Alles nur halb so schlimm? Oder: Warum Klimaschutz vor Klimaanpassung gehen muss!

Acatech legt ein Gutachten zu Klimaschutz und Klimaanpassung vor, dass die Risiken des Klimawandels für Deutschland klein redet und die wirtschaftlichen Chancen einer Anpassungsstrategie betont. Eine Strategie der Klimaanpassung hat aber klare physikalische und ökonomische Grenzen und kann uns nicht aus der Blockade in der internationalen Klimapolitik heraus helfen.

Das Positionspapier der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) war bereits im Vorfeld der Veröffentlichung am letzten Montag in den Medien heftig kritisiert worden, nachdem vier prominente Klimawissenschaftler aus dem Kreis der Gutachter unter Protest ausgetreten waren. Dabei ist die Kernbotschaft des Berichts eigentlich höchst sympathisch: „Die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland sind nach dem derzeitigen Wissensstand für die kommenden Jahrzehnte grundsätzlich beherrschbar. Es werden hierzulande keine klimatischen Randbedingungen auftreten, die nicht bereits in anderen Regionen der Erde existieren und in der Regel bewältigt werden. Gleichzeitig ergeben sich aus dem Klimawandel auch Chancen, die es zu nutzen gilt. Diese Maßnahmen sind der Öffentlichkeit allerdings noch zu wenig bekannt.“ Deutschland für das Thema Klimaanpassung zu sensibilisieren, ist daher das Anliegen der POSITION, wie Acatech Präsident Reinhard Hüttl bei der Vorstellung betonte.

Eigentlich ein lobenswertes Anliegen angesichts einer erheblichen „Blindheit“ vor allem in der Wirtschaft für die Gefahren des Klimawandels und die Notwendigkeit einer frühzeitigen Klimaanpassung. Leider wird dieses Anliegen in dem Bericht immer etwas merkwürdig ausgedrückt und lässt damit Raum für Missverständnisse: Die Folgen eines ungebremsten Klimawandels seien gar nicht so gravierend und beträfen Deutschland nur am Rande. Auch die im Bericht geäußerte Vermutung, „eine stärkere Fokussierung auf Anpassungsthemen verändere die Verhandlungspositionen und die Verhandlungsstärken der Teilnehmer an internationalen Klimagipfeln und könne (so) die Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens von internationalen Klimaabkommen erhöhen“, erweist sich bei näherer Betrachtung als unbegründet. Es gibt klare physikalische und ökonomische Grenzen der Anpassung, auch in Deutschland, und die gleichrangige Behandlung von Klimaschutz („Mitigation“) und Klimaanpassung („Adaptation“) führt in den internationalen Verhandlungen in ein soziales Dilemma.

Grenzen der Anpassung

sonne klima

Wie sieht eine +4°C-Welt aus? Foto: André Künzelmann/UFZ

Die Autoren des Berichts zeichnen ein pessimistisches Bild der internationalen Klimaverhandlungen: „Aktuell stehen die Chancen für den Abschluss eines Weltklimaabkommens schlecht. Zu groß sind die Anreize der Einzelstaaten, sich eigennützig zu verhalten. Das zeigen die geringen Fortschritte, die sich auf den Weltklimagipfeln seit Kyoto erzielen ließen.“ Parallel zur bisherigen Politik der Emissionsminderung soll sich Deutschland deshalb auf einen Klimawandel einstellen und vorbereiten. „Selbst wenn (nämlich) die Versuche einer internationalen Kooperation in der Klimapolitik scheitern“, so die Autoren, „bestehen gute Aussichten, durch eine wirksame Anpassungspolitik auf nationaler Ebene sowohl negative Auswirkungen zu mildern als auch neue Möglichkeiten und Chancen zu nutzen“. Dabei müssten Änderungen der globalen Durchschnittstemperatur von bis zu + 4°C (gegenüber dem vorindustriellen Niveau) beim gegenwärtigen Verhandlungsstand in Kauf genommen werden.

 

Doch wie sähe eine +4°C-Welt aus? Diese Frage wurde bislang in der Klimawissenschaft nur gestreift. Es gibt nur wenige systematische Studien hierzu. Und auch die der deutschen Anpassungsstrategie zugrunde gelegten Klimaszenarien gehen von moderaten Emissions- und Temperaturänderungsszenarien aus. Nur wenn man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit der Einhaltung des 2-Grad-Ziels rechnet, sind daher auch die Folgen der Klimawandels „grundsätzlich beherrschbar“. Daran ändert der sybillinische Hinweis in der Studie, dies gelte „in den nächsten Jahrzehnten“ nichts, denn die Folgen eines ungebremsten Klimawandels treffen uns ohnehin erst in der ganzen Härte zur Jahrhundertmitte, sind dann aber irreversibel.

Die EU hat im aktuellen Rahmenprogramm der Forschung die Analyse von „high end“- Szenarien der Emissions- und Klimaänderung ausgeschrieben. Aber schon vor einigen Jahren haben die Wissenschaftler der britischen Royal Society festgestellt: „ Eine Klimaänderung von+ 4°C wäre ein nie da gewesener Wandel in einer Welt mit Menschen.“ In einer +4°C-Welt sind regionale Änderungen von bis zu +7,5°C und mehr zu erwarten; werden „Kipppunkte“ des Klimas wie die Methanfreisetzung aus Permafrostböden erreicht, die uns in einen mit konventionellen Mitteln nicht mehr zu beherrschenden Klimawandel führen. Der Meeresspiegel würde nicht um Dezimeter steigen (wie in der Acatech-Studie angenommen), sondern um bis zu zwei Meter. Die Kosten für Anpassung würden explodieren. Nach einer Studie von Nicholls et al. (2011) wären Küstenschutzaufwendungen in Höhe von mindestens 270 Milliarden USD pro Jahr unter diesen Umständen nötig, wenn man nicht weite Flächen (1,789 Millionen km2 an Küstenfläche) aufgeben würde. Zum Vergleich: Heute schätzt die Weltbank die Kosten der Anpassung in allen Sektoren, d.h. nicht nur im Küstenschutz, auf 70 bis 140 Milliarden USD pro Jahr. Schon aus ökonomischen Gründen müssen wir uns daher für eine Begrenzung der Anpassung durch eine Begrenzung der Ursachen des Klimawandels aussprechen. Der Stern-Bericht hat dies eindrucksvoll bereits vor einigen Jahren (2006) dargelegt.  Er ist aktueller denn je, denn Stern legt Temperaturänderungen von bis zu + 3° C in den Berechnungen zugrunde. Hinzu kämen die Migrationsfolgen durch die Verschiebung der Vegetationsperioden und einer Ausbreitung der Wüsten in Afrika. Diese würden uns nicht mehr nur „am Rande Europas“ betreffen wie in der POSITION behauptet. Der lapidare Hinweis, „Migration über weite Distanzen sei kostspielig und stelle deshalb für arme Bevölkerungsgruppen kaum eine Option dar“, hilft hier nicht.

Eine Strategie der Anpassung darf daher nicht als Freibrief für einen Verzicht auf das Zweigradziel gewertet werden! Das betonte das Autorenteam entsprechend am letzten Montag in Anwesenheit von Staatssekretärin Katherina Reiche (BMU) und der Presse – leider aber nicht immer in der nötigen Klarheit und Unmissverständlichkeit in der Studie.

Strategie der Adaptation gefährdet internationale Verhandlungen

Das Zusammenspiel von Klimaschutz- und Klimaanpassungszielen in internationalen Verhandlungen ist bisher unzureichend erforscht. Die Wirtschaftswissenschaften haben dazu ein Instrumentarium, die sogenannte Spieltheorie, entwickelt, das aber erst in den letzen Jahren systematisch auf diesen Zusammenhang angewandt wurde. Dabei dominieren noch immer sehr vereinfachende Annahmen über das Verhalten von Akteuren in internationalen Verhandlungen. In der Acatech-Studie wird ein Ergebnis von Zehaie (2009) zitiert, demzufolge die Einführung von Anpassungsthemen „die Verhandlungspositionen und die Verhandlungsstärken der Teilnehmer an internationalen Klimagipfeln verändern und (so) die Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens von internationalen Klimaabkommen beeinflussen können“. Das wurde von den Ökonomen im Team der Acatech bereits Jahre zuvor in Gutachten für das Wirtschafts- und das Finanzministerium konstatiert – es ist aber fundamental falsch.

Das wissen wir schon aus Jean-Jacques Rousseau’s „Diskurs zum Ursprung und Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“. Rousseau beschreibt darin eine Hirschjagd: Zwei Jäger lauern im Wald. Sie planen gemeinsam einen Hirsch zu erlegen, was Ihnen aber nur gelingen kann, wenn sie kooperieren. Kommt nun ein Hase vorbei, den jeder auch alleine erlegen kann, kommt es bei Rousseau immer zur Defektion. Jeder zielt nur noch auf die leichte Beute, den Hasen. Rousseau benutzt diese Parabel um zu zeigen, dass es in der Natur des Menschen liegt, nicht zu kooperieren, obwohl das für alle Beteiligten schlechter ist. Übertragen in den Klimaschutz heißt dies: Wenn jeder auf die (scheinbar) leichte Beute  Klimaanpassung zielt, weil der Klimaschutz die große gemeinsame Anstrengung der globalen Emissionsbegrenzung verlangt, gehen wir am Ende alle leer aus. Denn wenn wir uns, weltweit und unbegrenzt, auf Klimaanpassung einstellen, wird es zu globalen Klimaänderungen kommen, wo die kleine Lösung (Anpassung bzw. der Hase) uns nicht einmal mehr satt macht. Anpassung wird uns nicht mehr in einer +4°C-Welt helfen bzw. wird spätestens dann ökonomisch so teuer, dass die Kooperation ein mögliches und durchaus realistisches Ergebnis des Zusammenspiels sein kann. Das verlangt eine klare Bindung an eine Strategie der Mitigation.

 

Reimund Schwarze ist Klimaexperte im Department Ökonomie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Als Professor für Volkswirtschaftslehre hält er Vorlesungen an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Seine Forschungsschwerpunkte sind ökonomische und juristische Untersuchungen zur Klimapolitik. Er beobachtete in den letzten Jahren die Klimakonferenzen der UNO und berichtete davon im UFZ-Klimablog.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. +4 Celsius: Into Unkown Territory

    Richtig: Auf eine +4°C-Welt kann man sich nicht vorbereiten, denn wo sich was genau ändert bei einem solchen mittleren Temperaturanstieg wird Spekulation bleiben. Von einem Wiederergrünen der Sahara über ein Ausbleiben des Sommermonsuns in Indien bis zur Bildung neuer Wüsten ist wohl alles möglich. Dass Deutschland mit grosser Wahrscheinlichkeit gut wegkommt – relativ zu vielen anderen Ländern – kann da kein Kriterium mehr sein. Es geht hier um ein globales Problem, das nach einer globalen Lösung verlangt.

    Allerdings sind nicht alle Länder gleichwichtig bei der Mitigation, also der Reduktion des Treibhausgasausstosses. Besonders wichtig sind diejenigen Länder, die jetzt oder in naher Zukunft grosse Treibhausgasmengen emittieren, also die USA, China und Indien. Eigentlich müsste vor diesem Hintergrund eine andere Strategie gefahren werden also sie heute vorherrscht. Im Rahmen der internationalen Klimaverträge verpflichtet sich jedes Land zu einer gewissen Emissionsreduktion und führt diese dann eigenständig aus. In Anbetracht der Globalität des Problems und der ungleichen Verteilung der Klimasünder, wäre eine ganz andere Strategie angezeigt, nämlich eine Konzentration auf die Hauptemittenten. Länder wie Deutschland und andere industrialisierte, wohlhabende Länder sollten die Hauptemittenten technisch und eventuell auch ökonomisch unterstützten beim Übergang zu einer Low-Carbon Ökonomie. Dies könnte eventuell sogar zu geringeren Kosten erreicht werden als die heimische Emissionsreduktion. Leider steht das starke Souveränitätsstreben der betreffenden Länder, also USA, China und Indien solch einer Lösung im Wege. Ich bin aber überzeugt, dass ein globales Problem, wie es das Treibhausgasproblem ist, tatsächlich globales Kooperieren nötig macht und zwar in einem viel stärkeren Masse als es heute üblich ist.

  2. Binsenweisheit

    Zur menschlichen Anpassung an die Umwelt hat es immer gehört , die Rahmenbedingungen auch aktiv zu beeinflussen und nicht nur abzuwarten , was so auf Einen zukommt.

    Warum sollte das beim Klima anders sein , selbstverständlich geht es nicht nur darum , sich an den nicht mehr vermeidbaren Anstieg anzupassen , sondern noch viel mehr darum , die weitere Verschlechterung der Klimaumstände aktiv zu vermeiden.

    Sichtweisen wie in der Studie sind schlicht nicht überlebensfähig , das Ganze riecht stark nach Lobbyismus.

  3. Ein heikles, unangenehmes Thema.
    Ich glaube den wenigsten Menschen ist wirklich klar was auf dem Spiel steht. Viele wollen es gar nicht so genau wissen, oder verdrängen erfolgreich. Folglich ist es für eine politische Führung auch schwierig sich für entsprechende Maßnahmen einzusetzen. Wenige haben die Gabe komplexe Sachverhalte einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu erklären. In Deutschland sind Rangar Yogeshwar und Harald Lesch die Ausnahmen. Aber auch die müssen um Quoten ringen.

    Zur Problematik gehört auch das von Thomas Grüter thematisierte Dillemma der Allmende.

    Mit globalen Regelungen, die zum angemessenen, nachhaltigen Umgang mit fossilen Brennstoffen führen würden, ist weltweit wohl nicht so bald zu rechnen. Leider stehen auch noch jede Menge fossiler Brennstoffe zur Ausbeutung bereit. Neue Techniken erlauben den Abbau gigantischer, bislang unzugänglicher Erdgasvorkommen. Von den bekannten Kohlevorkommen mal abgesehen.

    Bleibt die Hoffnung durch technische Neuerungen den Preis für nachhaltige Energien so weit wie möglich zu drücken um mit den fossilen konkurrieren zu können. (natürlich einschließlich Speicherung und Verteilung). Diese Chance besteht durchaus.

    Weiters kann man einen Paradigmenwechsel bei Logistik und Produktionsprozessen anstreben welche Wiederverwendung und Langlebigkeit energieintensiver Produkte in den Vordergrund stellt.

  4. nie da gewesen?

    „Eine Klimaänderung von+ 4°C wäre ein nie da gewesener Wandel in einer Welt mit Menschen.“
    Ich bin zwar kein Fachmann, aber war der Temperaturanstieg nach der letzten Eiszeit nicht wesentlich größer? Der Meeresspiegel soll um 100!!! m angestiegen sein … Wäre nett, wenn Sie mich aufklären könnten.

  5. Graue Energie

    Deutschland und andere „führende Industrienationen“ stehen mit ihrer sog. Klimaschutzpolitik hauptsächlich deswegen gut da, weil Produktionsprozesse mit hohem Schadstoffausstoß, bzw. (fossilem) Energieeinsatz in „Schwellenländer“ wie bspw. China verlagert wird. Vergleichbare Vorgänge lassen sich z.B. auch bei der Fleischproduktion in Südamerika, bei der „Entsorgung“ toxischer Abfälle in Westafrika oder der Herstellung billiger Kleidung in Südostasien erkennen, um nur einige zu nennen.
    Dafür können wir uns hier gemütlich zurücklehnen, auf unsere tolle Klimabilanz verweisen und mit dem Finger auf die Umweltsünder zeigen, die für die Nichteinhaltung des Zwei-Grad-Limits (und weitere ökologische und soziale Schweinereien) verantwortlich zeichnen.

  6. Mitigation wäre nötig, Adaption passiert

    Es ist besser einen Unfall zu verhindern, als mit den Folgen zu leben – sich also anzupassen.
    Dennoch passiert genau das, wir erleiden einen lange schon angesagten slow-motion-Unfall (denn er ereignet sich gerade jetzt ist aber erst in vielen Jahrzehnten zu Ende) und anstatt dass wir das Unfallgeschehen unterbrechen nehmen wir die Unfallfolgen in Kauf und bereiten uns schon mal auf schlimmeres vor.
    Nur vor dieser Realität ist ein Papier, wie das hier besprochene Positionspapier überhaupt möglich.
    Es herrscht die Annahme vor, Anpassung sei biliger als der Ausstieg aus den Kohlewasserstoffen. Das wird zwar nicht immer offen ausgesprochen, spielt aber implizit mit, wenn China beispielsweise in Klimaverhandlungen als Argument vorbringt, China habe genau das gleiche Recht sich mit Energie zu versorgen wie das die Industriestaaten schon getan haben. Dieses Argument wird jedoch erst darum stichhaltig, weil es bis jetzt keine Energiealternativen gibt, die ebenso kostengünstig sind wie es für China die selbst geförderte Kohle ist.
    Aus diesen Gründen müsste das Klimaproblem und der Ausstieg aus den Kohlewasserstoffen von mehreren Seiten parallel angegangen werden. Heute wird viel zu stark nur die Verhandlungsschiene verfolgt. Parallel müssten auch viel mehr Anstrengungen in die Entwicklung von Alternativen zu Kohlewasserstoffen investiert werden und zwar nicht nur national, sondern auch international. Es sollte sogar eine UNO-Agentur analog zur IAEA geben, die jedoch für Kohle, Erdgas und Erdöl zuständig wäre mit dem Ziel aus diesen Energien auszusteigen und alle Anstrengungen in diese Richtung zu koordinieren. Ein guter Name für so eine Agentur wäre ICE-Agency für International Coal Exit Agency.

    Zudem sollten alle möglichen Technologien für den Ausstieg aus den Kohlewasserstoffen verfolgt werden, nicht nur die von den meisten favorisierten erneuerbaren Energien, sondern auch die Nuklearenergie. Bei den erneuerbaren Energien sollte zudem der Blickwinkel viel mehr auf Gesamtenergiesysteme gerichtet werden als auf die Zahl der Windturbinen oder der Solarpanel. Das Rückgrat von EE dominierten Systemen, die mit heutiger Technologie kostenoptimal ausgestaltet sind, ist ein grossräumiges Stromverbundnetz. Solche Netze sollten in Form von Supergrids (in HGÜ-Technologie ausgeführt) ganze Kontinente überspannen, womit sich auch sehr viele Länder oder sogar alle Lànder daran beteiligen könnten.

    Entscheidend ist also eine Internationalisierung nicht nur auf Verhandlungsebene sondern auch auf der Ebene der technischen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit und in Form beispielsweise eines global geltendenen Kohlenstoffpreises. Im Moment sind wir noch weit davon entfernt. Das hängt auch damit zusammen, dass Temperaturzunahmen wie 4°C bis jetzt nur Szenarien/Prognosen sind und zudem die Unsicherheit über die negativen Auswirkungen solcher Veränderugen gross ist.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Haltung der Länder und Menschen zum Klimawandel erst dann ändert, wenn bereits deutliche negative Veränderungen festzustellen sind, die eindeutig dem Klimawandel zuzuordnen sind. Da das vielleicht erst in 20 Jahren der Fall ist, besteht die Gefahr, dass viel Zeit verlorengeht. Mindestens die Forschung und Technologie um eine Mitigation kostengünstig zu ermöglichen sollte deshalb jetzt mit Hochdruck weiterentwickelt werden.

  7. Lieber Herr Piepke,

    die Temperaturschwankungen in den Eiszeiten betrugen in der Tat mehr als 4°C. In der letzten großen Eiszeit lag z.B. die Januarmitteltemperatur Deutschlands bei ca. -20 °C, heute bei 0,3 °C. Allerdings gab es zu dieser Zeit noch keine menschlichen Hochkulturen wie wir sie heute haben, geschweige denn sieben Milliarden Menschen. In der aktuellen Warmzeit haben wir auch klimageschichtlich beträchtliche Schwankungen, die aber nicht mehr als +/-1 °C umfassen. Die Menschen haben sich immer in irgendeiner Weise daran angepasst. Aber die „Anpassungen“ waren manchmal schmerzhaft. Z.B. sank die Temperatur nach der mittelalterlichen Warmzeit, die auch „mittelalterliches Klimaoptimum“ genannt, um bis zu 0,4°C in unseren Regionen, so dass die Besiedlung Grönlands durch die Wikinger aufgegeben werden mussten. Manche verbinden auch die Völkerwanderungen um 370 bis 570 n. Chr. nach dem „Optimum der Römerzeit“ mit den sich verschlechternden Klimabedingungen. Aber auch diese Temperaturschwankungen bewegen sich in einem Fenster von +/-1 °C. Heute verfügen wir sicher über bessere Anpassungstechniken als die „Barbaren“ der Nachrömerzeit oder die Wikinger, aber schon heute beschäftigt sich das Planungsamt der Bundeswehr (PDF, rund 5MB) mit den Implikationen für Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten und Nordafrika des prognostizierten Klimawandels. Zu den Entwicklungen des Meeresspiegels bei einer so drastischen Änderung wie 4°C finden Sie mehr in dem von mir zitierten Beitrag von Nicholls et al. (2011).

    Vielen Dank für Ihr Interesse.

  8. Danke für die Reaktion …

    … Herr Schwarze.
    Der Satz kam ja auch nicht von Ihnen.
    Dennoch ist die Aussage: „„Eine Klimaänderung von+ 4°C wäre ein nie da gewesener Wandel in einer Welt mit Menschen“, schlicht falsch und sollte aus Gründen der intellektuellen Redlichkeit einfach vermieden werden.
    Das kommt eher wie Propaganda daher und spielt den Klima-Leugner in die Karten (den Begriff Klima-Skeptiker mag ich in diesem Zusammenhang überhaupt nicht, denn Wissenschaft ist dringend auf Skepsis angewiesen, um zu guten Ergebnissen zu gelangen).
    Dass 4° bei der aktuellen Bevölkerungsdichte ungleich verheerendere Auswirkungen für die Menschen hätte, ist klar.

  9. Danke für Ihren Kommentar

    … Herr Piepke, ich gebe Ihnen recht, solche Zuspitzungen sollen wir zur Überwindung der unseeligen Lagerbildung – „Leugner“ vs. „Übertreiber“ – vermeiden.

  10. Klimapolitik-Szenarien

    Wir sind uns Klimawandelszenarien gewöhnt, wissen wohl aber auch um wahrscheinliche Klimapolitk-Szenarien:

    1) Zu erwartende CO2-Emissionen bis 2030
    – 2012-2020: Keine Abnahme der CO2-Emissionen (sehr hohe Wahrscheinlichkeit, > 99%)
    – 2012-2020: Gleicher Anstieg (+-0.5%) der CO2-Emissionen wie 2000-2010 ( hohe Wahrscheinlichkeit, 90-99%)
    – 2020-2030: Keine Abnahme der CO2-Emissionen ( hohe Wahrscheinlichkeit, 90-99% Chance)

    2) Zu erwartende Klimapolitik 2030-2050
    – 2030-2050: Mehr als 50% der Menschheit glaubt zunehmend an schwerwiegende Folgen der Klimaerwärmung ( wahrscheinlich, 66-90% Chance)
    – 2030-2050: Die CO2-Emissionen erreichen ihr Maximum ( wahrscheinlich, 66-90% Chance)

    3) Zu erwartende Klimapolitik 2050-2080
    – 2050-2080: Die CO2-Emissionen sinken ( wahrscheinlich, 66-90% Chance)
    – 2050-2080: Die Auswirkungen der Klimaerwärmung verstärken sich ( hohe Wahrscheinlichkeit, 90-99% Chance)
    – 2050-2080: Regionales Geoengineening wird eingeleitet um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels wie schnellen Meerspiegelanstieg zu dämpfen wahrscheinlich, 66-90% Chance)

    3) Zu erwartende Klimapolitik 2080-2110
    Die Folgen der globalen Erwärmung sind immer noch deutlich zu spüren und eine baldige Entspannung nicht zu erwarten (sehr hohe Wahrscheinlichkeit, > 99%)

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