Die Zukunft unserer Landwirtschaft – eine Replik

2050 werde der Planet 9 oder gar 10 Milliarden Menschen beherbergen. Diese Größenordnung schwebt momentan wie ein Damokles-Schwert über den Debatten in der Öffentlichkeit, aber auch auf Symposien, in Thinktanks und der Wissenschaft ringen Akteure um Ideen und Lösungen. Im Lindau-Blog der Scilogs findet sich ein Beitrag zur Zukunft der Landwirtschaft, in dem die Autorin zu dem Schluss kommt, dass die Gentechnik nicht zu jenen ersehnten Lösungen gehört – Grund genug für eine nähere Betrachtung.

Landwirte müssten gentechnisch verändertes Saatgut jedes Jahr für viel Geld nachkaufen und seien damit von Unternehmen wie bspw. Monsanto abhängig. Diese Aussage liest man häufig. Dabei wird gerne übersehen, dass der Nachkauf auch bei konventionellem Saatgut gängige Praxis ist. Landwirte profitieren sogar, wenn sie dadurch die bestmögliche Qualität bekommen und davon ausgehen können, dass die Saat auch aufgeht, wenn das Wetter mitspielt und sich der Landwirt natürlich an Vorschriften und Empfehlungen zum Pflanzenschutz hält. Zudem entfällt die Lagerung ebenso wie das sogenannte Beizen. Das spart Zeit, Geld und Platz.

Brian Scott, Farmer aus Indiana/USA, hat schon vor einiger Zeit seinen Vertrag mit Monsanto offengelegt und die wichtigsten Punkte erläutert, welche ich in meinem Blog übersetzt habe.

Etwas konfus geht es auch beim Goldenen Reis zu. Mit der Erläuterung bin ich ja noch einverstanden, als potentielle Alternativen dann allerdings Vitamin-Präparate zu nennen, wirkt in diesem Kontext doch etwas grotesk. Auch die Idee eigener Gemüsegärten statt des Anbaus goldenen Reises erscheint merkwürdig, sind die Zielgruppe doch Menschen, die weniger als einen US-Dollar am Tag zur Verfügung haben. Warum also nicht den möglichst direkten Weg über das Grundnahrungsmittel nehmen?

Aus der Zeit gefallen

Überhaupt wirkt die ganze Behandlung des Themas Gentechnik in diesem Artikel merkwürdig aus der Zeit gefallen. Dabei wird es zu einem zunehmend schwierigeren Unterfangen, wenn wir versuchen eine klare Grenze zwischen konventionellem Saatgut und jenem mit Hilfe gentechnischer Verfahren erzeugten Pendant zu ziehen. Ein passendes Beispiel beschrieb Martin Ballaschk in seinem Blog „Detritus“. Auch hier geht es um Reis. Der mag es gerne feucht, taucht er allerdings über längere Zeit unter Wasser, fällt die Ernte aus. Landwirte, deren Felder über Entwässerungssysteme verfügen, bekommen das noch in den Griff, für alle anderen ist das schlecht. Jetzt gibt es aber Reissorten, die eine längere Überflutung durchaus überstehen. Ein einzelnes Gen – Sub1 genannt – befähigt sie dazu. Als die Pflanzengenetikerin Pamela Ronald von der University of California eben jenes Gen entdeckte, wollte sie es natürlich sofort verfügbar machen. Mit Hilfe der Gentechnik war eine Sorte schnell entwickelt. Hohe Hürden bei der Zulassung und potentielle Probleme bzgl. der Akzeptanz ließen sie Abstand nehmen. Die Wahl fiel auf den klassischen Weg.

Da bei der Kreuzung das Erbgut der Elternpflanzen bunt durcheinandergewürfelt wurde, musste anschließend zurückgekreuzt und selektiert werden, um ungewünschte Eigenschaften wieder loszuwerden. Dieser Vorgang war sehr aufwändig, konnte aber durch Genanalysen der Tochterpflanzen stark beschleunigt werden. Am Ende hatte man eine konventionell hergestellte Sub1-Pflanze, die der gentechnisch veränderten Variante vollständig ebenbürtig war.

Oops. Und das ist nur eins von mehreren Beispielen. Im Blog „Gute Gene, schlechte Gene“ schrieb Gerd Spelsberg kürzlich über einen Freiland-Versuch einer gentechnisch veränderten Kartoffel-Sorte, die gegen die Kraut- und Knollenfäule resistent ist. Erreicht wurde diese Resistenz durch die Implementierung von Genen aus Wildkartoffeln. Diesen Bereich der Gentechnik, in dem keine artfremden Gebe zum Einsatz kommen, nennt man Cisgeneik. Wir lernen hier also zwei Dinge:

  1. Gentechnik steht nicht grundsätzlich für das wilde Durcheinanderwürfeln artfremder Gene.
  2. Die konventionelle Zucht ist der Gentechnik durchaus ebenbürtig.

Der Artikel schließt mit der Aussage, dass die Sicherstellung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung nur durch standort-angepasste Lösungen möglich sei. Der Fokus auf Monokulturen gentechnisch veränderter Sorten sei dagegen nicht mehr zeitgemäß. Allerdings war das nie der Fall. Die vielen Symposien existieren schließlich, WEIL die Lösung nicht einfach in Form einer Technologie daherkommt. Das gilt ebenso für die Bodenbearbeitung. Die in diesem Bereich zunehmend interessanter werdende pfluglose Bodenbearbeitung ist zwar weltweit auf dem Vormarsch, braucht aber auch Zeit und viel Experimentierfreude der Landwirte. Mit diesem Verfahren geht dann auch eine wechselnde Fruchtfolge einher, um einerseits die Entwicklung von Schädlingen und Pilzen zu stoppen, andererseits wird so der Boden an Ort und Stelle gehalten, um Erosion zu verhindern.

Den Jackpot gibt es nur im Lotto

Trotzdem ist Technologie wichtig. Wissen aber auch. Aber was bringt ein top geführter Betrieb, wenn frische Produkte dann nicht pünktlich bei den Menschen in der Stadt sind oder benötigte Hilfe nicht bei den Betrieben ankommt? Die Infrastruktur ist daher natürlich ebenso wichtig.

Es gibt aber Glieder in der Kette der landwirtschaftlichen Produktion, die noch viel Potential beherbergen – nicht nur im Hinblick auf mehr produzierte Lebensmittel, sondern auch mit Fokus auf die Nachhaltigkeit dieser. In Fachkreisen ist dann meist vom Management die Rede. Wieso gegen Überflutung resistenter oder auch der goldene Reis sowie eine gegen Krankheiten resistente Kartoffel-Sorte dazu nicht ebenfalls in der Zukunft einen Beitrag leisten können sollten, erschließt sich mir nicht. Natürlich müssen für solche Sorten, die Bauern in Entwicklungsländern helfen sollen, ähnliche Bedingungen wie beim goldenen Reis herrschen. Der naheliegende Weg, um eine solche Unabhängigkeit zu gewährleisten, ist die öffentlich finanzierte Forschung, aber auch Stiftungen können hier eine gewisse Freiheit gewährleisten. Übrigens besitzt auch der goldene Reis ein Patent, das die Erfinder aber aus humanitären Gründen freigegeben haben.

Mehr durch Weniger

Es wird in der Landwirtschaft in Bezug auf die Zukunft seit längerem die Herausforderung „to produce more with less“ propagiert. Ein anderer wichtiger Aspekt sind die Klein- und Kleinstbauern der Welt, die nur für sich und einige wenige Menschen Nahrung produzieren. Da ich jetzt bekanntlich eher in der Tierhaltung zuhause bin, werde ich mich diesem Thema in einem anderen Artikel widmen. Es wird um Kühe in den Tropen gehen.


Weitere Verweise

Veröffentlicht von

Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr gute fachkundige Replik auf den verlinkten Lindau-Blog-Artikel. Die Autorin portiert dort häufig vertretene Meinungen von Leuten, die sich eine sanftere, lokalere, organischeren Landwirtschaft wünschen und die damit gleich 2 Fliegen mit einer Patsche erschlagen wollen:
    1) Weniger Gifte, weniger schädlichen Herbizid- und übermässigen Düngereinsatz und eine nachhaltigere, die Boden schonende Landwirtschaft. Dazu brauche es keine Innovationen, sondern eine organischere, ökologischere, naturnahere Landwirtschaft, die nicht nur schonender arbeitet, sondern auch gesündere Nahrungsmittel produziere
    2) Eine Aufwertung der kleibäuerlichen Betriebe, die mit viel Arbeitsansatz gute Erträge erwirtschaften können und damit ein besseres Leben führen können

    Doch die Realität sieht heute ganz anders auf. Jeden Tag geben tausende von Kleinbauern ihre Tätigkeit auf und das aus vielerlei Gründen. Unter anderem folgenden
    1) Die Feldfrüchte der Kleinbauern sind auf dem Markt oft nicht konkurrenzfähig. In Westafrika beispielsweise wird der Markt mit billigem Thai-Reis überschwemmt. Ironischerweise ist Thailand selbst von einer Landflucht geplagt. Die verbleibenden Thai-Bauern sind aber immer noch – oder gerade erst recht – so produktiv, dass sie ihren Reis günstiger auf dem westarfrikanischen Markt anbieten können als er dort selbst produziert werden kann
    2) Kleinbauern, die in erster Linie sich selbst versorgen, können niemals mit dem gleichen Verdienst rechnen, den sie in der Industrie oder einem anderen modernen Betreib erwirtschaften können. Das kann gar nicht anders sein und lässt sich gut an den Verhältnissen in den Industrieländern ablesen, wo weniger als 10% des BIP für Nahrungsmittel ausgegeben werden, was impliziert, dass es auch nicht einen Anteil von mehr als 10% Bauern geben kann, wenn diese Bauern gleich viel verdienen sollen wie die Nichtbauern.

    Jeder Kleinbauer eines Entwicklungsländes, der selbst mehr Wohlstand will oder mehr Wohlstand für seine Kinder will, muss deshalb entweder mehr anbauen und mehr Vieh halten oder seinen Beruf aufgeben. Folglich muss die Zahl der Kleinbauern abnehmen, wenn sich ein Land entwickeln will.

    Meine Prognose: In Afrika wird die Landflucht bald schon stärker werden als sie in Asien jetzt schon ist. Es stimmt aber, dass bessere Anbaupraktiken und mehr Ausbildung der Kleinbauern das etwas verzögern kann.

    Im Endeffekt führt aber nichts daran vorbei, dass auch in Entwicklungsländern der Anteil von Bauern immer weiter sinken wird. Die verbleibenden Bauern sind dann automatisch keine Kleinbauern mehr. Nimmt man die Urbanisierungsprognosen der UNO ernst, so werden im Jahre 2050 weniger als 50% der Afrikaner auf dem Land leben und noch weniger werden dann noch als Bauern tätig sein.

    • Kleine Ergänzung zu Ihrem guten Kommentar:

      ich glaube, dass bessere Anbau-Methoden und eine bessere Tierhaltung die Landflucht nicht bremst, sondern gerade beschleunigt. Weil Kinder der Landwirte nicht mehr mitarbeiten müssen, zur Schule gehen können und dann eben auch für ein Leben in der Stadt vorbereitet sind, vielleicht sogar studieren.

  2. In Zukunft wird es auch in den Entwicklungsländern viel weniger Bauern geben als heute. Diese verbleibenden Bauern müssen aber mir ihrer Arbeitskraft mehr produzieren. Wenn das mit einer organischeren ökologischeren Landwirtschaft als heute üblich, möglich ist, dann ist das gut und sollte unterstützt werden. Wenn aber auch gentechnologische Verfahren und weitere Technologein aus der modernen Landwirtschaft dazu beitragen können, warum sollten diese Bauern darauf verzichten?

    Zur Gentechnologie speziell: Gentechnik und Firmen wie Monsanto sind kein unzertrennbares Paar. In China und Brasilien wird gentechnologische Forschung von staatlichen Stellen vorangetrieben. Wenn diese Schwellenländer einmal in grossem Masstab gentechnisch veränderte Plfanzen einsetzen, die ihren Urpsung in staatlich geführten Forschungseinrichtungen haben, dann werden Firmen wie Monsanto an Bedeutung verlieren und die Gentechnikgegner können dann gegen Brasilien und China demonstrieren.

    • Klar, staatlich geförderte Forschung ist ein wichtiger Aspekt, um gerade Menschen in ärmeren Regionen neue Sorten zu ermöglichen. Denn natürlich funktioniert das mit dem ständigen Nachkauf hier nicht so reibungslos. Dass Entwicklungs- und Schwellenländer mit steigendem Wohlstand einen ähnlichen Weg gehen werden wie westliche Nationen, glaube ich auch. Gerade China ist hier interessant. Durch den starken staatlichen Einfluss hat dieses Land den Strukturwandel in der Schweinehaltung und beim Milchvieh mal eben in 7-10 Jahren vollzogen. Zum Vergleich: wir brauchten dafür 100 Jahre und länger. Ein beschleunigter Strukturwandel ist schon dadurch gegeben, dass diese Länder unser Know-How übernehmen können, Forschung und Entwicklung fallen weg (also jetzt bezogen auf das Management großer Tierbestände bspw. Werde das in einem weiteren Artikel noch ausführen)

  3. Ich war über den Artikel im Lindau-Blog auch sehr überrascht. Vielen Dank, daß Du die Fahne der Wissenschaftlichkeit hoch hältst – selbst in den Scilogs leider nicht immer eine Selbstverständlichkeit.

  4. Die Empfehlung von Vitaminpräparaten, die ja auch gekauft werden müssen anstatt des Anbaus von lizenzfreiem gentechnischem Reis ist in meinen Augen mehr als nur zynisch. Sie hält die Menschen dort in der Abhängigkeit und macht sie zu Almosenempfängern und verwehrt ihnen die Hilfe zur Selbsthilfe.
    Auch die ewige Anführung der patentrechtlichen Streitereien mit Monsanto machen die Sache für die Gentechnikgegner nicht besser. Denn vergleichbare Patente gibt es iirc auch auf konventionell gezüchtetes Saatgut, wie vor einigen Jahren der Streit um die Einstellung der beliebten Kartoffelsorte Linda gezeigt hat. Damit bricht fast schon die ganze Linie der Argumentation des Beitrages im Lindaublog zusammen. Danke Sören, dass du den Blödsinn nicht unwidersprochen gelassen hast.

    • Wer Armen gentechfreien Reis „gönnt“ und ihnen als Ergänzung Vitaminpräparate empfiehlt – persönlich verteilt durch um die bessere Welt Wissenden – , hat eine paternalistischen Blick auf die Menschen in Entwicklungsländern. Den edlen Wilden aus den Karl-May-Tagen gibt und gab es zwar nie, aber er aufersteht immer wieder in den Köpfen, der an eine bessere Welt Glaubenden.

  5. Im Lindau-Blog der Scilogs findet sich ein Beitrag zur Zukunft der Landwirtschaft, in dem die Autorin zu dem Schluss kommt, dass die Gentechnik nicht zu jenen ersehnten Lösungen gehört – Grund genug für eine nähere Betrachtung.

    Gerieben wird sich an dieser Inhalteeinheit des ‚Lindau-Blogs‘ :
    -> http://scilogs.spektrum.de/lindaunobel/die-zukunft-der-landwirtschaft/ (Susanne Dambeck – „Kommentarmöglichkeit deaktiviert“)

    Es ist immer gut Ross und Reiter zu nennen, zu kritisieren, „herauszukristallisieren“ und so weiter. [1]

    Vielen Dank für Ihre Nachricht.

    Ansonsten:
    Derartige Sätze, im unteren Bereich eines Meinungsbeitrags mit wissenschaftlichem Anspruch, oft als fazitär zu verstehen, generieren idT, zumindest bei einigen, Unbehagen:
    ‚Heute sind sich viele Experten einig, dass unterschiedliche Ansätze nötig sind, um diese Milliarden zu ernähren – aber der einseitige Fokus auf große Monokulturen genveränderter Sorten erscheint nicht mehr zeitgemäß.‘ (Quelle – Hervorhebungen und ohne en dé­tail im Sprachlichen analysieren zu wollen: Dr. Webbaer)

    MFG
    Dr. W

  6. Meine Beobachtungen im sächsischen Agrarraum mit überwiegend großen Flächenstrukturen, bewirtschaftet von unterschiedlichen Rechtsformen, sind folgende, die auch für die Ernährung der künftigen Weltbevölkerung von Bedeutung sein können:
    – Gentechnik ist aus meiner Sicht eine Alternative zur sinnvollen Weiterentwicklung der Pflanzen-
    und Tierzucht, denn damit werden Jahrzehnte lange Züchtungsprozesse stark verkürzt
    (Selektionszeiträume) und die Notwendigkeit chemischer Anwendungen stark vermindert.
    – Grundprinzipien der Ackerkultur werden aus Gründen von Unwissenheit, schlechter Ausbildung,
    falscher Förderpolitik und dem Kostendruck sträflich verletzt. Die Bodenbearbeitung wird von der
    Bodenstruktur und der unabdingbaren sinnvollen Fruchtfolge bestimmt, nicht von gerade mal
    empfohlenen Technologien.
    – Saatgutnachkauf war schon immer eine Notwendigkeit des züchterischen Fortschrittes, denn der
    Abbau der Sorten- und Rassenmerkmale ist ein Naturgesetz. Lieferanten und Käufer müssen
    verlässliche Partner sein, das regelt die Marktwirtschaft.
    – Der Schutz des Kulturbodens steht in Deutschland zwar im Grundgesetz (Ressourcenschutz),
    aber wie sieht es in der Praxis aus? Neubau auf wertvollem Ackerboden, Industrie- und
    Militärbrachen bleiben leider immer noch unberührt.
    – Energiebauten in der Landschaft bedürfen künftig besonderer staatlicher Kontrolle und Prüfung!
    – Der Besitz des Bodens gehört in die Hände der Bewirtschafter. Diese Bindung ist auch
    Naturgesetz. Der Boden darf kein Platz für Finanzspekulanten sein, denn das führte schon in der
    Antike zu administrativen Bodenreformen.
    – Den Großflächenstrukturen und mechanisierten Tierhaltungen gehört die ökonomische und
    produktsichere Zukunft. Diese Tatsachen erfordern wissenschaftlich gebildete Bauern und
    Betriebsführer. Die ökologische Einordnung bedarf staatlicher Überwachung und zielgerichteter
    Förderung, wenn überhaupt noch Gelder dafür aufgewendet werden können.
    – Nach meiner Ansicht sind für Schwellen- und Entwicklungsländer Modelle gemeinschaftlicher
    Bodenbewirtschaftung notwendig. Mehrere Auslandseinsätze (Seniorenexpertenservice) haben
    mir gezeigt, dass die Bereitschaft zur Veränderung in der Agrarbevölkerung wohl vorhanden ist,
    aber niemals ausreichend für notwendig kurze Zeiträume. Auch hier trifft meine Aussage über die
    Spekulation am Bodenbesitz zu, besonders länderübergreifend.
    – Wenn solche Länder nicht in der Lage sind die Korruption im Bereich der notwendigen
    Agrarförderung und dem Bodenbesitz in den Griff zu bekommen, dann wird es keinen Fortschritt
    sondern Hunger geben.

    • Hallo Herr Clausnitzer,

      was Sie zur Gentechnik schreiben, ist sicherlich nicht ganz falsch. Einen Aspekt haben Sie dabei aber vergessen: die rechtliche Lage und die gesellschaftliche Anerkennung. Solange die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen stärker reglementiert ist und daher länger dauert, werden Unternehmen wie auch die Wissenschaft (siehe Pamela Ronald im Artikel) immer auf die schon länger vorhandenen Verfahren ausweichen, um das gleiche Ziel zu erreichen.

  7. Weder vom Schädlingsproblem erlöse uns die grüne Gentechnik, noch sei es nötig Pflanzen wie Mais, Reis etc. mittels Gentechnik vitaminhaltiger zu machen, will der Artikel Die Zukunft der Landwirtschaft rüberbringen. 4/5 des Textes widmen sich der Aufgabe, die Gentechnik zu disqualifizieren und der Rest (1/5) propagiert eine ökoklogischere, auf Kleinbauern zugeschnittene Landwirtschaft.
    Nötig ist diese Offensive gegen die grüne Gentechnik wegen der grossen Verbreitung von genmodifzierten Pflanzen: In den USA sind fast 100% der Sojabohnen, des Maises und der Baumwolle schon genmodifiziert indem sie herbizidresistent oder/und schädlingsresistent sind. Auch in Indien dominiert
    BT-Baumwolle, denn es verdoppelt sich der Ertrag bei halbiertem Herbizideinsatz.
    Warum dann auf genmodifizierte Pflanzen verzichten? Die Autorin führt als Gegenargumente gegen genmodifizierte Pflanzen folgendes ins Feld:
    1) Es bildeten sich Resistenzen gegen Herbizide und eingebaute Insektizide: Dies habe es bereits nötig gemacht habe, ein zweites insektizides Gen in BT-Baumwolle einzuschleusen
    2) Genmodifizierte Pollen und Samen verbreiten sich über das Anbaugebiet hinaus
    3) Genmodifiziertes Saatgut muss immer wieder neu gekauft werden. Zu ungunsten der Bauern und zugunsten von Monsanto&Co
    4) Es gibt schon Gebiete mit Anbauverbot von Gensorten und eine (Zitat) „wachsende Zahl von Bewegungen und Organisationen, die sich den Kampf gegen Gen-Food auf die Fahnen geschrieben hat“. In diesem Zusammenhang wird auf die befürchteten Gesundheitsfolgen von Gen-Food verwiesen wie beispielsweise allergische Reaktionen gegen eingeschleuste Gene.
    5) „Goldener Reis“, der einen Vorläufer von Vitamin A enthält, ist vom Aspekt der Bekämpfung von Mangelkrankheiten gerechtfertigt, aber auch er kann heimische Sorten verunreinigen und Vitaminpräparate können den gleichen Effekt erzielen. „Goldener Reis“ könne auch als trojanisches Pferd betrachtet werden um Gentechnik zum Durchbruch zu verhelfen

    Der Hauptharst der Argumente, nämlich Argumente 2) bis 5) lässt sich nur mit der grundsätzlichen Gegnerschaft der Autorin gegen genmodifizierte Pflanzen und GM-Food erklären. Nur so erklärt sich die Bevorzugung von Vitaminprärparaten gegenüber einem Vitamin-angereicherten Reis: Pharma ja (Vitaminpräparate), GM-Pflanzen nein, heisst ihr Motto wohl.
    Wie Sören Schewe überzeugend ausführt ist diese grundsätzliche Gegnerschaft gegen grüne Gentechnik besonders darum problematisch, weil die Zahl der mittels Gentechnik verbesserten Pflanzeneigenschaften inzwischen stark gestiegen ist und nicht mehr auf die Schädlings- oder Herbizidresistenz beschränkt ist. Auch dürre- oder überflutungsresitente Pflanzen können nun mit gentechnischen Methoden gezüchtet werden. Da das Zulassungsverfahren für genmodifzierte Pflanzen aber sehr aufwendig ist, wird nicht selten der Weg beschritten mit aufwendiger konventioneller Züchtung die entsprechenden Gene in die Zielpflanze einzubringen. Nicht immer ist das aber möglich. Eine grundlegende Gegnerschaft gegen genmodifizierte Pflanzen erschwert also viele sinnvolle Züchtungen oder verunmöglicht sie sogar. Dass die Autorin grundsätzlich gegen Zuchtmethoden, auch konventionelle ist, kann angesichts ihrer Bedeutung kaum zutreffen, man könnte es aber annehmen angesichts ihres Lobes für biologische Methoden wie den Anbau von Sonnenblumen am Rand von Maniokpflanzen um die Mottenschildlaus von den Maniokpflanzen wegzulocken.

    Für die Autorin ist Gentechnik in der Landwirtschaft auch Synonym für eine stark industrialisierte, auf Monokulturen setzende Landwirtschaft, die unter anderem die Böden auslaugt.

    Doch wie wiederum Sören Schwede ausführt, ist grössere Nachhaltigkeit auch in der modernen Landwirtschaft ein wichtiges Thema, indem beispielsweise pfluglose Saateinbringung oder mehrjärig wachsende Getreidesorten erforscht und eingesetzt werden. Ich bin hier nur ein Laie, habe aber den Eindruck, dass die moderne Landwirtschaftsforschung als allgemeines Ziel Erträge relativ zum Mitteleinsatz optimieren will und das mit möglichst kleinem Arbeitsansatz. Die natürlichen Ressourcen sollen dabei geschont werden und die Bodenqualität soll gleichbleiben oder sich sogar verbessern. Wo ist dann die Alternative, die uns die Autorin von Die Zukunft der Landwirtschaft präsentiert? Es ist wohl die Ausrichtung auf das Kleinbauerntum. Kleinbauern können auch arbeitsaufwendige Methoden anwenden, scheint die Autorin zu glauben. Sie erwwirtschaften den Ertrag ja vor allem für sich selbst. Leider haben es die Kleinbauern heute sehr schwer: Sie erwirtschaften wenig über den Eigenbedarf hinaus und können den Überschuss nur zu geringen Preisen relativ zur aufgewendeten Arbeit auf den Markt bringen. Damit haben sie ein geringes verfügbares Einkommen. Fällt bei ihnen die Ernte aus, so bedeutet das für sie Hunger, denn sie haben kein Geld um Nahrungsmittel zu kaufen.
    Die Landflucht ist deshalb überhaupt nicht verwunderlich. Es ist sicher richtig, die Kleinbauern zu unterstützen und sie auszubilden. Dabei sollten sie auch erfahren wie man die Erträge steigert und wie man mehr produzieren kann als den Eigenbedarf. Denn nur das führt sie aus der Armut heraus. Beschreitet man diesen Weg, dann werden aus einigen dieser Kleinbauern auch Bauern, die vergleichbar sind mit den Bauern hierzulande. Und das ist gut so.

    • Ihre Einschätzung gegen Ende teile, wobei ich – wie schon zuvor geschrieben – glaube, dass die Landflucht sich durchaus auch verstärken kann, wenn Bauernkinder besser ernährt und ausgebildet in den Städten studieren oder anderweitig arbeiten wollen.

      Alles andere werde ich in einem weiteren Beitrag behandeln, an dem ich gerade schreibe.

  8. Mehr durch Weniger
    In den USA hat sich zwischen 1930 und 2010 die Getreideproduktion vervierfacht – und das auf einer unverändert grossen Ackerfläche.

    Mehr durch Weniger ist wohl das beste Rezept um mehr Menschen auf gleich viel Land besser zu ernähren. In Afrika gibt es da sehr grossen Nachholbedarf. Es wird zuwenig Dünger eingesetzt (es fehlt das Geld dazu) und es dominieren (gerade bei Kleinbauern) immer noch Methoden wie slash and burn , wo Wälder abgebrannt werden und auf dem so gedüngten Land für nur kurze Zeit angebaut wird. Afrika hat deshalb gemessen an der Bevölkerungsdichte sehr viele „runierte“, jedenfalls verschlechterte Böden – nämlich bis zu 1/4 der Böden in der Subsahara.

    Der Artikel The Return of Nature des Breakthrough-Instituts, der ebenso gut mit Mehr durch Weniger hätte übertitelt werden können, will dem Leser folgendes vermitteln:
    1) Seit 1970 hat sich die Natur in den USA erholt und es gibt wieder mehr Wildtiere, auch mehr Grossäuger wie Bären, Wölfe etc.
    2) In den USA hat der Landverbrauch durch die Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten abgenommen trotz höherer Erträge
    3) Trotz höherer Erträge stieg der Düngereinsatz in den letzten Jahren kaum

    Es gibt auch Entwicklungen, die ich selbst als problematisch betrachte obwohl oder gerade weil die Erneuerbaren-Bewegungn dahintersteht: Im Jahr 2014 wird in den USA mehr als 1/3 des angebauten Getreides als Treibstoff für Fahrzeuge verwendet.

    Die Tatsache, dass nur ein kleiner Teil des in den USA angebauten Getreides direkt von Menschen gegessen wird und das meiste als Treibstoff oder Futtermittel dient, zeigt zudem, dass die Ernährung von 9 oder 10 Milliarden Menschen im Jahre 2050 kein grundsätziches Problem ist. Es wird schon heute nicht zuwenig Getreide angebaut. Es wird eher zuviel angebaut und ein grosser Teil davon teilweise auf fragwürdige Weise verwendet. Und die Leute, die an Biotreibstoffe glauben gehören eher zur Problemseite als zur Lösungsseite des Ernährungsproblems.

    • Das ist der Punkt. „Mehr durch weniger“ heißt vor allem besseres Management. Dazu braucht es ordentliches Saatgut, aber auch Wissen und Technik für einen ordentlichen Ackerbau. Interessant ist gerade im Zusammenhang mit der Landwirtschaft der Kleinstbauern die Wichtigkeit der Tierhaltung. Tiere können einerseits Arbeitskraft beisteuern, andererseits auch Dünger und zu einer vielfältigeren Ernährung beitragen. Hier braucht es dann natürlich auch Kenntnisse zur Tierhaltung und eine Infrastruktur für eine medizinische Versorgung – ein Bereich, der auch noch viel Luft bietet, um letztlich mehr Fleisch/Milch zu haben ohne den Tierbestand zu erhöhen.

      Was Getreide als Futtermittel angeht, ist das so eine Sache. In der Rinderhaltung spielt es nur in der Mast eine Rolle, wobei die Tiere den Großteil ihres Lebens auf den Ranches – also auf der Weide – verbringen. Danach kommen sie für 4-6 Monate in die sogenannten Feedlots, wo sie dann auf eine „High-grain-diet“ umgestellt werden, um noch etwas Fett anzusetzen. Es stimmt zwar, dass hier potenzielles Brot in Rinder gesteckt wird, allerdings haben sie ja zuvor auf den Ranches das Grasland gepflegt und somit erhalten sie gleichzeitig wichtige Ökosysteme.

      Was die Bioenergie angeht, weiß ich auch noch nicht so genau, was ich davon halten soll. Gestern fand ich auf Youtube einige Videos zu Gras, welches auch dazu verwendet werden könne, um Methan und dann letztlich Strom zu produzieren. Durchaus interessant, Gras können wir nicht verwerten und wenn sich so stillgelegte Flächen pflegen lassen, kann das durchaus auch wieder bestimmten Pflanzen und Tieren zugute kommen, die in dichtem Gestrüpp nicht zurecht kommen.

  9. Ist es die industrialisierte Landwirtschaft, die die Böden auslaugt wie die Autorin von „Die Zukunft der Landwirtschaft“ schreibt. Wenn es so wäre müssten die Böden Afrikas noch in gutem Zustand sein, denn ausser auf den von Ausländern (BRIC+Golfstaaten) aufgekauften Flächen – Stichwort Landgrabbing – gibt es nur wenig industrialiserte Landwirtschaft in Afrika.
    Doch Afrikas Böden haben in den letzten 30 Jahren durch inadäquate Ackerbaumethoden und Nutzung von vulnerablen Gebieten für den Ackerbau stark gelitten, wie UNEP in folgender Memo festhält:

    The expansion of agriculture over the past three decades involved the cultivation of marginal areas, or clearance of important natural habitats such as forests and wetlands. Such conversion is a major driving force behind land degradation. In the Western Indian Ocean islands, for example, competition for land is so intense that coastal wetlands have deliberately been destroyed, and inland swamps have been drained and used as construction sites (UNEP 1999b). Many African rural communities survive by moving their cattle and crops as subsiding floodwaters expose enriched bottomlands and floodplains. More than 1.5 million people in Mali, Mauritania, Senegal and Sudan depend on this resource, as do vast numbers of wild herbivores (Maltby 1986). Draining wetlands for agriculture therefore threatens not only habitats and biodiversity but also the livelihoods of pastoralists and wildlife.
    Loss of natural habitats has reduced vegetation cover and exposed soils to wind and water erosion. Wind and water erosion is extensive in many parts of Africa with about 25 per cent of the land prone to water erosion and about 22 per cent to wind erosion (Reich and others 2001). Soil erosion also causes increased rates of siltation of dams and rivers, and increased risk of flooding in rivers and estuaries. In Sudan, for example, the total capacity of the Roseires reservoir – which generates 80 per cent of the country’s electricity – has fallen by 40 per cent in 30 years due to siltation of the Blue Nile (Conway 2001).

    Dazu kommt noch die Entwaldung. Laut Wikipedia ist Afrika der Kontinent mit der grössten Entwaldungsrate.

    Africa is suffering deforestation at twice the world rate, according to the United Nations Environment Programme (UNEP).[2][3][4] Some sources claim that deforestation has already wiped out roughly 90% of West Africa’s original forests.[5][6] Deforestation is accelerating in Central Africa.[7] According to the FAO, Africa lost the highest percentage of tropical forests of any continent during the 1980s, 1990s, and early 2000s.[8] According to the figures from the FAO (1997), only 22.8% of West Africa’s moist forests remain, much of this degraded.[9] Nigeria has lost 81% of its old-growth forests in just 15 years (1990–2005).[10] Massive deforestation threatens food security in some African countries.[11] One factor contributing to the continent’s high rates of deforestation is the dependence of 90% of its population on wood as fuel for heating and cooking.

    Im ETH-Klimablog Beitrag CO2 Reduktion durch Waldschutz – Bericht aus Kenia berichtet Tim Reutemann – unter anderem – über das Abholzen kenianischer Wälder zwecks Holzkohlegewinnung.

    Das Projekt von dem ich hier berichte umfasst 170’000 Hektar Trockenwald in der Tsavo Region im Süden Kenias. Die Region war vor 30 Jahren gänzlich bewaldet – bis heute unbeschadet überstanden hat jedoch nur der Tsavo National Park. Ausserhalb des Parks gab es eine stetige Abholzung für Landwirtschaft. Die letzten bestehenden Wälder degradieren darüber hinaus wegen der Holzkohleproduktion für die Grossstädte Mombasa und Nairobi.

    Großstädte werden also in Afrika noch mit Holzkohle befeuert, so wie in Europa vor dem 19. Jahrhundert , wo erst die Umstellung auf Kohle und die Verwendung von Stahl für den Schiffsbau den Raubbau an den Wäldern beendete. Noch heute gibt es Regionen und ganze Länder, die als Folge dieses Raubbaus fast vollkommen entwaldet sind wie Irland oder Spanien – Spanien das ganz früher so dicht bewaldet war, dass ein Eichhörnchen es durch Springen von Wipfel zu Wipfel durchqueren konnte. Doch immerhin hat die Bewaldung Europas seit 1900 wieder um 30% zugenommen.
    Ist es nun die (Zitat) industrialisierte Landwirtschaft, sind es ganz allgemein „unsere“ Methoden (die Methoden der Industrienationen) die dafür verantwortlich sind? Nein, die richtige Antwort heisst
    Human Impact = Population x Affluence x Technology
    Bodendegradation und Entwaldung in Afrika sind das Resultat eines Bevölkerungs- und Wohlstandszuwachses bei gleichzeitg rückständiger Technologie, die die nötigen Ressourcen für die gewachsene Bevölkerung und die reichere Bevölkerungsschicht in den Städten mit einer reinen Ausweitung traditioneller Methoden wie Holzkohlenutzung, erreichen
    will.
    Nicht die moderne industrialisierte Landwirtschaft, die angeblich auf Monokulturen und den Boden schädigende Mittel wie Pestizide und schwere Traktoren setzt, ist dafür verantwortlich. Was nicht heisst, dass die moderne Landwirtschaft nicht auch die Umwelt beeinträchtigen und den Boden schädigen kann. Jede Methode, die sehr viel Nahrungsmittel produzieren will hat dieses Schädigungspotenzial. Je primitiver die Technologie aber ist, umso grösser ist die Gefahr dafür.

  10. @Martin Holzherr Besonders, was die Landwirtschaft in Afrika betrifft, tut sich gerade das Dilemma auf zwischen einer Verklärung vermeintlich „Natürlichem“/Traditionellem und einer sachbezogenem Betrachtung einer modernen Landwirtschaft, die ja mittlerweile auch eine Menge Kinderkrankheiten überwunden hat. (Man könnreschon ketzerisch behaupten, dass es auch eine Firm des Rassismus ist, Afrikanern nicht zu zu trauen, Anschluss an die Moderne zu finden und eigenständige Wege ohne einen `fürsorglichen` Paternalismus zu finden.)
    Die Angst vor der „Chemie“ als Unwort und Stellvertreter von Zerstörerischem, weil nicht Althergebrachtem leuchtet mir immer weniger ein. Mir erscheint die Sehnnsucht nach einer `heilen` Natur immer mehr als eine Art Realitätsflucht, statt sich auf die Lösung der Probleme mit rationalen Mitteln zu konzentrieren.

    • Ja, jeder will mitmischen. Die einen sehen die Zukunft der Landwirtschaft in einer Armee von Kleinbauern, die Ökolandbau betreiben, andere denken an kollektive Formen der Landbebauuung. Einige afrikanische Regierungschefs wollen ihr Land noch so gern an Ausländer verkaufen.
      Tatsache ist nur, dass der Ertrag pro Fläche vielerorts gering ist, dass an vielen Stellen nicht nachhaltige Formen der Landwirtschaft betrieben werden und dass die Entwaldung vielerorts dramatisch schnell abläuft. Es wird auch schon heute mehr an Nahrungsmitteln importiert als exportiert,Tendenz steigend. Dabei wächst die Bevölkerung beispiellos und das sogar dort wo inzwischen die Bevölkerungsdichte schon recht hoch ist. Wie in Nigeria. Gut für Afrika wäre es, wenn es mehr afrikanische Länder mit Vorbilcharakter für andere afrikanische Länder gäbe.

  11. Das Redaktions-Team des Lindauer Nobelpreisträgertreffens freut sich, wenn unsere Artikel wahrgenommen und diskutiert werden, auch von anderen Mit-Bloggern auf dieser Seite.

    Man kann unsere Artikel auch direkt kommentieren, entweder auf unserer Website http://www.blog.lindau-nobel.org, oder seit Neuestem auch direkt unter unseren SciLogs-Artikeln.

    Zum Schluss: Die Themen „Zukunft der Landwirtschaft“ und „Ernährung der 10 Milliarden“ haben so viele Facetten, dass ich ein Buch, oder zehn Bücher, hätte schreiben müssen, um sämtliche Aspekte zu berücksichtigen. Mir ging es in diesem Artikel aber darum, ein paar Probleme von gentechnisch verändertem Saatgut aufzuzeigen.

    • Hallo Frau Dambeck,

      vielen Dank für den Hinweis, als ich hier im Lindau-Blog kommentieren wollte, gab es diese Möglichkeit noch nicht.

      Natürlich gibt es viele Herausforderungen in der Zukunft, gerade deshalb wäre es ja wichtig gewesen, das Thema Gentechnik auch entsprechend präzise zu behandeln und nicht derart oberflächlich wie Sie es getan haben. Diese ständige und fürchterlich vereinfachte Debatte um Bt-Mais und Monsanto – kennt jemand noch andere Unternehmen oder Universitäten auf diesem Gebiet? – wird dem Werkzeug, das die Gentechnik nun mal ist, einfach nicht gerecht.

      Wie ich schon schrieb: weshalb die Gentechnik, die der konventionellen Kreuzungszucht in ihrem Einfluss ebenbürtig und im Vergleich zu Verfahren wie Radiation Breeding oder Tilling-Verfahren weitaus präziser ist, keine Zukunft haben soll, erschließt sich mir nicht. Wenn überhaupt, dann liegt das an den weitaus höheren Anforderungen für eine Zulassung oder der Gefahr eines gesellschaftlichen Aufstandes. Gerade im Hinblick auf die cisgenetik fällt mir sonst kein anderer Grund ein.

  12. Der Nobelblog-Beitrag Die Zukunft der Landwirtschaft stellt sich nicht nur gegen die Gentechnik sondern weitgegend gegen die moderne Landwirtschaft, die mit Monokulturen und dem massiven Einsatz von Herbziden und Pestiziden in Verbindung gebracht wird und die auch für die zunehmende Bodenverschlechterung (soil degradation) verantwortlich sein soll.
    Als Gegenmodell wird eine vorwiegend von Kleinbauern betriebene Landwirtschaft propagiert.

    Damit nimmt der Nobelblog eine Gegenposition zur modernen Landwirtschaft ein und betritt damit ein Feld, welches sehr gut vom Breaktrough-Artikel The Environmental Case for Industrial Agriculture diskutiert wird. Dieser Artikel zeigt, dass es seit dem Beginn der Agrikultur eine stetige Entwicklung zu höheren Erträgen, die mit immer weniger Arbeitseinsatz erreicht werden, gibt. Erst dies hat unsere heute Zivilisation mit ihrem hohne Urbanisierungsgrand ermöglicht, denn eine starke Urbanisierung ist nur möglich, wenn es nur wenige Bauern braucht um die Nahrung bereitzustellen. Zugleich entlastet die Intensivierung auch die Umwelt, indem sie den Flächenbedarf für die Landwirtschaft nicht weiter ansteigen lässt.

    Gelingt der Überganz zu einer weniger arbeitsintensiven Landwirtschaft nicht, dann besteht für die betroffenen Länder die Gefahr, dass sie in der Malthus-Falle stecken bleiben wie der arxiv-Aritkel EAST AFRICA IN THE MALTHUSIAN TRAP? feststellt. Eine solche malthusische Falle ist gekennzeichnet durch fehlendes Pro-Kopf-Wachstum, weil das ganze Wachstum durch das Bevölkerungswachstum verkonsumiert wird. Eine solche Gesellschaft bleibt weitgehend agrarisch und kommt nicht aus dem täglichen Überlebenskampf hinaus. Der gerade zitierte arxiv-Aritkel erkennt das Verbleiben in der malthuischen Falle für die ostafrikanischen Länder Uganda, Kenya und
    Tanzania und er fordert:

    The main countries of East Africa (Uganda, Kenya, and Tanzania) have not escaped the Malthusian Trap yet; (2) that this countries are not likely to follow the “North African path” and to achieve this escape before they achieve serious successes in their fertility transition; (3) that East Africa is unlikely to achieve this escape if it does not follow the “Bangladeshi path” and does not achieve really substantial fertility declines in the foreseeable future, which would imply the introduction of compulsory universal secondary education, ser ious family planning programs of the Rwandan type, and the rise of legal age of marriage with parental consent. Such measures should of course be accompanied by the substantial increases in the agricultural labor productivity and the decline of the percent age of population employed in agriculture.

    Der Entwicklungsrückstand der ostafrikanischen Länder gegenüber den nordafrikanischen zeigt sich unter anderem darin,. dass die landwirtschaftliche Pro-Kopf-Produktion beispielsweise in Uganda zwischen 1994 und 2010 sich nicht erhöht, sondern gar etwas erniedrigt hat, obowhl die landwirtschaftliche Produktion insgesamt deutlich gestiegen ist – nur hat die Bevölkerung eben noch stärker zugenommen.Dass diese „ursprüngliche“ Produktionsweise, wie sie in Uganda und anderen ostafrikanischen Ländern weiterbesteht auch für den Boden nicht gut ist zeigt folgender Abschnitt:

    As Roth and Fratkin (2005: 6) note, in East Africa “rapid population growth has affected ruraland urban areas, where farmers increasingly move onto less productive lands to raise their crops and families”.Population pressure leads to the reduction of the fallow periods10, as a result of which the soil fertility fails to restore to original levels, as a result frequently various innovations (like fertilizers) just allow to prevent (at least partly) the decline of the current low agricultural labor productivity instead of increasing it (see, e.g., Bigsten, Kayizzi-Mugarewa 1999: 80)

    Und tatsächlich zeigen mehrere Untersuchungen, dass die Bodenqualität in vielen subsaharischen Ländern dramatisch schlecht ist und sich weiterhin verschlechtert. Im BBC-Beitrag African soil crisis threatens food security, says study liest man

    Neglecting the health of Africa’s soil will lock the continent into a cycle of food insecurity for generations to come, a report has warned.

    The Montpellier Panel – made up of agricultural, trade and ecology experts from Europe and Africa – warned that land degradation reduced soil fertility, leading to lower crop yields and increased greenhouse gas emissions.

    „In Africa, the impacts are substantial where 65% of arable land, 30% of grazing land and 20% of forests are already damaged,“ it observed.

    „Serious land degradation [accounts for] about a quarter of land area of sub-Saharan Africa – it is a vast area,“ he said. „There are about 180 million people who are living on land that is in some way or another degraded. It is really very severe.“ The problem threatened food production in a region that was already experiencing very low crop yields, he explained.

    „The average yield in sub-Saharan Africa is about one tonne per hectare. In India, it is about two-and-a-half tonnes, while in China it is more than three tonnes per hectare. „So in Africa, we have the combination of land degradation, poor yields and a growing population.“

    Fazit: In Afrika haben traditionelle Landbearbeitungsverfahren zu einer dramatischen Verschlechterung der Bodenqualität geführt und nicht die moderne Landwirtschaft. Grund ist der zunehmende Druck auf bestehende und marginale Landflächen durch die stark wachsende Bevölkerung. Der fehlende Einsatz von Dünger trägt zur Bodenverschlechterung bei.

  13. „Die Zukunft liegt bei den Kleinbauern“ geistert als Slogan in der westlichen Ökoszene herum. Dies hat nun auch den Guardian erreicht, wo George Monbiot für die Kleinbauern und gegen die „industrialiserte“ Landwirtschaft Partei ergriff.
    Die Antwort der Ecomodernisten im Artikel George Monbiot is wrong to suggest small farms are best for humans and nature überzeugt mich sehr. Das Hauptargument darin: Kleinbauern können ihren Ertrag nur über mehr Arbeitseinsatz steigern, weil Ihnen Kapital und Boden fehlt. Diese Arbeit der Kleinbauern wird aber sehr schlecht entlöhnt, denn Nahrungsmittel sind billig und müssen in Entwicklungsländern billig sein. Nur schon die zunehmende Urbanisierung macht deutlich, dass die Zukunft nicht bei den Kleinbauern liegen kann.

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