Die Konstruktion des Österreichischen

Sei es über die EU-Wörterliste (das berühmte bzw. berüchtigte Protokoll Nr. 10) oder über die zahlreichen Werke, die sorgfältig nach Unterschieden zwischen dem „österreichischen“ und dem „deutschen“ bzw. angeblich bundesrepublikanischen Deutsch suchen: Den Österreichern ist es zum persönlichen Anliegen geworden, sich von den Deutschen auch in sprachlicher Hinsicht abzugrenzen.

Zu einer Zeit wie der heutigen, wo im Oberrahmen der EU unterschiedliche Grenzen an Bedeutung verlieren oder, wie etwa die monetären, gar aufgehoben werden, richtet der Mensch sein Augenmerk auf andere Kriterien, die ihm zur Feststellung der eigenen Lage in der unüberschaubaren Welt verhelfen. So können z. B. der Heimatort, der Beruf, der Bildungsstand, die politische Orientierung, aber auch Gruppierungen der Alltagskultur (wie Nationalmannschaften und andere Sportvereine) die Ersatzkoordinaten bilden, die zur ersehnten Selbstidentifizierung benötigt werden.

Jedoch zeichnet sich das neue Europa in erster Linie durch seine sprachliche Vielfalt aus. Dabei kann dem Menschen gerade die Muttersprache, die ja jenseits des Einflussbereiches der großen Politik liegt, Kontinuität und Sicherheit bieten: So z. B. in Belgien, wo die Sprachzugehörigkeit eine zentrale Rolle als Identifikationsmittel spielt, und so auch in Österreich, wo man sich abgrenzungshalber darum bemüht, eine sprachliche Nationalidentität zu stiften.

Doch prozentuell bemessen, d.h. im Vergleich mit der Gesamtzahl der Wörter in der (seit eh und je multinationalen) deutschen Sprache, ist die Zahl der Abweichungen des „Österreichischen“ vom „Bundesrepublikanischen“ völlig bedeutungslos. Noch wichtiger ist aber, dass das einheitlich konstruierte „bundesrepublikanische Deutsch“ eigentlich gar nicht existiert. Wenn schon, so sind die Unterschiede (im Großen und Ganzen) zwischen dem norddeutschen und dem süddeutschen Sprachraum (etwa Sonnabend vs. Samstag, gestanden haben vs. gestanden sein) weit häufiger als die eher feinen Unterschiede innerhalb des süddeutschen Sprachraums, etwa zwischen dem Allemanischen und dem Bairischen oder innerhalb des Bairischen, welches Österreich entzweit. Diesen Unterschieden wird die pluriareale Sichtweise gerecht.

Umso deutlicher werden die Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland sowie die Ähnlichkeiten innerhalb des süddeutschen Sprachraumes im Hinblick auf die Aussprache bzw. den Dialekt. Doch selbst das kleine Österreich lässt sich nicht ganz einer Dialektengruppe zuordnen, weist doch auch Ausnahmen von den bairischen Dialekten auf: Man denke ans alemannische Vorarlberg im Westen (dessen Bevölkerung sich 1919 mit klarer, überwältigender Mehrheit in der Tat die Aufnahme in die Schweizerische Eidgenossenschaft wünschte) sowie an die fremdsprachigen Minderheiten im Süden und Osten der Republik.

Auch der Nachkriegsopportunismus, der die österreichische Politik sonst über Jahrzehnte hinweg geprägt hat, scheint gerade in sprachlicher Hinsicht fast spurlos verschwunden zu sein: In den ersten Nachkriegsjahren, als Felix Hurdes der Bundesminister für Unterricht war, wurde die Schulfachbezeichnung „Deutsch“ zwar durch „Unterrichtssprache“ ersetzt, jedoch erwies sich dieser Ansatz bald als eine wirklichkeitsfremde Episode. Seit dem 1. Mai 1945, als die Verfassung von 1929 wieder in Kraft setzt wurde, ist Österreich abermals das (noch) einzige Land der Welt, in dessen Verfassung, nämlich in Art. 8 Abs. 1, dem Deutschen die Rechtsstellung als Landessprache vorbehalten ist: „Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.“ Die deutsche Sprache ist es also – und nicht etwa eine „österreichische“ Sprache oder Sprachenvarietät (das soll man sich merken, denn gleich kommen wir darauf zurück).

Trotz dieses verfassungsrechtlichen Bekenntnisses zum Deutschen werden noch Versuche unternommen, das „Österreichische“ zu postulieren. Das 23 Wörter starke Protokoll Nr. 10, das die Zweite Republik sich wörtlich erkämpft hat und welches deren Beitrittsverträgen gemeinschaftsrechtlich gleichgestellt ist, bildet hierfür ein freilich lustiges und dennoch ernst zu nehmendes Beispiel. Doch nicht nur die Politik, sondern auch die Wissenschaft scheut sich nicht vor diesem großen Ziel. Dies zeigt etwa Peter Wiesingers Das österreichische Deutsch in Gegenwart und Geschichte (Wien: LIT, 2006): Eigentlich ein Sammelband bereits anderwärts veröffentlichter Beiträge, in denen der Autor die Existenz einer österreichischen Nationalsprache nachweisen möchte.

Sein Hauptargument ist, dass es ja einen Staat namens Österreich gibt, weshalb es eine österreichisch-nationale Varietät des Deutschen geben müsste, wie es etwa im Verhältnis zwischen dem Vereinigten Königreich, den USA und Australien ist. Dabei tut er so, als lägen zwischen diesen drei englischsprachigen Ländern nur die Staatsgrenzen und nicht etwa ganze Ozeane. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es ihm lieber wäre, wenn zwischen Österreich und Bayern ein ähnlich großer Ozean läge.

Zum Zwecke der Identitätsstiftung geht er also von einer vermeintlichen Kongruenz zwischen „Nation, Staatsterritorium und Sprache“ (S. 5) aus, damit „nationale Varietäten des Deutschen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz als deutsches (oder deutschländisches) Deutsch, österreichisches Deutsch und Schweizerdeutsch (oder genauer Schweizer Hochdeutsch […])“ entstünden, als ob sich Niederbayern weniger von Schleswig unterschiede als von Oberösterreich und als ob Konstanz mehr mit Greifswald zu tun hätte als mit dem eidgenössischen Kreuzlingen.

Wiesinger bekennt sich zum plurizentrischen Modell, das sich, wie oben beschrieben, nach den angeblichen Nationalstaaten richtet (s. hier zu etwa das Kapitel [Kursivschrift im Original:] „Nation und Sprache in Österreich“, S. 385-423). Er distanziert sich vom pluriarealen Modell, „[d]a damit […] ein österreichisches Deutsch in Frage gestellt wird […]“ (S. 414), d.h. er setzt ganz eindeutig das Gesuchte voraus. Da aber ein „österreichisches Deutsch“ – bei allem Respekt vor den insgesamt doch sehr wenigen Austriazismen – sich empirisch kaum nachweisen lässt, rührt sein Ansatz wohl von den oben erwähnten Gründen der absichtlichen Identitätsstiftung her. Demgegenüber schlägt das pluriareale Modell im Hinblick auf Österreich ein geographisch südliches, Staatsgrenzen überschreitendes Oberdeutsch bzw. „oberdeutsches Deutsch“ vor (worunter wohl das Bairische, das Allemanische und das Schwäbische subsumiert sind). Dieser Ansatz wird v. a. von Norbert Richard Wolf, Hermann Scheuringer u. Heinz Dieter Pohl vertreten.

Es lässt sich also Folgendes beobachten:

1. Ein normaler, unverkrampfter Umgang mit der deutschen Muttersprache, bei dem sowohl die gemeinsame Basis als auch regionale Unterschiede widerspruchsfrei anerkannt werden, scheint in Österreich noch immer nicht ganz möglich bzw. salonfähig zu sein. Im Gegensatz etwa zum Verhältnis zwischen englischsprachigen Ländern, aber auch zu den anderen Regionen im deutschsprachigen Mitteleuropa, wird in Österreich die „nationale Varietät“ deutlich überschätzt, um damit eine klare Sprachgrenze zu fingieren.

2. Das „Österreichische“ ist, wenn auch rein gedanklich, immerhin schon deswegen vorhanden, weil bei vielen Österreichern einfach das Bedürfnis nach diesem sprachlichen Konstrukt besteht. Diese Österreicher wollen ihre junge Nationalidentität bewahren, und zwar erst recht dann, nachdem andere Grenzen zum Großen Nachbarn praktisch weggefallen sind (und wenn z. B. nicht wenige ehemalige Ostdeutsche in Österreich arbeiten). Der verstärkte Abgrenzungswunsch geht in Erfüllung, indem eine sprachliche Ersatzgrenze zwischen den beiden Staaten postuliert wird.

3. Damit es das „Österreichische“ überhaupt geben kann, wird die Existenz eines ebenfalls fingierten „deutschen Deutschen“ vorausgesetzt, dem das „Österreichische“ gegenüberzustellen und gleichzusetzen sei. Zu diesem Zweck wird einerseits von der sprachlichen Vielfalt innerhalb des Hoheitsgebiet der Bundesrepublik, andererseits von den Ähnlichkeiten abgesehen, die viele Regionen im Süden und insbesondere im Südosten der Bundesrepublik mit Österreich aufweisen. Stattdessen wird der norddeutsche Sprachgebrauch zur vermeintlichen Standardsprache der BRD erhoben. Im Übrigen wird auch der Mangel an sprachlicher Einheitlichkeit innerhalb des deutschsprachigen Österreich verdrängt.

4. Gerade an dieser Praktik der sprachlichen Abgrenzung manifestiert sich die entscheidende Bedeutung der BRD für die österreichische Identitätsstiftung. In ihrer Rolle als „Deutschland“ fungiert die BRD noch immer als erster Bezugspunkt des neuen Nationalbewusstseins Österreichs.

Ansatzpunkt zur weiteren Lektüre: Cillia, Rudolf de, und Wodak, Ruth. Ist Österreich ein »deutsches« Land? Sprachenpolitik und Identität in der Zweiten Republik. Innsbruck, Wien und Bozen: Studienverlag, 2006

 

PS.

Ob die Altbayern bei ggf. wiederkehrender Nationsbildung nicht einen ähnlichen (ernst gemeinten bzw. wissenschaftlich untermauerten) Anspruch auf eine bayerische *Nationalvarietät* hätten? Und ob das nicht auch heute, d.h. als Teil der Bundesrepublik, geltend gemacht werden dürfte? Und ob Letzteres die armen Österreicher nicht wieder in ihren realen Zusammenhang rücken würde, da sie dann mit dem Anspruch aufs „Österreichische“ nicht mehr so stark auffallen könnten?

 

 

Veröffentlicht von

www.berlinjewish.com/

Mancherorts auch als der Rebbe von Krechzn* bekannt, heißt der Autor von "un/zugehörig" eigentlich Yoav Sapir. Er ist 5740 (auf Christlich: 1979) in Haifa, Israel, geboren und hat später lange in Jerusalem gelebt, dessen numinose Stimmung ihn anscheinend tief geprägt hat. Nebenbei hat er dort sein M.A.-Studium abgeschlossen, während dessen er sich v. a. mit dem Bild des Juden im Spielfilm der DDR befasst hat. Seit Sommer 2006 weilt er an akademischen Einrichtungen im deutschsprachigen Mitteleuropa: anfangs in Wien, später in Berlin und dann in Heidelberg. Nach einer Hospitanz im Bundestag arbeitet er jetzt selbstständig in Berlin als Autor, Referent und Übersetzer aus dem Hebräischen und ins Hebräische. Nebenbei bietet er auch Tours of Jewish Berlin. * krechzn (Jiddisch): stöhnen; leidenschaftlich jammern.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bleibt nur noch anzumerken, dass es

    1. schon Sprachvarietäten gibt, besonders in Bezug auf staatliche Begriffe. ‚Landeshauptmänner‘ zum Beispiel sind in Deutschland nicht anzutreffen. Gleiches gilt beispielsweise für Belgien, wo es den französischen Begriff ‚bourgmestre‘ gibt, der in Frankreich eher ein ‚maire‘ wäre. Dazu kommen vor allem ein teilweise anderer Gebrauch von Fremdworten und

    2. ich gelesen habe, dass der Trend vermehrt Schweizerdeutsch zu gebrauchen, sowohl im alltäglichen Leben als auch im Fernsehen oder sogar in politischen Zusammenhängen, gleichfalls Abgrenzungsbedürfnissen zum großen Deutschland (mit-) geschuldet ist.

    Sprache und ihre Klassifizierung ist also viel zu oft eine politische Angelegenheit und keine linguistische. Letzeburgerisch bspw. verstehe ich deutlich besser als Kölsch, aber das eine ist eine Fremdsprache und das andere nur ein Dialekt.

    Schöne Grüße.

  2. @ E. Eich

    Freilich, aber wie gesagt, gibt es insgesamt nur sehr wenig Austriazismen, geschweige denn richtige (wie etwa die Landeshauptmänner oder die Putzerei etc.). Im Süden kann man keine „Schrippen“ erhalten, jedoch hat Berlin deswegen noch keine eigene Sprachvarietät.

    Dass in Österreich offensichtlich so viel Wert auf die regionale Färbung gelegt wird, hat in der Tat politische bzw. „nationalpsychologische“ Gründe.

    Das mit der Schweiz ist richtig, vor allem unter Jugendlichen. Die Nachrichten etc. werden nach wie vor in der Standardsprache vermittelt. Im Bayerischen Rundfunk ist es übrigens nicht viel anders (nur wird dort das Ostschwäbische unterdrückt).

    Schließlich besteht der sprachpolitische Hauptunterschied zwischen der Eidgenossenschaft und den Niederlanden (einschl. Flandern) in der Tatsache, dass die Eidgenossen, obwohl ihre Unabhängigkeit ebenfalls erst im Westfälischen Frieden 1648 anerkannt wurde, aus ihren Dialekten keinen richtigen Nationaldialekt schufen und folglich – im Gegensatz zu den Niederländern – keinen Dialekt zur schriftlichen Standardsprache erhoben.

    Dir auch schöne Grüße!

  3. Naja dann kein Österreichisch, kein ÖWB

    Eines vorweg: Im folgenden geht es nicht um Aussprache, nicht um Lautung. Nur um Schrift. Und um kodifizierte Standardsprache, nicht um Mundart.

    Sahne ist also ein gemeindeutscher Ausdruck (lt. Duden Synonym. Und in Bayern ist die schon.) Jänner ist österreichischer Dialekt, der in Gemeinschaftsprojekten gegen Jänner ausgetauscht zu werden hat, denn wir verstehen Januar, die Norddeutschen aber nicht mehr Jänner. In Gemeinschaftsprojekten haben alle dieselben Begriffe zu verwenden, wegen der Einheitlichkeit. Bayern hat auch kein Recht auf Eigenständigkeit im Schriftbereich, auch sie haben Januar zu verwenden. (Zun es meist eh schon, Rest ist Umgangssprache und Dialekt.)

    In der Wikipedia gab es einmal ein Meinungsbild zur Abschaffung des Jänners im Projekt. Begründung: „Nach dem gültigen Duden ist z.B. Jänner eine Bezeichnung, die _nur_ in Österreich, teilweise Süddeutschland und der Schweiz geläufig ist“ sowie „Januar ist hingegen im gesamten deutschsprachigen Raum geläufig, und unterliegt laut _Duden_ keiner Einschränkung in der Verwendung“ Oft wurde ein Artikel nur editiert um Jänner auf Januar auszubessern. Es gab auch ein Meinungsbild zur Abschaffung aller schweizbezogenen Schreibweisen.

    Der Sessel hat ein Stuhl zu werden, Klausnitzer ist durch seine Schauspielerei schon darauf trainiert. Schlapfen ist nach Möglichkeit nicht mehr zu verwenden, da es 80 Millionen nicht verstehen und es im Duden als umgangssprachlich markiert ist.

    Da der Österreicher in Rezepten eine Brühe zum drübergießen kennt hat er auch eine essbare Brühe am Tisch zu verstehen. (Und sich nicht dabei ein trübes etwas vorzustellen.)(Auch wenn der häufigste Ausdruck Suppe ist)

    Das Brötchen am Frühstückstisch ist ein gemeindeutscher Ausdruck, der im gesamten Deutschen Sprachraum in dieser Bedeutung verwendet wird. (Duden Synonym) Eine Markierung auf norddeutsch und mitteldeutsch ist nicht erwünscht (Wörterbuchkollegen)

    Weil es alle verstehen sollen hat bei Apfelkren zuerst Meerrettich zu stehen, dann darf hinzugefügt werden „(oberdeutsch Kren)“. Und nicht umgekehrt. (Kollege)

    „Pietcong“ braucht wenig, kennen genügend in Deutschland. Und den Österreichern ist es egal. Ein Raimund-Stück kennen wenige Deutsche. Sie fragen oft nach Relevanz, wollen eine möglichst genaue Ordnung. Da frägt sich schnell einer ob das Relevant ist.

    Und auch Bayern und sprachlich engagierte Bayern sind sich nicht bewusst, dass gewisse Begriffe die sie aus dem Norden kennen, wenn vielleicht auch nicht aktiv verwenden, in Österreich so gut wie unbekannt sind, sehr fremd wirken. Vor allem Bayrische Sprachaktivisten schreiben hie und da Mundartausdrücke da und dort hin. Sonst gibt es kein Österreichisches Deutsch, es gibt keine Teutonismen, denn Deutschland ist pluralistisch ohne Zentrum. Und wenn man sich die in Deutschland geschriebene Sprache anschaut, dann hat man nur die Begriffe der Deutschen Regionen untereinander zu vergleichen. Hinweise zu Unterschieden zu Schweiz und Deutschland sind nicht neutral. (Sind ja auch nicht im Duden markiert.)

    So Erfahrungen aus dem Leben. So einige Menschen geben uns einen Grund zu diesem Teil der Identität.

    Mainz (Sitz der Fernsehsender) strahlt in den ganzen deutschen Sprachraum aus. Das österr. Fernsehen kann sich das nur bedingt leisten. Wir verstehen eher Begriffe aus Deutschland durch den Kontakt mit Zeitschriften, Fernsehen, Internet. Deutsche kennen viele Begriffe der anderen Deutschen Regionen durch Kontakt mit Fernsehen, Radio, Zeitschriften im alltäglichen Leben. Sie kennen wenig bis gar keine Begriffe aus der Schweiz und Österreich, da in diese Richtung wenig Alltagskulturaustausch, wie eben Zeitung und Fernsehen, erfolgt. Sie erkennen deshalb mehr ihre Regionalismen an, als jene der Schweizer oder die Österreicher. Diese haben sich daher gefälligst an die Deutsche Sprache der Deutschen anzupassen damit man sie versteht.

    Übrigens auch die Schweiz hat als Konterpunkt primär Deutschland und nicht Österreich. Da sind wir uns gleich. Nur haben sie eine Strenge Trennung zwischen Hochsprache und Mundart und die Umgangssprache dürfte Bindeglied zwischen den Dialekten spielen.

    Und beim Protokoll 10 geht es nur um die Rechtswirkung bestimmter Ausdrücke. Da und dort gibt es Bestimmungen.
    zB
    http://www.ris.bka.gv.at/…mentnummer=NOR40091160

    Handel ist ein stark von der EU dominierter Rechtsbereich, denn dazu ist sie ja gegründet worden. Es gibt Warenverkehr, der sowieso auch von Deutschland nach Österreich dominiert wird, auch durch Handelsketten. Aber gut, man hätte auch sagen können: Wenn die auf Blumenkohl bestehen, dann verwenden wir Karfiol nur mehr in der Umgangssprache, weil in der restlichen EU gibt es ihn nicht, hat nicht beachtet zu werden. Die Österreichische Identität sollte man an die kleine Liste nicht aufhängen.

  4. Das ideologische Konstrukt einer „österreichischen Sprache“ oder „österreichischen Varietät der deutschen Sprache“ scheitert sachlich an einer simplen Tatsache: Das, was (grob gesprochen) Westen der Republik Österreich gesprochen wird, weist insgesamt viel mehr Ähnlichkeit mit dem auf, was im angrenzenden „Ausland“ gesprochen wird, als mit dem, was im östlichen Inland gesprochen wird.

    Österreich ist schlicht und einfach keine sprachlich relevante Kategorie. Sprachgeographische Phänomene in des Prokrustesbett des Staatsterritoriums zu quetschen ist ungefähr so unsinnig wie das Vorhaben, Pflanzen mit Begriffen wie „österreichische Pflanze“ oder „bundesdeutsche Pflanze“ zu kategorisieren anstatt nach ihren botanischen Merkmalen.

    Man lasse sich diesbezüglich auch nicht von gewissen(!) hochgradig ideologisch motivierten Germanisten aus Ostösterreich täuschen, die mit Bienenfleiß Pamphlete produzieren, mit denen sie bei Unkundigen den Eindruck zu erwecken versuchen, dass sprachliche Eigenheiten aus dem Großraum Wien typisch für ganz Österreich seien. Als Westösterreicher kann ich aus eigener Sprachkompetenz ermessen, wie falsch solche Unterstellungen sind und schüttle immer wieder den Kopf über die Unverfrorenheit, mit der unter dem Deckmantel akademischer Wissenschaft am Schreibtisch Wiener Germanisten darüber fantasiert wird, wie ich (angeblich) spreche.

  5. Austrologie

    Die Chimäre einer „österreichischen Sprache“ bzw. einer „österreichischen Varietät der deutschen Sprache“ scheitert an der simplen Tatsache, dass die Sprache im (grob gesprochen) Westen der Republik Österreich wéit mehr Ähnlichkeit mit der im angrenzenden „Ausland“ hat als mit der im östlichen Inland.

    „Österreich“ ist einfach keine sprachlich relevante Kategorie. Sprachgeographische Phänomene in das Prokrustesbett des österreichischen politischen Territoriums zu quetschen ist ungefähr so unsinnig wie es unsinnig wäre, Pflanzen in „österreichische Pflanzen“ vs. „bundesdeutsche Pflanzen“ zu gliedern anstatt sie anhand ihrer botanischen Merkmale taxonometrisch zu erfassen.

    Man lasse sich diesbezüglich auch nicht von den mit Bienenfleiß produzierten Pamphleten gewisser(!) hochgradig ideologisch motivierter ostösterreichschen Germanisten (warum eigentlich nicht „Austriazisten“?) täuschen, die bei Unkundigen den Eindruck zu erwecken versuchen, ihe Vindobonismen seien für ganz Österreich charakteristisch.

    Als Westösterreicher staune ich immer wieder über die Chuzpe, mit der sie ihre Fantasien darüber, wie „in Österreich“ gesprochen werde, unter dem Deckmantel der Wissenschaft verbreiten. Mit einer Mischung von Amusement und Empörung muss ich mir von ihnen erkären lassen, wie ich angeblich spreche und bekomme da haufenweise Ausdrücke und Sprachmerkmale aufgelistet, die im Westen nicht nur völlig unüblich sind, sondern die ich in meinem ganzen Leben überhaupt noch nie gehört habe.

  6. Rappelkopf

    Bitte gelegentlich Kommentar 7 und 8 vergleichen.

    Da scheint jemand die selben Gedanken, einmal im Lichte des frühen Morgens, das andere Mal zu später Stunde, nach einem offensichtlich anstrengenden Tag ausformuliert zu haben.

    Gruß
    Rappelkopf

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