„Zur Befreiung Palästinas“ – Eckpunkte eines Vortrags

Am letzten Wochenende war ich wieder in Franken. Die Gesellschaft für politische Bildung e. V. – ein gemeinsames Projekt der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Bundeszentrale für politische Bildung – hat in Würzburg eine Tagung organisiert und mich eingeladen, um über Palästina zu sprechen. Was ich da vorgetragen haben, möchte ich hier als Skizze wiedergeben.

Einführung

Sprechen wir von Palästina, so haben wir es in erster Linie mit einem Begriff zu tun, hinter dem eine Begriffsgeschichte steckt. Begriffe sind ein äußerst wirksamer Bestandteil unserer Wahrnehmung der Realität, ja sie sind weitgehend unsere Realität. Als Historiker und Germanist habe ich eine gewisse Neigung, diese immer aktuelle Schnittstelle von Sprache und Geschichte zu analysieren. Auf der hiesigen Plattform habe ich früher erklärt, warum es so wichtig ist, das Deutsche zu hinterfragen (s. »Deutschland? Aber wo liegt es?«, 2008) und für diesen Ansatz dann etliche Beispiele gegeben (z. B. Gedankenjahr 2009: Eine Zeitreise durch “Deutschland”, 2009; 1871, 1938, 1989/90: Deutsche Vereinigungen im Vergleich, 2009; Staatsangehörigkeit vs. Volkszugehörigkeit, 2009), auch im österreichischen Kontext (z. B. Die Konstruktion des Österreichischen, 2009; Österreichische Symbolpolitik: Was haben Mozart und Freud gemeinsam?, 2009; Das Hofburgtheater: Ein deutsches Theater?, 2009).

Dieses Mal möchte ich den Palästinabegriff in Vergangenheit und Gegenwart kritisch beleuchten. Im Gegensatz zu „Deutschland“ und „Österreich“ bin ich in puncto „Palästina“ persönlich mit einbezogen, aber vielleicht ist das nicht nur problematisch, sondern könnte die Diskussion auch etwas interessanter machen. Schließlich wird um Palästina gekämpft – und, wie ich meine, nicht nur im geopolitischen Sinne, sondern vor allem auch im sprachlichen Sinne. Wenn es um den Palästina-Konflikt geht, so ist die Sprache, ist der Begriff wohl das am heißesten umkämpftes Schlachtfeld.

 

Kurzer Überblick bis zum 20. Jh.

„Palästina“ als geographischer Name taucht erstmals bei den Römern auf. Nach dem gescheiterten jüdischen Aufstand 132-136, der bekanntermaßen nicht der erste unter den Römern war, sind die Besatzer mit ihrem Latein am Ende und wollen die Verbindung der Juden zu Judäa auflösen. Da sie inzwischen einiges über die Juden wissen, greifen sie in der jüdischen Geschichte lange zurück, nämlich auf die in der hebräischen Bibel erwähnten, aber im 2. Jh. nach Chr. längst nicht mehr existenten Philister, eine Art Erzfeind der früheren Juden, der von den Letzteren besiegt wurde. Nun gelangen aber die Philister dank der Römer zu posthumem Ruhm, denn die römischen Besatzer ändern den Namen der Provinz von „Judaea“ in „Syria Palestinea“, was so viel bedeutet wie „der philistische Teil Syriens“.

An und für sich ist folglich der Name „Palästina“, bis heute, eine Fremdbezeichnung, die dem Land und seiner einheimischen Bevölkerung von außen aufoktroyiert wurde (vgl. „Indianer“ im amerikanischen Kontext). Die römische Besatzung wurde später byzantinisch, aber mit der Verdrängung der christlichen Herrscher durch die islamischen Besatzer verlor der Name Palästina an Bedeutung. Diese Entwicklung änderte auch die Episode der Kreuzritter nicht, die ihren Staat – übrigens die erste Kolonisierung durch Europäer überhaupt – lieber „Königreich Jerusalem“ nannten. So ging es dann auch nach den Kreuzrittern bis zum 20. Jh. weiter, wobei es noch Anfang des 20. Jh. im osmanischen Reich keine Verwaltungseinheit namens Palästina gab. Allein im europäischen Kulturkreis, der aus dem römischen entstanden war, wurde der Begriff – eben als Fremdbenennung – noch gebraucht, auch und gerade in Bezug auf Jüdisches (vgl. die Bezeichnung „palästinensischer“ bzw. – noch öfter – „palästinischer Talmud“).

 

Wiederbelebung im 20. Jh.

Mit der Eroberung des Landes durch die Briten 1917/18 kommen die Europäer und ihr Sprachgebrauch zu einer neuen Blütezeit. So findet der Name „Palästina“ wieder Anwendung, aber in einem ganz anderen Sinne, als wir ihn heute kennen. Vom Völkerbund bekommt die britische Besatzungsmacht ein „Mandat zur Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“. Da der Völkerbund eine im Prinzip abendländische Organisation war, wird dieses Land bzw. die jüdische Heimstätte fortan „Palästina“ genannt – eben im Einklang mit dem europäischen Sprachgebrauch, der auf die Fremdbezeichnung durch die Römer zurückgeht.

Im Übrigen bildete dieses Heimstattmandat damals (1920) den Anlass, erstmals überhaupt Grenzen zu ziehen – bis dahin hatte „Palästina“ in europäischen Büchern keine eindeutigen Grenzen. Es ist im Hinblick auf den heutigen Konflikt nicht unbedeutend, dass diese Grenzen Palästinas – die einzigen, die es bis heute gibt – auch Transjordanien einschließen (mehr dazu hier).

Aus diesem Zusammenhang, dass der nationalen Heimstätte des jüdisches Volkes eben der Name „Palästina“ gegeben wurde, entstanden „Palästina“ und vor allem der Begriff „Palästinenser“ als Bezeichnung für Juden, die Europa zugunsten der jüdischen Heimat verlassen. So wurde damals in Europa sowie in Palästina selber zwischen Arabern (also Christen und Moslems) und Palästinensern (d.h. den Juden) differenziert. Als meine Mutter 1945 in Haifa geboren wurde, war sie selbstverständlich Palästinenserin, nicht obwohl, sondern gerade deswegen, weil sie Jüdin war.

Diese Identifikation von Palästina und Palästinensern mit dem Jüdischen bzw. den Juden geht nach 1948 weiter, zumal es auch nach der Gründung Israels noch nichts anderes gibt, was für den Begriff „Palästina“ gelten könnte. 1962 schreibt z. B. Hanna Arandt in ihrem Bericht über Eichmann in Jerusamen über „Palästinenser“, ja sie spricht wortwörtlich von „Palästinensern“, sowohl im englischen Original als auch in der von ihr persönlich überprüften Übersetzung ins Deutsche. Damit meint sie ganz einfach die Juden, die nicht im nichtjüdischen Ausland leben, d.h. sie differenziert 1962 noch zwischen „Diasporajuden“ und „Palästinensern“. Dieser damals normale Sprachgebrauch wird sich aber bald wieder ändern, und zwar bis zur Unkenntlichkeit.

 

Umdeutung in den 1960er und -70er Jahren

1964, also zwei Jahre nachdem Arendt noch über „Palästinenser“ im Sinne von „Juden“ gesprochen (und, übrigens, 3 Jahre bevor der Sechs-Tage-Krieg stattgefunden) hat, wird die PLO gegründet, also die „Palestine Liberation Organization“ bzw. „Palästinensische Befreiungsorganisation“. Mit diesem Ereignis beginnt ein Kampf, der sich in erster Linie sprachlich zuträgt. Denn klar ist, dass die Araber mit diesem Akt nicht Palästina von den jüdischen Palästinensern befreien wollen, sondern im Gegenteil, nämlich die Begriffe Palästina und Palästinensern von ihrer jüdischen Bedeutung entkontextualisieren und mit einer neuen, arabischen Bedeutung zu besetzen.

Knapp drei Jahrzehnte später konnte die arabische Seite einen absoluten Erfolg verzeichnen: Mit den Osloer Verträgen 1993, in denen die Juden selber über ihr Palästinensertum verzichtet haben, wurden die Araber nicht nur von den Juden, sondern erstmals wirklich international und offiziell als die „eigentlichen“ Palästinenser anerkannt. Damit ist der Begriff zu einem Auschlussmechanismus geworden: Das neue, nämliche arabische Palästina ist ein exklusiver Begriff, der Juden ausschließt und ihnen nahezu verunmöglicht, sich als Palästinenser zu fühlen oder so angesehen zu werden. Weil das Land aber nun mal seit 1920 (zumindest offiziell) eben Palästina heißt, bedeutet diese Ausgrenzung der Juden bzw. der Israelis, dass sie – als „Nichtpalästinenser“ – in Palästina quasi fremd sind.

Mit der Beanspruchung bzw. Bemächtigung Palästinas – nicht nur des Landes, sondern vor allem des Begriffs – verfolgen die Araber politische Ziele der Ausgrenzung. Wenn die Juden in Palästina fremd sind, dann sind sie eben Kolonialisten, wie es früher mal die Kreuzritter waren. Diese extremistische Sichtweise ist weitestgehend bekannt, also möchte ich sie hier nicht wieder erklären. Mir geht es darum, aufzuzeigen, wie dieser vehemente Kampf gegen die Juden in Palästina und zu deren Ausgrenzung auch – und eigentlich in erster Linie – in der Sprache stattfindet; ich möchte verständlich machen, wie diese ganze Hetzideologie in einem Wort steckt, wie sie durch die Umdeutung des Wortes verbreitet wird, und wie sie durch die Akzeptanz der neuen Bedeutung durch die Politik, die Medien etc. – wenn auch nicht absichtlich, so zumindest implizit – bekräftigt und unterstützt wird.

 

Heutige Situation

Was bedeutet diese Entwicklung für mich? Bin ich, 1979 in Haifa, also in Palästina, geboren, kein Palästinenser? Muss ich mir dieser Alleinvertretungsanspruch der arabischen Seite gefallen lassen – oder kann ich eine kritische Distanz zu dieser Missdeutung Palästinas bewahren und einen realistischen Blick auf mein Land entwickeln? Ich optiere für Letzeres.

In meinem Begriffsverständnis ist Palästina ein Vielvölkerland, was es ja tatsächlich auch immer war, wie etwa Galizien, die Bukowina, Bessarabien etc. Betrachten wir Bessarabien z. B., das Land, aus dem sowohl der Ex-Bundespräsident Horst Köhler als auch mein Vater stammen, beide 1943, aber durch den Krieg außerhalb Bessarabiens geboren: In diesem Vielvölkerland lebten Juden, Deutsche, Zigeuner, Ukrainer, Rumänen und vielleicht noch andere Völker, die ich nicht im Kopf habe. Alle diese einheimischen Bevölkerungsgruppen waren bessarabisch – sowohl Juden, als auch Deutsche etc. waren Bessarabier.

Man kann also eine Geschichte Bessarabiens schreiben, genauso wie eine Geschichte Iberiens. Aber man kann keine Geschichte „des bessarabischen Volkes“ oder „des iberischen Volkes“ schreiben, weil da eben mehrere Völker lebten und leben. Der Name des Landes muss also neutral sein, nicht politisch besetzt oder von einer einzigen Gruppe beansprucht. Und so, also eben neutral, will ich auch Palästina verstehen.

Meine Antwort auf die obige Frage lautet also: Ja, ich bin Palästinenser. Wieso auch nicht? Ich bin genauso Palästinenser wie ein Spanier Iberer oder ein Brasilianer Südamerikaner ist. Palästina – zumindest die cisjordanische Hälfte Palästinas – ist mein Heimat und mein Zuhause. Und genau so gibt es auch arabische Palästinenser. Wir sind alle Palästinenser, wir leben alle im Vielvölkerland Palästina. Die Tatsache, dass ich Israeli bin, macht mich genauso „weniger palästinensisch“ wie ein Spanier „weniger iberisch“ ist, weil es in Iberien auch Portugiesen gibt.

 

Fazit

Es gibt nicht ein palästinensisches Volk, sondern mehrere: Juden, Araber, Tscherkesen, Drusen, Beduinen etc.

Die Inanspruchnahme Palästinas durch Araber unter Ausschluss jüdischer Palästinenser, ja sogar die letzte Erfindung „eines“ palästinensischen Volkes, das gerade mich, den Einheimischen, ausschließt – diese neue Entwicklung ist das Problem, mit dem wir heute zu tun haben. Wenn wir von Palästina und von Palästinensern sprechen, dann machen wir – oft genug unbewusst – von gekidnappten Begriffen gebraucht. Nun gilt es, die Sprache neu zu besetzen und das Vielvölkerland Palästina zu befreien.

Erst wenn alle Parteien verstehen, dass keine von ihnen „einheimischer“ ist als die andere; erst wenn keine mehr versucht, Palästina allein für sich selbst zu beanspruchen; erst wenn sowohl Juden als auch Araber akzeptieren, dass Araber auch in Cisjordanien und Juden auch in Transjordanien frei leben und sich niederlassen dürfen sollten; erst wenn alle verstehen, dass Palästina ein freier und neutraler Begriff sein muss – erst dann können wir miteinander vernünftig über Palästina und seine politische Zukunft sprechen.

 


In eigener Sache: Jewish Heritage Tours in Berlin


 

Veröffentlicht von

www.berlinjewish.com/

Mancherorts auch als der Rebbe von Krechzn* bekannt, heißt der Autor von "un/zugehörig" eigentlich Yoav Sapir. Er ist 5740 (auf Christlich: 1979) in Haifa, Israel, geboren und hat später lange in Jerusalem gelebt, dessen numinose Stimmung ihn anscheinend tief geprägt hat. Nebenbei hat er dort sein M.A.-Studium abgeschlossen, während dessen er sich v. a. mit dem Bild des Juden im Spielfilm der DDR befasst hat. Seit Sommer 2006 weilt er an akademischen Einrichtungen im deutschsprachigen Mitteleuropa: anfangs in Wien, später in Berlin und dann in Heidelberg. Nach einer Hospitanz im Bundestag arbeitet er jetzt selbstständig in Berlin als Autor, Referent und Übersetzer aus dem Hebräischen und ins Hebräische. Nebenbei bietet er auch Tours of Jewish Berlin. * krechzn (Jiddisch): stöhnen; leidenschaftlich jammern.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Interessant das mal von der Namensseite her zu beleuchten.
    Was mich dabei interessieren würde:
    Warum hat sich denn der jüdische Staat Israel genannt und nicht Palästina oder Judäa?
    Tatsächlich scheint ja auch das Bekenntnis der Juden zum Namen Palästinenser sehr schnell abgeklungen sein, was hat diesen Begriff ersetzt als Selbstbezeichnung?

    Grüße

  3. Knapp drei Jahrzehnte später konnte die arabische Seite einen absoluten Erfolg verzeichnen: Mit den Osloer Verträgen 1993, in denen die Juden selber über ihr Palästinensertum verzichtet haben, wurden die Araber nicht nur von den Juden, sondern erstmals wirklich international und offiziell als die „eigentlichen“ Palästinenser anerkannt.

    Da ist wohl ein Fehler [1] gemacht worden.

    MFG
    Dr. W

    [1] mit den genannten Konsequenzen

  4. Warum hat sich denn der jüdische Staat Israel genannt und nicht Palästina oder Judäa?

    ‚Palästina‘ ist eine Sprachlichkeit, die sich von den Philistern ableitet, diese sind seit geraumer Zeit nicht mehr präsent.

    Im Gebiet „Palästinas“ Lebende sind denn auch keine „Palästinser“, sondern bezeichnen sich einer Volksgruppe zugehörig, eben den Juden, den Arabern, den Drusen … oder Christen.

    Korrekt ist, dass Araber zunehmend auf ethnische Sauberkeit achten.

    MFG
    Dr. W

  5. „Nach dem gescheiterten jüdischen Aufstand 132-136, der bekanntermaßen nicht der erste unter den Römern war, sind die Besatzer mit ihrem Latein am Ende und wollen die Verbindung der Juden zu Judäa auflösen.“
    Puh, bitte nicht zu viel Geschichtswissen voraussetzen. Denk ich an den diesbezüglichen Schulunterricht, schüttels mich immer noch.

    Jedenfalls werden diese Aufstände auch hier erwähnt,
    https://www.youtube.com/watch?v=Od2vfHSv6sk
    den Römern wurden schwerste Niederlagen beigebracht. Die Römer konnten die Juden militärisch nicht schlagen. Daraufhin haben sie – so die hier vertretene These – versucht, sie auf andere Weise zu besiegen, indem sie kurzerhand eine neue, friedfertige und Rom-freundliche „Religion“ schufen. Fand das ganz interessant, obs stimmt kann ich natürlich nicht abschätzen…
    .
    Etwas anderes – leider kann ich diesen link nicht mehr finden. Ein Rabbi (aus den USA?) meint, dass die Palästinenser() auf alle Zeiten den Nahen Osten destabilisieren werden. Daher wird weder die 1- noch die 2-Staaten-Lösung, und auch die Umsiedlung nach Jordanien (das eigentliche Heimatland der Palästinenser) jemals funktionieren. Jordanien ist eine Demokratie, wenn dort 8Mio Israel hassende Palästinenser mitwählen würden, gäbe das nur Chaos.
    Der neue Vorschlag lautet: die Palästinenser nach Südamerika umsiedeln! In Südamerika leben angeblich 25Mio Araber (wenn ich die Zahl richtig in Erinnerung habe), ohne das man die „üblichen“ Nachrichten von dort hören müsste.
    Selbstverständlich wird man dies – obwohl es mit guter Aussicht funktionieren könnte – niemals umsetzen (weil „politisch nicht umsetzbar“). Trotzdem, mir scheint das obige „Fazit“ allzu gutmenschlich hergeleitet, als das es je Realität werden könnte.

    • Jordanien ist eine Demokratie, wenn dort 8Mio Israel hassende Palästinenser mitwählen würden, gäbe das nur Chaos.

      Die Angabe zur Herrschaftsform scheint „nicht ganz“ zu stimmen.

      In Südamerika gibt es Staaten mit an die 10% reichenden moslemischer Bevölkerung, korrekt.

      Zudem haben die Römer die Juden vor 2.000 Jahren besiegt.

      Da hat’s wohl „ein wenig“ an der Bildung oder Schulbildung genagt, gell?!

      MFG
      Dr. W (der diesen Trauerfall als bildungspolitisch für D exemplarisch festhalten möchte)

  6. „Daher wird weder die 1- noch die 2-Staaten-Lösung, und auch die Umsiedlung nach Jordanien (das eigentliche Heimatland der Palästinenser) jemals funktionieren. Jordanien ist eine Demokratie, wenn dort 8Mio Israel hassende Palästinenser mitwählen würden, gäbe das nur Chaos.
    Der neue Vorschlag lautet: die Palästinenser nach Südamerika umsiedeln! In Südamerika leben angeblich 25Mio Araber (wenn ich die Zahl richtig in Erinnerung habe), ohne das man die „üblichen“ Nachrichten von dort hören müsste.“

    Ich fall vom Stuhl: auf Scilogs wird die Deportation des (arab.) Palästinenser erwogen! Oder haben sie schon die Zustimmung der Betroffen im voraus erhalten (Jordanien, Südamerika, arab. Palästinenser) ?

    Zu Ihrer Weiterbildung: Deportationen sind ein Verstoß gegen das Völkerrecht, und das Selbsbestimmungsrecht der Völker, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

    Warum ist Jordanien das Heimatland der arab. Palästinenser? In der Regel handelt es sich um die seit langem ansässige Bevölkerung, die sich inzwischen als eigenes Volk („Palästinenser“) versteht.

    • Obwohl der Kommentar nicht mir galt, möchte ich was dazu sagen:

      1. Wir wollen nicht vergessen, dass Zwangsumsiedlung nicht nur erlaubt, sondern auch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden kann (1922 an Fridtjof Nansen – wer weiß, welche Konflikte wir heute noch zw. Griechenland und er Türkei hätten, wenn die damaligen Zwangsumsiedlungen nicht stattgefunden hätten).

      2. „Jordanien“ ist Palästina. Die „Jordanier“ sind größtenteils Palästinenser. Das einzige, was an diesem Land nicht palästinensisch ist, ist das fremde Herrschergeschlecht der Haschemiten, die nicht aus Palästina kommen, sondern von den Briten aus Arabien importiert wurden (mehr dazu hier: http://scilogs.spektrum.de/un-zugehoerig/wikileaks-und-der-friedensprozess-ein-blick-nach-osten/).

      3. Nichtsdestoweniger bin ich mir nicht sicher, ob eine Zwangsumsiedlung / Bevölkerungsaustausch nach dem Prizip „Westpalästina nur den jüdischen Palästinensern, Ostpalästina nur den arabischen Palästinensern“ die richtige Lösung wäre (schließlich haben die Juden ebenfalls ein Menschenrecht auf Ostpalästina). Aber da die Araber in der „West Bank“ zweifelsohne sehr viel leiden und die arabischen Staaten nichts für sie tun, stellt sich die Frage, ob die Welt den unterjochten Arabern nicht zumindest die *Möglichkeit* schuldet, dem jüdischen Joch zu entfliehen, etwa indem großflächige Länder (Brasilien, Kanada, etc.) sich bereit erklären würden, die Araber aufzunehmen und ihnen somit die Chance auf ein gutes Leben in Freiheit und Ehre zu geben.

      • Nichtsdestoweniger bin ich mir nicht sicher, ob eine Zwangsumsiedlung / Bevölkerungsaustausch nach dem Prizip „Westpalästina nur den jüdischen Palästinensern, Ostpalästina nur den arabischen Palästinensern“ die richtige Lösung wäre (schließlich haben die Juden ebenfalls ein Menschenrecht auf Ostpalästina).

        Andere Sicht: Die gegen Israel geführten militärischen Aktionen und Kriege sind im Kern religiös motiviert, der (aus Sicht einiger: eher linke) Panarabismus ist tot und in einer derartigen Gemengelage geht es primär um das Überleben und weniger um Rechte (’schließlich haben die Juden ebenfalls ein Menschenrecht auf Ostpalästina‘ klingt denn auch ein wenig „naja“).

        Israel wäre bei einem weitgehenden Abtritt der sogenannten Westbank nicht verteidigungsfähig.

        Vertreibungen, und um nichts anderes handelt es sich bei ‚Zwangsumsiedlungen‘ der genannten Art, gelten völkerrechtlich als illegitim bis verbrecherisch, nichtsdestotrotz wurden diese bspw. an Deutschen (Schlesier & Sudeten u.a.) und im Ex-Jugoslawien und in der der Ex-UdSSR durchgeführt. Ohne dass viel geklagt worden ist, jedenfalls ohne dass angemessen geklagt worden ist. – Die Entjudung und Entchristlichung im islamischen Raum findet auch keine angemessene Beachtung, wie der Schreiber dieser Zeilen findet. Auch die ‚Zwangsumsiedlungen‘, die von israelischer Seite vorgenommen worden sind, Juden betreffend, hat international betrachtet kaum jemanden empört.

        MFG
        Dr. W

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