint es, Ingenieure und Manager seien zwei Klassen von Menschen, die sich über Jahrhunderte auseinanderentwickelt haben.

  9. Pingback: Tschaka Tschakka | Cambras Blog

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