Venustransit und die Bestimmung der AE

gestern wurden endlich die Daten ausgewertet, die wir im Juni unter Mühen aufgenommen. Es trafen sich Schülerinnen und Schüler, Lehrer, Jugendleiter und Studierende aller unserer Jugendexpeditionen an der Universität Hildesheim und werteten gemeinsam die Daten vom Venustransit aus.

Nochmal zur Erinnerung: Es waren Leute in Sibirien und in Tromsø. Außerdem erhielt ich gemessene Kontaktzeiten von zwei Berliner Sternfreunden, die den dritten Kontakt gesehen und gemessen hatten.

Auf meiner Webseite exopla.net habe ich die gedanklichen Schritte und das Material für diesen Workshop gesammelt zusammengestellt. Die Seite befindet sich noch im Aufbau, aber Sie können es trotzdem gern selbst ausprobieren, die Astronomische Einheit zu bestimmen! (-: Have fun! 🙂

Unsere Ergebnisse:

Wenn wir mit einer sehr ungenauen Methode des Bildervergleichs von zwei gleichzeitigen Aufnahmen an verschiedenen Orten arbeiten, erhielten wir als Mittelwert 131 Mio km.

Mit der Delisle-Methode unter Verwendung der am Bildschirm gemessenen Kontaktzeiten vom Video erhielten wir im Vergleich mit den Tromsøer Daten 142 Mio km im Mittel.

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Zu tun wäre jetzt noch: Die Bestimmung der Fehler dieser Messgrößen. Das haben wir nämlich in der Kürze der Zeit leider noch nicht geschafft.

Tatsächlicher Wert mit Radarmessungen ist im Mittel: 149.6 Mio km (siehe z.B. Wikipedia) und laut Ephemeride war die Entfernung konkret am 6. Juni 2012 anlässlich der bevorstehenden Aphel-Stellung der Erde 151.809 Mio km (1.014766 AE).

Wir können also lediglich sagen, dass unsere Abschätzungen von diesem modernen Tabellenwert um ca. 5% abweichen. Encke hatte im Jahre 1822/24 eine nur leicht geringere Messunsicherheit für seine Kalkulation angegeben. Sogar unser ungenauerer erster Wert vom Bildvergleich weicht nur um 13% vom Tabellenwert ab. Das ware zwar im Labor meistens keine besonders gute Messung, aber für die Anforderungen an die Methode, eine erste und sehr einfache Abschätzung zu sein, ist es schon ein recht stattliches Ergebnis.

Stimmungen – Atmosphäre

Diesen kleinen Film (ca. 4 min) haben Hildesheimer Schüler in Krasnojarsk während des Transits gedreht. Sie haben ihn bei unserem Treffen auch vorgeführt.

Die Atmosphäre bei unserem Workshop war ähnlich nett: Am Nachmittag wurde bei schönstem Sommerwetter im Freien verbracht und durch ein wenig Erlebnispädagogik vollendet. Nach einem gemütlichen Grillabend ging es dann noch zum Sternegucken bis Mondaufgang.

Der folgende Clip wurde im russischen Fernsehen ausgestrahlt. Ich habe ihn erst jetzt von einem der Jugendlichen bekommen, denn leider habe ich nicht jeden Bericht über uns.

Aufgrund der eifrigen Reportagen russ. Journalisten kam es, dass bereits bei unserer Ankunft in Novosibirsk unsere dortigen Freunde aus dem Fernsehen wussten, welche Eskapaden wir durchgestanden hatten.

 


 

Gimmick:

Hildesheim selbst hat die Kontakte der Venus mit dem Sonnenrand leider unter Wolken erlebt und konnte keine Zeiten messen. Hier ist ein sehr hübsches Foto eines daheim gebliebenen Hildesheimer Sternfreunds (wenngleich leider verwirrend „verdreht“, so dass man denkt, es wäre schon 8 Jahre alt).

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" [abgewandelt: John Miles, http://www.youtube.com/watch?v=egwARrX1ik8 ] Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte und anschl. Medienwissenschaften, Physikdidaktik & Philosophische Anthropologie als Promotionsstudium. Sie ist seit 1998 freiberuflich als Astronomin und zeitweise auch als Dozentin für Physik tätig. Derzeit erforscht sie die Wurzeln der abendländischen Astronomie. Aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Frühere Arbeitsschwerpunkte waren * in Astrophysik: Stellarphysik; Mikrogravitationslinsen & Exoplaneten (1. Diplomarbeit); * in Technik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2. Diplomarbeit). * in Astronomie- und Physikdidaktik: Aufbau und Entwicklung einer überregionalen außerschulischen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit in Deutschland und im Rahmen des internationalen Jugendaustausches [Mitbegründerin des Astronom. Sommerlagers (ASL), VdS-Jugendreferentin, Initiatorin und Gründerin der VEGA e.V., Begründerin der Berliner SpaceCamps, Gründerin von Astronomie+Raumfahrt-Austauschprogrammen mit Russland und Kasachstan, Zusammenstellung von Lehreinheiten online auf www.exopla.net , historische Methoden zur Vermessung der Welt nachvollziehbar auf Schulniveau] und gleichzeitig in Philosophie/ Medienwissenschaft: Lingua sine Limitibus - Sprachen der Populärdidaktik und transkulturelle Kommunikation (bildliche Sprachen und Visualisierungen, Astronomiekarawanen in Mauretanien, Hotelsternwarte in Portugal). * während Abitur und 2x Doppelstudium finanzierte sie sich als Freiberuflerin [siehe www.urania-uhura.de] durch Popularisierung der Wissenschaften in vielen Medien. In Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter erhielt sie 2006 einen Tourismuspreis. Aktuell erforscht sie durch Analyse von Gestirnlisten in Keilschrift und Altgriechisch durch computergestützte Datenanalyse die Zusammenhänge der babylonischen mathematischen Astronomie mit der hellenistischen Astronomie.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Wie man’s auch machen kann

    Ein weiteres Beispiel einer derartigen Auswertung ist auch gerade erschienen, leider gleichfalls ohne dezidierte Fehlerbetrachtung. Die ist aber wirklich – auch didaktisch! – unverzichtbar: Was nützt mir ein tolles Ergebnis, wenn ich keine Ahnung von dessen Zuverlässigkeit habe? Die einfachste Methode ist, die Unsicherheit der Ausgangszahlen abzuschätzen, die möglichen Extremwerte in die Endformel einzusetzen und zu beobachten, wie das Resultat „ausschlägt“. Ist zwar nicht die feine mathematische Art, liefert aber wertvolle Hinweise auf die Größenordnung der Fehlerbalken.

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