Riesenfernrohr in Rathenow demontiert

Diese Woche begannen mit dem Advent die Demontage-Arbeiten am bisherigen Standort des Riesenmedials. Die Objektivlinse befinde sich derzeit zur Wartung in den Hallen von Zeiss, sagt man, während die Montierung noch vor Weihnachten am neuen Platz stehen soll – falls das Wetter mitspielt.

Montierung des Medials Zwei freundliche Mitarbeiter einer Rathenower Firma arbeiteten heute trotz Wind und Schnee fleißig am Bau. Sie sind sehr stolz auf ihre Arbeit: "ist mal was anderes, eine echte Herausforderung" sagten sie mir, denn ihr normaler Alltag ist von Kanal- bis Gartenbau alles mögliche, nur keine Fernrohre. Und nun haben sie die Aufgabe, ein solches Prachtstück zu versetzen: Einzigartig in der Welt und das größter seiner Art.

 

Mediale sind eine echte Rarität zwischen den omnipräsenten Refraktoren und Reflektoren!  

Das Riesenmedial in Rathenow soll nach langen Verhandlungen binnen dieses Winters vom Schulhof der Bruno-H-Bürgel-Schule in den Optikpark versetzt werden. Dort soll es ab April der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Ich werde natürlich weiterhin in den kosmologs von den Arbeiten berichten. Vielleicht gibts schon zum Nikolaus den nächsten Teil der Geschichte. 🙂

 

Vergleichsdarstellung:

Das Bild links habe ich im Mai 2008 aufgenommen, das Bild rechts ist von heute früh.


Diese kosmologs-Notiz ist übrigens der erste öffentliche Bericht über die Aktion! – Dank uns Astronomen gibt’s jetzt sogar eine offizielle Pressemitteilung des Optikparks!

kosmologs-Leser wissen eben mehr!  

Wink

 

1/2 Riesenfernrohr zum Nikolaus…

 (zusammengefasste Beiträge; dieser vom 6/12/2008 19:50)

… gab es heute für den Rathenower Optikpark. Um 8 Uhr morgens ging es los an der Bruno-H-Bürgel-Schule. Im Beisein von Schaulustigen und der Lokalpresse wurden die schweren Einzelteile von Montierung und Fuß auf zwei Sattelschlepper verladen. Der Siebentkläßler Mark vertritt die Schülerschaft zu dieser frühen Stunde, denn der Film-Kurs will den Transport dokumentieren. Die Schüler sind durchaus ein bißchen traurig, dass dieses Gerät jetzt ihren Schulhof verlässt: "Es war immer ein schöner Empfang, wenn man morgens herkommt", sagt der astronomie- und technikinteressierte Junge.

Voller Vorfreude ist hingegen der Leiter des Optikparks, Herr Lemle, der das Prachtstück künftig verwalten wird. Der Technik-Expert, Herr Ortmann, der das Gerät zu den seltenen Vorführungen oft bediente und auch schon mal komplett mitzerlegt hat, spaziert nachdenklich im alten Fundamentsockel, der vor ungefähr zwölf Jahren im Rahmen der ersten großen Umsetzaktion gefertigt worden war. Vielen Anwesenden treiben nicht nur die Kälte, sondern auch das hochexplosive Emotionsgemisch aus Aufregung und Sorge, dass alles gut geht Tränen in die Augen.   

Bruno-Bürgel-Schule Rathenow

 

Anschließend fuhr der Schwertransport mit Polizei-Eskorte durch die Stadt.

Am anderen Ende des Ortes, bog man an einem Sportplatz ab und erreichte den Saum des Optikparkes (ich hatte im Sommer bereits darüber berichtet). Dort am südlichen Ende ist das Fundament aus Beton schon seit Ende November fertig und wartet auf das Riesenmedialfernrohr. Es soll in der kommenden Woche erst der Fuß daraufgesetzt und in der Höhe justiert werden. Danach kommt die Montierung und schlussendlich dann das Fernrohr.

am Optikpark

 

Herr Lemle, der Leiter des Optikparks, streichelt das Fundament und fiebert bei jedem Akt mit: Ein bißchen aufgeregt ist er durchaus, aber er vertraut seinen Leuten: "die können gut mit dem Kran umgehen, die machen das ja täglich – ich kann ja auch perfekt einen Kugelschreiber bedienen" (diese Behauptung hat er mir ca 20 min nach dieser Aussage unmittelbar bewiesen).      
 
An seinem neuen Standort wird das Fernrohr freie Sicht nach Süden haben – man muss nur dafür sorgen, dass der Sportplatz seine Flutscheinwerfer ausschaltet. Es sind aber definitiv keine Bäume und keine Wohnhäuser im Blickfeld: Am südlichen Stadtrand ist das nächste Bauelement eine Bahntrasse in recht weiter Entfernung: ein wirklich guter Platz!

 

 animation (SMH)

 

Ein bewegender Tag – für die Geräte und die Menschen!  

Kein Wunder, dass ich die ganze Nacht davor nicht schlafen konnte: Man erlebt ja nicht alle Tage, dass ein weltweit einzigartiges Fernrohr von solchem Ausmaß quer durch die Stadt transportiert wird. Dabei hat die Aktion heute nur ungefähr 4 Stunden gedauert.

 


Weitere Berichte werden nächste Woche erfolgen: Das Fernrohr soll ja zu Weihnachten schon stehen… falls das Wetter so mitspielt wie heute früh.

 


 

Riesenfernrohr zerlegt

(Beitrag vom 10.12. 2008, 9:42 – zusammengefasst)

Während im Rathenower Optikpark die Montierung aufgebaut wird, ist der Tubus zerlegt in einer Pickup-Halle im Nachbarort eingelagert. Eine kleine Bildergalerie:

 

 

 

Am Montag wurde die Optik gereinigt: 

 oben: das Objektiv (links: Montag früh, rechts am Mittag bei der Reinigung)

 

 oben: hinterer Teil des Objektivs (links: Montag früh, rechts am Mittag nach der Reinigung: man erkennt sogar wieder die Mittenmarkierung im Spiegel! Wink)


Am dritten Adventssonntag

(Beiträge zusammengefasst)

… steht mittlerweile schon die gesamte Montierung. Die Gartenbaufirma, die das Gerät montiert, will möglichst noch vor Weihnachten fertig werden. Polkopf und zentrales Rohrelement sind bereits montiert – jetzt fehlt nur noch der Tubus. Der wird nächste Woche angeschraubt und – falls das Wetter mitmacht – auch schon die Optik eingesetzt. 

Es ist übrigens ein großes Glück, dass dieses Fernrohr geschraubt ist und nicht genietet (wie z.B. der Große Refraktor in Berlin-Treptow). So kann man es nämlich relativ leicht auseinander nehmen und versetzen. Die Rathenower haben damit bereits Erfahrung: Schon vor 12 Jahren war das Rohr in einem damals zweijährigen Projekt generalüberholt worden. Anschließend wurde über diese erste und wahrlich einmalige Umsetzaktion in "Sterne und Weltraum" berichtet: 3/1996. 

hier zur Weihnachtsmeldung (letzter Teil)

 

 

 

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" [abgewandelt: John Miles, http://www.youtube.com/watch?v=egwARrX1ik8 ] Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte und anschl. Medienwissenschaften, Physikdidaktik & Philosophische Anthropologie als Promotionsstudium. Sie ist seit 1998 freiberuflich als Astronomin und zeitweise auch als Dozentin für Physik tätig. Derzeit erforscht sie die Wurzeln der abendländischen Astronomie. Aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Frühere Arbeitsschwerpunkte waren * in Astrophysik: Stellarphysik; Mikrogravitationslinsen & Exoplaneten (1. Diplomarbeit); * in Technik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2. Diplomarbeit). * in Astronomie- und Physikdidaktik: Aufbau und Entwicklung einer überregionalen außerschulischen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit in Deutschland und im Rahmen des internationalen Jugendaustausches [Mitbegründerin des Astronom. Sommerlagers (ASL), VdS-Jugendreferentin, Initiatorin und Gründerin der VEGA e.V., Begründerin der Berliner SpaceCamps, Gründerin von Astronomie+Raumfahrt-Austauschprogrammen mit Russland und Kasachstan, Zusammenstellung von Lehreinheiten online auf www.exopla.net , historische Methoden zur Vermessung der Welt nachvollziehbar auf Schulniveau] und gleichzeitig in Philosophie/ Medienwissenschaft: Lingua sine Limitibus - Sprachen der Populärdidaktik und transkulturelle Kommunikation (bildliche Sprachen und Visualisierungen, Astronomiekarawanen in Mauretanien, Hotelsternwarte in Portugal). * während Abitur und 2x Doppelstudium finanzierte sie sich als Freiberuflerin [siehe www.urania-uhura.de] durch Popularisierung der Wissenschaften in vielen Medien. In Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter erhielt sie 2006 einen Tourismuspreis. Aktuell erforscht sie durch Analyse von Gestirnlisten in Keilschrift und Altgriechisch durch computergestützte Datenanalyse die Zusammenhänge der babylonischen mathematischen Astronomie mit der hellenistischen Astronomie.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Riesenfernrohr in Rathenow demontiert

    Die Objektivlinse befindet sich nicht in Jena zur Wartung!
    Vielmehr sind die Optik tragenden Tubussegmente / Bauteile des Fernrohrs in einer Halle eingelagert, wo die große Objektivlinse und die übrige Optik von Fachleuten der Firma „Mikroskoptechnik Rathenow“ gesäubert werden. Die Halle gehörte einmal zum Betrieb Carl Zeiss Jena.

  2. Wie wird das Teleskop dann aufgestellt?

    Vor ein paar Jahren stand ich – bei einer Exkursion im Rahmen einer Tagung in der Nähe – völlig unvorbereitet diesem phänomenalen Instrument gegenüber – das auch deswegen so exotisch wirkte, weil es in einem ganz gewöhnlichen Vorgarten stand. Wie wird es denn an seinem neuen Platz präsentiert werden?

  3. Baker-Nunn-Kamera zu verschenken

    Vielen Dank für den sehr interessanten Bericht und die dazugehoerigen Fotos!

    Übrigens, falls jemand – Privatmann oder Museum – eine Baker-Nunn-Kamera seiner Ausstellung hinzufügen will, hier gibt es zwei davon für lau. Allerdings nur für Selbstabholer, das ist ein Problem, und sogar ein „gewichtiges“, denn diese Brummer mit ihrer massiven Montierung wiegen je 3.5 Tonnen und stehen im tiefsten Oregon. 🙂

    http://www.satobs.org/seesat/Nov-2008/0188.html

  4. Danke!

    1. an Herrn Ortmann für die Ergänzung: Sie sind mehr vor Ort als ich! Diese Info mit der Linse hatte ich gestern am Platz von den Arbeitern bekommen. Sie wissen sicher besser, wo die Linse ist!

    2. Vielen Dank, Herr Neumann, für die Ergänzung! Der Artikel ist übrigens von mir: eine technikhistorische Studie nach Durcharbeiten des lokalen Archivs.
    Da lohnt ja schon fast einen SuW-Adventskalender aus der Story zu machen?! 😉

  5. an Daniel Fischer

    bitte noch einige Tage Geduld: ich werde alles zeigen! (deswegen meinte ich Adventskalender: Vorfreude, Spannung steigen)

    Herzlichen Dank für die große Interessensbekundung!

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