Radikaler Islam vs. Islam: Wo steckt die Gefahr?

Ist der sog. radikale Islam eine überraschende Fehlentwicklung, die nichts mit der ideologischen Grundlage des Islam zu tun hat? Oder eher eine nachvollziehbare, weil in den Grundschriften des Islam verankerte Entfaltung, die zumindest vom islamisch-ideologischen Blickpunkt aus durchaus legitim sein kann? Mit anderen Worten: Ist der Islam – zumindest für Abendländer – bereits an sich gefährlich?

Theo van Gogh in memoriam
 
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Eines nehme ich vorweg: Ich bin kein Islamexperte. Nachdem ich aber im Blog meines Chronologs-Kollegen Hussein Hamdan keine ernste Diskussion anregen konnte, möchte ich das Thema hier aufgreifen und zur Diskussion stellen.
 
Weil das Thema so heikel ist und es so viele Menschen gibt, die sehr gerne missverstehen, worum es geht, erkläre ich am besten gleich, worum es nicht geht:
 
Es geht nicht um "die Muslime". Dafür ist der Islam sowieso zu heterogen. Diejenigen, die sich von islamisch motivierter Gewalt distanzieren, gehören hier sinngemäß nicht zur Sache und werden daher gar nicht problematisiert. Mich interessieren in diesem Zusammenhang eher jene Muslime, die sich etwa der Muslimbruderschaft (geschweige denn noch militanteren Bewegungen) nahe fühlen und deren Avantgarde uns aus ideologischen Gründen im Namen der islamischen Gottheit tödlich in London, New York, Jerusalem, Amsterdam, Madrid oder auf der Bahnstrecke von Köln nach Koblenz angreift.
 
Es geht nicht um quantitative Aspekte. Nur allzu oft werden Allahs Kämpfer als "Radikale" wegdifferenziert und verharmlost. Aber selbst wenn sie in der islamischen Welt nicht so populär wären, würden sie deswegen nicht aufhören zu existieren. Zudem würde sich bei 1,5 Milliarden Muslime selbst relativ geringe Unterstützung auf (etliche) Hundert Millionen belaufen, von denen sich freilich nicht viele, aber auch nicht wenige bei uns aufhalten. Quantitative Aspekte können uns bei diesem weit verbreiteten, ja globalen Problem nicht weiterhelfen.
 
Es geht nicht darum, der islamischen Zivilisation ihre früheren Errungenschaften – etwa in der Zeit, die wir das "Mittelalter" nennen – abzusprechen (obwohl es auch da schwarze Kapitel gibt) oder von vornherein die Möglichkeit auszuschließen, dass sie in Zukunft die Moderne annimmt. Es geht auch nicht um die heutige Problematik der islamischen Zivilisation: Wer sich dafür interessiert, kann sich Dan Diners "Versiegelte Zeit" anschauen. Vielmehr geht es hier um die islamische Religion und deren Grundtexte.
 
Es geht nicht um Theologie. Ob Allah und Jahwe, wenn man irgendwann überhaupt irgendetwas vom "wahren" Wesen Gottes wissen könnte, sich als ein und dieselbe Gottheit erweisen würden – diese Frage spielt hier keine Rolle. Wir haben hier mit Gottheiten im kulturwissenschaftlichen Sinne zu tun: Mit unterschiedlichen Vorstellungen und Paradigmen, die unsere Welt auch heutzutage weitestgehend mitgestalten. Wir können nicht wissen, ob es Götter gibt, wie viele und welche es sind. Aber wir wissen, dass Ideen wirklich wirken und Menschen mehr zu Taten bewegen als alles andere. Hier geht es daher um jene Ideen, die Allahs Kämpfer bewegen. Befinden sich manche dieser Ideen bereits im textuellen Kern des Islam? Oder kommen sie alle vom Rande nur hinzu?
 
Es geht nicht darum, unseren Dialog mit Muslimen zu erschweren. Ganz im Gegenteil: Man muss den problematischen Hintergrund kennen lernen, wenn man ein vernünftiges, weil wirksames Gespräch führen will, das nicht am Eigentlichen vorbeiredet (etwas schwieriger ist es allerdings bei denjenigen Muslimen, die eine kritische und distanzierte Haltung zu den Quellen ihrer Religion ablehnen, sich als gläubige Muslime bewusst damit identifizieren und daher höchstwahrscheinlich von vornherein kein Interesse daran haben, sich heraushelfen zu lassen).
 
Es geht nicht darum, das Vorhandensein von Positivem in der islamischen Religion und deren Grundtexten zu leugnen und den Islam auf das Gefährliche zu reduzieren. Aber das Positive kann das Gefährliche nicht relativieren. Das Problem des Gefährlichen bzw. Negativen muss als solches, d.h. an und für sich, betrachtet werden: Auch der Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze wurde nicht dadurch besser, dass das Gesundheitswesen für alle Bürger der DDR gleichermaßen zugänglich war.
 
Es geht nicht darum, das Problematische durch historische Kontextualisierung zu entkräften. Allahs Kämpfer – wie die meisten Muslime in den islamischen Ländern – lesen keine islamwissenschaftlichen Abhandlungen, sondern die Grundtexte des Islam, die für sie genau so in den heutigen Kontext gehören wie in den damaligen. Daher geht es auch nicht darum, euroislamische Ansätze zu prüfen. Wenn der Euroislam sich genauso gut von den Grundtexten des Islam ableitet wie die islamische Gewalt, darf er für Muslime einen wohl genauso plausiblen Weg darstellen. Überzeugen muss er aber nicht uns Abendländer, die sich sowieso nicht an den Grundtexten des Islam orientieren, sondern die Massen in den islamischen Ländern.
 
Und schließlich geht es hier nicht um Rasse, Nation o. Ä. Zum Milieu von Allahs Kämpfern gehören Araber, Perser bzw. Iraner, Pakistani bzw. Indoarier, Indonesier usw. usf. wie auch zum Islam übergetretene Abendländer. Was sie alle verbindet, ist einzig und allein das religiöse Moment.
 

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Nach diesen allgemeinen Präliminarien darf ich nun das Thema konkretisieren:
 
Es stellt sich zunächst die grundsätzliche Frage: Missbrauchen Allahs Kämpfer den Islam? Oder setzen sie vielmehr Ideen in die Tat bzw. Untat um, die in den Grundtexten des Islam geschrieben stehen?
 
Allahs Kämpfer, die so genannten "Radikalen" (in wessen Augen und nach welchen Kriterien?), lassen sich alle von islamischen Grundtexten inspirieren und leiten ihre Verbrechen von diesen ab. Auch wir sind daher auf diese Schriften angewiesen, wenn wir ihre islamische Motivation verstehen wollen.
 
An dieser Stelle muss man allerdings vorsichtig sein: Es gibt im Abendland Leute, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Öffentlichkeit auf Problematik des Islam aufmerksam zu machen, dabei aber auch zeitgenössische Denker, Prediger etc. zitieren. Diese Akteure des Islam erfreuen sich zwar immer größerer Popularität, aber es kann doch keiner behaupten, dass nur sie den Islam vertreten. Wir haben ja oben schon festgesellt, dass quantitative Aspekte hier keine Rolle spielen: Das, was es gibt, gibt es – und selbst wenn islamische Gewalt ein Randphänomen wäre, würden Allahs Kämpfer keinen Anstoß an diesem quantitativen Umstand nehmen. Jedoch funktioniert dieses Prinzip in beiden Richtungen. Denn auch für jene Muslime, die sich von islamisch motivierter Gewalt distanzieren, gilt das Prinzip: "Das, was es gibt, gibt es." Daher können die "Radikalen", auch wenn sie darauf Anspruch erheben, nicht den ganzen Islam vertreten, der ohnehin heterogen ist und sich spätestens seit der Abschaffung des osmanischen Kalifats nicht mehr amtlich vertreten lässt. Um die Problematik des Islam für das Abendland darzulegen, muss man sich daher auf Grundwerke beschränken. Wie weit die Äpfel der heutigen Denker und Prediger, mit denen wir konfrontiert werden, vom Stamm fallen, ergibt sich dann von selbst.
 
Wer sich für den Islam im Allgemeinen und dessen Problematik im Besonderen interessiert, weiß wohl schon um diese oder jene Stellen, etwa im Koran, die explizit zu Gewalt gegen Andersgläubige im Allgemeinen und Christen/Juden im Besonderen aufrufen. Wer sie nicht kennt, hat im Internet genug Möglichkeiten, sich schlau zu machen. Hier möchte ich zwei anscheinend zusammenhängende Koranstellen als Beispiel heranziehen, anhand deren sich die Problematik veranschaulichen lässt. Eine Vorbemerkung habe ich aber noch: Es ist überhaupt nicht leicht, eine gute Koranübersetzung zu finden, weil viele das Original beschönigen. Wo das eine Werk eine wortgetreue Übertragung wagt, mildert das andere – und umgekehrt. Im Folgenden habe ich daher eine eklektische Fassung zusammengestellt, wo ich für jeden Satz die jeweils weniger beschönigende Formulierung zitiert habe. Der erste Zusatz in den eckigen Klammern (wie auch andere Satzteile) stammt übrigens von der Übersetzung der Al-Azhar-Universität in Kairo:
 
Sure 4, v.30: "Wer aber auf Unrecht und Übertretung aus ist [und Gottes Rechtsbestimmungen missachtet], den werden wir ins Feuer werfen. Das ist Gott ein leichtes."
 
Sure 4, v.56: "Diejenigen, die unsere Zeichen verleugnen, werden wir ins Feuer werfen. Wenn ihre Haut verbrannt ist, ersetzen wir sie [=die Haut, d.h. durch eine frische], damit sie die Pein vollkommen auskosten. Gott ist allmächtig und allweise."
 
Nun ist es so, dass mancher diese Stelle auf die Hölle beziehen will, von der in anderen Versen die Rede ist. Wäre ich Muslime, so würde ich mich fragen, wie man hier Allah, der im Koran gewöhnlich mit "Er" angedeutet wird, als Agens (im Jenseits) hineininterpretieren kann, wo die Ungläubigen zwar mit Allahs ausdrücklicher Unterstützung, aber doch von einem eindeutig pluralen bzw. mehrfachen Agens ("wir") ins Feuer geworfen werden etc., und wie das mit dem extrem monotheistischen Charakter des Islam vereinbar ist. Aber die Frage, wie plausibel diese Interpretation erscheint, ist hier vollkommen irrelevant, weil sie – wenn überhaupt – nur sehr wenig mit Allahs Kämpfern zu tun hat, die von solch exegetischer Akrobatik, so beeindruckend sie auch ist, anscheinend nicht viel halten. Wichtig ist allein die Frage, die uns helfen kann, Allahs Kämpfer zu verstehen:
 
Wie plausibel ist es denn, die Verse so zu verstehen, wie sie wirklich geschrieben stehen?
 
Offensichtlich sehr plausibel. Von Missbrauch dieser Verse durch Allahs Kämpfer kann anscheinend keineswegs die Rede sein.
 

***

 
Neben der Koran sind im Islam auch die außerkoranischen Überlieferungen über Allahs Boten, die so genannten "Hadith". Eine der wichtigsten, kanonischen Hadith-Sammlungen heißt "Sahih al-Bukhari" (es empfiehlt sich, das alles nachzuschlagen). Genau so wie mit dem Koran, spielt es auch im Fall der Hadith-Sammlungen überhaupt keine Rolle, ob Allahs Bote wirklich alles gesagt hat, was ihm in den verschiedenen Sammlungen (übrigens erst nach sorgfältiger Auswahl) zugschrieben wird. Wichtig ist in diesem Zusammenhang allein die Tatsache, dass sie im Islam jeweils als authentisch gelten. Die Sammlung Sahih al-Bukhari gilt bei den Sunniten, die ca. 80% der Muslime weltweit ausmachen, als kanonisch:
 
Bd. 4, Buch 52, Stelle 176:
Allah’s Apostle said, "You (i.e. Muslims) will fight with [hier: gegen] the Jews till some of them will hide behind stones. The stones will (betray them) saying, ‚O ‚Abdullah (i.e. slave of Allah)! There is a Jew hiding behind me; so kill him.‘ "
 
Bd. 4, Buch 52, Stelle 177:
Allah’s Apostle said, "The Hour will not be established until you fight with [hier: gegen] the Jews, and the stone behind which a Jew will be hiding will say. ‚O Muslim! There is a Jew hiding behind me, so kill him.‘ "
 
Die Zitate habe ich der Website des Center for Muslim-Jewish Engagement an der University of South Carolina entnommen, daher sind sie in englischer Sprache. Das Zitat wird in der Sammlung zweimal angeführt, weil es sich um eine jeweils andere Tradition, d.h. um zwei verschiedene Quellen handelt. Auf Deutsch heißt Nr. 177: "Die Stunde wird nicht bereitet sein (d.h. es wird nicht an der Zeit sein), bis ihr (Muslime) gegen die Juden kämpft, und der Stein, hinter dem sich ein Jude verstecken wird, wird sagen: ‚Oh, Muslim! Hinter mir versteckt sich ein Jude, also bringe ihn um!‘ " Die besagte Zeit ist die Endzeit. Das bedeutet: Für 80% der gläubigen Muslime – das ist ja ungefähr der Anteil der Sunniten, wobei wir hier nicht von denjenigen reden, die sich von diesen Grundschriften distanzieren – müssen die Juden bekämpft und (mithilfe der Steine) gänzlich und ausnahmslos vernichtet werden, damit die islamische Heilsgeschichte vorankommt.
 
Ein ähnliches Zitat bringt eine andere, ebenfalls zentrale, kanonische und autoritative Sammlung, nämlich die "Sahih Muslim":
 
Buch 41, Stelle 6985:
The last hour would not come unless the Muslims will fight against the Jews and the Muslims would kill them until the Jews would hide themselves behind a stone or a tree and a stone or a tree would say: "Muslim, the servant of Allah, there is a Jew behind me; come and kill him!" But the tree Gharqad would not say, for it is the tree of the Jews.
 
Auf Deutsch heißt es:
 
Die letzte Stunde wird nicht kommen, es sei denn, die Muslime werden gegen die Juden kämpfen und die Muslime werden sie umbringen, bis die Juden sich hinter einem Stein oder einem Baum verstecken, da wird ein Stein oder ein Baum sagen: "Muslim, Knecht Allahs, es gibt hinter mir einen Juden, komm und bringe ihn um!" Aber der Gharqad-Baum wird es nicht sagen, weil das der Baum der Juden ist.
 
In manchen Ländern dieser Erde gehört das zum schulischen Lehrprogramm. Hier stellen sich also dieselben Fragen:
 
Wird die Gewalt von Allahs Kämpfern hineininterpretiert? Oder steckt die Gewalt schon im Text drin?
 
Müssen wir uns darüber wundern, dass Allahs Kämpfer keine wissenschaftlichen Abhandlungen lesen? Oder lassen sich diese Stellen auch ohne wissenschaftliche Kontextualisierung verstehen (sofern eine "Kontextualisierung" derart klarer Worte überhaupt möglich ist)?
 
Erscheint hier der Bezug zur Praxis nur vage? Oder ist es nachvollziehbar, warum Allahs Kämpfer diese Worte des Islam nicht nur lesen und verstehen, sondern auch umsetzen?
 
Und schließlich: Dürfen diejenigen, die sich nachweislich von solch klaren Worten inspirieren lassen, als "radikale" Muslime bezeichnet werden? Wird damit die Problematik nicht von den Grundschriften des Islam auf die "Radikalen" wegprojiziert?
 
(Desgleichen übrigens bei Achmadinedschad, der keineswegs als "Radikaler" oder "Verrückter" abgetan werden kann. Vielmehr ist er ein schiitisch-gläubiger und daher konsequent agierender Muslim, der im Einklang mit seiner Konfession die Welt auf die Wiederkunft des Mahdi, seines Messias, vorzubereiten sucht.)
 
Und das sind, wie gesagt, nur Beispiele…
 

***

 
Gewiss kann man nun einwenden: Aber auch in der Bibel gibt es doch schlimme Anweisungen! Etwa das mit dem "Auge um Auge" etc.!
 
Nun, das stimmt (s. Ex. 21:23-25, Lev. 24:19-20), obwohl man es auf gar keinen Fall mit den pauschalen, brutalen Aufrufen zu Mord und Vernichtung in den Grundwerken des Islam gleichsetzen kann. Hinzu kommt, dass es sowohl im Judentum als auch im Christentum aufgehoben worden ist. Für die Zusatzwerke der Hadith-Sammlungen gibt es nämlich ziemliche Äquivalente: Im Judentum es das die talmudische Literatur, im Christentum kommt das Neue Testament in Betracht. In der talmudischen Literatur wurde diese Anweisung  in finanziellen Schadenersatz verwandelt und damit aufgehoben. Im Christentum wurde sie durch die Vorstellung vom Alten Testament, insb. aber anhand von Mat. 5:38-39 außer Kraft gesetzt.
 
Demgegenüber versucht die islamische Zusatzliteratur die Verhetzung gar nicht zu sublimieren. Ganz im Gegenteil: Sie drückt sich noch schärfer aus. Wenn hier eine Radikalisierung festzustellen ist, dann wohl nicht bei denjenigen, die diese Anweisungen des Islam umsetzen, sondern im Islam selbst.
 

***

 
Ich betone nochmals: Muslime, die sich – wie etwa die Euroislamisten und darunter, wenn ich mich nicht irre, mein Chronologskollege Hussein Hamdan – von diesen und ähnlichen Stellen distanzieren, werden hier gar nicht problematisiert. Aber diese (in globaler Hinsicht doch sehr wenigen) Muslime haben nur recht wenig oder gar nichts mit den vielen anderen, ja mit der überwältigenden Mehrheit zu tun, die sich davon eben nicht distanziert, sondern solche Anweisungen auf den Schulen lehren lässt.
 
Und was noch wichtiger ist: Diejenigen, die sich davon distanzieren, können den anderen diese Ablehnung der Grundschriften gar nicht aufzwingen. Und selbst wenn sie es könnten: Dürften sie es überhaupt? Man möchte schon sagen: Gläubige Muslime haben doch Anspruch auf die Grundschriften ihrer eigenen Religion. Und dieses Recht ist auch dann gültig, wenn das, was dort steht, den Euroislamisten oder uns Abendländern manchmal nicht so gut gefällt. Das Problem scheint daher nicht an den Menschen zu liegen, die sich nachvollziehbarerweise zu den Grundschriften ihrer Religion bekennen und diese manchmal sogar in die Tat umsetzen. Wenn schon, dann liegt das Problem an der Religion, zu der sie sich bekennen, und an den Grundschriften, die sie auch dann in die Tat umsetzen, wo die Euroislamisten es nicht machen würden.
 
Zum Schluss kehren wir zum Koran zurück, um uns zwei weitere Beispiele anzuschauen, die ebenfalls auf islamischen Schulen gelehrt werden und der islamischen Welt ermöglichen, von Christen und insbesondere von Juden zu sprechen, ohne die Wörter "Christen" und "Juden" in den Mund zu nehmen:
 
Sure 5, v.51:
"O ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind untereinander Freunde. Wer von euch sie zu Freunden nimmt, gehört zu ihnen. Gott leitet ungerechte Leute gewiß nicht recht."
 
Sure 5, v.59-69:
Sprich: "Oh, Leute der Schrift [=Christen und Juden]! Grollt ihr uns etwa, weil wir an Gott, die uns herabgesandte Offenbarung und die zuvor herabgesandten Offenbarungen glauben und weil die meisten von euch Frevler sind?" Sprich: "Soll ich euch sagen, wer sich die schlimmste Strafe Gottes zuzieht? Das sind die Menschen aus euren Reihen, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen und Schweine gemacht hat und die dem Teufel dienen. Diese sind auf der tiefsten Stufe, sind sie doch am weitesten vom geraden Weg abgeirrt."
 

***

 
PS.
Ich freue mich auf eine ernste Diskussion, die im Auge behält, worum es hierbei geht – und worum es eben nicht geht und was gar nicht zum Thema gehört, wie anfangs erklärt. Bitten beachtet: Freche oder aggressive Kommentare werden nicht veröffentlicht. Bei bodenlosen Meinungsäußerungen (etwa ad hominem) oder nicht argumentierten Stellungnahmen kann es ggf. ebenfalls der Fall sein. Ansonsten könnt ihr mir, sofern ihr anderer Meinung seid als ich, sehr gerne erklären, warum ich die Situation falsch wahrnehme: Überzeugt mich!
 
Bis gleich
Yoav Sapir
Diplomaffe und renommierter Schwein

 

  • Veröffentlicht in: Islam

Veröffentlicht von

www.berlinjewish.com/

Mancherorts auch als der Rebbe von Krechzn* bekannt, heißt der Autor von "un/zugehörig" eigentlich Yoav Sapir. Er ist 5740 (auf Christlich: 1979) in Haifa, Israel, geboren und hat später lange in Jerusalem gelebt, dessen numinose Stimmung ihn anscheinend tief geprägt hat. Nebenbei hat er dort sein M.A.-Studium abgeschlossen, während dessen er sich v. a. mit dem Bild des Juden im Spielfilm der DDR befasst hat. Seit Sommer 2006 weilt er an akademischen Einrichtungen im deutschsprachigen Mitteleuropa: anfangs in Wien, später in Berlin und dann in Heidelberg. Nach einer Hospitanz im Bundestag arbeitet er jetzt selbstständig in Berlin als Autor, Referent und Übersetzer aus dem Hebräischen und ins Hebräische. Nebenbei bietet er auch Tours of Jewish Berlin. * krechzn (Jiddisch): stöhnen; leidenschaftlich jammern.

47 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. @ Yoav

    Wende Deine „Logik“ doch einfach auf andere Religionen an und Du entdeckst, wohin das führt.

    1. Das Judentum hat einige extremistische Attentäter hervorgebracht: Denken wir z.B. an die Zeloten und Sikarier zur Zeit römischer Besatzung, den Bombenanschlag auf das King David Hotel, das Massaker an Muslimen in Hebron, den Mord an Premier Rabin.

    2. In der hebräischen Bibel lassen sich problemlos Stellen finden, in denen G’tt den gnadenlosen Mord an ganzen Völkern empfiehlt, z.B. 1. Samuel 15:3:

    „So zieh nun hin und schlage die Amalekiter und verbanne sie mit allem, was sie haben; schone ihrer nicht sondern töte Mann und Weib, Kinder und Säuglinge, Ochsen und Schafe, Kamele und Esel!“

    3. Nun musst Du nur noch jene Mehrheit der Juden ausblenden, die Extremismus ablehnen, die Bibel (und konkret z.B. obengenannte Bibelstelle) differenzierter interpretieren.

    Schon hast Du ein übles Zerrbild des jüdischen Glaubens, wie es Antisemiten seit Jahrhunderten verbreiten – und wie Du es hier über den Islam ausbreitest.

    So etwas stärkt nur den Hass und die Extremisten, die es tatsächlich gibt: Seien es muslimische Anhänger der Al Qaida, christliche Anhänger des Ku-klux-Clan oder jüdische Verehrer des Hebron-Massakers. Es spricht m.E. weder wissenschaftlich noch religiös das Geringste dafür, diese Extremisten jeweils als „die“ einzig wahren Vertreter ihrer jeweiligen Religion anzuerkennen, lieber Yoav.

  2. @ Michael

    ad 1.:

    (a) Selbst wenn das heutige Christentum und das heutige Judentum so problematisch wären wie der heutige Islam tatsächlich ist (was sie freilich nicht sind), wäre es kein tragfähiges Argument, warum man die Problematik des Islam nicht besprechen sollte/dürfte. Insofern bin ich grundsätzlich – abgesehen von den Details (dazu komme ich gleich) – vom Niveau deiner Argumentation sehr enttäuscht.

    (b) Ich bin nicht unbedingt mit deinen Beispielen einverstanden (z. B.: War der Kampf gegen die britische Besatzung ein Kampf gegen die Briten als solche?), aber das macht auch nichts, weil sie keine Umsetzung von in jüdischen Grundschriften enthaltenen Imperativen waren. Insofern kannst du mit diesen Beispielen überhaupt keine Aussage über die vermeintliche oder tatsächliche Gefahr jüdischer Schriften machen, d.h. über das ggf. dort enthaltene Gewaltpotenzial, geschweige denn aktuelles Gewaltpotenzial. Sehr unwissenschaftlich deinerseits, lieber Michael.

    ad 2.:

    (a) Amalek bildet den einzigen Fall, wo die Bibel für immer und ewig einen Kampf gegen eine Gruppe als solche befiehlt. Allerdings *nicht* weil diese Gruppe andersgläubig ist: Die ganze Sache mit Amalek hat *überhaupt nichts* mit Glaubensfragen zu tun (vgl. Ex. 17:8 ff.). Jedenfalls: Ist dieses antike Volk deines Erachtens heute noch als solches existent? Kennst du persönlich irgendwelche Amalekiter? Welchem Menschen würdest du heute empfehlen, sich vor gläubigen Juden in Acht zu nehmen, weil er offensichtlich Amalekiter ist? Ich kenne aber Juden und Christen, ja ganze Gesellschaften von Juden und Christen, die vom Islam wesentlich bedroht sind und manchmal auch tatsächlich umgebracht werden.

    (b) In allen anderen Fällen, wo Israel andere Völker bekämpfte, stand der Kampf in einem konkreten Zusammenhang (etwa dem der Landnahme), wie es in jedem Krieg der Menschengeschichte der Fall (gewesen) ist. Es gibt in der Bibel kein einziges Imperativ, solche Völker für alle Zukunft zu bekämpfen. Außerdem existieren diese Völker sowieso nicht mehr.

    (c) Im Gegensatz zum Islam gibt es in jüdischen Schriften keinen einzigen Aufruf, Andersgläubige als solche zu bekämpfen, nur weil sie Andersgläubige sind. Geschweige denn: sie zu vernichten, überall und immer, wie es bei den klaren, unbeschränkten Imperativen im Koran und manch anderen Grundschriften des Islam der Fall zu sein scheint (es sei denn, alle zahlreichen Übersetzungen, die mir vorliegen, sind Teil einer fantastischen Verschwörung gegen den „wahren“ Islam).

    (d) Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, diese islamischen Imperative umzudeuten. Im obigen Beitrag habe ich doch selber ein Beispiel hierfür gegeben. Vielmehr zeige ich, dass solche Umdeutungen, wenn der Text an und für sich ganz klar ist, nicht zwangsläufig erfolgen müssen, weshalb etwa Euroislamisten anderen Muslimen ihre Version des Islam nicht oktroyieren können.

    ad 3.:

    (a) Hier treibst du schon lautere Demagogie. Nicht zuletzt auch deswegen, weil du hier den Fall von Goldstein als Beispiel heranziehst, obwohl du dich offensichtlich überhaupt nicht mit dem Tatbestand der Ereignisse vor und am 25.02.1994, einem jüdischen Feiertag, in Hebron auskennst. Ich versuche daher, dir den allgemeinen Zusammenhang zu erklären: Von der rein chronologischer Reihenfolge her war es tatsächlich Goldstein – der örtliche Arzt, der jahrelang sowohl Muslime als auch Juden behandelt hatte -, der anfing zu schießen; aber die Muslime, die ihn (fast sofort) töteten, hatten MGs, die sie in die gemeinsamen, jüdisch-islamischen Beträumlichkeiten schmuggelten, damit diese wenige Stunden später im Rahmen eines – nachweislich geplanten – umfassenden Pogrom an diesem jüdischen Feiertag eingesetzt werden. In der Zeit davor sowie am selben Tag unternahm das (was man im nichtjüdischen Westen oft nicht wissen will: oppressive) Rabin-Regime (das wahlstimmenmäßig übrigens keine Mehrheit erhalten hatte und nur dank der Zersplitterung rechter Parteien die Macht ergreifen konnte) genauso wenig, um den bereits bekannten Plan zu verhindern, wie es seinerzeit in allen anderen Mordtaten an Juden der Fall war, nämlich *nichts*. Im Gegenteil: Rabin verharmloste das als „Opfer des Friedens“ (tatsächlich waren das Opfergaben an den Friedensgötzen). Grund hierfür war die *amtliche*, tatsächlich umgesetzte, tödliche Politik dieses Regimes, die der jüdisch-palästinensischen Bevölkerung von Judäa und Samaria *explizit* keinen Anspruch auf das sonstige Sicherheitsniveau zuerkannte (mit dem impliziten Ziel, die jüdische Bevölkerung dadurch zur Flucht zu zwingen). Die Schießerei des bis dahin übernational tätigen Arztes zwang das Militär, das ganze Areal zu besetzen und – leider nur indirekt – eine Wiederholung des epochalen Pogroms von 1929 zu verhindern. In diesem Zusammenhang steht die jährliche Feierstunde, an der vielleicht zwei oder sogar drei Dutzend Menschen teilnehmen und die du „Verehrung“ nennst. Das bedeutet nicht, dass ich Goldsteins Attentat, das ich – genau so wie du – für unzulässig halte, oder die geringfügige, aber tatsächlich problematische „Verehrung“ seiner Person gutheiße oder rechtfertige. Ich weise vielmehr darauf hin, dass die ganze Affäre ein ethisches Dilemma ersten Grades war, dessen (oft besserwisserische) Lösung keinem Menschen so leicht fallen sollte bzw. dürfte (s. hierzu auch hier), geschweige denn solchen Menschen, die etwa in Deutschland aufgewachsen sind und noch nie in ihrem Leben die andauernde Erfahrung gemacht haben, als vogelfrei zu gelten, wie es bei jüdischen Palästinensern leider bis heute noch oft der Fall ist.

    (b) Aber sagen wir mal, der Diskussion halber, Goldstein wäre in der Nacht auf den 25.02. von einem übernational tätigen Arzt plötzlich zu einem verrückten Terroristen geworden: Was hat das mit der vermeintlichen oder tatsächlichen Gefahr jüdischer Grundschriften zu tun? Behauptest du im Ernst, Goldstein hätte damit irgendeine (nicht existierende!) Aussage, die zur Tötung Ungläubiger im Allgemeinen oder von Muslimen im Besonderen aufrufen würde, in die Tat bzw. Untat umgesetzt? Und sagen wir mal, der Diskussion halber, das hätte irgendetwas mit jüdischen Grundschriften zu tun: Könntest du in diesem (hypothetischen) Einzelfall *irgendwie* ein andauerndes, globales Massenphänomen erblicken? Ich finde, solche Gleichsetzungen können deinem Ruf als Wissenschaftler nicht wohl tun.

    (c) Es scheint also, dass du dir wirklich viel Mühe gegeben hast, um irgendetwas zu finden, mit dem du das Bild vermeintlich „ausgleichen“ könntest. Lass mich dir helfen: Welche jüdische Massenbewegung kennst du, die weltweit Muslime ermordet, nur weil sie keine Juden sind? Und welche christliche Massenbewegung kennst du, die weltweit Muslime ermordet, nur weil sie keine Christen sind? Keine? Das habe ich mir gedacht. Noch ein Fehlschuss deinerseits, lieber Michael.

    (d) Nicht ich, sondern erst du hast von „wahren Vertretern“ gesprochen. Solche Positionen hast du nämlich im obigen Beitrag nicht gelesen, sondern höchstens da hineinprojiziert. Ich empfehle dir daher, nochmals den Beitrag zu lesen. Du wirst dort bspw. folgende, m. E. klare Aussagen finden: „Diese Akteure des Islam erfreuen sich zwar immer größerer Popularität, aber es kann doch keiner behaupten, dass *nur* sie den Islam vertreten. […] Daher können die „Radikalen“, auch wenn sie darauf Anspruch erheben, nicht den ganzen Islam vertreten, der ohnehin heterogen ist und sich spätestens seit der Abschaffung des osmanischen Kalifats nicht mehr amtlich vertreten lässt.“ Aber „selbst wenn sie in der islamischen Welt nicht so populär wären, würden sie deswegen nicht aufhören zu existieren“ – und eben darin besteht das Problem. Sorgfältige Lektüre ist kein Laster, lieber Michael.

    (e) An dieser Stelle könnte ich dich fragen, warum du, wie es bei dir der Fall zu sein scheint, ausgerechnet die wenigen Euroislamisten für legitime Vertreter des Islam hältst und die in weit größeren Zahlen (hundertmillionenfach) vorhandenen Unterstützer von Allahs Kämpfern als „Extremisten“ abgrenzt, abtust und verharmlost. Aber diese Frage stelle ich dir nicht, weil ich keinen Sinn in einer Diskussion über die Vertretungsfrage sehe: Es liegt doch gar nicht in unserem „abendländischen“ Ermessen, darüber zu entscheiden, wer den Islam vertreten „darf“. Wir haben hier mit einem globalen Problem zu tun, in dem die Vertretungsfrage keine Rolle spielt. Du kannst aber gerne mal zu den islamischen Ausbildungslagern in Nordpakistan reisen und Allahs Kämpfer darum bitten, Abendländer gefälligst im Namen einer anderen Gottheit zu ermorden, da sie mit ihrer Berufung auf die Grundschriften des Islam anscheinend die Gottheit der Euroislamisten missbrauchen. Allerdings bin ich im Hinblick auf deine Erfolgs- und Überlebensaussichten eher skeptisch.

    (f) Was meinst du mit „So etwas stärkt nur den Hass und die Extremisten“? Willst du mich jetzt für die (eigentlich ausgesprochen islamische!) Motivation von Allahs Kämpfern verantwortlich machen? Das klingt sehr nach denjenigen, die, wie etwa die Zeitschrift „Index on Censorship“, van Gogh für seine eigene Ermordung verantwortlich zu machen suchten. Was du offensichtlich nicht siehst, ist, dass es gerade du bist, der du mit solchen Positionen genau das tust, was Allahs Kämpfer sich von dir erhoffen. Auf einer der islamischen Massendemonstrationen gegen die Jyllands-Posten hat ein Muslim, wohl einer der Organisatoren, nachweislich gerufen: „Take a lesson from Theo van Gogh! Take lessons from the examples that you can see! For [otherwise] you will pay with your blood!“ Du scheinst also, lieber Michael, genau das gelernt zu haben, was van Goghs Mörder durch diese Mordtat lehren wollte. Glückwunsch!

    Schade, lieber Michael, dass du keine tragfähigen, plausiblen Argumente vorbringen konntest und stattdessen solche für den Erhalt unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gefährlichen Positionen vertreten hast. Offen gestanden, hätte ich mehr von dir erwartet.

  3. Die Gefahr für eine Religion besteht darin, dass die Anhängerschaft gleichgültig wird und abnimmt. Objektiv gehört der Islam zu den erfolgreichsten Religionen, gemessen an der Zahl der Anhänger, und deshalb muss seine Abwehrstrategie für konkurrierende Religionen und Ungläubig wohl intakt sein. Der Vorteil von totalitären religiösen Konzepte seheich darin, dass dem Zweifel, dem Ketzer und dem Ungläubigen energisch begegnet wird. Das Manko wird wohl darin liegen, dass Autorität, Gehorsam und Kontrolle eher zur Stagnation, als zu Fortschritt führen. Als Reaktion auf erfolgreichere Ungläubige ist es wohl unvermeidlich, dass Abgrenzung und Dämonisierung der ideologischen Konkurrenz sich verschärfen muss. Eine Reform totalitärer Konzepte ist möglicherweise nur dann möglich, wenn die Ideologie ungefährdet durch äußere Feinde korrupt wird, ihre Macht missbraucht und dann anfällig für Reformer wird.

  4. @ adenosine

    Das mag – neben anderen Faktoren – wahr sein, aber damit sprichst du den sozialen und kulturellen Zusammenhang an, in dem die Religion steht, von deren *innerer* Problematik der obige Beitrag handelt.

    Es ist nämlich so, dass es in der Einführung folgendermaßen heißt:

    „Es geht auch nicht um die heutige Problematik der islamischen Zivilisation: Wer sich dafür interessiert, kann sich Dan Diners ‚Versiegelte Zeit‘ anschauen. Vielmehr geht es hier um die islamische Religion und deren Grundtexte.“

    Mit anderen Worten: Danke für deinen Kommentar, aber ich befürchte, er hat nur indirekt mit dem hiesigen Thema zu tun.

  5. Irgun

    @MB:
    > Bombenanschlag auf das King David Hotel

    Der Irgun, die Urheber dieses Attentats,
    war keine religiöse,
    sondern eher eine nationalistische, zionistische Organisation.
    Mir wäre auch nicht bekannt, dass sich dort irgendjemand auf die Bibel als Rechtfertigung für Mord an nichtjüdischen Zivilisten berufen hätte.

    Nebenbei war das Ziel das Hauptquartier
    der britischen Mandatsverwaltung
    und das militärische Hauptquartier.
    Ausserdem soll es ausdrückliche Warnungen gegeben haben
    (die nicht zu einer Evakuierung führten).

    Siehe auch http://en.wikipedia.org/…ing_David_Hotel_bombing

    Der Spiegel hat ja mal den biblischen Samson als den ersten religiös motivierten Selbstmordattentäter bezeichnet…

    YM

  6. Goldstein

    @Yoav:
    bzgl 3a (Goldstein): Hast Du das zufällig von „Rabbi Dr. Chaim Simons“?

    Soweit ich verstehe, ist der Mann (genau wie Goldstein selber) ein „Kahanist“.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich so einen als zuverlässige Quelle akzeptieren wollte.

    > übernational tätigen Arztes

    Bist Du sicher? Siehe auch http://en.wikipedia.org/…n#Treatment_of_non-Jews

    YM

  7. @ YM

    1. Ich kenne leider keinen Chaim Simons. Aber warum wärest du dir sonst nicht sicher? Der „Kahanismus“ ist von seinem Wesen her streng grundsatzorientiert. Daher legen die „Kahanisten“ ihre Stellungnahmen, so wirklichkeitsfremd diese sich auch anhören mögen, immer direkt dar. Auch wenn sie PR-mäßig darunter leiden, beschönigen sie nichts. Denn eben um diese Direktheit geht’s bei ihrer Sache.

    2. Fragst du mich wirklich, ob ich die Worte eines Journalisten, der, auch wenn er die Geschichte nicht verdrehte, diese wohl aus zigster Hand erhielt, höher werten würde als die klaren Zeugnisse, die andere, die Goldstein wirklich gekannt hatten, von ihm gaben? Wenn die Worte des Journalisten sich auf eine echte Begebenheit zurückführen lassen, darf es sich vielleicht um einen Fall gehandelt haben, wo Goldstein einen Terroristen nicht behandeln wollte, was ich zumindest nachvollziehen könnte, insbesondere im Hinblick auf Schabbes, weil so etwas nicht unbedingt als „Pikuach Nefesch“ gelten kann.

  8. @ Yoav

    Es ist interessant zu sehen: Du behandelst Bibelstellen wie die Völkermordbefehle historisch und legst Wert darauf, dass jüdisch legitimierte Terrorakte (wie das Massaker durch Goldstein oder die Sprengung des King David) je als Einzelfall sorgfältig betrachtet werden.

    Und Du hast Recht damit! Dann verlangt es aber die argumentative Fairness, dass Du auch Anhängern anderer Religion (z.B. Muslimen) zugestehst, dass auch sie ihre Texte je im historischen Kontext betrachten und nicht wenige Terroristen als repräsentativ für ihren Glauben! Genau darum geht es, Yoav! Denn anderen (nur) mit dem Maß zu messen, das wir auch an uns selbst anlegen.

  9. @ Michael

    Lieber Michael,

    es tut mir Leid, aber du hast dir wieder ein falsches Bild gemalt.

    1.

    Lies bitte nochmals die Einführung. Da findest du Folgendes: „Es geht nicht darum, das Problematische durch historische Kontextualisierung zu entkräften. Allahs Kämpfer – wie die meisten Muslime in den islamischen Ländern – lesen keine islamwissenschaftlichen Abhandlungen, sondern die Grundtexte des Islam, die für sie genau so in den heutigen Kontext gehören wie in den damaligen.“ Das gilt hier für alle religiösen Grundtexte, die wir auf ihr aktuelles Gewaltpotenzial prüfen wollen, d.h. genau so für jüdische Grundtexte wie für islamische.

    Daher geht es in meiner Antwort auf deinen ersten Kommentar nicht um die historische Behandlung der besagten Bibelstellen, sondern bloß um deren tatsächlichen Inhalt, den du bei deinen Bemühungen um Parallelitäten so gerne außer Acht lässt. Gäbe es in der Bibel ein unbeschränktes Gebot, Andersgläubige als solche zu vernichten, so hättest du Recht, weil man ein solches Imperativ, historische Behandlung hin oder her, auch heutzutage umzusetzen vermöchte. Aber ein solches Gebot gibt es nicht. Das Einzige, was einem solchen Gebot ähnelt, ist der Kampf gegen das antike Volk Amalek. Jedoch hat die ganze Sache mit Amalek *überhaupt nichts* mit Glaubensfragen zu tun (ich verweise dich abermals auf Ex. 17:8 ff.). Und da dieses Volk eh nicht mehr existiert, sehe ich erst recht nicht, wie du in diesem Gebot Gefahr erblicken kannst – und für wen.

    Im Gegensatz dazu geht es an manchen Stellen in islamischen Grundschriften um die grundsätzliche Verfolgung von Andersgläubigen als solchen. Manchmal beziehen sich die Stellen sogar direkt auf Christen und insbesondere auf Juden. Es wird mithin auch auf Gruppen gezielt, die heute (noch) existieren.

    2.

    Yankel Moishe und ich haben dir schon erklärt, warum die Fälle, auf die du dich vergeblich zu stützen suchst, keine Umsetzung von in jüdischen Grundschriften enthaltenen Imperativen waren und daher keine tragfähigen Gegenbeispiele bilden.

    Zudem verstehe ich nicht, warum du jüdisch-national (im Gegensatz zu „britisch“) mit jüdisch-religiös (im Gegensatz zu „christlich“) verwechselst.

    3.

    Ich habe gar nicht gewusst, dass ich Anhängern anderer Religionen nicht „zugestehen“ würde, „dass auch sie ihre Texte je im historischen Kontext betrachten.“ Woher hast du denn diese Desinformation? Und warum sollte es überhaupt meines Zugeständnisses bedürfen?

    Ich muss dich also bitten, dir folgenden Passus aus der Einleitung endlich mal richtig durchzulesen: „Es geht nicht darum, das Problematische durch historische Kontextualisierung zu entkräften. Allahs Kämpfer – wie die meisten Muslime in den islamischen Ländern – lesen keine islamwissenschaftlichen Abhandlungen, sondern die Grundtexte des Islam, die für sie genau so in den heutigen Kontext gehören wie in den damaligen. Daher geht es auch nicht darum, euroislamische Ansätze zu prüfen. Wenn der Euroislam sich genauso gut von den Grundtexten des Islam ableitet wie die islamische Gewalt, darf er für Muslime einen wohl genauso plausiblen Weg darstellen. Überzeugen muss er aber nicht uns Abendländer, die sich sowieso nicht an den Grundtexten des Islam orientieren, sondern die Massen in den islamischen Ländern.“

    Aber die eigentliche Frage ist und bleibt, warum *du* Allahs Kämpfern nicht zugestehst, dass sie ihre Texte einfach so betrachten, wie sie geschrieben stehen.

    4.

    Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie du nach der Lektüre des Beitrages und meiner Antwort auf deinen ersten Kommentar noch zu behaupten wagst, dass ich der Meinung wäre, das nur die vermeintlich „wenigen“ Terroristen „als repräsentativ für ihren Glauben“ gelten dürften. Mir bleibt nichts anderes, als mich selbst abermals zu zitieren, in der Hoffnung, dass du es diesmal auch wirklich liest: „Diese Akteure des Islam erfreuen sich zwar immer größerer Popularität, aber es kann doch keiner behaupten, dass *nur* sie den Islam vertreten. […] Daher können die „Radikalen“, auch wenn sie darauf Anspruch erheben, nicht den ganzen Islam vertreten, der ohnehin heterogen ist und sich spätestens seit der Abschaffung des osmanischen Kalifats nicht mehr amtlich vertreten lässt.“

    Und wie schon mehrmals erklärt: „Aber selbst wenn sie in der islamischen Welt nicht so populär wären, würden sie deswegen nicht aufhören zu existieren.“

    5.

    Bzgl. „wenige“: Diese Ausdrucksweise finde ich komisch. Es haben doch erst vor kurzem Zehntausende in Europa für das verbrecherische Terrorregime der Hamas demonstriert und dabei (etwa mit Schildern) Aussagen gemacht, die sich durch nichts von den entsetzlichen Aussagen unterscheiden, die auf Demonstrationen in richtig islamischen Ländern erschallen. Wo sind die Gemäßigten, deren reichliches Vorhandensein du immer wieder beschwörst? Wo sind die hiesigen Mitstreiter von Wafa Sultan (s. etwa hier: http://de.youtube.com/watch?v=XN2fqe4oWsI)? Warum gehen sie nicht auf die Straße? Warum hat – zumindest m. W. – noch keiner der hiesigen Muslime verlangt, dass sein Staat, die Bundesrepublik, zumindest diejenigen seiner Glaubensbrüder im Gaza-Streifen aufnimmt und einbürgert, die dem Alltag und der Politik des islamischen Terrorregimes nicht mehr ausgeliefert sein wollen? Wo ist die Stimme dieser gemäßigten Muslime? Ganz zu schweigen von den Deutschen, die auch diesmal kläglich gescheitert sind und für die Hamas-Unterstützer Verständnis haben (s. etwa hier: http://jungle-world.com/artikel/2009/03/32454.html). Wenn die Gemäßigten nicht wollen, dass nur die „Extremisten“ den Islam vertreten, dann müssen sie sich hierzulande öffentlich, deutlich und klar bemerkbar machen.

  10. Alle Religionen gleich

    Die These, dass einige Texte des Korans Gewalt gegen Anders – oder Ungläubige zu rechtfertigen vermögen oder geradezu dazu auffordern, wird meist argumentativ entgegnet, dass sich in den heiligen Schriften der Christen und Juden ebenso Texte finden liessen, die in der hier genannten Art und Weise interpretiert werden und als Rechtfertigung von Gewalthandlungen dienen könnten.

    Es wird, um es kurz zusammenfassen, die These vertreten, dass zwischen den grossen monotheistischen Religionen in dieser Hinsicht keine qualitativen Unterschiede bestünden. Diese Anschauung halte ich für falsch.

    Erstens muss unterschieden werden, ob der Wortlaut als Rechtfertigung von Gewalt gegen Anders – oder Ungläubige interpretiert werden kann, oder ob er explizit zur Gewalt aufruft und die gewaltsame Auseinandersetzung als eine heilsgeschichtliche Notwendigkeit darstellt.
    Yoav Sapir führt ein sehr aufschlussreiches Beispiel aus dem Koran an, das seine These stützen soll, welche besagt, dass gewalttätige islamistische Kämpfer sich wortwörtlich auf den Koran beziehen können und ihn keineswegs missinterpretieren, sondern im Gegenteil einer Interpretierung im Sinne einer historischen Kontextualisierung und Relativierung eine Absage erteilen. Diese Auffassung halte ich für korrekt.

    „Die letzte Stunde wird nicht kommen, es sei denn, die Muslime werden gegen die Juden kämpfen und die Muslime werden sie umbringen, bis die Juden sich hinter einem Stein oder einem Baum verstecken, da wird ein Stein oder ein Baum sagen: „Muslim, Knecht Allahs, es gibt hinter mir einen Juden, komm und bringe ihn um!“ Aber der Gharqad-Baum wird es nicht sagen, weil das der Baum der Juden ist.“

    Hier wird die Tötung der Juden als kommendes Ereignis geschildert, welches einem vorbestimmten, d.h einer göttlichen Prädestination, dem göttlichen Heilsplan folgt und daher unausweichlich bleiben muss ; “ die letzte Stunde wird nicht kommen, es sei denn, die Muslime werden gegen die Juden kämpfen … „

    Mir sind keine Texte der Bibel bekannt, welche die Gewalt gegen Andersgläubige oder Ungläubige als heilsgeschichtliche Notwendigkeit fordern.

    Somit ist die Charakterisierung des Islams als friedliebender Religion einer ehrenwerten Motivation entspringend, dem Willen und Wunsch, ausgleichend zu wirken und Spannungen abzubauen. Das ist ehrenwert, hält aber den Tatsachen nicht stand.

    Eine andere Frage wäre, inwieweit der Koran handlungansweisend in den muslimischen Gesellschaften von heute wirkt und inwiefern der Wille zur Konfrontation vorherrschend ist. Eine allgemeingültige Aussage dazu ist aufgrund der Heterogenität der muslimischen Gesellschaften nicht möglich.

    Der Koran besitzt als Heilige Schrift rechtlichen Sonderstatus, denn hätte er dies nicht, müsste er aufgrund hetzerischer Passagen wegen Verstosses gegen die Antirassismusstrafnorm verboten werden.

  11. @ Peter

    Danke für deinen Kommentar. Dazu aber eine kleine Bemerkung: Es geht im obigen Beitrag nicht nur um den Koran, sondern auch um andere Grundschriften des Islam wie die Hadith. Das sind Überlieferungen über den oder im Namen des Propheten Mohammed, die nach dem Koran je nach Konfession als das wichtigste Regelwerk bzw. die wichtigste Quelle für Rechtssprechung bilden. So ist etwa das Zitat mit den Steinen und Bäumen, die den Muslimen bei der Vernichtung der Juden helfen, zwei sehr zentralen Hadith-Sammlungen entnommen, die für die Sunniten, also für ca. 80% der (gläubigen) Muslime als kanonisch und daher auch als verbindlich gelten. Bei den Sunniten heißen sie „die beiden Sahihs“, weil alle dort enthaltenen Überlieferungen als authentisch gelten („sahih“ bedeutet „authentisch“).

  12. @ Michael: Postscriptum

    Ich möchte noch etwas zu deiner Gleichsetzung der Islamkritik mit dem Antisemitismus (in deinem ersten Kommentar vom 18.01.2009) sagen bzw. schreiben:

    Mir sind keine Fälle bekannt, wo Juden Christen angegriffen und geschlachtet haben, weil diese Christen waren. Das heißt: Der Antisemitismus ging stets und überall dem Mord voraus, dem immer wiederkehrenden Mord an den Juden.

    Demgegenüber ist die Islamkritik unsere Reaktion auf die islamischen Angriffe, die wir besser verstehen müssen. Das heißt: Die Islamkritik folgt dem Mord nach, jenem andauernden Mord an Christen und Juden.

    Das darf man m. E. nicht vergessen, nicht verdrängen, nicht vertuschen.

  13. @Yoav

    Danke für die Präzisierung. Ich war der Auffassung, dass die hadith integraler Bestandteil des Koran sind.

    Es berührt den Kern meiner Argumentation aber nicht, sofern die als hadith bezeichneten Erzählungen als kanonisch gelten, und, entscheidend, sich Extremisten auf diese Quelle als religiös verbindliche beziehen.

    Ich war dieser Auffassung, da ich mich aus meiner Zeit in Ostafrika an eine Koranausgabe zu erinnern meine, welche die hadith enthielten. Möglicherweise täuscht mich aber die Erinnerung, da dies nun schon mehr als 10 Jahre zurückliegt.

  14. @ Yoav: Antisemitismus & Nationalismus

    Lieber Yoav,

    wenn Du schon vom mörderischen Antisemitismus sprichst – dieser ging historisch v.a. von Christen und Neopaganen aus und gerade nicht von Muslimen. Jüdische Gemeinden überlebten in islamischen Ländern oft weit besser und sowohl das Osmanische Reich wie die Türkei nahmen Juden auf, die vor christlicher Verfolgung fliehen mussten. Und wo wir dabei sind: Christen haben zwei Weltkriege begonnen – nicht Muslime. Christen haben die Atombome auf Nichtchristen geworfen – nicht Muslime. Christen und Neopagane haben die KZs betrieben – nicht Muslime. Nur sehr dumpfe Christen werden sich angesichts dieser Bilanz auf Selbstgerechtigkeit gegenüber anderen Weltreligionen einlassen…

    Interessant finde ich, dass Du Wert darauf legst, dass die Irgun – die u.a. das King David Hotel einen Anschlag mit Dutzender ziviler Opfer verübte – nicht als religiöse, sondern als nationalistische Bewegung zu sehen ist. Und wieder die Frage: Genau das Gleiche hat dann aber auch für die frühe PLO zu gelten, die sich als explizit sozialistisch verstand! Erst später (!) verschob sich der palästinensische Extremismus ins religiöse Lager. Auch das widerspricht doch diametral der Auffassung, die Gewalt sei vom Islam ausgegangen! Der frühe palästinensiche Widerstand war ausdrücklich NICHT islamisch, sondern säkular legitimiert und christliche Palästinenser waren aktiv daran beteiligt. Wenn Du bei den Israelis zu Recht zwischen säkular und religiös differenzierst, warum dann nicht ebenso bei den Palästinensern?

  15. @ Michael

    1. „Christen haben zwei Weltkriege begonnen“ – aber nicht als Christen, sondern als Engländer, Franzosen, Russen, Serben etc. „Christen haben die Atombome auf Nichtchristen geworfen“ – aber nicht als Christen, sondern als US-Amerikaner, die dem Pazifik-Krieg ein schnelles Ende machten. „Christen und Neopagane haben die KZs betrieben“ – aber eigentlich nicht als Christen, sondern eher als Nationalsozialisten. Mit anderen Worten: Korrelation ist nicht Kausalität, weder bei Negativem wie KLs noch bei Positivem wie der Aufnahme jüdischer Flüchtlinge.

    2. Natürlich ist das Christentum ebenfalls eine expansionistische Ideologie, nur ist dort die religiöse Gewalt ein relativ spät hinzugekommenes, eigentlich im Heidentum verankertes Phänomen, das nichts mit der Botschaft zu tun hat, die der im Mittelpunkt des Christentums stehenden Person zugeschrieben wird. Im Fall des Christentums kann man sich also nur darüber wundern, dass es dazu gekommen ist, obwohl es nichts damit zu tun hat (und dem sogar eher widerspricht), was der tatsächliche oder vermeintliche Heiland der Christen gepredigt haben soll.

    3. Was genau soll für die säkular orientierte PLO gelten? Dass sie bereits 1964 gegründet wurde, als es noch keine „Besatzung“ gab? Dass die bereits damals formulierte, für verbindlich erklärte und übrigens bis heutige gültige „(Nichtjüdisch-)Palästinensische Nationalcharta“ Folgedes besagt: „§9 Der bewaffnete Kampf ist der einzige Weg zur Befreiung Palästinas. Es handelt sich daher um eine strategische und nicht um eine taktische Phase. […] §19 Die Teilung Palästinas im Jahr 1947 und die Schaffung des Staates Israel sind völlig illegal, ohne Rücksicht auf den inzwischen erfolgten Zeitablauf. […]“? Dass sie seit 1969 von der Fatah geführt wird, die sich bereits 1964 verfassungsmäßig die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“ zum Ziel gesetzt hat? Ja, das alles gilt für die säkular orientierte PLO. Aber was hat der säkulare Charakter der frühen PLO mit dem hiesigen Thema zu tun? Es hat doch keiner behauptet, alle von Muslimen ausgehende Gewalt wäre islamisch motiviert.

    4. „christliche Palästinenser waren aktiv daran beteiligt“ – kannst du das belegen?

    5. „Auch das widerspricht doch diametral der Auffassung, die Gewalt sei vom Islam ausgegangen!“ – du würdest doch nicht behaupten, die islamischen Pogrome von 1920, 1921 und 1929, der vom islamischen Mufti Mohammed Amin al-Husseini geführte Kampf 1936-1939 sowie die Kooperation mit Hitler wären alle Agitationen der 1964 gegründeten PLO gewesen…

  16. @ Blume

    Michael, was verstehst Du unter Christen? Menschen, die als Babys getauft wurden, vielleicht konfirmiert sind und zu Weihnachten zur Christvesper gehen? Nur weil man Angehöriger einer Kirche ist, ist man doch kein Christ. Das ist doch immer noch eine Sache des Glaubens. Und aufgrund ihres christlichen Glaubens, der sich an Jesus Christus orientierte sind ja auch einige im KZ gestorben. Ich will jetzt hier nicht von den „Deutschen Christen“ und der „Bekennenden Kirche“ anfangen, denn das Thema hier ist ein anderes, aber so einfach kann man es sich nicht machen. Yoav hat schon recht, wenn er auf Jesus Christus verweist. Ein Christ kann sündigen, er kann fehlgehen, aber er kann sich damit nicht auf Jesus Christus berufen. Das ist sein persönliches Ding, was er dann macht und nicht im Sinne des Christentums.

  17. Übrigens

    Dass die Grundtexte des Christentums relativ wenig Potential für *gewalttätigen* Expansionismus enthalten, trug wohl wesentlich dazu bei, dass das Christentum beim Übergang in die Moderne weitgehend die gewalttätigen Züge loswerden konnte, die ihm lange Zeit angehaftet hatten.

    Darauf weist auf die Tatsache hin, dass manche dieser fremden Züge wie etwa der Antijudaismus sich in säkular legitimierte Phänomene wie den Antisemitismus verwandelt haben – eben deswegen, weil es immer schwieriger wurde, die Feindseligkeit auch weiterhin durch die religiösen Grundschriften zu legitimieren.

  18. Apropos die vorerwähnte Wafa Sultan

    Und Theo van Gogh, dessen der obige Beitrag gedenkt und welcher „wegen“ seines Films zum Thema „Frauen im Islam“ ermordet worden ist: Es lässt sich hier ein Kreis schließen, und zwar mit einem Hinweis auf Wafa Sultans kurze Ansprache zum selben Thema (in englischer Sprache):

    http://de.youtube.com/watch?v=up3yuQDAWKQ

    Interessant, wie sehr die Problematik in der Person Mohammeds verankert ist. Man muss sich also fragen, inwiefern es überhaupt Sinn ergibt, sich so viel vom „Euroislam“ etc. zu erhoffen. Im Gegensatz zum Judentum, steht im Mittelpunkt des Islam (nicht: der islamischen Theologie) eine Person, die zwar für rein menschlich gehalten wird, deren Sprüche und Handlungen aber die gleiche autoritative Funktion erfüllen wie jene Jesu im Neuen Testament. Gibt es also überhaupt die Möglichkeit, eine Art „Islam ohne Mohammed“ zu entwickeln? Oder muss sich der Euroislam, wenn er eine Chance haben will, grundsätzlich entislamisieren?

  19. Wurzeln des Antisemitismus

    Christliche Palästinenser waren aktiv daran beteiligt. Kannst du das belegen ?

    George Habash und die Volksfront zur Befreiung Palästinas, deren Generalsekretär er war – als ein Beispiel für einen bedeutenden christlichen Protagonisten. Allerdings gilt auch hier, dass ihre Aktionen nicht religiös – weder muslimisch noch christlich – motiviert waren, was ja eigentlich der These eines ausschliesslich muslimischen Phänomens widerspricht.

    Der Antisemitismus allerdings hat ganz klar religiöse Wurzeln. Judas als der Verräter mit seinen charakterlichen Schwächen, der seine Seele für eine Hand voll Silberlinge verkauft, gilt dem Antisemiten als der „typische Jude“ mit all seinen schlechten Eigenschaften.

    Stereotype negative Eigenschaften, welche der Antisemit den Juden pauschal unterstellt, lassen sich durch einige Passagen sowohl des Alten wie des Neuen Testaments „rechtfertigen“ ( in Anführungszeichen wohlverstanden, ich lehne derartige pauschale Charakterisierungen selbstverständlich ab ).

    So werden die Juden im AT als „störrisches und eigensinniges Volk“ von Jahwe selbst charakterisiert.

    Judas als derjenige, der Christus verriet und damit ans Kreuz lieferte, wurde als „der Jude schlechthin“ interpretiert. Auch wurde und wird heute noch von fundamentalistischen Christen behauptet, dass die Juden den Heiland getötet hätten. Der Antisemit kann sich sehr wohl auf biblische Texte berufen. In einer weitgehend säkularisierten Welt finden derartige Deutungen direkt aus religiösen Texten aber naturgemäss keine grosse Beachtung mehr. Es sind allerdings Interpretationen, keine wortwörtlichen Adaptionen biblischer Texte.

    Der „linke Antisemitismus“, obwohl säkular, ja atheistsich, hat paradoxerweise auch religiöse Ursprünge. Der Jude erscheint als Archetyp des Kapitalisten, des Geldverleihers und Wucherers. Der Geldverleih war tatsächlich im Mittelalter eine jüdische Domäne, weil es den Christen aus religiösen Gründen verboten war, Zinsen zu erheben. Die hyperkritische Einstellung der politischen Linken gegenüber Israel und ihre Obsessionen, immer „wenns um die Juden geht“, die sind nur vordergründig rational.

    Ich bin einigermassen erstaunt, dass du, Yoav, der du dich für jüdische Geschichte interessierst, dir der religiösen Wurzeln auch des zeitgenössischen Antisemitismus, so scheint mir, nicht bewusst bist.

    Mit freundlichem Gruss

    Peter B.

  20. @ Martin

    Christen sind zunächst einmal alle, die christlich getauft sind. Aber @Yoav hat ja ganz richtig geschrieben: Die meisten dieser Kriege und Gewalttaten hatten nichts mit Religion(en) zu tun, sondern mit säkularen Ideologien.

    Offenbar fällt es aber manchen Leuten schwer, die gleiche Differenziertheit auch bei Muslimen anzuwenden. Weder die frühe PLO noch die arabischen Nationalisten (Baath-Partei etc.) haben sich religiös legitimiert. Erst sehr viel später verschob sich der Extremismus ins religiöse Lager, z.B. zur Hamas.

    Es ist aber, das ist klar, natürlich viel einfacher, „den Islam“ (oder anders herum – das Christentum, das Judentum) für die Gewalt verantwortlich zu machen – denn dann muss niemand nach tieferen Ursachen und vielleicht auch eigenen Fehlern fragen. In der Selbstgerechtigkeit und Essentialisierung vermeintlich unveränderlicher Charakterzüge „des anderen“ waren sich die Eiferer aller Seiten schon immer einig. Und so, wie ich 100Mal das Juden- und Christentum gegen muslimische oder atheistische Pauschalvorwürfe in Schutz genommen habe, lag es diesmal eben auch an mir, für eine differenzierte Sicht auf Muslime und den Islam einzutreten. Billiger als mit gegenseitiger Fairness ist echter Frieden nicht zu haben.

  21. @ Peter

    Ja, du hast natürlich Recht! George Chabasch habe ich tatsächlich vergessen. Allerdings bildete die „christliche“ Beteiligung eher eine Ausnahme. Man darf ja nicht vergessen, dass die wichtigste Christengemeinschaft in der Gegend, nämlich die maronitische, den von den Haschemiten aus Ostpalästina vertriebenen Terrororganisationen der nichtjüdischen Palästinenser zum Opfer fiel, worunter der Libanon bis heute leidet. Einem Sozialisten wie Chabasch machte es anscheinend nichts aus, aber damit war er, wie gesagt, die Ausnahme.

    Das mit deinem Erstaunen kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich schreibe, dass das eine sich ins andere verwandelte, dann ist es doch klar, dass Letzteres seine Wurzeln im Ersteren hat. Der Punkt ist nämlich, dass der christliche Antijudaismus sich beim Übergang in die Moderne neu definieren musste, was zu Wilhelm Marrs „Antisemitismus“ führte.

    Dieser fatale, weil einen „richtigen“, d.h. anerkannten Übertritt ausschließende Wandel war darin begründet, dass es immer schwieriger wurde, die Feindseligkeit gegen die Juden mit den religiösen Grundschriften zu legitimieren. Das hatte einerseits mit dem neuen wissenschaftlichen Paradigma zu tun, aufgrund dessen die Religion und damit auch die religiösen Schriften an Bedeutung verlieren, andererseits aber damit, dass selbst die gläubigen Judenhasser ihre Feindseligkeit nunmehr auf eine prüfbare Grundlage stützen mussten, welche die religiösen Grundschriften, insbesondere bei den Evangelischen, nicht liefern konnten. Die tradierten Bilder konnte man, wie du andeutest, bestenfalls reininterpretieren, was im Zeitalter der immer weiter verbreiteten Lesefertigkeit nicht ausreichte, zumal das Neue Testament eindeutige Aussagen zugunsten Israels macht. Mit anderen Worten: Der Mangel an antijüdischen Aussagen führte zunächst zum weit schlimmeren, weil essentialistisch begründeten Antisemitismus, auf Dauer allerdings ermöglichte es dem Christentum, die angehafteten Züge loszuwerden, was sich sogar auf den Katholizismus (II. Vatikankonzil) eingewirkt hat.

    Wenn wir jetzt zum eigentlichen Thema zurückkehren, sehen wir, dass Allahs Kämpfer sich mit solchen Schwierigkeiten nicht auseinandersetzen müssen, da die Grundschriften des Islam deutliche Aussagen enthalten. Im Fall der Juden geht es also bei Allahs Kämpfern, trotz der bereitwilligen Aufnahme ausgesprochen antisemitischer Bilder aus Europa, eher um Antijudaismus als um Antisemitismus. Immerhin bekommen wir damit die Möglichkeit, uns durch Übertritt zum Islam zu retten…

    Im Übrigen kann ich es mir kaum vorstellen, dass, selbst wenn große Teile des Islam wieder unter einer religiösen Autorität vereint wären, diese es wagen würde, die Verhetzung gegen Andersgläubige und insbesondere gegen Christen und Juden zu tilgen. Auch die Al-Azhar-Universität würde es nie wagen, und zwar nicht nur, weil sie kaum Anlass dazu hat, sondern auch deswegen, weil sie sonst ihre Position verlöre.

  22. @ Michael

    Mein lieber Michael,

    du rennst hier doch offene Türen ein… Ich habe dich ja schon mal gefragt: „Aber was hat der säkulare Charakter der frühen PLO mit dem hiesigen Thema zu tun? Es hat doch keiner behauptet, alle von Muslimen ausgehende Gewalt wäre islamisch motiviert.“

    Eine Antwort habe ich von dir allerdings nicht bekommen. Daher nochmals: Wer hätte hier denn überhaupt von der Baath und ihresgleichen gesprochen? Was haben diese Organisationen mit dem hiesigen Thema zu tun?

    Ganz am Anfang der Einführung steht doch folgender Passus:

    „Es geht nicht um ‚die Muslime‘. Dafür ist der Islam sowieso zu heterogen. Diejenigen, die sich von islamisch motivierter Gewalt distanzieren, gehören hier sinngemäß nicht zur Sache und werden daher gar nicht problematisiert. Mich interessieren in diesem Zusammenhang eher jene Muslime, die sich etwa der Muslimbruderschaft (geschweige denn noch militanteren Bewegungen) nahe fühlen und deren Avantgarde uns aus ideologischen Gründen im Namen der islamischen Gottheit tödlich in London, New York, Jerusalem, Amsterdam, Madrid oder auf der Bahnstrecke von Köln nach Koblenz angreift.“

    Wenn du mal etwas mehr über die modernen Staaten lernen würdest, die die Europäer für die Araber ins Leben gerufen haben haben, dann fändest du heraus, dass die arabischen Diktatoren und die Muslimbruderschaft *nicht* auf derselben Seite stehen…

    Ich bitte dich daher inständig: Wenn du die Problematik des Islam rechtfertigen willst, kannst du es gerne versuchen, aber du sollst dich dabei auf diejenigen beziehen, deren Verbrechen tatsächlich islamisch motiviert sind und im Namen Allahs begangen werden. Es bringt nichts, wenn du dich ständig auf andere Ideologien beziehst, die vermeintlich deine Position untermauern könnten, aber nicht in der islamischen Religion verankert sind und daher nichts – weder Positives noch Negatives – über ihre Problematik besagen können.

    Wie schon mehrmals erklärt, sind es Allahs Kämpfer, um die es hier geht, und es ergibt keinen Sinn, die Rolle der islamischen Grundschriften bei Allahs Kämpfern mit der Rolle derselben Schriften bei anderen Verbrechern gleichzusetzen, die sich im Gegensatz zu Allahs Kämpfern nicht auf diese Schriften berufen. Diejenigen, deren Verbrechen andersartige Motivation zugrunde liegt, können uns nicht verstehen helfen, warum und wie der Islam Allahs Kämpfer zu deren Verbrechen motiviert.

    PS.

    Hinsichtlich der Christen: Ich bin nicht mit deiner Aussage einverstanden, dass Christen „zunächst einmal alle [sind], die christlich getauft sind.“ Das ist eine metaphysische Sicht auf die Dinge, die sich bei einem Wissenschaftler nicht gebührt. Es sei denn, du schließt diejenigen aus, die noch zu jung sind, um zu wissen, was sie sein wollen oder eben nicht, sowie alle anderen, die zwar getauft worden sind, sich aber nicht mehr als Christen identifizieren.

    So oder so musst du auf eines achten: Christlich motivierte Verbrechen begehen gläubige Christen oft *trotz* der Grundschriften ihrer Religion. Islamisch motivierte Verbrechen begehen gläubige Muslime oft *aufgrund* der Grundschriften ihrer Religion. Ein zwar feiner, aber umso wichtiger Unterschied.

  23. @ Blume

    „Christen sind zunächst einmal alle, die christlich getauft sind.“

    Da sind wir aber gänzlich unterschiedlicher Auffassung. Religionszugehörigkeit ist für mich nicht mit einer Nationalität gleichzusetzen in die man hineingeboren wird. Wer nicht an Jesus glaubt, kann auch kein Christ sein. Aus diesem Grund ist Deutschland auch schon lange kein christliches Abendland mehr. Christen sind hier eine Minderheit, trotz relativer großer Kirchenmitgliedschaften.

  24. Heilsgeschichte@Yoav

    Wenn wir jetzt zum eigentlichen Thema zurückkehren, sehen wir, dass Allahs Kämpfer sich mit solchen Schwierigkeiten nicht auseinandersetzen müssen, da die Grundschriften des Islam deutliche Aussage enthalten.

    Das ist so. Die biblischen Texte, die allenfalls als Rechtfertigungen für Antijudaismus dienen könnten, müssen zu diesem Zweck böswillig interpretiert werden, während in den überlieferten Schriften des Islam sich Passagen finden, die in guter Absicht intepretiert werden müssen, um sich ihres offenen Antijudaismus und Antichristentums (?) zu entledigen. Hier liegt meines Erachtens ein bedeutender Unterschied.

    Der wesentlichste Unterschied aber ist, dass der Kampf der Muslime gegen die Juden in der von dir zitierten und bekannten Textpassage eine heilsgeschichtliche Notwendigkeit zugeschrieben wird.

    Im übrigen möchte ich noch anmerken, dass ich den Begriff „Antisemitismus“ im populären Sinne von Judenhass oder Judenfeindschaft gebraucht habe, und nicht im wörtlichen Sinne, denn das würde andere semitischen Völker ja einschliessen.

    Das grundlegende Problem besteht doch dann, wenn die heiligen Schriften des Islams nicht in einen historischen Kontext gestellt und damit in ihrer Allgemeingültigkeit eingeschränkt, sondern als für alle Zeiten gültige Wahrheiten angenommen werden. Die islamistischen Kämpfer können mit einigem Recht für sich in Anspruch nehmen, dass sie lediglich einer göttlichen Vorbestimmung Gestalt verleihen, Teil des göttlichen Heilsplans sind. Diese fundamentalreligiöse Logik und Unausweichlichkeit einer göttlichen Prädestination wird von westlich – säkularisierten Menschen schlicht nicht verstanden.

  25. @ Peter

    Ich hätte nur zwei Anmerkungen:

    1. Beim „Antisemitismus“ geht’s überhaupt nicht um Semitismus im eigentlichen, d.h. antiken Sinne. Der Antisemitismus ist der Versuch, das Jüdische bzw. den Juden zu essentialisieren, d.h. unabhängig von umgebenden Faktoren wie Religion oder Sprache zu begreifen, sodass man ihm auch in assimilierter, ggf. getaufter Form auf die Spur kommen könnte. Es geht also von vornherein nur um die Juden. Siehe dazu auch „Die neue Auflage des Antisemitenkatechismus“ von meinem ehemaligen Betreuer, Moshe Zimmermann (dessen Meinungen ich nicht unbedingt teile):
    http://buecher.hagalil.com/aufbau/zimmermann-1.htm

    2. Bei Allahs Kämpfern geht es um mehr als „einiges Recht“. Man muss ja bedenken, dass religiöse Texte in der Regel nicht als Interims erdacht, verschriftlicht und überliefert werden. Da ist die Gültigkeit für alle Ewigkeit, der Anspruch auf die ewige Wahrheit schon im Kern der Sache drin. Insofern müssen sich Allahs Kämpfer gar nicht rechtfertigen – was sie m. W. auch nicht tun (wobei ich „Rechtfertigung“ so verstehe, dass sie eine Anerkennung der von anderen oder auch von einem selbst wahrgenommenen Problematik voraussetzt).

  26. Frage eines Ungläubigen

    Wie Yoav gezeigt hat, finden sich in den Heiligen Schriften des Islams Aufrufe zur Verfolgung Andersgläubiger, auf die sich Muslime noch heute berufen können.

    Frage: Hebt sich der Islam hierin wirklich vom Judentum und Christentum ab? Finden sich nicht auch in den Heiligen Schriften des Judentums und des Christentums Aufrufe zur Verfolgung Andersgläubiger? Was ist zum Beispiel mit denen, die als „Götzendiener“ oder „Heiden“ bezeichnet werden?

  27. Antwort und Frage

    @Edgar Dahl

    Ich denke Yoav hat diese Frage bereits beantwortet:
    Zitatanfang
    „In der talmudischen Literatur wurde diese Anweisung in finanziellen Schadenersatz verwandelt und damit aufgehoben. Im Christentum wurde sie durch die Vorstellung vom Alten Testament, insb. aber anhand von Mat. 5:38-39 außer Kraft gesetzt.
    Demgegenüber versucht die islamische Zusatzliteratur die Verhetzung gar nicht zu sublimieren. Ganz im Gegenteil: Sie drückt sich noch schärfer aus. Wenn hier eine Radikalisierung festzustellen ist, dann wohl nicht bei denjenigen, die diese Anweisungen des Islam umsetzen, sondern im Islam selbst.“
    Zitatende

    Ich frage mich, warum fast allen mir bekannten Moslems die Trennung von Religion und Staat als undenkbar erscheint. Ergibt sich das aus dem Koran? Außerdem lehnen fast alle mir bekannten Moslems Religionsfreiheit ab.
    Wie kommt es, dass anders Gläubige in mehrheitlich islamischen Gesellschaften schnell verschwinden, während die Moslems überall dort, wo sie eine beachtenswerte Minderheit bilden, für einen eigenen Staat kämpfen?

    mfg
    Luchs

  28. @ Edgar

    Die hebräische Bibel kennt zwei Aspekte, die weder im Islam noch im (praktischen) Christentum vorhanden sind und auf welche es hier ankommt: Israels eigenes Land und Gottes eigenes Volk.

    1. Das Land:

    In Bezug auf die Landnahme gibt es Interims, die gegen die Völker gerichtet sind, die vor den Israeliten das Land besetzt haben, und insbesondere gegen ihre Kulte, die die Israeliten nicht annehmen dürfen (mehr zum Gott-Israel-Verhältnis steht unten).

    Das betrifft nur diese spezifischen Völker, von denen das Land noch erkämpft werden muss. Doch bei der Umsetzung der Landnahme, wo diese Anweisungen gelten, gibt es Ausnahmen, etwa wenn bisherige Besatzer mit Israel gemeinsame Sache machen möchten (s. Josua 9).

    2. Das Volk:

    In Bezug auf das eigene Volk sieht es schon anders aus. Die israelitische Gottheit ist auf ihr eigenes Volk sehr eifersüchtig und nimmt es als das eigene Weib wahr. Nichtisraeliten interessieren sie kaum, aber für den Fall, dass das eigene Volk sich nicht an ihre Anweisungen halten oder gar fremdgehen sollte, verspricht sie bei verschiedenen Gelegenheiten viel Schlimmes (verbunden natürlich mit viel Gutem, sofern das Volk ihr treu bleibt).

    Man muss hier allerdings beachten, dass es sich bei biblischen und rabbinischen Vorstellungen von Israel, im Gegensatz zu manchen christlichen Vorstellungen, vornehmlich um eine Abstammungsgemeinschaft handelt, die bis auf die Erzväter zurückgehe. Dementsprechend geht es bei der israelitisch-jüdischen Gottheit nicht um Expansionismus auf Kosten anderer Gottheiten, sondern, im Gegenteil, um eifersüchtige Intimität mit dem eigenen Volk. Andere Gottheiten gelten zwar nicht als existent, dürfen aber von Nichtisraeliten bzw. -juden nach wie vor angebetet werden (es sei denn, ein Nichtjude will nach rabbinischem Verständnis als „Gerechter“ gelten, s. u.).

    Soweit für die beiden Hauptaspekte. Ansonsten werden Fremdlinge oft explizit mit Israeliten gleichgestellt, insbesondere hinsichtlich verschiedene Formen sozialer Unterstützung, auf die „der Fremdling, die Waise und die Witwe“ Anspruch haben. Es heißt sogar: „Wie ein Volksgeborener von euch soll euch der Fremdling sein, der sich bei euch aufhält, und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn Fremdlinge wart ihr im Land Ägypten […]“ (Lev. 19:34)

    Eine Ausnahme bildet das antike Volk „Amalek“, das es auf immer und ewig zu bekämpfen gilt, aber das hat nichts mit Glaubensfragen zu tun (vgl. Ex. 17:8 ff.).

    Im rabbinischen Judentum tritt die Vorstellung von den sieben Noachidischen Geboten auf (s. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Noachidische_Gebote), die ein Fremder beachten müsse, um als Gerechter zu gelten. Aber auch hier besteht kein expansionistischer Ansatz, d.h. es wird vollkommen den Nichtjuden überlassen, ob sie die Noachidischen Gebote beachten.

    Unterm Strich kann man also das Israelitisch-Jüdische nicht mit dem Christentum und dem Islam gleichsetzen, die beide sehr expansionistische Religionen sind. Wenn man aber die Andersgläubigen des Christentums und des Islams als Gruppenfremde auffasst und diesen Begriff auf das Israelitisch-Jüdische anwendet, so sieht man, dass das Israelitisch-Jüdische kaum kultisch-religiöse Ansprüche an seine Gruppenfremden stellt.

    Zum Christentum muss man noch sagen, dass es sich trotz seines immanenten Expansionismus insofern vom Islam unterscheidet, als die Grundschriften des Christentums zwar zur Ausbreitung der Guten Nachricht aufrufen, aber eigentlich keinen Annahmezwang zulassen. Das heißt: Im Gegensatz zum Israelitisch-Jüdischen wendet sich das Christentum auch an Gruppenfremde (die eben keine mehr sein sollten), aber im Gegensatz zum Islam darf die Erweiterung des Christentums eigentlich nicht per Zwang erfolgen; eine Ausnahme bilden im Islam die „Leute der Schrift“ (v. a. Juden und Christen, später auch Zoroastrier bzw. Zarathustrier u. Ä.), die den Islam nicht akzeptieren müssen. Allerdings dürfen sie im Reich des Islam nur als Unterworfene überleben und unterliegen bestimmten Beschränkungen und Demütigungen, die ihnen den Übertritt nahelegen sollten.

  29. @ – Yoav: Zaddik

    Vielen Dank für den Hinweis auf die Noachidischen Gebote. Anders als im Christentum und im Islam bin ich im Judentum also nicht dazu verdammt, in der Hölle zu schmoren, jenem „feurigen Pfuhl, der mit Schwefel brennt“ und in dem „Heulen und Zähnklappern herrschen“?

    Doch was ist mit der „kommenden Welt“ gemeint, an der ein Gerechter Anteil nehmen kann? Ich dachte immer, dass es im Judentum kein Leben nach dem Tode gäbe.

  30. @ – Yoav & Luchs: Noch eine Frage

    „In der talmudischen Literatur wurde diese Anweisung […] aufgehoben.“

    Danach hat in der Geschichte des Judentums hat also eine Art „Strafrechtsreform“ stattgefunden. Sind im Rahmen dieser Reform auch die Todesstrafen gegenüber dem Inzest, der Homosexualität, der Sodomie und dem Ehebruch abgeschafft worden?

  31. @ Edgar

    Abgeschafft worden sind sie nicht, dafür aber mit juristischen Voraussetzungen versehen, die einerseits diese Anweisungen der heiligen Schrift als theoretische Möglichkeit bewahren, andererseits aber äußerst unwahrscheinlich machen, dass es dazu kommen könnte.

    Übrigens ist Homosexualität an sich von vornherein nicht verboten, sondern nur der anale Akt unter Männern. Das heißt nicht, dass der orale Akt unproblematisch ist, aber die Problematik des oralen Akts hat nichts mit dem Geschlecht des Partners zu tun.

    Die anderen Fragen beantworte ich bei Gelegenheit…

  32. Kurze Anmerkungen@Yoav

    2. Bei Allahs Kämpfern geht es um mehr als „einiges Recht“. Man muss ja bedenken, dass religiöse Texte in der Regel nicht als Interims erdacht, verschriftlicht und überliefert werden. Da ist die Gültigkeit für alle Ewigkeit, der Anspruch auf die ewige Wahrheit schon im Kern der Sache drin.

    Da hast du natürlich recht – aus der Sicht eines fundamentalreligiösen Menschen. Ich meine das in keiner Weise abschätzig. Der fundamentalreligiöse Mensch lässt keine weitgehenden Interpretationen der Heiligen Schriften zu, die sich nicht eng am Wortlaut orientieren, alle anderen aber schon.

    So komme ich denn zur Beantwortung einer deiner ursprünglich gestellten Fragen : Ist der Islam an sich eine Gefahr ? Nein, der Islam ist nur dann eine Gefahr, wenn er fundamentalreligiös, d.h uninterpretiert, nichthistorisiert und ohne jede Kritikfähigkeit adaptiert wird.

    Danke für deinen Verweis auf den Artikel von Moshe Zimmermann. Sehr interessant, doch teile auch ich seine Ansichten nur teilweise.

    Hier zwei Artikel, welche möglicherweise für dich von Interesse sein könnten:

    http://www.weltwoche.ch/…ein-zorniger-bulle.html

    http://www.weltwoche.ch/…eue-antisemitismus.html

  33. Hallo Yoav,

    ich denke dass man zunächst feststellen muss, dass auch der nichtradikale Islam eine größere Gefahr für die demokratische Gesellschaft darstellt, als jede andere bekannte Region – hmm, vielleicht mit Ausnahme von Scientology, aber nur vielleicht. Stimmen wir hierin überein?

    Kannst Du diese besondere Gefahr des Islams aus dem Koran erklären? Für wie groß hältst Du die Chance den Islam demokratisch assimilieren zu können?

    mfg
    Luchs

  34. @ Dahl

    Im Christentum gibt es keine Aufrufe „Götzendiener“ zu verfolgen. Sie kommen im NT schlecht weg und man wird gewarnt nicht so zu werden wie sie

    „Werdet auch nicht Götzendiener wie einige von ihnen!“ (1. Korinther 10,7)

    Aber das Gericht über sie ist nicht Sache der Christen, sondern Gottes Sache.

    „Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder noch Diebe noch Habsüchtige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich11 Gottes erben.“ 1. Korinther 6,9-10

    „Aber den Feigen und Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ist ihr Teil in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.“ (Offenbarung 21,8)

    Für Götzendiener gilt, was für Christen für alle Menschen und auch für Feinde gilt, man soll sie lieben. Ein sehr hoher Anspruch.

    Auch hat Christus überwiegend Friedfertigkeit vorgelebt, woran sich die Christen ein Beispiel nehmen sollen. Bei seiner Gefangennahme schlug Petrus einem Knecht mit Namen Malchus das Ohr ab. Jesus gebot ihn Einhalt und fügte ihm das Ohr wieder an.

    Es gibt eine Stelle, da wurde Jesus gewalttätig.

    „Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um;“ (Johannes 2,15)

    Das ist aber keineswegs eine Verfolgung, er wollte nur die Geschäftemacher aus dem Tempel vertreiben. Seiner Vorstellung nach sollte es ein Betthaus sein, was jedem zugänglich ist. Davor saßen aber Wechsler (es waren verschiedene Währungen im Umlauf und dort konnte man gegen Gebühr in die dort gültige Währung wechseln) und Tieropfer Verkäufer. Hatte also jemand kein Geld hatte er ein Problem in den Tempel zu gelangen. Und das widerspricht nunmal der Lehre Jesu, der sich sehr um die Armen und von der Gesellschaft ausgestoßenen gekümmert hat. Wenn also andere Menschen, den Menschen daran hindern zu Gott zu kommen, in Beziehung zu ihm zu treten, dann muß es wohl sehr schlimm sein, sonst hätte er nicht zu dieser drastischen Maßnahme gegriffen.

  35. @ Hilsebein

    Ja, war ein Verschreiber. Ich habe an den Buß- und Bettag gedacht und da hat sich der Fehler“teufel“ (Hilfe, der Teufel, ich habe Angst) eingeschlichen.

  36. @Yoav

    Hallo Yoav,

    ich möchte mich von den Aussagen in diesen Video Clips distanzieren, ich finde sie zwar lustig, aber die Meinung teile ich nicht. Meine Meinung zur Islam Problematik habe ich schon an andere Stelle ausgeführt.

    Also entschuldige das ich den Link überhaupt geschickt habe, das ist nicht das Niveau auf deinen Blog.

    Viele Grüße

    Alex

  37. wo steckt die Gefahr?

    Hallo Yoav,

    „Allerdings dürfen sie im Reich des Islam nur als Unterworfene überleben und unterliegen bestimmten Beschränkungen und Demütigungen, die ihnen den Übertritt nahelegen sollten.“

    eine Frage, wie sieht das für die in Israel lebenden Muslime aus? Könnten die, mal angenommen es wäre so, das sie unter bestimmten Beschränkungen und Demütigungen leben würden, zum Judentum Konvertieren?

    die Frage bezieht sich natürlich auf die Jüdische Sicht.

    Viele Grüße
    Alex

  38. Unterkategorien und Kampf der Kulturen.

    „Das Problem lag ja schon am allgemeinen Menschenbild bzw. daran, dass der Mensch eben nicht als solcher begriffen, sondern in Unterkategorien aufgeteilt wurde.“

    „Erst auf der Basis solch falscher Differenzierung konnte ein pejoratives Verständnis jüdischer „Rasse“ entstehen. Ob man sich nun gut mit dem Judentum auskennt (oder nicht) und dieses folglich positiv (bzw. negativ) beurteilt, kann das grundsätzliche Problem nicht lösen: Dass man vom Juden redet und nicht vom Menschen.“

    „Vielmehr ist davon zu überzeugen, dass es sich hierbei um Menschen handelt, die genau so sind wie alle anderen: Manche sind gut, andere böse, die meisten aber beides, sodass man gar nicht von „den Juden“ reden kann. Und notabene: auch nicht von „dem Judentum“ als Religion.“

    Das Problem lag ja schon am allgemeinen Kulturbild bzw. daran, dass die Kultur eben nicht als solche begriffen, sondern in Unterkategorien aufgeteilt wurde.“

    Erst auf der Basis solch falscher Differenzierung konnte ein pejoratives Verständnis Islamischer Kultur entstehen. Ob man sich nun gut mit dem Islam auskennt (oder nicht) und dieses folglich positiv (bzw. negativ) beurteilt, kann das grundsätzliche Problem nicht lösen: Dass man von „Moslems“ redet und nicht vom Menschen.

    Vielmehr ist davon zu überzeugen, dass es sich hierbei um Menschen handelt, die genau so sind wie alle anderen: Manche sind gut, andere böse, die meisten aber beides, sodass man gar nicht von „den Moslems“ reden kann. Und notabene: auch nicht von „dem Islam“ als Religion.

    Heute teilt man Kulturen in Unterkategorien auf. Warum sollte das nicht irgendwann zu ähnlichen Schlussfolgerungen führen wie das aufteilen von Menschen in Unterkategorien?

    „Denn leider erzwingt Bildung nicht, dass der Mensch schlicht und einfach als solcher begriffen wird.“

    Da hilft Sprachen lernen und viel Reisen.

    „Dieses Menschenverständnis ist nämlich eine schon ziemlich spezifische Bildungsrichtung.“

  39. Wo steckt die Gefahr? ad nauseam.

    Vielleicht ist die Frage ob die Gefahr für den Westen im Islam selbst liegt damit leichter zu beantworten, wenn man heraus findet ob das töten von „ungläubigen“ also von Christen Juden und Atheisten oder allen nicht Muslimen auch in Frieden´s Zeiten für einen Moslem zwingend Notwendig ist, also religiöse Pflicht.
    Und ob der „Islam“ den Krieg befielt um sich zu verbreiten. Also die Verbreitung des Islam mit Waffengewalt Religiöse Pflicht ist.

    Gibt es dazu etwas im Koran?

  40. Hussein Hamdan

    Sehr gut finde ich, dass hier sehr differenziert über verschiedene Islamströmungen und -formen geredet wird.

    Mich verwundert aber immer wieder zutiefst, dass stark im Dialog engagierte Leute wie Hussein Hamdan auch auf hartnäckiges Nachfragen verschweigen, welchen religiösen Hintergrund sie haben.

    Welche Gründe stecken wohl dahinter? Warum bietet man daduch eine weitere Angriffsfäche, wie etwa bei den umstrittenen Dialogveranstaltungen, die im Moment in Reutlingen laufen?

    Mehr dazu kann man hier lesen: http://cmreutlingen.blogspot.com/…hamdan-so.html

  41. Pingback: Anmerkungen zu Frankreich und französischer Heuchelei › un/zugehörig › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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