Welternährung – weniger Tiere durch besseres Management

Wenn immer mehr Menschen auf unserem Planeten leben wollen, brauchen wir auch mehr Nahrungsmittel – und dann gibt es da noch Länder, in denen tierische Produkte erst nach und nach zum Alltag gehören. Uns stehe ein Kollaps bevor. Gegen Ende meiner Replik über die Zukunft der Landwirtschaft versprach ich einen weiteren auf die Tierhaltung fokussierten Artikel, schließlich geht es nicht nur um mehr Lebensmittel.

Unweigerlich folgt daraus die Frage, wie sich die prognostizierte größere Menge an Lebensmitteln nachhaltig produzieren lässt. Klar, „produce more with less“ bspw. durch Pflanzensorten, die hohe Erträge liefern oder resistent gegen Krankheiten sind und so Ernteausfällen vorbeugen. Aber auch in der Tierhaltung gibt es noch Spielraum.

Nehmen wir mal einen Milchvieh-Betrieb in tropischen Gefilden als Beispiel – ein kleiner Betrieb mit vielleicht 10 oder auch 15 Kühen. Die Nachfrage ist gut, der Landwirt möchte also expandieren, schließlich bringt mehr Milch auch mehr Geld. Welche Rasse gibt viel Milch? Klar, Holstein Frisian. Was in Nord-Amerika, Europa oder auch Australien klappt, kann anderswo nicht falsch sein.

Doch. Holstein-Kühe haben einen optimalen Temperatur-Bereich zwischen 6 und 16 Grad. Um während der Laktation bis zu 30 Liter Milch pro Tag produzieren zu können, muss der Körper ordentlich arbeiten, wobei auch eine Menge Wärme entsteht. Jetzt stellt Euch mal vor, eine solche Kuh mit der Präferenz zu einem eher kühlen Klima steht plötzlich in den Tropen.

Natürlich produziert sie dort auch Milch, ihr eigentliches Potenzial, zu dem sie genetisch in der Lage ist, erreicht sie aber bei Weitem nicht. Wenn genetisch 8000 oder gar 10.000 Liter pro Laktation möglich wären, die Kuh aber nur 2000 gibt, ist das ein Unterschied. Wenn es ganz schlecht läuft, muss sie sogar nach einer Laktation schon geschlachtet werden, weil sie durch ist. So ein Import ist also ziemlich problematisch.

Allerdings wäre es jetzt auch etwas zu einfach alles auf das Klima zu schieben, schließlich brauchen Hochleistungskühe nicht nur kühle Temperaturen und viel frische Luft, sondern auch viel gutes Futter. In den tropischen Gebieten gebe es da noch viel Luft nach oben, schreibt John Moran, der sich als Milchvieh-Berater auf die Tropen spezialisiert hat.

Das beginne bei den Futtermittel-Analysen, die selten genau seien und daher eine präzise Rationsgestaltung erschwerten und setze sich beim generellen Management der Tiere (Haltungsbedingungen, Wissen über Symptome der Halter etc.) fort, schreibt Moran weiter. Dabei freut ein besseres Management nicht nur die Berater, sondern bringt auch den Landwirten mehr Geld – weniger durch hohe Milchleistungen, dafür aber durch Langlebigkeit. Dadurch müssen weniger Tiere in der Herde ausgetauscht werden. Das spart Geld oder bringt sogar noch welches ein, wenn Tiere verkauft werden können.

Womit wir dann auch zum eigentlichen Punkt dieses Artikels kommen: statt nur auf ein für die Tiere eh nicht umzusetzendes genetisches Potenzial der Milchleistung zu setzen, wäre es viel effektiver auf lokale Rassen zu setzen und diese optimal zu halten und zu versorgen.

Ebenfalls spannend ist auch eine Studie, die ich im Asian Australasian Journal of Animal Science gefunden habe: Stockmanship Competence and Its Relation to Productivity and Economic Profitability: The Context of Backyard Goat Production in the Philippines

Auf den Philippinen sind Ziegen sehr beliebte Nutztiere, weil sie günstig zu halten sind, was letztlich auch an ihren geringen Ansprüchen bzgl. ihrer Fütterung liegt. Da können Schweine und Geflügel nicht mithalten. Trotz dieser Tatsache haben natürlich auch Ziegen Ansprüche für einen ordentlichen Stall, welchen die Halter gerecht werden müssen. Was passiert, wenn Ziegen vernünftig gehalten, ordentlich versorgt und gut behandelt werden, war Bestandteil der Studie.

Gut, die Erkenntnisse sind aus unserer Sicht jetzt kein Brüller. Das Gesundheitsniveau und die Leistungen der Tiere verbesserten sich deutlich, je besser ihre Halter sie unterbrachen, versorgten und behandelten. Mit der Wichtigkeit von ordentlichen Ställen und Kenntnissen über die Tiere in der Landwirtschaft reißt man hier keinen Baum mehr aus. Allerdings ist die Haltung von Nutztieren bei uns eine Aufgabe für Fachleute, während die Ziegenhaltung auf den Philipinen zum Großteil im Hinterhof passiert. Der Punkt ist aber – wie zuvor erwähnt – ohnehin ein anderer.

Ich lese schon seit einiger Zeit viel über einen größeren Flächen-Verbrauch und wachsende Tierbestände. Vor einiger Zeit bloggte ich sogar über ein Paper, in dem Wissenschaftler einen deutlich erhöhten AB-Verbrauch für die Zukunft prognostizierten. Deutlich seltener lese ich allerdings über die Potentiale schon existierender Strukturen. Wenn wir uns überlegen, dass uns das größte Bevölkerungswachstum in den heutigen Entwicklungs- und Schwellenländern bevorsteht und damit auch die dortige Landwirtschaft vor den größten Herausforderungen steht, ist das schon merkwürdig. Statt aus Symposien zur Ernährung der Welt ständig Innovation als Lösung zu postulieren, dürfte der eigentliche Weg mit Investitionen in Bildung, Infrastrukturen und das Teilen von Wissen deutlich effektiver sein.

Fazit

Mehr Milch und Fleisch sind möglich – bevor wir jetzt allerdings auf Basis des Ist-Zustandes kopflos Flächen und Tierzahlen zu extrapolieren beginnen, sollten wir erstmal festhalten, dass das Management der Tiere einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Menge und Qualität der Lebensmittel hat, für die es kein zusätzliches Tier und keinen Quadratmeter Boden braucht. Ist das beruhigend? Vielleicht ein bisschen. Zumindest besteht die Hoffnung, dass Fachleute der westlichen Länder mit ihrer Erfahrung bestimmte Fehler zu verhindern helfen können, wenn der Strukturwandel auch in anderen Ländern einsetzt und Betriebe wachsen. Eine Strategie, die China durch den Import von Technologien und Wissen schon eine Weile nutzt, um ihren Skandal-geplagten Milchvieh-Sektor wieder nach vorne zu bringen.


Quellen

  • John Moran „Tropical Dairy Farming“
  • John Moran „Addressing the Key Constraints to Increasing Milk Production from Small Holder Dairy Farms in Tropical Asia“
  • Stockmanship Competence and Its Relation to Productivity and Economic Profitability: The Context of Backyard Goat Production in the Philippines
  • Was ich von der Prognose eines erhöhten AB-Verbrauches halte

Die Bücher Morans gibt es komfortabel über Google Play oder – legal – kostenlos in einzelnen Kapiteln, allerdings als PDF.

Veröffentlicht von

Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

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  1. Es könnte ja sein, dass in einer ans Klima angepassten Landwirtschaft in den Tropen kaum Milchviehwirtschaft betrieben wird. Einen Zusammenhang mit dem Problem der Welternährung sehe ich sowieso nicht. Weder Fleisch noch Milch werden wirklich benötigt, wenn es nur darum geht die Menschen zu ernähren. So viel ich weiss gehen weniger als 5% der zugeführten Kalorien in vielen Entwicklungsländern auf das Konto des Fleischkonsums. Erst wenn der Wohlstand wächst entsteht überhaupt das Bedürfnis nach mehr als den Grundnahrungsmitteln inklusive Fleisch.

    • Doch, Milchwirtchaft wird betrieben – sogar staatlich gefördert durch Schulmilch-Programme in Südost-Asien, weil in diesem Sektor viele Jobs zu besetzen sind, was zu größerem Wohlstand in ländlichen Gegenden führt.

      Außerdem ist der steigende Bedarf durch wachsenden Wohlstand genau der Punkt. Bevor wir darüber diskutieren, wieviele Kühe wir unter den aktuell nicht optimalen Bedingungen in der Zukunft brauchen werden, sollten wir erstmal die Sektor ausbauen bzgl. Infrastruktur, medizinischer Versorgung, Management und Bildung. Schließlich gibt es nicht wirtschaftlicheres als gesunde Tiere, die zudem – je länger sie leben – auch ordentlich Milch geben.

      • Zustimmung dazu, dass es kein Fleischverbot (und auch kein Milchverbot) geben sollte (heute gibt es Kreise in Europa die darin eine Lösung sehen, siehe hier). In vielen Ländern wird aus purer Armut kein Fleisch gegessen, was sicher bedauerlich ist, in anderen Ländern wiederum gibt es einen Überkonsum. Dass ein US-Amerikaner pro Jahr im Durchschnitt 120 kg Fleisch verspeist übertrifft meine Vorstellungskraft und wäre ein schlechter Richtwert für eine zukünftige wohlhabende Weltbevölkerung.

        Mit dem richtigen Management können wohl alle menschlichen Bedürfnisse sowohl nach Fleisch als auch nach Milch befriedigt werden. Verwundert hat mich nur der Satz in der fettgedruckten Einleitung: Uns stehe ein Kollaps bevor. Erst jetzt fällt mir auf, dass das keine Feststellung von Ihnen sondern eine Behauptung von anderen ist.
        Mich verwundert es immer wieder, wie die Meinungen über die zukünftigen Ernährungsprobleme auseinandergehen. Eine Seite sieht Ernährungsproblem allein schon durch die Zunahme der Weltbevölkerung auf uns zukommen. Andere mahlen ein Bild einer bevorstehenden Katastrophe durch die Kombination von Wassermangel, Bodenverschlechterung und Klimawandel an die Wand. Andererseits spricht vieles dafür dass heute eher zuviel produziert wird als zuwenig. Denn sonst wäre es kaum denkbar, dass auf immer grösseren Flächen Pflanzen für Biotreibstoffe angebaut werden.

        • Die Sache ist tatsächlich etwas kurios. Bei der FAO finden Sie allerdings genügend Reports, die die Wichtigkeit der Tierhaltung betonen – dabei sind es ausgerechnet die Ärmsten dieser Welt, die am meisten von Nutztieren profitieren. Sei es der Einsatz als Arbeitskraft oder eben als Lieferant von Nahrungsmitteln und Dünger, um einen effektiveren Ackerbau zu betreiben.

          • Die FAO sieht Sinn in der Tierhaltung gerade in Entwicklungsländer; viele junge, gerade auch umweltengagierte, nachhaltig und „bio-“ orientierte Europäer dagegen machen aus der Fleischproduktion ein Problem, gut zu erkennen im Beitrag Nachhaltige Taschen und die Landwirtschaft der Zukunft wo man liest:

            Die Nutztierhaltung im heutigen Ausmass ist kein Modell für die Zukunft. Da die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Produkten sehr inneffizient ist, verstärkt sie bestehende Problematiken wie die Knappheit fruchtbarer Böden, Wassermangel oder nicht geschlossene Nährstoffkreisläufe, zum Beispiel punkto Phosphor [3]. Sie muss daher stark reduziert werden. Dementsprechend müssen wir unsere Ernährungsgewohnheiten anpassen. Eine Herausforderung wird sein, hierfür Anreize zu schaffen.
            Was auf dem Feld produziert wird und was auf dem Teller landet, sollte in einer Demokratie nicht der Summe der Konsumenten und Konsumentinnen überlassen, sondern von der Gesellschaft als politische Öffentlichkeit über Gesetzte entschieden werden. Die Politik und Unternehmen müssen Nachhaltigkeit aktiv fördern. Das heisst beispielsweise, dass der Staat mehr Geld für Forschung zu nachhaltiger Landwirtschaft oder für staatliche Saatenbanken spricht [4], und dass gewisse unökologische oder unfaire Produkte aus den Supermarktregalen verschwinden und durch nachhaltigere Angebote ersetzt werden.

            Der abschliessende Satz unter den oben aufgeführten Punkten lautet dann
            Zum Schluss gab es einen veganen und biologischen Apéro ganz ohne Wegwerfgeschirr., was zeigt wo die betreffenden Leute geistig verankert sind.

  2. Oh, je, solch ein Satz klingt aber gar nicht gut: „Was auf dem Feld produziert wird und was auf dem Teller landet, sollte in einer Demokratie nicht der Summe der Konsumenten und Konsumentinnen überlassen, sondern von der Gesellschaft als politische Öffentlichkeit über Gesetzte entschieden werden. Die Politik und Unternehmen müssen Nachhaltigkeit aktiv fördern. “
    Da wird mit Begriffen hantiert, die so schwammig sind wie nur irgendetwas, die aber per Gesetz Form bekommen sollen ala Glühbirnenverordnung. Der Staat kontrolliert schon sehr viel, zuviel Kontrolle bringt in der Regel nicht die Gewünschten Effekte.
    Vor allem stellt sich irgendwann nicht mehr die Frage, was wirklich sinnvoll ist und Wirkung hat.
    Keine Frage, dass verantwortliches Handeln ganz wichtig ist und auch die Tierhaltung artgerecht, aber es wird auch übersehen, dass wir ganz sicher die Welt nicht retten (eh ne komische Vorstellung), die Entwicklungen werden woanders bestimmt. Deutschland ist nicht der Nabel der Welt.

    • Hallo Kathrin,

      auf was beziehst Du Dich gerade? National betrachtet würde ich Dir zustimmen bei der Aussage, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt sei und Entwicklungen woanders bestimmt würden. Stimmt nur nicht. wenn wir ins Detail gehen. Nehmen wir China als Beispiel: die kaufen seit einiger Zeit massiv Wissen zu. Gerade im Milchvieh-Sektor können Fachleute als Deutschland, USA etc. massiv bestimmen wie ein chinesische Kuh in Zukunft leben wird. Dazu kommen noch ausländische Unternehmen, die in China Zweigstellen eröffnen. Vor einiger Zeit hat China einen größeren Schweinefleisch-Produzenten aus den USA gekauft. Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass es in erster Linie um das Know-how ging, um den Wandel von einer sehr kleinteiligen Landwirtschaft zu einer standardisierten Landwirtschaft mit größeren Betrieben zu meistern.

    • Da möchten einige ihre geradezu mit religiösem Eifer traditionell motivierte Landwirtschaftsvorstellungen in die Welt setzen und diese per Gesetz verordnen. Der Satz hat mich auch schockiert.

      In einer Demokratie soll die Diktatur per Gesetz die Gesellschaft zwingen, obwohl die Bürger als Konsumenten eine ganz andere Entscheidung treffen und in der Mehrzahl auch treffen müssen, weil die meisten Bürger schlicht nicht das Geld für eine Bioernährung haben und am Ende gar nicht genug Biolebensmittel produzierbar sind, sondern immer eine Randerscheinung bzw. Nischenprodukt, vor allem global gesehen, bleiben werden.

      Viele „Biojünger“ haben nicht das geringste Interesse an einer satten Gesellschaft. Die Ideologie kommt dort zu erst und danach die Menschen.

  3. Ja, war wohl nicht so klar ausgedrückt. Ich meinte das Verbraucherverhalten, das ja zwar keinesfalls unwichtig ist, da auch regulierend, aber ja oft nicht rational, sondern von emotionalen und ideologischen Motiven getragen ist. Das Bemühen, so gut gemeint es auch sein mag, verpufft nicht so selten.
    Was den Wissenstransfer betrifft, ist es etwas ganz anders. Aber auch da scheint in ( wie auch immer definiert) ökologisch ausgerichteten Kreisen durch überzogene Ablehnung von sinnvill eingesetzter Gentechnik, Bevorzugung von Biolandbau etc. gerade die Wissensweitergabe moderner Landwirtschaftstechniken nicht so hoch im Kurs zu stehen.

    • Danke Dir für den Nachtrag. Stellt sich jetzt natürlich die Frage, ob das mit den ideologischen Motiven des Verbraucherverhaltens wirklich so ist. Tatsächlich spielt Bio zwar in den Medien beinahe die Hauptrolle, an der Supermarktkasse aber eher weniger. Bio-Anteile sind noch immer einstellig. Zwischen Medien und Realität klafft also eine große Lücke.

      • Das obige Zitat: „Zwischen Medien, politischem Willen und Realität klafft also eine große Lücke“ habe ich mit dem Einschub politischem Willen ergänzt, denn ich entdecke immer wieder Publikationen von staatlichen Stellen, die den Biolandbau vorantreigen wollen oder/und die Gentechnik ablehnen. In der BMU-Publikation Umweltbelastende Stoffeinträge aus der Landwirtschaft Möglichkeiten und Maßnahmen zu ihrer Minderung in der konventionellen Landwirtschaft und im ökologischen Landbau liest man zu den positiven Effekten des Ökolandbaus:

        In den Betrieben, die nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus wirtschaften, werden eine ganze Reihe positiver Umweltleistungen erbracht. Der Verzicht auf mineralische Stickstoffdüngemittel und die Flächenbindung der Tierhaltung ermöglichen nahezu geschlossene Nährstoffkreisläufe: Im Betrieb anfallende Nährstoffe in Mist und Gülle werden auf die hofeigenen Flächen aus – gebracht und können von den Pflanzen aufgenommen werden. Nährstoffüberschüsse durch Futtermittelzukauf und Mineraldüngereinsatz werden weitgehend vermieden (die meisten Ökoverbände verlangen, dass das Tierfutter vorwiegend im eigenen Betrieb angebaut wird). Das schont vor allem die Oberflächengewässer und das Grundwasser, die bei ökologischer Bewirtschaftung weniger stark durch ausgetragene Nährstoffe (insbesondere Nitrat) gefährdet sind als im konventionellen Landbau.

        Neben den positiven Umweltleistungen sind die erzeugten Bio-Produkte häufig weniger mit unerwünschten Rückständen, wie zum Beispiel Nitrat, Pflanzenschutzmittel oder Antibiotika belastet. Die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen ist im Ökolandbau grundsätzlich verboten. Aufgrund dieser positiven Umweltleistungen wurde der Flächenanteil des Ökologischen Landbaus als ein Indikator in die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung übernommen. Diese hatte als Ziel für den Ökolandbau einen Anteil von 20 Prozent an der landwirtschaftlich genutzten Fläche festgesetzt.

        Ich bin vor allem überrascht über die viel positivere Beurteilung des Ökolandbaus durch das BMU als in der Wikpedia. Wenn die Umweltbelastung tatsächlich sehr viel niedriger wäre beim Ökolandbau wäre das schon ein Argument für den Ökolandbau.
        Ein Artikel von Ihnen zum Thema wäre mir sehr willkommen.

      • Natürlich klafft zwischen Medien und Realität eine große Lücke.

        Die Realität wird von der Masse der Bürger gemacht. Dem unteren Drittel der Gesellschaft das man als Arm bezeichnen kann und sich Bio überhaupt nicht leisten kann und sich für die Ideologie „Biolandwirtschaft“ nicht weiter interessiert, und dem Mittelstand, der eher seltener ein träger für die Biolandwirtschafts“kirche“ ist. Aber der kleinere Teil des gehobenen Mittelstands ist vor allem Träger dieser Ideologie und kann sich diese Nahrungsmittel auch leisten und hat die primäre Puplikationshoheit und ist auch berstimmend was die Normen und Verhaltensethik angeht und stellt sich auch als moralische Leitfigur in der Gesellschaft auf.
        Gerade dieser Anteil ist es, der diese Ideen auffährt und eine Umerziehung fordert und durch sein überdurchschnittliches EInkommen gar nicht an den Realitäten ökonomischen Haushaltens mit dem Einkommen gewohnt ist.

        Die meisten einfachen Bürger schon. Es ist nicht von ungefähr das es gerade in der versnobten Showgesellschaft auf Identitätssuche durch Konsum üblich ist moderne Ernährungsapostate einzuhalten. Die einfachen Menschen sind mit Überleben und ihrer Familienführung beschäftigt und versuchen sich dann den Leitfiguren und gesellschaftlichen „Vorbildern“ anzupassen oder zumindest so auszusehen als würden sie sich anpassen.

        Es geht um einen Bio-Moralismus, Ideologie und Identität und nicht um Ernährungsfragen.

        Genauso verhalten sich Menschen in allen Konsumfragen. Man will halt dazugehören und eifert den vermeintlichen „Vorbildern“ und moralisch-ethischen Anforderungen der Gesellschaft nach.

        Darum klafft diese Lücke zwischen Selbstdarstellung und tatsächlicher Konsumwirklichkeit.

  4. @holzherr: hier Einblicke zur Herkunft der Kalorien in Dritt- und Schwellenländernhttps://pbs.twimg.com/media/CE-F8p_WgAAiX_q.png:large

    Und eigentlich sind sich Agrarwissenschaftler aller Länder einig: die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung ist nur über eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft möglich; der Ökolandbau ist dafür kein Leitbildhttp://www.animal-health-online.de/lme/2012/03/08/minus-20-okolandbau-bei-hektarertragen-deutlich-unterlegen-erheblich-zweifel-an-zukunftsfahigkeit/7192/comment-page-1/#comment-914

    • Vielen Dank für die beiden Links. Mit ihrer Aussage eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft sei der Weg den man verfolgen müsse bin ich einverstanden. Doch wenn es stimmt, dass der Ökolandbau 20% mehr Fläche braucht (2.Link), das aber bei viel weniger Input an Dünger und Pestiziden und bei besserer Schonung des Bodens dann könnte auch den Ökolandbau einen Beitrag zur Ernährung leisten. Denn es scheint, dass genügend Ackerfläche zur Verfügung steht – auch für 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050. Landfläche kann man beispielsweise einsparen indem man keine Pflanzen für Biotreibstoffe anbaut (in den USA wird 1/3 des Maises für Biotreibstofferzeugung verwendet) und indem man die für die lokalen Verhältnisse optimalen Pflanzen anbaut und möglichst wenig Land für die Fleischproduktion verwendet. Ich habe aber den Verdacht, dass der Biolandbau neben dem geringeren Ertrag weitere Probleme mit sich bringt. So denke ich mir, dass er einen grösseren Arbeitseinsatz abverlangt. Allerdings habe ich keine Daten dazu.

  5. Herzlichen Glückwunsch! Ich bin heute das erste Mal auf dieser Web-Seite, die sich in ihrer Sachlichkeit so wohltuend von fast allen anderen Web-Seiten zu dieser Thematik unterscheidet. Ich bin Landwirt und schon fast verzweifelt an der neagtiven Polemik die mir ansonsten überall entgegenschlägt. Als ich mit der Landwirtschaft angefangen habe, war es auch mein Ziel irgendwann einen „Biobetrieb“ zu haben. Allerdings hat mich die Wirklichkeit eingeholt. Nicht die schlechten Wirtschaftlichkeitsberechnungen haben zu einem Umdenken geführt, sondern die Abwägung zwischen Nutzen und Schaden der Biolandwirtschaft. Mein (eigenes) fachliches Fazit: Ökolandwirtschaft als Nische sollte als wissenschaftliche Erfahrungsquelle gefördert werden. Eine Lösung für die Ernährungsprobleme der Weltbevölkerung ist sie auf keinen Fall. Von den vielen Gründen gegen Biolandwirtschaft ist vor allem die vielgepriesene „Kreislaufwirtschaft“ innerhalb der Biolandwirtschaft erwähnenswert. Denn gerade Biobetriebe können keinesfalls eine Kreislaufwirtschaft betreiben, denn: Jede Ernte führt zu einer Entnahme der Nährstoffe vom Acker. Werden die Ernteprodukte direkt für die menschliche Ernährung verkauft (z. B. Brot), sind diese Nährstoffe für den Acker verloren. Auch in der biologischen Tierhaltung wird nur ein Teil der Nährstoffe zurückgeführt, ein Teil gelangt in die menschliche Ernährung und Klärschlämme werden nunmal nicht auf Bio-Flächen zurückgeführt. Woher kommen also die fehlenden Nährstoffe? Biobetriebe kaufen Bio-Futtermittel z. B. aus der Ukraine zu, erhöhen also überproportional zur eigenen Fläche den Mistanteil und erhalten dadurch die fehlenden Nährstoffe, die natürlich anderswo den Böden entzogen wurden oder sie kaufen z. B. Pflanzenreste die ebenfalls anderen Flächen entzogen wurden. Gelingt dieser Nährstofftransfer nicht, sinken die Erträge, bis hin zu einer sich selbst verstärkenden Ertragsdepression. Das bedeutet: Damit langfristig auf dem Bioacker etwas wächst, muss von anderen Äckern etwas weggenommen werden. Kreislaufwirtschaft ist das nicht, denn die Nährstoffe fehlen ja anderswo. Funktionieren kann das nur solange es nur wenige Biobetriebe gibt, werden es mehr beginnt der Kampf um die Nährstoffe. Wer sich ein wenig mit Geschichte auskennt, wird wissen, dass es bis zum ersten Viertel des 20ten Jahrhunderts bereits derartige Probleme in Regionen mit schwachen Böden gegeben hat: Jeder Bauer hat damals versucht, die fehlenden Nährstoffe durch sogenanntes „Plaggenstechen“ also durch den Abtransport der dünnen Humusdecke mit Gras und Heide aus der „Allmende“ für seinen Acker zu bekommen. Die Folge waren großflächige Wehsanddünen. Wer heute aufmerksam durch norddeutsche Kiefernwälder fährt, kann an der hügeligen Struktur noch deutlich die ehemaligen Wanderdünen erkennen.

    • Eine Kreislaufwirtschaft ist tatsächlich nicht möglich, wenn nichts zugeführt, aber mit jeder Ernte etwas weggenommen wird. Das leuchtet ein. Danke für die Erklärung.
      Allenfalls könnte ich mir einen lokal geschlossenen Kreislauf bei richtiger Kombination von Nutztierhaltung und Ackerbau vorstellen. Die Tiere würden dann für den Dünger sorgen. Diese Überlegung zeigt aber bereits, dass eine Ökolandwitschaft, die lokal geschlossene Kreisläufe erreichen will ein schwieriger Balanceakt ist und die Landwirtschaft erschwert. Solch eine lokale Balancierung, die auch noch für den nötigen natürlichen Input, den natürlichen Dünger sorgen muss, ist wahrscheinlich gar nicht überall möglich. Eine total lokale Landwirtschaft, die alles selbst erwirtschaftet, nichts von aussen bezieht, aber doch Produkte nach aussen liefert, scheint somit eine kaum realisierbare Vistion.

      • @ Herr Holzherr :

        Allenfalls könnte ich mir einen lokal geschlossenen Kreislauf bei richtiger Kombination von Nutztierhaltung und Ackerbau vorstellen. Die Tiere würden dann für den Dünger sorgen.

        In diesem Sinne wäre eine „Kreislaufwirtschaft“ zu erreichen, wenn in einem geschlossenem Biotop, Energiezufuhr im Sinne von Strahlung darf bis muss im Spiel sein, „Verbraucher“ und „Produzenten“ aneinander gebunden sind, irgendwie, verraten werden soll an dieser Stelle, dass die Erde per se eine derartige „Kreislaufwirtschaft“ darstellt.

        Unabhängig davon, wie erkennende Subjekte oder andere, leider leider verzehrt Leben Leben, dazu stehen.

        MFG
        Dr. W (der hier dem geschätzten hiesigen Inhaltegeber und auch anderen nicht gegenreden wollte, vom Begriff ’nachhaltig‘ vielleicht einmal abgesehen)

        • Klar, die Erde als Ganzes und ohne Menschen ist eine Kreislaufwirtschaft und der Mensch muss früher oder später ebenfalls eine Kreislaufwirtschaft einrichten, wenn seine Welt nicht kollabieren soll wenn der Nachschub an frischen Ressourcen ausbleibt.
          In der Landwirtschaft, speziell im Ökolandbau ist aber wohl die Frage, ob jeder einzelen Landwirtschaftsbetrieb für sich alllein schon eine Kreislaufwirtschaft aufbauen kann.

          • @ Herr Holzherr :

            Klar, die Erde als Ganzes und ohne Menschen ist eine Kreislaufwirtschaft und der Mensch muss früher oder später ebenfalls eine Kreislaufwirtschaft einrichten, wenn seine Welt nicht kollabieren soll wenn der Nachschub an frischen Ressourcen ausbleibt.

            Die Erde ist einerseits eine „Kreislaufwirtschaft“ und der Primat hat da andererseits nichts zu entwickeln, außer eben dies zu erkennen, auch weil die Begrifflichkeit „Kreislaufwirtschaft“ ihm geschuldet ist.

            ‚Nachschub an frischen Ressourcen‘ könnte insofern die Strahlung, die insbesondere auf Grund der Existenz eines bestimmten Sterns gegeben ist, meinen, und ansonsten gälte es sich anzunehmenderweise primatentypisch zu verhalten.
            ‚Kollabieren‘, tss, tss…

            In der Landwirtschaft, speziell im Ökolandbau ist aber wohl die Frage, ob jeder einzel[ne] Landwirtschaftsbetrieb für sich all[]ein schon eine Kreislaufwirtschaft aufbauen kann.

            Von dieser ökologistischen Denke wegzukommen, regt Ihr Kommentatorenfreund an.

            MFG
            Dr. W (der natürlich ökologisch bemüht ist, sich sonst hier auch nicht exponieren würde – Katzen sind bspw. cool, Hauskatzen, gut gepflegt und auch mal raus dürfend: Hunde sollen auch gehen, >:->)

          • @Dr. Webbaer: Sie schreiben: „Nachschub an frischen Ressourcen‘ könnte insofern die Strahlung, die insbesondere auf Grund der Existenz eines bestimmten Sterns gegeben ist, meinen,
            In der Landwirtschaft liefern Sonne und Luft und Wasser nur einen Teil der benötigten Ressourcen, nämlich Energie, Kohlenstoff, Wassserstoff, Sauerstoff und eventuell noch Stickstoff, wenn die angebaute Pflanz in Symbiose mit Bakterien lebt, welche Stickstoff aus der Luft fixieren kann. Pflanzen benötigen aber noch andere essentielle Elementen wie Phosophor, Magnesium, Kalzium, Kalium usw. Wird nun ohne Düngen wiederholt an der gleichen Stelle angepflanzt und dann geerntet, dann entzieht jede Pflanzengeneration dem Boden die benötigten Nährstoffe bis sich der Boden so stark verschlechtert hat, dass keine weiteren Ansaaten mehr möglich sind.

  6. @holzherr: ich glaube auch, dass einen Landbewrtschaftung nach den Prinzipien des Ökolandbaus oder besser – integrierten Landbaus- für viele Regionen diese Welt einen Riesenfortschritt darstellen könnten, aber ebend nicht zur Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung – bei Erntemengen von bis zu 50 % unter denen traditionell wirtschaftenden Landwirte komme ich mit 20 % mehr Fläche nun mal nicht aus. „Enough“ bringts vielleicht ganz gut auf den Punkt?http://www.sensibletable.com/solutions.aspx

    • Ich sehe in nachhaltiger Intensivierung, modernen Zuchtverfahren, optimaler Gabe von Wasser, Dünger, Schädlingsbekämpfungsmittel (in Richtung Präzisionsfarming) und einer Tierhaltung, die sowohl Tierwohl als auch Ertrag beachtet, ebenfalls den Weg, den die Landwirtschaft gehen sollte, werde aber durch Stellungsnahmen für den Ökolandbau beispielsweise durch das Bundesumweltministerium verunsichert. Dann gibt es hier in Europa noch lautstarke Gruppen, die für einen starke Verminderung der Fleischproduktion plädieren, wobei gewisse Gruppen sogar behaupten das 2°C-Ziel des Klimaschutzes könne ohne starke Einschränkung des Fleischkonsums nicht erreicht werden.
      Die von ihnen verlinkte Web-Site „Enough“ nennt Ernährungsziele wie „bis 2050 60% mehr Nahrungsmittel die von Tieren stammen“ , die mir selbst sehr vernünftig erscheinen, die aber wohl von Fleischgegnern hier abgelehnt werden.

  7. „Biolandwirtschaft und Kreislaufwirtschaft müssen kein Widerspruch sein: derartige Formen der Arbeitsteilung und Nährstoffkreisläufe sind ein Kennzeichen professioneller Landwirtschaft.“

    Ziel auch des Biolandwirts ist es sicherlich seine Ressourcen so nachhaltig wie möglich zu nutzen, auch er führt also soviel wie möglich zurück, das ist soweit korrekt. Ich unterstelle ihm im Grundsatz nur positive Absichten. Jedoch ist für ihn die Kreislaufwirtschaft aus den von mir angeführten Gründen nicht möglich. Der Biolandwirt beschränkt sein Tun und auch seine (aus meiner Sicht fehlerhafte) Argumentation auf einen kleinen Ausschnitt des Nährstoffkreislaufs, nämlich auf einen kleinen Teil der Vorgänge im Boden und hält diesen Teil sogar für absolut. Ökologismus ist der dafür zutreffende Begriff.

    Jedoch ist der Nährstoffkreislauf viel gewaltiger. Beispielsweise der Stickstoffkreislauf, der seit hunderten von Millionen Jahren existiert. Das in der Atmosphäre gebundene N hat seinen Weg durch sämtliche organischen Substanzen, Pflanzen und Tiere, über den Boden zurück in die Atmosphäre bisher ca. 900 mal gefunden, ist also deutlich aktiver als z. B. der atmosphärische Sauerstoff. Anscheinend scheint dies für die Anhänger des Biolandbaus ein Verständnisproblem zu sein. Atmosphärischer Stickstoff (N2) kann von Pflanzen nicht aufgenommen werden, erst das Umwandlungsprodukt als Ammoniumstickstoff oder Nitrat wird in die organische Substanz eingebaut. Und nur mit diesen „fassbaren Produkten“ beschäftigt sich die Biolandwirtschaft.

    Es wird aber ignoriert, dass diese Stickstoffformen flüchig sind und es auch in der Biolandwirtschaft zu unvermeidbaren Verlusten kommt, sprich zu Umwandlungsprozessen die letztendlich den Stickstoff wieder in seine energiearme Form, das N2 zurückbringen. Der Biolandwirt kann diesen ausgewaschenen und ausgegasten Sticksoff nur z. T. zurückholen, z. B. über Knöllchenbakterien. Der konventionelle Landwirt nutzt auch alle Methoden die der Biolandwirt hat (zumindest ich tue das) und kann darüber hinaus mit Hilfe der Bosch-Haber Methode, also mit Kunstdünger, auch den fehlenden Teil zurückholen. Wohlgemerkt: Nur den fehlenden Teil. Der Begriff Kunstdünger ist insofern irreführend, als dass sich dieser Ammoniak chemisch um Nichts von jedem „natürlichem“ Ammoniak unterscheidet, der durch Gewitter oder der Arbeit von Bakterien erzeugt wird. Lediglich die dafür benötigte Energie wird z. Zt. noch über fossile Energieträger bereitgestellt. Auf den Punkt gebracht bedeutet das, dass der Biolandwirt die unvermeidlichen Verluste nicht ausgleichen kann, selbst wenn er über die Entnahme organischer Stoffe von anderen Flächen seine eigene Flächenbilanz im Gleichgewicht hält, es fehlt halt auf anderen Bioflächen.

    Solange sich die Biolandwirtschaft im kleinen regionalen Rahmen, im Wesentlichen auf unseren fruchtbarsten Böden mit der größten natürlichen Nachlieferung konzentriert und aufgrund unseres Reichtums Nährstoffe aus Drittländern zugekauft werden können, fällt dieses Problem nicht weiter auf. Mir ist es nur deswegen bewusst geworden, weil ich auf leichten Sandböden wirtschafte. Dieser Boden kann die Denkfehler der Biolandwirtschaft nicht durch Freisetzung von im Verwitterungsgestein gebundener Nährstoffe ausgleichen, er hat nämlich keine. Der größte Teil der weltweiten Ackerfläche besteht aus leichten Böden.

    • @ Herr Gebken (und nur am Rande notiert):

      Ökologismus ist der dafür zutreffende Begriff.

      Der Biozentrismus und seine Abkömmlinge, der Environtalismus und der Ökologismus [1] beispielsweise, sind, auch wenn hier geahnt wird, wie Sie es meinen, dezent formuliert nicht unproblematisch.
      ‚Ökologie‘ begrifflich gut, ‚Ökologismus‘ wegen dem Ismus nicht sozusagen.

      In etwa so, wie es keinen Sinn macht einen „Krieg gegen den Terror“ zu führen, greift das sinnhafte Bemühen um die Umwelt nicht als Selbstzweck, insofern könnte ein Kategorienfehler vorliegen.

      MFG
      Dr. W (der hier, wie bereits weiter oben geschrieben, nur ganz am Rande notiert hat)

      [1]
      Die Quelle ‚Psiram‘ scheint dem Schreiber dieser Zeilen im Grundsatz solid, sollte dies nicht der Fall sein, wäre eine dbzgl. Nachricht nett.

  8. „Wenn immer mehr Menschen auf unserem Planeten leben wollen, brauchen wir auch mehr Nahrungsmittel“ – Das ist die absolute Spitze des konfusionierten Kommunikationsmülls der Systemrationalität, die auch die Gentechnik befürworten, damit die nicht verkauften Lebensmittel halten bis …!

  9. @Dr.Webbaer

    Danke für den Hinweis. Es scheint in der Tat wichtig, die Begriffe korrekt einzuordnen. Die Erläuterung des Begriffs „Ökologismus“ gem. Ihrem o. a. Link ist da schon sehr genau. Demnach wäre der Ökolandbau als Dogma lediglich als Teil der neuen „ökologischen Religion“ zu verstehen, wenn ich es so formulieren darf.

    Aus diesem Blickwinkel lassen sich auch einige der Paradoxien die mit dieser Weltanschauung verbunden sind besser einordnen. Ein typisches Paradoxon ist z. B. die Gleichsetzung von Klimaschutz und Naturschutz.

    So ist z. B. die extensive Nutzung einer Moorwiese ein Beitrag zum Naturschutz, gefährdete Arten werden geschützt. Aus Klimaschutzgründen ist diese Maßnahme aber kontraproduktiv, was sich mathematisch beweisen lässt. Trotzdem findet sich diese Maßnahme als „Klimaschutzmaßnahme“ inzwischen in sämtlichen Köpfen und Unterlagen der damit befassten deutschen Administrationen. Eine Revision dieser Auffassung, selbst mit wissenschaftlichen Beweisen, erscheint derzeit unmöglich.

  10. Nachhaltige Intensivierung bedeutet weniger Land+Wasser und weniger CO2-Emissionen pro Pfund Rind, sagt die Agrikulturwissenschaftlerin Judith Capper in Is Feedlot Beef Better for the Environment oder in ihren eigenen Worte: „If we improve productivity and efficiency in any system, it will lead to us using less land, less water, and emitting less carbon per pound of beef.“
    Ein paar weitere Fragen und Antworten sind:
    Industrial meat production – particularly for beef – is often portrayed as an environmental menace. Has this always been the case?
    We saw a 16 percent reduction in carbon footprint per pound of beef over that time period, a reduction in land use by a third, and a reduction in water use of 12 percent.
    Is grass-fed beef better for the environment?
    When we take into account everything that’s involved with producing a pound of corn-fed or grass-fed beef, from the manufacture of pesticides, herbicides, and fertilizers to the transport of animals to the slaughterhouse door, we see that the reduced productivity in grass-fed systems results in significant increases in land use, water use, and greenhouse gas emissions per pound of beef compared to corn-fed beef.
    Even if corn-fed, feedlot beef can be less harmful to the environment, isn’t it worse for animal welfare?
    if the question is, do feedlots necessarily cause problems like lameness, digestive issues, or illness, then the answer is no. There are good feedlots and bad feedlots, just as there are good grazing operations and bad ones. I’ve been to some feedlots which are just amazing –– I mean, fabulously good. We also see a very different set of health and welfare challenges in a grazing system versus a feedlot system. But I haven’t seen any definitive evidence in person or in the literature to say that feedlots are always bad.

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