Österreichische Marsmission … live!

Aktuell (seit letztem Freitag und noch bis übermorgen) erfolgt die erste Marsexpedition Österreichs – spektakuläre Bilder zeigen den Alponauten „Daniel“ in einem nagelneuen silbern glänzenden Raumanzug, wie er durch Eishöhlen „spaziert“, Gesteins- und Eisproben sammelt und begleitet von Rovern und Fluggeräten ein spannendes, tatsächlich noch nicht ganz zu Ende erkundetes Höhlensystem erforscht. Ziele der Mission sind in erster Linie Test mit dem Raumanzug, dessen Name übrigens von einer Prinzessin aus Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ stammt.

Österreich arbeitet tatsächlich daran, einen Raumanzug zu entwickeln, der quasi ein eigenes Raumschiff ist – ein Raumschiff zum Anziehen mit einer Masse von ca. 45 kg. Im „Rucksack“ dieses Anzugs ist die Elektronik versteckt und unterliegt natürlich der Geheimhaltung. Echte Raumanzüge müssen später ein Atemluft-Aufbereitungssystem haben und sie müssen außerdem unter Druck stehen, da die Marsatosphäre sehr viel dünner ist als die Atmsphäre der Erde. So weit ist aber diese Simulation hier noch nicht … jetzt liegt der Fokus erstmal auf der Erprobung der Telemetrie und anderer interner Technologien. Der österreichische Raumanzug Aouda soll es seinem Insassen ermöglichen, nicht nur mit der Bodenstation auf der Erde (hier: in Innsbruck) zu kommunizieren, sondern auch mit verschiedenen unbemannten Rovern, die gleichzeitig auf dem Mars landen könnten.

Außerdem denkt man für echte Marsmissionen über Parallellandungen nach, also zwei gleichzeitige Missionen zum roten Planeten, die an verschiedenen Orten landen. In Havariefällen würde dies die Sicherheit der Raumfahrenden erhöhen.

Überhaupt, erklärt Gernot Grömer vom ÖWF, sei in Europa noch niemals ein Raumanzug zu Ende gebaut worden. Der frisch gebackene Herr Doktor hat sich dies aber zu tun in den Kopf gesetzt. Er will einen voll funktionstüchtigen Raumanzug fertigen, der besser ist als alle bisher dagewesenen. Natürlich gibt’s schon Anzüge für Außenbordeinsätze an der ISS oder auch für eine Mondlandung. Aber Mars! Das ist ein völlig anderes Terrain! Man ist viel weiter von der heimatlichen Erde entfernt, viel länger auf sich gestellt mit längeren Signallaufzeiten usw. Außerdem hat der Mars – im Gegensatz zu Mond und freiem Weltraum – eine Atmosphäre und mithin z.B. auch andere Außendrücke, keine Mikrometeorite, aber dafür wechselhaftes Wetter: Es gibt Sandstürme in seinen Wüsten und Eisgletscher an den Polen … also … „On to Mars!“, wie Gernot immer so schön sagt.

Am Eingang der Höhle

Der Raumfahrer Daniel steht nun bereit zum Eintritt in die Höhlen. Ein kurzes Shooting für die Presse (z.B. auch auf spiegel-online.de, Der Standard (Wien), der es via APA auch weiter verteilte…) muss natürlich sein – wie bei jeder anständigen Weltraum(anzug)mission. 😉 Die Presse ist übrigens ebenso international wie das Team der verantwortlichen Wissenschaftler, Ingenieure und Experimentatoren. Es ist ein wahres Großereignis hier an den Eishöhlen, deren Gestein eine anwesende Geologin als „boring lime stone“ (langweiligen Kalkstein) bezeichnet.

Die derzeitige österreichische „Mars“mission findet in dem Welterbe-Höhlensystem am Dachstein bei Obertraun statt. Das Österreichische Weltraumforum (ÖWF) testet hier einen gerade neu entwickelten Raumanzug namens „Aouda.X„. In der Bergstation der Seilbahn wurde in einem abgetrennten Nebenraum mit dem bezeichnenden Namen „Dachsteinwarte“ die OPS, also das hiesige Kontrollzentrum eingerichtet. Die Mitarbeitenden im Team der OPS, der Organisation allgemein und auch die Erbauer und Tester von Rovern und Fluggeräten sind ein wahrlich kunterbunt gemischtes internationales Team aus Frankreich, Polen, Spanien, Italien, Deutschland, den USA, Indien, den Niederlanden, Dänemark … In der Tat arbeitet das ÖWF mit namhaften Instituten der Weltraumforschung zusammen, z.B. JPL, NASA u.a. Die Sprache auf dem Gelände ist daher also Englisch, das Protokoll wird strikt eingehalten wie zu Sissis Zeiten am Wiener Hof: Jeder Check ist ist verpflichtend und jede Antwort verbindlich, die Menschen, die in der Raumfahrt arbeiten, sind freundlich und offen, wie auch heute überall bei Weltraum-Programmen, wo viele unterschiedliche Charaktere zusammen kommen.

Kurz: es geht zu wie überall auf der Welt bei Raumfahrtprogrammen. Der einzige Unterschied hier in der Alpenrepublik ist, dass mich in Österreich der Flight Director nicht nur mit einem freundlichen „oah, Susanne, loang nimmer gseen“ begrüßt, sondern auch mit Handkuss. 🙂

Nun soll unser Alponaut einen Kristallblock bearbeiten. Dieser rein mechanische Arbeitsschritt ist zwar eher für Pressefotos eingeflochten worden, aber es wurden tatsächlich wissenschaftliche Experimente durchgeführt. Der Probant war mit zahlreichen Elektroden für medizinische Untersuchungen beklebt. Weiters zog er beispielsweise den „Cliffbot“ des Präsidenten der französischen Mars-Gesellschaft, Alain Souchier, über steile Abhänge. Der Cliffbot, so erklärte mir Alain morgens im Auto, sei ein Gerät, das die Abhänge heruntergeworfen wird und sie untersucht, ohne dass ein Mensch dabei gefährdet werden muss. Manche Abhänge – gerade hier in der Eishöhle will oder kann man ja auch gar nicht beklettern. Das gilt schon für normale Menschen und dann also erst Recht für Menschen in 45 kg schweren Raumanzügen.

Das gebückte Gehen in der Höhle erweist sich für die Anzugtester als sehr anstrengend!

Der „suit“, also der Raumanzug, ist stets begleitet von mindestens einem Mitarbeiter des „suit teams“ und einem vom „security“-team. Wie auch bei echten Raumflügen steht natürlich die Sicherheit des Anzug-Insassen wie auch der Experimentatoren immer an erster Stelle. Schließlich sind es Menschen, mit denen man hier arbeitet und für die diese Technologien entwickelt werden – echte lebende Menschen zu deren Lebenserhaltung insbesondere der Anzug ja dienen soll. Daher wird natürlich auch auf die Versuchspersonen sehr genau geachtet.

 

Man will allerdings auch die Situation auf dem Mars so realistisch wie (derzeit) möglich nachstellen. Dass man auf dem Mars natürlich ganz sicher nicht bloße Klettverschlüsse zum Festhalten der einzelnen Anzugteile verwenden kann, ist wahrscheinlich jedem klar. Allerdings erschwert der Anzug auf dem Mars unter Druck und mit noch mehr Last durchaus die Bewegung – auch wenn die Schwerkraft auf dem kleinen Nachbarplaneten der Erde nur ein Drittel so groß ist wie hier.

Der Raumanzug-Tester (im Bild: Daniel Föger) bekommt daher ein Exoskelett, also eine über die schwarze Unterwäsche werden diverse Expander gezogen. Hier sieht man den rechten Ellbogen eines Testers, an dem ein zusätzliches Gewicht befestigt wird. Diese Vorrichtung erschwert die Bewegung derart, dass es den tatsächlichen Marsbedingungen sehr nahe kommt.

 

Über Menschen (nicht Übermenschen) im All …

Am dritten Versuchstag konnte ich dieses Bild erhaschen: Ja, die Tester sind durchaus sehr sportlich, d.h. es ist wirklich mühsam, stundenlang in der Kälte und Dunkelheit der Höhle unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Es ist auch sicher kein „Spaziergang“, den die echten Astronauten zur Reparatur des Weltraumteleskops vor ca. 20 Jahren unternommen haben…

Aber: Es sind noch immer halbwegs „gewöhnliche“ Menschen (Kryptonit im Anzug lämt sie nicht), d.h. man kann so etwas lernen! Wenn man nur hart genug trainiert, dann kann jeder halbwegs gesunde Mensch diese körperliche Leistung vollbringen.

Daher kann ich an dieser Stelle ruhigen Gewissens sagen, dass das, was die Jungs da machen, wirklich eine schwere körperliche Arbeit ist – aber schaffbar bzw. lernbar für Menschen: Man muss kein Übermensch oder Halbgott dafür sein. Ich persönlich finde das eine beruhigende Feststellung.

Wie fühlt man sich in dem Anzug?

Ich selbst habe auch die Ehre gehabt, dies einmal auszuprobieren. (dickes super-Danke-schön nach Österreich!) Im Augenblick sind die beiden bisherigen Tester (beide „Daniel“) Männer, aber der Anzug soll auch für Frauen adaptiert werden. Zwei Kenngrößen sind entscheidend, sagt der Entwickler bei der Pressekonferenz: „Wenn mir jemand sagt, er will Tester werden, sind meine beiden ersten Rückfragen nach Schuhgröße und Brustumfang“. Prinzipiell sei der Anzug aber für Personen beiderlei Geschlechts von 160 bis 195 cm Körperhöhe anpassbar.

Man braucht nur körperlich sehr gute Konditionen, um das Gewicht des Suits lange auszuhalten. Glücklicherweise hat mich Mutter Natur mit einem soliden Knochenbau ausgestattet und ich scheine (im Vergleich zu anderen) auch einigermaßen fit zu sein. Schließlich wohne ich derzeit im Harzvorland und muss mangels Auto stets mit dem Fahrrad die Berge und Hügel erklimmen. Außerdem haben die Jahre mit zahlreichen Wüstenwanderungen und auch die schweren Rucksäcke voll mit Büchern und Laptop während des Studiums, mit denen ich früher zwischen den Berliner Bibliotheken und Unis pendelte, einiges zu meiner körperlichen Kondition beigetragen. Um im Anzug aber länger zu arbeiten, braucht der Durchschnittseuropäer gewiss einiges an Training: 45 kg (die der Anzug wiegt) sind schließlich ungefähr doppelt so viel, wie man in einem normalen Linienflugzeug als Gepäck mitnehmen darf – und da finden die meisten Leute schon ihren Koffer schwer.

Außerdem hält ein Stützapparat in den Axeln die Arme stets ein wenig vom Körper weg, damit die Luft im Anzug gut zirkulieren kann. Das finde ich persönlich ein bißchen anstrengend auf die Dauer. Ich würde es vergleichen mit der Haltung beim Standard-Tanz (z.B. Wiener Walzer): Als Dame habe ich meinen Arm angewinkelt auf der Schulter des Herrn, wo sie allerdings locker aufliegt. Man (bzw frau) stützt sich ja nicht auf dem Tanzpartner ab, sondern man muss schon stark genug sein, den eigenen Arm selbst zu tragen. So ähnlich ist es hier auch im Anzug – nur, dass die Arme eben durch eine Kunststoffstütze direkt abgespreizt werden.

Checkliste der Kammerzofen: 

Astronaut in Unterwäsche (das „Kettenhemd“ des 21. Jahrhunderts, aus schwarzer Funktionsfaser, sehr interessantes Material) kriegt erstmal ein Exoskelett, das die Bewegungen erschwert. Dann muss man sich mit Hilfe von zwei bis drei Mitarbeitern des Suit Teams ins Anzug-Oberteil manöverieren, dann kommt die Hose, die Handschuhe und die Stiefel. Die Handschuhe sind übrigens dreilagig: erst ein dünner weißer Stoffhandschuh – wie sie vornehme Damen des 19. Jh. trugen. Er soll es nur für den Tester angenehmer machen. Darüber ist ein Handschuh, der eher an ein Borg-Wesen aus StarTrek erinnert, weil er statt Fingernägeln Elektroden hat und zum Schluss kommt über alles ein silberheller Schutzhandschuh, der mit einem Metallring an den Anzugärmel angeschlossen wird und mithin das System unter ihm in sich abschließt. Zu guter Letzt wird dem Tester der Helm aufgesetzt – und wenn das passiert, hat man typischerweise etwa zwei Stunden Anzieh-Prozesdur hinter sich. wie gesagt: das Wiener Hofprotokoll zu Sissis Zeiten war gewiss ähnlich – und die aufmüpfige, eigensinnige Doppelmonarchin wäre gewiss überglücklich und überaus einsichtig ob der Notwendigkeit dessen hier, wenn sie sehen könnte, was Austria Felix heutzutage am Dachstein treibt.

Wie in jedem richtigen Raumanzug kann man natürlich auch in der Aouda essen, trinken, aufs Klo gehen … Es gibt vier starke Ventilatoren, deren Geheul nicht nur schon aus der Ferne den „suit“ ankommend hörbar macht, sondern deren Funktionstüchtigkeit auch unten im Kontrollzentrum auf einem großen Screen neben den Bildern aus der OPS, von der Helmkamera und neben sonstigen Funktionsanzeigen wie Temperatur-, CO2-Gehalt und Luftfeuchtigkeit im Helm angezeigt wird.

„Noch nie zuvor hat in Europa ein Entwicklerteam einen Raumanzug zu Ende gebaut“ konstatiert Dr. Gernot Grömer, der Entwicklungsleiter und plant dabei schon den nächsten Test der Aouda nächsten Februar in Marokko. Dann wird Prinzessin Aouda durch die Sahara schreiten und wahrscheinlich schon die Erfahrungen der hiesigen Tests eingebaut haben.

Ich hoffe, dass ich dann auch wieder mit darf. Schließlich kann man sich auch mit eigenen Experimenten beteiligen. Derzeit läuft noch bis Juli das Announcement, mit dem man sich mit eigenen Projekten bewerben kann.

Weißes Eis, rote Steine

… die Farben Österreichs und des Mars. 🙂 Man gucke und staune: die Alpenrepublik hat die Nase vorn auf dem Mars und darum wird auch jede Versammlung schonmal probehalbe mit „Hello Marsians“ eröffnet.

Eishöhlen könnte es auch auf dem Mars und anderen Körpern des Sonnensystems geben. Daher ist es wichtig, alle Fernerkundungsgeräte dafür auszustatten und zunächst unter irdischen Bedingungen ausgiebig zu testen. Einem „Testastronauten“ auf der Erde kann man ja den Helm noch abnehmen, wenn man merkt, dass innen irgendwas verrutscht ist – würde man das erst auf dem Mars merken, wäre es wahrlich zu spät.

Rover Parade

Neben einem Raumanzug wurden auch zahlreiche Rover und Fluggeräte in den Höhlen getestet. Die „Part time Scientists“ freuten sich über die zahlreichen verschiedenen Bodenstrukturen, die sie in dieser Höhle vorfanden: von Schnee und Eis, über Schotterpisten, von der Schmelze aufgeweichten Sandböden bis hin zu vielen verschiedenen Härtegraden des Untergrunds aus Kalkstein …

Der französische Cliffbot zur Erforschung von Klippen wurde bereits oben erwähnt und soll an dieser Stelle noch durch den Hinweis auf verschiedene Fluggeräte ergänzt werden, die ebenfalls von Hobby-Ingenieuren und -Wissenschaftlern gebaut werden. Mit von der Partie von Gerhards Helikopter und Christians Hexacopter – beide vom ÖWF. Der polnische Rover MAGMA fährt in der Höhle sehr erfolgreich; er ist ein Transporter, der von der privaten Firma ABM-Space in der Kopernikus-Stadt Thorn (Torún) entwickelt wird. Das Test-Team ist sehr zufrieden mit den Ergebnissen und wir haben sofort eine Kooperation zu didaktischen Aufbereitung der Ergebnisse.

Ein amerikanisch-französisches Profi-Team von Geoerkundern baute das Instrument WISDOM – ein Radargerät, das den Boden bis zu 2 oder 3 Metern Tiefe ausloten kann. Hier wird es noch von dem Entwicklerteam auf einer Schubkarre geschoben: Stück für Stück rückt es die 5 m lange Bahn jeweils in Schritten von einem Dezimeter voran. Der Laptop auf der Karre zeigt hier das Frequenzspektrum, das gesendet und empfangen wird. Die Sprache in diesem illustren Team, zu dem sich auch eine ungarische und eine österreichische Studentingesellt haben, switched dauernd zwischen englisch und französisch hin und her. 🙂

Nach erfüllter Mission

Man kann sich leicht vorstellen, dass man nach langem Arbeiten in der Höhle stark geblendet ist. Auch durch den Austritt aus der 0 °C kühlen Eishöhle ins 20 bis 30 °C warme Gelände auf dem Westhang des Dachsteins wird der Helm schlagartig stark beschlagen und der Tester hat entsprechend mehr Mühe, die Treppen von der Höhle herunter zu steigen.

Hinzu kommt natürlich stets eine leichte Einschränkung des Gesichtsfeldes, denn man kann sich ja nicht ohne Weiteres umdrehen. So lange man nur geradeaus schaut, ist das Gesichtsfeld normal. Durch den dicken Anzug kann man aber nicht auf die eigenen Füße schauen und rückwärts wenden kann man sich eben auch nur durch Drehung des gesamten Körpers.

Beim Ausziehen wird nach dem Helm zuerst das Oberteil abgenommen. Es erfordert zwei bis drei Assistenten, das schwere Gerät von der Versuchsperson zu entfernen. Der Kandidat kniet dazu ritterlich auf einem (spacig-silberfarbenen) Kissen. Man sieht dabei auch die stark profilierten Schuhe des Kandidaten. In der Eishöhle wurden auch darauf auch verschiedene Spikes getestet, die das Gehen auf den massiven Eisplateaus stark erleichterten.

nota bene: Selbstverständlich wurde in der Welterbe-Höhle auf Reinlichkeit geachtet! Jeder, der die spiegelglatten Eisflächen aus Gründen der Wissenschaft betreten musste, hat sich vorher gut die Schuhe abgeputzt. Wirklich!

Wo ist das?

Im Salzkammergut, da kamma guat lustig sein…

Der Dachstein ist im wunderschönen Salzkammergut gelegen, einer der schönsten und romantischsten Gegenden Österreichs. Die nächstgrößere Stadt ist Hallstatt, ein Dorf, das sehr idyllisch am See gelegen ist. Der Bürgermeister der kleinen Gemeinde freut sich, mit der derzeitigen Saison auch das größte Viersterne-Etablissement zu eröffnen. Ganz in der Nähe von dem berühmten Bad Ischl, wo sich dereinst Kaiser Franz Joseph von Österreich mit der bayrischen Prinzessin Sissi verlobte, turnt also heute Prinzessin Aouda durch Eishöhlen. Der Tourismus boomt in dieser Region – besonders an einem so wunderschönen Wochenende wie diesem zum Saisonstart. Skifahren, Bergwandern oder Höhlenbesichtigungen gehören hier ins Repertoir der typischen Urlauber.

Die Veranstalter – das ÖWF

Das Österreichische Weltraumforum ist ein unabhängiger Zusammenschluss von Enthusiasten, HobbyBastlern und Forschern. Gernot Grömer bezeichnet es sogar als „european way„, dass die Hobby-Leute und die so genannten Professionellen hier in friedlicher Eintracht zusammenarbeiten und zusammen forschen. Es ist eine Besonderheit hier im „alten Europa“, da in Amerika typischerweise eine breite Kluft klafft zwischen denjenigen, die mit der Forschung ihr Geld verdienen und denen, die sie nach Feierabend je nach Lust und Laune betreiben. In Europa sei das anders, betont er stolz, denn hier arbeiten „Amateure“ und „Profis“ in sehr regem Austausch miteinander zusammen. So akzeptiert man hier gängig, dass ein Häuslebauer durchaus mit einem bestimmten, praktischen Handgriff mehr Erfahrung haben kann als ein junger Ingenieur. Umgekehrt kann der junge Ing vielleicht frisch von der Uni einige bereichernde Ideen und Methoden besteuern. So arbeiten hier Alt und Jung, Frau und Mann, Ausgebildete und Autodidakten kuschelig zusammen und bereichern einander gegenseitig.

Das ÖWF ist besonders stolz auf dieses friedliche und gemütliche Miteinander. Und ehrlich – ich als hier Außenstehende genieße das! Genau so wünscht man sich das.

Das ÖWF (gegr. 1997) hat seit 2009 mehrfach die Aouda und andere Geräte auf Plätzen der Erde getestet und auf diese Art systematisch weiter entwickelt. Chef-Entwickler Gernot Grömer hat dafür kürzlich seinen akademischen „Ritterschlag“ zum Doktor verliehen bekommen: Herzlichen Glückwunsch!!!

Ein Journalist, den ich als Zaungast am Platz antreffe, diagnostiziert messerscharf, was all diese Menschen verbindet: Es ist eine gehörige Portion Idealismus! Man baut hier Geräte, die einmal zum Mars fliegen sollen. Bemannte Marsmissionen sind aber frühestens in 20 bis 30 Jahren denkbar und zu diesem Zeitpunkt werden die meisten der hier anwensenden nicht mehr leben oder zumindest beruflich bereits im Ruhestand sein. Es ist also, also würde man ein Haus zu bauen anfangen mit der ziemlichen Gewissheit, dass man es selbst nie bewohnen wird und wahrscheinlich auch nicht die Leute erlebt, die es bewohnen werden.

So sind wohl nun einaml die Ingenieure… oder Forscher (m/w) schlechthin – sie wollen die Welt ein kleines bißchen besser machen, für alle & jeden und dabei zählt jeder kleine Schritt. Ein Ziel (z.B. der Flug zum Mars) ist nicht immer dazu gesteckt, tatsächlich erreicht zu werden. Es dient vielmehr lediglich zur Orientierung. Es ist für den einzelnen von uns wohl relativ nebensächlich, ob der bemannte Marsflug tatsächlich mit Aouda erfolgt – aber Entwicklungen sind nun einmal immer iterative Prozesse und bei jedem Test lernt man etwas. z.B. kann auch die Erkenntnis „dieses Material ist für jenen Zweck nicht geeignet“ eine Erkenntnis sein … und vllt. als solche ein Ansporn für einen anderen Wissenschaftler (m/w), ein adäquates Material zu entwickeln…

Forschung ist ein faszinierendes weites Feld!

… und eine faszinierende andere Welt …  weit weg vom Elfenbeinturm und doch so befremdlich für viele Laien … nicht zuletzt aufgrund der Person der Wissenschaftler, Bastler und Tüftler, die an so ungewöhnlichen Fragestellungen wachsen.

Darum ist das österreichische Weltraumforum (ÖWF) sehr wohl zu Recht stolz darauf, seine Grundlagenforschung unabhängig betreiben zu können.

 


 

Auf Twitter wird seit Samstag ganz massiv über die Aktionen und Experimente gezwitschert. Das ÖWF hat zu einem Tweetup eingeladen! Hashtag: marstweetup

Einen eigenen Live-Blog haben sie natürlich auch, die Österreicherlinge.

Geförderte Scientific Outreach-Programme vom österreichischen Bundesministerium für Bildung (Schulen): Sparkling Science.

Schülerpraktikant/Innen gesucht beim ÖWF: Lust auf ein Weltraumabenteuer in den Sommerferien? Hier findest Du den Anschluss!

Experimente für Marokko 2013 jetzt anmelden! (ÖWF, Kontakt)

 


 

Gimmick

Marsmenschen sind nicht grün … sonst wären’s Orioner 😉

tja, das haben wir nebenbei auch gelernt: „hello Marsians“ wurde jeder Versammlung eröffnet. Alle fühlten sich angesprochen, da sie augenblicklich ruhig wurden. Aber niemand im Raum hat einen anderen Taint als man es von typischen Erdlingen gewohnt ist.

Fazit: Mars-Menschen sind – entgegen der landläufigen Meinung – bestimmt nicht grün. Trekies haben das ja aber eh schon längst gewusst: Grün sind schließlich Orioner – hier die Orionerin Vina in „The Cage“ – und vor denen sollte man(n) sich in Acht nehmen. 🙂

NACHTRAG vom 31.12. 2012: „ungewöhnlichstes Foto des Jahres“ gekürt vom TIME-Magazin

Susanne M. Hoffmann

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" [abgewandelt: John Miles, http://www.youtube.com/watch?v=egwARrX1ik8 ] Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte und anschl. Medienwissenschaften, Physikdidaktik & Philosophische Anthropologie als Promotionsstudium. Sie ist seit 1998 freiberuflich als Astronomin und zeitweise auch als Dozentin für Physik tätig. Derzeit erforscht sie die Wurzeln der abendländischen Astronomie. Aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Frühere Arbeitsschwerpunkte waren * in Astrophysik: Stellarphysik; Mikrogravitationslinsen & Exoplaneten (1. Diplomarbeit); * in Technik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2. Diplomarbeit). * in Astronomie- und Physikdidaktik: Aufbau und Entwicklung einer überregionalen außerschulischen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit in Deutschland und im Rahmen des internationalen Jugendaustausches [Mitbegründerin des Astronom. Sommerlagers (ASL), VdS-Jugendreferentin, Initiatorin und Gründerin der VEGA e.V., Begründerin der Berliner SpaceCamps, Gründerin von Astronomie+Raumfahrt-Austauschprogrammen mit Russland und Kasachstan, Zusammenstellung von Lehreinheiten online auf www.exopla.net , historische Methoden zur Vermessung der Welt nachvollziehbar auf Schulniveau] und gleichzeitig in Philosophie/ Medienwissenschaft: Lingua sine Limitibus - Sprachen der Populärdidaktik und transkulturelle Kommunikation (bildliche Sprachen und Visualisierungen, Astronomiekarawanen in Mauretanien, Hotelsternwarte in Portugal). * während Abitur und 2x Doppelstudium finanzierte sie sich als Freiberuflerin [siehe www.urania-uhura.de] durch Popularisierung der Wissenschaften in vielen Medien. In Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter erhielt sie 2006 einen Tourismuspreis. Aktuell erforscht sie durch Analyse von Gestirnlisten in Keilschrift und Altgriechisch durch computergestützte Datenanalyse die Zusammenhänge der babylonischen mathematischen Astronomie mit der hellenistischen Astronomie.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessanter Bericht!

    … und interessante Fotos. Aber Frage: Gilt das ….

    […] einen Raumanzug zu entwickeln, der quasi ein eigenes Raumschiff ist – ein Raumschiff zum Anziehen

    … nicht für jeden Raumanzug, ungeachtet der Unterschiede in den Anwendungen?

    Es ist auf jeden Fall ein wichtiger und richtiger Hinweis, dass ein Mars-Anzug ein ganz anderer wäre als ein Mondanzug. Auf dem Mond hat man viel höhere Bodentemperaturen (oder viel niedrigere, wenn man nachts draußen ist) und kann Wärme dur abstrahlen, kriegt aber gleichzeitig 1400 W Wärmeinput pro Quadratmeter sonnenbeschienener Oberfläche, von denen man so viel wie möglich sofort wieder reflektieren muss.

    Auf dem Mars kann man wenigstens etwas Wärme durch Konvektion loswerden. Auch das Problem der Mikrometeoriten ist auf dem Mars nicht vorhanden, auf dem Mond dagegen kommt ja jedes kosmische Staubkorn mit hyperbolischer Geschwindigkeit auf der Oberfläche an.

    Auf dem Mond hat man dann auch noch das Problem elektrostatisch geladenen Staubs, den man kaum wieder herunterkriegt und der schnell lebensgefährlich werden kann, nämlich dann, wenn er die Oberfläche des Anzugs dunkel macht, sodass viel mehr Sonnenenergie aufgenommen wird. Aber auch dann, wenn sich der Staub, zurück im Raumschiff, in irgendwelche Dichtungen setzt.

  2. Ja, jeder Raumanzug ist ein Schiff…

    hi Michael, natürlich: jeder Raumanzug hat die gleiche Aufgabe: in seinem Inneren lebenserhaltende Klimate zu schaffen für ein Lebewesen, das ohne den Anzug in einer bestimmten Außenwelt nicht überleben kann.

    Ich fand aber die Formulierung „Raumschiff zum Anziehen“ für dieses in sich geschlossene Ökosystem sehr treffend und einfach schön. … vllt hätte ich es in Anführungszeichen setzen sollen oder kursiv, um es als Metapher oder Umschreibung zu kennzeichnen. naja …

    Jedenfalls wird in diesem Beitrag am aktuellen Beispiel „Aouda“ allgemein erläutert, was Raumanzüge so tun und wie Entwicklungsprozesse so verlaufen.

    Technische Details darf ich an dieser Stelle gewiss nicht preisgeben – aber ich habe genug Material für noch einen weiteren Beitrag … demnächst. 🙂

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