Happy Super-Pi-Day

seit Wochen sind alle Nerds und Naturwissenschaftler in heller Aufregung: Dieses Jahr ist am 14. März nicht nur „Pi-Day“, sondern dieses Jahr haben wir sogar „Super-Pi-Day“! Dieses Jahrhundertereignis wird sich erst wieder in in 100 Jahren (oder unter Zuhilfenahme des muslimischen Kalenders zu anderer Zeit) wiederholen. Ich will das hier nicht hemeorologisch interpretieren, sondern nur kurz erläutern, was es damit auf sich hat und mit gewohntem Nerd-Humor ein paar Fragen stellen:

Also, was ist Pi-Tag?

Der 14. März ist der 14. Tag des dritten Monats unseres Kalenders. In amerikanischer Datum-Schreibweise notiert man also:
3. 14
und damit hat man die ersten drei Stellen der Kreiszahl π. Darum ist der 14. März (immer) der „Tag von pi“ und wird an amerikanischen naturwissenschaftlichen Instituten mit einem runden Kuchen (engl.: pie) gefeiert. Analog zur klassischen Geburtstagstorte gibt es dann also einen π-Pie (pi-pie, also π2).

nota bene: Es mag den einen oder die andere überraschen, aber wenn man den Umfang des  π-Pie durch seinen Durchmesser teilt, ist das Ergebnis π. : – ) Zumindest, wenn der Konditor alles richtig gemacht hat. O : – )

Zufällig ist der 14. März übrigens auch der Geburtstag von Albert Einstein, weshalb es sich für alle Naturwissenschaftler, Nerds und Wissenschaftsfans doppelt lohnt den π-Day mit einem π-Pie zu zelebrieren. Und dieses Jahr wird Einsteins Relativitätstheorie genau hundert Jahre alt! Wir haben also Einsteins Geburtstag in einem (alle zehn Jahre stattfindenden) Einstein-Jahr, denn Einsteinjahre sind alle Jahre unseres Kalenders, deren Jahreszahl auf 5 endet. Warum? Tja nun, weil 1905 sein anno mirabilis war (Braunsche Bewegung erklärt, Photoeffekt erklärt, Spezielle Relativitätstheorie publiziert) und 1915 die Allgemeine Relativitätstheorie die Astrophysik und Kosmologie revolutionierte und zudem die konzeptuellen Unterschiede der astronomischen Physik (Newton) und der klassischen Physik (Maxwell) in einem neuen Gravitationsgesetz auflöste. Wir feiern also heute einen Einstein-Geburtstag in einem Einstein-Jahr.

Schon allein deshalb sagen wir heute:
Happy π-Day!

Dieses Jahr aber schreiben wir das Datum in unserem Kalender sogar:

3.14 ’15

Das sind also zwei weitere Nachkommastellen der Kreiszahl und darum haben dieses Jahr nicht nur π-Day, sondern Super-π-Day. Ich habe darum heute um 9:26 (mitteleuropäische Zeitzone, in der ich mich gerade aufhalte) ein Selfi im Stil der klassischen Professorenfotos (Gesicht mit Brille, zerzaustes Haar … nicht hübsch, sondern Hauptsache vor einem Bücherregal) gemacht. Mein Selfi hat also den Zeitstempel

3.14 ’15 9:26

(drei weitere Nachkommastellen der Kreiszahl) und weil dieser Moment wirklich kein zweites Mal in meinem Leben vorkommen wird, habe ich um exakt 3.14 ’15 9:26:53 zu diesem Anlass eine Wunderkerze angezündet, die bekanntlich haufenweise künstliche Mikro-Sternschnüppchen versprüht, damit alle Wünsche in diesem wundervollen Super-π-Moment in Erfüllung gehen – das ist für uns Nerds also ein größeres Ereignis als Silvester der Jahrtausend-Wechsel vor anderthalb Jahrzehnten.

celebrating super-pi-moment

celebrating super-pi-moment

Also, wenn das mal kein wichtiges Ereignis ist, über das sich ein Blog-Beitrag lohnt.

🙂

Gute Nachricht

Wer dieses Jahr den Super-Pi-Day verpasst hat, kann ihn nächstes Jahr in abgespeckter Form nachfeiern: Wenn man 3.14159… rundet, ergibt sich schließlich 3.1416 und damit kann man – in guter Näherung – auch nächstes Jahr nochmal feiern:

den Super-Pi-Day 3.14 ’16

Alternativ könnte man auch neu einführen, den -Day einführen. Dieser Vorschlag, eines Freundes von mir (*) diese Woche ist eigentlich ein super-schlauer Gedanke, denn erstens ist der Kreis erst nach 2π komplett und eine runde Sache und zweitens ist der 28. Juni mitten im Hochsommer und lässt sich viel besser auch in unserer Klimazone draußen und unterm Sternhimmel feiern. Zudem hätten wir dann den Super--Day erst im Jahre 2031, also noch vor uns:

2π = 6.283185307

Man könnte das Ritual mit der Wunderkerze also am 28. Juni ’31 um 8:53:07 wiederholen. Lassen Sie uns diesen Termin schon jetzt vormerken und in die Kalender eintragen!

🙂

Zudem ist anzumerken, dass der eigentliche Super-Super-Pi-Day ja bereits einige Jahrhunderte her ist und folgerichtig am 14. März 1592 stattgefunden haben muss. Das war erst zehn Jahre nach der gregorianischen Kalenderreform und es ist mithin fraglich, wann das genau war, denn nicht alle Länder Europas sofort den neuen Kalender annahmen (in Russland hat’s bis 1918 gedauert, in der Türkei bis 1917 und Griechenland sogar erst 1924). Damals hat aber bestimmt niemand um 6 Uhr 53 auf die Uhr geguckt und ein Feuerwerk gestartet. Wissenschaftshistorisch war das gerade hundert Jahre nach der proklamierten „Entdeckung Amerikas“ durch Kolumbus (nicht auf den Tag genau) und die Zeit, in der astronomische Größen wir Johannes Kepler (mathematische Astronomie) und Tycho Brahe (beobachtende Astrometrie) begannen, ein neues Weltbild zu prägen: zwanzig Jahre nach der Tycho-Supernova im Sternbild Cassiopeia und 17 Jahre vor Keplers einschlägigem Werk „Astronomia Nova“ – ja, sogar vor der Erfindung des Teleskops, ohne das die Einsteinsche Revolution der Physik-Gleichungen nicht so relativ schnell hätte beobachterisch bestätigt werden können: Die erste Bestätigung nach der rechnerisch richtigen Erklärung der Periheldrehung war ja die Lichtablenkung am Sonnenrand (nur ca. vier Jahre nach Publikation der Gleichungen).

Das lustige daran ist, dass Newton (nach gregorianischem Kalender) am 4. Januar (1643) Geburtstag hat, was man in der entsprechenden Notation also 1.4 schreiben müsste. Einsteins Physik setzte ca. 3 Jahrhunderte nach Newtons Geburtstag durch. Auch das könnte man bestimmt zahlenmystisch interpretieren – überlasse ich aber lieber anderen, denn dazu ist wohl mein Hirn nicht verschroben genug.

In diesem Sinne:

Happy Super-Pi-Day
und
einen fröhlichen Einstein-Geburtstag im Einsteinjahr!


GIMMICK

Warum feiert eigentlich niemand den e-Tag? Diese Frage stelle ich mir eigentlich schon seit der Schulzeit. Brauchen wir erst eine bedeutende Wissenschaftlerin, die am 2.7. oder 7.2. Geburtstag hat? [vgl.: „the mathematicians of the day“-Pages: 7. Februar, und 2. Juli, immerhin der berühmte Quantenmechaniker Hans A Bethe] Die Eulersche Zahl e = 2.712818281828… ist doch für Prozesse in der Natur, d.h. alle möglichen mathematischen und physikalischen Anwendungen mindestens genauso bedeutend wie die Kreiszahl π.

Nicht umsonst gilt diejenige Formel als „schönste Formel der Welt„, in der e und π gemeinsam vorkommen und zusätzlich nur noch 0 und 1, die edelste und eindrucksvollste Formel der Welt – von eleganter Einfachheit und grenzenloser Schönheit, die sog. Eulersche Formel, lautet:

 ei π + 1 = 0

*)  Dr. Wolfgang Hasse ist theoretischer Physiker an der TU-Berlin. Danke für den runden 2π-Gedanken!

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" [abgewandelt: John Miles, http://www.youtube.com/watch?v=egwARrX1ik8 ] Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte und anschl. Medienwissenschaften, Physikdidaktik & Philosophische Anthropologie als Promotionsstudium. Sie ist seit 1998 freiberuflich als Astronomin und zeitweise auch als Dozentin für Physik tätig. Derzeit erforscht sie die Wurzeln der abendländischen Astronomie. Aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Frühere Arbeitsschwerpunkte waren * in Astrophysik: Stellarphysik; Mikrogravitationslinsen & Exoplaneten (1. Diplomarbeit); * in Technik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2. Diplomarbeit). * in Astronomie- und Physikdidaktik: Aufbau und Entwicklung einer überregionalen außerschulischen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit in Deutschland und im Rahmen des internationalen Jugendaustausches [Mitbegründerin des Astronom. Sommerlagers (ASL), VdS-Jugendreferentin, Initiatorin und Gründerin der VEGA e.V., Begründerin der Berliner SpaceCamps, Gründerin von Astronomie+Raumfahrt-Austauschprogrammen mit Russland und Kasachstan, Zusammenstellung von Lehreinheiten online auf www.exopla.net , historische Methoden zur Vermessung der Welt nachvollziehbar auf Schulniveau] und gleichzeitig in Philosophie/ Medienwissenschaft: Lingua sine Limitibus - Sprachen der Populärdidaktik und transkulturelle Kommunikation (bildliche Sprachen und Visualisierungen, Astronomiekarawanen in Mauretanien, Hotelsternwarte in Portugal). * während Abitur und 2x Doppelstudium finanzierte sie sich als Freiberuflerin [siehe www.urania-uhura.de] durch Popularisierung der Wissenschaften in vielen Medien. In Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter erhielt sie 2006 einen Tourismuspreis. Aktuell erforscht sie durch Analyse von Gestirnlisten in Keilschrift und Altgriechisch durch computergestützte Datenanalyse die Zusammenhänge der babylonischen mathematischen Astronomie mit der hellenistischen Astronomie.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Beim kurzen Überfliegen der entsprechenden Wikipedia-Artikel ist mir leider keine bedeutende Wissenschaftlerin aufgefallen, die am 2.7. oder 7.2. Geburtstag hat. Harriet Brooks hat am 2.7., war mir aber bislang nicht bekannt. Und am 7.2. ist Godfrey Hardy geboren; würde man an diesem Tag was mathematisches feiern, könnte man ihn nur schwer nicht berücksichtigen.

  2. Wenn man das so liest kommen doch Fragen auf.
    Was machen unsere hochbezahlten Wissenschaftler eigentlich den ganzen Tag ?
    Kann es sein das die Leute nicht ausgelastet sind ?

    • @ Kai :
      Auch Wissenschaftler kennen und schätzen Folklore, der werte hiesige Inhaltegeber wird übrigens geschätzt, auch hier, insbesondere auch, wenn es um SciFi und StarTrek geht.
      MFG
      Dr. W (auch nicht immer ‚ausgelastet‘)

    • „hochbezahlt“ – tja, das wäre ich auch mal gerne! was mich betrifft: ich bin leider wirklich im Job nicht ausgelastet, aber auch beim besten Willen nicht „hochbezahlt“ (sondern wie schon als Studentin), da ich in einem Job arbeite, der mich unterfordert und in dem ich leider auch eher schlecht bezahlt bin (d.i. weniger als eine halbe Stelle und noch dazu nur 1-Jahr-Vertragsdauer) …

      Darum zur Frage: Ein bißchen Humor im Wissenschaftlerin-Altag ist notwendig fürs Überleben. Ich möchte zusätzlich darauf hinweisen, dass der 14.3. dieses Jahr ein Samstag war und dieser zur freien Verfügung steht – ich arbeite zwar meist auch samstags, aber das ist in .de keineswegs selbstverständlich oder verpflichtend.

      Was die oben zitierten anderen machen, die das seit Wochen über mailinglisten, facebook etc. verbreiten – sei es Software-Entwickler oder Diskussionen auf der internationalen Astronomiegeschichte Mailingliste … darüber kann ich keine Aussage treffen: Unkenntnis, bedaure. Aber wie bereits von anderen gesagt: ein bißchen Folklore ist schon ganz gut – nebenbei und solange es nicht Überhand nimmt.

  3. @Kai

    „Hochbezahlte Wissenschaftler“??? Ich fürchte, die realen Bedingungen an Hochschulen und Instituten – über Jahrzehnte nur befristete, meist geteilte Stellen ohne Sicherheit auf Aufstiegschancen – ist nicht so bekannt. Unsere Gesellschaft setzt Milliarden mit Sport- und Entertainment“stars“ um, von Wissenschaft alleine können nur wenige leben. Gönnen Sie uns also unsere nerdigen Subkulturen samt dazugehörigem Galgenhumor… 😉

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