Die Giraffe Marius – ein großes Desaster

Große Aufregung im Kopenhagener Zoo. Um Inzucht zu vermeiden, wurde dort am Sonntag ein Giraffen-Bulle getötet, vor den Augen der Zoo-Besucher zerlegt und an die Großkatzen verfüttert. Das kam nicht überall gut an. Den Direktor des Zoos erreichten sogar Morddrohungen und nebenbei läuft auch noch eine Petition, die die Schließung des Zoos fordert – ein Kommentar.

Die Tötung geschah mit Einvertändnis der EAZA, also der European Association of Zoos and Aquaria. Inzucht ist ein Problem. Grundätzlich immer, bei Wildtieren spielt der Erhalt des Wildtyps und einer genetisch gesunden Population natürlich noch eine weit größere Rolle als in der Zucht domestizierter Tiere in der Landwirtschaft oder bei unseren Haustieren. Zur Überwachung werden Zuchtbücher geführt, die Paarungen genetisch möglichst weit entfernter Tiere ermöglichen und Inzucht vermeiden. Leider wurde es an diesen Punkt eng für die Giraffe im Kopenhagener Zoo. Ganz trocken formuliert: seine Gene waren schon ziemlich verbreitet im EAZA-Umfeld. Es gab keinen Bedarf. Zu der Frage, warum man die Giraffe nicht einfach irgendeinem Zoo außerhalb des Programms überlässt, steht auf der Seite des Zoos:

Only zoos that follow certain rules can be part of international breeding programmes. In Europe this is only the zoos that are members of the European Association of Zoos and Aquaria (EAZA). EAZA is an association that counts just over 300 members.

Regeln sind halt Regeln. Dabei ist die Sache wirklich nicht ganz einfach. Unter den jeweiligen Artikeln las ich sehr oft das Argument der Kastration, schließlich sei dann keine Fortpflanzung und damit auch keine Inzucht mehr möglich. Das funktioniert bei Hunden und Katzen durchaus gut, Wildtiere ticken in dieser Hinsicht aber noch etwas ursprünglicher. So werden bspw. Anzeichen von Krankheiten solange ignoriert bis es endgültig nicht mehr geht. Schwäche lockt Fressfeinde an. Auch die sexuelle Schwäche birgt Konflikt-Potential, wenn Kerle plötzlich keine Kerle mehr sind. Keine Eier, kein Respekt. Der Bulle wäre dann sein ganzes Leben ziemlich isoliert gewesen – keine schönen Aussichten.

Kommen wir jetzt zu dem Punkt, der mich wirklich am meisten ärgert an dieser Geschichte. Die Empörung über die im Zoo gezeigte Praxis ist vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar. „von der Natur entfremdet“, das sei schließlich gängige Praxis. Kann man so sehen. Ist aber in diesem Fall völliger Unsinn. Tatsächlich zeugt es von wenig Empathie und Kommunikations-Verständnis, wenn man für eine Tötung und öffentliche Zerlegung ausgerechnet ein Tier auswählt, das auch noch einen Namen hatte. Ja, tatsächlich. Der 18 Monate alte Bulle hieß Marius. Und wer in seine Überlegungen nicht einbezieht, dass Menschen auch Beziehungen zu Zoo-Tieren aufbauen können (1), man hier als Direktor inkl. Zoo-Team also sehr behutsam vorgehen muss, sollte schleunigst den Job wechseln. Spiegel Online zitiert den Direktor des Zoos Holst mit diesen Worten:

Im Chat mit „Ekstra Bladet“-Lesern erklärte Holst, es sei die Aufgabe des Tierparks, den Menschen ein möglichst authentisches Verständnis von Natur zu vermitteln. „Hätten die Löwen die Giraffe nicht bekommen, wäre es ein Pferd gewesen, das wir vom Schlachthof erhalten hätten. Aber wir werden die Herkunft von Fleisch nicht geheim halten – und auch nicht das Leben und den Tod.“

Wird ja immer schlimmer. Zoos verstehen sich immer auch als Bildungseinrichtung. Das beeinhaltet aber mehr als Tiere in Gehegen und ein paar Info-Tafeln davor. Pädagogiches Feingefühl heißt das Zauberwort, etwas das hier kollektiv vergessen wurde. Das war pure Dummheit und der Shitstorm völlig verdient. Ich bin einigermaßen überzeugt, dass eine derartige Aktion mit einem anonymen Tier weitaus entspannter verlaufen wäre. Dass Löwen keine freiwillig herunter gefallenen Äpfel fressen, ist auch unter Stadtmenschen kein Geheimnis.

Jetzt die Schließung des Zoos zu fordern, ist natürlich mindestens genauso bekloppt. Was in einem solchen Fall mit den Tieren passiert, sollte klar sein. Während das eine oder andere Tier in einem neuen Zoo Unterschlupf findet, wird der Rest jenen Weg der Giraffe Marius gehen. Das kann doch eigentlich niemand ernsthaft wollen.

Natürlich kann man hier jetzt auch wieder die Grundsatzfrage stellen, ob wir überhaupt Tiere im Zoo halten sollten. Nun, Wilderer verzeichnen immer neue Rekordgewinne, die Nachfrage nach tierischen Bestandteilen für pseudo-medizinischen Hokus-Pokus floriert und auch die Lebensräume wilder Tiere stehen zunehmend im Spannungsfeld zwischen Verstädterung und Landwirtschaft. Meine beiden Artikel aus 2011 zu diesem Thema haben nichts an Aktualität eingebüßt:

Kurz: Ja, wir brauchen Zoos mehr denn je, denn hier geht es um weit mehr als lediglich das Präsentieren von Tieren zur Belustigung zahlender Besucher.

Anmerkung:

  1. Vor Jahren besuchte ich den Tierpark Hagenbeck. Dort waren Tiere gerade – es war Winter und kalt – im Haus, wo Zoobesucher sie mit Obst und Gemüse füttern konnten. Es war interessant zu sehen wie die Hamburger „ihre“ Elefanten besuchten.

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Gestatten: Sören Schewe, Wissenschaftsblogger. Gut, das sind hier alle bei den Scilogs. Aber nicht alle bloggen über Tiere und was alles damit zu tun hat. Ich auch nicht. Eigentlich möchte ich hier über jene Tiere schreiben, die man gut ohne Hilfsmittel sehen kann. Das mit der Sehfähigkeit beginnt bei mir momentan noch bei Milben. Aber die meine ich eigentlich nicht. Viel spannender finde ich Tierparks und landwirtschaftliche Betriebe. Und genau darum soll es hier gehen: das soll sozusagen ein Zoo- und Agrarblog sein mit allem, was mich sonst noch interessiert. Wenn ich gerade mal nicht hier blogge, schreibe ich auch Gastbeiträge für den Bauernblog. Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen Leser, wie ich zu dem Namen des Blogs gekommen bin. Nun, das ist schnell getan. Ich bin ein großer Fan Hunter S. Thompsons. Ich liebe seine Artikel einfach. Mit der Mischung aus messerscharfen, streng subjektiven und teils auch vulgären Analysen zum damaligen Zeitgeschehen finde ich seine Arbeiten auch heute noch unwiderstehlich. Gastblog: http://bauernblog.de/ --

28 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „Pädagogisches Feingefühl”

    Für wen? Für die ganzen Fleischfresser da draußen, die es auch nicht die Bohne interessiert, ob der Bauer ihr Neulandschwein vielleicht mal „Karl” getauft hatte? Sorry. Das ist doch alles verlogen ohne Ende.

    Fleisch wird an Fleischfresser verfüttert, egal ob zwei- oder vierbeinig. Auf jedem Bauernhof bekommt der Hund auch was von seinem Sparringpartner ab, wenn dieser irgendwann auf dem Tisch landet. Und im Zoo tut man schön weichgespült und realitätsfern, weil ein Tier einen Namen hatte? Weil wir Menschen mittlerweile gar nichts mehr merken, Eisbärenbabys von Eisbärenmütter verstoßen auf irgendeinen surrealen Merchandising-Gipfel erheben und deren Pfleger zu Helden stilisieren?

    Der Fehler liegt nicht beim Zoo noch bei seiner Kommunikation. Der Fehler liegt beim menschlichen Besucher, der wird mehr und mehr zum hirnamputierten Idioten.

    • Hach ja, der Mensch ist dumm. Ohne wenn und aber. Außer einem selbst natürlich. Das ist simpel, das kann man überblicken und sich dabei überlegen fühlen. Wenn Du meinen Text gelesen und/oder verstanden hättest, wäre Dir aufgefallen, dass ich die Fütterung an sich nicht kritisiere, sondern explizit die Verfütterung dieser speziellen Giraffe in diesem Zusammenhang für wenig optimal erachte.

      • Hallo Sören, creezy hat m.E. vollkommen Recht: Ein Zoo ist kein Kuschelpark, genauso wenig wie ein Bauernhof – ob Tiere einen Namen haben oder nicht. Die Schlachtung eines Tieres vor Publikum mag unsensibel erscheinen, erfüllt aber einen wichtigen didaktischen Zweck – Einblick in die „grausame“ Nahrungskette und Evolution. „Schlachtefeste“ auf dem Lande sind nichts anderes und erfreuen sich bei SlowFood-Anhängern zunehmender Beliebtheit. Gut so.

        Der Zoo aus Dänemark wird an diesem pädagogischen Konzept festhalten. Auch das ist gut.

        • Habe ich den Artikel irgendwie auf Chinesisch geschrieben? Ich habe die Aktion zu keinem Zeitpunkt verurteilt, sondern lediglich angemerkt, dass die Schlachtung einer Giraffe mit Namen aus Sicht der Kommunikation problematisch war. Mehr nicht. Das können andere gerne anders sehen, ich sehe es eben so. Vielleicht kann ich die Empörten ein Stück weit besser verstehen. Ich bin auch weit weg von Landwirtschaft usw. aufgewachsen, habe mich erst nachher damit beschäftigt – und dabei auch mächtig umgedacht, was ich in dem einen oder anderen Artikel hier auch erwähne.

          Einfach alle für völlig bescheuert zu halten, halte ich wiederum für verdammt arrogant.

  2. Wenn der gute Herr Holst unbedingt in einem Zoo(!) ein authentisches Verständnis von Natuir vermitteln möchte, warum hat er die Giraffe nicht einfach ins Löwengehege gelassen? In der Natur werden die Beutetiere auch nicht per Bolzenschuss getötet und mit dem Messer zerlegt.

    Für mich eine völlig unverständliche Aktion, wo es wohl nur um die Show ging. Tja, Herr Holst, das ist wohl nach hinten losgegangen.

    • In Dänemark ist das Zerlegen von Tieren vor Publikum Alltag,. gehört dort zur Bildung.
      Das wird auch im Zoo regelmäßig durchgeführt.

        • Kommt da die fehlende landwirtschaftliche Herkunft raus?
          Auf dem Hof werden Tiere geboren, gehegt, gepflegt und auch ins Herz geschlossen,
          eines Tages kommt dennoch der Abschied.
          Dieses sollte viel mehr wieder in die Köpfe der Bevölkerung.
          Diese Aufregung kommt doch nicht von aufgeklärten Menschen, in erster Linie von Leuten, die im 3. Stock sitzen und am PC ihren Unmut verbreiten während sie genüsslich ihren Lamm-Döner vom Lieferdienst verputzen.

          Wo ist der Unterschied zwischen Giraffe und Kuh? Nur der Name?
          Der Unwille an der Aufklärung, weil der Glauben größer ist und die lauten Rufe mehr Gehör finden, unterdrückt doch den klaren Gedanken.

          • Habe ich Gegenteiliges behauptet? Ich denke aber schon, dass der Name eine gewichtige Rolle spielt, Stichwort: Personalisierung. Milchvieh-Landwirte trauern ja auch um ihre Tiere, wenn sie den Hof verlassen.

  3. Was wäre denn die Alternative gewesen? Ein 4 Meter langes Grab ausheben?
    Oder hätten sie ihm einfach keinen Namen geben sollen?
    >Der „Du-weißt-schon-wer“ konnte von keinem Zoo übernommen werden und wird jetzt geschlachtet….<

    • Hallo Chris,

      man hätte ihn einfach in anonymen Stücken verfüttern können. Einem Fleischbrocken sieht man die Herkunft nur noch bedingt an. Dann – so vermute ich – wäre dem Zoo viel Aufregung erspart geblieben. Ein namenloses Tier wäre vielleicht auch noch gegangen – aber diese Kombination war nicht gut.

  4. Das Ergebnis dieser Aktion war wohl vorherzusehen, Beispiele dafür wie Menschen auf flauschige Zootiere und deren Tod reagieren, gibt es genug. Die PR-Abteilung vom Kopenhagener Zoo war da entweder etwas naiv oder es stört sie nicht wirklich.
    Ich finde den Shitstorm aber ganz gut, weil vielleicht doch mal ein paar Menschen drüber nachdenken, warum das Verfüttern der Giraffe eigentlich soviel dramatischer sein soll, als das eines Pferds (auch Tiere die meist einen Namen haben) oder einer Kuh.
    Ich frage mich aber vor allem warum die Giraffen in Kopenhagen überhaupt verpaart wurden, wenn klar ist, dass keine Chance auf Abgabe des Jungtieres besteht (das war doch sicher keine Überraschung, oder doch?).

    • Ob das jetzt durch den Shitstorm alles doch noch irgendwie hilfreich war, darüber lässt sich reden. Zu der Frage nach der Paarung: auf der Seite des Zoos ist zu lesen, dass die Tiere sich dort natürlich fortpflanzen. Denke mal, dass Marius ein Ergebnis einer solchen Paarung war.

  5. Pingback: Open Thread – Marius, die “arme” Giraffe – ErklärFix

  6. Und wer in seine Überlegungen nicht einbezieht, dass Menschen auch Beziehungen zu Zoo-Tieren aufbauen können (1), man hier als Direktor inkl. Zoo-Team also sehr behutsam vorgehen muss, sollte schleunigst den Job wechseln.
    [1] Vor Jahren besuchte ich den Tierpark Hagenbeck. Dort waren Tiere gerade – es war Winter und kalt – im Haus, wo Zoobesucher sie mit Obst und Gemüse füttern konnten. Es war interessant zu sehen wie die Hamburger „ihre“ Elefanten besuchten.

    Die Argumentation liest sich „nicht wirklich“ gut. – Der Sprung zu derartiger Kommentierung – http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-02/zoo-ethik/seite-all – scheint nicht mehr weit.
    Todesdrohungen seitens Ökologisten gegen den Zoo-Direktor runden das Bild ab.

    MFG
    Dr. W

      • Sup!

        Wenn etwas nicht verstanden worden ist, Herr Schewe, fragen Sie einfach, so gut Sie können.

        MFG
        Dr. W (der natürlich Ihre publizistische Web-Arbeit grundsätzlich nicht schlecht findet, weiter so!)

        • Ich habe keinen Schimmer, wo ich auch nur in der Nähe Ihrer geliebten „Ökologisten“ argumentiere. Ich verstehe schlicht den ganzen Kommentar nicht.

          • Die können doch lesen, Herr Schewe, Wörter zu Aussagen zusammenbringen, auch zu Aussagen, die Ihnen womöglich nicht konvenieren. Oder scheitert es hier?

            Ihr Kommentatorenfreund könnte auch ohne Fragen Ihrerseits zu erklären suchen, müsste dann aber mehr spekulieren als notwendig. Wollen Sie ihm dies antun?


            Ansonsten: Sie empfehlen den Jobwechsel, womöglich auch die Entfernung des hier betrachteten Zoo-Direktors gegen seinen Willen. Womöglich wegen seiner Entscheidung. Wie ideologisieren Sie hier? Gab es Pflichtverstöße oder sonstwie justiziables Verhalten oder Verstösse gegen die Sitten?
            Was macht den Direktor vielleicht zu einem schlechten Menschen (und Sie zu einem guten)?

            Einfach mal substanziell werden…

            MFG
            Dr. W (der sich aber frühestens morgen hier wieder lesend bemühen wird)

          • Danke für die Antwort. Es geht hier überhaupt nicht um gute oder schlechte Menschen. Ich schrieb oben, dass Zoos sich selbst auch immer als Bildungs-Einrichtungen für Menschen sehen. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muss man wissen, wer einem da gegenübersteht. Und das sind eben nicht zu 80% Menschen, die gerade noch ein Schwein für den Schinken geschlachtet haben. Für die ist die Tötung und Verfütterung eines zuvor sogar namentlich bekannten Tieres eben NICHT „ganz normal“. Das muss man in der Kommunikation/Öffentlichkeitsarbeit/Bildung wissen. Ich sehe mich überhaupt nicht als besseren Menschen, die Aktion hätte es so mit mir aber nicht gegeben. Das ist eigentlich alles.

  7. Mir gefällt die Argumentation auch nicht, wenn auch sie am häufigsten gehört habe – übrigens ausschließlich von Fleischessern, die Angst um die Psyche ihrer Kinder haben. Aber dieser Argumentation liegen eben ein paar Prämissen zu Grunde, die ich einfach nicht teile (und ja, mir ist klar, dass das keine Zitate von Dir sind, sondern Zusammenfassungen aller Argumente, die ich im Zusammenhang mit dieser Argumentation gehört habe):
    1. „Ein Tier mit Namen hat mehr Recht als ein namensloses Tier und das ist auch ok so.“
    Die Vorstellung, man könne durch den Erfolg dieser Argumentation auf die Idee kommen, auch bei Menschen so zu verfahren, finde ich einfach nur furchtbar.
    Ich stimme Dir zu, dass Kinder zu dieser Abstraktionsleistung noch nicht notwendigerweise in der Lage sind – aber Erwachsene müssen m.E. darauf achten, dass Kindern dieses „Othering“ nicht auch noch als akzeptabel dargestellt wird.
    2. „Die Offenlegung des Schlachtprozesses ist einfach nur ‚blutrünstig‘. Das muss man doch nicht zeigen
    Sehe ich auch komplett anders. Kein Elternteil ist gezwungen, sich mit seinem Kind die öffentliche Schlachtung anzusehen. Aber immer nur im Verborgenen zu schlachten, damit niemand mehr daran erinnert wird, dass alles Fleisch, was in Zoos, Privathaushalten, Restaurants etc. „verfüttert“ wird, mal ein komplettes Tier war, finde ich genauso falsch wie Berichte über die Arbeitsbedingungen in Sweatshops nicht zu zeigen, damit die Menschen, die die dort hergestellte Kleidung tragen, sich nicht mit den Produktionsbedingungen auseinandersetzen müssen.

    3. „Dass Löwen keine freiwillig herunter gefallenen Äpfel fressen, ist auch unter Stadtmenschen kein Geheimnis.“
    Da bin ich mir nicht so sicher. Viele Kinder bringen „Fleisch“ und „Tier“ nicht mehr in einen logischen Sinnzusammenhang – gerade in der Stadt. Beliebt ist es, Kindern zu versichern, all diese Tiere seien an Altersschwäche gestorben.

    4. „Die Nummer ist so groß geworden, weil der Zoodirektor gehandelt hat, wie er gehandelt hat.“
    Nein. Die Nummer ist so groß geworden, weil Medien, die nicht mal wussten, dass es einen Zoo in Kopenhagen gibt, „Marius“ in ihr „Celebrities aus aller Welt“-Portfolio aufgenommen haben und damit überhaupt erst die behauptete Identifikation mit dem zum Tode geweihten Tier hergestellt haben.

    Ein Zoo ist eben keine Bildungseinrichtung alleine für Kindergärten und Grundschulen, sondern auch für ältere Kinder und Erwachsene. Und zwar in erster Linie für die in der direkten Nachbarschaft. Was Deutschland vom Verhalten des Zoodirektors hält, sollte diesem m.E. völlig egal sein.

    • Hallo Katja,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Bzgl. der ersten beiden Punkte stimme ich Deiner Einchätzung zu. Beim dritten Punkt möchte ich irgendwie nicht glauben, dass es so ist. So jenseits der Realität kann man doch nicht sein.

      4) Das ist ein interessanter Punkt. Zoos stehen wie auch landwirtchaftliche Betriebe immer auch kritisch in der Öffentlichkeit. Und wenn man mit der Öffentlichkeit kommuniziert, die nicht zwangsläufig mit allen Regeln im Zoo vertraut sind, gibt es Fallstricke, die man beachten muss. Es ist völlig legitim, das zu zeigen. Gerne auch an einem ganzen Tier, es an DIESEM Tier zu demonstrieren, war weniger gut.

  8. Auch wenn im Beitrag recht gut dargelegt wurde, dass die Tötung und Verfütterung der Giraffe gut begründet war, so kann ich die Schlussfolgerung gar nicht gut heißen. Der Shitstorm soll angemessen gewesen sein, was dann wohl auch die Morddrohungen gegen den Zoodirektor mit einschließt. Und das, weil die Giraffe einen Namen hatte, bei einem anonymen Tier wäre das nicht passiert. Woher kommen die Gewissheiten?

    Es werden hier scheinbar unbewusst bestimmte Prämissen angenommen. Etwas, dass alle, die sich jetzt massiv empören, „Marius“ persönlich gekannt haben und eine Beziehung zu ihm hatten. Auch dass die Zooleitung angeblich wenig Einfühlungsvermögen in der Sache gezeigt haben will, kann man zwar mal so behaupten, kann ich aber auch nicht erkennen.

    Mag sein, dass einige Zoobesucher, die wirklich eine „Beziehung“ zu dem Tier hatten, aber dies erklärt weder, noch rechtfertigt es den Shitstorm. Hat eher was damit zu tun, dass man sich gerne empört und seine angebliche moralische Überlegenheit zur Schau stellen will.

    • 1) Dass ich die Morddrohungen in Ordnung finde, steht nirgendwo.

      2) Natürlich haben nicht alle aktuell Empörten Marius gekannt. Mit dem süßen kleinen Marius lässt es sich aber weitaus besser emotionalisieren und dadurch eine Empörung hervorrufen als mit irgendeinem Giraffenbullen. Das hätte man vielleicht vorher bedenken sollen. Wie gesagt, das ist meine Meinung.

  9. Die Giraffe Marius scheint bereits ein fester Begriff geworden zu sein. Auf Tagesschau.de liest man

    „Wie die Giraffenschlachtung in Kopenhagen“

    Die Sozialdemokraten folgten in erstaunlicher Geschlossenheit der politischen Logik ihres Vorsitzenden und opferten Ministerpräsident Enrico Letta, der sich bis zuletzt gegen seine Absetzung gewehrt hatte. Die PD-Sitzung am Nachmittag war „wie die öffentliche Schlachtung der Giraffe im Kopenhagener Zoo“, sagte ein Vorstandsmitglied.

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