Anthropozentrismus oder Über die unbegründete Dämonisierung von Konzepten

Ein Gastbeitrag von Bartosz Bartkowski, Doktorand im Department Ökonomie des UFZ

Viele genuin umweltbewegte Menschen reagieren auf bestimmte Begriffe und Konzepte geradezu allergisch. Dies führt weithin zu einer Kritik dieser Konzepte, die nicht selten wenig substantiell ist.

Ein solches Allergen ist z.B. die Ökonomie bzw. verschiedene ökonomische Konzepte, von ökonomischer Bewertung der Natur bis hin zu Emissionshandelssystemen. An die grundsätzliche Kritik an allem, was ökonomisch daherkommt, hat man sich aber als angehender Umweltökonom recht schnell gewöhnt, sie schockiert nicht mehr allzu sehr. Was jedoch für mich neu war, war eine ähnliche, ja geradezu heftigere Reaktion auf das Konzept/den Begriff Anthropozentrismus. Natürlich sind beide eng verwandt – die Ökonomie in den allermeisten ihrer Varianten ist explizit anthropozentrisch, sodass die Kritik an ihr oft indirekt daher rührt, dass viele umweltbewegte Menschen Anthropozentrismus für etwas von Grund auf Verwerfliches halten. Dass dies nicht unbedingt berechtigt ist, möchte ich im Folgenden darstellen – wie auch, dass Anthropozentrismus womöglich nicht nur nicht verwerflich ist, sondern womöglich der einzige konsistente ethische Ansatz, um gegen Umweltzerstörung vorzugehen.

Was ist der Anthropozentrismus? Als anthropozentrisch bezeichnet man üblicherweise ethische Perspektiven, die nur dem Menschen einen Eigenwert (auch: intrinsischer Wert) zuweisen. Alles andere, einschließlich der belebten Umwelt, kann nur instrumentell wertvoll sein, d.h., insofern als es für den Menschen gut ist. Alternative Sichtweisen sind Pathozentrismus (der vor allem in der Tierethik eine Rolle spielt), Biozentrismus, Ökozentrismus und Holismus (siehe Grafik).

Martin Gorke (2010): Eigenwert der Natur.

Martin Gorke (2010): Eigenwert der Natur. Ethische Begründung und Konsequenzen. Hirzel Verlag, Stuttgart. Modifiziert durch Bartosz Bartkowski/UFZ

Jeder dieser Ansätze beantwortet die sog. Inklusionsfrage („Was hat intrinsischen Wert?“), indem er einen umfassenderen Kreis zieht. Der obigen Reihenfolge entsprechend umfasst dann die Gruppe der Objekte mit intrinsischem Wert: alle leidfähigen Lebewesen (griechisch πάθος [páthos] = Leid); alle Lebewesen; alle lebenden Systeme; die Erde als Gesamtsystem. Wichtig ist es, in diesem Kontext zwischen Anthropozentrismus und Anthropogenität zu unterscheiden – Letztere besagt, dass der Mensch die „Quelle“ von Werten ist, indem er sie verschiedenen Entitäten zuweist; ohne den Menschen gibt es also keine Werte. Die alternative Interpretation behauptet hingegen, dass alle Werte unabhängig von menschlicher Erkenntnis und gar unserer Existenz sind. Beide „metaethischen“ Positionen sind grundsätzlich mit allen Varianten der Beantwortung der Inklusionsfrage vereinbar.

Insbesondere im Kontext der Ökonomie ist es ebenfalls wichtig, den Anthropozentrismus vom Utilitarismus zu trennen, weil die beiden allzu oft in einen Topf geworfen werden. Beide bilden zusammen die ethische Grundlage der Mainstream-Ökonomie. Dennoch ist Anthropozentrismus nicht mit Utilitarismus gleichzusetzen und setzt diesen auch nicht voraus. Utilitarismus ist eine ethische Theorie, deren zufolge „Nutzen“ die entscheidende Kategorie zur Beurteilung von Handlungen ist (es ist eine konsequentialistische Theorie, d.h. es zählt nur das Resultat menschlicher Handlungen, nicht ihre Motivation). So gilt beispielsweise die Ethik Immanuel Kants als anthropozentrisch – gleichwohl ist Kant mitnichten Utilitarist, sondern viel eher Deontologe (d.h., seine Antwort auf die Inklusionsfrage determiniert, wem gegenüber man Pflichten hat, nicht – wie im Utilitarismus –, wessen Nutzen betrachtet werden soll). Dies gilt auch in die andere Richtung – so ist z.B. der berühmte Tierethiker Peter Singer ein pathozentrischer Utilitarist.

Nun wird Anthropozentrismus bisweilen mit einem Freibrief für Umweltzerstörung gleichgesetzt. Dies ist jedoch zumindest nicht zwingend, wenn nicht einfach falsch. Eine grundsätzlich an den Interessen des Menschen ausgerichtete ethische Sichtweise muss nicht die problematischen Seiten der Psyche des homo sapiens übernehmen – wie Kurzsichtigkeit, Egoismus, falsche Einschätzung von Unsicherheiten, Ignorieren der eigenen Ignoranz etc. –, sonst wäre sie ja auch keine normative Theorie, sondern lediglich eine Beschreibung. Betrachtet man unsere Welt zwar anthropozentrisch, aber ohne die o.g. menschlichen Schwächen zu reproduzieren, wird man sehen, dass die Interessen anderer Menschen – sowohl der heute Lebenden als auch der noch Ungeborenen – in unseren Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen sollten; dass die Ökosysteme zwar nur einen instrumentellen, aber dennoch sehr hohen Wert für unser (Über-)Leben haben, eine wichtige Grundlage guten menschlichen Lebens sind; dass unser Halb- oder Unwissen über die genauen Zusammenhänge sozio-ökologischer Systeme zu inhärenten Unsicherheiten und gar Ignoranz führt, was wir in unseren Entscheidungen ebenfalls berücksichtigen sollten; etc. Das heißt, dass umfassender Umwelt-/Naturschutz wichtig ist, weil:

  • Ökosysteme eine essentielle Grundlage unseres Lebens sind, da sie uns Nahrung, Materialien, ein stabiles Klima u.v.a.m. „liefern“;
  • Menschen in ärmeren Ländern nachweislich abhängiger von intakten Ökosystemen sind;
  • auch bei nach uns kommenden Generationen anzunehmen ist, dass sie auf intakte Ökosysteme angewiesen sein werden;
  • die Limitationen, denen unser Wissen über die Welt unterliegt, bedeuten, dass wir nach dem Vorsichtsprinzip lieber mehr als weniger schützen sollten (um der Gefahr vorzubeugen, unwissentlich etwas zu zerstören, was für unser Leben oder Wohlergehen essentiell ist).

So gesehen kann Anthropozentrismus durchaus schlagfertige und schwer von der Hand zu weisende Argumente für den Erhalt von Ökosystemen liefern, obwohl er sich nur auf deren Bedeutung für unser Wohlergehen bezieht.

Im Kontext der Debatte um die ökonomische Bewertung der Natur wird oft eingewandt, der Anthropozentrismus erlaube nicht, spirituelle bzw. religiöse Werte oder Tabus zu erfassen. Dies muss so nicht stimmen. Stellen wir uns einen Wald vor, in dessen Nähe ein indigenes Volk lebt, und abstrahieren von allen üblichen instrumentellen Werten dieses Waldes. Einzig relevant sei die Überzeugung der Mitglieder dieses Volkes, der Wald sei aus sich heraus heilig – eine klar nicht-anthropozentrische Perspektive. Lässt sich der Erhalt dieses Waldes dennoch anthropozentrisch begründen? Ich würde diese Frage mit „Ja“ beantworten. Denn auch wenn das indigene Volk dem Wald einen intrinsischen Wert zuweist, kann dies in den Augen eines objektiven Betrachters (sensu Adam Smiths Denkfigur des impartial spectator) in einem instrumentellen Wert resultieren: da der anthropozentrische Betrachter den Indigenen gegenüber „verpflichtet“ ist, muss er in seiner Entscheidung über die Zukunft des Waldes dessen Bedeutung für das „Seelenheil“ des indigenen Volkes beachten.

Zuletzt, nachdem ich versucht habe, das Bild des Anthropozentrismus in der Natur-/Umweltschutzdebatte ins rechte Licht zu rücken, möchte ich es abschließend wagen, zu behaupten, dass dieser für die Begründung von Naturschutz viel besser geeignet ist als die Alternativen. Dies liegt daran, dass Biozentrismus und vor allem Ökozentrismus/Holismus uns in diesem Kontext vor eine unangenehme Wahl zwischen Ausschluss des Menschen aus der Natur auf der einen und Inkonsistenz der Argumentation auf der anderen Seite stellt.

Wie kann man Naturschutz begründen, wenn man der Natur einen Eigenwert zuweist? Da gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Entweder man lokalisiert den Menschen außerhalb der Natur und definiert damit seine Eingriffe in sie als grundsätzlich schädlich. Dies ist oft de facto die Logik hinter dem sog. Prozessschutz. Aus dieser Prämisse folgt, dass menschliche Eingriffe minimiert (sofern man dem Menschen ebenfalls einen Eigenwert beimisst) oder gar eingestellt werden sollten. Diese Perspektive ist jedoch vor dem Hintergrund der Evolutionstheorie und damit des offensichtlichen Ursprungs des Menschen in der Natur höchst problematisch. Selbst wenn man sagen würde, dass der Mensch aufgrund seiner technologischen Wirkmächtigkeit die Natur „verlassen“ hätte, wäre es eine nicht triviale, aber durchaus relevante Frage: wann? Viele Antworten wurden auf diese Frage gegeben – z.B., es wäre passiert, als der Mensch sesshaft wurde oder mit der Industriellen Revolution. Doch eine objektiv „korrekte“ Antwort scheint es nicht zu geben. Daher erscheint der Ausschluss des Menschen aus der Natur recht arbiträr und äußerst schwer begründbar.

Andererseits begegnet man sogar größeren Schwierigkeiten, wenn man den Menschen als Teil der Natur betrachtet und bio-/ökozentrisch argumentieren möchte. Es liegt an der Schwierigkeit der Definition jenes Naturzustandes, den es zu erhalten bzw. wiederherzustellen gilt. Die Natur ist zu einem beliebigen Zeitpunkt das Resultat „blinder“ evolutionärer Prozesse, sie ist also dynamisch, nicht statisch. Betrachten wir den Menschen zudem als Teil der Natur, ist sein Wirken auch einfach Teil dieser evolutionären Prozesse. Das heißt, schreibt man der Natur einen Eigenwert zu, sagt das noch nichts über die Erwünschtheit eines konkreten Naturzustands. Menschliches Verhalten, ob „destruktiv“ oder „konstruktiv“, führt lediglich dazu, dass sich die Natur von einem Zustand in einen anderen bewegt. Wenn aber nicht die menschlichen Interessen im Fokus stehen, sondern die abstrakten „Interessen“ der Natur, fehlt eine Handhabe, um erwünschte oder gar nur akzeptable Naturzustände zu definieren.

Auf einer weniger abstrakten Ebene stellt uns der Bio-/Ökozentrismus vor die Notwendigkeit, zwischen menschlichen Interessen und den „Interessen“ der Natur abzuwägen (wir abstrahieren an dieser Stelle von der Schwierigkeit, Letztere zu definieren). Sofern wir diese gegensätzlichen Interessen nicht absolut betrachten, was jegliche Handlungsempfehlungen unmöglich machen würde, könnte man ja sagen, dass die „Interessen“ der Natur tendenziell etwas weniger oder etwas mehr zählen als die des Menschen. Das Problem mit ersterer Herangehensweise ist, dass sie de facto einen impliziten Rückfall auf den Anthropozentrismus darstellt – wenn der Mensch sowieso mehr zählt, dann kann man sich auch darauf beschränken, seine Interessen zu betrachten. Wie bereits oben angeführt, muss das auch gar nicht so schlimm sein, weil es oft im menschlichen Interesse ist, Ökosysteme intakt zu lassen oder zumindest nicht disruptiv zu verändern. Falls die „Interessen“ der Natur mehr zählen sollen, wird das Problem ihrer Definition akut (s.o.). Und auch in diesem Fall „droht“ ein Rückfall auf den Anthropozentrismus, wenn ermittelt werden soll, welche menschlichen Interessen wichtig genug sind, um die der Natur zu überwiegen.

All dies soll natürlich nicht heißen, dass Bio- und Ökozentrismus sowie Holismus keine Daseinsberechtigung hätten und Anthropozentrismus das „einzig Wahre“ wäre. In dem betrachteten Kontext jedoch, d.h., wenn es um die Begründung umfassenden Umweltschutzes geht, schaffen die der Natur einen Eigenwert zuweisenden Ansätze nicht unbedingt einen Mehrwert gegenüber anthropozentrischen Argumentationslinien.

Der Anthropozentrismus wird in der Umweltdebatte mitunter „dämonisiert“ oder gar mit einem Freibrief für Umweltzerstörung gleichgesetzt. Das ist eine unzulässig vereinfachte Sicht. Entgegen häufig verbreiteter Überzeugung vermag der Anthropozentrismus durchaus, weitgehenden Umwelt- und Naturschutz schlüssig und konsistent zu begründen – eine Leistung, die alternative ethische Sichtweisen vor viel größere Probleme stellt, als üblicherweise angenommen.

 

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  1. Anthropozentrismus bedeutet: Der Mensch ist/sei der Mittelpunkt der weltlichen Realität, also nicht nur der menschlichen Realität sondern auch der physischen Realtiät. Begriffe wird Erdsystemmanagement und Visionen wie die von Dyson, der unser ganzes Sonnensysteme in ein Habitat für Erdlinge umgestalten will, indem er die Sonne von einer vom Menschen geschaffenenen Kugelsphäre umgibt (der Dyson-Sphäre) sind auf der Linie diese Zentrismus. Ganz ähnlich wie der Sinozentrismus als ethnozentrische Idee die zentrale Bedeutung Chinas gegenüber anderen Völkern hervorhebt so hebt der Anthropozentrismus die Interessen des Menschen über alles andere.
    Wie „schlimm“ sich so eine anthropozentristische Idee auswirkt hängt stark vom Menschenblild ab. Oft hängen Anthropozentriker allerdings dem Menschenbild der frühen bis industriellen Neuzeit nach, wo der Mensch das alles gestaltende Element wird und alles andere ihm weichen muss.

    Meine Beurteilung: Der Mensch überschätzt sich gefährlich, wenn er meint alles managen zu können, was früher auf automatische, lebendige Art und Weise durch die Natur geschah, die den Menschen hervorgebracht hat. Der Mensch sollte froh sein, wenn er sich nicht um alles kümmern muss, wenn er nicht auch noch am Thermostaten des Erdsystems herumdreht oder herumdrehen muss. Anstatt Zentrismus wäre Partikularismus gegenüber der Welt die angemessene Haltung. Der Mensch darf und soll seine Menschenwelt gestalten wie er will und wie er es braucht um den Menschen zum Mass aller Dinge in dieser Menschenwelt zu machen. Doch daneben darf und soll es auch noch etwas anderes geben.

    • Freeman Dyson will „unser ganzes Sonnensysteme in ein Habitat für Erdlinge umgestalten“? Das wäre mir neu. Haben Sie für diese Behauptung eine Quelle? Der Artikel der den Begriff der „Dyson-Sphäre“ begründete, gibt das meiner Ansicht nach jedenfalls nicht her.

      • Richig: Nicht Habitat sondern Energiesammler will die Dyson-Sphäre sein:„“Eine Dyson-Sphäre (ausgesprochen [ˈdaɪ̯sn̩ ˌsfɛːrə], benannt nach Freeman Dyson) ist ein hypothetisches Konstrukt, das einen Stern im Idealfall vollständig kugelförmig umschließt, um dessen Energie zu absorbieren oder umzulenken und damit optimal nutzen zu können.“

        Beim oben verlinkten Wikipedia-Artikel können sie übrigens 2 Graphiken zu Dyson-Welten des scilogs-Kommentators Karl Bednarik bestaunen.

        • Mit dem Konzept der Dyson-Sphäre bin ich vertraut. Mir geht es um Ihre Behauptung, dass Dyson so etwas in unserem Sonnensystem umsetzen will.

          • Ja. Dyson wollte fremde Zivilisationen über die Abwärme von Dyson-Sphären erkennen. Seltsam nur, dass fremde Zivilisationen zugetraut wird, an was man selber gar nicht denkt.

    • Ich sehe keinen zwingenden Grund, wieso eine anthropozentrische Sichtweise zu Überheblichkeit führen sollte – aber vielleicht ist diese Annahme der Hintergrund der Kritik, der ich mich manchmal als Anthropozentriker ausgesetzt sehe. Mein Verständnis des Begriffs unterscheidet sich auch offenbar leicht von Ihrem (oder zumindest von dem, was Sie am Anfang Ihres Kommentars schrieben): es geht weniger darum, „wer der Nabel der Welt ist“ bzw. um wen sich diese dreht, sondern eher um die Linse, durch die man die Welt betrachtet. D.h., die Bedürfnisse des Menschen stehen im Mittelpunkt – was aber nicht heißt, dass ihm gleich die Fähigkeit zugesprochen werden muss, die Welt nach seinem Gutdünken zu gestalten.

    • Der Mensch darf und soll seine Menschenwelt gestalten wie er will und wie er es braucht um den Menschen zum Mass aller Dinge in dieser Menschenwelt zu machen. Doch daneben darf und soll es auch noch etwas anderes geben.

      Wann was genau, Herr Holzherr? Esoterik? Theozentrismus, gerne auch in duozentrischer Form mit dem Anthropozentrismus?

      MFG
      Dr. W

  2. Auf einer weniger abstrakten Ebene stellt uns der Bio-/Ökozentrismus vor die Notwendigkeit, zwischen menschlichen Interessen und den „Interessen“ der Natur abzuwägen (wir abstrahieren an dieser Stelle von der Schwierigkeit, Letztere zu definieren).

    Wie werden ‚“Interessen“ der Natur abgewogen‘?

    Ist es nicht so, dass wenn es um ‚menschliche Interessen‘ und um ‚„Interessen“ der Natur‘ geht, die letztgenannten Interessen immer menschliche Interessen meinen, die in besonderem Sinne der Natur gewidmet sind, die sich nur angeblich über die menschlichen Interessen stellen?

    Ähnelt der Phsyiozentrismus nicht dem Theozentrismus?

    MFG
    Dr. W

    • [Kurze Klarstellung: ZielonyGrzyb bin ebenfalls ich; habe aus Versehen meinen Blog-Namen verwendet.]

      Ist es nicht so, dass wenn es um ‚menschliche Interessen‘ und um ‚„Interessen“ der Natur‘ geht, die letztgenannten Interessen immer menschliche Interessen meinen, die in besonderem Sinne der Natur gewidmet sind, die sich nur angeblich über die menschlichen Interessen stellen?

      Darum geht es mir, unter anderem. Ich glaube nicht, dass wir so etwas wie „Interessen der Natur“ identifizieren können. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sie gar keine hat – Natur ist keine bewusste Entität, sondern ein selbstregulierendes System, das keine „Ziele“ oder dergleichen hat. Damit lässt sich ihr auch schwer ein intrinsischer Wert zuweisen, zumindest jenseits von Rhetorik – denn was soll denn konkrete Folge dieser Zuweisung sein?

      • All dies soll natürlich nicht heißen, dass Bio- und Ökozentrismus sowie Holismus keine Daseinsberechtigung hätten und Anthropozentrismus das „einzig Wahre“ wäre.

        Beispielsweise wo hat I.E. der Physiozentrismus eine ‚Daseinsberechtigung‘?

        MFG
        Dr. W

        • Das weiß ich nicht. Ich bin, wie bereits erwähnt, eher Anthropozentriker, obwohl ich zumindest den Pathozentrismus für sinnvoll im Bereich der Tierethik halte. Ich möchte den Physiozentrismus, wie Sie es nennen, nicht grundsätzlich ausschließen, ohne seine Anwendbarkeit in anderen Bereichen überprüft zu haben als in dem, über den ich mich hier ausgelassen habe – sozusagen nach dem Prinzip „in dubio pro reo“.

          • @ Herr Bartkowski :

            Ich bin, wie bereits erwähnt, eher Anthropozentriker, obwohl ich zumindest den Pathozentrismus für sinnvoll im Bereich der Tierethik halte.

            Es spricht viel dafür das Leiden von Tieren sittlich für den Menschen zu berücksichtigen, das Problem ist ausschließlich der Zentrismus.
            MFG
            Dr. W (der sich nicht umfänglich an den Aufsatz des werten Herrn Trepls erinnert, der ihn als wertvoll abgelegt hat & der zudem daran erinnert, dass Anthropozentrismus und Humanismus Hand in Hand gehen können [1])

            [1] der also im reinen Physiozentrismus wie auch im reinen Theozentrismus antihumanistische Angriffe sieht, der Katholizismus zumindest, Ratzinger hat hierzu einiges geschrieben, schließt über duozentrische Ansätze die Vernunft ausdrücklich ein, fordert bspw. auch den bewussten Glaubensentscheid

  3. Lieber Herr Bartkowski,
    ich möchte Sie gern auf einige Beiträge zum Thema Anthropozentrik in meinem Blog hier bei Scilogs hinweisen, insbesondere auf diesen, weil er Ihren Aufsatz ergänzt: „Ist anthropozentrisches Denken die Ursache der Naturzerstörung?“
    Darf ich noch fragen: worüber promovieren Sie denn und bei wem?
    Viele Grüße
    Ludwig Trepl

  4. Entgegen häufig verbreiteter Überzeugung vermag der Anthropozentrismus durchaus, weitgehenden Umwelt- und Naturschutz schlüssig und konsistent zu begründen – eine Leistung, die alternative ethische Sichtweisen vor viel größere Probleme stellt, als üblicherweise angenommen.

    Der Anthropozentrismus steht primär dem Theozentrismus entgegen, er galt als Quelle der Aufklärung und als revolutionär, er ist der Humanismus oder könnte zumindest so genannt werden. [1]

    ‚Alternative ethische Sichtweisen‘, die im Text mit einem ‚üblicherweise angenommen‘ verbunden werden, gemeint müsste hier der Physiozentrismus sein, sind vglw. neu und modisch oder neumodisch, auch wenn bspw. Pete Singer mittlerweile eine beträchtliche Schadwirkung entfalten konnte.

    MFG
    Dr. W

    [1] wie sich bspw. die Römische Kirche hierzu stellte, zumindest seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, wurde weiter oben angedeutet

  5. Auch die Affen wähnen sich wohl im Mittelpunkt der Welt und würden auf dem Planet der Affen zum Affenzentrismus (Simiozentrismus) neigen. Gerade aber weil der Mensch die ihm von der Biologie vorgegeben Grenzen überschritten hat muss er sich fragen, ob der Anthropozentrismus die richtige Haltung nicht nur gegenüber der Menschenwelt sondern gegenüber der gesamten Welt ist.
    Auf dem Planet der Affen würde folgender Text (modifziert von oben) nicht überraschen:

    Als simiozentrisch bezeichnet man üblicherweise ethische Perspektiven, die nur dem Affen einen Eigenwert (auch: intrinsischer Wert) zuweisen. Alles andere, einschließlich der belebten Umwelt, kann nur instrumentell wertvoll sein, d.h., insofern als es für den Affen gut ist.

    Anthropozentrismus und Simiozentrismus sind im Grunde genommen das gleiche und könnten als Speziesismus bezeichnet werden.

    Für mich ist der Anthropozentrismus allerdings weniger darum ein Problem, weil er die Spezies Mensch über alle anderen Spezien setzt, sondern weil der Anthropozentrismus eine Haltung gegenüber der gesamten belebten und unbelebten Welt ist und weil er meistens im Sinne des biblischen Ausspruchs «Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch.» verstanden wird. Heute wo der Mensch wirklich über die Erde zu herrschen beginnt müsste er sich folgendes überleben: Ist er (der Mensch) angesichts der Komplexität des Erdsystems nicht genauso dumm wie ein Affe, wenn es darum geht das Erdsystem in die eigenen Hände zu nehmen. Der Mensch, ein Wesen, das nicht einmal das von ihm selbst geschaffene Wirtschaftssystem versteht, soll nun über die ganze Erde herrschen und sie bis in den letzten Winkel bevölkern, gestalten und umgestalten?
    Es scheint mir ein Zeichen der Klugheit, wenn der Mensch sich eher zurückhält, wenn die Domäne, die der Mensch beeinflusst in der Zukunft nicht nur die Menschenwelt im engegen Sinn ist, sondern das ganze Erdsystem.

    Trifft zudem zu, was Dr. Webbaer oben schreibt, dass nämlich Anthropozentrismus als Gegensatz zum Theozentrismus erfunden wurde, so müsste man ein Weltbild in dem Gott an oberster Stelle steht vergleichen mit einem Weltbild in dem der Mensch an oberster Stelle steht. Von Gott ist es nicht weit zum Universum. So gesehen ist ein theozentrisches Weltbild nahe an einem holistischen, in dem der Mensch nur Teil (Geschöpf) einer weit grösseren Welt ist. Gott durch den Menschen ersetzen könnte zudem bedeuten den Menschen als neuen Gott zu betrachten. Eine recht unbescheidene Haltung und nicht ungefährlich denkt man an schon in der Antike gewählte Geschichten für Helden wie Ikarus und Prometheus , die sich Gottgleichheit anmassten.

    • @ Herr Holzherr :

      Auch die Affen wähnen sich wohl im Mittelpunkt der Welt und würden auf dem Planet der Affen zum Affenzentrismus (Simiozentrismus) neigen.

      Negativ. Es mangelt i.p. Erkenntnis und Sprachlichkeit.

      Sie könnten sich auch mit einem Stein oder einem Floh neben sich anfreunden, allein!, er wird nicht antworten.

      Die Erkenntnis ist als Veranstaltung stark an das Sprachliche gebunden.

      HTH
      Dr. W

      • Alle höheren Tiere inklusive des Menschen sehen sich wohl selbst im Zentrum der Welt. Fast zwangsläufig, denn was Tiere und Menschen antreibt sind die eigenen Bedürfnisse, die letztlich mit dem Überleben und der Fortpflanzung zu tun haben. Stirbt ein Tier oder Mensch hört die ganze Welt für dieses Tier, diesen Menschen auf zu existieren.
        Ein soziales Lebewesen wie der Mensch aber auch der Affe wird seine Gruppe als den Mittelpunkt der Welt betrachten und demensprechend darum besorgt sein, dass es seiner Gruppe gut und immer besser geht.
        Anthropozentrismus entspringt also fast schon der biologischen Ebene und ist eine ganz natürliche Haltung gegenüber der Umwelt. Wenn schon muss man staunen, dass bis vor kurzem im Glauben Vieler nicht der Mensch sondern Gott (ein virtuelles Wesen) an der Spitze der Welt stand.

        Der entscheidende Punkt ist für mich: Anthropozentrismus als Haltung, die die eigene Art an die Spitze der Welt stellt, könnte gerade für ein so mächtiges Wesen wie es der Mensch ist, zu simpel sein und sogar für die eigene Art gefährlich werden, denn mit dem Anthropozentrismus verbindet sich der Glauben, der Mensch könne die Welt beliebig nach seinen Vorstellungen gestalten. Damit aber überschätzt sich die Menschheit möglicherweise. Eine weisere Haltung wäre es, den Menschen als Geschöpf der Evolution zu sehen und zu erkennen, dass der Mensch gerade darum seine Umwelt nicht beliebig verändern sollte.

        • Warum, Herr Holzherr?

          Alle höheren Tiere inklusive des Menschen sehen sich wohl selbst im Zentrum der Welt.

          Die Konzepte ‚Zentrum‘ und ‚Welt‘ müssen dem guten Tier nicht bekannt sein. Der Selbsterhaltungstrieb könnte von ihnen gemeint gewesen sein, meint aber „nicht wirklich“ belegend für die zitierte Aussage.

          Anthropozentrismus entspringt also fast schon der biologischen Ebene und ist eine ganz natürliche Haltung gegenüber der Umwelt.

          Es handelt sich beim Anthropozentrismus wie beim Humanismus um ein moralphilosophisches Konzept, das im politischen Wettbewerb steht, auch überwunden werden könnte, mit Biologie hat dies nichts zu tun, wenn mehr als biologische Konzeptträger gemeint sind.

          Der entscheidende Punkt ist für mich: Anthropozentrismus als Haltung, die die eigene Art an die Spitze der Welt stellt, könnte gerade für ein so mächtiges Wesen wie es der Mensch ist, zu simpel sein und sogar für die eigene Art gefährlich werden

          Könnte auch bei Nicht-Vorhandensein ‚für die eigene Art gefährlich werden‘.
          Wobei anderen X-Zentrismen natürlich gehen und gingen, in der vielleicht 100.000 Jahre alten Geschichte des (höheren) Primaten.
          Die Frage „Könnte anderer X-Zentrismus gefährlich werden?“ bietet sich ergänzend an.

          , denn mit dem Anthropozentrismus verbindet sich der Glauben, der Mensch könne die Welt beliebig nach seinen Vorstellungen gestalten.

          Negativ, so kann der Anthropozentrismus nicht verstanden werden.
          Abär, so wird er angegriffen, korrekt, darum ging’s auch „ein wenig“ im WebLog-Artikel.

          HTH
          Dr. W

          • Ethische Konzepte haben oft auch Entsprechungen bei höheren Tieren, sie besitzen also eine biologisch/evolutionäre Grundlage. Dies zu: „Es handelt sich beim Anthropozentrismus wie beim Humanismus um ein moralphilosophisches Konzept, das im politischen Wettbewerb steht, auch überwunden werden könnte, mit Biologie hat dies nichts zu tun“

            Meine Behauptung: Was keine biologische Grundlage hat, das ist stärker Moden ausgesetzt und wird auch vom Menschen als weniger wichtig, betrachtet. Viele für den Menschen wichtige Dinge haben also eine biologische Grundlage. Dazu gehören beispielsweise:
            – das Tötungsverbot (bei sozialen Tieren notwendig)
            – Fragen der Gerechtigkeit (auch bei Affen gibt es einen Gerechtigkeitssinn)
            – das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit mit der Bereitschaft die eigene gegen fremde Gruppen zu verteidigen.

            Der Anthropozentrismus hat eine seiner Wurzeln wohl in diesem Gruppenzugehörigkeitsgefühl, das bei höheren, sozial lebenden Tieren zu beobachten ist. Ich sehe also eine Beziehung zwischen Anthropozentrismus und Gruppenegoismus.

          • @ Herr Holzherr und ergänzend :
            Es gibt kein ‚Tötungsverbot‘, in der Bibel nicht, Luther war hier in seiner Bibel-Übersetzung soz. extra-frei und auch die Menschenrechte in ihrer 48er-Verlautbarung nicht. [1]
            Auf das gute Tier bezogen ebenfalls nicht.

            Der Anthropozentrismus muss nicht biologistisch erklärt werden, das Gegenteil könnte der Fall sein, biologistisch wäre das Faustrecht erkennbar näher, es handelt sich hier wohl um ein Konzept des Geistes (den Tiere nicht haben oder nicht verlautbaren können), um Moralphilosophie oder im weiteren Sinne um Städtisches („Politisches“).

            Zur Ethik vielleicht noch: Diese meint die Sittlichkeit oder das Sollen, spätestens Hume hat dies hier erkannt und es findet Wettbewerb statt.

            Das Tier steht neben dem Menschen oder es wäre zumindest sinnhaft derart, wenn auf den Bestandserhalt [2] Wert gelegt wird, derart festzustellen.


            Sie müssen sich mal in einer guten Stunde hinsetzen und Ihre Ideologie und Ihre folgenden Verlautbarungsmengen prüfen, wichtich bliebe hier die Menschlichkeit oder die mögliche Abkehr davon.

            MFG
            Dr. W (der mittlerweilse verstanden hat, dass es Herrn Holzherr nicht in persona gibt, sondern eine Kunstfigur, die nicht, wie der Schreiber dieser Zeilen, klar gekennzeichnet ist – sollte dem so sein, dürfen Sie auch dbzgl. noch besser werden)

            [1] die bekanntlich nicht von allen angenommen worden ist, manche töten oder morden ja gerne bspw. im Sinne des Theozentrismus und weitgehend unreflektiert, wie der Schreiber dieser Zeilen findet

            [2] nicht ganz unwichtig dieser Punkt, der das Sollen meint, für einige vielleicht überraschend: auch den Bestandserhalt

    • Für mich ist der Anthropozentrismus allerdings weniger darum ein Problem, weil er die Spezies Mensch über alle anderen Spezien setzt, sondern weil der Anthropozentrismus eine Haltung gegenüber der gesamten belebten und unbelebten Welt ist und weil er meistens im Sinne des biblischen Ausspruchs «Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch.» verstanden wird.

      Ich wiederhole: was sie hier beschreiben, hat nichts mit dem Anthropozentrismus als solchem zu tun. Der Anthropozentrismus setzt keineswegs voraus, dass der Mensch sich die Erde zum Untertan machen müsste. Wie bereits ausgeführt. Bisher ähneln Ihre Ausführungen eher der Kritik an der umweltökonomischen Bewertung, sie sei „böse“, weil sie zu Ausbreitung von Märkten führe – was keine logische Konsequenz ihrer Anwendung ist. Wir müssen hier zwischen der Kritik am Konzept und der Kritik an dessen Umsetzung unterscheiden. Ich konzentriere mich auf Ersteres, sie scheinen am Letzteren interessiert. Also reden wir aneinander vorbei.

      Zum Anderen: wenn Sie den Anthropozentrismus ablehnen, neigen sie offensichtlich zu Physiozentrismus. Daher möchte ich Sie auffordern, zu zeigen, wieso meine Argumentation über dessen Schwäche falsch ist (was ich ja nicht ausschließe, bloß fehlt mir auch nur der Anfang eines entsprechenden Arguments in dem, was Sie schreiben).

      • Aja, Herr Bartkowski, Sie haben schon das Wichtige geschrieben, sorry, dann waren die Ergänzungen weiter oben nur redundant.
        Herr Holzherr gilt allerdings schon als verständig und um den Primaten bemüht, kA, was zurzeit geritten wird.
        MFG
        Dr. W

      • Ja, der Anthropozentrismus kann nur in Hinblick auf seine Alternativen verstanden werden. Und es gibt Alternativen, was daran erkenntlich ist, dass der Anthropozentrismus erst in der Moderne „erscheint“. Der Mensch als Mass aller Dinge (Anthropozentrismus) hat Gott vom Thron verstossen. Anthropozentrismus meinte also beim Aufkommen dieses Begriffs, dass der Mensch und sein Leben nicht einem höheren Wesen wie Gott dient, sondern sich selber.

        Was ich am Anthropozentrismus, auch an der umweltfreundlichen Form, die sie propagieren, problematisch finde, ist die Betrachtung der Umwelt und der Natur als Instrument für das menschliche Wohl, was sich auch im Begriff Ökosystemdienstleistung äussert. Ein Ökosystem ist damit gerade so viel wert wie die Dienstleistung die es vollbringt. Ein Ökosystem, das keine Dienstleistungen für den Menschen erbringt ist damit wertlos für den Menschen. Auch das ist noch kein Problem. Problematisch wird es erst, wenn aus der Wertlosigkeit für den Menschen folgen sollte, dass dieses Ökosystem ohne weitere Bedenken eliminiert werden kann.

        Klar kann man dann sagen, das Ökosystem kann auch noch aus ästhetischen und psychischen Gründen schützenswert, denn auch das dient dem Menschen.

        Ein Anthropozentrismus, der auch generationenübergreifende Weitsicht beinhaltet und der aus Vorsichtsgründen allzu massive Eingriffe in die Natur ablehnt, den kann ich durchaus annehmen. Allerdings muss man sich fragen inwieweit ein solchermassen definierter Anthropozentrismus sich von den anderen -ismen überhaupt unterscheidet.

        • @ Herr Holzherr :

          Ein Anthropozentrismus, der auch generationenübergreifende Weitsicht beinhaltet und der aus Vorsichtsgründen allzu massive Eingriffe in die Natur ablehnt, den kann ich durchaus annehmen. Allerdings muss man sich fragen inwieweit ein solchermassen definierter Anthropozentrismus sich von den anderen -ismen überhaupt unterscheidet.

          Tja, wie wohl?

          Wie unterscheidet sich wohl der Anthropozentrismus vom nackten Theozentrismus, wie vom Physiozentrismus, wie vom Duozentrismus, der Mischformen meint? [1]

          MFG
          Dr. W

          [1] Ihr Kommentatorenfreund hat sicherlich auch hier schon in dieser Feedback-Einheit des Internets exemplarisch Ratzinger ausgepackt – nichts oder nur wenig natürlich gegen Duo- oder Multizentrismen *, aber die Ratio, die des Primaten, die Vernunft, darf schon gerne dabei bleiben.

          * wenn es diesbezüglich „multi“ wird und die Vernunft eingeschlossen bleibt, kann sich der Rest vielleicht gedacht werden

        • Problematisch wird es erst, wenn aus der Wertlosigkeit für den Menschen folgen sollte, dass dieses Ökosystem ohne weitere Bedenken eliminiert werden kann.

          Sofern sichergestellt ist, dass die Wertlosigkeit nicht nur scheinbarer Natur ist und der Grund dafür in unserem Unwissen liegt (was sehr selten der Fall sein dürfte), und sofern die „Eliminierung“ einen sichtbaren Nutzen für die Menschen darstellt, sehe ich keinen Grund, daran etwas auszusetzen. Wie bereits oben angeführt, Ökosysteme sind nicht statisch, auch ohne unser Eingreifen kommen und verschwinden sie. Wieso sollte es schlimm sein, wenn wir diejenigen sind, die das Verschwinden in einem konkreten Fall herbeiführen?

          • Herr Bartkowski, sie sagen also „Das Klima hat sich schon immer geändert“, warum sollten wir Menschen das Klima dann nicht ändern.“
            Genau auf das läuft ihre Aussage hinaus:

            Ökosysteme sind nicht statisch, auch ohne unser Eingreifen kommen und verschwinden sie. Wieso sollte es schlimm sein, wenn wir diejenigen sind, die das Verschwinden in einem konkreten Fall herbeiführen?

            Was sie hier vergessen ist folgendes: Der Mensch hat als natürlichen Zeitmasstab die Dauer einer menschlichen Generation, geologische Zeiträuem oder Zeiträume die die Lebensdauer von Ökosystemen bestimmen sind meist sehr viel länger. Wenn nun der Mensch auf seine Umwelt seine eigenen Zeitmasstäbe anwendet, dann ignoriert er die Umwelt im Prinzip und wird über kurz oder lang die ganze Erde radikal umformen.

          • Lieber Herr Holzherr, so kommen wir nicht weiter. Das Klima würde ich nicht ändern wollen, gerade weil es aus Sicht der Menschen keine gute Idee wäre. Der Mensch (homo) mag als „natürlichen“ Zeitmaßstab die Dauer einer menschlichen Generation haben, da wir uns aber noch zusätzlich sapiens schimpfen und gar die Ethik erfunden haben, kann man von uns ruhig verlangen, dass wir auch weiter in die Zukunft schauen.

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