Umfragen und Tierwohl – ein Trauerspiel

Wenn mich ein Thema seit Jahren begleitet, dann sind es die ambivalenten Verbraucherinnen und jene, die ihnen nachlaufen. Die Landwirtschaft produziere, was nachgefragt wird, heißt es dann gern aus der Branche. Und wenn die Menschen laut Umfragen mehr Tierwohl wollten, müssten sie es auch bezahlen – was faktisch aber nicht in jenem Maße passiert, wie es manche Umfragen suggerieren. Alle bekloppt? – eine Spurensuche.

Zuerst fand ich eine Publikation des Animal Welfare Institute aus Pennsylvania mit den viel versprechenden Titel “Consumer Perceptions of Farm Animal Welfare”. In der Einleitung erfahre ich, dass die Menschen in den USA zunehmend ein Bewusstsein für die landwirtschaftliche Tierhaltung entwickelten und daher auch zunehmend besorgt seien. Was jetzt auf 11 Seiten folgt, ist eine wilde Ansammlung verschiedenster Umfragen, die das bestätigen sollen. So war es den Befragten zum Beispiel sehr wichtig, dass die Tiere “humanely raised” würden. Leider erfuhr ich bei der Lektüre nicht, was ich darunter verstehen sollte. Ich weiß natürlich, was gemeint ist, aber hatten die Befragten diese Kenntnisse auch? Vermutlich nicht.

Ich legte diese Publikation virtuell zur Seite und widmete mich dem Review Article “Consumers’ perception of farm animal welfare: an Italian and European perspective”. Ich wollte mich gerade aufregen…

From a general standpoint, the importance of animal welfare is well recognized by EU citizens, who assigned, on a scale from 1 to 10, an average rating of 7.8 to the question “How important is to you that the welfare of farmed animal is protected?”.

“Das ist doch gequirtlte Sch…!!!”…als ich wenige Zeilen später Folgendes las:

none of the cited surveys (EC, 2005a, 2005b, 2007a, 2007b) gives (or asks consumers to give) a specifc defnition of “animal welfare.” However, according to the internet consultation (EC, 2005b), the following factors, listed in decreasing order, seem to be “very important” for ani- mal welfare/protection: “space allowance”, “humane transport”, “presence of trained staff”, “humane slaughtering”, “access to outdoor areas” and “exposure to natural light”, “absence of movement restriction by chains or tethers”, “expression of natural behaviours”, “absence of mutilation”, “so- cial contact”

(Hervorhebungen von mir)

Ach was.

Fassen wir mal kurz zusammen: da werden also Umfragen über Umfragen produziert, in denen Verbraucherinnen und Verbraucher stets betonen, dass ihnen Tierwohl wichtig sei, allerdings vergessen jene, die die Umfragen gestalten und durchführen völlig Tierwohl zu definieren. Großes Kino!

Ohne jetzt ins Detail zu gehen ist die Frage nach dem Schwerpunkt essentiell. Die World Organisation of Animal Welfare sieht in ihrer Definition zu Tierwohl in dem Faktor Tiergesundheit einen unverzichtbaren Bestandteil, erwähnt aber gleichzeitig, dass auch Möglichkeiten zur Ausübung natürlichen Verhaltens gegeben sein müssen. Auch David Fraser teilt der Tiergesundheit in seinem Denkmodell die größte Rolle zu, während Spielzeug eher nettes Beiwerk ist. Über die Wichtigkeit Tierwohl zu verstehen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können, hatte ich ja schon gebloggt und werde den Artikel am Ende verlinken.

Das Dumme ist ja, dass auf Basis dieser “Was halten Sie von Tierwohl”-Umfragen – WHAT THE FUCK? – tatsächlich wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden, indem in Ställe investiert oder gleich eine neue Produkt-Linie wie bspw. Wiesenhof Privathof gegründet wird. Natürlich ist es dann erstmal verständlich, wenn in der Branche bei ausbleibendem Erfolg Frust entsteht. Aber liegt das dann wirklich an einem ambivalenten Konsumverhalten? Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege, aber auf mich wirkt das gerade eher wie eine unheilvolle Melange aus scheiß Fragen und überforderten Befragten.

Dabei wäre es gar nicht so schwierig diese verfahrene Situation zu ändern. Natürlich kann ich eine Umfrage zum Thema Tierwohl starten. Vorher sollte ich aber den Wissensstand der Zielgruppe herausfinden – nein, damit ist nicht der Bildungsabschluss gemeint – und gegebenenfalls zusätzlich Infos bereitstellen. Damit die Umfrage am Ende nicht nur eine Beschäftigungsmaßnahme ist, muss ich Rahmenbedingungen schaffen. Welche Aspekte stelle ich in den Fokus?

Auch Grahame Coleman macht es in seiner Analyse “Public perceptions of animal welfare – an international perspective” kaum besser und begnügt sich ebenfalls mit einer simplen Aufzählung mehrerer Umfragen, was mich tatsächlich noch ein wenig mehr nervt als der andere Murks, schließlich hätte er es besser wissen müssen. Im Buch Human-Livestock Interactions 2nd Edition, welches er mit Paul Hemsworth schrieb, haben beide die Problematik der Gesellschaft treffend analysiert. Zitat:

Furthermore, public attitudes about animal welfare are often based on limited knowledge, and the public’s beliefs are largely acquired from the mass media, perhaps filtered by opinion leaders.

Exakt! Und wie ließe auch das Problem lösen?

Without factual information, it is difficult for a society or groups to develop a consensus on a defensible policy on an animal welfare issue.

Genau!

Ohne Fakten und deren Einordnung geht nix – keine verwertbaren Umfragen und schon gar keine sinnvollen Entscheidungen beim Einkauf. Wobei ich jetzt mal offen lasse, ob es direkt um einen Konsens gehen sollte. Fangen wir erstmal mit der Vermittlung von Wissen an. Da gibt es einiges zu tun. Und lasst uns um Himmels Willen mit diesen bescheuerten Umfragen aufhören!


Quellen

  • Consumer Perceptions of Farm Animal Welfare (Animal Welfare Institute)
  • Review Article “Consumers’ perception of farm animal welfare: an Italian and European perspective” by Giovanna Martelli
  • Mein Artikel über David Frasers “Tierwohl verstehen”
  • Public perceptions of animal welfare – an international perspective (Grahame Coleman)

Veröffentlicht von

Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auch mit besserem Faktenwissen wird sich an dem zugrundeliegenden Phänomen nichts ändern. Verbraucher sind auf dem Papier z.B. auch stets gern bereit, >1 Euro für den Liter Milch zu bezahlen. An der Kasse dann aber nicht mehr.

    Umfragen ab in die Mülltonne, sobald sie dem Befragten die Chance geben, sich als guter Mensch zu präsentieren.

  2. Ich muss Tim recht geben. Gefühlt geben drei Viertel der Verbraucher an, nur Bio-Fleisch vom Bauern ihres Vertrauens zu kaufen. Dabei liegt der Anteil der Bio-Ware beim Fleisch bei unter einem Prozent. Und die meisten kleinen Metzgereien wurden schon längst durch das Kühlregal der Discounter ersetzt.

    Es geht ja auch keiner zu McDonalds oder Aldi, und keiner konsumiert BILD oder RTL. Und doch existieren diese Unternehmen auch nach jahrzehntelangem totalen Verbraucherboykott.

    Wobei – zumindest Aldi und das RTL-Verblödungsferneshen scheinen mittlerweile salonfähig geworden zu sein, ohne dass sich ihr Niveau in merklicher Weise weiterentwickelt hätte.
    Vielleicht ist dies sogar ein Vorbild für die Tierhaltungsbranche? Womöglich ist es der einfachste Weg, die Debatte um vermeindlich unzureichende Standards auszusitzen, bis die Karavane der Kritiker weiter gezogen ist?

    • Womöglich ist es der einfachste Weg, die Debatte um vermein[t]lich unzureichende Standards auszusitzen, bis die Kara[w]ane der Kritiker weiter gezogen ist?

      Da ist nichts ‚auszusitzen‘, denn die Frage nach dem Wohl des Tieres ist für den Menschen relevant, aus Ansprüchen heraus, die seine Sittlichkeit meinen; zudem gibt es eine ökologistische politische Bewegung, die hier immer ein Auge drauf haben wird, solange sie bestehen bleibt.
      Am Rande notiert: Herr Schewe ist (aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen) kein „Ökologist“.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • Die Frage nach dem Wohl des Tieres ist für „den Menschen“[1] ungefähr so relevant wie die Frage nach der passenden Autofarbe.

        Oder in anderen Worten: Schön, dass „die Menschen“[1] keine größeren Probleme haben.

        [1]
        Tatsächlich interessiert sich doch bestenfalls „die Menschen“ in den westlich geprägten Industriestaaten für das Wohl der Tiere. Dem Rest der Welt ist das weitgehend schnuppe.

        Übrigens sind die Bedingungen in der Nutztierhaltung gerade deswegen so wie sie sind, weil sich damit möglichst effizient hochwertige Lebensmittel aus pflanzlichen Produkten erzeugen lassen, welche für den Menschen wenig verdaulich sind oder welche kaum einer essen mag. Damit ist dem Wohl DER MENSCHEN letztendlich mehr geholfen als wenn man deren „Sittlichkeit“ über das zugestandene Wohl der Tiere definiert.

        • Moin Harald,

          vielleicht solltest Du Dir mal meinen Artikel über Frasers „Tierwohl verstehen“ ansehen. Tierwohl ist eben nicht nur ein Luxus, der irgendwo bei Spielzeug im Stall anfängt. Ohne Tiergesundheit geht da nix – und dazu tragen wiederum Animal Handling, Fütterung, stallbauliche Voraussetzungen etc. bei. Du hast natürlich Recht, dass Tierwohl als Konzept eher in den westlich geprägten Industriestaaten populär ist, in Ost-Europa sieht es noch deutlich anders aus. Andererseits kommen auch die dortigen Landwirte nicht um den Faktor Tiergesundheit herum.

        • @ Harald :

          Die Frage nach dem Wohl des Tieres ist für „den Menschen“[1] ungefähr so relevant wie die Frage nach der passenden Autofarbe.

          Nö, es gibt hier auch strafrechtlich einiges zu bemerken, bspw. :
          -> https://de.wikipedia.org/wiki/Tierqu%C3%A4lerei

          Der Bär (oder Mensch) handelt in diesem Bezugsrahmen rational, wer seine Tiere, Haus- oder Nutztiere missbraucht, verliert an Ansehen und es wird ihm auch, zurecht, wie die Praxis gezeigt hat, auch anderes zugetraut, das den Bären (oder Menschen) meint.

          Vgl. auch mit der Sachbeschädigung, auch ein strafrechtlich relevanter Topic, auch Sachbeschädigung wird nicht gerne gesehen, aus gutem Grunde nicht, selbst dann, wenn sie Eigenes meint.

          Der letzte Absatz Ihrer Nachricht, vgl. : ’16. November 2016 @ 09:51′, war wohl erratisch.


          Sie sehen im Umgang mit dem guten Tier anscheinend nur Außer-Sittliches, das nicht näher bestimmt werden sollte.
          Eine durchaus kohärente Sicht, die aber nicht geteilt werden muss.

          MFG
          Dr. Webbaer

    • Das ist ja eben das Ding. Natürlich geben Verbraucher an Bio zu bevorzugen, wenn gerade mal wieder ein Skandal durch die Medien rauschte. Und natürlich geben sie auch an, dass ihnen das Tierwohl wichtig ist, wenn sie danach gefragt werden. Die Frage ist doch: wie sinnvoll sind solche Fragen? Antwort: überhaupt nicht, denn natürlich hat eine geschlossene Stallhaltung, die die Tiere vor Wetter-Kapriolen und Parasiten (oder auch ganz aktuell: Vogelgrippe) schützt, ebenso etwas mit Tierwohl zu tun wie eine Haltungsform mit Freigang – einzig der gesetzte Schwerpunkt ist anders. Das muss man erstmal erklären.

      Aber selbst, wenn man nix erklären möchte, muss man einen Rahmen schaffen, innerhalb dessen sich die Befragten bewegen dürfen, damit überhaupt was Sinnvolles dabei rauskommt.

  3. Fassen wir mal kurz zusammen: da werden also Umfragen über Umfragen [gemeint: viele Umfragen (keine Meta-Umfragen) – Ergänzung: Dr. Webbaer] produziert, in denen Verbraucherinnen und Verbraucher stets betonen, dass ihnen Tierwohl wichtig sei, allerdings vergessen jene, die die Umfragen gestalten und durchführen völlig Tierwohl zu definieren.

    Und lasst uns um Himmels Willen mit diesen bescheuerten Umfragen aufhören!

    Meinungsumfragen leiden per se daran, dass angemessene Informiertheit der Abgefragten nicht vorliegen muss bis sicher nicht vorliegt, wenn das Thema komplex ist. [1]
    ‚Tierwohl‘, was immer dies auch genau sein mag, der Schreiber dieser Zeilen hat keine Probleme mit diesem Begriff / Konzept, ist wohl in einem nie enden währenden möglichst offenen gesellschaftlichen Diskurs zu pflegen und fortzuentwickeln, ist komplex.
    An dieser Stelle vielleicht ein kleines danke für Ihre Arbeit, Herr Schewe!

    Insofern liegen wohl eher Abfragen von Stimmungen vor, nichts Schlechtes daran, „Sonntagsfragen“ sozusagen. Was könnte besser gemacht werden? :
    A) Die Abfragen könnten spezifischer werden, würden dann allerdings viele Abgefragte zum „Passen“ anregen oder -deutlich: schlimmer- zu uninformierter Antwort.
    B) Die Abfragen könnten sich auf das Monetäre konzentrieren, so in der Art „Wie viel wären Sie persönlich bereit für Geschlachtetes [2] mehr zu zahlen, wenn (nur) so ein (stichwortartig definiertes) Tierwohl sichergestellt werden kann?“

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Hier leiden auch demokratische Wahlentscheide, dennoch wird die Demokratie so nicht schlecht – auch, wenn dies von einigen, lol, so gesehen wird.

    [2]
    Das gute Tier wird oft verzehrt.

    • Wenn es nur Sonntagsfragen wären, könnte ich damit ja noch leben. Leider steckt da auch viel Marktforschung drin – und als Folge wirtschaftliche Entscheidungen wie neue Produktlinien oder Label. Das ist das Problem.

      Wie ich schon oben schrieb: sollte das Konzept „wir geben einfach mal ein paar Infos raus“ nicht angenommen werden, müssen aber auf jeden Fall Rahmenbedingungen her, innerhalb derer sich Verbraucher entscheiden müssen.

  4. Wo war jetzt nochmal das verbindende Element zwischen Aldi, RTL, McDonalds und dem Thema „Tierwohl in Umfragen“? ALDI und RTL sind also salonfähig, interessante Weltsicht.

  5. Tierwohl ist für Sören Schewe wichtig. Tiergesundheit und die Möglichkeit zu tiergerechtem Verhalten bestimmten das Tierwohl stark. Nach Sören Schewe kann auch die sogenannte Massenhaltung ein hohes Tierwohl bereitstellen. Umgekehrt bedeutet Bio- und Ökolandwirtschaft nicht unbedingt, dass es den Tieren dort besser geht. Der Konsument allerdings glaubt aufgrund der Beeinflussung durch Meinungsführer typischerweise, Bio- und Ökolandwirtschaft bedeute auch automatisch grösseres Tierwohl – er glaubt dies fälschlicherweise.
    Das jedenfalls ist mein Eindruck als regelmässiger Leser von Sören Schewes Blogbeiträgen. Die Kommentare, die bisher abgegeben wurden scheinen aber kaum Bezug zu Sören Schewes Haltung zum Tierwohl zu nehmen.

  6. Nach jedem neuen Skandal wird von der Agrarbranche zwar Besserung gelobt, gleichzeitig bekommen die Verbraucher ihr Fett weg, weil diese sich in Umfragen zwar für „Tierwohl“ aussprechen, an der Kasse aber nicht mehr bezahlen wollen. Die Aktion „Tierwohl“ steht zudem in der Kritik, weil sie intransparent sei und wegen der zu laschen Kriterien nicht funktionieren könne. Engagierte Verbraucher weisen deshalb schon seit Jahren darauf hin, dass der Tierschutz gesetzlich festgeschrieben werden müsse. Was spricht eigentlich gegen verbindliche gesetzliche Regeln?

    • Wie sollen denn diese „verbindlichen gesetzlichen Regeln“ aussehen? Reicht es, einem Schwein mehr Platz zu geben? Oder muss man es auf Stroh halten, was in den heutigen Ställen kaum praktikabel ist? Ist Auslauf zwingend erforderlich? Auch wenn der Nachbar dann über die erhöhte Geruchsbelästigung klagt? Soll der Tierhalter mal eben einen neuen Stall hinstellen, weil der alte den Anforderungen nicht genügt? Und hat der Halter dann Planungssicherheit für die nächsten 20 Jahre, in denen er den Stall refinanzieren muss?

      Das ist eben die Krux an der politischen Meinungsmache durch derartige Umfragen: Damit wird suggeriert, dass sich die notwendigen Investitionen auch refinanzieren lassen. Die Praxis sieht leider anders aus, wie der aktuelle Niedergang der Initiative „Tierwohl“ einmal mehr zeigt.

      • „Wie sollen denn diese „verbindlichen gesetzlichen Regeln“ aussehen?“

        Indem man sich auf gute und anerkannte Standards einigt. Außerdem ist der Tierschutz Ländersache, aus diesem Grund müssten genaue Details noch festgelegt werden.
        http://www.saarheim.de/Gesetze_Laender/zustvotierschg_laender.htm

        Unser Nachbarland Österreich, in dem es ähnlich aussah, machte der Einfachheit halber im Jahre 2005 den Tierschutz zur Bundessache und führte verbindliche Tierhaltungsverordnungen ein.

        Manche sind auch der Ansicht, dass zu viel produziert wird. Was der deutsche Verbraucher nicht konsumiert, wird zu Dumpingpreisen in andere Länder verkauft. Die Bauern werden gezwungen immer mehr und immer billiger zu produzieren, ansonsten können sie ihren Laden dichtmachen. Siehe dazu auch die heutige Meldung in der SZ:
        http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gruenen-fraktionschef-hofreiter-deutsche-agrarpolitik-fuer-fluechtlingskrise-mitverantwortlich-1.3251677

        • @Mona: Was der Grünen-Fraktionschef sagt, dass Höfe vergrössert werden und Kleinbauern zur Aufgabe gezwungen sind, stimmt (Zitat):

          Um zu überleben, versuche die Branche, mehr in alle Welt zu exportieren, vergrößere Ställe und Produktionsanlagen. Das treffe Kleinbauern hier und in Entwicklungsländern hart. „Wir müssen raus aus diesem Teufelskreis.“

          .
          Doch die Schlussfolgerung, in Kleinbetrieben sei alles besser, werde auch das Tierwohl mehr beachtet, stimmt wohl nicht. Dieser Vorstellung hat Sören Schewe in mehreren Beiträgen widersprochen. Die Zukunft der Landwirtschaft liegt weder in Europa noch in Afrika bei den Kleinbauern. Die Exporte nach Afrika, welche die dortigen Bauern unter Druck setzen sind teilweise ein Problem von EU-Subventionen, welche den Export von Lebensmitteln subventionieren.
          Mit subventionierten Exporten Bauern in Afrika und anderen Entwicklungsländern unter Druck zu setzen ist sicher falsch.

          • Ja, da hat Hofreiter den Strukturwandel entdeckt, welcher der eigentliche Treiber dieser Entwicklung ist. Vielen Betrieben fehlt ein Nachfolger und wenn bei Betriebsaufgabe dann die Tiere an einen anderen verkauft werden, ist letzter schon wieder gewachsen. Geht ganz schnell. Es stimmt auch, dass manche Landwirte durch ein Betriebsvergrößerung zu überleben versuchen und es gab gerade in der Milchbranche einige falsche Entscheidungen und Ausrichtungen (politisch wie wirtschaftlich), die das forciert haben.

            Wenn Hofreiter aber fordert, dass wir da rausmüssen, soll er mal einen Vorschlag machen…

        • Wir haben auch in Deutschland gute und anerkannte Standards. Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung beispielsweise. Oder das Tierschutzgesetz. Dazu jede Menge Verordnungen, Richtlinien, Vorschrifetn usw. auf EU-, Bundes- und Länderebene. Auch die Frage der Betreuung und Ausbildung sind umfassend geregelt.

          Dass diese Standards dem einen zu lasch sind, aber dem anderen zu weit gehen, ist in einer pluralen Gesellschaft wohl üblich, und sollte natürlich auch genutzt werden, um den gesetzlichen Rahmen ständig kritisch zu hinterfragen. Leider wird bei diesem Diskurs aber die ERFAHRUNG von Praktikern und Agrarwissenschaftlern zunehmend durch die MEINUNG von Politikern und Tierethikern ersetzt.

          (Anektode: Typisches Beispiel war die erzwunge Gruppenhaltung von Muttersauen. Sieht natürlich auf den ersten Blick besser aus wie Einzelhaltung in abgetrennten Ständen: Mehr Bewegungsfreiheit, mehr sozialer Kontakt usw.
          Der Tenor der Agrarwissenschaftler ist aber, dass diese keine Verbesserung des Tierwohls mit sich bringt – die Tiere versuchen von sich aus, den Kontakt miteinander zu vermeiden. Und noch Rangkämpfe mit Verletzungen und Aborten sind übrigens nicht besonders schön anzusehen. So nebenbei hat diese neue Vorschrift dazu geführt, dass gerade kleine Betriebe das Handtuch geworfen haben und mehr Ferkel aus Dänemark importiert werden.)

          Zum „zu viel produzieren“:
          Der deutsche Selbstversorgungsgrad bei Eiern liegt bei rund 70%.
          Der deutsche Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch liegt zwar bei rund 110%, bei magerem Schweinefleisch aber bestenfalls bei 80% und bei Filet vermutlich irgendwo bei 25%; in den Export gehen vor allem die fettreichen Teile, die in Deutschland verschmäht werden.
          Insgesamt gesehen hatte Deutschland 2014 ein Agrarhandelsdefizit von 8,8 Mrd €.
          (Wie hoch ist eigentlich der deutsche Selbstversorgungsgrad bei Automobilen, und warum schaffen es viele andere Länder nicht, eine eigenständige KFZ-Produktion auf die Beine zu stellen?)

          Zu der unsäglichen Aussage Hofreiters in der SZ, deutsche Agrarexporte wären mitverantwortlich für die Flüchtlingskrise:
          Nach Afrika geht in erster Linie Getreide. Was meinen Sie was los wäre, wenn Europa kein billiges Getreide mehr in die aftikanischen Wüstenstaaten liefern würde? Ägypten, dessen Bevölkerung sich seit 1950 verdreifacht hat, ist heute schon weltgrößter Weizenimporteur!
          Welchen Weizenpreis soll denn für der Slumbewohner in Kairo bezahlen, wenn die derzeitigen ~15 ct pro Kilogramm am Weltmarkt schon als Dumpingpreis angesehen werden, zu denen der ägyptische Bauer nicht produzieren kann? Und WO soll er denn produzieren? Machet die Wüste urbar?!?

          (Sorry, viel OT, aber ich habe mittlerweile SOOOOO einen Hals…)

    • Hallo Mona,

      genau deshalb habe ich ja den Artikel geschrieben: um zu zeigen, dass weniger die Verbraucher dumm und ambivalent, ganz sicher aber die Umfragen miserabel sind.

      Kleine Korrektur: die Aktion Tierwohl gab es mal, mittlerweile ist sie Geschichte. Ich vermute mal, Du meinst die Initiative Tierwohl.

      Was Du mit gesetzlich festgeschriebenem Tierschutz meinst, weiß ich allerdings nicht. Wir haben ein Tierschutzgesetz und eine Tierschutznutztierhatungs-Verordnung.

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