Revolutionär wider Willen

Vor 16 Jahren, nämlich vom 22. Juli bis 19. Oktober 1994 gab es im Berliner Planetarium an der Prenzlauer Allee eine Ausstellung über Copernicus. Anlass war damals der 450. Todestag des großen Gelehrten, der das heliozentrische Weltbild wieder ins Bewusstsein der europäischen Wissenschaft holte.

Zu dieser Ausstellung entstand ein Begleitbuch:

Gudrun Wolfschmidt [Hrsg]:

Nicolaus Copernicus (1473 – 1543), Revolutionär wider Willen, GNT-Verlag, Stuttgart, 1994 

Die Herausgeberin, Gudrun Wolfschmidt, beschreibt auf den ersten 60 Seiten die Geschichte des Weltbildes seit der Antike, stellt antike Heliozentriker vor und gibt die subtilen Unterschiede zahlreicher geozentrischer Weltbilder an.

In den Teilen II, III und IV des Buches wird der Renaissance-Gelehrte von einem Team kompetenter Autoren ausführlich aus verschiedenen Richtungen beleuchtet: Man kontextuiert ihn in seiner Zeit, schildert seine Biographie und beleuchtet retrospektiv seine Wirkung auf die unmittelbare Nachwelt. Teil V ist der Ausstellungskatalog selbst.

Interessant an dem Buch ist aber nicht nur die interssante Zusammenstellung und gute Ordnung der historischen Modelle, sondern vor allem auch der Titel!

Den Untertitel "Revolutionär wider Willen" glaubt die Herausgeberin selbst eigens für dieses Buch ausgedacht zu haben. Mittlerweile ist er allerdings zu einem "stehenden Begriff" geworden.

Es ist gerade zwei Jahre her, dass die Max-Planck-Biographie von Dieter Hoffmann (MPIWG) mit dem gleichen Untertitel erschien. Prompt war dieses Büchlein in der Beck’schen Reihe erschienen und vom Spektrum-Verlag mit einem Sonderheft begleitet, wurde der Begriff im Darwin-Jahr 2009 für den berühmten Entdecker der "Entstehung der Arten" gebraucht. Es scheint ein wirklich gern genutzter Begriff zu sein: Womöglich liegt es in der Natur von Wissenschaftlern, zwar nach Erkenntnis zu streben und nach dem bestmöglich-treffenden Modell für irgendeine wissenschaftliche Welt, nicht aber nach Revolution. Ich meine, selbst große Skeptiker unter uns, die erstmal fast alles bezweifeln, sind ja nicht mürrische Revoluzzer, sondern wollen lediglich sicher gehen, keinen Fehler zu machen und hinterfragen daher alles sehr gründlich. Ich denke, das ist gesund für die Wissenschaften.

Die meisten wissenschaftlichen Revolutionäre sind wohl nicht mit dem Ziel angetreten, die Welt(bilder) zu revolutionieren. Man geht einfach seiner Neugier nach und stellt ein paar Dinge fest und wenn es der Zufall will, dann sind einige der Erkenntnisse hinreichend grundlegend oder tiefgreifend, dass die HistorikerInnen einen später einen "Revolutionär" nennen. Die konkrete Absicht der/des einzelnen ist das sicher nicht.   

Susanne M. Hoffmann

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" [abgewandelt: John Miles, http://www.youtube.com/watch?v=egwARrX1ik8 ] Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte und anschl. Medienwissenschaften, Physikdidaktik & Philosophische Anthropologie als Promotionsstudium. Sie ist seit 1998 freiberuflich als Astronomin und zeitweise auch als Dozentin für Physik tätig. Derzeit erforscht sie die Wurzeln der abendländischen Astronomie. Aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Frühere Arbeitsschwerpunkte waren * in Astrophysik: Stellarphysik; Mikrogravitationslinsen & Exoplaneten (1. Diplomarbeit); * in Technik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2. Diplomarbeit). * in Astronomie- und Physikdidaktik: Aufbau und Entwicklung einer überregionalen außerschulischen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit in Deutschland und im Rahmen des internationalen Jugendaustausches [Mitbegründerin des Astronom. Sommerlagers (ASL), VdS-Jugendreferentin, Initiatorin und Gründerin der VEGA e.V., Begründerin der Berliner SpaceCamps, Gründerin von Astronomie+Raumfahrt-Austauschprogrammen mit Russland und Kasachstan, Zusammenstellung von Lehreinheiten online auf www.exopla.net , historische Methoden zur Vermessung der Welt nachvollziehbar auf Schulniveau] und gleichzeitig in Philosophie/ Medienwissenschaft: Lingua sine Limitibus - Sprachen der Populärdidaktik und transkulturelle Kommunikation (bildliche Sprachen und Visualisierungen, Astronomiekarawanen in Mauretanien, Hotelsternwarte in Portugal). * während Abitur und 2x Doppelstudium finanzierte sie sich als Freiberuflerin [siehe www.urania-uhura.de] durch Popularisierung der Wissenschaften in vielen Medien. In Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter erhielt sie 2006 einen Tourismuspreis. Aktuell erforscht sie durch Analyse von Gestirnlisten in Keilschrift und Altgriechisch durch computergestützte Datenanalyse die Zusammenhänge der babylonischen mathematischen Astronomie mit der hellenistischen Astronomie.

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