Dicke Luft unter Kapuzineräffchen

Zwei Kapuzineräffchen befinden sich in getrennten Käfigen, können sich aber gegenseitig sehen. In dieser Situation agieren die beiden Tiere als Protagonisten in einem Versuch, der weltweit viel Beachtung fand. Die große Fragestellung, die dabei über allem schwebt, ist jene, ob Tiere in der Lage sind Empathie, Moral oder Gerechtigkeit zu empfinden.

Ein Stück Gurke als Belohnung ist für Kapuzineräffchen völlig in Ordnung. Sie erledigen ihre Aufgabe, bekommen ihre Belohnung – das können sie gut und gerne 20 mal am Stück machen. Entscheidend ist, dass bei mehreren Tieren im Versuch alle die gleiche Belohnung bekommen. Was sonst passiert, sehen wir in diesem kleinen Video:

Wir lernen: Trauben stehen in der Wertschätzung bei Kapuzineräffchen klar über der Gurke. Bekommt eines der Äffchen bei gleicher Aufgabe also etwas besseres, wirft das andere buchstäblich hin.

In der landwirtschaftlichen Tierhaltung habe ich es mit vergleichsweise einfachen Parametern zu tun. Mastleistung (sprich: tägliche Zunahmen) Milchleistung oder Futter-Effizienz – alles messbar und relativ leicht zu analysieren. Aber wie misst man Gerechtigkeit oder Moral? Dass diese Attribute lange Zeit – sogar in der Wissenschaft – lediglich dem Menschen zugesprochen wurden bzw. werden, macht die Sache auch nicht leichter. Nicht nur die fehlende Messbarkeit stellt eine Herausforderung dar. Anfang des Jahres schrieb ich dazu einen Artikel. Ein Auszug:

Nicht falsch verstehen: Studien sind wichtig – auch oder gerade in diesem Bereich, denn nichts ist gruseliger als eine falsche Vermenschlichung tierischer Verhaltensweisen durch vorschnelle Interpretationen. Dennoch sollten wir die eine oder andere Anekdote auch ohne Studie im Hinterkopf behalten. Vielleicht noch nicht als festen Beleg, sicherlich aber als Erinnerung, welch geistiges Potential in den Tieren um uns herum auch ohne Studie möglicherweise schlummert – bis zu dem Tag, an dem Versuche mit den richtigen Aufbauten dann auch wissenschaftliche Belege erlauben und liefern.

Frans de Waal, ein holländischer Zoologe und Verhaltensforscher, gehört zu jenen Wissenschaftlern, die sich von all dem wenig beeindrucken lassen. Unter anderem war auch er für das schlecht gelaunte Kapuzineräffchen verantwortlich, weshalb ich Euch den gesamten TED-Talk empfehlen möchte:

 


 

Dieser Artikel ist eine Art Einführung, ich würde dieses Thema in der nächsten Zeit gerne genauer behandeln. Ich bin gespannt, ob das klappt 😉

PS: Mein Artikel über Intelligenz und Empathie im Tierreich – Studien und ihre Überprüfung

Veröffentlicht von

Gestatten: Sören Schewe, Wissenschaftsblogger. Gut, das sind hier alle bei den Scilogs. Aber nicht alle bloggen über Tiere und was alles damit zu tun hat. Ich auch nicht. Eigentlich möchte ich hier über jene Tiere schreiben, die man gut ohne Hilfsmittel sehen kann. Das mit der Sehfähigkeit beginnt bei mir momentan noch bei Milben. Aber die meine ich eigentlich nicht. Viel spannender finde ich Tierparks und landwirtschaftliche Betriebe. Und genau darum soll es hier gehen: das soll sozusagen ein Zoo- und Agrarblog sein mit allem, was mich sonst noch interessiert. Wenn ich gerade mal nicht hier blogge, schreibe ich auch Gastbeiträge für den Bauernblog. Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen Leser, wie ich zu dem Namen des Blogs gekommen bin. Nun, das ist schnell getan. Ich bin ein großer Fan Hunter S. Thompsons. Ich liebe seine Artikel einfach. Mit der Mischung aus messerscharfen, streng subjektiven und teils auch vulgären Analysen zum damaligen Zeitgeschehen finde ich seine Arbeiten auch heute noch unwiderstehlich. Gastblog: http://bauernblog.de/ --

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hunde

    Alle meine mit Hunden beglückten Bekannten würden darauf antworten:
    Wie langweilig, das weiß man doch schon seit es Haustiere gibt.
    Ich würde sagen: Eure Tiere haben nur gemerkt, dass wenn eines etwas zu naschen bekommt, die Chance groß ist, dass alle etwas abbekommen. Ich bezweifele, dass Hunde den Unterschied zwischen einer dem Mitbewohner verabreichten Gurke und einer Traube erkennen würden.

  2. Hallo Doggydog,

    das ist ja immer die Herausforderung – gerade in diesem Bereich. Wissenschaftlich haltbare Erkenntnisse zu erlangen ohne Tiere zu vermenschlichen ist nicht leicht. Den Versuch 1:1 auf Hunde zu über tragen düfte auch schwierig werden. Gurken und Trauben sind da nicht ganz so wichtig 😉

  3. Hallo Sören,

    kennst du eigentlich die Arbeit „Freundschaft“ bei Huftieren? – Soziopositive Beziehungen zwischen nicht-verwandten artgleichen Herdenmitgliedern“ (A. Wasilewski) ?

    Eine Diss an der Uni Marburg- dort wurde versucht sich dem Feld der Moral bei Nutztieren (Eseln, Pferden, Schafen und Kühen) zu nähern- mit eben der Fragestellung ob es sowas wie „Freundschaften“ gibt, was ja ein gewisses Maß an Moral vorraussetzt.

    lg

  4. Hallo para

    Nein, diese Arbeit kenne ich nicht. Kann man die runterladen?

    Bei dem großen Thema Moral halte ich mich erstmal an Frans de Waal, so wie ich mich bei Intelligenz im Tierreich an Birmelin orientiere – bis ich da Ritter bin 😉

  5. Pingback: Empathie-Forschung durch Big Data › Vom Hai gebissen › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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